Lade Inhalt...

Das Berufsfeld der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen an der Universität

Zwischen Karriere und prekärer Beschäftigungssituation?

Seminararbeit 2010 20 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wissenschaftliche Karriere
2.1. Die historische Genese des Berufsfeldes
2.2. Der klassische Werdegang zur Professur
2.3. Aufgabenfelder der Wissenschaftlichen Mitarbeiter/in

3. Die prekäre Beschäftigungssituation
3.1. Begriffsklärung Äprekär“
3.2. Darstellung der Beschäftigungssituation
3.3. Gründe
3.4. Konsequenzen

4. Prekarität im Hochschulbereich?

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Berufsfeld der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen an deutschen Universitäten. Die Frage, ob wissenschaftliche Mitarbeiter/innen sich in prekären Beschäftigungssituationen befinden bzw. ob es ein Prekarität im Wissenschaftsbereich gibt, soll die zentrale Fragestellung der Arbeit bilden. Ein besonderer Schwerpunkt wurde dabei auf die Situation der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen gelegt, da diese sich in einigen Punkten von der Situation der männlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter unterscheidet. Dabei wurde die Verwendung der männlichen und weiblichen Form stringent durch die gesamte Arbeit verfolgt. Hier geht es der Autorin bewusst um eine Sichtbarmachung der Frau.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Karriere an sich. Die historische Genese des Berufsfeldes soll dabei in das Thema einleiten. Die anschließende Darstellung des Werdegangs bis zur Professur und die Aufgabenfelder der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen dienen als Hintergrund zum zweiten Teil, der sich mit der prekären Beschäftigungssituation befasst. Hier werden zunächst wichtige Begriffe, die im Laufe der Arbeit mehrfach verwendet werden, geklärt. Danach wird die derzeitige Beschäftigungs- situation wissenschaftlicher Mitarbeiter/innen dargestellt und anschließend Gründe, die zur Entstehung der Situation beigetragen haben, erläutert. Darauf aufbauend werden Konsequenzen gezogen. Im dritten Teil der Arbeit soll die zentrale Frage, ob es ein Prekarität im Wissenschaftsbereich gibt, abschließend beantwortet werden. Im letzten Teil werden die wesentlichen Punkte der Arbeit zusammengefasst.

2. Die wissenschaftliche Karriere

2.1. Die historische Genese des Berufsfeldes

Die Universität, als klassischer Arbeitsort des/der wissenschaftlichen Mitarbeiters/in, entwickelte sich in der Zeit des europäischen Mittelalters. Die ersten Universitäten wurden in Italien, Frankreich, England und Spanien um das Jahr 1200 gegründet. Diese hatten sich zunächst aus Rechtsschulen, Medizinschulen und Domschulen weiterentwickelt. Im 14. Jahrhundert erreichte die Gründungswelle der Universitäten Deutschland.1

Die ersten Vorläufer des Berufsfeldes der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen entwickelten sich allerdings erst im 19. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt stand der Professor bzw. der Lehrstuhlinhaber im Zentrum der universitären Personalstruktur. Ihm wurde ein Privatdozent zur Seite gestellt, dessen Aufgabe es war, sehr gute Forschungsleitungen zu erbringen, um sich für das Amt des Professors zu bewähren. Die Privatdozenten erhielten im Gegenzug keine Vergütung für ihre Forschungsleistungen. Ihr Ziel war es einen eigenen Lehrstuhl zu etablieren. Dieses System der akademischen Nachwuchsförderung funktionierte zunächst sehr gut, da mit der Ausdifferenzierung der Fachgebiete immer wieder neue Lehrstühle geschaffen werden mussten. Jedoch geriet das System sehr schnell ins Wanken als die expansiven Phasen der Fachdisziplinen zu Ende gingen.2

Nun wurde nach einem anderen System der Nachwuchsförderung gesucht. Ende des 19. Jahrhunderts verknüpfte man schließlich die Stelle des wissenschaftlichen Assistenten, die ursprünglich als Funktionsstelle zur ÄBewältigung wachsender Dienstaufgaben in Forschung und Lehre“3 eingerichtet wurde, mit der Qualifizierungsfunktion. Damit wurde eine unselbständige Position unterhalb des Professors geschaffen, die zu einem Teil der Assistenz des Professors und zum anderen Teil der akademischen Qualifikation des Assistenten diente.4 Enders drückt dies wie folgt aus:

„Im Ergebnis entstand eine Personalkategorie, die […] sich durch eine unklare Mischung von Zuarbeitungs- und Qualifizierungsfunktionen auszeichnete und sich als ein Zwischending von Notbrücke, Berufstätigkeit und Nachwuchsförderung etablierte.“5

Nun wurde die Assistentenstelle auch gleichzeitig zur Qualifikationsstelle und somit zu einer befristet wahrgenommenen Position. Kreckel äußert dazu: ÄDas Attribut ‚Qualifikations‘Stelle verleiht der Tatsache der Befristung die soziale Legitimität.“6.

