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Kommunikationsstrategien zur Kompensation lexikalischer Lücken im Zweitspracherwerb

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 21 Seiten

Anglistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die lexikalische Lücke
2.1 Definition von Kommunikationsstrategien (CS)
2.2 Die verschiedenen Arten von Kommunikationsstrategien zur Kompensation lexikalischer Lücken
2.2.1 Formale- und funktionale Reduktionsstrategien
2.2.2 Kompensationsstrategien
2.3 Empirische Studien zur Anwendung von Kommunikationsstrategien

3. Zur Stellung kompensatorischer CS in kommunikationstheoretischen Ansätzen
3.1 Kognitive Rahmenarbeit nach Bialystok
3.2 Modell der verbalen Kommunikation nach Levelt

4. Fazit

5.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich werde in der folgenden Arbeit einige Methoden, Strategien und Theorien vorstellen, die sich mit lexikalischen Lücken eines Lernenden in einer Fremdsprache[1] befassen.

Viele Probleme beim Erwerb und Gebrauch einer zweiten Sprache, die ich im Folgenden L2 nennen werde, resultieren aus ungenügenden Vokabelkenntnissen, Unsicherheit in Syntax, Phonetik, Phonologie oder Morphologie.

Mein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit gilt der lexikalischen Lücke, die aus Mangeln an Vokabelkenntnissen entsteht. Die Lücken, die sich aus den zuvor genannten Faktoren ergeben, werde ich im Laufe dieser Hausarbeit nur an den relevanten Stellen hinzuziehen, wenn sie unmittelbar mit dem Kontext in Verbindung stehen.

Im Allgemeinen versucht der Sprecher sich in einer Situation, in der ihm nicht alle Vokabeln eines Kontextes bekannt sind, diese Probleme auf verschiedene Art zu umgehen. Solche Mechanismen möchte ich im Laufe der Arbeit erläutern.

Sie stellen eine Art „Reparaturversuch“ der lexikalischen Lücken dar. Es gibt verschiedene Lernstrategien (LS) und Kommunikationsstrategien (engl. CS), die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.

Ich werde mich in meinen Ausführungen weniger mit den LS beschäftigen, da diese sich auf den Neuerwerb eines Wortschatzes in L2 beziehen. Im Vordergrund stehen vielmehr die CS. Durch diese versucht der Lernende in einem bereits bestehenden Wortschatz Lücken zu schließen, die durch limitierte Vokabelkenntnisse oder andere, zur verständlichen Formulierung benötigte Konstruktionen entstehen.

Ich werde dazu verschiedene Arten von CS vorstellen (Kap.2.1/2.2), ihre Ursprünge kurz erläutern, sowie einige empirische Studien zur Anwendung von CS anführen (Kap. 2.3). Fehlende Vokabeln führen sowohl in Sprachproduktion als auch im Sprachverständnis zu Problemen.

Da die Forschung sich hauptsächlich auf die Sprachproduktion konzentriert, werde auch ich mich im Allgemeinen auf diese beziehen. Diese Schwerpunktsetzung der Forschung erklärt sich durch die Messbarkeit der Versuchsergebnisse, da es empirisch besser zu erfassen ist, ob jemand etwas auszudrücken vermag, als festzustellen, wie gut ein Lernender einen bestimmten Kontext verstanden hat. Mit anderen Worten ist die Analyse der Ausdrucksfähigkeit der Messung des Sprachverständnisses vorzuziehen.

2. Die lexikalische Lücke

Das hier zu behandelnde Thema der lexikalischen Lücke, lässt sich am anschaulichsten durch die Darstellung ihrer Gegenpole erläutern. Diese sind die verschiedenen CS, durch die ein Sprecher versucht, solche Lücken zu kompensieren. Poulisse schreibt in diesem Zusammenhang:

„Es sei in der Praxis unmöglich zu erkennen, ob ein Sprecher eine solche CS verwendet oder nicht. Es sei denn, er gäbe im Nachhinein zu, dass es eine bessere Möglichkeit gegeben hätte, das auszudrücken, was er gerade gesagt hat“.[2]

Ich möchte diesem Zitat an dieser Stelle der Arbeit jedoch widersprechen. Es ist sicher schwierig, die Verwendung einer CS zu erkennen, aber meiner Meinung nach nicht gänzlich unmöglich. Wenn beispielsweise ein Sprecher ins Stocken gerät, aus Verlegenheit in eine andere Sprache ausweicht, indem er Vokabeln verwendet die nicht dem Lexikon der L2 entstammen, oder paralinguistische Hilfsmittel, wie beispielsweise Mimik und Gestik benutzt verwendet, sind das in meinem Verständnis sichere Indizien für die Verwendung einer CS. Wäre das nicht der Fall, so wären einige der Untersuchungen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde, nicht plausibel, da sie versuchen, einzelne Fälle von CS-Verwendung zu zählen sowie statistisch zu erfassen (Vgl. Kap. 2.3).

