Lade Inhalt...

Der Vampir als Ausdruck des Unheimlichen

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung - Der Vampir als Ausdruck des Unheimlichen

2. Definition Vampir

3. Die Comicfigur Cassidy als Vampir

4. Das Unheimliche nach Freud

5. Das Unheimliche an Cassidy

6. Fazit: Ist ein Bezug von Freud auf den Vampir im Comic sinnvoll?

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung - Der Vampir als Ausdruck des Unheimlichen

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Unheimlichen nach Freud beim Vampir im Comic am Beispiel der Figur Cassidy aus der Reihe Preacher von Garth Ennis und Steve Dillon. Zunächst wird kurz definiert, was einen Vampir ausmacht, da sich einerseits das Bild des Wiedergängers seit der Erscheinung von Bram Stokers Dracula bis heute fortlaufend verändert und ergänzt hat, andererseits aber auch gewisse Charakteristika gleich geblieben sind.

Die Figur des Cassidy erweist sich insofern als interessant für eine Hausarbeit, als dass sie einerseits einen Vampir in der heutigen Zeit verkörpert und andererseits ein völlig untypischer Vampir zu sein scheint. Darüber hinaus ist Preacher voll von Anspielungen auf die Populärkultur und ironischen selbstreferentiellen Bemerkungen über Gott, Engel, Vampire, Übernatürliches und Unheimliches. Daher bietet es sich an, Cassidy als Beispiel für das Unheimliche nach Freud zu untersuchen und zu fragen, ob eine Untersuchung dieses sehr modernen Textes mit dem fast hundert Jahre alten Text Das Unheimliche (Freud, 1919) sinnvoll ist.

2. Definition Vampir

Wenn ein Vampir zu einem nach Hause kommt und an die Tür klopft, was würde man wohl erwarten zu sehen, wenn man die Tür öffnet? Einen Mann mit spitzem Haaransatz, Umhang und Smoking? Oder würde man ihn sich mit Reisszähnen, blutverschmiert und mit irrem, durchdringenden Blick vorstellen? Vielleicht würde man sich aber auch Auge in Auge mit einem jungen Mann in Jeansjacke, wie Cassidy (Vgl. Kapitel 3) einer ist, wiederfinden. All diese Vampire existierten zu einem Zeitpunkt oder existieren bis heute in unserer Vorstellung.1

Die Frage, die sich nun stellt ist, was haben all diese Figuren gemeinsam? Was sind die Mindestanforderungen an einen Vampir, damit man ihn als solchen erkennt? In einem scheint es einen Grundkonsens zu geben, es handelt sich bei einem Vampir um einen Verstorbenen, der sein Grab verlässt, um Lebenden Blut auszusaugen. Ebenso elementar ist es für den Wiedergänger, dass er nachts agiert, da das Tageslicht ihm schadet.2 Im Folgenden werden nun Eigenschaften des Vampirs aufgezählt, welche zwar häufig in dessen Beschreibung vorkommen aber variieren und kein Muss sind (Vgl. Kapitel 3). Bei seiner nächtlichen Aktivität ist es ihm möglich, seine Gestalt zu verändern und beispielsweise als Tier, Lichtstrahl oder Nebel aufzutreten. Seine Opfer können durch einen erfolgreichen Angriff ebenfalls zum Vampir werden. Tagsüber ruht der Wiedergänger in seinem Grab. Ferner besitzt er kein Spiegelbild, ist bei Mondschein stärker und mächtiger und fürchtet Knoblauch. Ursprung und Bedeutung des wahr- scheinlich makedonischen Wortes vampir sind nicht genau geklärt. Fest steht, dass ähnliche Vorstellungen in fast allen Kulturkreisen auf der Weld zu finden sind, ebenso wie die Angst vor einer Rückkehr der Toten ins Reich der Lebenden. In England und den britischen Inseln finden sich ab Ende des 12. Jahrhunderts Dokumente zu vermeintlichen Fällen von Wiedergängern, was in dieser Arbeit später noch einmal aufgegriffen wird (Vgl. Kapitel 3).3

Neben der im Volksglauben angesiedelten Figur des blutsaugenden Revenanten spielt die katholische Kirche eine große Rolle in der Verbreitung des Vampirglaubens. Sie ernannte Vampire zu Verbündeten des Teufels und entnahm sie somit ihrem heidnischen Umfeld und setzte sie in einen christlichen Kontext.4

Im Folgenden werden nun die am weitesten verbreiteten Methoden Prävention und zur Bekämpfung von Vampiren aufgezählt: In einigen Kulturkreisen reicht es aus, den Verstorbenen tiefer als gewöhnlich oder mit dem Gesicht nach unten zu begraben. Aus Dalmatien kommt der Brauch, frischen Knoblauch im Haus zu verteilen, sollte der Wiedergänger nicht im Grab bleiben, obwohl man ihm die Beinmuskeln durchschnitt. Bei Tag öffnete man den Sarg und verbrannte, köpfte oder pfählte den unverwesten Leichnam. Eine Methode heidnischen Ursprungs aber von der christlichen Lehre adaptierte, ist die der Pfählung.5 Diese ist wohl auch die bis heute allgemein bekann- teste.

3. Die Comicfigur Cassidy als Vampir

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, was die Figur des Cassidy in der Comicreihe Preacher von Autor Garth Ennis und Zeichner Steve Dillon zum Vampir macht, beziehungsweise, an welchen Stellen man das Vampirhafte an ihr erkennen kann. Hierzu beschäftige ich mich hauptsächlich mit den Sammelbänden Proud Americans und Dixie Fried, da die ganze Reihe mit ihren 9 Sammelbänden sehr umfangreich ist und sich die Figur des Cassidy durch die gesamte Geschichte zieht.

