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Unsere Hoffnung – Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit

Entstehung und Inhalt des Beschlusstextes der Würzburger Synode im Vergleich mit Johann Baptist Metz Vorlagendokument "Unsere Hoffnung – Die Kraft des Evangeliums zur Gestaltung der Zukunft"

Studienarbeit 2011 27 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Entstehung des Beschlusstextes

3. Inhalt des Beschlusstextes
3.1. Einleitung: „Rechenschaft über unsere Hoffnung“ als Aufgabe der Kirche
3.2. Teil 1: Zeugnis der Hoffnung in unserer Gesellschaft
3.2.1. Gott unserer Hoffnung
3.2.2. Leben und Sterben Jesu Christi
3.2.3. Auferweckung der Toten
3.2.4. Gericht
3.2.5. Vergebung der Sünden
3.2.6. Reich Gottes
3.2.7. Schöpfung
3.2.8. Gemeinschaft der Kirche
3.3. Teil II: Das eine Zeugnis und die vielen Träger der Hoffnung
3.3.1. Inmitten unserer Lebenswelt
3.3.2. Das Zeugnis gelebter Hoffnung
3.3.3. Gleichförmig mit Jesus Christus
3.3.4. Das Volk Gottes als Träger der Hoffnung
3.4. Teil III: Wege in die Nachfolge
3.4.1. Weg in den Gehorsam des Kreuzes
3.4.2. Weg in die Armut
3.4.3. Weg in die Freiheit
3.4.4. Weg in die Freude
3.5. Teil IV: Sendungen für Gesamtkirche und Gesamtgesellschaft
3.5.1. Für eine lebendige Einheit der Christen
3.5.2. Für ein neues Verhältnis zur Glaubensgeschichte des jüdischen Volkes
3.5.3. Für die Tischgemeinschaft mit den armen Kirchen
3.5.4. Für eine lebenswürdige Zukunft der Menschheit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Würzburger Synode, die im Zeitraum vom 3. Januar 1971 bis zum 30.November 1975 unter der Leitung von Julius Kardinal Döpfner stattfand, hat sich zur Aufgabe gemacht, die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils für die heute lebenden Menschen in der Bundesrepublik Deutschland zugänglich zu machen und die Aufgaben der Kirche klar zu definieren.1 Papst Johannes XXIII. wollte mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Kirche und den Glauben erneuern. „Der Graben“2 zwischen der Welt und der Kirche sollte überwunden werden, indem „alte Glaubensformeln [...] mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit verknüpft“3 werden. Sein Anliegen kommt am deutlichsten in der Konstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et Spes zum Ausdruck. Die Synode hatte sich der Aufgabe zu stellen, diese Konstitution den Menschen in Deutschland nahe zu bringen, weil Antworten auf eine Umfrage ergaben4, dass die Gläubigen sich in einer „Glaubensnot, eine(r) Unsicherheit, den christlichen Glauben zu leben“5 sahen. Die Gläubigen waren der Meinung, dass die Kirche ihren Blick mehr auf ihre Situationen zu richten habe. Aus diesem Grund entstand der Beschlusstext Unsere Hoffnung – Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit, um sich der Vermittlungsaufgabe von der heutigen Kirche zu stellen.6

Im Folgendem wird aufgezeigt, wie dieser Beschlusstext entstanden ist, der als der theologische Grundlagenbeschluss der Würzburger Synode gilt. Daraufhin wird sein Inhalt erläutert. Während dieser Erläuterung findet ein Vergleich mit dem Grundlagentext von Johann Baptist Metz Unsere Hoffnung – Die Kraft des Evangeliums zur Gestaltung der Zukunft statt. Es wird darauf eingegangen, warum die Gemeinsame Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland bestimmte Formulierungen verändert und vieles hinzugefügt hat, vor allem den Teil IV.

