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Übergang Basel II zu Basel III - Kapitalanforderungen deutscher Banken

Seminararbeit 2011 52 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Basel II
2.1 Historie und Basel
2.2 Umsetzung
2.3 Kapitalanforderungen
2.3.1 Kernkapital
2.3.2 Ergänzungskapital
2.3.3 Drittrangmittel
2.3.4 Überblick
2.4 Defizite der Kapitalanforderungen

3 Basel III
3.1 Umsetzung und Zielsetzung
3.2 Kapitalanforderungen
3.2.1 Kernkapital
3.2.2 Ergänzungskapital
3.2.3 Ergänzende Kapitalpuffer
3.2.4 Verschuldungsquote
3.2.5 Liquiditätsquoten
3.2.6 Besondere Anforderungen an systemrelevante Institute
3.3 Übergangsregelungen
3.4 Kritische Betrachtung der Kapitalanforderungen

4 Empirische Bilanzanalyse
4.1 Sensitivitätsanalyse

5 Schlusswort

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 3-Säulen Konzept von Basel II

Abbildung 2: Kapitalanforderungen unter Basel II

Abbildung 3: Eckpfeiler von Basel III Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an King und Tarbert (2011), S.3

Abbildung 4: Mindestanforderungen an das Kernkapital Quelle: Eigene Erstellung

Abbildung 5: Mindestanforderungen an das haftende Eigenkapital

Abbildung 6: Übergangsregelungen der Kapitalarten

Abbildung 7: Übergangsregelungen der Kapitalpuffer

Abbildung 8: Kernkapitalquoten deutscher Banken in 2010

Abbildung 9: Harte Kernkapitalquoten deutscher Banken in 2010

Abbildung 10: Gesamtkapitalquoten deutscher Banken in 2010

Abbildung 11: Verschuldungsquoten deutscher Banken in 2010

Abbildung 12: Sensitivitätsanalyse für Kernkapitalquote Quelle: Eigene Berechnung

Abbildung 13: Sensitivitätsanalyse für harte Kernkapitalquote Quelle: Eigene Berechnung

Abbildung 14: Sensitivitätsanalyse für Ergänzungskapitalquote Quelle: Eigene Berechnung

Abbildung 15: Sensitivitätsanalyse für Gesamtkapitalquote Quelle: Eigene Berechnung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammensetzung des bilanziellen Eigenkapitals unter Basel II

Tabelle 2: Zusammensetzung der ökonomischen Eigenmittel unter Basel II

Tabelle 3: Zusammensetzung des Ergänzungskapitals unter Basel II

Tabelle 4: Zusammensetzung der Drittrangmittel unter Basel II

Tabelle 5: Zusammensetzung des harten Kernkapitals unter Basel III

Tabelle 6: Ausschüttungssperre in Abhängigkeit der Höhe des Kapitalerhaltungspuffers

Tabelle 7: Untersuchte Banken im Rahmen der empirischen Analyse

1 Einleitung

Es liegt in der Natur einer Bank, ihr Risiko, das sie bei der Vergabe von Krediten an private, institutionelle oder staatliche Schuldner eingeht, quantitativ bestimmen zu wollen, um Erkenntnise über die Höhe der deshalb notwendigen Sicherungsmaßnahmen zu gewinnen. Diese Sicherungsmaßnahmen bestehen hauptsächlich aus der Hinterlegung von Eigenkapitalreserven, mit welchen erwartete und unerwartete Verluste aus Finanzgeschäften aufgefangen werden sollen, ohne dass die wirtschaftliche Existenz der Bank dadurch bedroht wird.

