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Eine kulinarische & Markt-Metapher für ein zukunftsweisendes interkulturelles Management

Wissenschaftlicher Aufsatz 2011 38 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

Die Diversität als Spiel der Einheit des Urgrunds und Ursprungs mit sich selbst. Eine fraktale Welt.

Heimat: Mein Vaterland und meine Muttersprache

Die kulinarische kulturelle Diversität als Metapher für das kulturelle Diversitätsmanagement
«À table s'il vous plaît! » und « Mensae coelestis participes… »

Boissons: Champagne de Reims, Calvados de Normandie, Apéritifs divers, Côte du Rhône, Beaujolais Primeur, tisanes et café crème ou serré avec une tartine….

Fromagerie: Les Camemberts, les fromages de vache, de chèvres et de brebis….

Boulangerie/Pâtisserie: Baguette, Bâtard, Pain de campagne, Croissant au beurre, Tarte à la pomme avec de la crème Chantilly…

Viva Italia! Antipasto-Pasta, Panettone, Lasagne, Frutti di mare, e tutta la cucina mediterranea

Viva España !Vinos tintos y blancos, empanadas gallegas ya otras, judias blancas, chorizo, jamón de Serrano, Vinagre de Jeréz, churros con chocolate, queso Manchego

Kulinarische Köstlichkeiten aus deutschen Landen! Badischer Wein, Dresdner Christstollen, Schwarzwälder Kirschtorte und die vielen lokalen Gaumenfreuden

Die myriadenfache kulinarische kulturelle Diversität entstammt der Einheit der Natur

Die Transformation des Urgrunds in die diversen Elemente

Das Prinzip der Schöpfung

Das Spiel myriadenfacher Diversität und der Einheit bilden einen ewigen Kreislauf

Das Prinzip der Natur ist eine Metapher für die soziokulturelle Diversität und die Einheit der Menschheit

Der Mensch wird kulturspezifisch sozialisiert und kehrt in die Einheit zurück

Black Forest Cherry Cake: Das Verständnis der Interkulturalität durch eine vertraute kulinarische Metapher

Weihnachtskultur: Der Weihnachtsmarkt als menschliche

Integrationserfahrung

Interkulturelles- u. Transkulturelles Management (German)

Intercultural &Transcultural Management (English)

Gestion Interculturelle et Gestion Transculturelle (French)

Gerencia Intercultural y Gerencia Transcultural (Spanish)

Gerência Intercultural e Gerência Transcultural (Portuguese)

跨文化的智慧精髓 - kua wen hua de zhi hui jing sui (Chinese)

транскультурная компетенция - transkulturnaja

kompetencija (Russian)

toransukaruchā  ・ manējimento (Japanese)

トランスカルチャー ・ マネジメント

Vishua Chaytana (Sanskrit

Die Diversität als Spiel der Einheit des Urgrunds und Ursprungs mit sich selbst. Eine fraktale Welt.

Die kulinarische Markmetapher für das Verständnis soziokultureller Diversität ist ein Sinnbild für Myriaden von fraktalen Erscheinungsformen, in denen die Wechselwirkung des Schöpfungsprinzips von Einheit und Diversität zutage tritt. Man könnte ebenso andere Bereiche der Natur oder menschliche Artefakte wählen und die Fraktalität - eine kontextspezifische Ausgestaltung von universellen Gesetzmäßigkeiten - zu veranschaulichen. Aus der Bibel kennen wir das Zitat, dass er sah, dass es gut war (Genesis) und dass ER, sinngemäß, Freude hatte, bei den Menschen zu sein.

