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Fachkräftemangel im Pflegesektor - Ursachen und Handlungsempfehlungen

Hausarbeit 2011 29 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis:

1. Einführung

2. Analyse der Nachfrageseite im Pflegesektor
2.1 Demographie und ihre statistischen Entwicklungen
2.2 Demographischer Wandel
2.3 Pflegebedarf in Deutschland
2.4 Nomineller Pflegebedarf in Deutschland

3. Analyse der Angebotsseite im Pflegesektor
3.1 Zeitliche Entwicklung des Erwerbspersonenpotentials im Pflegesektor .
3.2 Ersatzdienstleistende im Pflegesektor
3.3 Beschäftigungsstruktur und personelle Entwicklungen im Pflegesektor .
3.4 Der Pflegesektor im gesellschaftlichen Ansehen

4. Handlungsempfehlungen
4.1 Mitarbeitergewinnung durch Zuwanderung im Pflegesektor
4.2 Mitarbeitergewinnung durch Nachwuchsrekrutierung
4.3 Mitarbeiterbindung
4.3.1 Motivation
4.3.1.1 Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Leistung
4.3.1.2 Arbeitszeitgestaltung
4.3.2 Betriebliche Gesundheitsförderung

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1 Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland am 31. Dezember 1910

Abbildung 2 Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland am 31. Dezember 2050

Abbildung 3 Zeitreihe Pflegebedürftige nach Versorgungsart im Zeitraum 1999-2009

Abbildung 4 Zeitreihe Erwerbspersonen in der Pflegebranche im Zeitraum 1999-2009

Abbildung 5 Ausbildungsplätze in der Krankenpflege

Abbildung 6 Häufigkeiten von Tätigkeiten mit Belastungen der Wirbelsäule

1. Einführung

Schlägt man am Morgen die Tagespresse auf oder sieht man am Abend die Nachrichten, so wird der Zuschauer nahezu täglich mit Begriffen wie demogra- phischem Wandel der Bevölkerung, überalternde Gesellschaft und akuter wer- denden Pflegenotstand konfrontiert. Doch wie passen diese Begriffe zueinander und gibt es einen Zusammenhang mit dem immer akuter werdenden Fachkräf- temangel?

Die demographische Entwicklung ist ein aktuelles Thema, welches Wissen- schaft und Praxis gleichermaßen beschäftigen. Die Bevölkerungsveränderung führt dazu, dass es in Zukunft in Deutschland mehr ältere Menschen geben wird, die im Pflegefall versorgt werden müssen.1 Dafür müssen zeitgleich mehr Fachkräfte beschäftigt werden, um die steigende Zahl der Pflegebedürftigen zu bewältigen.2 In Zeiten von einer sinkenden Bevölkerungszahl und immer älter werdenden Menschen besteht die Schwierigkeit im Pflegesektor (sowohl in der Alten- und Krankenpflege) neue Mitarbeiter zu gewinnen und die bereits Be- schäftigten an das Unternehmen zu binden. Diese Herausforderung steht im Zentrum der vorliegenden Arbeit. Im ersten Schritt wird die demographische und statistische Entwicklung vorgestellt. Die Arbeit befasst sich im Kapitel 2 mit dem aktuellen und zukünftigen Pflegebedarf in Deutschland. Im Kapitel 3 wer- den die demographischen Auswirkungen auf das Angebot an Pflegekräften un- tersucht. Hierbei stehen die statistischen Entwicklungen, die Beschäftigungs- struktur sowie das gesellschaftliche Ansehen der Pflegeberufe im Vordergrund. Das Ziel dieser Arbeit ist es im Kapitel 4 den Unternehmen Handlungsempfeh- lungen zu geben, um den drohenden Fachkräftemangel in Zukunft gegenüber- treten. Es werden Handlungsalternativen zur Mitarbeitergewinnung aufgezeigt und Empfehlungen gegeben, wie bereits beschäftigte Fachkräfte weiterhin im Unternehmen gebunden können. Abschließend wird im Kapitel 5 ein Resümee gezogen.

