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Daily Hassles und Daily Uplifts von Schülerinnen und Schülern im Primarbereich

Eine qualitative Interviewstudie zur Stressoren, Ressourcen und Attributionen

Masterarbeit 2011 81 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Ausgangslage und Problemstellung-Schülerstress
1.2. Überblick über das kognitive Landschaftsmodell von Lehrern- Grimm

2. Stressverarbeitungsmodelle
2.1. Transaktionistischer Ansatz von Lazarus
2.1.1. Stressrelevante Personen-Umwelt-Beziehung
2.1.2. Stress als mehrstufiger Bewertungsprozess
2.1.3. Bewältigung (Copings)
2.2. Die Theorie Ressourcenerhaltung nach Hobfoll
2.3. Gratifikationskrise nach Siegrist
2.3.1. Extrinsische Verausgabung
2.3.2. Intrinsische Verausgabung

3. Motivationstheorien
3.1. Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan
3.2. Theorie der Arbeitszufriedenheit von Oldham und Hackman
3.3. Zweifaktoren Theorie von Herzberg

4. Stressquellen von Kindern und Jugendlichen
4.1. Positiver und negativer Stress
4.2. Stress aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen
4.3. Kritische Lebensereignisse
4.4. Entwicklungsprobleme
4.5. Schule
4.6. Selbst
4.7. Das Zusammenwirken mehrerer Stressoren

5. Stresswirkungen
5.1. Physische Stresssymptome
5.2. Psychische Stresssymptome

6. Vorgehensweisen der Datenerhebung
6.1. Vorgehensweisen
6.2. Methode und Funktion

7. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
7.1. Angenehme Unterrichtssituationen
7.2. Unangenehmen Unterrichtssituationen

8. Fazit

Anhang
a. Schülerfragebogen
b. Datenerhebung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vier-Felder-Tafel der Attribution nach Weiner et al. 1997

Tabelle 2: Schülerangaben zu den phychischen Symptomen, die sie in der vergangenen Wochen erlebt haben

Tabelle 3: Schülerangaben zu den psychischen Symptomen, die sie in der vergangenen Woche erlebt haben

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Primärbewertung

Abbildung 2: Bewältigungsprozesse und Bewältigung

Abbildung 3: Stress und Coping aus transaktionaler Perspektive

Abbildung 4: Ressourcenerhaltungsmodell

Abbildung 5: Das Modell beruflicher Gratifikationskrise

Abbildung 6: Teufelskreis und positive Problemlösung am Beispiel der Eltern-Schüler- Interaktion

Abbildung 7: Schülerangaben zu den physischen Symptomen, die in den letzten sechs Monaten erlebt wurden

Abbildung 8: Schülerangaben zu den psychischen Symptomen, die in den letzten sechs Monaten erlebt wurden

Abbildung 9: Geschlechterunterschiede bei physischen und psychischen Symtomatiken

Abbildung 10: qualitative Interviewfragebogen

Abbildung 11: Anzahl der Schüler in Geschlecht

1. Einleitung

Die soziale Entwicklung hat den Jugendlichen nicht nur neue Perspektiven geschaffen, um ihre Individualität zu entfalten, sondern auch hohe Anforderungen und Erwartungen gesetzt. Demnach erleben in der heutigen Gesellschaft bereits Kinder- und Jugendliche physische und psychische Störungen, die ihr Alltagsleben beeinflussen können. Die Stressopfer werden immer jünger und sind bereits in dem Primarbereich zu finden (Hampel 2003, S. 1). Die Folgen von Dauerstress können zu psychosomatischen und funktionellen Krankheiten beitragen, die das Gesundheitssystem und die psychosoziale Entwicklung des heranwachsendes Kindes ungünstig beeinflussen sowie das Erreichen von Lebenszielen behindern kann (Entwicklungspsychologie 2006, S. 1); (Scharf & Rupprecht 2010, S. 5). Dieses Problem wurde seit vielen Jahren nur bei Erwachsenen oder Berufstätigen, wie z.B. Lehrkräften betrachtet und in der Stressforschung untersucht. In dieser Arbeit sollten demzufolge die alltäglichen Vorgänge des Schülers analysiert werden. Lernende erleben immer häufiger Stress müssen ihre Gedanken und das Verhalten ständig regulieren und mit Belastungssituationen umgehen können. Um die kognitiven Prozesse der Schüler genauer zu analysieren bzw. zu verstehen sowie die Arbeitsbelastung und -zufriedenheit in Unterrichtssituationen zu erhellen, wird die Studie von dem Psychologen Grimm, der die kognitive Bewegungslandschaft der Lehrer untersuchte, vorgestellt. Daraufhin wird von der Studierenden Olga Ritter eine qualitative Interviewstudie in drei Grundschulen durchgeführt, die tägliche Stressoren von Schülerinnen und Schülern im Schulleben untersucht und den Zusammenhang zwischen wahrgenommenen Unterrichtsituationen sowie die Schülerzufriedenheit beleuchtet. Ziel der Datenerhebung ist es, zu erfahren, wie die Schüler die unterschiedlichen Unterrichtsituationen bzw. das Schulleben wahrnehmen und attribuieren. Die Zufriedenheit der Schüler ist ebenfalls ein Aspekt, der in diesem Kontext näher betrachtet wird (Grimm, 1996, S. 11). Die Wahrnehmung von Schülern hängt nicht nur von äußeren Zuständen ab, sondern ist das Resultat kognitiver Prozesse, die mit Hilfe von drei verschiedenen Stressmodellen (Lazarus, Hobfoll und Siegrist) die in dieser Arbeit im Fokus stehen, verständlich gemacht werden sollen. Zunächst wird das Transaktionsmodell nach Lazarus veranschaulicht, welches eine dynamische Beziehung zwischen Situation und Person vorstellt. Hierbei wird auf die primären- und die sekundären Bewertungsprozesse eingegangen (Lohaus, Domsch & Fridrici 2007, S. 8). Im Weiteren wird die Theorie von Hobfoll vorgestellt, die sich mit der Bewältigung der Stressoren beschäftigt und die dafür notwenigen Ressourcen nennt. Demnach setzt Hobfoll sein Akzent auf die Stressbewältigung und die Beweggründe in den Vordergrund (Schwarzer 1993, S. 19). Nachfolgend stellt die Theorie von Siegrist, die so genannte Gratifikationskrise dar, die erklärt, wie Überforderungen entstehen und wie man diese wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Die Stresstheorien stellen Bewältigungsprozesse und - verhalten in den Vordergrund und können so interindividuelle Unterschiede im Erleben von Stress und Gesundheit bei den Schülern aufklären. Des Weiteren werden noch drei anderen Theorien, die sich mit der Arbeits-und Zufriedenheitsmotivation beschäftigen, die jedoch nicht Schwerpunktmäßig behandelt werden, dargestellt. Dazu zählt die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan, das Arbeitsmodell nach Oldham und Hackman sowie die Zweifaktoren Theorie nach Herzberg. Anhand dieser Theorien soll die Zufriedenheit der Schüler erläutert werden.

