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Geschlechtsabhängige Bildungsdifferenzen

Seminararbeit 2010 13 Seiten

Frauenstudien / Gender-Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauenbildung im historischen Kontext

3. Geschlechtsspezifische Bildungsgerechtigkeit im 21. Jahrhundert
3.1 Gender Studies: Benachteiligung durch (gegebene) Unterschiede im Lernverhalten
3.2 Thomas Dee: Benachteiligung durch Geschlecht des Lehrenden
3.3 PISA-Studie: Benachteiligung durch Rollenbildung und Klischees

4. Geschlechtliche Bildungsdifferenzen in Entwicklungsländern

5. Bildungs- bzw. Karrierebenachteiligung im Erwachsenenalter

6. Zusammenfassung

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Frauen und Männer in Deutschland haben grundsätzlich die gleichen Bildungschancen. Als Kinder können sie die gleichen Grundschulen besuchen und später mit den entsprechenden Leistungen eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. Sogar die typischen Männerberufe mit handwerklichen oder technischen Schwerpunkt können Frauen erlernen, wenn sie dafür geeignet sind. Das Geschlecht an sich sollte inzwischen also kein Hindernis in der Bildung darstellen.

Doch wie sieht die Realität im alltäglichen Leben wirklich aus? Wieso wurden bisher anscheinend Männer in der Bildung bevorzugt und gibt es das im 21. Jahrhundert überhaupt nicht mehr? Was kann man aus diversen Studien dazu herauslesen? Wie sieht es mit Bildungsbenachteiligung außerhalb Deutschland aus? Wie wirkt es sich auf Berufschancen aus?

Das Thema soll in dieser wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel „Geschlechtsabhängige Bildungsdifferenzen“ nun näher beleuchtet werden.

Zunächst wird dazu versucht, die Ursprünge der Bildungsbenachteiligung herauszufinden. Dann wird anhand von verschiedenen Studien erläutert, welches Geschlecht wie benachteiligt werden und welche Ursachen dies haben kann. Im Anschluss löst sich die Untersuchung von Deutschland und stellt die Bildungsbenachteiligung vor allem in Entwicklungsländern gegenüber. Abschließend werden die Folgen für Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen dargestellt, wenn sie wegen verschiedenen Gründen berufliche (Weiter-)Bildung nicht ausreichend wahrnehmen können.

Am Ende dieser wissenschaftlichen Arbeit soll dem Leser bewusst sein, was Bildungsbenachteiligung bedeutet und welche Dimensionen sie annehmen kann.

2. Frauenbildung im historischen Kontext

Unterschiede hinsichtlich des Geschlechts in der Bildung wurden schon im Mittelalter gemacht. Wenn es überhaupt Schulen für Mädchen gegeben hat, dann waren diese meist nur in größeren Städten zu finden, waren fast ausschließlich auf Klöster beschränkt und stets getrennt von den Knabenschulen, hatten also eher einen privaten Charakter. Dort wurden dann vor allem Hausarbeitstätigkeiten gelehrt, maximal Lesen kam einer Wissensbildung der Jungen gleich. Ein Universitätsbesuch war meist mit enormen Kosten verbunden, sodass die Eltern gar nicht erst daran gedacht haben, ihren Töchtern die Hochschulbildung zu ermöglichen. Damit war es auch nahezu ausgeschlossen, dass Frauen im späteren Berufsleben gehobene Laufbahnen einschlagen konnten. 1

Der erste Wandel vollzog sich erst im 18. Jahrhundert. Es wurden erstmals öffentliche Schulen für Mädchen eingerichtet, so zum Beispiel die Mädchen-Volksschule und die höhere Töchterschule, wobei diese wieder eher der Ausbildung von Hausfrauen diente. Durch die neu eingeführte Schulpflicht wurde die Frage nach Bildung der Willkür der Eltern entzogen.

Den zweiten – historisch wichtigeren – Wandel findet man im Zeitraum von 1950-1980. Dort wurden die im vorangegangen zweiten Weltkrieg noch bestehenden getrennten Bildungseinrichtungen von Koedukation abgelöst. Auch die Wissensvermittlung für Frauen ähnelte immer mehr der der Männer – Klischeedenken, wie es von dem nationalsozialistischen Deutschland vermittelt wurde, sollte in dieser Form zumindest nicht mehr propagiert werden.

