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Die Anwendung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen

Eine kritische Betrachtung

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Romanistik - Weitere Sprachen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen
2.1. Allgemeines
2.2. Aufbau der Charta
2.3. Anwendung der Charta in Spanien

3. Theoretische Analyse der Anwendung der Europäischen Charta der Regional und Minderheitensprachen
3.1. Status und Ausbau
3.2. Benutzung im Nähe und im Distanzbereich

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliographie

1. Einleitung

Am 05. November 1992 unterzeichnete Spanien als eines der ersten Europäischen Länder die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen. Als ein Land mit hoher sprachlicher Dichte und Komplexität auf der einen und einer diskriminierenden, sogar feindlichen Sprachenpolitik bis zum Ende der FrankoDiktatur auf der anderen Seite ist es für Spanien besonders wichtig, die dort gesprochenen Mundarten zu schützen und zu fördern.

Die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen soll diesen Schutz durch die Umsetzung konkreter Maßnahmen gewährleisten.

Die Anwendung eines rechtlichen Dokuments mit festgelegten Formulierungen und Anwendungsbereichen auf etwas so Vitales wie eine Einzelsprache kann, wie im Folgenden gezeigt werden wird, zu einigen Problemen führen. Durch die Anwendung eines statischen Dokumentes auf eine Einzelsprache, die doch immer eine gewisse Dynamik beinhaltet, wird vorausgesetzt, dass in die Sprache eingegriffen und somit die Sprache womöglich sogar verändert wird.

Zudem basiert ein rechtliches Dokument auf Definitionen, die bestimmte Gegebenheiten voraussetzen: Der Gegenstand einer Charta oder Konvention muss klar und deutlich benannt werden, damit keine thematischen Zweifel bestehen bleiben. Inwiefern die von der Charta genannten Definitionen auf linguistischen Kriterien beruhen und wo auch hier eventuelle Schwachstellen liegen, soll in der vorliegenden Arbeit beleuchtet werden. An welchen Stellen kann es bei der Anwendung eines rechtlichen Dokuments auf eine Sprache aus linguistischer Sicht zu Problemen kommen? Wo sind die Berührungspunkte eines rechtlich propagierten Soll Zustandes einer Sprache und eines linguistischen Ist Zustandes, und wo finden sich diesbezüglich Schwachstellen?

Als Grundlage für die Beantwortung dieser Fragen dienten die Theorien der Linguisten Heinz Kloss, Einar Haugen und Charles A. Ferguson. Sie beschrieben alle bestimmte Zustände von Einzelsprachen in ihrer Wechselwirkung mit der Gesellschaft. Die folgende theoretische Analyse der Europäischen Charta der Regional oder Minderheitensprachen bezieht deshalb sowohl die linguistische, als auch die gesellschaftliche Ebene in die Betrachtung mit ein.

2. Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen

2.1. Allgemeines

Die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen („European Charter for Regional or Minority Languages“) ist eine Konvention, die am 25. Juni 1992 vom Ministerkomitee des Europarates verfasst wurde und ab dem 5. November 1992 in Straßburg unterzeichnet werden konnte. Erst am 1. März 1998 trat die Charta offiziell in Kraft.

Ziel der Charta ist es, den Schutz der historischen Regional oder Minderheitensprachen in Europa als Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung des kulturellen Erbes Europas und seiner Traditionen zu gewährleisten. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Charta nur den Schutz der entsprechenden Sprachen, nicht aber der die Sprachen sprechenden Bevölkerungsgruppen zum Ziel hat. Trotz dieser Eingrenzung werde die Anwendung der Charta sich auf die betreffenden Gemeinschaften auswirken:

Nevertheless, the obligations of the parties with regard to the status of these languages and the domestic legislation which will have to be introduced in compliance with the charter will have an obvious effect on the situation of the communities concerned and their individual members (Explanatory Report 2000: Artikel 11).

