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Die Kaiserwahl Friedrich II.

Eine Quelleninterpretation mit der Frage: Wer war der Initiator der Kaiserwahl Friedrich II.?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Situation

3. Quellen
3.1 Annalen und Chroniken
3.2 Quellenvorstellung

4. Quelleninterpretation
4.1 König Philipp II. von Frankreich
4.2 Papst Innozenz III.
4.3 Die deutschen Fürsten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellenangaben

6. Literaturangaben

7. Anhang: Quellen

1. Einleitung

Im Mittelalter sind zahlreiche Quellen entstanden, die einen starken Traditionshintergrund besitzen. Die Autoren beabsichtigten einen nachträglichen Blick auf das Geschriebene, das Gemalte oder das Hergestellte. So konnten Sachverhalte beschönt, verändert, weggelassen und bearbeitet werden, um zum Beispiel eine entsprechende Persönlichkeit in das rechte Licht rücken zu können. Es ist nun Aufgabe des Historikers, die Intention der bewussten Veränderung ausfindig zu machen. Er muss sich fragen: „Ist dies so geschehen?“, „Was wurde bearbeitet?“, „Warum sollte das Erlebte gerade so rekonstruiert werden?“

In dieser Arbeit wird auf die Kaiserwahl Friedrich II., der aus dem Geschlecht der Staufer stammt, eingegangen und ergründet, wer den Anstoß zur Wahl gegeben hat. Die Quellen geben dabei drei Möglichkeiten an: König Philipp II. von Frankreich, Papst Innozenz III. und die deutschen Fürsten. Es gilt daher zu prüfen, welcher Chronist und welcher Geschichtsschreiber mit welcher Absicht geschrieben hat, um herauszufinden, welche der drei Möglichkeiten am wahrscheinlichsten ist. Dabei ist zu beachten, dass die Fürsten die Kaiser wählten, der Papst ihn aber bestätigte und krönen musste und auch das Recht hatte, den Kaiser zu exkommunizieren. Es geht daher nicht darum, die Riten einer Kaiserwahl und der darauf folgenden Krönung aufzuzeigen, sondern darum, herauszufinden welche Person oder Personengruppe, den Anstoß gegeben hat, Friedrich II. zum Kaiser zu wählen. Die zentrale Frage, mit der sich dieses Arbeit beschäftigt lautet daher: Wer war der Initiator für die Wahl Friedrichs II. zum römisch-deutschen Kaiser?

Dazu wird in dieser Arbeit zunächst die historische Situation erläutert (2.), um den Zeitrahmen abzustecken, in dem die wissenschaftliche Untersuchung laufen wird. Dabei wird die Vorgeschichte mit der Exkommunikation von Kaiser Otto IV. eine zentrale Rolle spielen. Danach werden die zentralen Quellengattungen, Annalen und Chroniken, mit ihren spezifischen Eigenschaften erläutert (3.1), um darauf die einzelnen Quellen vorzustellen (3.2). Im Anschluss daran wird die Interpretation der Quellen folgen (4.), um herauszufinden, welche der drei durch die Quellen angegebenen Möglichkeiten am wahrscheinlichsten für die Initiierung der Kaiserwahl Friedrichs II. gewesen ist.

In der Forschung gibt es einige wenige Historiker, die sich mit dem Thema dieser Arbeit befasst haben, die meisten jedoch vor knapp 100 Jahre. Zu erwähnen ist dabei Michael Emil, der sich in einem Zeitschriftartikel mit einem ähnlichen Thema beschäftigte.1 Des Weiteren ist Konrad Burchard zu nennen, der sich mit der Wahl Friedrichs zum Kaiser auseinandersetzte.2 Aber auch sämtliche Artikel, die das Verhältnis der zentralen Personen und Akteure beschreiben, sollten nicht außer Acht gelassen werden. So zum Beispiel das Buch von Max Halbe über das Verhältnis von Friedrich II. und den Päpsten seiner Zeit3 und das Buch von Theo Holzapfel über das Verhältnis von Innozenz III. und Kaiser Otto IV. sowie König Philipp II. von Frankreich.4

