Lade Inhalt...

Deutschland in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre

Seminararbeit 2009 29 Seiten

VWL - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wirtschaftliche Ausgangssituation
2.1 Landwirtschaft
2.2 Industrie
2.3 Banken- und Kreditwesen
2.4 Zwischenfazit

3. Ursachen der Wirtschaftskrise
3.1 Exogene Ursachen
3.2 Endogene Ursachen

4. Verlauf und Auswirkungen der Krise
4.1 Bankenkrise
4.2 Preisentwicklung
4.3 Entwicklung der Produktion
4.4 Entwicklung der Zinssätze
4.5 Weitere Daten zur konjunkturellen Entwicklung

5. Wirtschaftspolitische Reaktionen
5.1 Die Politik des Kabinetts Brüning
5.2 Überwindung der Krise

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verschuldung der deutschen Landwirtschaft 1925 bis 1930 (in Millionen RM)

Tabelle 2: Verschuldung deutscher Agrarbetriebe am 1. Juli 1929 (in RM/ha)

Tabelle 3: Prozentsatz der mit Verlust arbeitenden oder mit Zinszahlungen in Höhe von mehr als 105% ihres Nettoertrags belasteten Agrarbetriebe am 1. Juli 1929 (in %)

Tabelle 4: Index der deutschen Industrieproduktion, 1928 = 100

Tabelle 5: Investitionen der deutschen Volkswirtschaft 1924 bis 1928

Tabelle 6: Indikatoren eines Konjunkturumschwungs

Tabelle 7: Indexziffern der Aktienkurse: 1924/26 = 100 Jahresdurchschnitte

Tabelle 8: Übersicht über den Preisrückgang, 1928 bis 1932

Tabelle 9: Bruttowert der Industrieproduktion in Deutschland in Mrd. RM

Tabelle 10: Indexziffern der deutschen Warenproduktion 1925 bis 1932: (Preisbereinigt 1927/29 = 100)

Tabelle 11: Die Volkswirtschaftlichen Investitionen und Neuemissionen von Aktien in Deutschland, 1928 bis 1932

Tabelle 12: Rendite festverzinslicher Wertpapiere in Deutschland in Prozent

Tabelle 13: Konjunkturelle Entwicklung im Deutschen Reich, (1928 = 100)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Weltwirtschaft, die sich gerade erst von der schweren Finanz- und Bankenkrise aus dem Jahre 2008 zu erholen scheint, sieht sich gegenwärtig mit einer nahezu weltweiten Verschuldungskrise konfrontiert, deren Ausgang und Auswirkungen noch völlig unüberschaubar sind. Schon in der schweren Krise von 2008 wurde des Öfteren der Vergleich mit der Großen Depression, der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, bemüht, um mögliche Ähnlichkeiten herauszustellen, vor bereits begangenen Fehlern in den 30er Jahren zu warnen oder um mögliche Auswirkungen und Folgen darzustellen. Massenarbeitslosigkeit und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten prägten das Bild der damaligen Krise. Von einem solchen Schicksalsschlag blieben Deutschland und die übrigen Industriestaaten nach der Krise von 2008 glücklicherweise verschont. Gezielte politische Reaktionen haben dazu beigetragen, dass sowohl der Anstieg der Arbeitslosigkeit als auch der allgemeine Wirtschaftsabschwung sich in gemäßigten Formen entwickelte und nicht in einer tiefen Depression endete.

Im Gegensatz dazu steht die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Die Menschen erfuhren einen nie da gewesenen Verlust ihres Wohlstandes bis hin zum Verlust ihrer kompletten Existenzgrundlage. Eine Intervention des Staates, wie es heute üblich ist, war nach damaligen Vorstellungen nicht möglich. In den USA aber auch vor allem in Deutschland waren die Auswirkungen der Krise demnach verheerend. Zudem wird sich zeigen, dass Deutschland besonders schwer von der Krise erfasst wurde, weil eine Vielzahl von krisenverstärkenden Ereignissen gleichzeitig zusammenkam.1

Warum es zu dieser wirtschaftlichen Katastrophe in Deutschland gekommen ist und welche Auswirkungen sie auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche hatte, soll in dieser Arbeit dargestellt werden. Neben den Ursachen und dem Verlauf der Krise wird untersucht, welche wirtschaftspolitischen Reaktionen unternommen wurden, um der Krise entgegenzuwirken.

Dazu wird zu Beginn im Kapitel 2 die wirtschaftliche Ausgangsituation in den drei Wirtschaftssektoren dargestellt. Im Kapitel 3 werden die exogenen und endogenen Ursachen der Wirtschaftskrise präsentiert. Kapitel 4 gibt einen Überblick über den Verlauf der Krise anhand von ausgesuchten Wirtschaftsindikatoren. Die wirtschaftspolitischen Reaktionen und deren Auswirkungen werden in Kapitel 5 vorgestellt. Den Abschluss dieser Arbeit stellt Kapitel 6 dar. Es fast die gesammelten Ergebnisse zusammen und gibt eine abschließende Schlussbetrachtung.

