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Einordnung der beiden Quellen "Nibelungenlied" (um 1200) und "Vorrede des Eulenspiegelbuches" (1515) in einen mediengeschichtlichen Kontext

Referat (Ausarbeitung) 2004 10 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formale Unterschiede der Texte

3. Mediengeschichtliche Hintergründe und Erwägungen
3.1. Inhaltliche Gemeinsamkeiten: Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit
3.2. Unterschiede in der Herstellung der Texte: Vom Manuskript zum Buchdruck
3.3. Für wen waren die Texte bestimmt?
3.4. Kein Medium ersetzt ein anderes vollständig

4. Schlussfolgerung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die beiden hier zugrundegelegten Quellen ("Nibelungenlied", um 1200 und "Vorrede des Eulenspiegelbuches", 1515) sollen in diesem schriftlichen Referat in einen mediengeschichtlichen Kontext eingebettet werden.

Hierbei sollen ganz verschiedene Aspekte genauer betrachtet werden. So sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezeichnet werden, aber auch der kulturelle und geschichtliche Hintergrund dargestellt werden. Kultur ist in diesem Zusammenhang von eminenter Bedeutung, haben wir doch durch die schriftlich fixierten (und damit bis in unsere Zeit erhaltenen) Quellen die Möglichkeit, das kulturelle Umfeld zu erahnen und uns damit auch ein Bild der Lebenssituation der Menschen in der damaligen Zeit zu machen. So lassen denn auch die beiden Quellen eine Reihe von interessanten Rückschlüssen zu, sie zeigen auf ganz verschiedenen Ebenen Entwicklungstendenzen; auch können wir uns überlegen, ob heutige Entwicklungen früher in anderer Form schon einmal dagewesen sind - wir können versuchen "aus der Geschichte zu lernen".

Hier soll aber, wie bereits erwähnt, das Schwergewicht der Darlegungen auf mediengeschichtliche Erwägungen gelegt werden.

Selbstverständlich ist das ganze immer vor den grossen Paradigmen der Mediengeschichte, wie Mündlichkeit und Schriftlichkeit oder Manuskript und Buchdruck (vgl. Skriptum Mediengeschichte) zu sehen. Ein solcher Wechsel in den benutzen Medien (sogenannter Medienwechsel) oder auch in der Art wie geschrieben wird (hier vom Manuskript zum Buchdruck) hat bisher immer in einem mehr oder weniger ausgeprägten Sinn zu einem grundlegenden Wandel der Kultur geführt (sogenannter Kulturwandel), wobei auch nie - dies sei als letztes angesprochen - ein bisheriges Medium durch ein neuartiges gesamthaft ersetzt und damit ins Unrecht versetzt worden wäre.

Dies soll auf den folgenden Seiten anhand der beiden Quellen näher dargelegt werden.

2. Formale Unterschiede der Texte

Das Nibelungenlied ist formal wesentlich strenger gefasst als die Vorrede zu Till Eulenspiegel. Es umfasst Merkmale wie Strophe und Verse (einzelne Zeilen). Zwar finden sich keine Reime im eigentlichen Sinne, dennoch ist dem Text eine Art Rhythmus eigen. Besonders im Mittelteil wird dies durch den ungewöhnlich homogenen Satzaufbau deutlich ("von ruhmreichen Helden, von hartem Streit, von glücklichen Tagen und Festen (...)") Daneben kann die Rhythmisierung wohl teilweise auch auf die rege Benützung von Adjektiven zur Veranschaulichung der Substantive zurückgeführt werden. Die Substantive werden so auf gewisse Art "blumiger" gemacht und in ihrem Sinne verdeutlicht (zumindest in den ersten beiden Versen). So wird nicht bloss von "Helden" oder "Streit" gesprochen - die Helden sind "tapfer" und der Streit ein "harter".

Demgegenüber kann die Vorrede des gedruckten Eulenspiegel-Buches eher als prosaisch aufgefasst werden. Der Text ist hier nicht in einzelnen Versen, sondern in eigentlichen, fortlaufenden Sätzen geordnet. So ähnlich würden wohl auch wir heute eine Art "Vorwort" verfassen. Zwar sind die Sätze nicht durchwegs komplizierter, dennoch finden sich im Text Beispiele dafür. Folgender Satz soll hierzu angeführt werden: "(...) Ich legte ihnen mit freundlicher Bitte mannigfaltige Ursachen dar, mir zu erlassen, von Eulenspiegel etwas zu schreiben, was er an einigen Orten getrieben hat, weil es sie verdriessen möchte (...)". Dieser Satz ist immerhin in mehrere Teil- und Nebensätze gegliedert.