2. Analyse der Nachfrageseite im Pflegesektor

2.1 Demographie und ihre statistischen Entwicklungen

Der Begriff Demographie setzt sich aus den altgriechischen Worten demos (Volk) und graphein (schreiben) zusammen. In diesem Zusammenhang wird auch von einer Volksbeschreibung bzw. Bevölkerungslehre gesprochen.3

In Deutschland hat das Statistische Bundesamt, im Folgenden mit StatBA abgekürzt, die Aufgabe „laufend Daten über Massenerscheinungen zu erheben, zu sammeln, aufzubereiten, darzustellen und zu analysieren“.4 Diese Informationen sollen verschiedenen Personengruppen u.a. Politik, Verwaltung, Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden.5 „Durch die Ergebnisse […] werden gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Zusammenhänge für Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung aufgeschlüsselt“.6

Seit erstmaliger Erfassung der Daten im Jahr 1871 untersucht das Statistische Bundesamt in diesem Zusammenhang die demographischen Entwicklungen in Deutschland. Zu Beginn der Erfassung durch das StatBA übertrafen die Geburtenzahlen stets die Anzahl der Todesfälle, so dass man nicht von einem demographischen Wandel sprechen konnte. Zu dieser Zeit konnte auch die graphische Struktur der Altersverteilung in Form einer Pyramide vorgenommen werden. Häufig spricht man in diesem Zusammenhang auch von der sogenannten Alterspyramide, welche in Abbildung 1 dargestellt wird.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland am 31. Dezember 19108

2.2 Demographischer Wandel

Das Bild der Alterspyramide veränderte sich bis 1970 nicht. In den 1960er Jah- ren wurden hohe Geburtenraten verzeichnet. 1964 war mit 1,4 Millionen Gebur- ten ein absolutes „Baby-Boom-Jahr“9. Die Geburtenrate lag mit 2,5 Kindern je Frau auf einem Höchststand10. Nach Einführung der Antibabypille im darauffol- genden Jahrzehnt veränderte sich die Struktur der Alterspyramide. Im Jahr 2009 lag die Geburtenrate bei 1,36 Kindern je Frau11. Man begann von einem demographischen Wandel zu sprechen. Eine weitere Ursache für diese Verän- derung war abgesehen von der Antibabypille die gestiegene Lebenswartung des Menschen. Neben medizinischen Weiterentwicklungen, verbesserter Hygi- ene und bewusster Ernährung spielte auch die gesellschaftliche Einstellung gegenüber einem Kind eine bedeutende Rolle.

In der Fachwelt spricht man bei der graphischen Form des Altersaufbaus von einem „Pilz“12. Abbildung 2 zeigt diese Form der Bevölkerungsentwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland am 31. Dezember 205013

Prognosen des StatBA zufolge ist damit zu rechnen, dass bis zu dem Jahre 2030 die Bevölkerung in Deutschland auf 77 Millionen Menschen schrumpfen wird. Dies entspricht einem Rückgang von rund 5 Millionen.14 Denkbare Folgen könnten „leer stehende Läden, unbewohnte Häuser und nicht mehr genutzte Schulen und Kirchen“ sein.15 Demographischer Wandel bedeutet vor allem, dass Menschen älter werden und die Bevölkerungszahl abnimmt.16 Auswirkungen auf das Angebot und die Nachfrage an Pflegekräften sind unausweichlich. Im Ergebnis wird „der Bedarf an Gesundheit(dienst)-leistungen […] aufgrund der demographischen Entwicklung [und] der damit verbunden Zunahme älterer […] und pflegebedürftiger Menschen weiter steigen“.17

2.3 Pflegebedarf in Deutschland

Im Folgenden soll auf die Pflegesituation in Deutschland eingegangen werden. Dazu soll die Entwicklung von 1999 bis 2009 dargestellt und eine Prognose aufgestellt werden, welche Folgen der demographische Wandel für den Pflegebedarf in Deutschland hat.