2. Wirtschaftliche Ausgangssituation

Um den Verlauf der Weltwirtschaftskrise in Deutschland darzustellen, bedarf es einer Aufführung der wirtschaftlichen Ausgangslage der verschiedenen Wirtschaftssektoren, der Landwirtschaft-, der Industrie- und des Dienstleistungssektors.

2.1 Landwirtschaft

Die Landwirtschaft litt stark untern den Folgen des 1. Weltkriegs und der darauf folgenden Inflation. Die Erträge pro Hektar waren auf das Niveau des Jahres 1900 gesunken. Neu entwickelte Anbaumethoden waren in Deutschland noch unbekannt, notwendige Modernisierungen wurden verhindert und durch die weiterhin verordnete Zwangsbewirtschaftung entstand ein Investitionsstau. Die Schulden der Landwirte wurden durch die Inflation auf der einen Seite zum Großteil beseitigt, viel schwerer wirkte jedoch, das auf der anderen Seite die Ersparnisse ebenfalls von der Inflation zerstört wurden. Folglich fehlte es an Geldkapital, um notwendige Investitionen vorzunehmen. Die Stabilisierung der Währung war ebenfalls nicht in der Lage das Leid in der Landwirtschaft zu beenden. So wurde die letzte Ernte des Jahres 1923 zu einem Zeitpunkt verkauft, in dem die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hatte. Der Wert der Einnahmen fiel somit umgehend der Inflation zum Opfer.

Mit der Stabilisierung, die einher ging mit einem umfassenden Steuerprogramm, wurde der Landwirtschaft eine hohe steuerliche Belastung auferlegt. Die Steuerlast lag schätzungsweise, zwischen 1924 bis 1930, um das 3,7fache höher als vor dem Krieg. Die Zeiten der steuerlichen Begünstigung, die die Landwirte aus dem Kaiserreich gewohnt waren, waren damit beendet und sorgten für große Bestürzung im Landwirtschaftsektor. Um sowohl die anfallenden Steuern zu bezahlen als auch Saatgut, Kunstdüngern und moderne Landwirtschaftsmaschinen zu kaufen, nahmen die Landwirte im großen Umfang Kredite auf. Demnach stieg, auch auf Grund eines hohen Zinsniveaus, die Verschuldung in der Landwirtschaft innerhalb eines kurzen Zeitraumes wieder rasch an (siehe Tabelle 1).2

Tabelle 1: Verschuldung der deutschen Landwirtschaft 1925 bis 1930 (in Millionen RM):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus James (1988), S. 250.

Die arglose Aufnahme von überwiegend kurzfristigen Krediten war verbunden mit der Erwartung einer in naher Zukunft wieder eintretenden großen Inflation, welche die Schulden ein weiteres Mal beseitigen sollte, und von sinkenden Zinssätzen. Dies hatte zur Folge, dass Kredite in Höhe von 5 Mrd. RM für unproduktive Zwecke wie Reisen oder Autos verwendet wurden, bei einer Gesamtkreditaufnahme von 8 Mrd. RM zwischen 1924 bis 1930. Die Kreditaufnahme von Landwirten wurde zusätzlich erleichtert, in dem der Agrarsektor bei der Vergabe von Krediten bevorzugt wurde, um die Modernisierung der Betriebe möglichst schnell nachzuholen. Die Erträge konnten durch die nun möglichen Investitionen gesteigert werden. Tabelle 2 und Tabelle 3 zeigen dagegen sehr deutlich, dass die Verschuldung der Landwirtschaft und der Anteil der Betriebe, die unrentabel wirtschafteten, dramatische Ausmaße angenommen hatten.3

Tabelle 2: Verschuldung deutscher Agrarbetriebe am 1. Juli 1929 (in RM/ha):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus James (1988), S. 252.

Tabelle 3: Prozentsatz der mit Verlust arbeitenden oder mit Zinszahlungen in Höhe von mehr als 105% ihres Nettoertrags belasteten Agrarbetriebe am 1. Juli 1929 (in %):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus James (1988), S. 253.

