Lade Inhalt...

Zur Projektmethode nach K. Frey

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 13 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Projektmethode
2.1 7 Komponenten der Projektmethode – K. Frey
2.2 Die Rolle der Lehrenden und die Bewertung von Projekten

3. Einwände gegen den Projektunterricht

4. Fazit – Gründe für den Projektunterricht

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Abbildung 1 - Karikatur Selbstständiges Lernen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Karikatur zeigt einen verhältnismäßig kleinen Schüler, der stramm an seinem Platz steht und dem übermäßig groß dargestellten Lehrer die mutmaßlich von diesem geforderte Bedeutung des selbständigen Lernens erläutert:

„Die Schule leitet ihre Schüler zu selbstständigem Handeln und zu eigenständigem Urteil an. Sie vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Ziel, die freie Entfaltung selbstverantwortlicher Persönlichkeiten zu fördern…“[1]

Der Kommentar des Lehrers zum Redebeitrag seines Schülers fällt mit den Worten „Sehr schön, setzen!“[2] äußerst knapp aus. Auch wenn diese fiktive Szene eine Karikatur ist und überpointiert zu sein scheint, so weist sie nichtsdestotrotz auf die Schwierigkeiten und Probleme der Forderung nach Schüler-Selbstständigkeit hin. Es genügt jedoch nicht, „selbstständiges Lernen verbal zu beschwören, es muss praktiziert werden.“[3] Und so logisch und verständlich diese Forderung auch ist, genauso schwierig ist es, sie in einer dreißigköpfigen Schulklasse umzusetzen. Denn hier ist der Lehrende unteranderem gezwungen den Schülerinnen und Schülern (im weiteren SuS) für Teile des Unterrichts Verantwortung zu überlassen und seine Steuerungsmonopole aus der Hand zu geben. [4] Eine mögliche Methode, um dieser Forderung nach selbstständigen Lernen nachzukommen und gerecht zu werden, ist die sogenannte Projektmethode. Diese soll nun im weiteren Verlauf in der vorliegenden Hausarbeit näher erläutert und vorgestellt werden. In Kapitel 2.1 wird auf die sieben Komponenten der Projektmethode und das Phasenmodell von Karl Frey eingegangen. Den Abschluss des zweiten Kapitels bildet das Thema „Die Rolle der Lehrenden und die Bewertung von Projekten“. Einwände und Kritik am Projektunterricht sollen in Kapitel 3 vorgestellt werden. Den Abschluss der Hausarbeit bildet das Fazit mit einer Legitimation für den Projektunterricht beziehungsweise den Gründen für das verwenden der Projektmethode. Eine Beschäftigung mit der Geschichte der Projektmethode würde den gesetzten Rahmen dieser Hausarbeit leider sprengen, so dass an dieser Stelle auf die Artikel über die historischen Begründungen in Theorie des Projektsunterricht, herausgegeben von Johannes Bastian, Herbert Gudjons, Jochen Schnack und Martin Speth verwiesen werden soll, welche sich eingehend und umfangreich mit dem Thema beschäftigen. Hier soll kurz festgehalten werden, dass die Projektmethode keine neue Erfindung ist, sondern bereits vor der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand, sich zunähst in den Berufsschulen verbreitete, um die Jahrhundertwende in die USA auswanderte und als amerikanische Neuerfindung um 1940 von Projektpädagogen in Deutschland wieder eingeführt wurde. [5]

2. Die Projektmethode

Der Begriff „Projekt“ hat seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet so viel wie planen, sich vornehmen, entwerfen. Demnach ist ein Projekt ein wahrnehmbares, gegenständliches Lernunternehmen. Es ist ein kooperatives, sinnreiches Unternehmen, welches zielorientiert innerhalb von einer Gruppe realisiert wird. Eine sinnvolle Fragestellung beziehungsweise eine Problemstellung wird von der Projektgruppe gemeinsam bearbeitet oder gelöst. Zu beachten ist, dass die Frage/das Problem für alle Beteiligten sinngerecht und zweckmäßig ist. Alle notwendigen Handlungsschritte – von der Vorbereitung und der Planung bis hin zur Bewertung – werden gemeinschaftlich durchgeführt.[6] Wird ein Projekt im Rahmen der Schule beziehungsweise von Unterricht durchgeführt, „also eingebettet in institutionell organisierten Unterricht und seine Zeitvorgaben“[7] so nennt man dies Projektunterricht.

