Lade Inhalt...

Das Bild der Frau in der Restaurationskomödie am Beispiel von William Wycherleys 'The Country Wife'

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Rolle der Frau im 17. Jahrhundert und Restaurationskomödie
1.1 Entstehung der Restaurationskomödie
1.2 Erste weibliche Bühnendarsteller
1.3 Bedeutung weiblicher Charaktere
1.4 Aufbaubeschreibung der Hausarbeit

2 Darstellung der unabhängigen Frau am Beispiel von Alithea
2.1 Sicht der anderen Figuren auf Alithea
2.2 Selbstbild und eigene Darstellung

3 Darstellung der abhängigen Frau am Beispiel von Mrs Pinchwife
3.1 Sicht der anderen Figuren auf Mrs Pinchwife
3.2 Selbstbild und eigene Darstellung

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

1 Rolle der Frau im 17. Jahrhundert und Restaurationskomödie

1.1 Entstehung der Restaurationskomödie

Im Jahre 1660 kehrte Charles II.1 aus seinem Exil in Frankreich nach England zurück, um seinen Anspruch auf den Thron geltend zu machen und das Amt des Königs zu bekleiden. Vor ihm beherrschten die Puritaner und mit ihnen deren Weltanschauungen das Land, wobei unter anderem die Theaterkultur verboten war2. Das Volk lechzte nach einer liberaleren Lebensform und begrüßte deshalb die Rückkehr Charles II., die mit sich auch viele Vergnügungen brachte. Vor diesem Hintergrund entstand die Epoche der Restauration: einerseits wurde die Monarchie „restauriert“, andererseits der Weg geebnet für einen neuen, offeneren Lebensstil, was sich auch in der Theaterwelt bemerkbar machte. Die zu Zeiten der Restauration3 geschriebenen Stücke wollten den puritanischen Geist aus der Gesellschaft vertreiben, indem sie vor allem mit dem Mittel der Provokation arbeiteten. (Young 1; Klein 274-276)

Die wohl bekanntesten und bedeutendsten Vertreter dieser Zeit kann man an einer Hand abzählen - George Etherege, William Congreve und William Wycherley. Diese drei schufen in ihren Werken Frauenrollen, die vollkommen neu für das Theater und auch für das Publikum beziehungsweise die Gesellschaft der damaligen Zeit waren:

The characters they created were spirited, independent women who were gifted and who possessed an unprecedented sense of their own worth. They had an exuberance for life, but the experience of living had taught them the necessity for restraint. (Young 1)

Zwar widerspiegelten die Bühnenstücke natürlich auch die realen Zustände. Die von Congreve, Etherege und Wycherley dargestellten Frauen existierten jedoch nicht im wirklichen Leben. Im 17. Jahrhundert hatten Frauen sehr wenig Rechte, sogar innerhalb der Ehe. Nach der Hochzeit war die Frau vor dem Gesetz ein Besitztum ihres Mannes, und mit ihr auch ihr Besitz. Deshalb war die auf der Bühne dargestellte unabhängige Frau sehr revolutionär. Die real existierende Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft wurde angeprangert. Vor allem dadurch, dass dem Publikum diese überspitzten Geschlechterbeziehungen vor Augen geführt wurden, wurde Satire erzeugt. (Young 1-2; Klein 277-279; Gill 60; Gill in Cambridge Companion 195)

In einem Punkt zeigt sich das Stück typisch für seine Zeit: damals fürchtete die Gesellschaft nichts mehr als „hypocrisy and […] cuckoldry“ (Gill 4-5), und dieses Thema wurde in den meisten Stücken aufgegriffen, wie eben auch in The Country Wife.

Klein beispielsweise spricht vom „rauhe[n], lustbetonte[n] und brutale[n] Milieu der Restaurationskomödie“ (287).

