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Die Frage der Übersetzbarkeit in der Filmsynchronisation, insbesondere in Komödien, im deutsch-französischen Sprachvergleich

Hausarbeit 2011 39 Seiten

Romanistik - Französisch - Sonstiges

Leseprobe

Vorwort

Einleitung

1 Die Frage der Übersetzbarkeit
1.1 Bogriffsklärung
1.2 Ebenen der Übersetzung
1.3 Übersetzen vs. Übertragung

2 Das Übersetzen von Komik
2.1 Mehrdeutigkeit
2.1.1 Homonymie und Polysemie
2.1.2 Homophonie und Homographie
2.2 Wortspiele
2.3 Metaphern und Symbole
2.4 Anforderungen an den Übersetzer von Komik
2.4.1 Humour Translation Competence
2.4.2 Audiovisual Humour Translation Competence

3 Übersetzung von Filmen
3.1 Arten der Filmübersetzung
3.1.1 Untertit clung
3.1.2 Voice-Over
3.1.3 Simuli anvordolmotschung
3.1.4 Synchronisation
3.2 Audiovisuelle Synchronität
3.2.1 Visuelle Synchronität
3.2.1.1 Lippensynchronität
3.2.1.2 Silben- und Lückensynchronität
3.2.1.3 Paralinguistischo Synchronität
3.2.2 Auditive Synchronität
3.2.2.1 Idiosynkratischo Stimmen
3.2.2.2 Prosodischc Elemente

4 Herausforderungen der Filmübersetzung
4.1 Das Komische im Film
4.1.1 Visuelle Komik
4.1.2 Auditive Komik
4.1.3 Audiovisuelle Komik
4.2 Kulturspozifika im Film
4.2.1 Eigennamen
4.2.2 Sprichwörter
4.3 Fremdsprachen im Film
4.3.1 Andere Sprachc(n) in der Originalfassung
4.3.2 Zielsprache in der Originalfassung
4.3.3 Schriftsprache im Film
4.4 Dio Rollo dos Übersetzers in der Filmsynchronisation
4.4.1 Vom Drehbuch zum synchronisierten Film
4.4.1.1 Die Rohübersetzung
4.4.1.2 Die Synchronübersetzung
4.4.1.3 Das Dialogbuch
4.4.2 Der niedrige Stellenwert des Übersetzers
4.4.3 Der Übersetzer als Überträger

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Primärquellen
Sekundärliteratur
Wörterbücher und Nachschlagewerke

Vorwort

Dio Übersetzung von Filmen ist aus der heutigen deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Es werden immer mehr Filme und Serien produziert, um nicht nur die Kinos, sondern auch die wachsende Zahl von Fernsehprogrammen1 zu bedienen. Die in Deutschland am häufigsten zur Übersetzung von Filmen genutzte Methode ist die Synchronisation - und das schon seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Dennoch hat eine übersetzungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser praktischen Tätigkeit im großen - und stetig wachsenden - Feld der audiovisuellen Übersetzung2 erst ab dem Ende des letzten Jahrhunderts begonnen.3

In dieser Arbeit liegt der Fokus auf einer übersetzungswissenschaftlichen Fragestellung, die schon seit langem diskutiert wird ohne dabei zu einer annäherend einheitlichen Ansicht ge­kommen zu sein: die Frage der Übersetzbarkeit. Da die Übersetzung von Filmen deutlich mehr Restriktionen unterliegt als die Übersetzung von schriftlichen Texten, gestaltet sich die Thema­tik in diesem Sektor als noch komplexer. Ein weiteres Forschungsgebiet, in dem die Frage der Übersetzbarkeit immer wieder aufkommt sind die sog. „Humour Studies“, deren Untersuchungs­gegenstand das Komische bildet und die sich etwa zur gleichen Zeit wie die Beschäftigung mit audiovisueller Translation zu einem eigenen - größer werdenden - Forschungsgebiet entwickelt haben4. Die Frage der Übersetzbarkeit wird in dieser Arbeit mit der Filmübersetzung sowie der Übersetzung des Komischen zusammengeführt. woraus sich „Die Frage der Übersetzbarkeit in der Filmsynchronisation, insbesondere in Komödien“ ergibt. Hierbei spielen sowohl die theo­retischen übersetzungswissenschaftlichen Grundlagen als auch deren Umsetzung in der Praxis, d.h. innerhalb des Prozesses der Synchronisation, eine Rolle.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

