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Burnout - Spielen die Arbeitsbedingungen eine Rolle bei der Entstehung von Burnout?

Projektarbeit 2011 29 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Bedeutung des Themas Burnout
1.2 Übersicht über die Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Die Begriffe Burnout, Stress, psychische Belastung und Beanspruchung
2.2 Ursachen von Burnout
2.3 Symptome und Verlauf von Burnout
2.4 Erfassungsmöglichkeitenvon Burnout

3 Die Gefährdungsanalyse als präventive Maßnahme von Burnout

4 Fazit

5 Anhang

6 Literatur- und Quellennachweise

1 Einleitung

1.1 Bedeutung des Themas Burnout

„Wenn aus Feuer und Flamme Schutt und Asche werden“ mit diesenWorten leitete Stefan Poppelreuther seinen Vortrag auf der 1. Fachtagung „Psychische Belastungen im Beruf“ein. Zahlreiche Menschen würden sich in der gegenwärtigen Arbeitssituation körperlich und emotional „ausgebrannt“ und leer fühlen. Populärwissenschaftlich würde dieser Erschöpfungszustand im Zusammenhang mit der Berufstätigkeit als „Burnout“ bezeichnet werden (Poppelreuther 2010 zit. nach Keuchen 2010: 88). Die Bedeutung von Burnout ist gewaltig: die Krankheitstage zwischen 2004 und 2010 sind lt. einer Pressemitteilung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK im April diesen Jahres wegen Burnout um nahezu das 9-fache gestiegen (WIdO 2011:1).Dergesamtwirtschaftliche Schaden ist also enorm.Zudem nahm die Häufigkeit der psychischen Erkrankungen in den letzten Jahren immer mehr zu. LautWIdO-Mitteilung seit 1999 sogar um 80%. Dabei treffe es Frauen und Menschen in erzieherischen und therapeutischen Berufen noch häufiger (WIdO 2011:1f).Nicht zuletzt aus ureigenstem Interesse ist es mir alsErzieherin an einem Frühförderzentrumdeshalb wichtig mich mit dem ThemaBurnout zu befassen. Es geht darum mich selbst gesund zu erhalten, die Qualität meiner Arbeit zu bewahren und meine Arbeitskraft zu sichern.

Auch im Hinblick auf meine zukünftige berufliche Rolle in der Sozialen Arbeit ist dieses Thema von Bedeutung:Einerseits wird es Teil meiner Aufgabesein gesellschaftliche Bedingungen und Strukturen zu erkennen, mitzugestalten und Ursachen, welche krank machen, zu beseitigen (Keller/Novak 1993 zit. nach Reiners-Kröncke u.a. 2010: 63). Andererseits: wenn Menschen häufiger vonBurnout betroffen sind, so gehören diese Menschen auch immer häufiger zu den Klienten der Sozialen Arbeit, z.B. im Bereich der Arbeitslosenberatung undim Bereich REHA/Wiedereingliederung in der klinischen Sozialarbeit. Auch Sozialarbeiter[1] im Bereich der betrieblichen Sozialarbeit sollten sich mit dem Burnout befassen, um evtl. betroffene Mitarbeiter rechtzeitig zu erkennen und auch präventiv beratend tätig werden zu können.

Ein weiterer Grund warum ich ein besonderes Interesse daran habe, mich mit dem ThemaBurnoutzu befassen sind meine Erfahrungen und Beobachtungen als Mitarbeiterin dort in einem Frühförderzentrum.Ich habe die Vermutung, dass die Arbeitsbedingungen (in der Sozialen Arbeit) eine nicht unerhebliche Rolle beim Entstehen von Burnout spielen. Es wäre interessant für mich, ob diese These von verschiedenen Autoren und Wissenschaftlern gestützt wird. Dann würden sich die Veränderungen in der Arbeitswelt durch neue Steuerungsmodelle wie leistungsorientierte Bezahlung, vermehrte Entgrenzung der Arbeit in den Freizeitbereich (z.B. Home-office etc.) oder die Zunahme mobiler Arbeit auf die Zunahme von Burnout auswirken.

Zusätzlich bin ich dort auch als Betriebsrätin tätig. Seit 2009 haben Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst einen Anspruch auf Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung für den eigenen Arbeitsplatz (GEW 2009: 3). Für diese Gefährdungsbeurteilung muss ich mir als Mitarbeiter und Betriebsrat Gedanken machen, was meine Kollegen und mich als Arbeitnehmer bei der Tätigkeit am Frühförderzentrum belastet und welche Gesundheitsgefahren bestehen. Dazu gehören eben auch jene (Fehl-) Belastungen welche ein Burnout fördern könnten.

1.2 Übersicht über die Arbeit

Neben dieser Einleitung umfasst diese Arbeit noch 3weitere Kapitel.Nachdem im Kapitel 1 die Bedeutung von Burnout in der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Sozialen Arbeit allgemein und für mich speziell umrissen wurde, wird imnachfolgenden Kapitel auf die Grundlagen zum Thema Burnout eingegangen.

Hier wird eine Auswahl an Definitionen vorgestellt, da es keine einheitliche Definition für den Begriff Burnout oder Burnout-Syndrom gibt.Dannwerden für diese Arbeit weitere relevante Begriffe wie Belastung, Beanspruchung und Stress erklärt.Anschließend wird die Frage behandelt, welche Theorien es für die Entstehung von Burnout gibt.

Danach werde ich darstellen, wie sich Burnout äußert, welche Symptome für das Syndrom sprechen. Hierbei werden mehrere Symptomkategorien erfasst, erläutert, auf den Prozess des „Ausbrennens“ eingegangen und zwei Modelle beispielhaft vorgestellt.