Alles ist aus der Einheit hervorgegangen und die Diversität erscheint als ein Spiel dieser Einheit mit sich selbst. Der spezifische Kontext scheint den universellen Prinzipien ihren charakteristischen Stempel aufzuprägen. Und diese Universalien sind auf die ursprüngliche Einheit an der Quelle zurückzuführen, ob man diese kreationistisch oder rein evolutionsbasiert erachtet. Je weiter man sich von der Quelle entfernt, desto mehr tritt die Diversität mit all ihren peripheren Dialektiken auf den Plan, bis sich der Strom wiederum in den Ozean ergießt, der wiederum über verschiedene Mechanismen die Quellen speist, die sich wiederum diversifizieren, vereinen, diversifizieren, vereinen und so fort. Und so läuft der der Kreislauf der Natur ab, sodass Kohelet zurecht sinngemäß sagt, das alles, was ist, schon einmal da war und es daher nichts Neues unter der Sonne gibt.

Alles ist Spiel der Einheit mit sich selbst und je nach Betrachtungsblickwinkel nehmen wir die Oberfläche der Diversität oder die Tiefenstruktur der Einheit wahr, die beide in allem permanent mitschwingen. Beide zusammen ergeben die Gesamtheit des Schöpfungsbildes. Wenn das Mentale an der Oberfläche der Erscheinungsformen haftet und den Gesamtzusammenhang, der durch das Mentale bedingt im toten Winkel zur Einheit steht, aus den Augen verliert, entstehen nicht in der gleichermaßen erforderlichen Einheit auflösbare Antagonismen, die die Probleme des soziokulturellen Menschen verursachen, der das Bedürfnis der Integration dieser komplementären Charakteristika der Schöpfung zu seiner sicheren Verortung in der Schöpfung hat, weil er selbst nach demselben Prinzip und Bauplan existiert. Wenn die Dinge somit nicht mit seiner eigenen Natur harmonieren, entsteht Disharmonie und verschiedene Grade von Konflikt.

Heutzutage erkennen wir weltweit eine zunehmende Atomisierung und Individualisierung des Menschlichen, was natürlich den evolutionsbedingten komplementären Aspekt der Erfordernis der Einheit und der menschlichen Solidarität auf den Plan ruft. Denn beide bilden ein interdependentes Kontinuum, das aufgrund des Schöpfungsdesigns auf der Basis der Komplementarität dieser beiden zentrifugalen und zentripetalen Aspekte des Seins in seiner mannigfaltigen Gestalt in Balance und möglichst integriert sein muss. Die Fragen der weltweiten Krisen im Bereich der Wirtschaft, der Ökologie und des globalen Finanz- und Währungssystems lassen sich mit Hilfe dieses komplementären Prinzips beschreiben und erklären und gegebenenfalls lösen, wenn man das Prinzip erkennt und es in die Praxis übersetzt.

Das ist ein ungeheuer spannender Prozess, soweit es sich um Dinge außerhalb des Menschen handelt, weil die augenscheinliche Mannigfaltigkeit der natürlichen Diversität den Menschen zu verzücken scheint, nicht zuletzt auch in kulinarischer Hinsicht, der wir und nachher zusenden möchten. Sobald aber die eigene menschliche Diversität ins Visier des menschlichen Geistes kommt, bereitet diese in der Regel mehr Probleme als Verzückung. Die Natur scheint Diversität wesentlich effektiver Diversität zu managen als der Mensch. Das was ihm dabei hinderlich ist, ist seine eigene Vernunft oder der Mangel daran, in dem Sinne, dass er die Logik der Natur, deren Teil er eigentlich ist, nicht umfassend erkennt und sie ihm somit nicht untertan ist, auch nicht seine eigene als Mensch. Und dennoch steht daher der biblische Auftrag ungebrochen und unvermindert im Raum, sich die Erde untertan zu machen, das heißt, sowohl die umweltliche, als auch die menschliche Natur und zwar mit der Maßgabe des gleichzeitigen Respektes dieser Natur. Sie ist ein Geheimnis und eine Gabe, weil sie dem Logos, dem kryptischen Urgrund der Schöpfung, dem Schöpfer selbst entstammt und von diesem ins Sein gerufen wurde.