1 Übertragung und Übersetzen innerhalb der drei Ebenen der Sprache

2 Mehrdeutigkeit und ihre Ausprägungen

3 Audiovisual Humour Translation Competence

4 Le grand blond avec une chaussure noire, [36:26]

5 La cité de la peur, [20:37]

6 Le Grand Restaurant, [08:20]

7 Die fabelhafte Welt der Amélie, [1:13:24]

8 Die fabelhafte Welt der Amélie, [1:41:19]

Tabellenverzeichnis

1 Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain, [53:28]

2 Ta,xi, [04:50]

3 Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain, [04:19]

4 Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain, [57:18]

5 Taxi, 11:05:57]

6 Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain, [1:43:21]

7 Taxi, [51:24]

Einleitung

Dio Frage dor Übersetzbarkeit, auf dio os oirio Vielzahl miteinander unvereinbarer Antworten gibt, zu denen u.a. diejenige der Uriübersetzbarkeit zählt, soll den Gegenstand dieser Arbeit darstellen. Außerdem soll sie für den speziellen Fall der Filmübcrsctzung, insbesondere der Syn­chronisation von Komödien, beantwortet werden.

Auf der Grundlage des Modells der drei Ebenen der Sprache von Eugcrnio Coscriu soll ge­klärt werden, wie und was im Allgemeinen übersetzt wird. Anschließend wird dieses theoretische Fundament um die Übersetzung von Komik erweitert. Nach einem Überblick über die verschie­denen Arten von Filmübcrsctzung und der Vorstellung der Einschränkungen und Regeln, denen die Synchronisation unterliegt, werden die Herausforderungen der Filmsynchronisation an Bei­spielen aus französischen Spielfilmen verdeutlicht.

Dieser Vielzahl von Herausforderungen gilt cs sich als Übersetzer - mit Kreativität und Einfallsrcichtum sowie den notwendigen sprachlichen und kulturellen Kenntnissen gewappnet - zu stellen. Die Notwendigkeit schöpferischen Geistes für eine gelungene Übersetzung macht diese Tätigkeit zu einer Kunst. Die dafür ebenso erforderlichen Kenntnisse von Sprache und Kultur werden dem angehenden Übersetzer während seines Studiums vermittelt, wodurch er sich grundsätzlich zum Übersetzen von Filmen qualifiziert. Für die Übersetzung von Komödi­en bedarf cs noch weiterer Kompetenzen, die ein Übersetzer mitbringon muss und die sich im Groben als Gespür für das Komische beschreiben lassen.

Vereint ein Übersetzer alle diese Kompetenzen in sich, ist er für die Übersetzung von Ko­mödien hervorragend geeignet, doch leider erlauben die in der Branche der Filmübcrsctzung etablierten Strukturen cs dem hochqualifizierten Übersetzer nicht, seine Fälligkeiten anzuwen­den. Statt eine Kunst auszuüben, führt der Übersetzer innerhalb des Prozesses der Filmsynchro­nisation eine unbefriedigende Tätigkeit aus, für die er weder viel Ansehen noch viel Geld erntet.

Diese niedrige Stellung des Übersetzers in der Synchronisât ion von Filmen wird weiter auf- goschlüssolt, um letzt endlich eine effizientere Gestaltung des Prozesses der Filmsynchronisation vorzuschlagon, die die Qualität der Filme positiv beeinflusst und die Arbeit als Übersetzer innerhalb dieser Branche attraktiver macht.

1 Die Frage der Übersetzbarkeit

Bevor auf die Frage der Übersetzbarkeit eingegarigeri wird, soll zuerst die gewählte Begrifflichkeit erläutert und abgegrenzt werden, um mögliche Verwirrung auszuschließen.