Die Charta beruft sich in ihrer Präambel auf den „Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte“ der Vereinten Nationen von 1966, sowie auf die „Europäische Menschenrechtskonvention“ von 1950 und bezeichnet das Sprechen einer Regional oder Minderheitensprache als unveräußerliches Recht. Ausgehend von der Forderung der Beratenden Versammlung und ihrer Entschließung 136 aus dem Jahre 1957, in der ein sogenannter „positiver Schutz“ für Minderheitensprachen und die sie benutzenden Gemeinschaften verlangt wurde, legte 1988 schließlich die Ständige Konferenz den Text für eine Charta vor, die als Konvention angelegt war.

Ende 1989 begann dann ein eigens ins Leben gerufener Sachverständigenausschuss für die Regional oder Minderheitensprachen in Europa mit der Ausarbeitung der Charta unter Berücksichtigung des Textes der Ständigen Konferenz. In beratender Funktion waren auch die Komitees des Europarats für Kultur, Erziehung, Menschenrechte, juristische Zusammenarbeit, Kriminalitätsprobleme, Gemeinden und Regionen und Medien an der Ausarbeitung beteiligt. Zur Unterzeichnung wurde die Charta am 5. November 1992 in Straßburg aufgelegt (vgl. Explanatory Report 2000: Artikel 39).

Die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen ist eine Maßnahme der Europäischen Union, die den Schutz der vom Aussterben bedrohten Sprachen Europas zum Ziel hat. Die Unterzeichnung und Ratifizierung der Charta durch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist jedoch nicht obligatorisch. Bisher wurde die Charta unterzeichnet von den Ländern Armenien, Bosnien Herzegovina, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn und Zypern. Weitere acht Länder haben die Charta unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert (Stand: März 2011).

2.2. Aufbau der Charta

Die Europäische Charta der Regional und Minderheitensprachen gliedert sich in fünf Hauptabschnitte und eine Präambel:

In der Präambel werden die generellen Ziele der Charta formuliert. In diesem kurzen Abschnitt wird vor allem der Wert der Regional und Minderheitensprachen als kulturelles Erbe Europas und die sprachliche Vielfalt als kulturelles Gut anerkannt. Darüber hinaus wird der Schutz von Regional oder Minderheitensprachen als „important contribution to the building of a Europe based on principles of democracy and cultural diversity“ (European Charter for Regional or Minority Languages 1992: Preamble) bezeichnet.

Auch wird unterstrichen, dass der Schutz und die Förderung von Regional oder Minderheitensprachen weder die nationale Souveränität und territoriale Integrität in Frage stellen, noch die Beeinträchtigung der offiziellen Sprache eines Staates, beziehungsweise der Notwendigkeit des Erlernens dieser Sprache, zur Folge haben darf.

Im ersten Teil der Charta werden die Begriffe „Regionalsprache“ und „Minderheitensprache“ zunächst definiert. Besonders wird unterstrichen, dass Dialekte einer offiziellen Amtssprache oder die Sprachen von Migranten nicht Gegenstand der Charta seien.

Ferner werden die genauen Konditionen, die die Anwendung der Charta in einem Staat betreffen, festgelegt: Von den in Teil drei der Charta vorgestellten Maßnahmen muss jeder Staat 35 auswählen, mit unterschiedlichen Gewichtungen der verschiedenen vorgestellten Bereiche.

Den Staaten wird sowohl bei der Auswahl der Regional oder Minderheitensprachen, die vom Schutz der Charta profitieren sollen, als auch bei der Auswahl der anzuwendenden Maßnahmen eine große Freiheit gewährt. Betont wird, dass die Maßnahmen nicht mit eventuell bereits bestehenden Maßnahmen in einem Staat konkurrieren sollen.

In Teil zwei werden allgemeine Prinzipien vorgestellt, die alle den Status und das Ansehen einer Sprache innerhalb eines Staates, Förderung und Schutz und die Verständigung zwischen Bevölkerungsgruppen betreffen.