Nichtsdestotrotz funktioniert ein auf rein freiwilliger Basis beruhendes Sicherungssystem nicht zwangsläufig, wie der Fall der Herstatt-Bank präsentiert. Diese Kölner Privatbank brach im Juni 1974 infolge von Devisenspekulationen und gleichzeitig zu geringen Eigenkapitalrücklagen zusammen, was zu jener Zeit als die größte Bankenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte galt. Als sich derartige Zwischenfälle auch international häuften und die Wichtigkeit eines funktionierenden Bankensystems immer stärker herausgestellt wurde. haben es sich europäische Regierungen zur Aufgabe gemacht, ein einheitliches System an verpflichtenden Sicherungsmaßnahmen zu etablieren, welches die Stabilität des Bankensektors in Europa gewährleisten soll. Aus dieser Forderung resultierten im Laufe der Zeit bis zuletzt drei chronologisch umgesetzte Regelwerke, bestehend aus sich entwickelnden Finanzkennzahlpaketen. Diese Finanzkennzahlen stellen hauptsächlich Mindestanforderungen bezüglich der Hinterlegung bestimmter Kapitalarten dar, um mögliche Insolvenzen von Banken, welche aus Schuldnerausfällen resultieren könnten, zu verhindern.

Das Zweite dieser Pakete, namentlich Basel II, wird kurz in seiner Historie mit Referenz zu Basel I und seinen Kapitalanforderungen vorgestellt, bevor der Fokus auf das aktuelle Regelwerk von Basel III gerichtet wird. Dabei muss zunächst die Frage der Notwendigkeit eines dritten Kennzahlenpaketes erörtert werden, indem gängige Kritik an den vorherigen Vorschriften dargestellt wird. Anschließend werden Zielsetzung und Umsetzung der Maßnahmen näher beleuchtet. Als Hauptaugenmerk werden daraufhin die Bestandteile von Basel III inklusive beabsichtigter Wirkungsweise detailliert präsentiert und mögliche, mitunter unerwünschte Konsequenzen diskutiert. Die Betonung liegt hier auf den neuen Kapitalanforderungen in Abgrenzung zu den verbleibenden Verordnungen.

Als dritter Schwerpunkt der Ausführungen werden in einem empirischen Teil die theoretisch dargestellten Kapitalanforderungen von Basel III anhand verschiedener Geschäftsberichte wichtiger deutscher Bankenkonzerne in der Praxis berechnet. Ziel einer solchen Bilanzanalyse ist es, den momentanen Stand der Umsetzung des Regelwerks näher zu begutachten und mögliche Zukunftsperspektiven im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse zu diskutieren. Somit lassen sich konkretere Aussagen bezüglich der Relevanz der angesprochenen Folgen von Basel III treffen. Die Arbeit endet in einem zusammenfassenden Schlusswort.

2 Basel II

Nach dem Untergang verschiedener Banken wurde man sich der Notwendigkeit einer aufsichtsrechtlichen Regelung bewusst, was in die Maßnahmenpakete Basel I und schließlich Basel II mündete. Diese haben vor allem die Stärkung des bankaufsichtlichen Eigenkapitals als Ziel, welches folgende klassischen Funktionen erfüllen soll [Deutsche Bundesbank, 2011]:

Kompensierung von Verlusten aus laufenden Geschäften Befriedigung von Gläubigeransprüchen im Fall der Insolvenz der Bank Begrenzung des Risikos von Verlusten aus bestimmten Geschäften Durch eine fortschreitende Erfahrungsbasis wurden diese Aufgaben im Laufe der Zeit als nicht mehr ausreichend erfüllt angesehen. Deshalb kam es zu einer Weiterentwicklung des Basler-Regelwerks, was zuletzt in Basel III führte. Zunächst sollen für ein besseres Verständnis die wichtigsten Punkte von Basel I und Basel II näher dargestellt werden.