Chancengleichheit war somit grundsätzlich gesichert. Nun traten jedoch pädagogische Fragen nach der optimalen geschlechtsspezifischen Förderung in den Vordergrund. Dieser Wille zur Bildungsoptimierung und Minimierung von Bildungsdifferenzen zieht sich bis zum heutigen Tag – ist somit also ein wichtiger Grundstein für gegenwärtige Bildungssysteme. 2 2

3. Geschlechtsspezifische Bildungsgerechtigkeit im 21. Jahrhundert

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird Recht auf Bildung nicht explizit festgeschrieben. Jedoch ergibt sich dies aus der Kombination von verschiedenen Grundrechten. So verbietet das Recht auf Menschenwürde, Menschen Bildungsmöglichkeiten willkürlich vorzuenthalten – unabhängig vom Geschlecht. Desweiteren besagt das Prinzip der „Gleichberechtigung“ in den Grundrechten, dass (hinsichtlich des Bildungserwerbs) niemand aufgrund seines Geschlechts, der Hautfarbe, sozialer Herkunft oder ähnlichem bevorzugt bzw. benachteiligt werden darf.3

Wie das Prinzip der Bildungsgerechtigkeit im Detail umgesetzt wird, soll anhand von verschiedenen Studien ausgemacht werden können.

3.1 Gender Studies: Benachteiligung durch (gegebene) Unterschiede im Lernverhalten

Gender Studies sind Studien bzw. Forschungen, die sich mit den naturgegebenen und im Laufe eines Lebens entwickelten („sozial konstruierten“) geschlechtstypischen Verhalten und Eigenschaften beschäftigen. Gender Studies werden zum Beispiel an der Ruhr-Universität Bochum als interdisziplinäres Studienfach angeboten.4 Diese Studie besagt, dass es deutliche Unterschiede im Lernverhalten zwischen Männlein und Weiblein gibt. So würden Frauen eher ihre Fehler bzw. Defizite zugeben und in Kursen fragen stellen, würden komplexer denken, schneller mit Emotionen lernen und gelten als fleißiger, was sich zum Beispiel in der PISA-Studie in etwa bestätigt (siehe dazu Kapitel 3.3). Insgesamt sei der Notendurchschnitt besser als der der Jungen. Grund dafür sei, laut einem Bericht vom Bildungsministerium5, angepasstes Verhalten und aktivere Mitarbeit. Dieser „Mädchenbonus“ beträgt bei gleichen Leistungen im Durchschnitt eine Note. Das heißt also, wenn Junge und Mädchen gleiche Leistungen erbringen (denselben reinen Notenwert erreichen, ohne Einbezug des Geschlechts), bekommen Mädchen wegen eben diesem Verhalten (durchschnittlich) eine Note besser, auch wenn der Junge eine ebenso gute oder nicht gute Leistung erbracht hat.

Bildungsdifferenzen existieren laut Gender Studies also definitiv; wenn auch nur in dem Maße, dass Frauen auf dem Papier (in schriftlichen Prüfungen) gebildeter sind und dies aus dem geschlechtsspezifischen Lernverhalten abzuleiten ist. Im Unterschied zu früheren Zeitepochen wie dem Mittelalter bis hin zur Nachkriegszeit, ist der Junge benachteiligt, da Mädchen aufgrund ihrer Einstellung und dem angepassten Verhalten bessere Noten erzielen.

3.2 Thomas Dee: Benachteiligung durch Geschlecht des Lehrenden

Wenn man nach Studien sucht, die bei der Leistungsfähigkeit von Jungen und Mädchen gleichzeitig das Geschlecht der Lehrkräfte berücksichtigt, so stößt man auf relativ rare Informationen. Thomas Dee ist einer der wenigen, der in seinen Forschungsarbeiten auf solche Effekte stößt, wie zum Beispiel, dass sich die Leistungsfähigkeit der Jungen durch männliche Lehrkräfte unter Umständen verbessern lässt.