Im dritten Teil der Charta werden konkrete Maßnahmen aus den Bereichen Bildung, Justizbehörden, Verwaltungsbehörden und öffentliche Dienstleistungsbetriebe, Medien, Kulturelle Tätigkeiten und Einrichtungen, wirtschaftliches und soziales Leben und grenzüberschreitender Austausch genannt. Die Maßnahmen liegen, je nach Situation der betreffenden Sprache, (vgl. European Charter for Regional or Minority Languages 1992: Artikel 8,1) in verschiedenen Abstufungen vor, so dass ein Staat die für die jeweilige Sprache am ehesten zutreffende Maßnahme auswählen kann.

Der vierte Teil beschäftigt sich mit der Ausarbeitung der Berichte, die dem Generalsekretär des Europarats ein Jahr nach der Ratifizierung und daran anschließend alle drei Jahre vorgelegt werden müssen. In diesen Berichten wird der zweite Teil der Charta in seiner Anwendung in dem entsprechenden Staat sowie der dritte Teil mit den konkreten Maßnahmen vorgestellt.

Im fünften und letzten Teil der Charta geht es schließlich um den Unterzeichnungs und Ratifizierungsprozess.

2.3. Anwendung der Charta in Spanien

Im April 2009 organisierte der Europarat in Zusammenarbeit mit der Universität Baskenland eine Konferenz, auf der die bisherige Anwendung der Charta reflektiert werden und ein Ausblick in die Zukunft gewagt werden sollte.

In seinem Vorwort zu dem 2010 erschienenen Tagungsbericht schrieb Terry Davis, Generalsekretär des Europarats von 20042009:

Spain has an outstanding record in the protection and promotion of its regional or minority languages, since some of them have official status. We should also note that the autonomous communities, notably the Basque Region, have done extremely well in the implementation of the European Charter for Regional or Minority Languages (Davis 2010: 7).

Tatsächlich kann man wohl sagen, dass Spanien sich sehr um den Schutz und die Förderung der dort gesprochenen Regional und Minderheitensprachen bemüht. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern findet sich in Spanien wohl auch die vermutlich höchste sprachliche Komplexität und die größte Anzahl von Sprechern einer Regional oder Minderheitensprache. Von den 18 Millionen Menschen, die in den autonomen Gemeinschaften leben, in denen neben Spanisch noch eine weitere Sprache gesprochen wird, sind 10 Millionen Menschen in der Lage, eine andere Sprache als Spanisch zu sprechen (Pérez Medina 2010: 105116).

Dies ist nicht zuletzt der historischen Entwicklung Spaniens zu verdanken, in der es zu einem Zusammenschluss vieler kleiner Königreiche und Fürstentümer kam, die alle bereits ihre eigene Sprache hatten. Diese Sprachen wurden dann im 13. Jahrhundert von Kastilisch überdacht, was sie zu sogenannten Primärdialekten des Kastilischen macht. Obwohl es bereits Bestrebungen vor dem Bürgerkrieg gegeben hatte, manchen dieser Sprachen einen Autonomiestatus zu gewähren, wurde dies mit Beginn der FrankoDiktatur für nichtig erklärt: Das Sprechen von Regional oder Minderheitensprachen wurde streng verboten und brutal verfolgt. Viele Schriften wurden verbrannt, Schriftsteller gingen ins Exil. „For many years regional and minority languages survived only in the home“, liest man im ersten Bericht des Expertenkomitees über die Anwendung der Charta in Spanien (Application of the Charter in Spain 2005: 5).

In der neuen Verfassung von 1978 wurde Spanien stark dezentralisiert und 17 autonome Gemeinschaften gebildet, die auf die ursprünglichen Sprachgemeinschaften zurückgehen und einen hohen Grad an Selbstverwaltung besitzen. Diese autonomen Gemeinschaften sind es, die ein hohes Interesse am Schutz und an der Förderung ihrer jeweiligen Sprache haben.