2.1 Historie und Basel I

Die Anfänge der genannten Entwicklung gehen auf das Jahr 1988 zurück, in welchem das Konsultationspapier „Bank für internationalen Zahlungsausgleich (1987)“, das später als Basel I in die Geschichte eingegangen ist, verfasst wurde und vier Jahre später in Kraft getreten ist [Hofstetter, 2011]. Der Autor dieses Regelwerks, die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ihren Sitz in Basel, was die Namensgebung erklärt. Das Ziel von Basel I war es, ein funktionierendes Bankensystem zu sichern, Aufsichtsnormen zu standardisieren, die Finanzmärkte zu stabilisieren und international einheitliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Vor allem sollten die teils stark wachsenden und bis zu diesem Zeitpunkt deregulierten Banken unter nationale und internationale Aufsicht gestellt werden, um weitere Krisen und Aufsichtsarbitrage infolge differenzierter rechtlicher Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern zu verhindern. Die Ziele sollten hauptsächlich durch eine allgemeingültige Mindesteigenkapitalunterlegung von 8% der risikogewichteten Aktiva erreicht werden. Hierbei handelt es sich um das Produkt aus einem Gewichtungsfaktor, der die jeweilige Risikoklasse einer Anlage repräsentiert, und der Summe der Vermögensgegenstände wie Kreditforderungen und eigenen Investitionen. Zeitgleich wurde das Eigenkapital in verschiedene Kategorien gemäß seiner Qualität eingeteilt, wobei bestimmte Anteile jeder Kategorie in den 8%-igen Kapitalanforderungen enthalten sein müssen. Diese Einteilung wird bei der Vorstellung von Basel II näher besprochen, da sie in ihren Grundzügen bis heute Gültigkeit besitzt [King und Tarbert, 2011; Lüders u.a., 2011].

Eine solche Herangehensweise zur Erreichung der Ziele galt bis in die 90er Jahre als ausreichend und wird sogar heute noch in mehr als 100 Ländern als internationaler Standard angesehen. Dennoch ermöglichten die sehr pauschalen und wenig differenzierenden Regelungen von Basel I Aufsichtsarbitrage, also die Ausnutzung bestimmter aufsichtsrechtlicher Schwachstellen zur Verbesserung der eigenen Position. So war es Banken in bestimmten Geschäften beispielsweise möglich, ihre Rendite durch das Eingehen höherer Risiken zu steigern, während zeitgleich die Menge an zu unterlegenden Eigenkapital identisch blieb [Blundell-Wignall und Atkinson, 2010]. Parallel dazu wurden aber auch Absicherungsmaßnahmen von Banken, welche ihr Risiko reduzierten, nicht ausreichend quantitativ in den Eigenkapitalanforderungen berücksichtigt. Diese und weitere Schwächen in der Konzeption von Basel I führten dazu, dass im Jahre 1999 erneut Verhandlungen aufgenommen wurden, welche schließlich in dem aufbauenden Regelwerk Basel II mündeten.

2.2 Umsetzung

Nach drei vorangehenden Konsultationspapieren veröffentlichte der Basler Ausschuss im Juni 2004 ihr Basel II-Framework „Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (2004)“. Da Basel II erstmals verbindlichen Richtliniencharakter für alle Kreditinstitute in der Europäischen Union aufwieß, war eine Umsezung durch die EU notwendig. Diese wurde am 14. Juni 2006 durch die als „Richtlinien über Eigenkapitalanforderungen“ bezeichneten Richtlinien „Europäisches Parlament & Rat der europäischen Union (2006a)“ und „Europäisches Parlament & Rat der europäischen Union (2006b)“ realisiert. Die erforderliche, wenn auch verpflichtende nationale Umsetzung in Deutschland geschah duch Gesetz am 17. November 2006, wobei vor allem das Kreditwesengesetz angepasst und die Solvabilitätsverordnung, welche die wesentlichen Bestimmungen zur angemessenen Eigenkapitalausstattung beinhaltet, neu eingefürt wurden. Die Regelungen traten in Deutschland hauptsächlich zum Jahresbeginn 2007 in Kraft.

2.3 Kapitalanforderungen

Eines der Hauptziele von Basel II ist es, die regulatorischen Eigenkapitalanforderungen stärker am tatsächlichen Risiko einer Bank auszurichten. Dieser Anforderung ist man vor allem durch eine Integration von operationellen Risiken zu den vorhandenen, traditionellen Kreditrisiken und Marktrisiken in der Menge an mit Eigenkapital zu unterlegenden Risikoarten nachgekommen. Hierbei wurde das Konzept der Risikogewichtung weitgehend beibehalten, dessen Bemessung durch die Einführung risikosensitiver Methoden aber weiter verfeinert. Daneben ist die größte Errungenschaft von Basel II die Einführung eines Drei-Säulen-Konzepts, welches in Abbildung 1 dargestellt ist. Dieses besteht aus quantitativen Eigenkapitalanforderungen (Mindestkapitalanforderungen), Überprüfungsverfahren zur Stärkung einer qualitativen Aufsicht (Bankaufsichtlicher Überwachungsprozess) und erweiterten Transparenzvorschriften (Erweiterte Offenlegung), wobei Säule 1 die wichtigste und am meisten diskutierte darstellt [Europäische Zentralbank, 2001]. Wie bereits in der historischen Entwicklung des Baseler Abkommens beschrieben, resultieren die Eigenkapitalanforderungen besonders aus jener Säule 1 des Drei-Säulen-Konzepts, welches durch zusätzliche Anforderungen an die Eigenkapitalunterlage die Stabilität des Finanzsystems verbessern sollte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: 3-Säulen Konzept von Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Paul und Stein (2002)

