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Die Durchführung unionsweiter Bankenstresstests durch die EBA vor dem Hintergrund des neuen europäischen Rahmens zur Wahrung der Finanzstabilität

Bachelorarbeit 2011 55 Seiten

BWL - Recht

Leseprobe

Inhalt

Abbildungen / Tabellen

Abkürzungen

1. Einleitung

2. Ein neuer europäischer Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität
2.1 Europäischer Rat für Systemrisiken (ESRC)
2.1.1 Motive für die Neugestaltung der Aufsicht auf Makroebene
2.1.2 Aufgabenbereiche des ESRC
2.1.3 Zusammensetzung des ESRC
2.1.4 Rechtliche Grundlage
2.2 Europäisches System für die Finanzaufsicht (ESFS)
2.2.1 Motive für die Neugestaltung der Aufsicht auf Mikroebene
2.2.2 Aufgabenbereiche des ESFS
2.2.3 Zusammensetzung des ESFS
2.2.4 Rechtliche Grundlage
2.3 Kooperation von ESRC und ESFS
2.4 Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA)
2.4.1 Aufgabenbereiche der EBA
2.4.2 Zusammensetzung der EBA
2.4.3 Rechtliche Grundlage

3. Unionsweite Bankenstresstests der EBA im Jahr 2011
3.1 Mikrostresstests als Instrument der mikroprudentiellen Analyse
3.2 Durchführung der Bankenstresstest durch die EBA im Jahr 2011
3.3 Ziel des Bankenstresstests 2011
3.4 Gestaltung von Stressszenarien
3.4.1 Szenarioanalysen
3.4.2 Baseline-Scenario und das Adverse-Macro-Economic-Scenario
3.5 Änderungen/Defizite im Vergleich zum Stresstest 2010 des CEBS
3.6 Ergebnisse des Bankenstresstests 2011
3.7 Nutzung der Ergebnisse des Bankenstresstests 2011

4. Schlussfolgerungen

Literatur

Anhang

Abbildungen / Tabellen

Abbildung 1: Neuer europäischer Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität

Tabelle 1: Schockwerte des Bankenstresstests 2011

Tabelle 2: Durchschnittliche Kernkapitalquoten des Bankenstresstests 2011

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die jüngste Finanzkrise ab 2007 führte zu großen Verunsicherungen auf dem Finanzmarkt und auch in der realen Wirtschaft. Die größte Äußerung der Krise zeigte sich zunächst in den Insolvenzen und Verlusten von Unternehmen der Finanzbranche. So musste beispielsweise die Commerzbank durch staatliche Finanzspritzen am Leben gehalten werden. Die Krise übertrug sich weiter auf die Realwirtschaft, sodass es auch hier zu Unternehmenszusammenbrüchen und Produktionsrückgängen kam. Einige der ohnehin stark verschuldeten Staaten der Europäischen Union (EU) und der Eurozone standen am Rande der Zahlungsunfähigkeit, die nur durch internationale Hilfskredite verhindert werden konnte. „Die Finanzmarktstabilität ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Bereitstellung von Krediten und das Erzeugen von Wachstum in der Realwirtschaft. Die Finanzkrise hat erhebliche Mängel bei der Finanzaufsicht offenbart (…).“1 Um die Defizite im bestehenden EU- Aufsichtsrahmen aufzuarbeiten und um das Vertrauen in das EU-Finanzsystem zurückzugewinnen und erneute Krisen zu verhindern, schuf die EU einen neuen Aufsichtsrahmen zur Wahrung der Finanzstabilität.