1.1 Begriffsklärung

„Die Frage der Übersetzbarkeit:' wird teilweise auch als „Uriübersetzbarkeit:"5 bezeichnet.6 7 Al­lerdings ist dieser Ausdruck - neben der Tatsache, dass er sich als freie Ableitung des Adjektivs unübersetzbar in keinem Wörterbuch befindet" - irreführend und enthält die negative Korrno- tation der initialen Annahme einer Unmöglichkeit der Übersetzung. Um die Möglichkeit der Übersetzbarkeit nicht von Anfang an auszuschließen. wurde hier die offeriere Frage der Über­setzbarkeit gestellt, auf welche im Folgenden näher eingegarigeri werden soll.

1.2 Ebenen der Übersetzung

Um herauszufriden. ob es tatsächlich nicht übersetzbare Wörter. Ausdrücke. Wortfelder. Gat­tungen o.ä. gibt, muss man sich darüber im Klaren sein.

- was Übersetzen bedeutet,
- was genau übersetzt wird und
- wie übersetzt wird.

Das Modell der drei Ebenen der Sprache von Eugenio Coseriu soll hierüber Aufschluss geben. Es gliedert die Sprache in die allgemeine, die historische und die textbezogene Ebene.

Die allgemeine Ebene der Sprache ist, wie man aus ihrer Betitelung abzuleiten vermag, allge­mein gültig - bezieht sich auf alle Sprachen der Welt. Die Funktion der Sprache, die „als eine Art sprachlichen Inhalts angesehen werden [kann]“8 - die Bezeichnung - ist hier einzuordrieri. Die Ebene der historischen Sprache befindet sich auf dem Niveau der Einzelspracheri: sie ist daher explizit nicht allgemein gültig. Die Bedeutung, welche „eine besondere Form des sprachlichen Inhalts“9 darstellt, b]efndet sich auf dieser idiomatischen Stufe. Eine konkrete Realisierung von Sprache, d.h. ein Text, wird von der textbezogenen Ebene vorausgesetzt. Sie beinhaltet die wichtigste Funktion: „die Gesamtheit dessen, was gerade durch den Text und nur durch den Text verstanden wird“10 - den Sinn.

Um diese Ebenen besser zu verstehen, sollen sie an einem praktischen Beispiel aus der Über­setzung Deutsch-Französisch/Französisch-Deutsch verdeutlicht werden. Hierzu nehmen wir den Ausruf Guten Morgen, welcher eine konkrete Realisierung von Sprache - und damit ein Text - ist. Auf Ebene der Bedeutung sind uns damit zwei Worte gegeben: gut (en) und Morgen. Die Bezeiclmug drückt den allgeriieirigültigeri, d.h. für jeden beliebigen Sprecher der Welt verständ­lichen, sprachlichen Inhalt aus: für gut ebenfalls gut11 und für Morgen die Tageszeit zwischen Worin dio12 Frago dor Üborsotzbarkoit damit boantwortot wird, dass os Wort or gibt, dio nicht üborsotzbar sind, bozioht sich dioso Anssago auf dio Ebono dor Bodoutung, d.h. auf dio in don Einzolsprachon oxistonton Roalia. Problomo orgobon sich hierbei, wenn die beiden Sprachen, zwischen denen übersetzt werden soll, nicht über die selben Realia verfügen. Aus dieser Per­spektive „unübersetzbare Wörter' sind z.B. dt. gemütlieh13 oder frz. esprit. Dieser Annahme von nicht übersetzbaren Wörtern gegenüber steht jedoch der Übersetzer, der offensichtlich in der Lage ist. diese Wörter dennoch in die jeweils andere Sprache zu überführen. Warum? Weil er eben nicht auf der Ebene der Bedeutung arbeitet, sondern auf der Ebene der Bezeichnung und des Sinns. „Nur Texte werden übersetzt:'14 und daher liegt es nahe auf der Ebene des Textes zu Übersetzen und dabei die Ebene der „Welt“ zu Hilfe zu nehmen.