In Bezug auf die Situation der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen ist zu sagen, dass Frauen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vom Besuch höherer Bildungseinrichtungen weitgehend ausgeschlossen waren. Der Grund für diesen Ausschluss war die Annahme, dass Frauen aufgrund ihrer biologischen Konstitution nicht wissenschaftlich denken könnten.7 Diese Auffassung wurde von der Frauenbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts stark kritisiert.8 In der Konsequenz wurde Frauen schrittweise der Zugang zu Universitäten gewährt. In Deutschland stellte sich allerdings eine besondere Situation dar:

„In Deutschland wurde Frauen der Zugang zu den Institutionen der höheren Bildung vergleichsweise spät gewährt (z.B. 1900 in Baden und 1908 in Preußen). Erst in der Weimarer Republik wurden Wissenschaftlerinnen - Mathilde Vaerting und Margarette von Wrangell - auf Lehrstühle berufen.“9

Erst 1920 erhielten Frauen an deutschen Universitäten die Zulassung zur Habilitation und damit das Recht eine Karriere als Hochschullehrerin einzuschlagen.10

Dies heißt in der Konsequenz für das untersuchte Berufsfeld, dass sich wissenschaftliche Mitarbeiterinnen erst um 1900 an deutschen Universitäten etablierten. Bis heute sind Frauen in wissenschaftlichen Positionen unterrepräsentiert. Laut dem Statistischen Bundesamt11 gab es 133 497 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter/innen im Jahr 2008. Davon waren allerdings nur 51 335 Stellen von Frauen besetzt. Dies ist lediglich ein Prozentsatz von 38 Prozent.

2.2. Der klassische Werdegang zur Professur

Im folgenden Abschnitt werden die Voraussetzungen zum Erlangen einer Professur an deutschen Universitäten dargestellt. Das Erlangen einer Professur an deutschen Fachhochschulen unterscheidet sich leicht davon. Dies soll jedoch nicht Gegenstand der folgenden Betrachtungen sein.

Die erste Voraussetzung, um eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen, ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Der nächste Schritt ist die Promotion. Die Promotion besteht aus einer schriftlichen Arbeit, der Dissertation, und einer mündlichen Prüfung, die Disputation oder Rigororum genannt wird. Die Absolventen können mit den Abschlüssen Magister, Diplom, Staatsexamen oder Master als Doktorand an deutschen Universitäten zugelassen werden. ÄZugang und Zulassung zur Promotion [Hervorhebung im Original, K.S.] sind in Deutschland sehr wenig strukturiert.“12 In der Regel nimmt der Absolvent informell mit einem Professor Kontakt auf und stellt ihm seine Idee für die Promotion vor. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Absolvent das Angebot zur Promotion direkt vom Professor erhält. Nach der Promotion erhält der Doktorand den Doktortitel.13

Für die Promotion gibt es unterschiedliche Arten der Finanzierung. Die häufigste Form ist die Beschäftigung als wissenschaftlicher Mitarbeiter/in an der Universität.14 In den meisten Fällen erfolgt die Anstellung als Halbtagsbeschäftigung, wobei ein vertraglich festgelegter Prozentsatz der Arbeitszeit für die Anfertigung der Dissertation vorgesehen wird.15 Darüber hinaus besteht die Möglichkeit als wissenschaftliche Hilfskraft zu promovieren. Eine Finanzierung der Doktorandenstelle aus Drittmitteln ist auch zulässig. Es besteht des Weiteren die Möglichkeit ein Doktorandenstipendium zu erhalten oder die Promotion aus eigenen Mitteln zu finanzieren.16 Laut dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz darf die Zeit der befristeten Beschäftigung bis zur Promotion jedoch maximal sechs Jahre betragen.17

Der Frauenanteil unter den Promovierenden hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten Ävon etwa 20 Prozent auf annähernd 40 Prozent fast verdoppelt. Im Jahre 2004 betrug der Frauenanteil an den bestandenen Promotionsprüfungen 39 Prozent.“18 Dies deckt sich mit dem Anteil der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen an deutschen Universitäten, welcher laut dem Statistischen Bundesamt 2008 bei rund 38 Prozent lag.19

Bis zur Einführung der Juniorprofessur im Jahr 2002 war die Habilitation nach der Promotion der nächste Schritt auf dem Weg zur Professur. Sie umfasste das Anfertigen einer weiteren schriftlichen Forschungsarbeit, an die höhere Anforderungen gestellt wurden als an die Dissertation. Auch für den Erwerb der Habilitation wurde ein sechsjähriger befristeter Vertrag als Beamter auf Zeit abgeschlossen.20

Im folgenden Zitat wird deutlich, welche Ziele mit der Einführung der Juniorprofessur verfolgt wurden.