Eine lexikalische Lücke wird dem Sprecher selbst in dem Moment bewusst, in dem er beginnt eine Aussage zu planen. Die meisten Sprecher können dieses Phänomen zwar nicht benennen, merken aber, dass es existiert, wenn man sie gezielt darauf anspricht. Nach Clark und Clark teilt sich die Sprachproduktion in Planung und Ausführung. Wenn der Sprecher in der Planungsphase feststellt, dass ihm ein Baustein fehlt, um sich auszudrücken, so handelt es sich um eine lexikalische Lücke.[3] Eine weitere Möglichkeit für den Sprecher, eine solche Lücke zu erkennen, besteht im so genannten self-monitoring oder self-repair. Levelt beschreibt mit diesen Begriffen eine Art Selbstkontrolle, bei der ein Sprecher nach der Planung, aber noch vor der Artikulation, überprüft was er ausdrücken möchte. Fällt ihm dabei eine inadäquate Ausdrucksweise auf, so wird die Formulierung noch vor der Artikulation geändert, sozusagen repariert.[4]

Dieser Mechanismus lässt sich durch folgende Fragen veranschaulichen, die sich der Sprecher vor der eigentlichen Sprachproduktion zum Teil unbewusst stellt.

Levelt formulierte diese Fragen folgendermaßen:

- Ist dies die Nachricht, die ich ausdrücken möchte?
- Ist dies die richtige Art, mich auszudrücken?
- Entspricht meine Aussage den sozialen Normen?
- Mache ich lexikalische Fehler?
- Ist mein Syntax und meine Morphologie korrekt?
- Mache ich phonologische Fehler?
- Hat meine Artikulation das richtige Tempo, die richtige Lautstärke, Präzision, und ist sie flüssig genug?[5]

Muss der Sprecher auf eine dieser Kontrollfragen mit „nein“ antworten , so stößt er im weitesten Sinne auf eine lexikalische Lücke. In diesem Fall tritt die beschriebene Selbstreparatur in Aktion, insofern es dem Sprecher möglich ist, das Problem zu beheben. Ist es ihm nicht möglich den Fehler mit den ihm zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln zu korrigieren, so benötigt er eine Kommunikationsstrategie. Durch diese wird die ursprünglich geplante Aussage in den meisten Fällen zwar formal reduziert, aber sie ermöglicht eine Aussage, die der ursprünglichen Planung sehr nahe kommt.

Durch solche Verfahrensweisen entstehen einzelne Zwischenstufen innerhalb des Lernprozesses im Zweitspracherwerb, welche von einigen Sprachforschern Interimssprache genannt werden. Helmut Glück beschreibt diese folgendermaßen:

„Das interimsprachliche System ist nicht perfekt, da es nicht alle Elemente der Zielsprache umfasst und Lücken enthält. Interimsprachen werden im Prozess des Lernens jedoch immer erweitert, die Lücken also mit neuen Strukturen und Elementen gefüllt, wodurch sich dann eine neue Interimsprache ergibt. Der Lernprozess kann somit als Abfolge unterschiedlicher Interimsprachen angesehen werden.“[6]

2.1 Definition von Kommunikationsstrategien (CS)

Eine bis heute anerkannte Definition von CS nach Faerch & Kasper, mit der ich im Folgenden arbeiten möchte ist:

„Kommunikationsstrategien sind potentiell bewusste Pläne um ein Problem zu lösen, welches sich dem Individuum als solches darstellt, um ein bestimmtes Kommunikationsziel zu erreichen.“[7]

Die wichtigsten Kriterien dieser Definition sind die Problemorientierung und das Problembewusstsein. Nach Faerch und Kasper wird nicht jedes Kommunikationsziel durch eine CS erreicht, sondern nur solche, die sich dem Individuum als ein Problem darstellen. Das Problembewusstsein ist daher wichtig, weil der Sprecher nur Schwierigkeiten lösen kann, die er auch erkennt. Ist man sich keines Problems bewusst, so kann es auch nicht gelöst werden. In der Praxis wird ein L2 - Sprecher in der Regel eine fehlerhafte Aussage machen, falls er nicht bemerkt, dass seine Planung nicht korrekt war bzw. es ein Problem in seiner Artikulation gab.[8]

Hierbei anzumerken ist, dass bewusste Pläne bei mehrfacher Verwendung automatisiert werden können und dadurch der Bewusstseinsgrad kontinuierlich sinkt.

