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Die Welt der Lebewesen von Imanishi Kinji

Essay 2011 6 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Rudolf Richter

Vorlesung: Die nichtmenschliche Welt in der japanischen Geschichte

SS 2011

Die Welt der Lebewesen von Imanishi Kinji

»Die Welt der Lebewesen« (jap. Seibutsu no sekai) wurde 1941 von dem japanischen

Biologen und Anthropologen Imanishi Kinji verfasst. Darin versucht er, die LebewesenGesellschaft und die Entwicklungsgeschichte innerhalb der Natur unter biologischen wie auch philosophischen Aspekten zu erklären. Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt: »Analogie und Differenz«, »Über die Struktur«, »Über die Umwelt«, »Über die Gesellschaft« und »Über die Geschichte«.

Das erste Kapitel »Analogie und Differenz« setzt sich mit den einzelnen Lebewesen, deren Auftreten in der Natur und ihrer Fähigkeit des »Erkennens« auseinander. Imanishi Kinji vergleicht unsere bewohnte »Welt« mit einem Passagierschiff. Dabei geht er davon aus, dass ihre Passagiere nicht von Außerhalb an Bord kamen, sondern bereits auf dem Schiff geboren wurden. Dabei leben die »Passagiere« in der »richtigen Anzahl und Verteilung«, was Imanishi an dieser Stelle besonders hervorhebt. Ebenso wie es beispielsweise innerhalb eines Luxusdampfers Kassenunterschiede (erste, zweite und dritte Klasse) gibt, so werden laut Imanishi auch die Lebewesen auf der Erde durch ihre Analogien und Differenzen zu Populationen klassifiziert. Natürlich ist ein Luxusdampfer nur eine Hilfestellung um die komplexen Zusammenhänge dieser »Welt« zu veranschaulichen. Doch genau dieses Bild bleibt eines seiner zentralen Punkte. Kern der Argumentation des ersten Kapitels lässt sich durch das folgende Zitat Imanishis als These zusammenfassen: »Wir können sagen, dass unsere Welt aus verschiedenen Dingen besteht, weil wir verschiedene Dinge voneinander zu unterscheiden in der Lage sind.«. Durch dieses Ergebnis wird Biologie und Philosophie von Imanishi Kinji bewusst gekoppelt, wobei er ausdrücklich erwähnt, die Erkenntnistheorie nicht im rein philosophischen Sinne zu verwenden. Jedoch widerspricht sich der Autor an dieser Stelle, da er in den folgenden Abschnitten mehrfach philosophische Termini zur Veranschaulichung seiner Argumentation anwendet.

Außerdem spart Imanishi den Menschen aus seinem Argumentationsfluss aus, mit der Erklärung, der Mensch sei zu kompliziert, und beschränkt sich auf die anderen in der Natur vorkommenden Lebewesen. Seine These lautet: unterscheiden sich Wahrnehmung und die daraus folgende Erkennung eines Mediums durch verschiedene nichtmenschliche Gattungen, so kann man daraus auf ihren Verwandtschaftsgrad schießen. Sollte also die Erkenntnis bei nichtmenschlichen Lebewesen vergleichbar funktionieren, so würden verwandtschaftlich nahe Lebewesen die gleiche Erkenntnis von der Welt haben. Daraus deutet Imanishi, dass, je weniger zwei Arten miteinander verwandt sind, es umso unwahrscheinlicher wird, dass der Mechanismus des Erkennens vergleichbar greift. Menschen und nichtmenschliche Lebewesen unterscheiden sich daher in der Interpretation ihrer subjektiven Reaktion.

Imanishi Kinji sieht sich dadurch bestätigt, dass Menschen ihre Verwandtschaft untereinander erkannt haben und dadurch besser miteinander interagieren können. Jedoch fügt er hinzu, dass es auch unter Menschen zu Problemen der »Erkenntnis« kommen können. Obwohl Imanishi den Menschen als eines der weit entwickeltsten Lebewesen in dem sogenannten »Weltenschiff« sieht, so darf aber nicht der Rest der Lebewesen als simple »Automaten« und Unsereins als begnadet angesehen werden. Der Autor betont im ersten Kapitel wiederholt, der Mensch versuche von seinem Standpunkt aus, das Leben der Lebewesen zu erfassen und ihre Welt zu erforschen. Interessant ist ebenfalls die moderne Denkweise Imanishis, die zu seiner Zeit (1941) durchaus nicht selbstverständlich war. Denn er lässt der »neuen« Biologie die zentrale Aufgabe zukommen, dem Analogieschluss eine rationale Grundlage zu geben. Zu erwähnen ist hierbei auch, dass Imanishi Kinji sich im ersten Kapitel »Analogie und Differenz« dafür rechtfertigt, dass er Termini verwendet, wie »Gesellschaft der Lebewesen«, »Liebesbeziehung der Lebewesen« und »Kunst«, welche sich normalerweise nur auf Menschen beziehen. Ein Teil dieser Welt zu sein heißt nach Imanishi auch Teil einer Verwandtschaftsbeziehung zu sein, die wiederum zur Struktur der Welt gehört. Verhaltensgewohnheiten sind somit tief in der biotischen Herkunft der Lebewesen verankert.

Das zweite Kapitel »Über die Struktur« setzt sich mit der Funktion und dem Raum-Zeit Verhältnis als Rahmenbedingung für eine Existenz auseinander.

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Details

Seiten
6
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656052722
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v181983
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Ostasienwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
japanische Geschichte Japanologie Imanishi Kinji Welt der Lebewesen Biologie Essay Buchbesprechung

Autor

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Titel: Die Welt der Lebewesen von Imanishi Kinji