In dieser Bachelorarbeit wird der neue europäische Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität beleuchtet und die neue Aufsichtsstruktur der EU erklärt. Finanzinstitute nehmen in jeder Volkswirtschaft eine besondere Stellung ein. Durch die starke Integration des Finanzsektors in die Wirtschaft sind sowohl positive als negative Effekte der Banken in anderen Wirtschaftsbereichen deutlich festzustellen. Auch zeigte die jüngste Krise, dass Insolvenzen von Finanzinstituten das Gleichgewicht einer ganzen Volkswirtschaft ins Wanken bringen und diese sogar stürzen können. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit auch ein Augenmerk auf Bankenstresstests gelegt, welche ebenfalls unter den neuen europäischen Aufsichtsrahmen fallen. Stresstests dienen der Beurteilung der Widerstandfähigkeit der einzelnen Finanzinstitute und der Beurteilung der allgemeinen Widerstandsfähigkeit des gesamten Finanzsystems.

In Abschnitt 2 erfolgt eine Darstellung über den neuen europäischen Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität. Zunächst wir in Punkt 2.1 der neue Europäische Rat für Systemrisiken erörtert. In 2.2 folgt das neue Europäische System für die Finanzaufsicht, woraufhin in Abschnitt 2.3 die Kooperation beider Gremien erörtert wird. 2.4 widmet sich der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Dieser Punkt dient ferner der Einleitung des Abschnitts 3, welcher sich mit den unionsweiten Bankenstresstests 2011 befasst. Zunächst folgt ein Grundlagenteil mit der Zielsetzung des Stresstests 2011, Gestaltung von Stressszenarien und die Veränderung und Defizite im Bezug auf frühere Stresstests. Schließlich folgen in Punkt 3.6 die Ergebnisse des Bankenstresstest 2011 und in 3.7 die Nutzung der Ergebnisse. Abgerundet wird die vorliegende Bachelorthesis von den Schlussfolgerungen.

Anzumerken ist, dass in dieser Bachelorarbeit die Worte Finanzkrise, Krise, Wirtschaftskrise o.ä. alle dieselbe Krise von 2007/08 meinen, es sei denn, es steht anders im Text. Weiter wird häufig von Kreditinstituten, Finanzinstituten, Instituten, Banken o.ä. gesprochen, diese Wörter haben in der vorliegenden Arbeit allesamt eine identische Bedeutung. Zudem wird von EU-weiten Stresstests gesprochen, jedoch hat sich auch das Königreich Norwegen dem Test unterzogen, welches formal kein EU-Mitglied ist.

2. Ein neuer europäischer Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität

„Sehr geehrter Herr Präsident, die Finanzmärkte dürfen uns nicht regieren! Die gegenwärtige Krise ist kein Zufall. (…) Die Krise ist eine Krise schlecht oder gar nicht regulierter Märkte, und sie zeigt uns erneut, daß der Finanzmarkt unfähig zur ,Selbstregulierung‘ ist. (…) Die Finanzmärkte sind zunehmend undurchsichtig geworden, und es ist oft eine nahezu unmögliche Aufgabe, diejenigen zu identifizieren, die die Risiken einschätzen und tragen. Der nur leicht oder gar nicht regulierte ,Schattenbankensektor‘, ist in den letzten zwanzig Jahren beständig angewachsen. (…) Die Finanzkrise zeigt allzu deutlich, daß die Finanzbranche der Selbstregulierung unfähig ist. Es besteht ein Bedarf nach der Verbesserung von Aufsicht und Regulierungsmechanismen für Banken. (…) Es ist an der Zeit ein ,Europäisches Krisenkomitee‘ zu bilden […].2

So lauteten Ausschnitte des offenen Briefes der am 21. Mai 2008 u.a. an den Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy (als kommenden Ratspräsidenten der EU) gerichtet war. In dem Brief forderten ehemals führende Staatsmänner Europas, darunter zwei frühere Präsidenten der EU-Kommission (Jaques Delors und Jaques Santer) und sieben Regierungschefs die Einberufung einer Weltfinanzkonferenz, um Maßnahmen zur Regulierung der Finanzmärkte zu beschließen.3