Es muss also beachten werden, dass Bewusstsein keine feste Größe ist, sondern sich in viele Zwischenstadien unterteilen lässt. Kasper sagt in diesem Zusammenhang, der verwendete Strategiebegriff setze voraus, dass alle Prozesse zielgerichteten intellektuellen Verhaltens und damit auch interimssprachliche Lern- und Kommunikationsprozesse plangesteuert seien. Strategien konstituieren die Klasse von Plänen, die ein Individuum potentiell zur Problemlösung einsetze.[9]

Es gibt eine große Anzahl weiterer Definitionsversuche von CS, von denen ich noch einige nennen möchte, ohne im Detail auf sie einzugehen. Die folgenden Definitionen verschiedener Autoren wurden alle von Bialystok aufgeführt:

- Eine systematische Technik, von einem Sprecher benutzt, um sich auszudrücken, wenn er auf Schwierigkeiten stößt (Corder 1979).
-Ein gegenseitiger Versuch zweier Gesprächspartner, sich der Bedeutung einig zu werden, in Situationen, in denen notwendige Bedeutungsstrukturen nicht geteilt werden (Tarone 1980).
- Techniken, um mit Schwierigkeiten beim Kommunizieren in einer nicht perfekt beherrschten zweiten Sprache umzugehen (Stern 1983).[10]

Wenn man die CS von der psycholinguistischen Seite betrachtet, lassen sie sich nach Poulisse relativ leicht definieren. Man kann die Sprache in strategisch und nicht strategisch aufteilen.

Ein Sprecher der seine Mitteilung geplant hat, d.h. er weiß was er sagen will, muss die Nachricht codieren, bzw. in die richtige Form bringen. Er setzt also die passenden Worte aus seinem mentalen Lexikon zusammen. Gelingt dies, so ist die Sprache nicht strategisch. Fehlt aber ein notwendiges Wort in seinem Lexikon, benötigt er eine CS wodurch die Sprache wird strategisch wird.[11]

2.2 Die verschiedenen Arten von Kommunikationsstrategien zur Kompensation lexikalischer Lücken

In der Literatur wurden die CS in verschiedene Untergruppen eingeteilt. Die meisten Versuche, sie zu typologisieren, gehen von den beiden Hauptgruppen, den Reduktionsstrategien und den Kompensationsstrategien aus, die wiederum in verschiedene Unterkategorien unterteilt werden. Faerch und Kasper unterscheiden innerhalb der Reduktionsstrategien noch formale- und funktionale CS.[12]

Die Schwierigkeit bei der Einteilung in Untergruppen ist die, dass es unzählige Kriterien gibt, nach denen man die unterschiedlichsten Strategien einteilen kann. Bei der Typologisierung kommt es darauf an, möglichst viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, durch die sich Gruppen bilden lassen.

Es ist zu beachten, dass es theoretisch unendlich viele Merkmale von CS geben kann, nach denen eine Einteilung erfolgen könnte, wenn man bedenkt, dass jeder einzelne Fall von CS in der Regel ein Unikat darstellt. Ich halte mich im Folgenden an die Typologisierung nach Faerch und Kasper, weil sie in der Literatur am häufigsten verwendet wird, obwohl die Einteilungen nach Tarone[13] und nach Paribakht[14] ebenfalls in Frage gekommen wären, mir aber nicht so detailliertes Arbeitsmaterial über diese Einteilungen zur Verfügung steht.

2.2.1 Formale- und funktionale Reduktionsstrategien

Die formalen Reduktionsstrategien sind Versuche eines Lerners, Fehler dadurch zu vermeiden, indem er Sprache produziert, die ihrer Form vereinfacht ist. Man könnte sagen, er bedient sich eines reduzierten Systems. Diese simplifizierte Ausdrucksweise kann Phonologie, Phonetik, Morphologie oder Syntax betreffen. Der Lerner benutzt bevorzugt Strukturen, in denen er sich kompetent genug fühlt, obwohl es ihm theoretisch möglich wäre, einen elaborierteren Code zu verwenden, in welchem die Quote der produzierten Fehler vermutlich deutlich ansteigen würde.

Nach Bialystok existieren Satzstrukturen, Worte, Redewendungen etc. zwar im sprachlichen System des Lerners, er entscheidet sich jedoch, sie nicht zu benutzen.