Der Mensch ist aus Erde – Adam heißt Erdmensch - gemacht und der Odem des Lebens wurde ihn eingehaucht. Somit betrifft die Untertan-Machung der Erde die gesamte menschlich-umweltliche Natur vom Atom bis zum Kosmos mit dem Menschen als Wesen der Mitte zwischen dem unendlich Großen und dem unendlich Kleinen. Die Erkenntnis und die verantwortungsbewusste Verwaltung und die Öko- und Biosphäre insgesamt sind eine zeitlose und zeitgemäße Übersetzung des überzeitlichen Auftrags der Hl. Schriften. Das ist eine Zeit, Raum und Kulturen umfassende Erkenntnis aus tiefster Ur- und Vorzeit. Die viele Jahrtausende umfassende Geschichte der indigenen Völker und Hochkulturen zeugen allesamt davon, auch wenn sie noch nicht die höchste monotheistische Schöpferekenntnis erfassen, sie jedoch auf eine tangibleren Ebene intuitiv erahnten und sie auf eine untergeordnete Ebene in der Schöpfer-Schöpfungshierarchie projizierten: Der altägyptische Sonnenkult des Aton (Sonnengotts), die japanische Amaterasu oder Sonnengöttin Kult, der Pacha Mama (Mutter Erde) Kult der zahllosen indigenen indianischen Völker, die die Amerikas von Terra del Fuego bis Alaska besiedelten, die animistisch geprägten Völker der heute in unseren westlichen Zivilisationsbegriffen emergenten Welt Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die die gesamte Natur als beseelt betrachten und nicht zuletzt die klassische chinesisch, insbesondere taoistische Anschauung, die das Aton und Pacha Mama Konzept in eine schöpferische Triade mit dem Menschen im Brennpunkt der Energien des Himmel und der Erde zu integrieren scheint.

Die Frage erhebt sich, auf welcher Ebene in der Hierarchie sich das erkennende Bewusstsein ansiedelt, an der Quelle, dem schöpferischen Logos oder weiter stromabwärts in Richtung der verschiedenen Stufen der Manifestation des Lebens oder des Logos. Erkennt der Mensch das gesamte Feld, so expandiert sein Bewusstsein dergestalt, dass er seine eigene Ganzheit herbeiführt, die gleichermäßen integrativ auf seine Welt wirkt. Somit repräsentiert der gewissermaßen diese Welt und umgekehrt. Siedelt sich das Bewusstsein nur an der Peripherie de Manifestation, der untersten Stufe dieses hierarchischen Kontinuums and, so führt das zu Materialismus, Agnostizismus, ethischem Relativismus, kulturellem Fundamentalismus und religiösem Fanatismus, weil der Bezug zu einem verbindlichen, integrativen, solidarisierenden ethischen und Verhaltensmaßstab unterbrochen wurden. Die Aufhebung dieser Unterbrechung und Rückverbindung ist der etymologische Inbegriff von Religion, denn das lateinische Grundwort ist religere und heißt rückverbinden. Darin besteht die Bewussteinsevolution, die weniger etwas Neues und Bedrohliches, als vielmehr eine Erinnerung ist, die der Mensch im Zuge der zivilisationsbedingten Fokussierung auf Externalitäten verdrängt hat.

Der Markt als zeit-räumliche Verdichtung der Diversität kulinarischer Natur ist ebenso wie alle anderen Bereiche des Menschlichen, wie die Sprache, die Architektur und die Mode etc. eine Projektion und Metapher der Diversität und der konkomitanten Einheit des Menschlichen. Dies kann man in einer mathematischen Gleichung formulieren oder einfach als fraktales Prinzip veranschaulichen, das aus der Kombination einer universellen Größe mit einer kontextspezifischen partikularistischen unendliche Variationen hervorbringt. Selbst die unzählbaren Schneeflockenkristalle sind solche Fraktale, die in Abhängigkeit vom thermischen Kontext immer wieder neue Nuancen annehmen. Mathematisch wurde dies im sogenannten Mandelbrot Set von Benoit Mandelbrot folgendermaßen formuliert:

Veränderliche Zahl + Fixe Zahl = Resultat

Wird das Resultat dieser Gleichung immer wieder in diese Gleichung eingespeist, so entsteht das Phänomen der unendlichen Variationen sich selbst ähnlicher Transformationen oder das Spiel von Universalismus und Partikularismus, das man geometrisch in einem Achsenkreuz mit dem Universalismus als senkrechter Achse und dem Partikularismus als waagrechter Achse visualisieren kann. Viele Phänomene und Prozesse der Natur kann man durch diese fraktale Gestaltannahme erklären. Wir können es als das Spiel der Wechselwirkung des schöpferischen Prinzips der Komplementarität von Einheit und Diversität für die kulturellen Belange übersetzen.