In dieser Masterarbeit sollen folgende Fragestellungen beleuchtet werden:

Wie erleben Schüler ihre alltäglichen Aufgaben und Beziehungen in der Schule? Was erleben sie als Stressoren und was als Ressourcen? Welche Emotionen treten bei den Schülern im Unterricht oder in den Pausen auf? Welchen Einfluss haben diese auf die Schülerzufriedenheit?

Die einzelnen Fragestellungen sollen mit Hilfe der erhobenen Daten soweit wie möglich beantwortet werden. Die Analyse der Ergebnisse erfolgt mit Hilfe der oben vorgestellten Theorien. Die erhobenen Schülerdaten können für weitere Untersuchungen genutzt werden.

Die Masterarbeit gliedert sich wie folgt: Im ersten Teil der Arbeit soll die Problemstellung „Schülerstress“ in der heutigen Gesellschaft und die kognitive Landschaft der Lehrer kurz demonstriert werden.

Im zweiten und dritten Abschnitt werden die einzelnen Stresstheorien nach Lazarus, Hobfoll und Siegrist sowie die Arbeits- und Motivationstheorien nach Deci und Ryan, Oldham und Hackman sowie Herzberg dargeboten.

Im Zentrum des vierten Abschnitts werden die Stressquellen aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen dargestellt.

Im fünften Teil wird auf die Stresswirkung der psychischen und physischen Ebene eingegangen.

Im sechsten Abschnitt wird die Datenerhebung von der qualitativen Interviewstudie, welche an drei verschiedenen Grundschulen durchgeführt wurde, veranschaulicht. Dazu werden die Vorgehensweise sowie die Methode und Funktion, aber auch die Schülerergebnisse mit den Stress- und Motivationstheorien präsentiert und interpretiert.

Abschließend wird im Kapitel sieben ein Resümee zu der Masterarbeit geliefert und es werden neue Erkenntnisse für weitere Arbeiten gegeben.

1.1. Ausgangslage und Problemstellung-Schülerstress

Die hohen Anforderungen in der Schule, Familie und Freizeit, stellen für die Kinder- und Jugendliche häufig eine Herausforderung dar. Stress entwickelt sich in der heutigen Gesellschaft zur Modewelt und scheint allgegenwärtig zu sein. Es ist zum Alltag der Menschheit geworden, die ständig in Zeitnot sind/leben und einen kokettierten Terminkalender haben (Litzcke 2010, S. 3). Auch die Grundschulkinder kennen bereits Stress, was die Studie von Lohaus, Domsch und Fridrici nachweist. Die Schüler gebrauchen den Begriff Stress bei unterschiedlichen Belastungssituationen, z.B. bei Streitigkeiten mit den Mitschülern oder bei schwierigen Hausaufgaben (Lohaus, Domsch & Fridrici 2007, S. 4). Diese belastenden Situationen können bei dem Individuum Überbeanspruchung hervorrufen und zu der Erkenntnis führen, dass die eigenen Kräfte, um das Geschehen in den Griff zu bekommen, nicht ausreichen. Dabei können Ängste, Unruhe, Nervosität und negative Emotionen entstehen (Schwarzer 1993, S. 11). Die heutige Jugendgeneration ist einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt. Diese müssen in der Schule erfolgreich sein, um einen überdurchschnittlichen Abschluss (Abitur), attraktiven Ausbildungsplatz oder ein Studienplatz zu erhalten. Die Pubertätsphase, die die Jugendlichen durchleben müssen, ist mit komplizierten und schwierigen Selbstfindungsprozessen verbunden. Häufig führt die körperliche Reife, die Identitätsfindung sowie die sozialen und familiäre Probleme zur psychischen Belastungen bei den pubertierenden Mädchen und Jungen (Entwicklungspsychologie 2006). Die DAK-Studie (2008) bestätigt die Stressfaktoren der Schüler. Die Eltern berichten, dass 42% ihrer Kinder unter Druck stehen. Der DAK-Experte Frank Meiners berichtet, dass „Leistungsdruck, Konflikte mit Lehrern und in der Familie oder anstrengende Freizeitaktivitäten - für Schüler […]“ stressauslösend sind (DAK 2008).