Die Finanzkrise der letzten Jahre ist die massivste globale Finanzkrise seit der Großen Depression. Die Krise stellt in der globalen Wirtschaftsgeschichte eine historische Herausforderung dar.4 Eben diese Krise hat wesentliche Schwachstellen bei der Einzel- und auch bei der Systemaufsicht aufgezeigt. Mit den bestehenden Aufsichtsregelungen der EU konnte die Finanzkrise nicht verhindert, gesteuert oder beigelegt werden. Es zeigte sich, dass die nationalen Aufsichtsbehörden mit der Integration und der Verknüpfung der heutigen Finanzmärkte und deren enormen grenzübergreifend tätigen Finanzinstituten nicht länger Schritt halten konnten. Den nationalen Aufsichtsmodellen fehlte es an Kohärenz, Koordinierung, Zusammenarbeit und gegenseitigem Vertrauen.5

Aus den genannten Gründen wurde am 22. Oktober 2008 auf Drängen der Öffentlichkeit und des Europäischen Parlamentes eine hochrangige Expertengruppe für Finanzaufsicht von Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorgestellt. Das Gremium, das von Jaques de Larosiére, dem ehemaligen Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds (IWF) (nachfolgend De- Larosi é re-Gruppe) geleitet wird, soll Empfehlungen für einen Weg aus der Krise geben.6 Die De-Larosiére-Gruppe machte einige gewichtige Mängel im bestehenden europäischen Finanzaufsichtssystem aus. Auch stellte die De- Larosiére-Gruppe fest, dass zwar ein Binnenmarkt besteht und die Finanzinstitute grenzübergreifend tätig sind, jedoch erfolgt die Beaufsichtigung überwiegend auf nationaler Ebene und außerdem in keinem angemessenen Verhältnis, in vielen Teilen sogar unkoordiniert.7

Die De-Larosiére-Gruppe kam in ihrem Schlussbericht vom 25. Februar 2009 zu dem Ergebnis, dass als Basis für einen solideren EU-Finanzsektor einheitliche technische Vorschriften für alle Mitgliedstaaten genau so erforderlich sind wie die Stärkung von Zusammenarbeit und Koordinierung der nationalen Aufsichtsbehörden, u.a. durch die Schaffung neuer europäischer Aufsichtsbehörden und eines neuen europäischen Gremiums zur ]Überwachung der Risiken im gesamten Finanzsystem.8

Die Europäische Kommission hat die Empfehlungen der De-Larosiére-Gruppe in ihrer Mitteilung vom 4. März 2009 begrüßt und in den meisten Teilen befürwortet.9 „Gestützt auf die Empfehlungen der de Larosiére-Gruppe wird die Europäische Kommission mit der Ausarbeitung von Vorschlägen für ein neues europäisches System der Finanzaufsicht beginnen.“10

Der Weg für einen neuen europäischen Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität wurde somit geebnet. Der neue, verbesserte europäische Aufsichtsrahmen soll aus zwei Säulen bestehen (vgl. Abbildung 1). Zum einen aus der Aufsicht auf der Makroebene (Die Makroaufsicht zielt darauf ab, eine Gefährdung des Finanzsystems insgesamt in Grenzen zu halten, um die gesamte Wirtschaft vor einem erheblichen Rückgang der realen Wirtschaftsleistung zu bewahren.) durch den Europäischen Rat für Systemrisiken (ESRC) und zum anderen aus der Aufsicht auf der Mikroebene (Das Hauptziel der Mikroaufsicht besteht darin, einzelne Finanzinstitute zu überwachen und vor Ausfall zu bewahren und so die Kunden wie das Institut selbst auch zu schützen.)11 durch das Europäische System für die Finanzaufsicht (ESFS). Unter das Dach der ESFS fällt u.a. die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA). Das nachfolgende Schaubild soll den neuen europäischen Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Neuer europäischer Rahmen zur Wahrung der Finanzstabilität12

