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Der Weg zur Entstehung des Christus-Dogmas von Chalcedon

Christologische Auseinandersetzungen im Rahmen der alten Kirche

Referat (Ausarbeitung) 2009 18 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen der Christologie

3 Christologische Logos-Modelle
3.1 Das Logos-Sarx Modell unter Appolinaris von Laudicaea
3.2 Das Logos-Antropos-Modell alexandrinischer und antiochenischer Schule
3.2.1 Die antiochenische Christologie
3.2.2 Die alexandrinische Christologie
3.3 Cyrill gegen Nestorius - der Zusammenprall der beiden Christologien

4 Das Christus-Dogma des Konzils von Chalcedon

Monographien

Einführung

1 Einführung

„Das spezifische des christlichen Glaubens ist nicht die bloße Überzeugung von einem lebendigen Gott, sondern der Glaube an den Gott, den Jesus von Nazareth uns erschlossen, an den Gott, der sich uns in Jesu Schicksal kundgetan hat“1, so die einführenden Worte von Theodor Schneider in das zweite Kapitel seines Buches „Was wir glauben - eine Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses“. Davon ausgehend, dass sich Gott den Menschen eben durch Jesus und sein Schicksal offenbart hat und sich auch heute noch Christen in ihrem Leben von der Gegenwart Jesu Christi bestimmen lassen, zeigt, dass Jesu „mehr als eine Figur der Vergangenheit, mehr als ein moralisches Vorbild“2 ist. Hier wird deutlich: zu einer Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben gehört damit ganz zentral die Frage danach wer Jesus von Nazareth war und was er eigentlich wollte um somit die heutige Bedeutung von ihm, im Leben derer, die ihr Leben von seiner Gegenwart bestimmen lassen, zu verstehen.3 Zudem ist, um die Bedeutung Jesu für „seine“ Gemeinschaft vollends zu verstehen, nicht nur ein Blick auf die Historie und seine Botschaft notwendig. Viel mehr ist, um das Wirken von Jesus und Botschaft in der Gesamtheit zu verstehen, auch eine Auseinanderssetzung mit der Bedeutung seines Todes am Kreuz, sowie der Entstehung des Glaubens an seine Auferstehung notwendig. Dem Christus-Dogma des Konzils von Chalcedon (451), welches eben ein entscheidender Schlüssel auf dem Weg zum Verständnis des Wirkens und der Botschaft von Jesus ist, geht eine längere christologische Debatte mit entscheidenden Impulsen von mehreren altkirchlichen Konzilien voraus. Ziel dieser Ausarbeitung ist es, sich eben mit der theologischen Vorgeschichte, die zum Christus-Dogma des Konzils von Chalcedon führte, zu beschäftigen. Dafür werden innerhalb dieser Ausarbeitung zentrale Lehren und Strömungen, die letztendlich zur Entstehung jenes Christus-Dogmas beigetragen haben wie z.B. der Arianismus oder der Appolinarismus, dargestellt und kritisch reflektiert. Um diese jedoch korrekt einordnen zu können ist vorweg eine einführende Auseinandersetzung um das Heilswirken und die Person von Jesus notwendig.

2 Grundlagen der Christologie

Die Frage danach wer Jesus von Nazareth war, lässt sich auf rein historischer Ebene nicht vollständig ergründen. Denn auch die ältesten Quellen über Jesus, zu denen das Markusevangelium, die Redenquelle Q, sowie wahrscheinlich Teile des Thomas- evangeliums zählen, bieten nicht das Datenmaterial, was für eine historisch zuverlässige Biographie von Jesus notwendig wäre, da keines der Quellen eine rein chronologische Darstellung des Lebens Jesu vornimmt. Zudem sind die Quellen nicht primär auf eine (rein) geschichtliche Wiedergabe des Lebens Jesu ausgerichtet.4 Die Evangelien berichten zwar von Jesus, „indem sie von seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferweckung erzählen“5, die Intention ist aber viel mehr eine „theologische Deutung des Lebens und Wirkens Jesu“6. Die Entstehung des Glaubens an die Auferstehung Jesu Christi beginnt jedoch erst mit der Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen. Diese, wie z.B. die von Kleopas und einem weiteren Jünger einen Tag nach Pessach, auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus, vermittelt die Erkenntnis: Jesus lebt! (vgl. LK 24, 31). Sein Tod bedeutete damit nicht das Ende, sondern eröffnet eine neue Dimension. Denn er war der Messias, der leiden musste und am dritten Tage von dem Toten auferstanden ist, damit gepredigt werde in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern, wie von ihm geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen (vgl. Lk 24, 42). Schon bald nach seinem Tod und der Erfahrung seiner Auferstehung werden Jesus diverse Hoheitstitel zugeschrieben, wie z.B. Christus, Herr oder auch Sohn, „die seine Einzigkeit und Göttlichkeit zum Ausdruck bringen“,7 um somit auch auf diese Weise den Glauben an den auferweckten Jesus zu bekunden.8 Diese Hoheitstitel sind in einer Linie mit den diversen Bekenntnisformeln zu sehen, mit denen die Christen der Urkirche ihren Glauben an Jesus zum Ausdruck brachten, wie z.B. der Auferweckungs- formel (Röm 10,9), in der die Ostererfahrung, also dass Jesus auferstanden ist, kurz wiedergegeben wird.9