„Karl Frey beschreibt die Projektmethode als einen curricularen Weg der Bildung. [...] In der Projektmethode entwickeln die Teilnehmerinnen selbst ihr Betätigungsgebiet. Insbesondere bestimmte Formen des Aushandelns einer Projektinitiative und metakommunikative Phasen lassen Projektarbeit zum bildenden Tun werden.“[8]

Demnach kommt die Projektmethode den Anforderungen an selbst organisiertes und selbstständiges Lernen am nächsten. Es gibt verschiedene Projektformen hinsichtlich zeitlicher, organisatorische und fachlicher Aspekte. Demnach gibt es Mini-, Kurz- und Langzeitprojekte, je nach Dauer des Projekts. Dabei ist festzuhalten, dass es einen Unterschied zwischen Projekten und Projektwochen gibt; anders als Projekte finden Projektwochen in organisatorischer Abgrenzung vom üblichen Schulunterricht und unter Aufhebung des Stundenplans statt.[9] Des Weiteren kann man zwischen Klassenprojekten, klassenübergreifenden Projekten und Schulprojekten unterscheiden. Betrachtet man Projekte unter dem fachlichen Aspekt, so werden fachbezogene, fächerübergreifenden und fachunabhängige Projekte voneinander differenziert.

2.1 Sieben Komponenten der Projektmethode – K. Frey

Ein Projekt umfasst sieben verschiedene Phasen, die Frey[10] auch als Komponenten bezeichnet. Die einzelnen Projektphasen darf man sich nicht als starr ablaufende Schritte vorstellen, „sondern als Gruppenprozesse, die eine eigenständige Dynamik gewinnen und sich auch mehrfach überschneiden und wiederholen können.“[11]

Komponente 1: Projektinitiative

In der ersten Phase, der Projektinitiative, sammeln SuS oder die Lehrperson Vorschläge für ein Projekt. Zur Herstellung eines Gleichgewichts zwischen den Interessen und Vorstellungen der Projektgruppe und den Anforderungen der Lehrpläne, sollte die Initiative zu einem Projekt nicht ausschließlich und von vornherein durch die Lehrenden erfolgen. Je nachdem wie breit der Lehrende das Themengebiet anlegt oder ob beispielsweise eine festgeschriebene Aufgabenstellung bearbeitet werden soll, bestimmt er den Grad der Selbstständigkeit. Ob und auf welche Art und Weise es zu einer Projektdurchführung kommt, wird erst in der folgenden Komponente entschieden. Projektunterricht ist meist dann sehr ertragreich und erfolgreich, wenn es gelingt zwischen den Interessen von Lerngruppe und Lehrenden ein Gleichgewicht herzustellen.[12]

Komponente 2: Auseinandersetzung mit der Projektinitiative

Zu Beginn wird von der voraussichtlichen Projektgruppe ein organisatorischer Rahmen als Verständigungsbasis festgelegt. Nun wird gemeinschaftlich geklärt, was sinnvoll und machbar ist, um im Anschluss daran eine Projektinitiative auszuwählen. Diese wird dann präzisiert und Schwerpunkte können gesetzt werden.[13]

Die Auseinandersetzung mit der Projektinitiative kann zu zwei Ergebnisse führen: entweder wird das Projekt abgebrochen, da es keine Zustimmung findet oder es wird eine Projektskizze entworfen, welche an der Tafel oder von einem Protokollanten festgehalten wird.[14]

Komponente 3: Gemeinsame Entwicklung des Betätigungsfeldes

In der dritten Phase der Projektarbeit wird der weitere Projektverlauf geplant. Hier ist es weder machbar noch erstrebenswert das Projekt bis ins Detail vorauszuplanen, da so der „entdeckende und bildende Charakter der Projektmethode“[15] verloren ginge. In dieser Planungsphase ein wird Projektplan/Betätigungsplan erstellt und geklärt, wer welche Aufgaben übernimmt. Hier ist wichtig, dass nicht immer alle alles machen müssen, sondern die Arbeit aufgeteilt werden kann, jedoch sollte es so sein, „dass die einzelnen Tätigkeiten für die Betreffenden sinnvoll sind. Das Ziel ist verfehlt, wenn der ohnedies bekannte gute Sprecher die Texte gut vortragen darf und der handwerklich Geschickte den Kasten zusammenbaut, der gehemmte Schwache aber nur zum Teekochen angestellt wird.“[16]

Komponente 4: Verstärkte Aktivitäten im Betätigungsgebiet

Im Anschluss an die Projektplanung sollen nun die früheren Überlegungen in die Tat umgesetzt werden und das Projekt realisiert werden. Diese vierte Komponente ist das Kernstück der Projektmethode, allerdings ohne die anderen Komponenten kaum denkbar, da erst durch diese verhindert werden kann, dass es zu willkürlichen und unvorbereiteten Handlungen kommt. Bei der Projektdurchführung handelt es sich jedoch nicht um ein striktes Abarbeiten des Projektplanes, sondern „ein wechselseitig wirkendes Zusammenspiel von Komponente 3 und 4.“[17] Ebenso darf der Projektplan verändert werden, wenn man bei der Durchführung beispielsweise auf ein Problem trifft oder es zu neuen Einsichten kommt. Die Projektplanung ist keine einmalige Phase, sondern eine begleitende Dauerbetätigung.[18]

