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Probleme in der Bewertung im Sportunterricht

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktion von Noten
2.1. Funktion für Lehrer
2.2. Funktion für Schüler
2.3. Funktion für Institution

3. Bewertung in Niedersachsen

4. Zustandekommen der Gesamtnote
4.1. Leistung
4.2. Was ist Leistungsmessen?
4.3. Was ist Leistungsbewertung?

5. Problematik
5.1. Unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen
5.2. Subjektivität des Lehrers

6. Problemlösung
6.1. Konkretisierung, Tendenz zur Vereinheitlichung
6.2. Transparenz

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 2009 endete an einem Gymnasium in NRW im Rahmen des Projektes „selbständige Schule“ die 7 jährige Praxis im Fach Sport, keine Zeugnisnoten zu verteilen. Aus rechtlichen Gründen wurde es ihnen untersagt, in den Klassen 5-10 lediglich den Lernfortschritt nach Sportart, motorischen Fähigkeiten und sozialen Aspekten detailliert darzustellen. Unbeachtet blieben auch die sehr positive[n] Erfahrungen laut des stellvertretenden Schulleiters, da es so gut wie keine Sportverweigerer gegeben habe.1

Allein dieser Versuch zeigt schon, dass es seit der Einführung des Sportunterrichts im 19. Jahrhundert in Deutschland die Diskusionen über den Nutzen bzw. Sinn von Sportnoten nicht abgerissen haben.2 Neben diesen allgemein gehaltenen Diskussionen muss sich jeder Sportlehrer mindestens zweimal im Jahr damit auseinandersetzen, nicht nur welche konkreten Kriterien er/sie bei der Zeugnisnote einfließen lässt, sondern auch wie stark. Ein ungutes Gefühl und Magenprobleme bleiben häufig zurück, da der Unterrichtende ja um Objektivität und Gerechtigkeit bemüht ist.

Insofern stellt sich die Frage, ob es nicht doch aufgrund der bestehenden Probleme bei der Sportnotengebung nicht sinnvoller wäre, Zeugnisnoten für das Fach Sport abzuschaffen.

Ausgehend von den unterschiedlichen Funktionen einer Note, den Richtlinien in Niedersachsen für die Bewertung und dem Zustandekommen einer Gesamtnote werden die daraus folgenden Probleme näher erläutert, verschiedene Leistungsvoraussetzungen, Gerechtigkeit, Subjektivität des Lehrers und weiche Notengebung thematisiert. Nach der Darstellung der Problematik werden Lösungsansätze vorgestellt.

2. Funktion von Noten

Nach Olechowski hat die Leistungsbeurteilung eindeutige Aufgaben und Funktionen. Im Folgenden werden die wesentlichsten aufgezeigt.

2.1. Funktion für den Lehrer

Als pädagogische Funktion hat die Note zum einen die Aufgabe, den Lehrer über die Qualität seines Unterrichtes zu informieren. Sie zeigt Lernfortschritte bzw. Lerndefizite der Schüler und die Ergebnisse müssen für die weitere Planung des Unterrichts berücksichtigt werden3. Aber es ist wahrscheinlich, dass diese Rückmeldefunktion bezüglich der Qualität des eigenen Unterrichtes bzw. wie erfolgreich er wirklich war, immer objektiv vorhanden ist. Volkamer bezweifelt dies, er sieht in einer Note „die Möglichkeit…, sich um eine sachliche Information hinsichtlich seines Lehrerfolges zu betrügen“.4 Schlechte Noten würde der Lehrer kaum mit einem schlechten Unterricht in Verbindung bringen, vielmehr mit einem höheren Anspruch gegenüber anderen Kollegen oder einfach leistungsmäßig schwachen Schülern. Hier wird deutlich, dass die kritische Reflexionsfähigkeit bezüglich des eigenen Verhaltens nicht automatisch gegeben ist. Die Notengebung bietet dem Lehrer zugleich auch die Möglichkeit, einen Chancenausgleich bei sozial und individuell benachteiligten Kindern zu geben,5 damit sie nicht mit Misserfolgserlebnissen überhäuft werden. Siesollen vielmehr dadurch noch einen zusätzlichen Ansporn erhalten.

Ebenso kann eine Note auch als eine Disziplinierungsmaßnahme für den Schüler dienen, um leistungsunwillige Schüler zu bestrafen, in der Hoffnung, dass sie dadurch ihr Verhalten verändern.