Das heißt der Sprecher nimmt einen restringierteren Code in Kauf, um beispielsweise seinen Sprachfluss aufrecht zu erhalten.[15] Vereinfacht ausgedrückt: „Quantität statt Qualität“, wobei mit Qualität nicht die Geschwindigkeit, sondern die Komplexität der Sprache gemeint ist.

Im Gegensatz dazu, sind die funktionalen Reduktionsstrategien auf einer höheren Kommunikationsebene anzusiedeln. In diesem Fall ändert der Sprecher sein ursprüngliches Kommunikationsziel.

Er reduziert also nicht nur die Form seiner Aussage, sondern verändert maßgebliche Aspekte. Ein Beispiel wäre das Vermeiden eines bestimmten Themas, in der Vorahnung, er könne in sprachliche Gebiete vordringen, in denen er auf Schwierigkeiten stoßen könnte.

Diese Art der Reduktionsstrategie nennen Fearch und Kasper Topic Avoidance.

In diesem Fall bezieht sich die CS auf zukünftige Eventualitäten. Unterhalte ich mich als Europäer beispielsweise mit einem US- Amerikaner, so werde ich eventuell auf das Thema „American Football“ verzichten, um Probleme zu vermeiden, wenn mir das Fachvokabular in dieser Sportart nicht ausreichend bekannt ist.

Die zweite Untergruppe der funktionalen CS nennen Faerch und Kasper Message Abandonment, bei dem der Sprecher bereits beginnt, über ein bestimmtes Thema zu sprechen, ihm aber während der Kommunikation bewusst wird, dass ihm nicht alle Aspekte seiner geplanten Aussage zur Verfügung stehen.[16]

Als Konsequenz aus dieser Einsicht verkürzt das Individuum seine Nachricht, und/oder er wechselt das Thema. Zum Beispiel redet jemand über das Wetter, und es fallen ihm zentrale Begriffe wie Regen, Wolken, Kälte etc. nicht ein, so versucht er im Falle von Message abandonment, die Kommunikation in eine andere Richtung zu lenken, um weiteren Hindernissen aus dem Weg zu gehen, oder er bricht die Mitteilung spontan ab, wobei ggf. unerwünschte Pausen entstehen können.

Die dritte Untergruppe der funktionalen Reduktionstrategien bildet das M eaning Replacement, bei dem das Individuum nach Poulisse seine Mitteilung in eine andere ändert, die leichter auszudrücken ist, oder der Sprecher sich innerhalb des Themas bewegt, sich aber mit allgemeineren Ausdrucksweisen behilft, als eigentlich angebracht.[17] Ein Beispiel hierfür ist: jemand möchte sein Frühstück oder sein Mittagessen beschreiben und spricht über ein meal, obwohl die Begriffe breakfast bzw. lunch das Kommunikationsziel näher beschreiben würden, sie ihm aber nicht bekannt, oder vorübergehend nicht verfügbar sind.

2.2.2 Kompensationsstrategien

Die Kompensationsstrategien wurden von Faerch und Kasper[18] in sechs Kategorien unterteilt. Sie unterscheiden sich von den Reduktionsstrategien dadurch, dass bei ihnen die Nachricht nicht im engeren Sinne vereinfacht wird, sondern auf andere Art und Weise versucht wird, eventuell auftretende Probleme zu kompensieren, und nicht zu reduzieren. Diese Feststellung ist nicht allgemeingültig, da es durchaus Überschneidungen geben kann, und es nicht immer möglich ist, eine klare Trennlinie zwischen Reduktion und Kompensation zu ziehen. Dasselbe gilt innerhalb der Unterkategorien. Es ist in vielen Fällen möglich, dieselbe Aussage in verschiedene Gruppen einzuteilen, denn durch die unzähligen Möglichkeiten der CS-Verwendung ergibt sich, wie bereits erwähnt, immer ein Unikat, welches ggf. in eine oder auch mehrere Subkategorien eingeteilt werden könnte. Faerch und Kasper formulieren das folgendermaßen:

Die Kriterien der Kategorisierung überschneiden sich, sind nicht immer eindeutig definiert und schließen sich nicht gegenseitig aus, wodurch eine Aussage durchaus Kriterien für mehrere CS erfüllen kann.[19]

Die erste der sechs, von Faerch und Kasper beschriebenen Kompensationsstrategien ist das Code Switching oder auch Borrowing genannt. Bei dieser CS springt der Sprecher in seine Muttersprache oder eine andere ihm bekannte Sprache und „leiht“ sich ein Wort aus einem anderen Lexikon, wie z.B.: „ where is the Badezimmer ?“ oder „ my Bruder is sick “.