Kinder leiden häufig unter psychischen und körperlichen Störungen, 57% sind unkonzentriert, nervös oder hyperaktiv. Jeder zweite Schüler leidet unter Kopf- und Bauchschmerzen und 29% der Lernenden verweigern die Schule aufgrund der hohen Belastungen (ebd.). Außerdem belegt die Studie, dass Grundschulkinder mit Belastungssituationen wenig umgehen können, da diese meistens noch unzureichende Bewältigungsmuster besitzen. Dies kann das Wohlergehen und den Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen und die kindliche Entwicklung ungünstig beeinflussen. Nicht nur Kinder haben dieses Problem auch erwachsene Berufstätige, wie z.B. Lehrkräfte.

Des Weiteren soll die Studie von Psychologen Grimm, welche die kognitive Bewegungslandschaft der Lehrer untersucht, vorgestellt werden um den Schulalltag aus der Perspektive der Lehrer zu veranschaulichen.

1.2. Überblick über das kognitive Landschaftsmodell von Lehrern- Grimm

Der Psychologe Matthias Alexander Grimm führte ab dem Jahr 1985 bis Mitte 1992 eine empirische Forschungsuntersuchung mit den Lehrkräften durch. Diese Studie untersuchte die kognitive Landschaft der Lehrkräfte, um zu verstehen, wie diese ihr Berufsleben attribuieren und welche Bewältigungsmaßnahmen diese verwenden, um den ganzen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Ursache für diese wissenschaftliche Untersuchung waren nicht nur die kritischen Medien, Wirtschaft, Eltern und Gewerkschaften (Grimm 1996, S. 9), sondern auch die hohen Anforderungen der Lehrkräfte sowie frühe Pensionierung aufgrund des hohen Burnout-Anteils (Sieland 2011, S. 7). Die Schulträger wurden von der Medienwelt kritisiert und unter Beschuss genommen, es erschienen kritische Zeitschriftenartikel wie z.B. „Volle Klassen und Lehrermangel-Düstere Zukunft für Unterricht“ oder „Verbummelte Zeit-Deutscher Bildungstrott, zu viel Schule, zu lange Studium“ (Grimm 1996, S. 9). Die Lehrkräfte wurden „Opfer einer schwerfälligen Administration, mal als die Schuldigen verheerender Qualifikationsdefizite bei den Schülern, mal als Handlanger der Wirtschaft“ (ebd.). Der Psychologe Grimm verfolgte mit seiner Studie die Absicht, den komplexen Lehrerberuf darzustellen und seine hohen Anforderungen zu analysieren. Dabei ist es zunächst wichtig die Attribution der Lehrer in ihrem Berufsleben darzustellen. Unter Attribution versteht man „Subjektive Zuschreibungsprozesse für objektive Sachverhalte, insbesondere die Herleitung von Gründen oder Intentionen, die hinter einem bestimmten Sachverhalt stehen“ (Fischer & Wiswede 2002, S. 77). Die Menschen neigen dazu Situationen und eigene Sachverhalte zu erklären, um sich auf bestimmte Ergebnisse in der Zukunft vorzubereiten. Grimm bezeichnet in seinem Buch Attributionen als „kausale Zusammenhänge, Ursachenzuschreibungen, womit subjektive Alltagsmeinungen, nicht aber wissenschaftliche Aussagen über Kausalbeziehungen gemeint sind“ (Grimm 1996, S. 30). Bei der Interpretation von Handlungserlebnissen wird laut Fitz Heider (1958) zwischen zwei Aspekten, der internalen/internen und externalen/externen Attribution unterschieden. Die interne Lokalisation beschreibt eine Person, die sich selbst als Ursache für das Ereignis sieht und somit personenspezifische Effekte darstellt. Die externe Lokalisation dagegen beschreibt eine Person, die die Ursache einer Situation auf äußere Umstände oder Personen überträgt. Hierbei handelt es sich um umweltspezifische Effekte. Der Psychologe Weiner hat in diesem Zusammenhang zusätzlich zwei Stabilitätsdimensionen hinzugefügt, die für die Erwartungsänderung verantwortlich sind. Die Ursache einer Situation kann somit als zeitlich stabil oder variabel wahrgenommen werden. Stabile Gründe für ein bestimmtes Ereignis zeichnen sich dadurch aus, dass z.B. das vergangene Ergebnis einer Leistung auch in Zukunft wieder erzielt wird. Im gegensätzlichen Fall, bei variablen Ursachen ist davon auszugehen, dass sich die vergangenen Ergebnisse von den Zukünftigen unterscheiden. Die Tabelle 1: „Vier- Felder Tafel“ nach Weiner soll in diesem Zusammenhang die internen/externen Attributionen sowie die stabilen/variablen Ursachen einer Situation darstellen und an einem Beispiel veranschaulichen.