Für das oben genannte Beispiel ergibt sich daraus folgendes:

Auf der Ebene der Bedeutung lautet die korrekte Übersetzung von Guten Morgen ins Französi­sche „Bon matin". Dennoch ist die richtige Übersetzung eine andere. Betrachtet man den Sinn des Textes und den Kontext, in dem er geäußert wird, ergibt sich daraus, dass er im Deutschen um die Tageszeit zwischen dem Sonnenaufgang und der Erreichung des höchsten Sonnenstandes benutzt wird, um jemanden zu (be)grüßen. Überträgt, man diese Funktion der Aussage stellt man fest, dass ein Franzose zur gleichen Tageszeit mit Bonjour grüßt. Andersherum kann der französische Text Bonjour auch nicht ohne weiteres mit „Guten Tag" ins Deutsche übersetzt werden, es sei denn, er wird zwischen der Mittagszeit und dem Anbruch des Abends geäußert.

1.3 Übersetzen vs. Übertragung

Die Unterscheidung der zwei verschiedenen Prozesse Übersetzen und Übertragung ist sehr wich­tig. Denjenigen Prozess, der lediglich Äquivalenzen auf der Ebene der Bezeichnung feststellt und sich damit auf „eine rein technische Tätigkeit"15 beschränkt, nennt Coseriu Übertragung. „fDjas ‘ÜbersetzenfHervorhebung durch den Verfasser]’ hingegen ist eine komplexe Tätigkeit, die bei weitem nicht nur aus Übertragung besteht, ja oft sogar gerade Nicht-Übertragung sein kann bzw. muß [sie]."16 Im Gegensatz zur Übertragung, welche in rationaler Hinsicht unmöglich ist. kennt das Übersetzen nur empirische Grenzen, die nicht etwa für jede beliebige Sprache, sondern nur für einzelne Sprachen (bzw. Sprachpaare. Sprachgemeinschften oder Texte) gel­ten. Wenn der Übersetzer auf die rational unmögliche Übersetzung trifft, zeigt, sich wwrurn das Übersetzen eine „Kunst."17 ist: die Erschaffung von Neuem ist. Bestandteil des Übersetzens. Durch Entlehnungen, Nachahmungen, Anpassungen, Übernahmen usw. werden vorher nicht, in der Zielsprache existierende Realia - und damit Entsprechungen zur Ausgangssprache - geschaf­fen. Wenn es sich um vorhandene Wörter handelt, mit denen weniger Tatbestände verknüpft, sind als in der Ausgangssprache, kann diese Lücke in der Zielsprache durch Erklärungen und Kommentare des Übersetzers geschlossen werden.18 Den Unterschied zwischen der Kunst, des Übersetzens und der Technik der Übertragung soll Abb. 1 nochmals verdeutlichen.

Dass dio Übersetzung Grenzen hat, auf dio man bspw. in Wortspielen19 odor Poosio trifft, worin man sich zwischen dom Sinn, der Form und der Bezeichnung entscheiden muss, ist oin Fakt. Allerdings kann auch in schwierigen Fällen eine gelungene Übersetzung das Resultat sein, wenn der Übersetzer genug Zeit hat, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und so die passenden Entsprechungen außerhalb der Bezeichnung zu finden. „There may be instances when a good translation, far from being inferior to the original, may be superior to it.“ (Knight 1989:107)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Einordnung von Übertragung und Übersetzen in die drei Ebenen der Sprache. Während sich die Übertragung auf eine der drei Ebenen beschränkt und dabei le­diglich die Bedeutung der Ausgangssprache (Bedeutungi) und die der Zielsprache (Bcdcutung2) berücksichtigt, bezieht das Übersetzen alle Ebenen des Modells mit ein und legt den Fokus da­bei auf den Sinn. Die Botschaft des Textes wird unter Berücksichtigung der äußeren Umstände (Kontext) extrahiert und die Bedeutung in der Zielsprache, basierend auf dieser Botschaft und unter Zuhilfenahme der Bezeichnungsebene, gewählt.