Viele Probleme des Menschen, nicht zuletzt auch die kulturellen lassen sich nicht in einer Dimension der beiden komplementären Aspekte lösen, ebensowenig wie man mit einem Arm nur schwer gewisse Arbeiten verrichten kann, sondern beide Arme dafür wohl koordiniert und integriert sein müssen und erfordern somit zu ihrer Bewältigung die Einbeziehung und Betrachtung des gesamten Kontinuums der Komplementarität.

Spezifische Problemlösungen, eine Variante des Partikularistischen sind häufig nicht nachhaltig, weil ihr diffus wechselwirkender Charakter, der mit der Interdependenz mit der Einheit einhergeht, nicht erkannt wird. Spezifische Medikamente oder Maßnahmen können bisweilen eher eine Abhängigkeit für zeitweise Linderung verschaffen aber das diffus ganzheitliche wechselwirkende Problem nicht lösen. Trompenaars und Hampden -Turner, die über diese Themen nachgedacht haben, führen dafür den Fall des Alkoholismus an, der von einem diffusen, vielleicht komplexeren emotionalen Bedürfnis verursacht ist, das nur zeitweilig über den spezifischen Alkohol als Problemlöser befriedigt werden kann. Somit ist der Alkoholiker, der ein diffuses Problem spezifisch lösen möchte in einer Endlosschleife der Abhängigkeit von einem vermeintlich das Problem lösenden Spezifikum, das aber der ganzheitlichen Realität nicht gerecht werden kann. Es sind also immer komplementäre Aspekte einer Wirklichkeit zu betrachten, die das Mentale – selbst ein Fragment des Bewusstseins – zu fragmentieren tendiert und somit mitverursachend wirkt. Doch das führt uns jetzt in den Bereich des Kulinarischen und Gastronomischen - bevor ich eine aktuelle Tagesmeldung mit diesem spezifisch-diffusen Wertekontinuum korreliere - mit seiner kulturellen Ausprägung, sowohl intra- als auch interkulturell.

Am heutigen Tag hat Silvio Berlusconi in Italien das Amt des Ministerpräsidenten an den Finanzexperten Mario Monti übergeben, der ein Kabinett aus Nichtpolitikern, sondern aus Fachleuten im Hinblick auf die Sanierung des Staatshaushalts zusammengestellt hat. Kann dieser spezifische Problemlösungsversuch die diffus wechselwirkenden gesamtgesellschaftlichen vernetzten Probleme eines Landes langfristig bewältigen? Offensichtlich hat er aber einige religiös geprägte Persönlichkeiten mit an Bord genommen, die, wie wir oben gesehen haben, mit einem diffuseren Bewusstseinshorizont arbeiten und somit eventuell eine Integration des spezifisch-diffusen komplementären Kontinuums im gesellschaftlichen Interesse bewirken können. Ähnliches trifft auf Griechenland und den aktuellen Trend zur Lösung der Eurokrise und andere Bereiche zu.