2. Historische Situation

Friedrich II. aus dem Geschlecht der Staufer ist eine der berühmtesten Personen im Mittelalter. Er galt als ein hochgebildeter Mann und vielseitig interessiert. Durch seine Kindheit auf Sizilien war er in der Lage, viele verschiedene Sprachen zu sprechen.5

Friedrich II., Sohn von Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien, wurde aufgrund des Erbreichsplans seines Vater mit fast zwei Jahren 1196 zum römischen-deutschen König gewählt.6 Nach dem Tod seines Vater ein Jahr später, setzte Otto IV. aus dem Geschlecht der Welfen seinen Thronanspruch durch und wurde von den Fürsten zum König gewählt. Sein Versprechen, dass er im Juni 1201 im Neußer Eid7 gegeben und im März 1209 in der Speyer Erklärung8 wiederholt hat, brach er schon im Dezember 1209, als er mit den Vorbereitungen für die Eroberung des Königreichs Sizilien und Unteritaliens begann. So berichtete es Probst Burchard von Ursberg: „Außerdem verachtete er völlig die Eide, die er bezüglich des Friedensschlusses mit dem König Philipp von Frankreich und dem König Friedrich von Sizilien geleistet hatte, des Inhalts, dass nicht die ganze Kirche in Verwirrung gerate.“9

Als Otto IV. dann den Feldzug begann, war Innozenz III. entsetzt, denn was er von Seiten der Staufer erwartet hatte, geschah jetzt durch einen Welfen. Im Januar 1210 beklagte sich der Papst in einem Brief an Bischof Konrad von Regensburg10 und im Februar in einem weiteren Brief an den französischen König Philipp II.11 über den Kaiser und sein Benehmen. Darin schilderte Innozenz 513-527

III. das Verhalten von Otto IV. als gegen Gott und die Kirche gerichtet und drohte ihm mit der Exkommunikation und der Lösung der Untertanen vom Treueid.

König Philipp II. von Frankreich begann daraufhin, mit einigen deutschen Fürsten über die Situation zu verhandeln, jedoch dachte er nicht daran, in den Konflikt einzugreifen. Auf einen weiteren Brief von Papst Innozenz III. im September 121012 antwortete er, dass er sich nicht in der Lage sähe, solange die Kirche Otto IV. nicht endgültig auch in der Öffentlichkeit exkommunizieren würde, einen Angriff auf das Reich durchzuführen. Papst Innozenz III. warnte zudem die deutschen Fürsten vor einer Zusammenarbeit mit dem Kaiser Otto IV.13

Am 18. November 1210, als Kaiser Otto IV. kurz davor war, mit seinen Truppen nach Sizilien zu segeln, handelte der Papst und ließ öffentlich die Exkommunikation des Kaisers Otto IV. verkünden und löste seine Untertanen vom Treueid. Dieses Urteil sollte in der ganzen Kirche verbreitet werden.

Daraufhin trafen sich die deutschen Fürsten, „also der König von Böhmen, der Herzog von Österreich, der Herzog von Bayern und der Landgraf von Thüringen und viele andere mehr“14 sowie „die Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg (..) und der Markgraf von Meißen“15, um sich zu beraten und einen neuen König für das römisch-deutsche Kaiserreich zu wählen. Sie entschieden sich für den Staufer Friedrich II., den sie schon 1196 zum Nachfolger seines Vaters Heinrich VI. gewählt hatten und ließen ihre Wahl von Papst Innozenz III. bestätigen.

