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Die EWWU - ein optimaler Währungsraum?

Seminararbeit 2010 23 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhalt:

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff des optimalen Währungsraums

3. Die Theorie optimaler Währungsräume
3.1. Die traditionelle Theorie optimaler Währungsräume
3.1.1. Der Grad an Faktormobilität
3.1.2. Der Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft
3.1.3. Die Diversifikation von Produktion
3.2. Weiterentwicklungen der Theorie optimaler Währungsräume
3.2.1. Der alternative Ansatz einer Kosten-Nutzen-Analyse
3.2.2. Zukunftsorientierte Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume
3.2.2.1. Die Endogenitätshypothese
3.2.2.2. Die Spezialisierungshypothese
3.3. Kritische Betrachtung der Theorie optimaler Währungsräume
3.4. Die EWWU im Hinblick der Theorie optimaler Währungsräume
3.4.1. Untersuchung der EWWU anhand der traditionellen Kriterien . .
3.4.2. Kosten-Nutzen-Analyse einer EWWU-Teilnahme
3.4.2.1. Der Nutzen
3.4.2.2. Die Kosten
3.4.3. Bewertung der Ergebnisse

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

A. Anhang

Abbildungsverzeichnis

3.1. Diversifikation der Volkswirtschaften

A.1. Offenheitsgrad der Volkswirschaften

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der Abschluss des Drei-Stufen-Plans im Jahr 1999 zur Schaffung der Europäische Wirt­schafts- und Währungsunion (EWWU) mit der unwiderruflichen Festlegung der Wechsel­kurse und der Einführung des Euro als offizieller Gemeinschaftswährung im Jahr 2002 in elf der damaligen 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stellt einen wesent­lichen Meilenstein in der Europäischen Integration seit Unterzeichnung der Römischen Verträge im Jahr 1957 dar. Der Wille zu einem Europäischen Integrationsprozess ent­springt der Geschichte Europas, die von zwei Weltkriegen geprägt ist. Parallel zu dieser politischen Entwicklung zeichnete sich in akademischen Kreisen die Frage nach der Opti- malität von Währungsunionen ab. In diesem Zusammenhang wurde in den 1960er Jahren die traditionelle Theorie optimaler Währungsräume (engl. optimum currency area theory, OCA-Theorie) generiert, die Kriterien zur Beurteilung der Optimalität von Währungsräu­men definiert. Mangels geeigneten Forschungsobjektes und Praxisrelevanz blieb dieser Forschungszweig jedoch lange Zeit auf rein theoretischer Ebene und war „[...]for years consigned to intellectual limbo.“[1]. Erst im Zuge konkreter politischer Pläne zur Gründung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion erhielt dieser Forschungsbereich fri­schen Aufwind und führte so zu tiefergehenden Erforschungen der Kriterien sowie deren Wechselwirkung zur Bewertung optimaler Währungsräume und führte somit zur Weiter­entwicklung der traditionellen OCA-Theorie. Im Rahmen des europäischen Integrations­prozesses und insbesondere der damit einhergehenden Einführung des Euros 2002 stellt sich die Frage ob die EWWU einen optimalen Währungsraum bildet. Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise und der übermäßigen Verschuldung vieler EWWU-Mitgliedsstaaten findet gerade aktuell eine kontroverse Diskussion über die Vor- und Nachteile der EWWU statt und gewinnt auch in Zukunft zunehmend an Bedeutung. In dieser Seminararbeit wer­den die wichtigsten Entwicklungen der Theorie optimaler Währungsräume dargestellt und anhand dieser, analysiert, ob es sich bei der EWWU um einen optimalen Währungsraum handelt.

2. Zum Begriff des optimalen Währungsraums

Die Untersuchung der Theorie optimaler Währungsräume erfordert im Vorfeld eine Kon­kretisierung des Begriffs des optimalen Währungsraums. Ein Währungsraum entspricht dem geographischen Geltungsbereich einer oder mehreren Währungen mit unwiderruf­lich fixierten Wechselkursen zwischen den beteiligten Währungen und flexiblen Wech­selkursen gegenüber dem Rest der Welt[2]. Wechselkursschwankungen treten somit aus­schließlich zwischen unterschiedlichen Währungsräumen, jedoch nicht innerhalb eines Währungsraums auf.