Trotz der geschilderten Problematik, dass kaum verlässliche Quellen zur Erstellung einer Biographie von Jesus vorhanden sind und viele der verfügbaren Quellen eben die Glaubenserfahrung in den Vordergrund stellen, lassen sich doch einige (entscheidende) Grundlinien des Lebens Jesu und seiner Botschaft nachzeichnen.10 Aus diesen ergibt sich auch, dass er Mensch Jesus von Nazareth ein zutiefst jüdischer Mensch war und als solcher seine Wurzel im vielfältigen und lebendigen gelebten Judentum seiner Zeit und seines Umfelds fand.11 Daher sind sowohl seine Botschaft, als auch die Deutung seiner Gestalt durch seine Anhänger, vor dem Hintergrund jüdischen Denkens zu verstehen. Die Bedeutung und Tragweite der Hoheitstitel, die Jesu zugeschrieben werden, wie z.B. Christus oder Sohn Gottes können daher ebenfalls nur verstanden werden, wenn man sich mit der Bedeutung der Begriffe im Kontext des jüdischern Hintergrundes beschäftigt.

Durch die Zuschreibung von Hoheitstiteln und das Betonen der heilsgeschichtlichen Bedeutung vom Tod und Auferstehung Jesu durch die Evangelien und der ersten nachösterlichen Gemeinde wird eben die „heilsgeschichtliche Sicht der Wirklichkeit“12 im Kontext jüdischen Verstehens in den Vordergrund gerückt.13 Der Tod und die Auferstehung Jesu werden somit als heilsbringende Botschaft verkündigt. Jedoch bleibt hierbei die Frage, wie sich eben diese heilsbringende Botschaft14 erklären lässt. Denn Jesus wird u.a. mit dem Hoheitstitel Christus bezeichnet, was die griechische Übersetzung des Begriffes vom hebräischen Wort Messias ist, und zu Deutsch der Gesalbte bedeutet.15 Dieser Begriff wurde ursprünglich für die regierenden Könige Israels (aus dem Hause Davids) gebraucht, die bei Übernahme ihres Amtes mit heiligem Öl, als Zeichen ihrer besonderen Nähe zu Gott gesalbt wurde. Später wurde der Begriff des Messias zunehmend mit einer Rettergestalt in Verbindung gebracht, unter deren Führung eine neue Welt anbrechen sollte.16 Vor diesem Hintergrund ist die Gefahr durchaus gegeben, Jesus allein als triumphierenden König sehen zu wollen und dabei sein Leiden am Kreuz dabei zu übersehen, was jedoch ein zentraler Teil seiner Botschaft ist. Jesus lässt sich in seiner Gesamtheit eben nicht nur durch seine Wundertaten und seine Worte verstehen. Das Leiden und Sterben am Kreuz ist zentraler Teil seiner Botschaft.17