Dies führt zu einigen Problemen in der Anwendung der Charta, da in der spanischen Verfassung die Sprachenfrage nicht näher benannt wird und Spanien demzufolge offiziell ein monolinguales Land ist. Der Schutz und die Förderung der Regional und Minderheitensprachen liegt allein bei den autonomen Gemeinschaften. Da die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen jedoch ein internationales Abkommen ist, kann nur der Nationalstaat sie unterzeichnen und an der Weiterentwicklung teilhaben. Die Regional und Lokalverwaltungen, die schließlich mit der Anwendung der Charta direkt betraut sind, haben keinerlei Einfluss auf diesen Prozess. Problematisch ist auch die Anwendung der Charta auf Sprachgemeinschaften, die außerhalb der autonomen Gemeinschaft leben, in der die entsprechende Sprache geschützt und gefördert wird. In den autonomen Gemeinschaften wird der in der Charta höchste Grad an Schutz und Förderung umgesetzt; außerhalb der autonomen Gemeinschaften ist dies jedoch häufig nicht möglich.

Dies stellt auch für die Erstellung des regelmäßig vorzulegenden Berichts eine große Herausforderung dar: Um eine realistische Berichterstattung gewährleisten zu können, werden die Berichte der autonomen Gemeinschaften gesammelt und zu einem den ganzen Staat repräsentierenden Bericht zusammengefügt. Dass dies auch positive Auswirkungen auf die Kommunikation zwischen den autonomen Gemeinschaften und dem Staat haben kann, betont José María Pérez Medina:

In fact, Spain is using this second report as an opportunity for dialogue and mutual understanding. Moreover, this joint work has taken place in a highly felicitous climate of teamwork and with the satisfaction of conducting work which is greatly appreciated and elicits maximum interest from all concerned (Pérez Medina 2010: 105116).

Auch wenn die Benutzung von Regional oder Minderheitensprachen durch die Globalisierung, neue Informationstechnologien und intensive Immigration immer weiter gefährdet wird und die Tendenz zu einer vereinheitlichenden lingua franca zu erkennen ist, so kann man für den Fall Spanien doch mit Bestimmtheit sagen, dass die Charta einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Schutz dieser Sprachen beigetragen hat. Und nicht zuletzt ist anzumerken: „The future of any language depends on its users and their desire and determination to ensure that it retains its status as a valid means of communication“ (Pérez Medina 2010: 105116).

3. Theoretische Analyse der Anwendung der Europäischen Charta der Regional und Minderheitensprachen

3.1. Status und Ausbau

In der Definition der Begriffe „Regionalsprachen“ und „Minderheitensprachen“, die in Teil eins der Europäischen Charta der Regional oder Minderheitensprachen aufgeführt ist, heißt es: „[...] it does not include either dialects of the official language(s) of the State or the languages of migrants“ (European Charter for Regional or Minority Languages). Um festzulegen, welche Idiome vom Schutz der Charta profitieren können, wird also bereits der Status ,Sprache‘ vorausgesetzt. In dem erläuternden Bericht der Charta lesen wir:

However, it does not pronounce on the often disputed question of the point at which different forms of expression constitute separate languages. This question depends not only on strictly linguistic considerations, but also on psychosociological and political phenomena which may produce a different answer in each case. Accordingly, it will be left to the authorities concerned within each state, in accordance with its own democratic processes, to determine at what point a form of expression constitutes a separate language (Explanatory Report 2000: Artikel 32).

Heinz Kloss liefert 1978 zur Unterscheidung von Dialekt und Einzelsprache (oder historische Sprache, wie Eugenio Coseriu 1980 schreibt) zwei Kategorien zur Einteilung der fraglichen Idiome: „Abstandssprachen“ und „Ausbausprachen“ (Kloss 1978: 2389).