2. Entstehung des Beschlusstextes

Die Sachkommission I, die für die Glaubensfragen zuständig war,7 hatte in einer Sitzung schon eine Art Grundlagenpapier im Blick gehabt, das sich grundsätzlich mit der religiösen Gesamtsituation der Kirche in der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzen sollte. Zunächst versuchte eine Arbeitsgruppe mit Rückbindung an die Gesamtkommission „in einem mühsamen Erkenntnisprozess [das Problemfeld] zu sichten und zu strukturieren.“8 Es wurde über potenzielle Inhalte für einen Beschlusstext diskutiert mithilfe von „Diskussionspapieren und Problemskizzen.“9 Dadurch wurde erstmals bewusst, auf wie vielen unterschiedlichen Wegen über die Not der Gläubigen geredet werden kann und versucht werden kann sie zu lösen. Nur „auf einem gewissen Reflexionsniveau10 schien es plausibel, Glaubensaussagen mit der Situation und den Erfahrungen der heute Gläubigen anzusprechen, wobei die „ Erfahrung der konkreten Kirche11 sehr wichtig erschien.

Die Sachkommission I hatte zunächst im Blick, zwei getrennte Arbeiten herauszugeben, aber im Februar 1972 wurde beschlossen nur eine Vorlage zu erstellen. Der vorläufige Titel lautete „Unsere Hoffnung. Vom Versuch, heute Kirche zu sein“.12 Es sollte im Anbetracht der Probleme heute als Christ zu leben, aufgezeigt werden, dass die Kirche eine „Kirche Jesu Christi“13 sein solle. Im Januar 1973 wurde festgelegt, eine Vorlage über eine grundsätzliche Anschauung über den Glauben anzufertigen. Johann Baptist Metz, ein Berater und Berichterstatter der Sachkommission I, wurde im April 1973 von der Sachkommission I für diesen Grundlagenentwurf beauftragt, da er als der Richtige erschien, um diesem Entwurf „eine gedankliche, stilistische und sprachliche Einheit“14 zu verleihen. Er sollte einen von ihm vorgeschlagenen Gliederungsentwurf ausarbeiten. Im Januar 1974 wurde in der Gesamtkommission über den Entwurf, den Metz Unsere Hoffnung – Die Kraft des Evangeliums zur Gestaltung der Zukunft betitelte, diskutiert und im Großen und Ganzen als gut befunden. Am 25./ 26. Oktober 1974 wurde der Text von der Sachkommission bearbeitet. Dabei wurde unter anderem ein anderer Titel gewählt, der mehr auf den Inhalt andeuten sollte. Er lautete nun „Unsere Hoffnung – Ein Glaubensbekenntnis in dieser Zeit.“15 Schließlich entstand im Verlauf der ersten und zweiten Lesung in der Vollversammlung der Synode der endgültige Titel Unsere Hoffnung – Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit.16 Es stand zur Diskussion, ob man nicht besser von einem „Zeugnis des Glaubens“17 sprechen sollte, aber da es sich um ein Bekenntnistext handelt, der zum Zeugnis führen soll, fand der Vorschlag keine Mehrheit.

Am 8. Mai 1975 fand auf der 7. Sitzungsperiode der Würzburger Synode die erste Lesung statt. Dabei hob vor allem Johann Baptist Metz die Absicht hervor, die Inhalte des Glaubens im Hinblick auf die Probleme des Glaubens und auf das Leben der heute lebenden Menschen zu sehen. Es gab rund sechzig „schriftliche Änderungsanträge“18 der Mitglieder der Synode, die auf die Veränderung der Vorlage des Beschlusstextes abzielten. Im Allgemeinen betrachtet gab es drei Neigungen. Zum einen wollten viele, dass die Anliegen der Synode sprachlich und inhaltlich verdeutlicht werden sollen. Zum anderen sollte der Grundtext ergänzt werden im Hinblick auf eine inhaltliche Komplexität. Diese Anträge wurden weitesgehend berücksichtigt. Zudem waren viele der Meinung, dass die Kirche sich nicht zu stark selbstkritisch zeigen solle. Es stand die Frage im Raum, ob in der Selbstkritik „historische Zusammenhänge verkürzt werden“.19 Jedoch wurde diese Ansicht von der Vollversammlung nicht geteilt und die selbstkritischen Textpassagen der Kirche wurden nicht abgeschwächt oder sogar entfernt. Im Ganzen betrachtet fand die Vorlage positive Stimmen und die Deutsche Bischofskonferenz erachtete ihn auch als adäquat für die sich zu stellenden Aufgaben der Würzburger Synode. Er sei „ein eindrucksvolles Zeugnis lebendigen Glaubens.“20 Die Vorlage wurde mit 220 Für- und 20 Gegenstimmen bei 8 Enthaltungen als Grundlage für die weitere Bearbeitung des Beschlusstextes genehmigt.