Tabelle 1: Vier-Felder-Tafel der Attribution nach Weiner et al. 1997

Quelle: Grimm 1996, S. 30, leicht verändert

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Situation kann von einer Person entweder als Erfolg oder Misserfolg interpretiert werden. Beispielweise wird der Erfolg eines Schülers, der sich durch gute Noten auszeichnet, durch interne Attribution wie folgt erklärt: Ich bin ein intelligenter Junge (stabil). Ich konnte mich sehr gut konzentrieren (variabel). Bei Misserfolg wird der Schüler beispielsweise andere Personen oder Umwelteinflusse beschuldigen und sich das Versagen durch externe Attribution wie folgt erklären: Die Klausur war viel zu schwer gestellt (stabil). Ich hatte Pech (variabel). Das Individuum versucht durch diese Erklärungen sein Selbstwertgefühl zu schützen und Selbstvertrauen zu erhalten. Dieser möchte sich selbst nicht eingestehen, für ein negatives Geschehen verantwortlich zu sein (ebd., S. 30). Personen die unter Depressionen leiden und ein schwaches Selbstwertgefühl haben attribuieren bei positiven Ereignissen meistens mit externen Ursachen. Diese sehen das Ergebnis als Zufall an und sehen somit keinen Grund stolz auf sich selbst zu sein (ebd., S. 31).

Grimm hat diese Kenntnisse in seiner Studie berücksichtigt und demnach versucht die Stressoren der Lehrpersonen in Bezug auf unangenehme und angenehme Unterrichtsequenzen, das Verständnis von komplizierten kognitiven Prozessen, Ursachenzuschreibungen, Bewältigungsmuster und die Berufszufriedenheit zu beleuchten (ebd., S. 10). Grimm interessierte sich für die bewältigungstheoretischen Konzepte der Lehrpersonen, wie sie den Unterricht bewältigen, welche Ressourcen sie als Unterstützung einsetzen und wie das allgemeine Wohlbefinden ist. Demzufolge war die Absicht der empirischen Arbeit, zwischen den untersuchten Parametern „Unterrichtssituationen“, „Gefühle“, „Attributionen“, „Bewältigungsstrategien“ und „Zufriedenheit“ die Zusammenhänge und Unterschiede aufzuklären (ebd., S. 11). Der wesentliche Bestandteil der Untersuchung war nicht nur der Lehrer, sondern auch der Unterricht selbst. Die Datenerhebung soll für die Lehrkräfte nützliche Ergebnisse bieten, die ihnen helfen sollen mit schwierigen Situation umzugehen (ebd.). Nun stellt sich die Frage, wie Grimm diese Untersuchung durchgeführt hat. Ein Teil seiner Arbeit war es, sich mit der Stressforschung auseinanderzusetzen, um zu verstehen, was sich hinter dem Begriff Stress verbirgt. In Anlehnung an Lazarus, der ein Stressverarbeitungsmodel entwickelte, hat Grimm versucht die kognitive Lehrerlandschaft zu analysieren und zu verstehen. Die Datenerhebung erfolgte in zwei Teilen, zuerst wurde eine qualitative Befragung durchgeführt, die ausgewertet wurde, um diese für die quantitative Befragung zu verwenden (ebd., S. 37). In der vorliegenden Masterarbeit wird jedoch nur die qualitative Befragung in Anlehnung an Grimm, in Bezug auf die kognitive Schülerlandschaft durchgeführt und ausgewertet. Demzufolge soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der qualitativen Erhebung liegen.

Die Vorbefragung von Grimm setzte sich aus drei Teilen zusammen, dabei wurden 14 offene Fragestellungen, wie z.B. „Welche angenehmen, förderlichen Erfahrungen machen Sie des öfteren während Ihrer Unterrichtstätigkeit? Welche Gedanken und Gefühle sind damit verbunden?“ gestellt (ebd., S. 264). Ebenfalls wurden drei RatingSkalen verwendet, mit drei, vier und sieben Stufen, um die Lehrerzufriedenheit zu ermitteln und acht Fragen gestellt um die demographischen Daten zu erheben. Die Absicht dieser Vorbefragung war, soviel wie möglich über „Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen“ (ebd., S. 37) der Lehrpersonen zu gewinnen. Die qualitativen sowie die quantitativen Datenerhebungen zielen darauf ab, den Lehrpersonen neue Perspektiven in Form von Beratung, Training oder Therapien anzubieten, um die Zufriedenheit dieser anzuheben.

Zusammenfassend kann aus diesem Kapitel entnommen werden, dass nicht nur Erwachsene sondern auch Schüler in bestimmten Situationen Stress erleben und auch hohen alltags Anforderungen ausgesetzt sind. Außerdem hängen bestimmte Handlungsereignisse von dem Individuum mit bestimmten Ursachenzuschreibungen ab, die das Verhalten steuern. Welche kognitiven Prozesse beim Stress erzeigt werden, soll im nächsten Kapitel mit den Stresstheorien nach Lazarus, Hobfoll und Siegrist beantwortet werden.

2. Stressverarbeitungsmodelle

Nach der Klärung der Problemstellung soll ein Überblick über konkrete Theoriemodelle gegeben werden, um ein vertieftes Verständnis von Verhaltens- und Erlebnisweisen von Schülern zu ermöglichen. Die Wahl fällt dabei auf drei Theoriemodelle, das transaktionale Stressmodell nach Lazarus, das Ressourcenerhaltungsmodell nach Hobfoll und die Gratifikationskrise nach Siegrist.