Desweiteren übernimmt die Notengebung auch eine Legitimierungsfunktion. Nach Thiel würden sich gerade Sportlehrer dagegen sträuben, auf Noten zu verzichten, da sie dann zum einen ihr Fach nicht mehr gleichberechtigt gegenüber anderen sehen würden und zum anderen die Leistungsbereitschaft der Schüler zurückginge.6

2.2. Funktion für den Schüler

Auch gibt die Note dem Schüler selber Auskunft über seine erbrachte Leistung. Sie verdeutlicht seine derzeitigen Kenntnisse und Fertigkeiten im Vergleich zu den Leistungen innerhalb der Klasse. Gleichzeitig soll sie ihn eine Motivation und Ansporn geben, sich noch intensiver mit den Lerninhalten zu beschäftigen, da man davon ausgeht, dass jedes Kind nach guten Noten und damit nach Erfolg strebt. Zudem macht die Leistungsbewertung die Schüler zum ersten Mal mit gesellschaftlichen Normen und Ansprüchen bekannt, die sie als solche in der Familie noch nicht unbedingt erfahren haben müssen.7

2.3. Funktion für Institutionen

Nicht zu vergessen ist, dass die Zensur eine Selektionsfunktion erfüllt, das heißt, durch sie werden Aussagen darüber gemacht, ob der Schüler die nächste Klassenstufe erreicht, einen Schulabschluss, eventuell einen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommt. Durch Noten werden „kriterienorientierte Informationen“8 geliefert, die für weitergehende Entscheidungen ausschlaggebend sind. Für den außerschulischen Lebensweg trifft dies jedoch nur eingeschränkt zu, da Ausbildungs-, Arbeits-, Studienplätze durch Angebot und Nachfrage geregelt sind.

3. Notengebung in Niedersachsen

„Lernerfolgskontrollen und Leistungsbewertungen sind notwendige Bestandteile des Unterrichts“.9 Leistungen sollen im Unterricht in allen Kompetenzbereichen eines Faches, die im Kerncurriculum festgehalten sind, überprüft und bewertet werden. Entsprechend der Kerncurricula sollen unterschiedliche Bereiche zur Leistungsfeststellung herangezogen werden. Neben der kontinuierlichen Beobachtung der Schüler/innen im Lernprozess und ihrer individuellen Lernfortschritte sollen Ergebnisse sportmotorischer, mündlicher und fachspezifischer Lernkontrollen vorliegen.10 Explizit wird noch einmal aufgeführt, dass bewegungsbezogene Leistungen, die z.B. durch Leistungstabellen bewertet werden, mindestens 50% der Gesamtnote ausmachen sollen. Für die übrigen Prozente sind der „individuelle Lernfortschritt, die Leistungsbereitschaft und die Übernahme von Verantwortung für sich und andere in die Bewertung mit einzubeziehen“.11 Damit werden die sozialen Kompetenzen eines Schülers angesprochen. Die Kerncurricula machen jedoch gleich zu Beginn schon deutlich, dass die „formulierten erwarteten“, aber auch zu überprüfenden „Kompetenzen die sozialen und personalen Kompetenzen, die über das Fachliche hinaus gehen, nur in Ansätzen erfassen“.12 Diese sehr offen gehaltenen Richtlinien für eine Beurteilung werden noch erschwert durch die Bemerkung, dass beim Lernfortschritt die körperliche Beschaffenheit des Schülers und sein Gesundheitszustand, Berücksichtigung finden müssen und bezüglich des Lernverhaltens der Leistungswille und soziale Verhaltensweisen.13 Die Frage wird aufgeworfen, ob ein sportlich begabter Schüler, der „Null Bock“ hat, aber messbare gute Leistung erbringt, gleichzusetzen ist mit einem Schüler, der wirklich will, aber nicht kann.

4. Zustandekommen der Gesamtnote

Um diese aufgeworfene Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal im Klaren sein, was Leistung ist.

4.1. Leistung

Erdmann unterscheidet Leisten als einen Prozess und Leistung als dem Ergebnis, dem Produkt einer absichtsvollen Handlung.14 „Sobald Schüler versuchen, die im Sportunterricht gestellten Anforderungen zu erfüllen, erbringen sie eine Leistung“.15 Man darf aber nicht übersehen, dass die Bewältigung einer Anforderung bzw. einer zu erlernenden Kompetenz nicht nur von Schwierigkeit der Aufgabe, sondern auch von den individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Schülers abhängt wie auch von der Motivation vor allem Dingen durch den Lehrer. Generell kann Leistung nur dann bewertet werden, wenn sie zuvor gemessen wurde.16 Das setzt entsprechende Maßstäbe oder Beurteilungsnormen voraus. Im Gegensatz zu sportmotorischen Leistungen und Verhaltensweisen sind Leistungswille und soziales Verhalten schwer zu messen.

[...]


1 vgl. Eickler, Marion. Abschied von Sportnoten

2 vgl. Tillmann, 2001, S.45

3 vgl. Olechowski, S.66 ff.

4 Volkamer, S.107

5 vgl. Kleber 1979 in ebd., S. 107

6 vgl. Bernhard, Thiel. Funktionen der Leistungsmessung 4

7 vgl. Bernhard, Thiel. Funktionen der Leistungsmessung

8 Volkamer, S.110

9 Schule und Recht. Erlass

10 vgl. Kerncurriculum Schuljahrgänge 5-10, S.32; vgl. Kerncurriculum Schuljahrgänge 1-4, S.20

11 Kercurriculum Schuljahrgänge 5-10, S.32

12 Kercurriculum Schuljahrgänge 5-10, S.32

13 vgl. Schule und Recht. Erlass

14 vgl. Uni Dortmund. Referat, Leistungsbeurteilung, (Folie 2-6)

15 Bräutigam 2003, S.204

16 vgl. Volkamer, S. 27

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656087045
ISBN (Buch)
9783656086970
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184107
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Sportwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
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