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Der Skype Chat - Näher am Gespräch!?

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Chat
2.1 Der Chat zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit
2.2 Die Sonderstellung des Chats in traditionellen Kommunikationsformen - Die Gesprächsregeln gelten nicht?

3. Skype - Ein Kommunikationsdienst
3.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Skype Chats zu bisher untersuchten Chatformen
3.2 Eine Aneinanderreihung von Aussagen?

4. Schluss: Der Skype Chat - Näher am Gespräch!?

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Kaum ein Medium entwickelt sich so rasant wie das Internet. Mit dieser Entwicklung geht auch die fortschreitende Weiterentwicklung der Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb dieses Mediums einher. Neben der elektronischen Mail muss der Chat als eines der meistgenutzten Kommunikationsmittel im Internet gesehen werden. Da diese Form des multimedialen Austauschs nicht neu ist und der erste Chatroom seiner Art bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten geöffnet wurde, sind auch das linguistische Interesse und die Untersuchung dieser Form der Kommunikation bereits stark diskutiert worden. Hier sind beispielsweise die Untersuchungen Michael Beißwengers heranzuziehen, die sich der Frage widmen, in wie weit sich der Chat von einem mündlichen Gespräch unterscheidet. Hierbei werden grundlegende Kriterien des mündlichen Gesprächs auf die Chatkommunikation angewandt. Zu Beißwengers Theorien der Chatkommunikation lassen sich noch weitere Ansichten kontrastieren, die sich allerdings alle vermehrt auf keinen speziellen Chat stützen. Neben der Tatsache, dass sich der Chat ebenso rasant entwickelt und somit eine ständige Untersuchung seiner Selbst fordert kommt noch hinzu, dass man nicht allgemein vom Chat als Solchem sprechen kann. Gleich der Vielfalt des Internets ist auch keine allgemeingültige Definition eines Chats möglich, sodass für jedes Programm und jedes Chatangebot im Internet eigene, vom Betreiber oder Entwickler des Chats festgelegte Regeln gelten. Aus diesem Grund ist eine genauere Untersuchung eines einzelnen Chatprogramms auch besonders interessant, da man hierbei die Kriterien des Gesprächs explizit in der Nutzung des Programms ausprobieren und untersuchen kann. Daher befasst sich die folgende Arbeit im Hauptteil ausschließlich mit der Instant Messaging Funktion des Kommunikationsdienstes Skype, das von dem Schweden Niklas Zennström und dem Dänen Janus Friis entwickelt wurde.1 Hierbei wird die Frage im Zentrum stehen, in wie weit der Skype Chat sich von den bereits untersuchten Chatformen unterscheidet, aufgrund derer beispielweise Michael Beißwenger die These aufgestellt hat, dass die Chatkommunikation nicht als Gespräch angesehen werden kann. Um diese Thesen auf die Untersuchung der Skype Chatkommunikation anzuwenden, gilt es im ersten Teil der Arbeit zunächst die technischen und kommunikativen Rahmenbedingungen des Chats und die bereits erfolgten Untersuchungen und ihre Ergebnisse kurz anzureißen, um die Sonderstellung des Chats aus der Sicht der traditionellen Kommunikationsformen nachzuvollziehen. Daraufhin wird dann die Analyse der Instant Messaging Funktion des Programms Skype im Vordergrund stehen, dessen Untersuchung durch die Verwendung einiger Chatprotokolle erfolgen wird. Zu dieser Analyse wird es nötig sein, das Programm selbst zunächst kurz vorzustellen und seine Entwicklung und seinen Zweck zu erläutern, der für die Untersuchung der praktischen Nutzung der Chatfunktion eindeutig Relevanz besitzt.

Aus dieser Untersuchung des Skype Chats soll die Beantwortung der Fragestellung erfolgen, ob der Skype Chat gegenüber den vorgestellten Untersuchungen möglicherweise eine Sonderstellung einnimmt und die Kriterien der Gesprächsführung hierbei vielleicht eher greifen, als bei den Chats, die durch Michael Beißwenger oder Juliane Schönfeldt untersucht wurden. Sprechen die Funktionen, die der Skype Chat bietet für eine andere Art der Kommunikation, die dem klassischen Gespräch näher kommen?

2. Der Chat

Der Name Chat kommt vom englischen Verb - „to chat“ was so viel bedeutet wie plaudern oder sich unterhalten. Ganz im Sinne des ihm zugrunde liegenden Verbs funktioniert der Chat aber nicht. Wenn auch davon ausgegangen werden könnte, dass es sich hierbei also um eine mündliche Kommunikation in ungezwungener Atmosphäre handelt, so steht der Chat heute für die elektronische Kommunikation über das Internet, bei der alle Chatpartner gleichzeitig vor ihrem Computer sitzen und somit in Ansätzen von einer Echtzeitkommunikation gesprochen werden darf. Generell kann der Chat in drei weitere Formen differenziert werden. So gilt es zunächst zwischen dem Web und Programm basierten Chat zu unterscheiden. Der Webchatter benötigt kein zusätzliches Programm auf seinem Computer und kann chatten, sobald er eine Webseite aufruft, die einen Web Chat anbietet und bei der er registriert ist. Ein prominentes Beispiel dieser Chat Form ist Facebook. Hier ist es möglich, sich mit anderen Facebook Nutzern durch das Zusenden von kurzen Nachrichten zu unterhalten, sofern dieser Facebook Nutzer ebenso gerade online ist und seine Chat-Funktion aktiviert hat. Die einzigen weiteren Voraussetzungen zu dieser Form des Chats sind obligatorisch, da jeder Internetnutzer meist einen Java fähigen Browser besitzt. Der programmbasierte Chat ist dementsprechend mit etwas mehr Aufwand verbunden, da für diesen eine spezielle Client Software herunterladen werden muss, wie beispielsweise die Skype-Software. Des Weiteren wird ein Benutzerkonto benötigt, um sich im Programm anmelden zu können. Hierbei ist besonders zu beachten, dass man natürlich auch nur mit den Personen chatten kann, die bei dem gleichen Anbieter ein Benutzerkonto besitzen und die Software ebenfalls auf ihrem Computer haben. Dafür lassen programmbasierte Chats dem Nutzer mehr Möglichkeiten und bieten eine Vielzahl von Funktionen auf die im späteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen wird.