In wieweit wird hier der identifizierte existenzielle Archetyp der komplementären Aspekte eines umfassenderen Gesamtverständnisses des Menschlichen zur Anwendung gebracht, was allein zu nachhaltigen Lösungen führt? Die rationalistische Zivilisation, die die Realität fragmentiert, scheint die Ganzheitlichkeit und somit die Permanenz der Verhältnisse nur schwer herbeiführen zu können. Wir sehen, dass wir einen Archetyp identifiziert haben, der eine fundamentale Managementformel für alle Bereiche bereitstellt, die vom Christentum als überzeit-räumliche Metapher der Existenz angemahnt wird, nämlich im Sinnbild des einen Leibes mit den vielen Gliedern, das man auf verschiedenen Ebnen interpretieren kann. Die strukturell-funktionelle Differenzierung des Wesens und dessen essentielle Einheit bedingen sich gegenseitig. Sie bilden die beiden komplementären Aspekte des integralen Menschen und einer integrierten Gemeinschaft und fügt mein das Haupt in der Gestalt von Christus von der jüdisch-christlichen Zivilisationswarte betrachtet hinzu, so entsteht ein Summum and Integration.

Betreten wir nun das, was mittlerweile von der Magie einer Seidenstraße und geheimnisvoller Soukhs aus Tausend und eine Nacht zu einem Weltmarkt des globalen Shopping - shop until you drop - zusammen mit einem unethischen und daher stillosen Mindset und Gebaren der Akteure verkommen ist; einem Markt mit seinen vielen exotischen Lebensmitteln, Artefakten und Protagonisten, die dem Menschen zur Freude gereichen können, solange die sozioökonomische Balance von Einheit und Diversität, von kommunitaristischer Solidarität und individualistischer Kompetitivität (Wettbewerb) in der Gestalt des nicht zu starken Auseinanderklaffens der gesellschaftlichen Schere gewährleitstet ist, denn sonst kann man die Exotika zwar bestaunen, diese sich aber nicht zwangsläufig auch erwerben und somit in deren Genuss kommen.

Gehen wir nun von unserer Heimat aus auf eine Erkundungsreise der Diversität der Schöpfung, eingedenk unserer Wurzeln, die wir immer in uns tragen und zu denen wir trotz aller exotischen Faszination immer wieder zurückkehren müssen, weil sie unsere fundamentale Identität bedingen. Deshalb ist es erforderlich, den ganzen Prozess der Reise von der Abreise bis zur Wiederkehr zu berücksichtigen, denn die Rückkehr und Reintegration in Zusammenhang mit Auslandsentsendungen wird in der state-of-the-art interkulturellen Forschung als vergleichsweise schwieriger als die Expatriierung betrachtet. Das ist auch der Inbegriff strategisch klugen Verhaltens im Sinne der chinesischen Schriftzeichen für Strategie, das den strategisch Handelnden auffordert, eine Situation vom Anfang bis zum Ende zu durchzudenken. Ebenso mahnt uns die Bibel, unsere Projekte von Anfang an, im Hinblick auf unsere Mittel zur deren Vollendung zu bedenken. - Dazu möchte ich ein Kapitel aus meiner persönlichen internationalen Erfahrung einfügen, das ich bereits früher verfasst habe:

Meine Heimat: Mein Vaterland und meine Muttersprache

Was du ererbt von deinen Vätern,

erwirb es um es zu besitzen.

Goethe

Die Rückverwurzelung in der Heimat ist, wie wir von Kriegsheimkehrern, internationalen Managern und Reisenden im weiteren Sinn wissen, ein langwieriger Prozess: Die Re-Integration ist vergleichbar mit der Re-ligion, Rück-Verbindung und Wieder-Einbindung sind beide eine Prozeß der Wiederherstellung einer ursprünglichen organischen Einheit: eine Rückkehr zu einem Normalzustand, also etwas Natürliches. Die religiöse Rückverbindung, die metaphysische ist Teil der physischen. Deshalb sollten diese Vorgänge auch etwas ganz Selbstverständliches sein.