Die Umstände, unter denen Friedrich II. zum Kaiser gewählt wurde, sind einmalig in der Geschichte. Denn die Fürsten konnten zum ersten Mal einen König direkt zum Kaiser wählen. Aber dies kann auch noch durch eine andere Tatsache begründet werden: Ein 17-jähriger König aus Sizilien, der kaum in der Lage war, die Verhältnisse im eigenen Land Sizilien zu regeln und auch noch durch Kaiser Otto IV. bedroht wurde und kaum eine andere Chance hatte, als aus seinem Reich zu fliehen, wurde von den deutschen Fürsten zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches gewählt. Zeitgenössische Berichte erklärten diese Umstände meist durch eine himmlische Fügung, da es rational nicht erklärbar zu sein schien.16 629f

Zur Zeit seiner Wahl war Friedrich II. also dem Untergang geweiht. Otto IV. hatte schon Teile seines Reiches eingenommen und viele der sizilianischen Städte sympathisierten mit ihm und würden sich ebenfalls leicht erobern lassen. Doch dann erreichte Otto IV. die Nachricht, dass die Fürsten Friedrich II. zum Kaiser gewählt hatten und Papst Innozenz III. die Wahl bestätigt hatte. Anstatt seinen Feldzug gegen Sizilien fortzuführen und damit seinen Gegner direkt auszuschalten, brach er sein Vorhaben ab und reiste unverzüglich nach Deutschland, um seine Machtstellung im Reich zu sichern.17

3. Quellen

Im Folgenden sollen die relevanten Quellen zur Beantwortung der Frage nach dem Initiator der Kaiserwahl Friedrich II. vorgestellt werden. Zunächst muss allerdings geklärt werden, was man unter Annalen und Chroniken verstehen.

3.1 Annalen und Chroniken

Die Annalen und die Chroniken werden in die Quellengattung historiographische Quellen eingeordnet. Annalen sind kurze, jahresweise angelegte und fortlaufende, fast protokollarisch verfasste Berichte, die meist von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden und über die eigene Zeit informieren. Berichtet wird zumeist von politischen, klimatischen oder lokalen Ereignissen, die für das Kloster von Bedeutung und erinnerungswürdig waren. Da sie für den Eigengebrauch angelegt waren, weisen sie, was die Beurteilung der Geschehnisse betrifft, eine von der Sichtweise des Schreibers bestimmte Prägung auf. In Reichsannalen werden die Taten des jeweiligen Herrschers festgehalten, weshalb diese meist subjektiv sind und auf die Hervorhebung des Herrschers abzielen.

Chroniken hingegen können als ausführlich gestaltete und weiterentwickelte Annalen angesehen werden. Durch die moralische Wertung der Ereignisse sollte eine didaktische Wirkung erzielt werden, die zur Bildung und geistlichen Erbauung dienen sollte. Chroniken legen im Gegensatz zu den Annalen Wert auf die sprachliche Gestaltung und auf einen chronologischen Zusammenhang, weshalb es vorkommen kann, dass Bekanntes entfernt oder umgeschrieben wurde, um den Lesefluss nicht zu stören. Ziel der Chronik ist es also, die Geschehnisse in größeren Zeiträumen überschauend darzustellen, miteinander zu verknüpfen und eine Epochengliederung zu entwickeln. Der Historiker muss diese Umstände kennen, um adäquat mit den Quellen arbeiten und umgehen irdische Kräfte überwand und durch die Verfolgung der Tyrannen Rache nahm.“

[...]


[1] Emil, Michael: Zwei staatsrechtliche Fragen des hohen Mittelalters: 1. Papst Innozenz II und die Kaiserwahl. 2. In welchem Verhältnis stand die Nürnberger Wahl Friedrichs II 1211 zu seiner Frankfurter Wahl 1212? in: Zeitschrift für katholische Theologie, Bd. 37, 1913, S. 689-694

[2] Burchard, Konrad: Die Wahl Friedrich II. zum römischen Kaiser, in: Historische Zeitschrift, Bd 154, 1936, S.