2.1. Transaktionistischer Ansatz von Lazarus

„Stress ist ein biochemischer Vorgang der nur im Kopf stattfindet, dieser wird hervorgerufen durch die Angst etwas nicht schaffen zu können. Stress wird nicht von jemand anderen hervorgerufen sondern immer nur von der gestressten Person selbst“ (Becker 1990, S. 23). Lazarus (1991) versteht unter Stress eine „prozesshafte wechselseitige Personen-Umwelt-Auseinandersetzung“ (Schwarzer 1993, S. 11). Demgemäß handelt es sich um einen Prozess, der zwischen der Umwelt und der Person stattfindet. Er definiert: “Stress is any event in which environmental or internal demands tax or exceed the adaptive resources of an individual, social system, or tissue system” (Lazarus & Launier 1978, S. 296). Daher werden die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man für die Anforderungen in der Umwelt benötigt in Frage gestellt. Die Stresstheorie beschreibt Einschätzungs- und Bewältigungsprozesse die eine Person einsetzt um eine problemhafte Situation zu bewältigen. Der Stressbegriff wird im psychologischen Bereich unterschiedlich beschrieben. Stress wird als ein Reiz thematisiert. Der Mensch reagiert auf die Umweltbedingungen mit einem Reiz, welcher bei der Person als ein Reflex (Verhaltensweise) freigesetzt wird. Im Vordergrund dieser Theorie steht der Umweltreiz. Diese Theorie kann jedoch ungenügend aufklären, warum der Mensch auf die gleichen Zustände anders reagiert (Selye 1981, S. 170). Lazarus kann jedoch mit seiner Stresstheorie diese Verhaltensweisen des Menschen beantworten, die nachfolgend erklärt werden soll.

2.1.1. Stressrelevante Personen-Umwelt-Beziehung

Wenn die Person eine Situation als stressreich oder belastend erfährt, so wird dieses Ereignis nach Lazarus als ein Einschätzungsprozess betrachtet. Nach Lazarus stellt die Transaktion eine dynamische Beziehung zwischen der Situation und der Person dar. Das Ereignis verändert sich, das Individuum fühlt, denkt und handeln, so dass eine Wechselwirkung zwischen dem Subjekt und der Situation erfolgt. Lazarus beschreibt in seinem Modell drei Kategorien die in stressreichen Situationen als Bewertung, eingeordnet werden. Empfindet das Individuum das erlebten Ereignis als stressreich, so beschreibt Lazarus die Einschätzung der Transaktion als Bedrohung, Schädigung/Verlust oder als Herausforderung an, um ein Problem zu lösen (Lazarus & Launier 1981, S. 226). Die stressreiche Bewertung wirkt sich somit auf das gegenwärtige und zukünftige Wohlergehen des Subjekts aus. Anhand eines Beispiels soll dies erläutert werden. Ein Schüler befindet sich zu Hause und holt seine Hausaufgaben heraus. Bewertet der Schüler die komplexen Hausaufgaben als eine Herausforderung, so würde dieser wahrscheinlich in die Aufgaben Anstrengung investieren, um diese fertig zu bringen. Würde der Gymnasiast die Aufgaben als Bedrohung bewerten, so würde er die Hausaufgaben eher ängstlich angehen und sich wahrscheinlich durch andere Reize ablenken lassen, sodass nur ein mangelndes Resultat erzielt werden kann. Des Weiteren soll die Frage geklärt werden, warum die Aufgabe als Bedrohung überhaupt angesehen wird. Der Schüler empfindet die Situation als bedrohlich, weil er eine peinliche Beschämung gegenüber seinen Mitschülern, eine negative Bewertung von dem Lehrer und den Eltern hervorsieht. Demzufolge stellt die leistungsbezogene Stresssituation für das Selbstwertgefühl einen Gefahr dar (Schwarzer 1993, S. 12). Hierbei kann man erkennen, dass eine Situation unterschiedlich bewertet wird und demnach auch mit verschiedenen Emotionen sowie Motivation verbunden ist. Lazarus sieht den Bewertungsprozess als Transaktionsprozess an, da die Person sowie die Situation sich wechselseitig beeinflussen und sich mit der Zeit verändern. Demnach kann eine Bewertung verschiedene Konsequenzen für weitere Handlungen auslösen. Erfolgt eine Reaktion auf eine Situation wird das Ereignis verändert und es erfolgt ein neues Verhalten. Der Stressverarbeitungsprozess nach Lazarus versucht das Verständnis von den interindividuellen Unterschieden zwischen Stresserleben und Einschätzungsprozess zu skizzieren. Nachfolgend soll der kognitive Einschätzungsprozess vermittelt und die interindividuellen Unterschiede von Stresserleben nach Lazarus dargestellt werden.

2.1.2. Stress als mehrstufiger Bewertungsprozess

Lazarus unterscheidet drei Stufen des kognitiven Einschätzungsprozesses:

1. Primärbewertung
2. Sekundärbewertung
3. Neubewertung

Bei der primären Bewertung wird die Personen-Umwelt-Auseinandersetzung von dem Individuum eingeschätzt, wie relevant die Situation für sein Wohlbefinden ist. Bei der sekundären Bewertung sind die persönlichen Ressourcen des Subjekts bedeutsam, um die stressbezogene Auseinandersetzung zu beenden. Die Bewertungen erfolgen allerdings nicht nach bestimmter Reihenfolge, diese stehen ständig im Wechsel zu einander und können sich gegenseitig beeinflussen oder überschneiden (Lazarus & Launier 1981, S. 233).