„Abstandssprachen“ sind alle die Sprachen, die allein auf Grund ihres Abstandes zu jeder anderen Sprache als eigene Sprache gelten. Von den durch die Charta geschützten Sprachen trifft dies eindeutig auf die Baskische Sprache oder Euskara zu, die keiner Sprachfamilie zuzuordnen ist. Hier scheint der Status ,Sprache‘ also nach Kloss gesichert zu sein, unabhängig davon, wie gut die Sprache ausgebaut ist. Aus diesem Grund werden diese Sprachen auch oft „Automatische Sprachen“ genannt, weil sie sozusagen automatisch als Sprachen anerkannt werden. Dieser Ausbau wird bei Anwendung der Charta durch die Umsetzung der Maßnahmen herbeigeführt.

Schwieriger wird es, wenn man den Begriff „Ausbausprache“ näher untersucht: „Ausbausprachen“ sind nach Kloss alle die Idiome, die einen bestimmten Mindestgrad des Ausbaus erreicht haben. Diese Idiome haben dadurch den Status ,Sprache‘, dass sie durch ihren Ausbau dazu in der Lage sind, bestimmte Funktionen im privaten sowie öffentlichen Leben zu erfüllen. Um als Idiom überhaupt eine Chance zu haben, durch die Europäische Charta der Regional oder Minderheitensprachen geschützt zu werden, bedarf es also, sofern es sich nicht um „Abstandssprachen“ handelt, genau des Ausbaus, der durch die Charta erst herbeigeführt werden soll. Alle Sprachen Spaniens, die in der Charta erwähnt werden, waren schon vor Anwendung der Charta bis zu einem gewissen Grad ausgebaut. Idiome, die diesen Ausbau nicht von selbst erreichen konnten, profitieren also nicht vom Schutz der Charta: So erhält zum Beispiel das Leonesische, das eine Varietät des asturleonesischen Sprachkontinuums darstellt, keinerlei Protektion durch die Charta, obwohl es von der UNESCO als akut vom Aussterben bedroht bezeichnet wird: „Present state of the language: Seriously endangered“ (UNESCO Red Book on Endangered Languages: Europe).

So muss also ein gewisser Grad an Ausbau von Innen heraus bereits vorhanden sein, damit ein Idiom durch die Charta geschützt werden kann. Einem Statusausbau geht immer ein Korpusausbau voraus, denn nur eine Sprache mit einem halbwegs ausgebauten, das heißt standardisierten Korpus kann zum Beispiel in der Schule unterrichtet werden oder in legalen Dokumenten Verwendung finden.

Von der Charta geschützt werden demnach nur Idiome, die bereits über einen mehr oder weniger gut ausgebauten Korpus und bestimmte Mindestkriterien des von Kloss formulierten Ausbaus verfügen.

Um den Prozess des Ausbaus unter Einwirkung der Charta zu veranschaulichen, ist es hilfreich, Einar Haugens Modell für die sogenannte Sprachplanung (Language Planning) zu verwenden (Haugen 1966: 5964):

Nach Haugen gliedert sich der Ausbauprozess in vier Phasen: Die erste Phase, „Selection“, geht von der Gesellschaft aus, die ein Problem in der Sprache erkennt und benennt. Schaut man sich nun den Ausbauprozess an, der von der Charta ausgeht, so erkennt man, dass sich die Phase „Selection“ hier schon in zwei Phasen gliedert: Zunächst wird die Notwendigkeit erkannt, Regional und Minderheitensprachen zu schützen. Es wird also ein „Statusproblem“ festgestellt. Dieses „Statusproblem“ ist jedoch, wie oben bereits erläutert, nicht ohne einen Korpusausbau zu beheben, weshalb in einem zweiten Schritt ein „Korpusproblem“ festgestellt wird. Ein hinreichend ausgebauter Korpus, zum Beispiel im schriftlichen Bereich, ist Voraussetzung für die Veränderung des Status‘.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656073604
ISBN (Buch)
9783656073543
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181886
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Romanisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Sprachenpolitik Soziolinguistik Europäische Konvention

Autor

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Titel: Die Anwendung der Europäischen Charta der  Regional- oder Minderheitensprachen