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Die Stellung des Menschen im Kosmos - Ausarbeitung zu Max Schelers Anthropologie

Hausarbeit 2011 10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Kontext
1.1 Der ideengeschichtliche Kontext
1.2 Der Autor Max Scheler

2 Die Sonderstellung des „Mensch“en (S. 49 - 57)
2.1 Argumentative Grundlagen
2.2 Geist als unterscheidendes Merkmal zwischen „Mensch“ und „Tier“

3 Besondere Eigenschaften des „Mensch“en (S. 57 - 62)
3.1 Vier Wesensstufen des Seienden
3.2 „Mensch“liche Besonderheiten

4 Die Trennung von Dasein und Ideierung (S. 62 - 69)
4.1 Der Akt der Ideierung
4.2 Transzendierung von und Rückkehr zur Wirklichkeit

5 Diskussion und Kritik
5.1 Der ontologische Status des Geistes
5.2 Kritik an der Notwendigkeit der postulierten Entitäten
5.3 Der historische Zweck von Schelers Anthropologie

1 Einleitung und Kontext

Beim vorliegenden Text handelt es sich um eine zusammenfassende Ausarbeitung zu einem Referat welches im Rahmen eines anthropologischen Seminars zu dem Aufsatz Die Stellung des „Mensch“en im Kosmos von Max Scheler gehalten wurde. Entsprechend sollen hier folgende Dinge geleistet werden: Zunächst wird der Aufsatz in den ideengeschichtlichen (Absatz 1.1) und den konkreten Kontext des Autors Schelers eingeordnet (1.2). Anschlieÿend wird Schelers Argumentation zur Sonderstellung des „Mensch“en anhand der Chronologie des Textes nachvollzogen (Absatz 2 - 4). Abschlieÿend werde ich zunächst der Fragestellung nachgehen, ob Scheler durch die Postulierung eines übersingulären Geistes auf einen ontologischen Dualismus im Sinne Platons festgelegt ist (Absatz 5.1). Anschlieÿend werde ich infrage stellen, dass Schelers Ausführungen argumentativ zwingend sind (Absatz 5.2) und abschlieÿend einen Bezug zu dem ideengeschichtlichen Kontext vorschlagen (Absatz 5.3).

Um eine Ausgewogenheit zwischen Textbezug und Text uss der folgenden Ausführungen zu erreichen, werden kleinere Anmerkungen und Kritiken während der Darstellung von Schelers Argumentation in Absatz 2 bis 4 in Fuÿnoten vorgenommen. Um das Lesen dieser Ausarbeitung zu erleichtern, werde ich zudem in den besagten Abschnitten auf die Verwendung des Konjunktivs bei der Wiedergabe von Schelers Ausführungen verzichten.

1.1 Der ideengeschichtliche Kontext

Die Zeit, in der Scheler sein vorletztes Werk Die Stellung des „Mensch“en im Kosmos schrieb (1927), war geprägt durch Umbrüche im technischen wie auch im ideologischen Bereich. Das Ausmaÿ der technischen Umbrüche, etwa die Entwicklung des Verbrennungsmotors, des Flugzeugs und moderner Industrieanlagen wurde im ersten Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts (George F. Kennan) in aller Form deutlich - insbesondere, weil sich das politische und gesellschaftliche Denken noch nicht auf das Ausmaÿ der fatalen Folgen eines Krieges mit diesen Mitteln eingestellt hatte. Es darf wohl angenommen werden, dass die verheerenden Kriegsfolgen in Kombination mit den Lehren Freuds und Darwins (und deren Überspitzung im Sozialdarwinismus), welche Freud selber als zweite und dritte Kränkung der „Mensch“heit (nach der ersten Kränkung durch das kopernikanische Welt- bild) bezeichnete, zu einer Krise des „Mensch“lichen Selbstbildes führten. Inwiefern dies eine mögliche Motivation für Schelers Anthroplogie darstellten, wird in Abschnitt 5.3 disku„Tier“t.

1.2 Der Autor Max Scheler

Nachdem die historischen Rahmenbedingungen im Groben deutlich geworden sein sollten, lohnt es sich, auf die spezi sche Situation Max Schelers einzugehen und ihn in seinem ideengeschichtlichen Kontext genauer zu verorten. Es scheint erwähnenswert, dass er sich in vielen seiner Werke sowohl mit dem Krieg ( Der Genius des Kriegs und der Deutsche Krieg , 1915) als auch den oben angedeuteten Konsequenzen für die „Mensch“liche Werteordnung (z.B. Vom Umsturz der Werte , 1919 und Neuer Versuch der Grundlegung eines ethischen Personalismus , 1921) auseinandersetzte. Durch den Versuch, in seinem Spätwerk Die Stellung des „Mensch“en im Kosmos ein einheitliches Bild des „Mensch“en zu zeichnen, gilt Scheler als Begründer der philosophischen Anthropologie. (Scheler, 1976, Einleitung). Scheler soll zudem der phänomenologischen Bewegung um Edmund Husserl nahe gestanden haben (ebd.) und war ein Zeitgenosse Martin Heideggers. Letzterer mag durch seine Lehre zumindest einen begri ichen Ein uss auf Scheler gehabt haben, da in der hier vorliegenden Textgrundlage Begri e wie Dasein , Sosein und Dinge an sich verwendet werden, die stark an das charakteristische Heideggern in dessen phänomenologischen Grundlagenwerk Sein und Zeit erinnern.

