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Die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports

Examensarbeit 2009 54 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterstützung der DDR für den kubanischen Sport
2.1 Erste Phase
2.2 Zweite Phase
2.3 Dritte Phase
2.4 Materielle Unterstützung

3. DHfK

4. Beispiel Alberto Juantorena

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports

Es wird häufig von den ehemaligen Sportgroßmächten DDR und Kuba gesprochen, es muss sich gefragt werden, wie kam diese Dominanz zustande?

Die meisten Menschen kennen die Legenden im Sport, wie Teófilo Stevenson, der1972 in München seine erste Goldmedaille im Boxen gewann und 1976 in Montreal sowie bei Olympia 1980 in Moskau diese verteidigen konnte. Dadurch wurde er der zweite Boxer nach László Papp, der drei aufeinander folgende olympischen Goldmedaillen gewinnen konnte. Eine weitere Chance auf einen Olympiasieg blieb ihm aufgrund des kubanischen Boykotts der Spiele in Los Angeles 1984 verwehrt. Bekannt ist sicherlich auch Alberto Juantorena, der zu den Ausnahmeläufern, bei den Olympischen Spielen in Montreal gehörte. 1976 lief er beide Strecken und gewann als erster Olympisches Gold über 400 m und 800 m. Doch wie kam es dazu, dass ein geographisch kleines Land wie die ehemalige Zuckerohrinsel Kuba solche erfolgreichen Sportler herausbringen konnte? Einzelfälle oder sogar Zufälle? Wenn man sich die Statistiken zu den Olympischen Spielen1 und zu den Panamerikanischen Spielen2 ansieht, stellt man fest, dass das kleine Kuba mit ca. 11 Millionen Einwohnern immer noch vor bevölkerungsreicheren Staaten wie Brasilien oder Argentinien steht. Wie konnte der karibische Inselstaat, der ehemals im Protektorat der USA stand, solche Erfolge verbuchen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle der von Kuba errungenen Medaillen bei Olympischen Spielen

Total de medallas por ediciones

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3

Abb.: Quelle: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55]

Medaillenspiegel aller Panamerikanischen Spiele

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4

Abb.: Quelle: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-games-2007-rio-de-janeiro-medals-table.htm [Zugriff: 25.08.2009, 15:33]

Das ist kein Zufall, sondern kontinuierliche und konsequente Arbeit auf höchstem sportwissenschaftlichen Niveau. Doch wie konnte die Insel Kuba, diesen hohen Standard in der Sportwissenschaft erreichen, nach der Batista Diktatur, war die allgemeine Körperkultur kaum existent in Kuba.

Welche Rolle spielte die DDR in dieser Entwicklung und wie sah die allgemein Bekannte Zusammenarbeit der beiden sozialistischen Staaten genau aus. Wie konnten zwei Staaten zusammen arbeiten, die geographisch nicht beieinander lagen, sondern vom kompletten Ozean Atlantik, sowie der Ostsee getrennt waren. Bilaterale Beziehungen auf einem hohen sportlichen Leistungsniveau, obwohl mehrere tausend Seemeilen zwischen den beiden Staaten lagen , oder eher fiktive Propaganda des kapitalistischen Klassenfeindes?

Wie sahen die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports aus? Dieses wirklich interessante Feld der Forschung, was kaum oder fast noch gar nicht erforscht wurde, soll bestand Teil dieser Staatsexamensarbeit sein.

In der Literatur wird immer wieder auf die Zusammenarbeit beider Staaten hingewiesen, aber konkretisiert wurden die Aussagen so gut wie kaum. Dies lag sicherlich zum einen an der innerdeutschen Teilung und den dadurch nicht vorhandenen Informationsfluss aus der DDR zu diesem Thema, der natürlich zum größten Teil der Geheimhaltung unterlag, da der Sport, explizit formuliert, ein Bestandteil der Systemauseinandersetzung war. Sportliche Spitzenleistungen sollten die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftssystems darstellen. Aber auch nach der Wende im Jahre 1989 wurde kaum über das Thema geschrieben, obwohl die Möglichkeit bestand, Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BSTU) in Berlin, einzusehen.

Es ist augenscheinlich, dass nur sehr wenige Informationen zu diesem Thema bestehen, Dies zeigte sich auch in der recht schwierigen Recherche für dieses Thema.