Zentraler Punkt jenes ersten Standbeines ist der Kapitalkoeffizient, welcher das von Basel II geforderte Eigenkapital näher bestimmt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mit EK als Eigenkapital, RWA als gewichtete Risikoaktiva und

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] als die Anrechnungsbeiträge für Markt- und operationelle Risiken.

Der Unterschied zu dem von Basel I bestimmten Quotienten besteht in der Hinzufügung von operationelle Risiken im Nenner des Quotienten, wodurch diese ebenso mit dem entsprechend notwendigen Kapital unterlegt werden müssen. Folglich muss der Zähler steigen, um die geforderten acht Prozentpunkte zu erreichen [Deutsche Bundesbank, 2001].

Um die Auswirkungen der neuen Regularien zu überprüfen, führte der Baseler Ausschuss fünf Studien durch. Nach der letzten QIS (Quantitative Impact Study) war sich das Gremium einig, dass die Formel zur Berechnung des Kapitalkoeffizienten modifiziert werden musste. Um ein Absinken der Mindesteigenkapitalanforderungen im G-10 Durchschnitt zu vermeiden wurde ein Skalierungsfaktor von 1,06 für die RWA hinzugefügt, mit welchem diese multipliziert werden. Der Rest der Formel wurde beibehalten [Reichling u.a., 2007].

Als Marktrisiko wird vor allem das Risiko bezeichnet, dass Positionen des Kreditinstituts durch negative Marktbewegungen an Wert verlieren könnten. Typische Beispiele stellen Zinsänderungsrisiken, Wechselkursrisiken und Rohstoffrisiken dar. Diese systemtatische Risikoart muss seit Basel I mit Kapital unterlegt werden. Wie sich aber vor allem in der aktuellen Finanzkrise herausgestellt hat, war die Unterlegung des Marktrisikos unter Basel II nicht ausreichend, weshalb entsprechend aufbauende Instrumente im Zuge von Basel III implementiert wurden. Auf diese wird im späteren Verlauf der Arbeit näher eingegangen.

Mit den operationellen Risiken wird laut Definition „die Gefahr von unmittelbaren oder mittelbaren Verlusten, die in Folge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder von externen Ereignissen eintreten“ erfasst [Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2001]. Um diese korrekt einschätzen zu können, stehen Ansätze wie der Basisindikator-, der Standard- und der fortgeschrittene Bemessungsansatz zur Verfügung. Für eine detaillierte Darstellung dieser Varianten sei auf Hofmann (2002) verwiesen. Interessanter ist die genaue Zusammensetzung des Zählers des Kapitalkoeffizienten. Denn die essenzielle Frage ist hierbei, woraus die Eigenmittel bestehen, welche Mindestanforderungen dazu existieren und wie sich deren drei regulatorischen Komponenten, Kern,- Ergänzungsund Drittrandkapital, zusammensetzen. Diese ausführlichere Betrachtung wird für das kommende Kapitel benötigt, in welchem das Regelwerk von Basel III näher vorgestellt wird. Hier sind die Kennzahlen noch weitestgehend gültig, weshalb sie zum besseren Verständnis und für Vergleichszwecke bereits an dieser Stelle präsentiert werden.

2.3.1 Kernkapital

Der zentrale Teil der Eigenmittel ist das sogenannte Kernkapital, dessen Zusammensetzung in einen bilanziellen und ökonomischen Part unterteilt werden kann. Die Posten dieser lehnen sich an das Kreditwesengesetz an und wurden vor Basel III von den meisten Banken als der zentrale Eigenkapitalbegriff angesehen.