2.1 Europäischer Rat für Systemrisiken (ESRC)

Der ESRC mit Sitz in Frankfurt am Main beinhaltet die Aufsicht auf der Makroebene über das Finanzsystem innerhalb der Gemeinschaft.13 Aus den makroökonomischen Entwicklungen und aus den Entwicklungen innerhalb des Finanzsystems im Ganzen ergeben sich potenzielle Risiken für die Finanzmarktstabilität. Diese sollen durch den ESRC überwacht und bewertet werden. Zeichnen sich systemweite Risiken aus, so gibt der ESRC frühzeitig Warnungen und gegebenenfalls Empfehlungen heraus, um diese Risiken einzudämmen. Eine der größten Schwachstellen, die mit der Krise offengelegt wurde, ist die Anfälligkeit des Finanzsystems gegenüber zusammenhängenden, sektorübergreifenden und komplexen sektoralen Systemrisiken. Mit der Einsetzung des ESRC soll dieser Schwachstelle entgegengewirkt werden.14

Die Ziele des ESRC sind somit die Abwendung und Eindämmung von Systemrisiken, die Vermeidung von Phasen weit verbreiteter finanzieller Notlagen, das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes und die Sicherstellung eines nachhaltigen Beitrages des Finanzsektors zum Wirtschaftswachstum.15

2.1.1 Motive für die Neugestaltung der Aufsicht auf Makroebene

Die Finanzkrise hat hinsichtlich der bestehenden Finanzaufsicht der EU wesentliche Mängel auf der Makroebene aufgezeigt. Durch die schweren Defizite in der Finanzaufsicht konnten nachteilige Entwicklungen bei der Aufsicht auf der Makroebene nicht vorhergesehen und die Ansammlung von unvertretbar hohen Risiken im Finanzsektor nicht verhindert werden.16 Die Mängel in der Aufsicht auf der Makroebene hatten für das Finanzsystem weltweit dramatische und weitreichende Folgen.17 Vor der Krise haben sich im globalen Finanzsystem viele Ungleichgewichte angestaut. Diese lassen sich auf übermäßiges Kreditwachstum und steigende Vermögenspreisinflation zurückführen. Hinzu kommt, dass finanzielle Risiken bei anhaltendem Wirtschaftswachstum unterbewertet wurden.18

Nachdem die G20 auf dem Londoner Gipfel vom 02. April 2009 mit Hilfe des neu geschaffenen Rats für Finanzstabilität, dem Financial Stability Board (FSB), beschlossen die internationalen Vorkehrungen zur Erhaltung der Finanzmarktstabilität auf globaler Ebene zu verstärken19 und auch die USRegierung die Schaffung einer Behörde für die inländische Aufsicht auf Makroebene plant, war die EU am Zuge.

Auch die EU benötigt nach den Erkenntnissen der Finanzkrise eine spezielle Stelle für die unionsweite Makroaufsicht. Bis zur Arbeitsaufnahme des ESRC am 01. Januar 2011 wurde der Schwerpunkt zu wenig auf Systemaspekte gelegt. Der Analyse auf der Makroebene fehlte es an Geschlossenheit, weil sie von verschiedenen Behörden und auch auf unterschiedlichen Stufen durchgeführt wurde. Es gab keinen Mechanismus der sicherstellte, dass Systemrisikowarnungen und / oder -empfehlungen ausgegeben werden und diese in konkrete Maßnahmen umsetzte.20 Die EU braucht ein spezielles Gremium für die Makroaufsicht des gesamten EU-Finanzsystems, das Risiken für die Finanzstabilität erkennt und bei Bedarf Systemrisikowarnungen und / oder -empfehlungen zum Handeln ausspricht.21 Im Vorhinein der Finanzkrise wurden komplexe, zusammenhängende Marktrisiken nicht angemessen analysiert. Folglich wurden daraus nicht die Konsequenzen für die Regulierung der Aufsicht gezogen. Die Krise zeigte, dass ein Versagen der Makroaufsicht hohe volkswirtschaftliche Kosten nach sich ziehen kann. Mit der Errichtung des ESRC soll die Fragmentierung und das Versagen der Makroaufsicht ein Ende haben.22