Trotz intensiver Sichtung der Unterlagen bei der BSTU und die recht schwierige Befragung von einigen Zeitzeugen, die als Trainer in der ehemaligen DDR tätig waren, sowie mehrerer Wochen im Lateinamerika-Archiv der Universität Rostock, wo aus dem alten Lateinamerika Institut der DDR in Rostock, ein kleines Archiv mit über 650 Ordnern mit Zeitungsausschnitten zum Thema „DDR und Lateinamerika“ existiert, stellte sich heraus, das die Literatur-Lage als äußerst spärlich anzusehen ist. Erst die Recherche beim Bundesarchiv in Berlin, führte zu Informationen. Die Literaturnachweise für dieses interessante Thema, stellen sich jedoch immer noch als nicht umfangreich dar.

Es stellte sich nun die Frage, wie sahen die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba konkret aus.

Ab 1955/56, nach dem Ende der ersten Phase der sowjetischen Deutschlandpolitik und dem nun folgenden endgültigen separaten Weg der beiden deutschen Staaten im Rahmen der Nato bzw. des Warschauer Paktes, verstärkte sich die systematische Funktionalisierung der Sportaktivitäten im Rahmen der internationalen Anerkennungspolitik der DDR nochmals. Dies war nicht zuletzt eine Konsequenz aus der seit 1956 durch die westdeutsche Bundesregierung praktizierten sog. „Hallstein-Doktrin“, womit diese die weitere internationale Ausgrenzung der DDR sowohl als Staat als auch in Bezug auf ihre gesellschaftlichen Subsysteme verfolgte. Bei der Anerkennungspolitik wurde jetzt die ganze Breite internationale Aktivitäten über die Sportorganisationen bis hin zu einem wie dem der Sportwissenschaft gezielt mit einbezogen.5

Die bilateralen Sportbeziehungen zu sozialistischen Staaten entwickelten sich in etwa analog zu den außenpolitischen Beziehungen.6

Nach der Revolution 1959 in Kuba hat sich die Regierung durch ihre Agrarreform und der dadurch im Streit mit den USA resultierenden Enteignungswellen (nicht amerikanische Firmen wurden entschädigt) von ausländischen Unternehmen, in die Richtung des Sozialismus bewegt.

Verstärkt wurde dies durch die damalige Politik der USA und der Invasion in der Schweinebucht. In dieser Zeit wurden auch die Kontakte zur DDR geknüpft, die Aufgrund der „Hallstein-Doktrin“, Probleme hatten außenpolitische Verbindungen ein zu gehen. Auf einzelne Sportarten bezogen, hemmte die Blockade Kubas durch die USA die Entwicklung zum Teil erheblich. Nur in den Sportarten, in denen sozialistische Länder ein hohes Leistungsniveau aufweisen und beispielsweise mit Trainern, Trainingslagern helfen konnten, gelang es Kuba, rasch zur Weltspitze aufzuschließen, während es in andren unmöglich war, das Niveau dadurch zu heben, dass Hilfe aus kapitalistischen Ländern geleistet wurde.7

Um den Stellenwert des Sports im Kampf Sozialismus gegen Kapitalismus darzustellen ,soll an dieser Stelle Fidel Castro zitiert werden: „Sie (die USA) haben letzten Endes bis heute den Sport als ein Instrument benutzt – und davon sprechen wir gleich noch- denn sie haben gewisse Beschuldigungen erhoben, dass wir den Sport unter politischen Gesichtspunkten einsetzen, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist. Es war der Imperialismus, der sich bemüht hat, die Völker Lateinamerikas zu erniedrigen, in ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den Nordamerikanern zu schaffen, ein Gefühl der Unfähigkeit ihnen gegenüber. Und in diesem Sinne haben sie den Sport ausgenutzt. (…) Man hat versucht, Cuba als denjenigen hinzustellen, der den Sport als Instrument der Politik benutzt. Und es ist genau umgekehrt: die Politik ist ein Instrument des Sports. (…) Weil die Sowjetunion und andere sozialistische Länder glauben, dass die Gelegenheit auf sportlichem Gebiet die Stärke des Systems zeigt, hat sich der Sport für sie in eine große politische und propagandistische Waffe verwandelt…“ Aber hört euch diese Unverschämtheit an! Diese Lügner! (…) Es tut ihnen natürlich weh, dass eine Waffe stumpf geworden ist, dass jenes Minderwertigkeitsgefühl, jener Minderwertigkeitskomplex, den sie in unseren lateinamerikanischen Ländern schaffen wollten derart überwältigend zerstört worden ist. Und er wird eines Tages völlig vernichtet werden durch die Anstrengungen unseres Landes, durch die Anstrengung anderer lateinamerikanischen Länder. Früher ergaben die Medaillen der Vereinigten Staaten mehr als die aller Länder Lateinamerikas zusammen.