Bilanzielles Eigenkapital

Der erste Part des Kernkapitals, das bilanzielle Eigenkapital, gliedert sich in die in Tabelle 1 aufgelisteten Bestandteile.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

= Bilanzielles Eigenkapital

Tabelle 1: Zusammensetzung des bilanziellen Eigenkapitals unter Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2002), S.43

Das bilanzielle Eigenkapital ergibt sich somit aus der Differenz des eingezahlten Kapitals, wie Geschäfts-, Grund- und Stammkapital und der eigenen Aktien bzw. Geschäftsanteilen, was dann dem Bilanzvermögen entspricht. Addiert werden zudem die offenen Rücklagen sowie Vermögenseinlagen stiller Gesellschafter. Je nachdem, ob das Kreditinstitut einen Bilanz- bzw. Zwischenbilanzgewinn oder -verlust erzielt hat, wird jener ebenfalls addiert oder subtrahiert. Ein zusätzlicher Abzugsposten beinhaltet Überschüsse der Aktivposten über die Passivposten, welcher jedoch nur für Zweigstellen von Unternehmen mit Sitz im Ausland erlaubt ist [Deutsche Bundesbank, 2002].

Ökonomische Eigenmittel

Im Gegensatz zum bilanziellen Eigenkapital orientieren sich die ökonomischen Eigenmittel an den internen Prozessen bzw. deren Risiken, die aufgrund verschieden verwendeter Verfahren je nach Kreditinstitut unterschiedlich hoch ausfallen. Die Zusammensetzung der ökonomischen Eigenmittel ist in Tabelle 2 dargestellt.

= Ökonomische Eigenmittel

Tabelle 2: Zusammensetzung der ökonomischen Eigenmittel unter Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2002), S.43

Hierbei werden dem oben genannten Beträgen des bilanziellen Eigenkapitals der Sonderposten für allgemeine Bankrisiken und vom Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen anerkanntes freies Vermögen hinzugefügt. Negativ wirken sich die vier Größen Schuldenüberhang des Inhabers bzw. persönlich haftender Gesellschafter, gekündigte Geschäftsguthaben, immaterielle Vermögensgegenstände und Korrekturposten auf das zu unterlegende Eigenkapital aus. Die Summe aus bilanziellem und ökonomischem Eigenkapital wird Kernkapital bezeichnet, welches den eigentlichen Eigenkapitalbegriff der Kreditinstitute darstellt [Deutsche Bundesbank, 2002]. Dieses Kernkapital wird aufsichtrechtlich wiederum in hartes Kernkapital (Common Equity Tier 1) und weiches Kernkapital (Additional Tier 1) unterteilt, wobei für jede Kapitalart bestimmte Charakteristika und Mindestanforderungen existieren [Bamberger und von Pföstl, 2010].

Hartes Kernkapital

Das harte Kernkapital stellt im Prinzip die zentrale Ausgangsgröße im Eigenmittelrechenwerk seit Basel I dar und ist dafür vorgesehen, Verluste aufzufangen und den Fortbestand des Instituts zu gewährleisten [Lüders u. a., 2011]. So besteht das harte Kernkapital hauptsächlich aus den genannten Komponenten Aktienkapital und thesaurierten Gewinnen. Eine detailliertere Darstellung wird bei der Präsentation von Basel III nachgereicht. Das Abkommen von Basel

II schreibt den Kreditinstituten eine Eigenkapitalunterlegung des harten Kernkapitals von 2% der risikogewichteten Aktiva vor [Bayern LB Research, 2011].