Im Herbst desselben Jahres fand die zweite Lesung statt, für die die Sachkommission I die Vorlage überarbeiten musste. Die Bearbeitung beinhaltete manche Einfügungen, kleinere Änderungen oder auch Betonungen, damit die Formulierungen über „Gott, Jesus Christus, den Heiligen Geist, die Heilsgegenwart in der Kirche“21 deutlicher wurden. Zudem wurde der Kontext zwischen der Vorlage mit dem kirchlichen Credo mehr hervorgehoben. Nach der zweiten Lesung wurden „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit, christlich gelebte Ehe und Familie, die pastoralen Dienste in der Gemeinde [und] Verantwortung des ganzen Gottesvolkes für die Sendung der Kirche“22 in Kraft gesetzt. Am 6./ 7. Juni 1975 wurde der überarbeitete Text einstimmig verabschiedet. Jedoch kamen nach der Veröffentlichung der überarbeiteten Vorlage viele unterschiedliche Änderungsanträge hinzu, die die Sachkommission I berücksichtigen musste. 70 Anträge wurden in überarbeiteter Form angenommen.

Vom 18.- 23. November 1975 fand die 8. Sitzungsperiode der Würzburger Synode statt.23 Neben der Inkraftsetzung von den Beschlüssen „der Beitrag der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland für Entwicklung und Frieden, Missionarischer Dienst an der Welt, Ordnung für die Schiedsstellen und Verwaltungsgerichte der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Kirche und Arbeiterschaft [und] Gottesdienst“24 wurde am 22. November schließlich mit 225 Ja- und 26 Nein- Stimmen mit 15 Enthaltungen mehrheitlich für den letzten vorgelegten Synodenbeschluss Unsere Hoffnung abgestimmt25 und er wurde zum „Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit“26.27

Im September 1976 erschien die offizielle Gesamtausgabe der Synodenbeschlüsse.28

3. Inhalt des Beschlusstextes

3.1. Einleitung: „Rechenschaft über unsere Hoffnung“ als Aufgabe der Kirche

In der Einleitung wird darauf eingegangen, welche Fragen wichtig sind für die Erneuerung der Kirche: Wer ist sie und wohin zielt sie? Es muss erläutert werden, wie man die Kirche der Zeit anpassen kann und welche „Bemühungen“29 dafür notwendig erscheinen. Es muss der „Sinn des Christseins in dieser Zeit [für alle]“30 geklärt werden, weil sich die Kirche immer mehr von der Welt zu entfernen scheint. „Die Augen [dürfen] nicht davor“31 verschlossen werden. Die Kirche muss deswegen versuchen, die Fragen zu klären, die die Menschen heutzutage berühren, um authentisch zu bleiben. Nun wird erläutert, warum gerade die „im Glauben gegründete Hoffnung“32 ausschlaggebend für den Beschlusstext ist. Die Hoffnung scheint von allen bewusst oder unbewusst gesucht. Nur aus der Hoffnung kann die Kirche sich erneuern und „aus ihr den ‚Erweis des Geistes und der Kraft’ für [...] [die heutige] Zeit“33 aufbringen. Gerade darin liegt die Intention der Würzburger Synode für alle Menschen. Die Hoffnung, die im Glauben gründet, soll die Beschlüsse der Synode leiten.34 Ein Unterschied zu dem Vorlagentext von Metz ist am Schluss der Einleitung zu finden, bei dem nun der Akzent der Verbundenheit zum Ökumenischen Rat der Kirche deutlicher zum Ausdruck gebracht wird.35

3.2. Teil 1: Zeugnis der Hoffnung in unserer Gesellschaft

Der erste Teil bildet das „Kernstück“36 und eines der „grundlegenden und längsten Abschnitte“37 des Beschlusses. Darin wird erläutert, dass das Apostolische Glaubensbekenntnis als Fundament für den Inhalt dient. Der Beschlusstext soll sich an das heutige Leben der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland richten und es soll das behandelt werden, was diesen Menschen als „notwendig erscheint“.38 Der Kirche ist bewusst, dass man nicht davon ausgehen kann, dass Menschen „selbstverständlich“39 religiös sind und ihnen ist bewusst, dass sie sogar als „Gegenstimmungen zu unserer Hoffnung“40 erscheinen können. Deswegen erscheint es schwierig, die Verkündigung der Hoffnung auf die Erfahrungen der heutigen Welt zusammenzubringen. Aus diesem Grund sieht die Synode die Aufgabe darin, „das Zeugnis unserer Hoffnung“41 gerade auf die nicht religiöse Geprägten zu richten, indem es der Zeit angepasst wird. Dabei wird die Synode versuchen selbstkritisch zu bleiben.