[3] Halbe, Max: Friedrich II. und der päpstliche Stuhl: Bis zur Kaiserkrönung (November 1220), Berlin 1888

[4] Holzapfel, Theo: Papst Innozenz: Philipp August, König von Frankreich und die englisch-welfische Verbindung 1198-1216, Frankfurt am Main 1991

[5] Gerbasio Riccobaldi: Die Geschichte der römisch-deutschen Kaiser: in: Heinisch, Klaus: Kaiser Friedrich II.: Sein Leben in zeitgenössischen Berichten, München 1988³, S. 230

[6] Burchard von Ursberg: Chronicon: in Holger-Egger, Oswald/ Simson, Bernhard von: Die Chronik des Probstes Burchard von Ursberg, Hannover 1916², S. 98

[7] Otto von St. Blasien: De consecracione regis Ottonis: in: Schmale, Franz-Josef: Freiherr von Stein- Gedächnisausgabe, Bd. 18a, Darmstadt 1998, S. 157

[8] Versprechen Ottos an die Kirche (22.03.1209): in: Lautemann, Wolfgang/Schenke, Manfred (Hrg.): Geschichte in Quellen. Bd 2 Mittelalter, München 1989³, S. 503-504

[9] Burchard von Ursberg: Chronicon: in Holger-Egger, Oswald/ Simson, Bernhard von: Die Chronik des Probstes Burchard von Ursberg, Hannover 1916², S. 98

[10] Brief an Bischof Konrad von Regensburg (18.1.1210): Cum dolore; Winkelman, Acta imperii, Bd.II Nr. 1009 S. 676-678; Vermutlich ging dieser Brief, zwar nicht in der gleichen Fassung, aber mit ähnlichem Inhalt, nicht nur an den Bischof von Regensburg, sondern an alle deutschen Bischöfe.

[11] Brief an König Philipp von Frankreich (1.2.1210): Innozenz III.: Utinam fili: in: Böhmer, Johann Friedrich: Acta imperii selecta: Urkunden deutscher Könige und Kaiser mit Anhange von Reichssachen, Bd. II, Innsbruck 1870, S.

[12] Dieser Brief ist nicht überliefert. Die Erkenntnis, was in dem Brief gestanden hat, muss aus der Antwort von König Philipp II. von Frankreich gewonnen werden.

[13] Briefe an alle deutschen Fürsten: Innozenz III.: Insolentiam et nequitiam: in: Böhmer, Johann Friedrich: Acta imperii selecta: Urkunden deutscher Könige und Kaiser mit Anhange von Reichssachen, Bd. II, Innsbruck 1870, S. 630f

[14] Burchard von Ursberg: Gesta Innocentii III: in: Eickels, Klaus van/ Brüsch, Tania (Hrg.): Kaiser Friedrich II.: Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters, Düsseldorf 2000, S. 64

[15] St. Peter zu Erfurt: Monumenta Erphesfurtensia: in: Lautemann, Wolfgang/Schenke, Manfred (Hrg.): Geschichte in Quellen. Bd 2 Mittelalter, München 1989³, S. 505

[16] Gotfrid von Cosenza in: Heinisch, Klaus: Geschichten der Taten Kaiser Friedrichs II: Kaiser Friedrich II. Sein Leben in zeitgenössischen Berichten, München 1988³, S30: „(..) bis er, zu reiferen Jahren gelangend, unter dem Pontifikat des Papstes Innozenz III. den Kaiser Otto, der nach der Übernahme des Reiches nach dem Königreich Sizilien, dem kostbaren Erbe des Verwaisten, seine Hände ausgestreckt hatte, mehr durch himmlische als durch

[17] Albert von Stade: Annales Stadenses: in: Eickels, Klaus van/ Brüsch, Tania (Hrg.): Kaiser Friedrich II.: Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters, Düsseldorf 2000, S. 67

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656074991
ISBN (Buch)
9783656075394
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183337
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
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Titel: Die Kaiserwahl Friedrich II.