Es ist gut, daß viele zuhause geblieben sind und die Ausgangskultur weiterentwickelt haben. Andere haben neue Inputs akquiriert, die die Gesamtentwicklung der Ausgangskultur inspirieren können. Reisen und transkulturelle Erfahrung bewirken Transformationsprozesse, persönliche und kollektive. Sowohl im Osten, als auch im Wesen gibt es Belege dafür: Reise in den Westen (Journey to the West), medienübergreifend mediatisiert als Monkey King ist die Geschichte der Reise eines Mönches von China nach Indien und zurück, um die Buddhistischen Sutras zu erwerben, die als Geschichte von hohem pädagogischen Wert die moralische Entwicklung prägen kann. Heine, Goethe und Humboldt, um nur einige Deutsche zu nennen, verdanken ihren Reisen viel Inspirierendes. Darwin mußte in eine andere Hemisphäre reisen, um fundamentale Erkenntnisse über die Evolution des Lebens zu gewinnen. Heute reisen wir zu den Sternen, um Erkenntnisse über den Ursprung der Schöpfung zu gewinnen.

Verläßt man sein angestammtes Milieu, so ist man einem Vogel vergleichbar, der sein Nest verläßt. Andererseits sagen dieselben Schriften unserer christlichen Zivilisation aber auch, daß man durch Reisen ungeheuer viel lernt, Dinge die man nicht in Worte fassen kann.

Ein Problem ist, daß man viele Dinge vermißt, die man im Ausland kennengelernt hat, während man dort bisweilen die kulturelle, sprachliche und moralische Unterstützung der Heimat vermißt hat. Die Dialektik der Diversität mit den damit einhergehenden Wachstums- und Entwicklungschancen ist ein bisweilen nicht reibungslos verlaufender Integrationsprozess. Je weiter man geht, desto mehr muß man seine Wurzeln vertiefen. Das bedeutet Arbeit an sich selbst. Oft scheut man diese Prozesse und verschanzt sich hinter ethnozentrischen Panzern. Deshalb erfordert die Reintegration ein Wiederandocken an die eigene Biographie vor der Expatriierung, sowie deren Vertiefung, gleich einem Baum, der tiefere Wurzeln treiben muß, um einen stärkeren Stamm und eine ausladendere, größere Krone zu tragen. In diesem Prozess treten bisweilen Konkurrenten auf, die nicht wissen wollen, daß Dinge zur persönlichen Biographie gehören, weil jene diese gern für sich beanspruchen würden. Ein Verdrängungsprozess Einheimischer, die aber, gleich dem Baum, nicht auf ihre kulturellen, religiösen und persönlichen Wurzeln verzichten können, weil sie Teil ihrer intimsten, unumkehrbaren Natur sind, die unteilbar, nicht relativierbar ist. Manche beanspruchen aus Gier und Unwissenheit die Wurzeln der anderen und somit die Früchte des Baumes. Das ist eine Komponente der interkulturellen Herausforderung, mit der wir heute konfrontiert sind.

Trotz vieler kürzerer Reisen, vorwiegend nach Südosteuropa, gewissermaßen als Pendant zu meiner Westeuropa Reise, beispielsweise in die frühere Donaumonarchie, nach Wien oder Budapest auf den Spuren von K & K (Königen und Kaisern) oder in die Wiege der westlichen Zivilisation nach Griechenland, habe ich mich nun definitiv in meiner süddeutschen Heimat etabliert. Hier habe ich nun zur gleichen Zeit Studenten verschiedener kultureller Herkunft vor mir. Dies erfordert die geistige Konstruktion eines transkulturellen Raumes, in dem sich alle mit ihren diversen Ausgangskulturen und Biographien einbringen können, einen Geist der das Fremde als Gabe begreift, wie es die Volksweise unten zum Ausdruck bringt, als eine Gunst und Gabe Gottes.

Dieser Prozess ist gleichermaßen rational und emotional, erfordert die kulturanalytische Intelligenz im konventionellen Sinn, aber auch die Intelligenz des Herzens. Vieles ist eine Frage der Optik und der Bewußtseinsevolution, des Verstandes wie auch des Herzens, sowie des menschlichen Geistes an sich. Wie lautet doch - abschließend - die deutsche Volksweise, die wir einst in der Schule lernten?

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Details

Seiten
38
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656070634
ISBN (Buch)
9783656567073
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182479
Note
Schlagworte
interkulturelles Management internatinoales Diversitätsmanagement

Autor

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