Der Chat lässt sich grob in zwei Arten unterscheiden, die einen wichtigen Unterschied in der Kommunikation darstellen. Es gibt einerseits den Chatraum, in dem gleich mehrere Nutzer aktiv sein können und sich die Nachrichten aller Nutzer befinden, welcher auch als one-to-many Chat bezeichnet wird. Diese Möglichkeit bietet der Facebook Chat beispielsweise (noch) nicht. Die andere Form des Chats ist die one-to- one Kommunikation, also das „Gespräch“ zwischen zwei Teilnehmern.

Die Unterscheidung dieser Formen ist besonders im Hinblick auf die zu untersuchende Frage, ob der Skype Chat sich in seiner Entwicklung näher am Gespräch befindet, besonders wichtig, da im Folgenden auch nur die Untersuchung von one-to-one Chats erfolgen wird, auch wenn Skype den gleichzeitigen Chat von mehreren Nutzern zulässt. Dem Chat im Allgemeinen liegt zugrunde, dass seine Nutzer meist nicht unter ihren richtigen Namen angemeldet sind, sondern meist ein Pseudonym benutzen. Allerdings ist es zumindest bei dem hier zu untersuchenden Programm Skype möglich, den richtigen Namen sowie einen Wohnort und ein Bild im eigenen Profil abzuspeichern, um es Bekannten zu ermöglichen über die Suchfunktion gefunden zu werden.

Doch wie kann der Chat nun in klassische Kommunikationsformen eingeordnet werden? Ist der Chat einem Brief gleichzusetzen? Ist er ein niedergeschriebenes Gespräch, als ob die Gesprächspartner ihre Aussagen nacheinander niederschreiben? Dieser Frage soll im Folgenden durch die Untersuchung zweier wichtiger Diskussionspunkte zur Chatkommunikation nachgegangen werden.

2.1 Der Chat zwischen konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Was bedeutet konzeptionelle Mündlichkeit? Und wie ist der Chat in diese Modelle von konzeptioneller Schriftlichkeit und Mündlichkeit einzuordnen? Ist eine eindeutige Zuordnung überhaupt möglich? Laut Michael Beißwenger ist eine derartige Zuordnung nicht möglich. Er stellt die Hypothese auf, dass die Chat-Kommunikation in erster Linie eine konzeptionell mündliche ist, zeigt aber auch Phänomene auf, die auf die Zuordnung zu konzeptioneller Schriftlichkeit hindeuten. Dabei bezeichnet er Chat- Kommunikation aufgrund dieser Zuweisung zu beiden Modellen, als ein Hybrid.2 Um den Skype Chat in diese Modelle einzuordnen und die Hypothese Beißwengers zu untersuchen, müssen diese Modelle und die Ausführungen zunächst anhand der bereits untersuchten Chats dargestellt werden.

Das Modell der Konzeptionalität geht auf Koch/Österreicher zurück, die einfach dargestellt folgendermaßen unterscheiden.3 Ein wissenschaftlicher Vortrag gilt laut diesem Modell als konzeptionell schriftlich, da er in besonderem Maße vorbereitet wurde und in Sprachwahl und Aufbau auch während des Vortrages mehr schriftlich als mündlich wirkt. Ein Privatbrief jedoch, ist vielmehr eine unvorbereitete Niederschrift von Gedanken, die zu Papier gebracht und abermals vorgelesen, einem mündlichen Beitrag näher kommt.4 Dies funktioniert unabhängig von dem jeweilig benutzten Medium. Allerdings geht Beißwenger in der Überprüfung seiner Hypothese sehr viel weiter und analysiert vor allem das für den Chat spezifische Rückmeldeverhalten, also die aus der Kommunikation bekannten Hörersignale. Hierbei stellt er die Aufmerksamkeitssignale5 als eindeutig konzeptionell mündliches Phänomen dar. Als Gegenargument bezieht Beißwenger sich auf die Mittelbarkeit des Chats, indem er andeutet, dass der Chat nur dann konzeptionell mündlich sein kann, wenn jeder einzelne Buchstabe sofort übertragen würde, und eine Änderung des Geschriebenen im Nachhinein ausgeschlossen wäre.

[...]


1 Vgl. Thor, Alexander: Das Skypebuch, Internettelefonie; alles über Skype; [rund um die Welt kostenlos telefonieren; mit Skype können Sie andere auf Computern oder Telefonen anrufen], Berlin 2006, Seite 13.

2 Vgl. Beißwenger, Michael: Kommunikation in virtuellen Welten: Sprache, Text und Wirklichkeit, Stuttgart 2000, Seite 44.

3 Vgl. Ebd.

4 Vgl. Bader, Jennifer (2002). »Schriftlichkeit und Mündlichkeit in der Chat-Kommunikation« < http://www.mediensprache.net/networx/networx-29.pdf > In: Networx. Nr. 27. ISSN: 1619-1021.

5 Vgl. Beißwenger, Michael: Kommunikation, Seite 46.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656085959
ISBN (Buch)
9783656085850
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184059
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Skype Linguistik Chat Germanistik Kommunikation Gespräch Internet Konzeptionelle Mündlichkeit Gesprächsanalyse Juliane Schönfeldt Michael Beißwenger

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