An Sonntagen ist Reverend Jesse Custer ein typischer texanischer Pfarrer für die einfachen Leute in Annville, den Rest der Woche verbringt er mit Trinken bis Genesis, das Kind eines Engels und eines Dämonen von ihm Besitz ergreift, wobei die restlichen 200 Einwohner von Annville sterben. Jesse Custer erhält durch Genesis „ The Word of God “, wenn er damit spricht, muss jeder tun, was er sagt. In den Comics ist Text, der mit dem „ Word of God “ gesprochen wird, rot.

Das Schicksal vereint Jesse mit seiner Verflossenen Tulip und die beiden wiederum mit Cassidy, einem circa 100 Jahre alten irischen Vampir mit einer Vorliebe für Whiskey. Cassidy stößt zu Jesse und Tulip, als diese versucht, seinen Truck zu stehlen. Vordergründig bleibt er aus Freundschaft bei ihnen, aber heimlich ist er in Tulip ver- liebt. Gemeinsam suchen sie nach Gott, um ihn für seine Sünden zur Verantwortung zu ziehen.6

Wie schon in Kapitel 2 angedeutet ist Cassidy eben kein älterer Herr in edlen Gewändern, ein Graf oder ähnliches, sondern eben ein junger Mann in T-Shirt und Jeans-Outfit mit Sonnenbrille und roten Haaren.7 Er spricht mit irischem Akzent und verkörpert auch sonst viele irische Klischees, abgesehen davon, dass er eben zusätzlich noch Vampir ist.

Zum Wiedergänger wird er während der Osteraufstände in Irland 1916, als er nach einem Scharmützel gemeinsam mit seinem älteren Bruder untertauchen muss. Dies deckt sich im Wesentlichen damit, dass es zu dieser Zeit auf den britischen Inseln bereits lange Berichte von Vampiren gab, auch wenn wir es hier mit einer fiktiven Geschichte zu tun haben. Vampire passen im Irland dieser Zeit durchaus in den theoretischen historischen Kontext (Vgl. Kapitel 2). Eines Nachts wird Cassidy auf einer Wiese von einem Vampir gebissen und somit selbst zum Revenanten. Bald schon merket er, dass Sonnenlicht ihm schadet und er sich nachts fortbewegen muss, sowie dass er nicht stirbt, sondern wieder heilt, obwohl er mit einem Schrotgewehr in den Bauch geschossen wird.8 Hier lässt sich die Grundlegende Kennzeichnung als Vampir anhand klassischer Merkmale festmachen: Die »Fortpflanzung« des Vampirismus über den Biss, die Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht und Unsterblichkeit können als typisch gelten.

Cassidy wandert nach Amerika aus und gewinnt dank seiner übermenschlichen Kräfte, die er als Vampir hat, ein weiteres Merkmal seiner Übernatürlichkeit, eine Wette beim Armdrücken und freundet sich mit seinem Gegenüber, McGee, an.9 Wenn er in Gegenwart anderer isst, so handelt es sich meist um komplett rohe, blutige Steaks.10 Untypisch ist hierbei der Verzehr fester, wenn auch blutiger Nahrung. Nach einigen Jahrzehnten trifft Cassidy McGee und seine Freunde wieder und ihm fällt auf, dass er selbst nicht einen Tag gealtert zu sein scheint. Von McGee bekommt er auch das Buch Dracula und hat daraufhin ein Aha-Erlebnis:

ONE READ‘VE THAT AN‘ EVERYTHING FELL INTO PLACE IN AN INSTANT. A LOT‘VE IT WAS BOLLICKS, BUT THE ESSENTIAL TRUTHS WERE THERE: SUNLIGHT AN‘ BLOOD, OBVIOUSLY... AN‘ LIVIN‘ FOREVER.11

Eine Stelle die sehr exemplarisch für die Vermischung des ursprünglich heidnischen Vampirglaubens mit christlichem Kontext ist, findet man, als Cassidy in einer Art Arena liegend zur Folterung pausenlos angeschossen wird und im wahrsten Sinne des Wortes zerschossen dort liegt. Hier erscheint ihm Gott, bei dem er sich sofort beschwert, dass dieser kein liebender Gott sei, woraufhin Gott ihm antwortet:

[...]


1 Vgl. Tim Kane: The Changing Vampire of Film and Television. A Critical Study of the Growth of a Genre. Jefferson/London 2006. Introduction, S. 3-19, S. 3

2 Vgl. Susanne Pütz: Vampire und ihre Opfer. Der Blutsauger als literarische Figur. Bielefeld 1992, S.14-30, S.14

3 Ebd., S. 14f.

4 Ebd., S. 16

5 Ebd., S. 17

6 Vgl. Garth Ennis (Text)/Steve Dillon, Peter Snejbjerg (Bilder): War in the Sun. In: Paul Levitz (Hrsg.): Preacher. Bd. 6. New York: DC Comics 1999, S. 1-6, S. 3f.

7 Vgl. Garth Ennis (Text)/Steve Dillon (Bilder): Proud Americans. In: Paul Levitz (Hrsg.): Preacher. Bd. 3. New York: DC Comics 1997, S. 184-231, S. 207

8 Ebd., S. 196f.

9 Ebd., S. 214

10 Ebd., S. 217f.

11 Ebd., S. 222

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656051343
ISBN (Buch)
9783656051626
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181868
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
vampir ausdruck unheimlichen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Vampir als Ausdruck des Unheimlichen