Beim Code Switching ist streng genommen jedes Beispiel denkbar. Es ist aber gerade an diesem Punkt maßgebend den Rezipienten in die Überlegungen mit einzubeziehen. Obwohl die Verstehbarkeit der CS bisher keine große Rolle gespielt hat, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es einen entscheidenden Unterschied darstellt, mit wem ich kommuniziere. Spreche ich z.B. mit einer Person englisch, deren Muttersprache deutsch ist, kann ich beliebig Vokabeln austauschen, wobei zwar das Englische verkümmert, die Nachricht aber inhaltsgleich bleibt. Spreche ich aber mit einer ausschließlich englischsprachigen Person, so wird das Verwenden von deutschen Begriffen in aller Regel zu Unverständnis führen, es sei denn, es besteht eine phonologische Verwandtschaft zwischen den ausgetauschten Worten (wie z.B. house - Haus oder Kommunikation - communication). Auf die Verstehbarkeit werde ich später im Kapitel zu den empirischen Studien (Vgl. Kap.2.3) noch einmal eingehen.

Eine weitere Unterkategorie bildet der Interlingual Transfer. Diese CS kombiniert nach Poulisse[20] Elemente der Muttersprache und der L2 oder einer anderen dem Sprecher bekannte Sprache, die sich von L2 unterscheidet. Wenn der Transfer auf der phonologischen oder morphologischen Ebene stattfindet, nennt man ihn auch F oreignizing, während eine Übertragung auf der lexikalischen Ebene auch Literal Translation genannt wird.[21] Foreignizing ist zum Beispiel das Aussprechen eines L1 Wortes wie in L2, was bei komplizierten Worten zur Unverständlichkeit führen kann. Man versuche nur z.B. das deutsche Wort „Nothaltebucht“ englisch auszusprechen, wie es ein amerikanischer Freund von mir einmal getan hat und solange auf Unverständnis bzw. Amüsement traf, bis er mir das betreffende Schild auf der Autobahn zeigte. Bei der Literal Translation wird ein Wort aus der Muttersprache simpel übersetzt, wie beispielsweise „telephone cell“ anstelle von phonebooth (AE) bzw. phone box (BE). Literal Translation ist häufig schwierig von dem so genannten Word Coinage zu unterscheiden, bei dem der Sprecher Worte kreiert, die in der Regel nicht in dem verwendeten Kontext existieren, oder die als solche nicht existieren, wie z.B. rounding für curve oder airball für balloon. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus möchte ich noch ergänzen, dass besonders die so genannten False Friends bei unerfahrenen Lernenden immer wieder in diesem Zusammenhang Probleme bereiten, wie z.B. bank = Geldinstitut und bench = Bank, wie etwa in der bekannten Frage „May I become a beefsteak please?“ Eine überaus aufschlussreiche sowie amüsante Auflistung solcher Beispiele findet man im Internet (siehe Fußnote).[22]

[...]


[1] in diesem Kontext die Zweitsprache Englisch

[2] Poulisse 1991: zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:160

[3] Clark und Clark: 1979:224

[4] Levelt: 1989:458

[5] Levelt: 1989: 460-462

[6] Glück, Helmut 2000: Interimsprache. In: Metzler Lexikon Sprache. Zitiert nach: http://www.interkulturelleslernen.eu/vorwissen/kommunikation

[7] Fearch und Kasper 1980: 81,1983: 36; zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:159; vgl. auch Bialystok 1990:3

[8] Vgl. 1983b: 36, zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:159

[9] Vgl. Kasper (1981:27)

[10] Bialystok 1990:3

[11] Vgl. Poulisse zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:160

[12] Vgl. Faerch und Kasper: 1983b:52-53, zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:161

[13] Tarone: 1977:197

[14] Paribakht: 1985:132-146

[15] Vgl. Bialystok: 1990:33

[16] Faerch und Kasper: 1983b:52-53

[17] Poulisse: zitiert nach Jordens und Lallemann 1996:144

[18] Faerch und Kasper 1983b:52-53

[19] Vgl. ebd.

[20] Vgl. Poulisse: zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:163

[21] Vgl. ebd.

[22] http://www.englisch-hilfen.de/words/false_friends.htm

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656059486
ISBN (Buch)
9783656059295
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182355
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Anglistik
Note
2
Schlagworte
Lexikalische Lücke Bialystok Kommunikationsstrategien Zweitspracherwerb

Autor

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