1.2 Erste weibliche Bühnendarsteller

Mit der Wiedereröffnung der Theater ging auch eine revolutionäre Neuerung einher: erstmals wurden weibliche Rollen - bisher männlichen Darstellern vorenthalten - an Frauen vergeben, das heißt es gab erstmals weibliche Darstellerinnen. Darüber hinaus begannen Frauen auch erstmals, Bühnenstücke zu schreiben, und es gab sogar weibliche Theatermanager und sogar Theaterkritiker. (Klein 277; Pearson 25;252) Doch zurück zu den weiblichen Darstellerinnen. Sie genossen zwar einen großen Erfolg und wurden vom Publikum sehr gut angenommen, rangierten aber hinsichtlich ihres Status - wie auch außerhalb der Theaterwelt - unter ihren männlichen Kollegen. Auch die Bezahlung der weiblichen Darstellerinnen war deutlich niedriger als die der männlichen. Sie wurden gleichzeitig gefeiert und kritisiert. Auch ihr Ruf litt unter ihrer Arbeit: sie galten als sehr unmoralisch und wurden teilweise sogar als Prostituierte betitelt. Dies bedeutete richtiggehend eine Gefahr für die Theaterfrauen, da sie von Männern als Freiwild gesehen wurden und sich ständig vor ungenierten Annäherungsversuchen bis hin zu Übergriffen schützen mussten. Nichtsdestotrotz war der Erfolg der Frauen auf der Bühne nicht von der Hand zu weisen, teilweise wurden sogar Männerrollen an Frauen vergeben. Jedoch herrschte trotz allem ein Ungleichgewicht, es wurde nie die gleiche Anzahl Frauen wie Männer angestellt, und auch die Bezahlung blieb weiterhin ungleich wie auch außerhalb der Theaterwelt. Trotz all dieser Ungerechtigkeiten und sogar Gefahren sahen die Frauen das Theater dennoch als Möglichkeit der Unabhängigkeit. (Pearson 26-28; 252; Young 2)

1.3 Bedeutung weiblicher Charaktere

Auf einmal war es sehr beliebt, Epiloge und Prologe von weiblichen Figuren sprechen zu lassen, ganz im Gegensatz zu den Gebräuchen der Renaissance, wonach weibliche Figuren niemals das erste beziehungsweise letzte Wort haben durften und im Stück immer einen geringeren Redeanteil hatten als die männlichen Rollen. Nun wurde weiblichen Figuren zunehmend mehr Redeanteil zugesprochen und sogar, wie oben bereits erwähnt, Epiloge und Prologe für weibliche Rollen geschrieben. Auch wurden Stücke zunehmend von weiblichen Figuren eröffnet, es gab mehr und mehr Szenen, in denen nur Frauen auftraten - zu Zeiten der Renaissance undenkbar - und in einigen Stücken gab es sogar mehr weibliche als männliche Figuren. Dies bewirkte hinsichtlich des Publikums, dass das Stück eher durch die Augen der weiblichen Rolle gesehen wurde. (Pearson 30; 64)

Jedoch werden Frauen einfach als “the physical objects of male pursuit” (Pearson 50) dargestellt, als Preise, welche die Männer gewinnen wollen. In ganz seltenen Fällen gibt es eine Darstellung des Innenlebens einer weiblichen Figur im Stück, sodass kaum eine Identifikation mit einer weiblichen Figur ermöglicht wird. Warum war dem so? Die Erklärung ist sehr einfach: es galt als gefährlich, geschlechtsspezifische Stereotypen anzugreifen, wie es beispielsweise Wycherley in The Country Wife gewagt hat. Dafür galt er dann als frauenfeindlich. Wycherleys weibliche Figuren sind oft sehr impulsiv und unabhängig, und mit seinen Stücken möchte er ein Überdenken der sexuellen Doppelmoral bewirken. In seinem Stück The Country Wife stellt er deshalb eine Welt dar, in der sexuelle Gleichberechtigung herrscht. (Pearson 42-56)