Zusätzlich gaben die Preise für landwirtschaftliche Produkte Anlass zur Sorge, weil sie hinter den Preisen für Industriegüter zurückblieben. Steigenden Ausgaben für Maschinen, Gebäuden, Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnerhöhungen verschärfte die Verschuldungsproblematik in der Landwirtschaft. Die Tatsache, dass in Deutschland die Agrarpreise weiterhin durch Schutzzölle auf einem hohen Niveau gehalten wurden, verdeckte unter anderem die Gefahr einer möglichen Schuldenproblematik. Seit 1925 fielen die Preise auf dem Weltmarkt und spätestens 1927 war das deutsche Schutzzollsystem nicht mehr im Stande d]ie heimischen Märkte vor dieser Entwicklung zu bewahren. Der sich beschleunigende Preisverfall hatte katastrophale Auswirkungen auf den Agrarsektor. Die Kreditkrise verschärfte sich, die Kosten für kurzfristige Kredite stiegen und die Aufnahme langfristiger Kredite wurde erschwert.4

Die Landwirtschaft befand sich in der schwersten Krise. Sie war geprägt von einem extrem hohen Schuldenstand, einer hohen Zinsbelastung und niedrigen Agrarpreisen. Eine Besserung der Verhältnisse war in absehbarer Zukunft nicht in Sicht. Darüber hinaus brachten die fatalen Verhältnisse eine aufgebrachte Bevölkerungsschicht hervor, die ihren Zorn gegen die Republik richtete.

2.2 Industrie

Nach der Währungsstabilisierung konnte die Produktivität in der Industrie gesteigert werden. Es wurden im großen Umfang Rationalisierungen und Modernisierungen in den Industriebetrieben vorgenommen. Vorbild waren die USA, dort war es möglich, die modernsten technischen Errungenschaften, wie die Fließbandarbeit und das Taylorsystem, im Detail zu studieren. Die neuen Produktionsmethoden wurden letztendlich erfolgreich nach Deutschland importiert und angewendet. Tabelle 4 zeigt, dass die industrielle Produktion erheblich gesteigert werden konnte. Zusätzlich führte der Investitions- und Arbeitswille der deutschen Unternehmer dazu, dass Deutschland seine Vorrangstellung in wichtigen Industriezweigen wiedererlangen konnte.5

Tabelle 4: Index der deutschen Industrieproduktion, 1928 = 100:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus Kroll (1958), S. 31.

Tabelle 5: Investitionen der deutschen Volkswirtschaft 1924 bis 1928:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus Kroll (1958), S. 45.

Der allgemeine Aufschwung, der vor allem durch die erhöhte Produktion gekennzeichnete war, hatte auch positive Auswirkungen auf die Beschäftigung und das Volkseinkommen. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 11,4 Mio. im Jahr 1924 auf 19,8 Mio. im Jahr 1929, während das Volkseinkommen im gleichen Zeitraum von 60,0 Mrd. Reichsmark auf 76,1 Mrd. RM gesteigert werden konnte. Die Preise blieben über diese Periode auf einem gleichen Niveau und vereinzelte Konsumgüter wiesen sogar fallende Preise auf. Somit stieg mit dem Volkseinkommen zugleich die Kaufkraft der Bevölkerung.6 Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland wurde jedoch, auf Grund der Geldknappheit, zum Großteil mit Auslandsanleihen finanziert. Diese Tatsache wird sich während der Weltwirtschaftskrise als außerordentlich krisenerschwerend erweisen. Ein Anzeichen für einen Konjunkturumschwung, auf Grund von Absatzrückgängen, war die zunehmende Lagerhaltung bei den Investitions- und Konsumgütern im Jahre 1928. Die anhaltenden schlechten Absatzerwartungen hatten zur Folge, dass Investitionen ausblieben und die Konsumgüterproduktion abnahm. 1929 war der Höhepunkt der Konjunktur erreicht, die Gesamtproduktion stagnierte, die Nettoinvestitionen und der Verbrauch nahmen weiter ab, während die Spareinlagen zunahmen (siehe Tabelle 6). Auch der Index der Aktienkurse spiegelte diesen Verlauf wieder, demnach wurde der Höhepunkt bereits im Jahr 1927 erreicht und die Kurse begannen seitdem zu sinken (siehe Tabelle 7).7

Tabelle 6: Indikatoren eines Konjunkturumschwungs:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus Kroll (1958), S. 87.

Tabelle 7: Indexziffern der Aktienkurse: 1924/26 = 100 Jahresdurchschnitte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, entnommen aus Kroll (1958), S. 85.

[...]


1 Vgl. Ambrosius, (2005), S. 290.

2 Vgl. James (1988), S. 249ff.

3 Vgl. James (1988), S. 249ff.

4 Vgl. James (1988), S. 251ff.

5 Vgl. Kroll (1958), S. 29f.

6 Vgl. Kroll (1958), S. 32f.

7 Vgl. ebenda, S. 83ff.

Details

Seiten
29
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656073185
ISBN (Buch)
9783656073017
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183177
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Fakultät III: Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Weltwirtschaftskrise 1929 Krise Deutschland Wirtschaftskrise Universität Siegen Wirtschaftsgeschichte VWL Volkswirtschaftslehre

Autor

Zurück

Titel: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre