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Evolutionstheoretische Ansätze bei der Organisationsentwicklung- und Führung

Zu: Kieser A. & Woywode, M. "Evolutionstheoretischer Ansatz" [Buchabschnitt] // Organisationstheorien / Buchverf. Kieser A. (Hrsg.). - Stuttgart : Kohlhammer, 2002. - Bd. 5.

Rezension / Literaturbericht 2010 9 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

2. EINFÜHRUNG

3. BIOLOGISCHE EVOLUTION IM BEZUG ZUM POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ

4. AUSSAGEN DES POPULATION-ECOLOGY-ANSATZ

5. EVOLUTIONÄRES MANAGEMENT
5.1 St. Gallener Ansatz
5.2 Münchner Ansatz

6. FAZIT

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Einführung

Die Evolution wie sie von Charles Darwin erläutert wurde trifft nicht nur auf Lebewesen, sondern auch Unternehmen und Organisationen zu. Denn auch solche Institutionen machen Prozesse der Veränderung durch, wie zum Beispiel die Erweiterung des Produktionsprogrammes oder die Ausrichtung auf neue Geschäftszweige. Diese Änderungen werden durchgeführt um mit Lösungskonzepten bestehende Probleme abzustellen. Genau diese Wandlungsprozesse werden im evolutionstheoretischen Ansatz jedoch nicht durch Gestalter iniziert, da Organisationen zu komplex sind, um durch geplante Eingriffe einen berechenbaren Endzustand zu erreichen. Das heißt nicht die Gestalter, sondern die Auslese durch die Umwelt entscheidet welche Organisationsformen am Markt bestehen und somit weiterexistieren.[1] [2]

In den folgenden Abschnitten wird auf die Konzepte der evolutionstheoretischen Organisationsentwicklung, mit besonderem Blick auf den Population-Ecology-Ansatz, eingegangen. Zu Anfang wird der Bezug zur biologischen Evolution hergestellt, um anschließend die Formen der Evolution in Organisationen zu erläutern. Weitergehend werden dann zwei Managementkonzepte vorgestellt und abschließend ein Fazit gezogen.

3. Biologische Evolution im Bezug zum Population-Ecology-Ansatz

Die Kernthese der Evolutionstheorie besagt, dass die Lebewesen, welche sich am besten an ihre Umwelt angepasst haben die größeren Überlebenschancen besitzen und somit länger leben und sich dementsprechend häufiger fortpflanzen. Wodurch die vorteilbringenden Gene vielfach weitergegeben werden. Im folgenden wird die biologische Evolution und der Population-Ecology-Ansatz in ihren Grundannahmen gegenübergestellt.

Die Analyseeinheit bei der Evolutionstheorie stellt nicht das Individuum, sondern die Population dar. Der Genpool einer Population umfasst hierbei alle Anlagen um Eigenschaften herauszubilden, die das Überleben erleichtern.[3] Auf Unternehmen bezogen bedeutet das, dass ebenfalls Zusammenschlüsse von Unternehmen betrachtet werden und nicht nur einzelne. Analog zum Genpool in der Tierwelt besitzen Organisationen einer Population ähnliche Grundstrukturen in Form einer gemeinsamen organisationalen Form.[4]

In der Biologie wird der Genpool durch Mutationen bereichert, welche durch sprunghafte Veränderung von Genen hervorgerufen werden.[5] Dieser schnelle Wandel von Eigenschaften ist auch bei Organisationen beobachtet wurden und ist zurückzuführen auf technologischen Wandel, aber auch die Entdeckung neuer Rohstoffe, politische Umstürze und ökonomische Schwankungen. Durch diese Veränderungen in der Umwelt ergeben sich Chancen, die sich einige Unternehmen zu Nutze machen.[6] Um die Möglichkeiten optimal auszuschöpfen muss jedoch die Organisationsform angepasst werden, was dann zu Mutationen führt. Das Äquivalent zum Genpool bilden die competences (auch als comps abgekürzt). Sie sind die genetischen Merkmale die das Problemlöseverhalten bestimmen und zum Überleben beitragen. Solche comps sind beispielsweise Patente, Unternehmensphilosophien, Produktionstechniken, Führungsrichtlinien und weiteres. Competences erfolgreicher Unternehmen verbreiten sich schneller als die weniger erfolgreicher. Das geschieht dadurch, dass die Mitarbeiter erfolgreicher Organisationen auf Tagungen sprechen, oder Unternehmensberater diese Eigenschaften weiter empfehlen, sowie viele andere Vorgänge (u.a. Industriespionage).[7]

In der Evolutionstheorie nach Darwin wird weitergehend erwähnt, dass Individuen die Fähigkeit zur Reproduktion besitzen, wodurch neue Lebewesen entstehen. Diese sind keine exakt Kopie, sondern vielmehr eine Variation der Gene der Eltern. Auf diese Weise wird der Genpool durchmischt und mit neuen Eigenschaften angereichert.[8] Auch dieser Prozess ist in der Welt der Organisationen vorhanden. Neugründungen und Tochterunternehmen entstehen durch die Reproduktion von Organisationen. Auch hier werden nicht alle Eigenschaften imitiert, sondern es kommt zu Abwandlungen und Variationen. Beispielsweise wird die Organisationsform erfolgreicher Unternehmen kopiert und bei Neugründungen versucht zu übernehmen. Dieser Kopiervorgang gelingt jedoch nicht zu einhundert Prozent, wodurch Variationen in der Population entstehen.[9] Bei der Reproduktion von Organisationen müssen erfolgsversprechende competences weitergegeben werden. Dies geschieht dadurch, dass bürokratische Routinen entwickelt werden. Somit werden Verfahrensrichtlinien und Handlungsanweisungen fest verankert und an ausgegründete Unternehmen weitergegeben.[10]

Ein zentraler und häufig verwendeter Begriff der Evolutionstheorie ist die Selektion. Diese ist gleichbedeutend mit unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg, dass heißt die Lebewesen, die nicht so gut an ihre Umwelt angepasst sind werden dadurch von der Fortpflanzung ausgeschlossen, da sie nicht lange genug überleben. Die Voraussetzung der Selektion ist, dass sich die Population so stark vermehrt hat, dass der Lebensraum nicht mehr genug Ressourcen zum Überleben für alle bietet.[11] Auch dieser Effekt ist in der Wirtschaft zu beobachten, wenn nicht-effiziente Unternehmen und Organisationen durch Insolvenzen und feindliche Übernahmen eliminiert werden. Wenn eine Organisation ihrem gesellschaftlichem Auftrag nicht mehr gerecht wird und die zum Überleben nötigen Ressourcen nicht akquirieren kann, scheitert sie im Konkurrenzkampf. Die Unternehmensumwelt stellen hierbei ökonomische, politische und rechtliche Rahmenbedingungen dar. Durch den Selektionsprozess wird die Population einer Organisation langfristig von ihrer Struktur immer homogener.[12]

In der biologischen Evolutionstheorie wird weiterhin auf die Herausbildung neuer Arten durch räumliche Trennung eingegangen. Dieser Vorgang läuft ab, wenn sich zwei Gruppen einer Population an unterschiedliche Lebensräume anpassen müssen, wodurch es zu einer genetischen Isolation kommt. Dieser Fakt wird im vorliegenden Material jedoch nicht auf Organisationen bezogen.[13]

4. Aussagen des Population-Ecology-Ansatz

Der Population-Ecology-Ansatz erläutert mehrere Gesetzmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Überlebenswahrscheinlichkeit. Als erstes wird die liability of newness erwähnt, also die Anfälligkeit der Neuen (Jungen). Hierdurch wird die Tendenz beschrieben, dass junge Unternehmen häufiger aus dem Markt ausscheiden als etablierte. Denn die Führungskräfte in jungen Unternehmen müssen ihre gesellschaftliche Rolle erst erlernen. Weiterhin besitzen die alteingesessenen Unternehmen bessere Netzwerke und Außenbeziehungen, was ihnen zu einem Wettbewerbsvorteil verhilft. Mit zunehmenden Unternehmensalter wird die externe Legitimation zu Banken, Kunden und Lieferanten einfacher und fehlerfrei, wodurch sich auch die Reproduzierbarkeit der Organisationsstruktur erhöht.[14]

Anderseits und dem entgegen sprechend gibt es die liability of adolescence (Anfälligkeit der Jugend). Hier wird zum Ausdruck gebracht, dass erst nach einer Schonfrist die Selektion des Marktes zum tragen kommt und die Gefahr des Scheiterns steigt. Bis dahin profitieren Unternehmen, welche neu in einen Markt eintreten von einem ihnen entgegengebrachten Vertrauensvorschuss.[15]

Die nächste Anfälligkeit ist die des Alterns, also die liability of aging, die aussagt, dass sich aufgrund der strukturellen Trägheit des Unternehmens die Anpassungsfähigkeit an sich wandelnde Umweltbedingungen mit zunehmendem Alter verschlechtert.

[...]


[1] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 253

[2] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[3] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[4] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 256

[5] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[6] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 257f.

[7] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 259

[8] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[9] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 257

[10] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 259f.

[11] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[12] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 258

[13] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 254

[14] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 261

[15] siehe Literaturverzeichnis [1] S. 262

Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656076018
ISBN (Buch)
9783656075509
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183315
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Schlagworte
Evolutionäres Management Population Ecology Organisation Management Organisationsentwicklung Evolution Führung Unternehmensführung Evolutionstheoretischer Ansatz

Autor

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Titel: Evolutionstheoretische Ansätze bei der Organisationsentwicklung- und Führung