Heute jedoch, nach dem ungeheuren Aufschwung des Sports in Cuba, sieht es so aus, dass die Medaillen aller lateinamerikanischen Länder zusammen viel mehr ergeben, als die der Vereinigten Staaten. Das sollte man nämlich auch sehen: hier muss die andere Rechnung gemacht werden: nicht nur, dass Cuba die Vereinigten Staaten im Sport geschlagen hat, (…)“.8

Die stärksten Politisierungstendenzen sind im internationalen Sport festzustellen. Die einzigartige Stellung der Nation im politischen Raum bringt es mit sich, dass bei Sportwettkämpfen zwischen Nationalvertretungen ein Gruppenbewusstsein aktualisiert wird, das hinsichtlich Intensität und Färbung völlig verschieden ist von Lokalgruppen oder Landsmannschaften aktualisiert wird.9

Der Sport ist, mehr oder weniger explizit formuliert, ein Bestandteil der Systemauseinandersetzung; sportliche Spitzenleistungen sollen die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftssystems in der DDR unter Beweis stellen. Es ist daher nur konsequent, wenn der Sportförderung innerhalb der DDR-Entwicklungshilfe, die gleichfalls als Feld der Systemkonkurrenz gilt, ein besonderes Gewicht eingeräumt wird.10

Als 1964 eine Vereinbarung „über die Ausbildung von 200 kubanischen Sportstudenten in der DDR zu Instrukteuren für die Einführung des obligatorischen Sportunterrichtes an den kubanischen Schulen“ getroffen worden war, hatte die DDR damit einen wichtigen Beitrag dazu geliefert, dass das kleine Kuba eines Tages zu einer „Sportgroßmacht“ aufsteigen konnte.11

2. Unterstützung der DDR für den kubanischen Sport

Im Jahre 1961 wurde ein Abkommen zwischen der Regierung der DDR und der Regierung der Republik Kuba über kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen.12 In Artikel 9 wurde die Unterstützung der DDR für den Staat Kuba im Bereich des Sports zugesagt, explizit ging es zunächst um die Ausbildung von Trainern und Sportlehrern.

In dem Arbeitsplan wurden im Wesentlichen drei Ziele verfolgt.

- Die unmittelbare Vorbereitung auf die mittelamerikanischen Spiele im Juli 1962 in Jamaika.
- Es besteht die dringende Notwendigkeit der kubanischen Sportführung soweit als möglich zu helfen, die von den USA-Imperialisten über Kuba verhängte Blockade auf allen Gebieten, auf dem Gebiete des Sports zu durchbrechen, um damit den Beweis zu erbringen, dass die jungen unabhängigen Völker sich stets auf die Hilfe der sozialistischen Länder verlassen können.
- Um eine langfristige Planung und Entwicklung von Körperkultur und Sport in Republik Kuba zu gewährleisten, werden das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport und der Deutsche Turn- und Sportbund bei der Qualifizierung von Sportkadern der Republik Kuba Hilfe geben.13

Aufgrund dieses Arbeitsplanes wurde eine Vereinbarung zwischen dem Deutschen Turn und Sport Bund der Deutschen Demokratischen Republik (DTSB: Massenorganisation mit über 3,6 Millionen Mitgliedern 1986)14 und dem Nationalen Institut für Sport, Körpererziehung und Freizeitgestaltung (INDER) der Republik Kuba über den Austausch von Sportdelegationen und Trainern im Jahre 1962 vereinbart.15

Den weiteren Verlauf der Beziehungen kann man in drei Phasen einteilen:

2.1 Erste Phase

Die erste Phase verlief von 1962 bis 1974, in dieser Phase hat die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig 17 kubanische Magisterstudenten ausgebildet und 8 Kubaner während ihrem vierjährigen Direktstudium betreut.16 Im Jahre 1964 wurde eine Vereinbarung „über die Ausbildung von 200 kubanischen Sportstudenten in der DDR zu Instrukteuren für die Einführung des obligatorischen Sportunterrichtes an den kubanischen Schulen“17 getroffen, damit hatte die DDR einen wichtigen Beitrag dazu geliefert, dass das kleine Kuba eines Tages zu einer „Sportgroßmacht“ aufsteigen konnte.18 Die Sportinstrukteure wurden in der DDR in zwei 6-Monate-Lehrgängen ausgebildet.19

Der erste Lehrgang zur Ausbildung kubanischer Sportinstrukteure wurde vom 15.03.1964 bis zum 12.08.1964 an der Zentralschule des Deutschen Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) in Bad Blankenburg /Thüringen durchgeführt. Das Lehrgangsziel bestand darin, durch Vermittlung der theoretischen und praktischen Grundlagen in den Grundsportarten, in der Methodik sowie der Grundkenntnisse im Marxismus-Leninismus, in der Theorie der Körpererziehung, der Organisationspolitik und der Sportmedizin, Sportinstrukteure zur Entwicklung der sozialistischen Körperkultur in Kuba auszubilden.20 Von ursprünglich 100 Teilnehmern beim ersten Lehrgang, beendeten 98 diesen erfolgreich, zwei Kubaner wurden wegen groben moralischen Vergehen (Kameradendiebstahl) zurückgeschickt.

Das Leistungsniveau in den sportpraktischen Fächern war ausgeglichen, beim theoretischen Unterricht wurde festgestellt, dass ein großer Teil der Lehrgangsteilnehmer nur über geringe Grundkenntnisse der Allgemeinbildung verfügten. Diese Einschätzung galt besonders für die Frauengruppe.21

Zum längerfristigen Erfahrungs- und Meinungsaustausch und zur Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung wurden mehrere DDR-Experten nach Kuba gesandt, die meistens 45 Tage auf Kuba blieben und dort auch zum Teil Vorlesungen an der Sporthochschule von Havanna hielten, des Weiteren wurden auf Wunsch der Kubaner jährlich drei bis fünf Spezialisten Gruppen verschiedener Fachgebiete, z. B. zu Fragen des Freizeit- und Erholungssports, der Aus- und Weiterbildung von Hoch- Fachschulkadern, Sportbauten und Sportgeräte, Schulsport oder ökonomische Probleme, nach Kuba delegiert.22 Einige von ihnen blieben auch für eine Dauer von drei Jahren auf der damaligen Zuckerrohrinsel.23

In den Jahren von 1962 – 1974 wurden einige Trainer aus der DDR längerfristig nach Kuba gesandt. Trainer aus der DDR für die Disziplinen Volleyball, Rudern, Wasserspringen sowie im Bahnrad hatten zu einer positiven Entwicklung beigetragen.24 In diesem Zeitraum arbeiteten insgesamt 16 Trainer, in den zuvor genannten Bereichen, zudem befanden sich auch Judo- und Leichtathletik- Trainer in Kuba. Die ersten Mannschaften besuchten Kuba bereits im Juli 1962, z. B. DDR-Schwimmer unter der Leitung des Generalsekretärs des DSSV Gerd Bartheim.25

So gilt beispielsweise der Trainer Kurt Rosentritt aus der DDR als der „Vater des kubanischen Boxsports“. Dieser entdeckte talentierte kubanische Boxer, die schließlich Weltmeister oder Olympiasieger wurden.26 Kurt Rosentritt ,der drei kubanische Boxer zu Olympiasiegern trimmte.27

Der heutige Cheftrainer der kubanischen Faustkampfelite erklärte nach der Wende, dass Rosentritt den Kubanern die Grundzüge der Trainingssystematik beibrachten, worauf noch heute die Arbeit im kubanischen Boxsport basiere.28

Nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika auch die Lieferung von Sportgeräten einstellte, wurde dies zunächst von den sozialistischen Staaten übernommen.29 Wichtig für die Kubaner war daher der Aufbau der Sportartikelindustrie im eigenen Land. Zu diesem Zwecke wurden Delegationen in die Deutsche Demokratische Republik entsandt um Erfahrungen auf dem Gebiet der Produktion von Sportausrüstungen sowie Sportgeräten zu erwerben.30 Die DDR empfing auch eine größere Anzahl von kubanischen Trainern, die in der DDR einige Trainerkurse besuchten, zum Beispiel für den Schießsport 1970.31

Zudem fanden gemeinsame Trainingslager (GTL), in Vorbereitung auf internationale sportlich Höhepunkte (im Interesse der kubanischen Seite), statt.

1969 in der DDR ein 30 Tage Trainingslager (TL) für Schwimmen und Wasserspringen in Vorbereitung auf die Centroamerikanischen Spiele.

1970 in Kuba ein 30 Tage gemeinsames TL für Schwimmen und Wasserspringen in Vorbereitung auf die Centroamerikanischen Spiele.