Lazarus beschreibt in seinem Modell noch eine weitere Einschätzung, die sich auch auf die Personen-Umwelt-Auseinandersetzung bezieht, jedoch zeitlich später erfolgt. Hierbei wird der Rückkopplungsprozess angesprochen, wenn das Individuum das eigene Verhalten und das veränderte Ereignis reflektiert (Neubewertung). Diese Bewertung hängt von den Vorerfahrungen des Individuums wie z.B. Fähigkeiten, Interessen oder von der Erziehung ab. Diese drei Situationsbewertungen kann man nach ihrer Funktion und dem Anfangspunkt der Information charakterisieren.

Bei der primären Einschätzung handelt es sich um Anforderungen, die das Subjekt an sich oder die Situation an das Individuum stellt, die sich auf das Wohlergehen einer Person auswirkt. Nach Lazarus kann demnach eine Situation nach drei Kategorien, nämlich irrelevant, positiv oder stressreich bewertet werden (ebd., S.234). Wirkt eine Anforderung auf die Person irrelevant, so ist die Situation für das eigene Wohlbefinden ungefährlich. Wird die Situation als positiv eingeschätzt, so würde das Subjekt keine Stresssymptome aufweisen, da kein Adaptionsbedarf notwendig ist, folglich wäre die Person zufrieden. Erst wenn die Person das Ereignis als stressreich empfindet, wird die stressbezogene Bewertung weiter differenziert in:

- Schaden/Verlust
- Bedrohung
- Herausforderung

In diesem Falle könnte das Wohlbefinden der Person beeinträchtigt werden, wenn diese keine Bewältigungsmaßnahmen ergreift. Unter Schädigung/Verlust versteht man eine Situation in der Vergangenheit, z.B. Tod einer nahstehenden Person. Ein Verlust ist bereits aufgetreten und kann zu negativen Emotionen beisteuern. Demnach steht im Vordergrund bei dem Subjekt nicht die Bewältigung des Stressors, sondern die Minimierung. Die Bedrohung stellt ein Erlebnis in der Zukunft dar, eine Gefahr, die noch nicht eigetreten ist. Diese kann demnach negativen Stress auslösen und Angstzustände hervorrufen. Bei der Herausforderung sieht das Subjekt die Transaktion als einen Erfolg an und verspricht sich von der Bewältigung einen Gewinn, der positive Gefühle freisetzt. Beispielsweise kann eine Prüfung von den Schülern als eine Bedrohung oder Herausforderung angesehen werden, überwiegen die negativen Emotionen, dann kann die Situation als bedrohlich gesehen werden und demnach zu einem negativen Ausgang führen. Wenn jedoch die Herausforderung überwiegt wird die Prüfung als eine Chance gesehen, um seine Fähigkeiten zu beweisen, sodass diese einen Erfolg oder einen Gewinn versprechen.

Beim Schaden und Verlust richten sich die Erinnerungen auf die Vergangenheit, die andere Emotionen auslösen können. Trauert der Schüler der Trennung seiner Eltern nach, so ist das Geschehen meist mit einem Stressfaktor verbunden (Lazarus 1981, S. 212). Lazarus geht also von der Annahme aus, dass positive emotionale Gefühle zum Wohlergehen des Menschen beitragen können und negative emotionale Reaktionen z.B. Wut, Angst, Eifersucht zur unangenehmen Gefühl beisteuern (Lazarus & Launier 1981, S. 234). Im Folgenden soll die primäre Einschätzung grafisch veranschaulicht werden, um die kognitiven Prozesse besser zu verstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Primärbewertung

Quelle: vgl. Lazarus 1981, S. 212

Die sekundäre Einschätzung erfolgt dann, wenn man auf Bewältigungsformen zurückgreift. Liegt eine primäre Bewertung vor, die als stressreich (Bedrohung, Verlust, Herausforderung) von dem Subjekt empfunden wird, so werden individuelle Bewältigungsmaßnahmen angeregt. Das Individuum greift auf seine eigenen Ressourcen zurück, indem es beurteilt, welche seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten ausreichen um die Situation zu beenden. Hierbei unterscheidet man zwischen den internen Ressourcen (Selbstwirksamkeitserwartung) oder die externen Ressourcen (soziale Unterstützung). Die primären und die sekundären Bewertungen können gleichzeitig, aber auch überlappend ablaufen, was in der folgenden Darstellung repräsentiert werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bewältigungsprozesse und Bewältigung

Quelle: vgl. Lazarus & Laurier 1981, S. 238

Im Mittelpunkt von Lazarus Theorie steht das rationale Stressverständnis. Lazarus und Folkmann definieren Stress wie folgt: “Psychological stress is a particular relationales between the person and the environment that is appraised by the person as taxing or exeeding his or her resources and endangering his or her well-being” (Lazarus & Folkmann 1984, S. 19). Die Definition von Stress besagt, dass wenn die persönlichen Ressourcen, die zur Situationsbewältigung gebraucht werden, einen niedrigeren oder gleich starken Einschätzungswert erhalten, dann kann das Wohlergehen des Subjekts negativ beeinflusst werden. Personen die ungenügend Ressourcen zu Verfügung haben sind leicht verwundbar, demnach erleben diese mehr Stress und können meistens mit konstruktiven Kritiken schlecht umgehen. Nachdem die Bewertungskonzepte nach Lazarus genau dargelegt wurden, soll im nachfolgenden Abschnitt beschrieben werden, wie sich ein Subjekt mit den Anforderungen im Leben auseinandersetzt. Der Bewältigungskonzept ist die Folge von den Einschätzungsprozessen, die auf Lösungsstrategien zurückgreifen, um die Bedrohung zu umgehen und eine positive Wendung, nämlich die Herausforderung zu schaffen (Schwarzer 1993, S. 15).