Jedoch widerspricht gerade die Vorstellung einen „Gekreuzigten als Gottes Gesalbten zu verkündigen“18 eben der Erwartung und der Vorstellung an einen von Gott Gesalbten. Der Apostel Paulus stellt sich dieser Spannung und verkündigt Jesus als Messias Gottes, als den, „der „nicht mehr stirbt“ (Röm. 6,9), zugleich weiterhin als den, der hingerichtet wurde und gestorben ist - offenbar auch Letzteres mit bleibender Gültigkeit“19, durchaus in dem Bewusstsein, dass dieses eine Provokation für die Frömmigkeit des Juden ist, da der Tod am Kreuz nur für Verbrecher zugedacht ist, und eine „Torheit für die von der Philosophie oder vom Polytheismus geprägten Heiden“ ist.20 Ein Versuch den Kreuzestod plausibel zu machen unternimmt Paulus nicht, der Kreuzestod Jesu bleibt ein finsteres Ereignis und behält damit seine Anstößigkeit.21 Paulus hat die Ostererfahrung der Jünger zu einer Theologie weiterentwickelt, bei der es im Wesentlichen um die Bedeutung des Kreuzes und dessen Heilsbedeutung für die Menschheit geht. Durch eben diese Auseinandersetzung mit der Botschaft Jesu und seiner zahlreichen Missionsreisen, trug Paulus entscheidend zur Ausbreitung des Glaubens in der damals bekannten Welt bei.22

Jedoch ergeben sich mit der Verbreitung des Christentums in den hellenistischen Raum hinein neue Herausforderungen: Der Gott der Bibel, welcher durch seinen Sohn Jesus berührbar geworden ist, offenbart sich den Menschen immer wieder neu in der Geschichte die er mit den Menschen schreibt. Gott wendet sich in seiner Liebe den Menschen zu und durch den Opfertod von Jesus ist der Abstand zwischen Gott und den Menschen überbrückt. Diese heilgeschichtliche Betrachtung des Todes Jesu zeigt zwar einerseits dem Menschen seine Unvollkommenheit auf, bieten im aber eben darin eine Quelle, aus welcher er neu leben kann.23 Dem hingegen steht die hellenistische Denkweise im Raum, nach welcher ein unendlicher Abstand zwischen der „göttlichen“ und der „menschlichen“ Welt existiert.24 Der Gott der Bibel ist jedoch kein unpersönlicher, unnahbarer Gott, sondern ein Gott, der uns durch den Opfertod seines Sohnes Jesu entgegengekommen ist bis einen Schritt vom nichts, zum greifen nah vor unseren Augen. Dieses bringt im Kontext hellenistischer Denkweise, nach der das Göttliche etwas Fernes, Ungreifbares ist, die Frage auf wie das Greifbarwerden Gottes durch seine Menschwerdung mit der Transzendenz Gottes vereinbar ist.25

[...]


1 Schneider, Theodor: Was wir glauben, Düsseldorf: Patmos Verlag, 51998, S. 186.

2 Tück, Jan-Heiner: Jesus Christus - Gottes Heil für uns - eine dogmatische Skizze, in: Hotze, Gerhard; Nicklas, Tobias; Tomberg, Markus; Tück, Jan-Heiner: Jesus begegnen - Zugänge zur Christologie Freiburg im Breisgau: Herder, 2007, S. 119 - 176, hier S. 119.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. Nicklas, Tobias: Wer war Jesus von Nazaret? Jesus im Spiegel der Evangelien, in: Hotze, Gerhard; Nicklas, Tobias; Tomberg, Markus; Tück, Jan-Heiner: Jesus begegnen - Zugänge zur Christologie, Freiburg im Breisgau: Herder, 2007, S. 7 - 78, hier S. 10

5 Tück,, S. 121.

6 Nicklas, S. 9.

7 Tück, Jan-Heiner, 2007, S. 121.

8 Vgl. Hotze, Gerhard: Das Christusbekenntnis im Neuen Testament, in: Hotze, Gerhard; Nicklas, Tobias; Tomberg, Markus; Tück, Jan-Heiner: Jesus begegnen - Zugänge zur Christologie, Freiburg im Breisgau: Herder, 2007, S. 79 - 118, hier S. 83.

9 Vgl. Hotze, S. 80.

10 Vgl. Nicklas, S. 9.

11 Vgl. ebd., S. 31.

12 Tück, S.121.

13 Nicklas, S. 8.

14 Vgl. Hotze, S. 95.

15 Vgl. ebd., S. 83.

16 Vgl. Nicklas, S. 42.

17 Vgl. ebd.

18 Ebd.

19 Hotze, S. 97

20 Ebd.

21 Vgl. ebd., S. 97.

22 Vgl. ebd., S. 91.

23 Vgl. Tück, S. 121.

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. Tück, S. 122.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656060901
ISBN (Buch)
9783656061021
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182080
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Katholische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
entstehung christus-dogmas chalcedon christologische auseinandersetzungen rahmen kirche

Autor

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