2 Das Übersetzen von Komik

Auch in der Übersetzung von Komik spielt die Frage der Übersetzbarkeit eine große Rolle und wird oft mit pessimistischen Augen betrachtet. So auch von Reboul: „La première caractéristique des figures de mots est qu’elles sont intraduisibles, à moins qu’on ne trouve par hasard leur équivalent dans une autre langue“ (1993:37). Diese These kritisiert Laridheer in seinem 1989 in der Übersetzerzeitschrift Meta erschienenen Aufsatz über die Ambiguität und widerlegt sie anschließend anhand von Beispielen gelungener Übersetzungen, wobei er zu dem Schluss kommt, dass eine angemessene Übersetzung von Mehrdeutigkeit als eine Ausprägung des Komischen in 80 bis 90% der Fälle möglich ist20. Laroches Aufsatz in der selben Zeitschrift stellt sogar die grundsätzliche Übersetzbarkeit von Komik fest, indem er schreibt: „tout [Hervorhebung im Original] peut se traduire, y compris l’humour“(Laroche 1989:15). Die Mehrdeutigkeit, uni die es in Landheers Aufsatz geht, kann als eines der wichtigsten Elemente bei Witzen betrachtet werden.21

2.1 Mehrdeutigkeit

,,[L f ambiguïté [Hervorhebung im Original] est en général considérée (...) comme un des grands obstacles de la traduction (...) parce que c’est elle qui est à la base, le plus souvent, du discours humouristique“ (Laridheer 1989:34). Um Mehrdeutigkeit übersetzen zu können, muss man sie zuerst aus mehreren Perspektiven betrachten: auf dem Niveau des Gesagten, aus der Sicht des Senders22 und aus der Sicht des Empfängers23. Die Mehrdeutigkeit des Gesagten kann a) so­wohl im Mündlichen als auch im Schriftlichen, b) nur im Miidlichen oder c) nur im Schriftlichen zum Ausdruck kommen. Der Sender kann beabsichtigte Mehrdeutigkeit verwenden, allerdings ist es ebenso möglich, dass ungewollte Mehrdeutigkeiten Einzug in den Text erhalten. Was den Rezipienten - also den Übersetzer - angeht, so gilt es für ihn die Mehrdeutigkeit zu erkennen und anschließend festzustellen, ob sie gezielt oder aus Versehen benutzt wurde.24

Die Differenzierung zwischen intendierter und zufälliger Mehrdeutigkeit ist ausschlaggebend für die Übersetzung des Textes. Im Falle der unbeabsichtigten Mehrdeutigkeit, welche im Nor­malfall das Verständnis erschwert, ist vom Übersetzer die naheliegendste Möglichkeit zu wäh­len, wobei die Übersetzung keine Mehrdeutigkeit mehr enthalten soll: es wird „korrigierend“25 übersetzt. Ist die Mehrdeutigkeit hingegen bewusst eingesetzt, darf sie in der Zielsprache nicht verschwinden, da dieser Umstand immer mit einem Verlust gleichgesetzt werden muss26. Dabei wird kein in der Zielsprache identisches Synonym benutzt27, sondern eine in ihrer kommunika­tiven Funktion analoge Übersetzung gesucht28.29

2.1.1 Homonymie und Polysemie

Innerhalb der Mehrdeutigkeit gilt es zwischen ihren beiden Ausprägungen. Homonymie und Polysemie, zu unterscheiden. Hierzu gibt es verschiedene Ansätze, wobei die etymologisch be­dingte Mehrdeutigkeit und die durch die Wortverwandschaft begründete Mehrdeutigkeit die am häufigsten vertretenen Kriterien sind. Da es in dieser Arbeit nicht primär um Mehrdeutigkeit geht, soll die folgende einfache Definition genügen, die „eine semantische Differenz von zwei Bedeutungen eines Lexems [als Ausgangspunkt]“ (Kaltenhäuser 2008:8) wählt:

Ist die Kombination mindestens zweier Sememe semantisch disjunkt, liegt ein Fall von Homonymie vor.30 Teilen die betreffenden Sememe hingegen mindestens ein semantisches Merkmal, handelt es sich um Polysemie.

2.1.2 Homophonie und Homographie

Die Homonymie kann auf Wortformebene nochmals in zwei Gruppen unterteilt werden: die Homophonie beschreibt die phonetische, d.h. klangliche, Gleichheit zweier Homonyme und die Homographie bezeichnet die gleiche Schreibweise von Homonymen bei unterschiedlicher Aus­sprache. Ein Homonym kann homophon, homograph oder homophon und homograph sein. Ho­mophonie führt zu mündlicher, Homographie zu schriftlicher Mehrdeutigkeit. Das Resultat der Kombination aus beiden ist die mündliche und schriftliche Mehrdeutigkeit.31 Diese Aufspaltung des Begriffs der Mehrdeutigkeit wird in Abb. 2 visualisiert32.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: L’ambiguïté. Die Teilbereiche der Mehrdeutigkeit