2 Die Sonderstellung des „Mensch“en (S. 49 - 57)

Dieser Abschnitt setzt sich zunächst mit der argumentativen Grundlage Schelers, also seiner begri - lichen Ausgangssituation, auseinander. Anschlieÿend wird das Prinzip des „Mensch“ens als geistiges Wesen erläutert und daraus die Unterschiedlichkeit von „Mensch“en und „Tier“en1 im Verhältnis zu ihrer Umwelt abgeleitet.

2.1 Argumentative Grundlagen

Am Anfang seiner Ausführungen tri t Scheler einige wesentliche begri iche Unterscheidungen zum „Mensch“en . Die erste Unterscheidung bezieht sich auf drei historische Ideenkreise , die eine jeweils eigenständige anthropologische Aussage über die Natur des „Mensch“en und sein Verhältnis zum „Tier“- reich haben. Der erste Kreis ist der christlich-jüdische Kreis mit der Schöpfungslehre und dem Sün- denfall im Paradies (Adam, Eva und der Baum der Erkenntnis). Beim zweiten Ideenkreis handelt es sich um den der griechisch-antiken Tradition, welche das Selbstbewusstsein und den logos, die Vernunft und Fähigkeit zur Rede als entscheidende, „Mensch“ und „Tier“ trennende, Eigenschaft hervor- hebt. Der dritte Gedankenkreis widerspricht dieser kategorialen Trennung und postuliert ein Kontinu- um an Komplexität, welches Lebewesen voneinander unterscheidet. Dies entspricht der darwinistisch- naturwissenschaftlichen Tradition. Scheler zufolge kann keine dieser gedanklichen Traditionen ein kohä- rentes Bild des „Mensch“lichen Wesens vermitteln, weshalb er diesen Versuch auf breitester Grundlage (Scheler, 1976) unternimmt - und sich mit dem vorgestellten Ansatz abseits dieser historischen Ansätze be ndet. Die zweite Unterscheidung betri t die Verwendung des Begri s „„Mensch““ . Zu unterscheiden ist hier zwischen „Mensch“ als Unterordnung der Wirbel„Tier“e und damit als Teil des „Tier“reichs als Ganzes (FN: Linne). Dieses Konzept kann als Teil des oben genannten, dritten Ideenkreises in der Tra- dition Darwins betrachtet werden. Die zweite Konzeption des Begri s „Mensch“ ist allerdings die eines Gegenbegri s zum „Tier“ . Sie geht von einer Sonderstellung des „Mensch“en aus (und entspricht somit wohl eher den ersten beiden Ideenkreisen). Indem im Folgenden die Rechtfertigung dieser Au assung untersucht wird, dient dieses zweite Verständnis des Begri s „Mensch“ als Arbeitsgrundlage.

Die dritte und letzte begri iche Unterscheidung schärft die vorliegende Fragestellung weiter, indem Scheler zwischen einer graduellen Unterscheidung und, wie er es nennt, einem Wesensunterschied zwi- schen „Mensch“ und „Tier“ di erenziert. Während einige Positionen Intelligenz und/oder Wahlfreiheit als (überquantitatives, also kategoriales) Unterscheidungsmerkmal ausmachen, sprechen Darwinisten auch „Tier“en Intelligenz zu - und gestehen somit höchstens eine graduelle Unterscheidung zwischen „Mensch“ und „Tier“ zu. Scheler weist beide Positionen zurück, indem er ein Prinzip ausmacht, das auÿerhalb alles dessen [steht], was wir Leben im weitesten Sinne nennen können (Scheler, 1976, S.53). Die- ses Prinzip geht über die reine Vernunft des griechischen Ideenkreises hinaus, indem es auch eine bestimmte Art der Anschauung und eine bestimmte Klasse volitiver und emotionaler Akte wie Güte, Liebe, Reue, Ehrfurcht, geistige Verwunderung, Seligkeit und Verzwei ung, die freie Entschei- dung mitumfasst-(Scheler, 1976, S. 53f.). Scheler nennt dieses Prinzip Geist . Ein Organismus, der über Geist verfügt, ist eine Person.

[...]


1 Die Begri e der „Mensch“ oder das „Tier“ scheinen angesichts des derzeitigen Standes der philosophischen Anthropologie nicht mehr zeitgemäÿ zu sein. Da die Argumentation des Textes auf diesen Konzepten - und vor allem auf der ihrer kategorischen Abgrenzung voneinander - beruht, werden sie hier beibehalten.

Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656082699
ISBN (Buch)
9783656082989
DOI
10.3239/9783656082699
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Philosophie
Erscheinungsdatum
2011 (Dezember)
Note
1,0
Schlagworte
stellung menschen kosmos ausarbeitung schelers anthropologie

Autor

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