1.4 Aufbaubeschreibung der Hausarbeit

Vorliegende Arbeit soll sich nun detaillierter mit dem Bild der Frau in der Restaurationskomödie beschäftigen. Dazu wurde The Country Wife von William Wycherley ausgewählt. Dies hat zwei Gründe: zum einen ist William Wycherley der bedeutendste englische Dramatiker seiner Zeit. Zum anderen wurde sein Werk The Country Wife sogar als „eine der großen Komödien der Weltliteratur“ (Holland 73) und „zu Recht als am besten strukturierte Komödie Wycherleys bezeichnet [...] Ganz sicher ist sie eine der witzigsten.“ (Klein 296). In der Komödie allgemein und natürlich auch in Wycherleys Stück waren Geschlechterrollen ein Hauptthema, und vor allem auch die Hervorhebung der Unterschiede.

In diesem Stück gibt es zwei wichtige Frauenrollen, die im Folgenden verglichen werden und in Bezug zu ihrer Zeit gesetzt werden sollen. Hierbei handelt es sich einmal um Alithea, die im Stück die Rolle der unabhängigen Frau mimt und eine für die Restaurationskomödie typische Heldin ist. Ihr gegenübergestellt findet sich Mrs Margery Pinchwife, die sich devote Ehefrau ihres Bruders. Beide Rollen werden aus Sicht der anderen Figuren sowie aus deren eigener Sicht analysiert. Im Anschluss werden beide Rollen in Form eines Resümees kurz verglichen. (Gill 68)

2 Alithea

Alithea ist zwar nicht die weibliche Hauptfigur, jedoch die Heldin des Stückes, die unabhängige Frau. Sie zeichnet sich aus durch Schlagfertigkeit und ihre Tugend, die einerseits von den Männern hervorgehoben und bewundert wird, andererseits ist Alithea ständig bemüht, ihre Tugend zu bewahren. Alithea “speaks the clever language of the town” (Gill 66), besitzt genauso viel Schlagfertigkeit wie die anderen typischen Stadtfrauen, unterhält jedoch im Gegensatz zu diesen keine Affären, sondern lebt keusch und möchte auch ihren zukünftigen Mann nicht hintergehen, wie dies die übrigen Stadtfrauen mit ihren Männern tun. Sie stellt also neben allen anderen weiblichen, als liederlich und zügellos dargestellten weiblichen Figuren, eine Ausnahme dar. Als typische Restaurations-Heldin bleibt Alithea im moralischen Sinne ein statischer Charakter4. (Klein 288; 295; Gill 65-66)

Wie alle anderen Figurennamen dieses Stückes, so ist auch 'Alithea' ein sprechender Name; er kommt aus dem Griechischen und bedeutet 'Wahrheit' (Morris 9; Klein 287). Ganz allgemein wird Alithea im Stück als attraktive, lebhafte und intelligente junge Frau dargestellt, die „ungeachtet ihrer Teilnahme am Vergnügungstrubel und ihrer zumindest theoretischen Abgebrühtheit sich selbst irgendwie bewahrt.“ (Klein 282)

2.1 Sicht der anderen Figuren auf Alithea

Die meisten Information über Alithea können durch die Äußerungen ihres Bruders, Mr Pinchwife gewonnen werden. Er hält wenig von seiner Schwester und bezeichnet sie sogar als schamloses und durchtriebenes Stadtflittchen, womit er seine Ablehnung gegenüber ihrem unabhängigen und für ihn anrüchigen Leben als typische Frau aus der Stadt zum Ausdruck bringen will (Gill 67):

[…] as impudent as yourself, as arrant a jill-flirt, a gadder, a magpie, and to say all - a mere notorious town-woman? (II,1, 23) / […] you keep the men of scandalous reputations company. (II,1, 24)

Alitheas Vorliebe für die Stadt und auch ihre freie Erziehung ist Mr Pinchwife ein Dorn im Auge, da er Angst hat, seine Frau könnte sich daran ein Beispiel nehmen: „I expected no other from her free education, as she calls it, and her passion for the town.“ (V,1, 103).