2.1.3. Bewältigung (Copings)

Bewältigung wird von Lazarus und Launier folgendermaßen definiert: „Bewältigung besteht sowohl aus verhaltensorientierten als auch intrapsychischen Anstrengungen, mit umweltbedingten und internen Anforderungen sowie den zwischen ihren bestehenden Konflikten fertig zu werden, die Fähigkeiten einer Person beanspruchen oder übersteigen“ (Lazarus & Laurier 1981, S. 244). Beide Psychologen beschreiben Coping als einen Belastungsprozess eines Individuums, der versucht die problemhaften Ereignisse zu vollenden. Die Psychologen verwenden den Begriff Bewältigung nur im Zusammenhang mit Stress. Lazarus unterscheidet zwischen zwei Bewältigungsformen:

- Problemorientierte (instrumentelle)- Änderung der gestörten Transaktion
- Emotionsorientierte (palliative)- Regulierung der Emotion

Weber skizziert die Begrifflichkeiten derart: „Problemfokussierte Bewältigung bezieht sich auf die Änderung der sachbezogenen Aspekte einer Belastung, emotionsfokussierte Bewältigung auf die Regulation belastende Emotionen“ (Schwarzer 1997, S. 289). Problemorientierung verfolgt das Ziel eine Belastungssituation zu lösen und das auftretende Problem zu verändern, z.B. für eine Klausur lernen, um sie zu bestehen. Bei der emotionalen Ebene geht es um die Linderung einer Anspannungssituation, eine Änderung des Gemütszustandes. Hat der Schüler beispielsweise Angst vor einem Gespräch mit seinen Eltern, so kann dieser sich selbst einreden, dass die bestehende Situation gar nicht so schlimm sei, hier findet ein Selbstberuhigungsprozess statt. Ebenfalls könnten auch Beruhigungstabletten eine Möglichkeit sein. Beispielsweise nimmt ein Schüler vor der Prüfung Beruhigungsmedikamente, d.h. jedoch nicht das damit das Problem gelöst sei, dieser kann die Klausur auch nicht bestehen. Die Folgen könnten sein, dass durch die tägliche Einnahme von Tabletten körperliche Schäden und auch psychische Spannungen entstehen. Insgesamt gibt es vier Copingsformen, die entweder problem-oder emotionsorientiert ausgerichtet sind:

- Informationssuche versucht Hinweise zu liefern, um das Affekt zu verändern oder eine Neubewertung vorzunehmen. Beispielsweise nach oder vor einer Klausurprüfung nach den Durchfallquoten recherchieren.
- Direkte Aktion stellt verschiedene Handlungsweisen dar, um den Stresszustand zu lösen. Beispielweise das Lesen eines für die Klausur relevanten Buches oder das Konsumieren von Alkohol um das Trauergefühl zu mindern.
- Unterdrückung von Handlungen d.h. Unterdrückung von Verhaltensimpulsen z.B. nach einer erkrankten Leberdiagnose mit dem Alkohol aufhören.
- Intrapsychische Copings fokussiert sich auf den kognitiven Prozess des Individuums z.B. Selbstberuhigung (vgl. Lazarus & Laurier 1981, S. 252-253).

Demzufolge ist festzuhalten, dass Lazarus die problem- und emotionsorientierten Bewältigungsstrategien beschreibt, die jedoch von jedem Menschen verschieden genutzt werden. Bewältigungsmuster werden zwar von dem Individuum eingesetzt, jedoch heißt es nicht, dass der Versuch das Problem zu lösen zum Erfolg führen kann. Dabei handelt es sich um einen Bewältigungsversuch zwischen der Umwelt und der Person. Außerdem kann es auch zu einem Rückkopplungsprozess durch die Aktion der Person auf die Situation kommen, sodass ein Ereignis verändert wird. Die Persönlichkeit wird dieses Problem neu einschätzen und neu darauf reagieren. Das transaktionelle Stressmodell nach Lazarus würde wieder von neuem beginnen, bis das Problem gelöst ist und die Person sich wohl fühlt (vgl. Schwarzer 1997, S. 268). Dieses wird als ein Kreislaufprozess bezeichnet, der sich solange fortsetzt bis die Persönlichkeit befriedigt ist. Nimmt eine bedrohliche Situation eine positive Wendung, so wird in der Zukunft ein ähnliches Stressereignis wenig gefahrvoll eingeordnet. Somit ist es wichtig zu unterscheiden, welche Erfahrungen und Erlebnisse ein Subjekt in seinem Leben macht, da diese sich immer neu auf seine Bewertungen und Reaktionen auswirken und die zukünftigen Ereignisse beeinflussen können. Die einzelnen komplizierten Verknüpfungen sollen nun in einem Modell veranschaulicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Stress und Coping aus transaktionaler Perspektive

Quelle: Schwarzer 2000, S. 16

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Stress erfahren wird, wenn das Subjekt die Situation als Verlust oder Bedrohung bewertet. Im Folgenden wird die Stresstheorie Ressourcenerhaltung nach Hobfoll erläutert, welche einen besonderen Wert auf den Ressourcengewinn setzt.