Um den Pflegebedarf ermitteln zu können, muss zunächst geklärt werden, wer als pflegebedürftig einzustufen ist. „Pflegebedürftig […] sind Personen, die we- gen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen“.18 Eine genauere bzw. altersspezifische Definition der Pflegebedürftigkeit gab François Höpflinger auf dem 4. Zürcher Gerontologietag im Oktober 2003: „Pflegebedürftig sind jene älteren Menschen, welche aufgrund körperlicher, sensorischer und/oder kognitiver Einschränkungen nicht mehr in der Lage sind, den normalen Alltag selbstständig zu bewältigen“. Die Ursachen liegen unter anderem in Geh- schwierigkeiten, in Seh- oder Höreinschränkungen sowie in der Multimorbidi- tät.19 Unter Multimorbidität wird das gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkran- kungen verstanden. Sie betrifft fast ausnahmslos alle Menschen in höherem Lebensalter.20

2.4 Nomineller Pflegebedarf in Deutschland

Die in Abschnitt 2.4 genannten Auswirkungen auf dem Pflegesektor werden seit dem Jahr 1999 im Zweijahresrhythmus für Deutschland in der Pflegestatistik von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder erfasst. Nach Anga- ben des StatBA waren 2009 2,34 Mio. Menschen pflegebedürftig.21 69% dieser Personengruppe wurden durch Angehörige und in Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst zu Hause versorgt. Man spricht hierbei auch von fami- liärer oder informeller Pflege. In Zahlen ausgedrückt wurden 1,07 Mio. Pflege- bedürftige durch Angehörige und 555.000 gemeinsam mit Pflegediensten be- treut. Vollstationäre Pflegeeinrichtungen vorsorgten 717.000 Menschen.22 Aus- gehend von einer Bevölkerungszahl von 82 Mio. entspricht der Anteil der Pfle- gebedürftigen einem Prozentwert von 2,85.23

Die nachfolgende Tabelle gibt einen genauen Überblick über die Veränderun- gen der Anzahl der Pflegebedürftigen sowie die Änderungen der Versorgungsarten im Zeitraum von 1999 bis 2009:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Zeitreihe Pflegebedürftige nach Versorgungsart im Zeitraum 1999-200924

Im Zeitraum der Erhebungen von 1999 bis 2009 stieg die Zahl der gesamten Pflegebedürftigen von 2.016.091 auf 2.338.252. Dies entspricht einer Steige- rungsrate von 15,98% innerhalb von 10 Jahren. Im Schnitt wurden im Jahr 2009 64 Pflegebedürftige in einem Pflegeheim betreut. Im Vergleich dazu versorgte ein Pflegedienst 46 Pflegebedürftige.25 Nach einer Definition des Gabler Wirt- schaftslexikons ist ein Pflegeheim eine „Einrichtung, die alte und pflegebedürfti- ge […] Personen nicht nur vorübergehend aufnimmt und betreut“.26 Dagegen sind „ambulante Pflegedienste selbständig wirtschaftende Einrichtungen, die unter ständiger Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft Pflegebe- dürftige in ihrer Wohnung pflegen und hauswirtschaftlich versorgen“.27

Einem Bericht der Ärztezeitung vom November 2010 in Zusammenarbeit mit dem StatBA zufolge werden im Jahre 2030 rund 3,4 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland leben.28 Dieser Anstieg entspricht einem Zuwachs von 50% gegenüber dem Jahr 2007. Verglichen mit der für 2030 prognostizierten Bevölkerungszahl (77,4 Mio.), entspräche das einem Anteil von fast 4,4%.29 Diese Zahlen belegen, dass der demografische Wandel allgegenwärtig ist.30

Bis hierhin wird deutlich, dass der demographische Wandel Auswirkungen auf die Nachfrageseite des Pflegesektors hat. Aufgrund der Entwicklungen ist in Zukunft mit einer höheren Anzahl an Pflegebedürftigen zu rechnen.

3. Analyse der Angebotsseite im Pflegesektor

Nachfolgend wird die Angebotsseite betrachtet. Es soll dargestellt werden, wie sich der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte bisher entwickelt und welche Effekte der demographische Wandel auf dem Arbeitsmarkt hat.