„Die im Jahr 2002 eingeführte Juniorprofessur ist als eine weit reichende Reformmaßnahme im Hochschulbereich gedacht gewesen. Geplant war sie als eine Anpassung bzw. Annäherung der Wege der Nachwuchsqualifizierung an internationale Vorbilder, wobei insbesondere das Modell der amerikanischen Hochschul- und Wissenschaftskarriere in Gestalt der Assistant Professorship Pate gestanden hat. Ziel der Reform war es, Qualifikationswege zu verkürzen, im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter für Verbesserungen zu sorgen und Wissenschaftskarrieren in Deutschland auch mit Blick auf internationale Konkurrenzsituationen attraktiver und zugleich kalkulierbarer zu machen. „21

Laut dem Hochschulrahmengesetz von 2002 werden Juniorprofessoren zunächst für eine Dauer von drei Jahren als Beamter auf Zeit berufen. Im dritten Jahr wird dann entschieden, ob eine Verlängerung für weitere drei Jahre gewährt wird. Nach der Juniorprofessur erfolgt in der Regel die Berufung auf eine Professur auf Lebenszeit.22

2.3. Aufgabenfelder der Wissenschaftlichen Mitarbeiter/in

Wie bereits unter Punkt 2.1. erläutert wurde, vereint das Berufsfeld der Wissenschaftlichen Mitarbeiter/in historisch bedingt eine Dienstleistungs- und Qualifikationsfunktion. Demzufolge sind die zwei wichtigsten Aufgabenfelder des Berufs der wissenschaftlichen Mitarbeiter/in einerseits die Übernahme von Lehraufträgen und andererseits das Anfertigen der eigenen Forschungsarbeit. Darüber hinaus werden auch Aufgaben in der Hochschulverwaltung, wissenschaftliche Dienstleistungen und sonstige Aufgaben übernommen.23 Diese grobe Einteilung kann jedoch noch verfeinert werden. So differenziert Enders folgende Tätigkeitsfelder: tägliche Organisationsaufgaben, Leitungs- und Verwaltungsaufgaben, Mitarbeit in Hochschulgremien oder wissenschaftlichen Vereinen, Gutachter- und Beratungstätigkeiten, Pflege von beruflichen sozialen Kontakten, externe wissenschaftliche Dienstleistungen, Vor- und Nachbereitung sowie die Durchführung von Lehrveranstaltungen, Sprechstunden und Prüfungen, Betreuung von Examinanden, Vorbereitung und Durchführung von Forschungsprojekten, Publikationsarbeiten, Literaturstudium, Fachgespräche mit Kollegen und die Teilnahme an Tagungen.24

[...]


1 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden 2006 , Band 38, Schlagwort: ÄUniversität“, S. 368

2 Vgl. Enders 1996, S. 88-91

3 Enders 1996, S. 91

4 Vgl. Kreckel 2008, S. 51

5 Enders 1996, S. 91

6 Kreckel 2008, S. 51

7 Vgl. Wobbe 1996, S. 342

8 Vgl. Wobbe 1996, S. 342

9 Majcher 2008, S. 590

10 Vgl. Wobbe 1996, S. 344

11 Statistisches Bundesamt 2009, S. 48-50

12 Janson 2007, S. 59

13 Vgl. Janson 2007, S. 59

14 Vgl. Janson 2007, S. 61

15 Vgl. Janson 2007, S. 71

16 Vgl. Janson 2007, S. 61

17 Vgl. Wissenschaftszeitvertragsgesetz vom 12.04.2007, § 2, Absatz 1

18 Janson 2007, S. 68

19 Statistisches Bundesamt 2009, S. 48-50

20 Vgl. Janson S. 79

21 Buch 2007, S. 7

22 Vgl. Janson, S. 37-38

23 Vgl. Enders 1996, S. 151-152

24 Vgl. Enders 1996, S. 156-157

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656069430
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v182901
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Allgemeine und Berufspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Wissenschaftliche Mitarbeiter Präkariat prekäre Beschäftigungssituation Universität Berufsfeld

Autor

Zurück

Titel: Das Berufsfeld der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen an  der Universität