1971 in der DDR ein 45 Tage TL für Leichtathletik in Vorbereitung auf die Panamerikanischen Spiele

1972 in der DDR ein 25 Tage TL für Boxen in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele

1972 in der DDR ein 20 Tage TL für Leichtathletik in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele

1973 in der DDR ein 25 Tage gemeinsames TL für Schwimmen in Vorbereitung auf die Centroamerikanischen Spiele.32

Im Jahre 1972 kam es zu einer kleinen Unterkühlung in den Beziehungen, als kubanische Funktionäre an einem Lehrgang der Führungsakademie des DSB (Deutscher Sportbund) in der BRD und in Westberlin teilnahmen. Daraufhin sah sich der Präsident des DTSB gezwungen zu intervenieren und legte den Kubanern den prinzipiellen Standpunkt der Sportleitung der DDR zur Teilnahme kubanischer Sportfreunde an Lehrgängen der Führungsakademie des DSB in der BRD und in Westberlin dar und erläuterte die Grundzüge der Außenpolitik der DDR und des Sports zur BRD, sowie die besondere Rolle West-Berlins. Die kubanischen Genossen räumten ein, dass ihre Entscheidung zur Teilnahme an einer solchen Veranstaltung nicht ausreichend durchdacht war, dass vorher unbedingt eine Abstimmung zu dieser Frage mit der DDR notwendig gewesen wäre und dass es als Fehlentscheidung zu werten ist.33

Unter bilateralen Problemen ordnete der DTSB intern die gängige Praxis der Kubaner, die vorher abgesprochenen Teilnehmerzahlen, sowie Anreisetermine und Aufenthaltsdauer variabel auszulegen, ein.34 Kubanische Delegationen die die DDR im Jahre 1972 besuchten, interessierten sich neben den typischen Sportthemen, für die Zusammenarbeit des DTSB der DDR mit der Partei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.35 Ende November 1972 wurden erste Schwimmsportexperten nach Kuba gesendet.36

Im November bis Dezember 1973 führte der Deutsche Schwimmsport-Verband der DDR unter Leitung von Dr. Gerhard Lewin von der DHfK, ein Trainingslager in der DDR durch. Für Dolmetschertätigkeiten wurde eine Mitarbeiterin von der Universität Rostock freigestellt.37

2.2 Zweite Phase

Die zweite Phase kann auch als Phase der festen Verträge eingeordnet werden.

Als 1974 die Sportorganisation beider Länder einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet hatten, wurden einerseits der Austausch von Trainern erweitert.38 Darunter Trainer für die Sportarten Volleyball, Rudern und Schwimmen.39 Anderseits half die DDR beim Freizeit- und Erholungssport, beim Bau sowie der Pflege von Sportstätten und –bauten.

Unterstützung leistete sie außerdem für die kubanische Sportpresse.40

Es wurden im Jahre 1975 einige Spezialisten für Journalismus und Propaganda nach Kuba entsandt, außerdem Experten für Sportartikelherstellung, Spezialisten für Bau und Wartung von Sportanlagen und Spezialisten für Massensportübungen.41

Am 01.10.1975 wurde eine finanzielle Regelung, für den Austausch von Sportdelegationen und Expertengruppen getroffen, so sollten erstens alle Reisekosten bis zur Hauptstadt des Gastgeberlandes und zurück, sowie zweitens sämtliche Kosten für den Transport von Sportgeräten und Ausrüstung bis zur Hauptstadt des Gastgeberlandes und zurück, des Weiteren die Kosten für Übergepäck von der Entsendenden Seite übernommen werden. Es ist durchaus denkbar dass vielleicht aus diesem Grunde 1976 zwei Finanzexperten nach Kuba delegiert wurden.42