Mit der Vereinheitlichung des Währungssystems verlieren die beteiligten Länder den Ein­fluss einer autonomen Geldpolitik und damit die Möglichkeit nominale Wechselkursände­rungen als Anpassungsinstrument nutzen zu können. Der Einsatz von Wechselkursände­rungen ermöglicht Staaten entstehende Ungleichgewichte kompensieren zu können, um negative Auswirkungen auf das Zahlungsbilanzgleichgewicht, die Beschäftigungsrate so­wie die Preisstabilität abzuwenden[3].

Als ein optimaler Währungsraum im Sinne der Theorie optimaler Währungsräume wird in dieser Hinsicht ein Währungsraum bezeichnet, in dem die Notwendigkeit für die Anpas­sung von Wechselkursen der teilnehmenden Länder zur Wahrung interner sowie externer Gleichgewichte abnimmt[4] oder geringere Kosten verursacht als alternative Anpassungs­mechanismen. Als Schocks werden im Weiteren Störungen von Marktgleichgewichten bezeichnet, die sich beispielsweise als rapide Nachfrage- oder Angebotsverschiebungen äußern können. Asymetrische Schocks sind durch eine unterschiedliche Betroffenheit zwischen den Ländern oder den Sektoren einer Volkswirtschaft gekennzeichnet.

3. Die Theorie optimaler Währungsräume

Die OCA-Theorie bietet Ansätze zur Untersuchung der optimalen Größe eines Währungs­raums. Mithilfe dieser Ansätze soll bestimmt werden, ob es für einen Staat vorteilhaft ist auf die nationale Währung zu verzichten, um mit weiteren Staaten einen gemein­samen Währungsraum zu bilden. Die Ursprünge der OCA-Theorie finden sich in den kontroversen Diskussionen über das optimale Wechselkurssystem[5] in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Zu dieser Zeit bestand im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens ein System fester Wechselkurse, bei dem der US-Dollar mit Golddeckung als Leitwäh­rung diente. Auf Basis der Debatten über die Vor- und Nachteile fester oder flexibler Wechselkurse entwickelt Robert Mundell mit der OCA-Theorie erstmals ein Konzept zur Abgrenzung der optimalen Größe eines Währungsraumes. Mit der Veröffentlichung sei­nes Beitrags im Jahr 1961 folgen bis in die frühen 1970er weitere Publikationen zu der OCA-Theorie und ergänzen sie um weitere Kriterien zur Beurteilung der Optimalität ei­nes Währungsraumes. Diese Kriterien werden im weiteren Verlauf als traditionelle Kri­terien bezeichnet und sind Inhalt des Kapitels 3.1. Neuere Ansätze der Theorie optimaler Währungsräume werden im Kapitel 3.2 dargestellt. Neben der Untersuchung des Nutzens und der Kosten eines Beitritts zu einem gemeinsamen Währungsraum stehen zukunftsori­entierte Ansätze im Zentrum des Kapitels. In Kapitel 3.3 werden die wichtigsten Kritik­punkte an der OCA-Theorie aufgezeigt. Die Untersuchung der EWWU im Hinblick der OCA-Theorie ist Inhalt von Kapitel 3.4. Anhand der traditionellen Kriterien sowie einer Kosten-Nutzen-Analyse der EWWU-Teilnahme soll die Optimalität des Wahrungsraumes der EWWU untersucht werden.

3.1. Die traditionelle Theorie optimaler Währungsräume

Bei den als traditionelle Kriterien bezeichneten Merkmalen der OCA-Theorie handelt es sich um Eigenschaften einer Volkswirtschaft, die als Substitute für das Instrument der Wechselkursanpassungen beim Auftreten exogener Schocks betrachtet werden können. Verfügen Länder eines Währungsraums über diese alternativen Anpassungsmechanismen, so können sie auf das Instrument der Wechselkursänderungen verzichten und bilden nach der „frühen OCA-Theorie“ einen optimalen Währungsraum.

Die Herleitung der traditionellen Kriterien beruht auf dem keynesianischen Modell, in dem eine langfristige trade-off Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit besteht, die mit Geld- und Fiskalpolitik steuerbar ist und in dem von stationären Erwartungen ausgegangen wird[6].