2.2 Wortspiele

Sehr viele Arten des Wortwitzes greifen für die Erzeugung von Humor auf Polyseme und Hom­onyme zurück, was deren Teilhabe am Komischen erneut betont. Ihre Übersetzung erweist sich als Herausforderung, da nicht universell erwartet werden kann, dass sie ohne weiteres funktio­niert (auch nicht innerhalb eines bestimmten Sprachpaares!). Nachdem also davon ausgegangen werden muss, dass die Übersetzung immer eine Veränderung mit sich bringt, stellt sich als lo­gische Konsequenz die Frage nach denjenigen Eigenschften, die Ausgangstext und Übersetzung teilen sollen - „die Frage nach der Invarianz [Hervorhebung im Original]“ (Schreiber 1993:30).

„Invarianz [Hervorhebung im Original] bedeutet (...) ‘Gleichheit’ “ (Albrecht 2005:34) und beinhaltet die sog. Invarianten („das, was in einem Veränderungs- oder Umwandlungsprozofi [sic] gleichbleibt“33 ).

[...]


1 2002 lag dio Zahl der europäischen Fernsehsender bei über 1500; vgl. Gambier (2007:155)

2 in englischsprachiger literatur ,gWT“ (— audiovisual translation); frz. „TAV“ (— traduction audiovisuelle)

3 “vgl. Díaz Cim as (2009:1)

4 “Einen ausführlichen Einblick in die Übersetzung des Komischen bietet die Dissertation von Santana Lopez (2006)

5 “vgl. Díaz Cim as (2009:1)

6 “u.a. in Koller (1972:75), Turk (1993:X1)

7 andere Termini sind „Übersetzbarkeit“ (z.B. von Wienen (2006), Koller (1972:74üj), „Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzung“ (z.B. Gii (1999)), u.ä.

8 s. z.B. Scholze-Stubenrecht (1999:4146)

9 »Goseriu (2007:63)

10 HGoseriu (2007:63)

11 luGoseriu (2007:63)

12 nes ist möglich, dass Bezeichnung und Bedeutung zusammenfallen, vgl. Goseriu (1981:32)

13 JGrundgerüst dos Beispiels entlehnt aus Coseriu (1981:31); ergänzt und erweitert durch den Verfasser 1:1 vgl. Coseriu (1981:30)

14 [im Original Hervorhebung] Coseriu (1981:31)

15 Coseriu (1981:421)

16 Coseriu (1981:43)

17 Coseriu (1981:42)

18 vgl. Coseriu (1981:43)

19 behandelt in Kapitel 2

20 behandelt in Kapitel 2

21 vgl. Landhoor (1989:34)

22 d.h. aus dor Sicht dos Autors

23 also dos Übersetzers

24 behandelt in Kapitel 2

25 vgl. Landhoor 1989:341

26 vgl. Landhoor 1989:341

27 behandelt in Kapitel 2

28 ’“Landhoor (1989:35): „traduction «correctrice»“

29 (is. Landhoor (1989:36)

30 behandelt in Kapitel 2

31 selbstverständlich ist es möglich, dass es ein identisches Synonym gibt, dass sieh als funktional äquivalent herausstellt, hiervon wird jedoch nicht standardmäßig ausgegangen (dabei handel es sieh eher um den von Reboul erwähnten Zufall, s. erstes Zitat in Kapitel 2)

32 Auf der Grundlage des 1. Kapitels lässt sieh also feststellen, dass Landheer (nach Coseriu)

33 ““Albrecht (2005:33)

Details

Seiten
39
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656078036
ISBN (Buch)
9783656078906
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183088
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Translationswissenschaft Filmsynchronisation Rolle des Übersetzers Übersetzen Komik Übertragen Audiovisual Humour Translation Competence Filmübersetzung Synchronität Kulturspezifika Translatorische Herausforderungen Rohübersetzung

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Titel: Die Frage der Übersetzbarkeit in der Filmsynchronisation, insbesondere in Komödien, im deutsch-französischen Sprachvergleich