3.1 Zeitliche Entwicklung des Erwerbspersonenpotentials im Pflegesektor

„Die Pflegebranche ist ein Wachstums- und Beschäftigungstreiber in Deutsch- land“.31 Im Vergleich zu anderen Branchen gelten die Arbeitsplätze der Pflege- branche als krisensicher und standortfest. Sie weisen eine gewisse Resistenz gegenüber der Globalisierung auf, wobei Standortfest meint, dass die Arbeits- plätze regional, auch in strukturschwächeren Regionen verankert sind und sich nicht in das günstigere Ausland exportieren lassen oder gar wegrationalisiert werden können.32

Nach Angaben des StatBA waren im Dezember 2009 rund 890.000 Personen im Pflegesektor beschäftigt. Sie betreuten rund 2,34 Mio. Pflegebedürftige in 12.000 ambulanten Diensten und 11.600 Pflegeheimen.33

In der nachfolgenden Tabelle wird die Beschäftigungsstruktur der Pflegekräfte dargestellt. Sie gibt einen zeitlichen Überblick über die Erwerbspersonen seit 1999.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zeitreihe Erwerbspersonen in der Pflegebranche im Zeitraum 1999-200934

[...]


1 Zeman 2007, S. 1

2 Enste 2010, S. 3

3 Demographischer Wandel und Beschäftigung - Plädoyer für neue Unternehmensstrategien - Die gesellschaftliche Realität: demographischer Wandel und Arbeitswelt 2005, S. 13

4 § 1 Bundesstatistikgesetz

5 Aufgaben des StatBA, Auszug Homepage

6 § 1 Bundesstatistikgesetz

7 Demographischer Wandel und Beschäftigung - Plädoyer für neue Unternehmensstrategien - Die gesellschaftliche Realität: demographischer Wandel und Arbeitswelt 2005, S. 13

8 StatBA Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 2009 S. 15

9 StatBA Geburten in Deutschland 2007, S. 8

10 Demographischer Wandel und Beschäftigung - Plädoyer für neue Unternehmensstrategien - Die gesellschaftliche Realität: demographischer Wandel und Arbeitswelt, S. 13

11 StatBA Pressemitteilung Nr. 414 12.11.2010

12 Demographischer Wandel und Beschäftigung - Plädoyer für neue Unternehmensstrategien - Die gesellschaftliche Realität: demographischer Wandel und Arbeitswelt, S. 13

13 StatBA Bevölkerung Deutschlands bis 2060 2009, S. 15

14 Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Demographischer Wandel in Deutschland, Heft 1 2001, S. 8

15 Eichert, S. 23

16 Zeman 2007, S. 1

17 Richter 2006, S. 1

18 § 14 Sozialgesetzbuch XI

19 Richter 2006, S. 1

20 www.medizinerinfo.de

21 StatBA Pflegestatistik 2009, S. 6

22 Ebd. S. 4

23 Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Demographischer Wandel in Deutschland, Heft 1 2001, S. 21

24 StatBA Pflegestatistik 2009, S.24/25

25 Ebd. S. 9/15

26 Gabler Wirtschaftslexikon Definition Pflegeheim

27 Gesundheitsausgabenrechnung des StatBA

28 Ärztezeitung 50 Prozent mehr Pflegebedürftige bis 2030 erwartet, 2010

29 Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Demographischer Wandel in Deutschland, Heft 1 2001, S. 21

30 Beck, 2007

31 Ostwald 2010, S.4

32 Aktuelle Studien zum Zukunftsgipfel, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. im Folgenden mit BPA abgekürzt

33 StatBA Pflegestatistik 2009, S. 24

34 Eba.

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656092131
ISBN (Buch)
9783656092292
Dateigröße
699 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184401
Institution / Hochschule
Fachhochschule Westküste Heide – Professur für Unternehmenführung/Strategisches Managemen
Note
1,3
Schlagworte
Pflegekräfte Fachkräftemangel Pflegesektor

Autor

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Titel: Fachkräftemangel im Pflegesektor - Ursachen und Handlungsempfehlungen