Der mit der INDER für 1977 vereinbarte Austausch von Sportmannschaften wurde mit 27 Maßnahmen bis auf eine realisiert. Bei dieser Maßnahme handelte es sich um das Radsport/Straße Team der Kubaner, die trotz telegraphischer Zusage nicht zu einer geplanten Veranstaltung erschienen.43 Im gleichen Jahr wurde zum wiederholten malle Dr. Gerhard Levin von 1953 bis 1968 als Leiter des Instituts für Schwimmen an der DHfK tätig, vom Schwimmverband der DDR44, nach 1974-1976, zur Traineranleitung im September und Oktober nach Kuba delegiert. Nachdem zuvor sich eine Gruppe kubanischer Schwimmer für zwei Wochen zu einem Trainingsaufenthalt in der DDR aufhielt.45 Der Schwimmsport im allgemeinen hatte für die kubanische Regierung einen extrem hohen Stellenwert, dies konnte man anhand der Aufzeichnungen des Gespräches zwischen dem Präsidenten des DTSB der DDR und dem Stellvertreter des Ministerpräsidenten der Republik Kuba Herr Fernandez am 23.10.1978 in Havanna feststellen. Herr Fernandez unterstrich dass die Hilfe der DDR im Wesentlichen dazu beigetragen habe, Körperkultur und Sport im sozialistischen Kuba zu entwickeln und erfolgreich an internationalen Sportwettkämpfen teilzunehmen. Das Ziel der Kubaner sei es aber, im Rahmen der lateinamerikanischen Länder auch auf dem Gebiet des Sports den Sozialismus darzustellen, und dazu gehöre neben den Erfolgen in den verschiedenen Sportarten auch ein erfolgreiches Auftreten im Schwimmen.

Die Erfolge des Sports von Kuba müssten gleichzeitig als ein politisches Zeichen für die Bevölkerung Lateinamerikas gewertet werden. Wenn sie die Bitte zur Unterstützung des Schwimmspots aussprechen, dann deshalb, weil es für sie zur Notwendigkeit geworden ist.46

[...]


1 Vgl.: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55]

2 Vgl.: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-games-2007-rio-de-janeiro-medals-table.htm [Zugriff: 25.08.2009, 15:33]

3 Vgl.: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55]

4 Vgl.: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-games-2007-rio-de-janeiro-medals-table.htm [Zugriff: 25.08.2009, 15:33]

5 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.315.

6 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.334.

7 Vgl.: Krämer-Mandeau, Wolf, Sport und Körpererziehung auf Cuba, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln, 1988, S. 237.

8 Zitat: Castro, Fidel, Sport und Gesellschaft, Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, 1972, S. 9-14.

9 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.313.

10 Vgl.: Spranger, Hans-Joachim, Brock, Lothar, Die beiden deutschen Staaten in der Dritten Welt, Westdeutscher Verlag, Darmstadt, 1987, S. 188.

11 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879-1880.

12 Vgl.: BArch, DR5/593

13 Vgl.: BArch, DR5/593

14 Vgl.: Dietz Verlag, Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1989, S. 191.

15 Vgl.: BArch, DR5/594

16 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 143.

17 Vgl.: Fischer, Hans-Joachim, Internationale pädagogische Beziehungen und pädagogische Auslandsarbeit der DDR, Schöningh, Paderborn, 1975, S. 75.

18 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879.

19 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 143.

20 Vgl.: BArch, DY 12/3172 BL. 212.

21 Vgl.: BArch, DY 12/3172 BL. 203.

22 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 144.

23 Vgl.: Riordan, James, Sport under communism, C. Hurst & Co., London, 1981, S. 155.

24 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879.

25 Vgl.: Neues Deutschland, Überaus herzlich, Neues Deutschland, 15.10.1962

26 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879.

27 Vgl.: Der Spiegel, Rührt euch, weitermachen, Der Spiegel 44/1975, Seite 203.

28 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 144.

29 Vgl.: Neues Deutschland, Kubas Sport schreitet vorwärts, Neues Deutschland, 16.04.1962

30 Vgl.: BArch, DR 5/958 BL. 08140 vom 13.03.1965

31 Vgl.: BArch, DY 12/3172 BL. 242.

32 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 144.

33 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 271.

34 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 340.

35 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 289.

36 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 278.

37 Vgl.: BArch, DY 12/4569 S. 1-111.

38 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879.

39 Vgl.: Caso, Magarita, Kuba eine Insel verändert ihr Gesicht, Märkische Volksstimme, Potsdam, 16.02.1974

40 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879.

41 Vgl.: BArch, DY 12/3172 BL. 242.

42 Vgl.: BArch, DY 12/3172 BL 267/268.

43 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 229.

44 Vgl.: Salomon, Eleonore, Das Kinder-Mehrzweckturngerät „Greifswald“, www.sportmuseum-leipzig.de/Ablage-Zeitung/2+3-2005/Seite [Zugriff: 24.06.2009]

45 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 230.

46 Vgl.: BArch, DY 12/3171 BL. 100-112.

Details

Seiten
54
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656056300
ISBN (Buch)
9783656056133
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182039
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften
Note
Schlagworte
DDR Mfs Sport Boxen Schwimmen Politik Kuba

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