Thomas Dee, ein amerikanischer Wirtschaftspädagoge, hat durch Auswertung der Daten der „National Education Longitudinal Study“6 (von 1988) herausgefunden, dass Jungen schneller von männlichen Personen lernen als von weiblichen. Zu möglichen Ursachen äußert er sich nicht, weist aber darauf hin, dass dieses Phänomen weiter erforscht und beobachtet werden müsse. Verschiedene Interpretationen meinen jedoch, dass dies an den überwiegend fehlenden männlichen Vorbildern liegen würde. Werden Kinder bzw. Jungen allein erzogen, so geschieht dies statistisch gesehen meist von den Müttern. Der weibliche Überhang zieht sich dann über den Kindergarten, wo es auch nur Erzieherinnen gäbe, bis hin zur Schulzeit, wo auch die Lehrkräfte überwiegend weiblich sind. Männliche Vorbilder würden also schon von klein auf an fehlen.7 Von ihnen bekommen Jungen bei gleicher Leistung schlechtere Noten als Mädchen. So fordern dann Politiker wie die nordrhein-westfälische Kultusministerin Barbara Sommer einen Einsatz von mehr männlicher Lehrkräfte:

„Ein höherer Anteil männlicher Lehrkräfte sei besonders für die Förderung von

Jungen wichtig, die im Vergleich zu Mädchen tendenziell schlechtere Noten haben

und auch seltener das Abitur bestehen. Nach Ansicht der Schulministerin sollten an

den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen mehr Männer unterrichten, um dieses

geschlechtsspezifische Leistungsgefälle abzufedern.“8

Thomas Dee stellt also die These auf, dass Jungen in der Schule eher benachteiligt sind. Dies liegt aber – im Gegensatz zu den Gender Studies, die eher das geschlechtstypische Lernverhalten verantwortlich machen – am Geschlecht der Personen, die lehren wollen, im möglichen Zusammenhang mit fehlenden Vorbildern im Werdegang des Heranwachsens.

3.3 PISA-Studie: Benachteiligung durch Rollenbildung und Klischees

Die PISA-Studie ist schon seit einigen Jahren in aller Munde. Daraus lassen sich ebenfalls geschlechtsspezifische Differenzen zur Bildung ableiten und ermöglichen so eventuelle optimierte Förderungen. Dies ist jedoch bisher kaum geschehen – Das „Forum Bildungspolitik in Bayern“ will in einer Petition zum Bayerischen Landtag aufklären und Abhilfe schaffen.

Während der Schulzeit wächst die Leistungslücke zwischen Jungen und Mädchen immer mehr, je älter sie werden. Die Sonderauswertung der PISA-Studie zeigt, dass die beiden Geschlechter in der Grundschule im Rechnen noch ungefähr die gleiche Leistung aufweisen. Mit der Zeit aber würden die Jungen den Mädchen überlegen sein, hingegen die Jungen schon von Beginn an eine Leseschwäche aufweisen und haben Schwierigkeiten damit, Texte kritisch zu verstehen, analysieren und zu bewerten.9 Dies gilt für nahezu alle Industriestaaten.

[...]


1 Vgl. Kapitel 8: Weibliche Bildung im 18. Jahrhundert: "Gelehrtes Frauenzimmer" und "gefällige Gattin". http://papinga.bis.uni-oldenburg.de/bisverlag/browei94/kap8.pdf

2 Vgl. 28. September: historisches Ereignis: Einführung der Schulpflicht in Preußen. http://www.geest-verlag.de/node/3356, Zugriff am 22.02.2011

3 Vgl. Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Artikel 1-19, insb. Artikel 1, 3 und 7

4 Vgl. Ruhr Uni-Bochum: Gender Studies. http://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/. Zugriff am 21.02.2011

5 Vgl. BMBF: Lebenslagen von Mädchen und Frauen. http://www.bmbf.de/pub/lebenslagen_von_maedchen_und_frauen.pdf, Zugriff am 21.02.2011

6 Vgl. Faulstich-Wieland, Hannelore. Mehr Männer in die Grundschule?. ÖBV-Verlag 2010, S. 498

7 Vgl. Faulstich-Wieland, Hannelore. Mehr Männer in die Grundschule?. ÖBV-Verlag 2010, S. 497-501

8 Sommer, Barbara auf einem Fachkongress in Köln, 13.10.2007. aus http://www.oebv.at/sixcms/media.php/504/faulstich_wieland.pdf, Zugriff am 22.02.2011

9 Vgl. PISA: Geschlecht. Petition an den Bayerischen Landtag vom 16.12.2002. http://www.forum-bildungspolitik.de/positionen/pet_pisa_1_geschlecht.html, Zugriff am 22.02.2011

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656066095
ISBN (Buch)
9783656065906
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182618
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,5
Schlagworte
geschlechtsabhängige bildungsdifferenzen

Autor

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Titel: Geschlechtsabhängige Bildungsdifferenzen