2.1.2 Aufgabenbereiche des ESRC

Als neues unabhängiges Gremium der EU besteht die Aufgabe des ESRC in erster Linie darin, durch Makroaufsicht auf unionsweiter Ebene die Stabilität des

Finanzsystems zu erhalten.23 Für diesen Zweck führt der ESRC folgende Aufgaben aus:

1. Die Sammlung und Analyse aller Informationen, die für die Bewertung und Überwachung potenzieller Risiken für die Finanzstabilität maßgeblich sind. Die Risiken resultieren hierbei aus makroökonomischen Entwicklungen und aus Entwicklungen innerhalb des Finanzsystems insgesamt.
2. Die Ermittlung und Einordnung nach Priorität der in erstens genannten Systemrisiken.
3. Das Herausgeben von Risikowarnungen, wenn derartige Risiken als signifikant erscheinen und ggf. die Veröffentlichung solcher Warnungen. 4. Abgabe von Empfehlungen für die in Reaktion auf die ermittelten Risiken zu treffenden Maßnahmen und ggf. die Veröffentlichung dieser Empfehlungen.24
5. Das Aussprechen einer vertraulichen Warnung an den Rat, wenn der ESRC feststellt, dass eine Krisensituation eintreten kann und die Erstellung einer Lageeinschätzung für den Rat.
6. Die Überwachung der Folgemaßnahmen, die als Reaktion auf Warnungen und Empfehlungen getroffen werden müssen.
7. Die wirkungsvolle Koordinierung mit dem IWF, FSB und Drittländern.25

Die Hauptaufgabe des ESRC besteht darin, vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen und allgemeinen Trends auf den Finanzmärkten Stabilitätsbewertungen für das unionsweite Finanzsystem zu erstellen.26 Wenn erhebliche Systemrisiken festgestellt werden, dann gibt der ESRC (Früh-)Warnungen und ggf. Empfehlungen für Abhilfemaßnahmen heraus. Die Warnungen und Empfehlungen können zum einen in allgemeiner Form ausgesprochen werden und zum anderen direkt an einzelne Mitgliedstaaten oder nationale Behörden gerichtet werden. Im Falle einer Warnung oder Empfehlung, die direkt an ein Mitgliedstaat gerichtet ist, ist ein zeitlicher Rahmen für die zu treffenden Maßnahmen vorgegeben. Die Warnungen und Empfehlungen werden mit strikter Vertraulichkeit behandelt. Um das Risiko der einzelnen Warnungen und Empfehlungen zu klassifizieren, werden diese mit Farbcodes versehen.27 Von den Adressaten der Warnungen und Empfehlungen werden Berichte erbeten, anhand dieser der ESRC die Einhaltung dieser überwacht.28

Da der ESRC keine Rechtsbefugnisse hat, ist es fraglich, in wie weit die Adressaten den Warnungen und Empfehlungen nachkommen. Die Kommission argumentiert hinsichtlich dieser Frage: „Allerdings dürfte er aufgrund der hohen Qualität seiner Analysen und der Tatsache, dass alles Notenbankpräsidenten und Aufsichtsbehörden der EU sowie die Kommission an seinen Arbeiten beteiligt sind, auf die Adressaten seiner Warnungen/Empfehlungen erheblichen Einfluss ausüben können.“29 Sofern die Empfänger der Empfehlungen und Warnungen nicht das Gegenteil nachweisen, wird von Ihnen erwartet, dass sie diesen nacheilen. Aus diesem Grund gilt der Grundsatz Comply or Explain. Da der ESRC nach eigenem Ermessen entscheiden kann, welche Warnungen und Empfehlungen öffentlich gemacht werden, erhöht diese Tatsache ebenfalls die Wirksamkeit.30 Schließlich ist es Aufgabe des ESRC, dem Rat und dem Europäischen Parlament Rechenschaft in Form von halbjährlichen Berichten an beiden Organe abzulegen. Eine häufigere Berichterstattung ist z.B. in Zeiten einer Finanzkrise selbstverständlich.31