Ein Schock führt in diesem Modell zu einer Störung der Gleichgewichtsituation, der bei­spielsweise durch Nachfrageverschiebungen zwischen zwei Staaten entstehen kann. An­passungsmechanismen wirken den entstehenden Ungleichgewichten entgegen und führen durch Angleichungsprozesse zu einer neuen Gleichgewichtssituation. Die frühe OCA- Theorie versucht Anpassungsmechanismen zu identifizieren, die ausgeglichene Zahlungs­bilanzen zwischen Staaten sowie stabile Preise und Vollbeschäftigung zum Ziel hat[7].

In den frühen Veröffentlichungen bis in die 1970er zu der Theorie optimaler Währungs­räume werden verschiedene Kriterien identifiziert, die Wechselkursanpassungen zur Kom- pensierung von exogenen Schocks unwirksam oder ineffizent werden lassen. Zu den in der Literatur[8] genannten zentralen Kriterien gehören: Preis- und Lohnflexibilität, Fak­tormobilität der Produktionsmittel mit Arbeit, Integration des Finanzmarktes, der Grad der ökonomischen Offenheit, Diversifikation in Produktion und Konsum, Ähnlichkeit der Inflationsraten, Integration der Fiskalpolitik und politische Integration. In den weiteren Unterkapiteln werden die traditionellen Kriterien Faktormobilität der Arbeit, Diversifika­tion der Produktion sowie Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft untersucht.

3.1.1. Der Grad an Faktormobilität

Mit der Veröffentlichung von 1961 zeigt Mundell die Relevanz ökonomischer Eigenschaf­ten einer Volkswirtschaft als Grundlage der Entscheidung über das optimale Wechsel­kurssystem eines Landes. In diesem Beitrag wird erstmals ein Ansatz zur Bestimmung der geographischen Grenzen eines optimalen Währungsraums anhand eines spezifischen Kriteriums gezeigt. Der Autor geht davon aus, dass ein hoher Grad an Faktormobilität der Arbeit ein essentielles Merkmal eines optimalen Währungsraums ist[9]. Anhand eines einfachen Beispiels soll der Zusammenhang verdeutlicht werden: Ausgegangen wird von einem Zwei-Länder-Modell, in dem die Länder (Kanada und USA) nationale Währungen besitzen und sich das Gebiet der Staaten in zwei Regionen (West und Ost) mit unter­schiedlichen Produktionsgütern (Holz und PKW) aufteilt. Innerhalb der Staaten besteht uneingeschränkte Mobilität der Arbeitskräfte, zwischen den Regionen allerdings Immo­bilität. Die Länder verfolgen das Ziel einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz, geringer In­flation und niedriger Arbeitslosigkeit. Kommt es beispielsweise durch eine Erhöhung der Produktivität in der Automobilindustrie zu einem Überschussangebot an PKW und einer Überschussnachfrage nach Holz, so führt das zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit in der au­tomobilproduzierenden Region Ost sowie steigenden Inflation in der holzproduzierenden Region West. In dieser Situation stecken die Länder Kanada und USA in dem Dilemma, dass sich expansive Geldpolitik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Region Ost in steigendem Inflationsdruck in Region West auswirkt. Die Bekämpfung der steigenden In­flation durch restriktive Geldpolitik in Region West hingegen zu steigender Arbeitsloskeit in Region Ost führt. Für die Staaten besteht somit ein trade-off zwischen Arbeitslosig­keit und Inflation, der mit Hilfe von Wechselkursanpassungen der nationalen Währungen nicht zu lösen ist.

[...]


[1] Vgl. Tavlas (1993, S.663)

[2] Vgl. Ricci (1997, S.5)

[3] Vgl. Fleming (1971, S.468)

[4] Vgl. Mongelli (2005, S.608)

[5] Vgl. Ishiyama (1975, S.345)

[6] Wirschaftssubjekte halten das vorherrschende Preisniveau, die Zinsrate sowie die Wechselkurse als un- vorherbestimmt dauerhaft gleichbleibend an.

[7] Vgl. Ishiyama (1975, S.346)

[8] Vgl. Mongelli (2008, S.2f), Tavlas (1993, S.666)

[9] Vgl. Mundell (1961, S.25)

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656065289
ISBN (Buch)
9783656065470
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182476
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Schlagworte
Europäische Wirtschafts- und Währungsunion Theorie optimaler Währungsräume OCA-Theory Euro Europa Euroland Mundell EWWU

Autor

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Titel: Die EWWU - ein optimaler Währungsraum?