Ganz anders als Mr Pinchwife sieht die restliche Männerwelt Alithea: Ihr Verlobter Sparkish hält sie für eine gute Partie, weil sie ihn nicht betrügen wird wie es die anderen Stadtfrauen mit ihren Männern machen. Allerdings betont er, dass er sie nicht unbedingt liebt beziehungsweise dass es ihm niemals genügen würde, eine Frau nur aus Liebe zu heiraten, sondern dass er eine Frau nur heiraten würde, weil er um sie beneidet werden möchte, wie er vor seinen Freunden zugibt: „I love to be envied, and would not marry a wife that I alone could love.“ (III,2, 59) Er sieht Alithea also als Trophäe, als eine Frau, um die man beneidet werden kann. Um sich dies bestätigen zu lassen, fragt er seinen Freund Harcourt: „Here Harcourt, do you approuve my choice?“ (II,1, 26) und: „Harcourt, how dost thou like her, faith?“ (II,1, 27), und als dieser immer noch nicht reagiert: „Tell me, I say, Harcourt, how dost thou like her? Thou hast stared upon her enough to resolve me.“ (II,1, 27) Dies zeigt, dass Sparkish keineswegs eifersüchtig darauf ist, dass sein Freund anscheinend von der Erscheinung von Alithea hin und weg ist und sie sprachlos unentwegt anstarrt, sondern dass Sparkish im Gegenteil sich fast freut über das Verhalten seines Freundes weil es ihm zeigt, dass er eine beneidenswerte Verlobte gewählt hat. Die Antwort Harcourts fällt dann auch sehr neidvoll aus: ihm gefalle sie „So infinitely well that I could wish I had a mistress too, that might differ from her in nothing but her love and engagement to you.“ (II,1, 27) Die Konversation der beiden zeigt sehr schön, wie begehrenswert Alithea für die beiden ist. Im weiteren Verlauf preist Sparkish Harcourt gegenüber Alitheas Intelligenz und Schönheit: „[...] but by the world, she has wit too, as well as beauty“ (II,1,29).

Einen weiblichen Außenblick auf Alithea bekommt man ausschließlich durch die Augen ihrer Zofe, Lucy. Diese hält Alithea für zu ehrlich, weil Alithea als Ehefrau treu bleiben will. Lucy kann dies kaum glauben, da es in der Stadt richtiggehend an der Tagesordnung ist, seinem Mann Hörner aufzusetzen. So sagt sie zu sich selbst und für die Anwesenden unhörbar:

[...] to see what easy husbands these women of quality can meet with; a poor chambermaid can never have such ladylike luck. Besides, he's thrown away upon her; she'll make no use of her fortune, her blessing; none to a gentleman for a pure cuckold, for it requires good breeding to be a cuckold. (III,2, 55)

Wenig später im Stück spricht Lucy Alithea sogar auf deren schlechte Wahl des Bräutigams an. Daraufhin gesteht ihr Alithea ihre Liebe zu Harcourt, und dass sie ihm gegenüber so abweisend war aus Loyalität ihrem Verlobten gegenüber. Alithea will Sparkish nicht verletzen beziehungsweise hintergehen.

[...]


1 Charles II. regierte von 1660 bis 1685 in England. (Klein 276)

2 Im Jahre 1642 wurden Theateraufführungen per Gesetz durch das puritanische Regime um Cromwell verboten. (Klein 276)

3 Die Restaurationsperiode dauerte etwa von 1664 bis 1700. (Young 1)

4 Laut Meyer wird in dramatischen Texten häufig unterschieden zwischen einem statischen und einem dynamischen Charakter, wobei statisch bedeutet, dass der Charakter während des Stückes unverändert bleibt und häufig einem Stereotyp entspricht, und dynamisch, dass der Charakter eine Entwicklung durchmacht. (Meyer 106;110)

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656067146
ISBN (Buch)
9783656067511
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182842
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Schlagworte
bild frau restaurationskomödie beispiel william wycherleys country wife

Autor

Zurück

Titel: Das Bild der Frau in der Restaurationskomödie am Beispiel von William Wycherleys 'The Country Wife'