2.1.3 Zusammensetzung des ESRC

Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten.32 Die Hauptaufgabe der Zentralbanken besteht außerdem in der Erhaltung der Geld- und Finanzstabilität, gerade diese beiden Punkte spielen bei der Aufsicht auf der Makroebene eine zentrale Rolle.33 Weiterhin bieten die Zentralbanken in ihrer Funktion als leitzinsstaatliche Kreditgeber ein Sicherheitsnetz, auf das nicht verzichtet werden kann.34 Ein neu gestaltetes System zur Aufsicht auf der Makroebene erfordert eine aufrichtige und hochrangige Führung. Die Erhaltung der Finanzstabilität steht beim ESRC im Vordergrund, infolgedessen ist es unerlässlich, dass die Zentralbankpräsidenten der 27 Mitgliedstaaten und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im Gremium des ESRC vertreten sind. In Anbetracht der Schlüsselrolle und seiner internationalen und internen Glaubwürdigkeit ist der Präsident der EZB seit dem 01. Januar 2011 der Vorsitzende des ESRC.35 Da Finanzinstitute (Mikroaufsicht) und -märkte (Makroaufsicht) stark miteinander verknüpft sind, sollte sich die Kontrolle und Bewertung der potenziellen Systemrisiken absolut auf ein breites Spektrum an maßgeblichen makro- und mikroökonomischen Finanzdaten und - indikatoren stützen. Deshalb ist eine Teilnahme der für die Mikroaufsicht zuständigen Behörden am Gremium des ESRC unabdingbar. Nach Art. 121 AEUV ist die Kommission für die Überwachung der Wirtschaftspolitik zuständig, deshalb sind VertreterInnen der Kommission ebenfalls Mitglieder im Gremium. Außerdem besteht das Gremium des ESRC noch aus Beobachtern, zum einen ist dies der Vorsitzende des Wirtschafts- und Finanzausschusses (WFA) als Vertreter der jeweiligen Finanzministerien und zum anderen aus je einem Beobachter der nationalen Aufsichtsbehörden, der den Zentralbankpräsidenten seines Landes begleitet.36 Abbildung 1 zeigt u.a. zentral die Zusammensetzung des ESRC.

2.1.4 Rechtliche Grundlage

Die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen die potenziellen Risiken für die Finanzstabilität verfolgen und bewerten. Indem sich der ESRC um die Eindämmung dieser Risiken bemüht, ist er eines der Fundamente für eine unionsweite Aufsichtsstruktur. Diese ist insbesondere die Voraussetzung dafür, dass die Mitgliedstaaten ihre Gegenmaßnahmen rechtzeitig einleiten und miteinander abstimmen. Somit würde der ESRC unterschiedliche Vorgehensweisen verhindern und die Funktionsweise des Binnenmarkts verbessern. Der ESRC ist integraler Bestandteil des rechtlichen und institutionellen Rahmens, dadurch wird er eine kohärente, konsequente und wirkungsvolle Umsetzung und Anwendung der Gemeinschaftsvorschriften über grenzübergreifende Finanzdienstleistungen erleichtern.37

Der ESRC leistet einen Beitrag zur Finanzstabilität, die für die weitere Integration der Finanzintegration im Binnenmarkt dringend erforderlich ist. Die Finanzintegration im Binnenmarkt steht u.a. im engen Zusammenhang mit den Zielen der Unionsvorschriften über den Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen. Der ESRC wurde deshalb auf Vorschlag der Kommission auf der Grundlage von Art. 114 AEUV eingesetzt. Der ESRC ist somit ein Organ ohne Rechtspersönlichkeit, trotzdem kann der ESRC mit dieser Rechtsgrundlage die zuvor beschriebenen Grundzüge und Ziele durchsetzen. Außerdem bildet der ESRC auf dieser Grundlage zusammen mit dem ESFS (weiteres folgt dazu ab 2.2) einen innovativen Rahmen für die Finanzaufsicht, wobei trotzdem eine deutliche Aufgabentrennung zwischen dem ESRC und den anderen Institutionen besteht. Außerdem ist von großer Bedeutung, dass die Tatsache, dass der ESRC auf der Grundlage des Art. 114 AEUV errichtet wurde, es ermöglicht, Aufgaben in Beziehung mit dem ESRC durch einen auf Grundlage von Art. 127 (6) AEUV erlassenen Akt auf die EZB zu übertragen.38 Dies können besondere Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufsicht über Finanzinstitute sein.