Weiches Kernkapital

Weiches Kernkapital, oft auch als ergänzendes Kernkapital bezeichnet, beinhaltet zusätzlich zu den harten Kernkapitalbestandteilen sogenanntes hybrides Kernkapital. Allgemein gesprochen versteht man unter einem hybriden Finanzinstrument eine Fremdkapitalart, welche mehrere eigenkapitalartige Charakteristika aufweist und daher aufsichtsrechtlich in definierten Grenzen zur Kapitalunterlegung verwendet werden darf. Unter Basel II waren als Hybridkapital vor allem stille Einlagen anerkannt. Die genaue Ausgestaltung des hybriden Kernkapitals wurde mit der Einführung von Basel III teils drastisch verschärft, wie im späteren Verlauf noch dargestellt wird. Auch für das weiche Kernkapital wird eine Mindestanforderungen von 2% der RWA ausgesprochen, sodass die Summe an gesamten Kernkapital mindestens 4% der risikogewichteten Aktiva betragen muss [Bayern LB Research, 2011]. Zusätzlich besteht die sogenannte 50/50-Regelung, welche weiche Kernkapitalbestandteile nur bis maximal 50% des gesamten Kernkapitals zulässt [King und Tarbert, 2011].

2.3.2 Ergänzungskapital

Den zweiten Bestandteil der Eigenmittel stellt das Ergänzungskapital (Tier 2) dar. Erweitert man das Kern- um das Ergänzungskapital, so nennt man die resultierende Größe in der Regel das haftende Eigenkapital, womit der Eigenkapitalbegriff des Handelsrechts erweitert wird. Die Bestandteile des Ergänzungskapitals sind in Tabelle 3 einzusehen.

Bilanzielles Eigenkapital

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

= Haftendes Eigenkapital

Tabelle 3: Zusammensetzung des Ergänzungskapitals unter Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2002), S.43

Das Ergänzungskapital soll - wie der Name schon sagt - das Kernkapital erweitern, um in Krisenzeiten liquide bleiben zu können. Dazu addiert man zum Kernkapital die sieben Posten Vorsorgereserven, Vorzugsaktien, nicht realisierte Reserven, Rücklagen, Genussrechtsverbindlichkeiten, längerfristige nachrangige Verbindlichkeiten und den Haftsummenzuschlag. Abgezogen wird hingegen abermals ein Korrekturposten. [Deutsche Bundesbank, 2002].

Unter Basel II wurde das Ergänzungskapital stark zur Unterlegung der Risikoklassen verwendet. Hierbei wurden für eine exaktere Differenzierung zwei Klassen an Ergänzungskapital gebildet, das Ergänzungskapital erster und zweiter Klasse. In der Summe sieht der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht eine Mindestanforderung von 4% der RWA vor. Hierbei besteht die weitere Restriktion, dass das Ergänzungskapital erster Klasse maximal einen identischen Anteil wie das gesamte Kernkapital aufweisen darf. Das Ergänzungskapital zweiter Klasse hingegen, zu welchen längerfristige nachrangige Verbindlichkeiten und der Haftsummenzuschlag zählen, wird aufgrund seiner geringeren Fähigkeit zur Deckung von Verlusten nur mit maximal 50% des Kernkapitals als haftendes Eigenkapital angesehen [Deutsche Bundesbank, 2011]. Die Summe aus Kernkapital und Ergänzungskapital liefert in ihren Mindestanforderungen die vorgeschriebenen 8% des Kapitalkoeffizienten [Bayern LB Research, 2011].

2.3.3 Drittrangmittel

Um zum Begriff des regulatorischen Eigenkapitals und somit den Mindestanforderungen der Kreditinstitute zu gelangen, wird das haftende Eigenkapital schließlich um die Drittrangmittel (Tier 3) erweitert, welche sich wie in Tabelle 4 dargestellt zusammensetzen. Drittrangmittel genügen qualitativ nicht um als haftendes Eigenkapital zu dienen und sind daher zur Abdeckung von Marktrisiken vorgesehen. Sie bestehen aus den Positionen Netto Haftendes Eigenkapital

= Regulatorisches Eigenkapital

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Zusammensetzung der Drittrangmittel unter Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2002), S.43

gewinn, kurzfristige nachrangige Verbindlichkeiten und dem Teil des Ergänzungskapitals, welches sich oberhalb der genannten Restriktionen befindet. Daneben stehen die negativen Posten Marktpflege in kurzfristigen Nachrangverbindlichkeiten, schwer realisierbare Aktiva und Verluste von Tochterunternehmen gegenüber [Deutsche Bundesbank, 2002].