3.2.1. Gott unserer Hoffnung

Nun wird darauf eingegangen, dass Gott der Grund unserer Hoffnung ist (vgl. Röm 15,13: „Gott unserer Hoffnung“), da er „in die Hoffnungs- und Leidensgeschichte der Menschheit“42 eingebunden ist. Wir hoffen darauf, dass er uns beisteht. Im Gegensatz zu Metz Text wird Gott hier explizierter als der Grund unserer Hoffnung gehandhabt, indem er ausdrücklich mithilfe des biblischen Zeugnisses als Schöpfer der Welt beschrieben wird (vgl. Ps 121,2: „der Himmel und Erde geschaffen hat“).43 Es wird festgehalten, dass Gott auch von den Juden und dem Islam angebetet wird. Durch die Hoffnungsworte im Psalm 55,3-7a; 17 wird eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart geknüpft, indem die heutigen Menschen diese Worte beten, um sich bewusst zu werden, „worauf [sie] [...] vertrauen dürfen.“44 Im Gegensatz zu Metz Vorlage wurde zur Verdeutlichungen der Hoffnungsrufe der Psalm 55,3-7a; 17 ausgeschrieben. Der Satz „Der Gott unseres Glaubens ist der Grund unserer Hoffnung, nicht der Lückenbüßer für unsere Enttäuschungen“45 stand zuvor am Anfang der Ausführung Gott unserer Hoffnung.46

[...]


1 Vgl. Lehmann, Karl, Allgemeine Einleitung, 21-67.

2 Kluger, Florian, „Unsere Hoffnung“, 31.

3 Ebd.

4 Vom 1. Mai bis zum 30. Juni 1970 fanden Fragebogenaktionen unter den Katholiken der Bundesrepublik Deutschland statt, die aufzeigen sollten, wie sie die Kirche heutzutage sehen (vgl. POW, Stationen im Detail).

5 Kluger, Florian, „Unsere Hoffnung“, 31.

6 Vgl. Schneider, Theodor, Unsere Hoffnung. Einleitung, 71.

7 Vgl. Metz, Johann Baptist, Unsere Hoffnung, 710.

8 Schneider, Theodor, Unsere Hoffnung. Einleitung, 72.

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd., 73.

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Ebd., 77.

20 Ebd., 73.

21 Ebd., 74.

22 POW, Stationen im Detail.

23 Vgl. ebd.

24 Ebd.

25 Kluger, Florian, „Unsere Hoffnung“, 31.

26 Schneider, Theodor, Unsere Hoffnung. Einleitung, 74.

27 Vgl. ebd., 71-74.

28 Vgl. POW, Stationen im Detail.

29 Beschluss: Unsere Hoffnung, 85.

30 Ebd.

31 Ebd.

32 Ebd., 86.

33 Ebd.

34 Vgl. ebd., 85-86.

35 Vgl. ebd., 86 und Metz, Johann Baptist, Unsere Hoffnung, 710.

36 Schneider, Theodor, Unsere Hoffnung. Einleitung, 74.

37 Kluger, Florian, „Unsere Hoffnung“, 31.

38 Beschluss: Unsere Hoffnung, 86.

39 Ebd.

40 Ebd.

41 Ebd., 87.

42 Ebd.

43 Vgl. ebd. und Metz, Johann Baptist, Unsere Hoffnung, 711.

44 Beschluss: Unsere Hoffnung, 87.

45 Ebd..

46 Vgl. Metz, Johann Baptist, Unsere Hoffnung, 711.

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656055334
ISBN (Buch)
9783656132561
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182150
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Katholische Theologie
Note
1,3
Schlagworte
Würzburger Synode Unsere Hoffnung Ein Bekenntnis zum Glauben in dieser Zeit Die Kraft des Evangeliums zur Gestaltung der Zukunft Johann Baptist Metz Inhalt des Beschlusses Entstehung des Beschlusstextes

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