2.2. Die Theorie Ressourcenerhaltung nach Hobfoll

Ressourcen werden im Alltagsgebrauch als Hilfsmittel und Fähigkeiten betrachtet, die ein Mensch benötigt, um bestimmte Ziele zu verfolgen und problemhafte Situationen sowie Belastungen abzudämmen. Schwarzer (1987) definiert Ressourcen wie folgt: „Fähigkeiten und Fertigkeiten, über die das Individuum zu verfügen glaubt, wobei es bei der Bewertung der Umweltanforderungen und der eigenen Kapazitäten auf die subjektive Wahrnehmung und weniger auf die objektive Beschaffenheit der Reize ankommt“ (Grimm 1996, S. 32). Die Grundannahme der Ressourcenerhaltungstheorie nach Hobfoll ist, dass Personen danach streben die Ressourcen zu schützen und den Erwerb von neuen Ressourcen zu erhalten. Aus diesem Grund können problemhafte Situationen und daraus resultierenden Stressoren als hinderlich wirken. Hobfoll definiert Stress wie folgt: „Reaktion auf die Umwelt, in der der Verlust von Ressourcen droht, der tatsächliche Verlust von Ressourcen eintritt oder der adäquate Zugewinn von Ressourcen nach einer Ressourceninvestition versagt bleibt“ (vgl. Buchwald & Hobfoll 2004, S. 13). Wenn die Ressourcen verloren gehen oder bedroht sind, erfährt der Schüler negative Emotionen und fühlt sich gestresst. Demnach versucht das menschliche Wesen, den Verlust von Ressourcen zu vermeiden, da dies nach Hobfoll einen höheren Wert einnimmt als der Ressourcengewinn. Die Bedrohung von Ressourcen kann zukünftige Folgen bei dem Individuum auslösen, sodass dieser den belastenden Ereignissen mit reduzierten Bewältigungsstrategien entgegentreten muss. Ebenso könnte der Stress durch misslungene Investition in die eigenen Bewältigungsmaßnahmen ausgelöst werden, da trotz aktiven Einsatzes kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wird. Die Persönlichkeit kann das Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren, was eine negative Auswirkung auf das Leben haben kann. Hobfoll setzt also sein Akzent auf die Stressbewältigung und die Beweggründe in den Vordergrund. Seine Theorie geht davon aus, dass eine Person erst dann gestresst ist, wenn diese eine Bedrohung oder Verlust von Ressourcen erfährt. Er sieht nicht wie Lazarus den Verlust in der Bedrohung, Schädigung oder Herausforderung, sondern in dem Verlust von Ressourcen, die zu Stress führen können. Dieser versteht unter Ressourcen Objekte, Persönlichkeitsmerkmale, Bedingungen und Energie, die notwendig erscheinen, um Stress abzubauen und neue Ressourcen zu gewinnen (Schwarzer 2000, S. 19). Je mehr das Subjekt an Ressourcen verfügt, desto besser ist das Individuum für das Leben vorbereitet, um es zu bewältigen, man spricht von einer Gewinnspirale. Im Gegensatz dazu gibt es Menschen die wenige Ressourcen zu Verfügung haben, diese sind beim Ressourcenverlust verletzlicher und haben immer weniger Fähigkeiten, um dem Stress entgegenzuwirken. In diesem Falle spricht man von der Verlustspirale (siehe Abb. 4). Im Folgenden sollen die Ressourcen nach Hobfoll genauer erläutert werden: (ebd.).

Mit Gegenständen sind Objekte gemeint wie Autos, Kleidung, Haus und Nahrungsmittel. Diese Gegenstände repräsentieren den Besitz einer Person und die Vielfalt seiner Objektressourcen, die sogenannten materiellen Ressourcen. Beispielweise ist es angenehm eine Wohnung oder ein Haus zu haben, weil man ein Dach über den Kopf besitzt. Ebenfalls dient das Auto als ein bequemes Transportmittel um z.B. Einkäufe oder diverse Termine zu erledigen. Unter den Bedingungsressourcen ordnet Hobfoll den Familienstand, den Beamtenstatus, die Selbstbestimmung und die Staatsbürgerschaft ein. Hierzu zählen also keine materiellen Inhalte, sondern der Lebensstatus des Menschen. Zu den Persönlichkeitsmerkmalen zählen: Sozialkompetenz, Empathie, Verantwortungsbewusstsein, also stabile Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie individuelle Überzeugungen. Wenn eine Persönlichkeit intelligent, optimistisch oder begabt ist, hat diese gute Chancen, um gegen die Widerstände des Lebens vorzugehen. Hierzu zählen auch Gefühle, wie Liebe und Wertschätzung. Die Energieressourcen umfassen solche Ressourcen wie Zeit, Geld und Wissen. Diese erfüllen eine Hilfefunktion indem sie eine Öffnung zu anderen Ressourcen ermöglichen. Die Energieressourcen sind mit anderen Gegenstände oder Bedingungen, die man in bedrohlichen Situationen braucht konvertierbar (auswechselbar, vertauschbar), (Schwarzer 2000, S. 19-20). In der Abbildung soll das komplexe Modell von Hobfoll veranschaulicht werden.

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Abbildung 4: Ressourcenerhaltungsmodell

Quelle: Lanz 2010, S. 36; nach Sven Hobfoll, 1988

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Titel: Daily Hassles und Daily Uplifts von Schülerinnen und Schülern im Primarbereich