2.2 Europäisches System für die Finanzaufsicht (ESFS)

Das ESFS nahm seine Arbeit ebenfalls am 01. Januar 2011 auf und umfasst neben der Errichtung der drei neuen Aufsichtsbehörden, den European Supervisory Authorities (ESA), auch die Einrichtung des ESRC (wie in Punkt 2.1 bereits beschrieben). Die für die Mikroaufsicht zuständigen ESA sind dreifach unterteilt: Erstens in eine Aufsichtsbehörde für Banken mit Sitz in London, die European Banking Authority (EBA), zweitens in eine für Wertpapieraufsicht mit Sitz in Paris, die European Securities and Markets Authority (ESMA) und drittens in eine für Versicherungen sowie betriebliche Altersvorsorge mit Sitz in Frankfurt am Main, die European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA).39

[...]


1 Vgl. Verordnung (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/1.

2 Bloss, M., Ernst, D., Häcker, J. u.a. (2009), S. 1-4.

3 Vgl. Bürgerrechtsbewegung Solidarität (2008).

4 Vgl. Reinhart, C. M. und Rogoff, K. S. (2010), S. 298.

5 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 2.

6 Vgl. EurActiv (2008).

7 Vgl. KOM(2009) 499 von 2009(COD), S. 2-3.

8 Vgl. Larosiére, J. u.a. (2009), S. 3-4.

9 Vgl. Verordnung (EU) Nr. 1096/2010, Abl. 2010 L 331/162.

10 KOM(2009) 114 endg., S. 7.

11 Vgl. Peukert, H. (2010), S. 17.

12 Eigene Abbildung in Anlehnung an Seve, M. (2010).

13 Vgl. KOM(2009) 499, S. 2.

14 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 3.

15 Vgl. KOM(2009) 499, S. 2.

16 Vgl. VO (EU) Nr. 1096/2010, Abl. 2010 L 331/162.

17 Vgl. Romeike, F. (2010), S. 13-56.

18 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 4.

19 Vgl. Financial Stability Forum (Hg.) (2009).

20 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 5.

21 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/3.

22 Vgl. Larosiére, J. u.a. (2009), S. 45-54.

23 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 5.

24 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/5.

25 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/6.

26 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 5.

27 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/10.

28 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 5.

29 KOM(2009) 252 endg., S. 6.

30 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/10.

31 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/11.

32 Art. 127 (1) S. 1 AEUV.

33 Vgl. Howells, P. & Bain, K. (2008), S. 510-513.

34 Vgl. Romeike, F. (Hg.) (2010), S. 126-128.

35 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/02.

36 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 6.

37 Vgl. KOM(2009) 252 endg., S. 8.

38 Vgl. VO (EU) Nr. 1092/2010, Abl. 2010 L 331/04.

39 Vgl. Verordnung (EU) Nr. 1094/2010, Abl. 2010 L 331/49.

Details

Seiten
55
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656053170
ISBN (Buch)
9783656052944
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181956
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
Schlagworte
Stresstest Bankenstresstest EU EBA Finanzstabilität ESRC; ESFS; CEBS; Bankenaufsicht Bankenaufsichtsbehörde Europäische Bankenaufsicht Mikrostresstest Stressszenarien Baseline Scenario Finanzaufsicht

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