Komponente 5: Abschluss des Projektes

Ein Projekt kann auf drei verschiedene Arten und Weisen beendet werden:

Bewusster Abschluss: Hier ist es so, dass die Projektgruppe sich darauf geeinigt hatte, dass am Ende des Projekts ein Produkt, also zum Beispiel eine Theateraufführung steht. Folglich ist das Projekt zu Ende, wenn das Produkt hergestellt ist. [19]

Rückkoppelung zur Projektinitiative: Gegen Ende des Projekts werden die Aktivitäten in eine Rückschau überführt. Die Projektgruppe greift erneut die Initiative auf und vergleicht diese mit dem Endstand des Produktes. Des Weiteren wird der Projektverlauf reflektiert und bewertet, so dass daraus Lehren für zukünftige Projekte gezogen werden können.[20]

Auslaufen lassen: Das Projekt läuft aus und mündet in den Alltag; Produkte, Verfahren und neue Erkenntnisse gehen in den Alltag über.

Komponente 6: Fixpunkte

So genannte Fixpunkte treten je nach Bedarf im Verlauf auf, sie schließt also nicht an andere Komponenten an, sondern verläuft quer zu ihnen. Fixpunkte sind „organisatorische Schaltstellen [...] und dienen dem Informationsaustausch und der Abstimmung zwischen den Teilnehmern.“[21]

Komponente 7: Metainteraktion/Zwischengespräch

Die Projektmethode zielt darauf ab, dass sich die Projektgruppe über das gerade Passierende Gedanken macht und darüber miteinander spricht. Die Metainteraktion hat die Aufgabe, dieses angestrebte Verhalten zu fördern. Dies geschieht in dem die eigentlichen Aktivitäten unterbrochen werden, „um den anfangs festgelegten Verständigungsrahmen zu überdenken, um Beziehungsprobleme oder Fragen des eigenen Verhältnisses zum Betätigungsgebiet aufzuarbeiten. Erst durch das Mitwirken der Metainteraktion wird die Arbeit am Projekt pädagogisch oder – anders formuliert – bildend.“[22]

2.2 Die Rolle der Lehrenden und die Bewertung

Mit der Umsetzung der Projektmethode verändert sich die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer. Innerhalb der Projektmethode hat der Lehrende die Aufgabe zu beraten, zu motivieren, zu unterstützen und falls nötig zu strukturieren. Inhaltlich macht er/sie jedoch keine Vorgaben und lässt die SuS weitestgehend alle Schritte selbst erledigen. Je nachdem wie selbstständig der Lehrkörper die Sus arbeiten lassen möchte kann er Material zur Verfügung stellen und auf den Projektplan einwirken.

[...]


[1] Messner, 2004, S. 33.

[2] Messner, 2004, S. 33.

[3] Messner, 2004, S. 33.

[4] Vgl. Messner, 2004, S. 34.

[5] Vgl. Frey, 2002, S. 159.

[6] Vgl. Falk, 2010, S.148.

[7] Vgl. Falk, 2010, S.148.

[8] Vgl. Falk, 2010, S.148.

[9] Vgl. Voß/Ziegenpeter, 1999, S. 43.

[10] Frey liefert mit diesen Phasenmodell nur eine mögliche Antwort auf die Frage, was Projektunterricht ist. Er sieht die Projektmethode als allgemeinen Weg zur Bildung, so dass sie seiner Meinung nach auch in außerschulischen Bereichen (Erwachsenenbildung o.Ä.) Anwendung finden kann.

[11] Falk, 2010,S. 151.

[12] Vgl. Voß/Ziegenpeter, 1999, S. 37 und Vgl. Falk, 2010, S. 153.

[13] Vgl. Frey, 2002, S. 155.

[14] Vgl. Voß/Ziegenspeck, 1999, S.37.

[15] Vgl. Falk, 2010, S. 153.

[16] Frey, 2002, S. 156.

[17] Voß/Ziegenspeck, 1999, S.38.

[18] Vgl. Voß/Ziegenspeck, 1999, S.38.

[19] Vgl. Voß/Ziegenspeck, 1999, S.38.

[20] Vgl. Voß/Ziegenspeck, 1999, S. 38.

[21] Voß/Ziegenpeter, 1999, S. 39.

[22] Voß/Ziegenpeter, 1999, S. 39.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656066019
ISBN (Buch)
9783656066330
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182713
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2
Schlagworte
projektmethode frey

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Zur Projektmethode nach K. Frey