Beiden Texten ist eine relativ einfache, allgemein verständliche Sprache eigen. Es kommen kaum Worte vor, welche ein Durchschnittsleser nicht verstehen könnte.

3. Mediengeschichtliche Hintergründe und Erwägungen

3.1. Inhaltliche Gemeinsamkeiten: Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit

Gemeinsamkeiten können im inhaltlichen Bereich gefunden werden; in beiden Texten setzt sich der jeweilige Verfasser mit tradiertem (überliefertem) Kulturgut auseinander. Das besondere daran ist, dass dieses Kulturgut bis zum Augenblick des Verfassens ausschliesslich mündlich überliefert wurden ist (selbstverständlich ist es möglich, dass frühere Textfassungen verloren gegangen sind und damit dem Betrachter heute nicht zugänglich sind).

Das bearbeitete Kulturgut handelt im weitesten Sinne von Geschichten und dem ganzen Umfeld, welches diese Geschichten begleitet ("glückliche Tage und Feste" im Falle des Nibelungenliedes). Damit wird in diesem schriftlichen Referat ein weiter Kulturbegriff unterstellt. (vgl. Skriptum, Seite 2: "Im weiten Sinne ist Kultur die Gesamtheit der Ordnungen und Selbstdeutungen einer Gesellschaft und ihrer Beziehungen zu anderen Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart. Im engen Sinn umfasst Kultur die Künste.")

Die Absicht des Urhebers des jeweiligen Textes ist deshalb in beiden Fällen als ähnlich anzusehen; es geht darum, bisher mündlich überliefertes Kulturgut schriftlich festzuhalten. Wir stehen also am Übergang von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit. Der eigentliche Inhalt der Texte kann jeweils im weitesten Sinne unter Begriffe wie "Volksweise, Märchen, Geschichten" subsumiert werden. Dass gerade diese Geschichten aufgeschrieben werden, lässt den Schluss zu, dass im mindesten die Verfasser eben diese Geschichten als wichtig, relevant und vielleicht bezeichnend für den kulturellen Hintergrund aufgefasst hatten. Selbstverständlich kann hier entgegnet werden, dass sich die Verfasser diese Gedanken wohl überhaupt nicht gemacht haben und gewissermassen unbewusst diese Geschichten wählten.

Äuffällig ist jedenfalls, dass in beiden Texten ausdrücklich auf die Situation, nämlich dass die beschriebenen Geschichten bisher mündlich überliefert worden sind, hingewiesen wird - hier gleichen sich die Texte fast schon bis aufs Wort (vgl. jeweils die ersten Sätze) - wird im Nibelungenlied verdeutlicht "in alten Geschichten wird (...) berichtet" - so erklärt der Verfasser des gedruckten Eulenspiegel-Buches, dass er "von etlichen Personen gebeten worden sei, (...) diese Historien und Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben". Damit ist klar um was es geht: Geschichten, über längere Zeit (Jahre oder sogar Jahrhunderte) nur mündlich überliefert, sollen schriftlich fixiert und damit auch späteren Generationen zugänglich gemacht und verfügbar gehalten werden. Hierbei ist auch der Aspekt wichtig, dass Medien als kulturelles Gedächtnis angesehen werden können. Sie dienen damit mittelbar der Identifikation und Integration des Einzelnen in sein jeweiliges kulturelles und gesellschaftliches Umfeld (vgl. Skriptum Mediengeschichte).

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Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656052128
ISBN (Buch)
9783656052388
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181903
Institution / Hochschule
Private Hochschule Wirtschaft PHW Bern
Note
5.0 (Schweiz)
Schlagworte
Einordnung Ausarbeitung Medien Mediengeschichte Eulenspiegel

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Titel: Einordnung der beiden Quellen "Nibelungenlied" (um 1200) und "Vorrede des Eulenspiegelbuches" (1515) in einen mediengeschichtlichen Kontext