Hinsichtlich der Mindestanforderungen an die Eigenkapitalunterlegung wird für die Drittrangmittel kein exakter Prozentsatz in Abhängigkeit der RWA genannt. Die damit abgedeckten Marktrisiken spielen jedoch automatisch mit in die Kapitalanforderungen hinein, wie auch die Formel des Kapitalkoeffizienten verdeutlicht [Blundell-Wignall und Atkinson, 2010].

2.3.4 Überblick

Einen abschließenden Überblick über die Kapitalarten und deren Mindestanforderungen liefert Abbildung 2 auf der nächsten Seite. Diese Abbildung dient auch im weiteren Verlauf als Vergleichsmaßstab für die neuen Kapitalanforderungen von Basel III.

2.4 Defizite der Kapitalanforderungen

Wie die immer noch andauernde Finanzkrise zeigt, war das Konzept von Basel II alles andere als krisensicher. Anhand von zahlreichen Beispielen wurde den Experten vor Augen geführt, dass die geforderte Eigenkapitalunterlegung in Rezessionszeiten keineswegs ausreicht bzw. das von den Banken eingegangene Risiko bei der Kreditvergabe nicht genügend abgedeckt wurde. In einigen Fällen gefährdeten ungedeckte Verluste sogar die Unternehmensfortführung und machten staatliche Eingriffe und Kapitalzuführungen erforderlich. Vor allem im Hinblick auf die Funktion des Eigenkapitals, Verluste zu absorbieren, traten erhebliche Qualitäts- und Quantitätsdefizite bei den Eigenmitteln auf. Beispielsweise wurde von den Kreditinstituten in den Jahren vor der Krise sehr viel hybrides und damit teilweise haftendes Kapital aufgebaut, welches aber nur zum Teil zum Verlustausgleich zur Verfügung stand. Aber auch bezüglich der Dauerhaftigkeit einiger Eigenkapitalmittel konnten klare

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kapitalanforderungen unter Basel II

Quelle: Eigene Erstellung, in Anlehnung an Deutsche Bundesbank (2011), S.10

Schwächen herausgestellt werden, als Kündigungsrechte es Kapitalgebern erlaubten, ihr zur Risikodeckung verwendetes Kapital in Krisenzeiten abzuziehen [Deutsche Bundesbank, 2011].

Durch eine mangelnde Transparenz der Eigenkapitalinstrumente waren viele Kreditinstitute nicht in der Lage, die Schwächen im System frühzeitig zu erkennen, was zu einer Fehlbewertung der Risiken führte. Eine solche Risikobewertung basierte in Basel II aber oft auch auf freiwilliger Basis, indem die Wahl der Verfahren zur Bestimmung der Risiken selbst getroffen werden konnten, womit ein zu großer Handlungsspielraum für die Banken hinsichtlich der Eigenkapitalunterlegung entstand. Der modifizierte Akkord von Basel III zielt vermehrt auf strikte Regeln und Kennzahlen bezüglich der Kapitalanforderungen der Kreditinstitute ab und hält sich folglich nicht länger nur mit Empfehlungen auf [Deutsche Bundesbank, 2011].

Zuletzt führte Basel II auch zu einem regulatorischen Paradoxon: Aufgebautes Eigenkapital kann in Krisenzeiten nicht zur Abfederung der Verluste verwendet werden, da eine Unterschreitung der Mindestanforderungen zu Sanktionen seitens der Aufsicht bis zur Entziehung der Bankerlaubnis führen würde. Eine Lösung dieser Problemstellung ist Teil des Basel III Paketes und wird im nun folgenden Kapitel besprochen. [Deutsche Bundesbank, 2011].

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Details

Seiten
52
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656083535
ISBN (Buch)
9783656083399
Dateigröße
4.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v183849
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Lehrstuhl für Statistik
Note
1,0
Schlagworte
Basel II Basel III Kapitalanforderungen Kernkapital Leverage Ratio Liquidity Coverage Ratio Net Stable Funding Ratio Bilanzanalyse

Autor

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Titel: Übergang Basel II zu Basel III - Kapitalanforderungen deutscher Banken