Danach werde ich kurz auf das wichtigste Instrument zur Erfassung von Burnout eingehen und noch ein weiteres zur Debatte stellen.

Es erscheint mir im Hinblick auf Präventionwichtig auch die Möglichkeiten zu beleuchten, wie Burnoutfrüh erkannt,verhindert oder zumindest die Häufigkeit des Auftretens vermindert werden kann. Da es mir hauptsächlich um den Bereich der Arbeitswelt geht, werde ich im darauf folgendenKapitel deshalbdie Gefährdungsanalyseals Präventions- und Interventionsmöglichkeit vor Burnout vorstellen. Diese ist mir als Betriebsrätin besonders wertvoll. Sie bietetmeiner Ansicht nach sowohl den Arbeitgebern als auch mir und anderen in Sozialen Arbeit tätigen Mitarbeitern eine Möglichkeit Stressoren im Bereich der Arbeit zu erkennen. Sollten sich diese als burnout-begünstigendeFaktoren herausstellen, so kann man sie rechtzeitig erfassen und auf eine Veränderung hin wirken. Dies wäre mir im Sinne von Selbstfürsorge und Empowerment wichtig.

Abschließend erhält der Leser im letzten Kapitel noch eine Zusammenfassung die sich auch auf meine Arbeit im interdisziplinären Frühförderzentrum bezieht.

2 Grundlagen

2.1 Die Begriffe Burnout, Stress, psychische Belastung und Beanspruchung

Nach Ulich /Wülser bleibt in der öffentlichen Diskussion der Begriff Burnout oft vage. Eine einzige anerkannte Definition des Begriffs gäbe es nicht. (Ulich/Wülser 2009:73f). Dies kann ich bestätigen. Die Vielzahl der Definitionen die sich in der Fachliteratur finden verwirrt eher, als dass sie meiner Ansicht nach zur Aufklärung beiträgt. Damit der Leser eine Vorstellung von Burnout erhält stelle ich hier einige ausgewählte Definitionen vor.

Medizinisch gilt das Burnout-Syndrom nicht als anerkannte Diagnose, es wird im ICD-10 unter „Z 73.0Ausgebranntsein [Burn out] Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ in Kapitel XXI. „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen (Z00-Z99)/Personen, die das Gesundheitswesen aus sonstigen Gründen in Anspruch nehmen(Z70-Z76)“ aufgeführt (DIMDI 2011:o.S).

Deshalb wird es auch in den Gesundheitsberichten der Krankenkassen nicht gesondert aufgeführt (Reiners-Kröncke u.a. 2010:11).Auch wenn Burnout als Zustand physischer und psychischer Erschöpfung nicht als eigenständige psychische Erkrankung codiert werden kann, so wird diese Diagnose zunehmend von Ärzten als Zusatzinformation angegeben, so dass es hiermit überhaupt erfasst werden kann. (WIdO 2011:1).

Nichts desto trotz gab und gibt es Versuche Burnout verbal zu definieren:

Der PsychoanalytikerFreudenberger, einer der ersten der den Begriff Burnout in den siebziger Jahren prägte, definierte folgendermaßen:

Burnout ist

„...Energieverschleiß, eine Erschöpfung aufgrund von Überforderungen, die von innen oder außen (…) kommen kann und einer Person Energie, Bewältigungsmechanismen und innere Kraft raubt. Burnout ist ein Gefühlszustand, der begleitet ist von übermäßigem Stress, und der schließlich persönliche Motivationen, Einstellungen und Verhaltensweisen beeinträchtigt“ (Freudenberger 1994:27 zit. nach Driller 2008:8).

Diese Definition berücksichtigt in erster Linie die Persönlichkeit des Betroffenen kausal. Freudenberger ging davon aus, dass Burnout nur in High-Touch-Berufen auftritt und nur sogenannte Helferpersönlichkeiten trifft.Edelwich/Brodsky und Chernissbezogen hingegen bereits 1980 die Arbeitsbedingungen in die Definition mit (Burisch 2006:19).

Auch Schaufeli und Enzmanndefinierten Burnout arbeitsweltbezogen:

„Burnout ist ein dauerhafter, arbeitsbezogener Seelenzustand normaler Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung, einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber dann unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht.“(Schaufeli/Enzmann1998:36 in ebd.).

Diese und andereDefinitionen werden nach wie vor diskutiert, u.a. von Burisch (ebd.).

Prof. Söllner, Chefarzt der Psychosomatik am Nürnberger Klinikum, erklärte Burnout in einem Interview das am 10.August 2011 in der Fränkischen Landeszeitung veröffentlicht wurdefolgendermaßen:

„Es handelt sich um einen lang anhaltenden Zustand von chronisch unbewältigtem Stress, bei dem die Erholungsfähigkeit auf der Strecke bleibt. Die Betroffenen haben permanent das Gefühl, dass sie ihrer Arbeit nicht mehr Herr werden“ (Söllner 2011 zit.nach Beyer in FLZ 2011:10).

Viele der Definitionen zeigen, dass es aus der Sicht des Definierenden verschiedene Schwerpunkte hinsichtlich der auslösenden Faktoren, der Eingrenzung der betroffenen Gruppe als auch in den typischen Symptomen gibt.Burnout lässt sich deshalb auch von anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen nicht randscharf abgrenzen (Burisch 2006:20). Von Burnout betroffene Menschen werden von Ärzten und Therapeuten mit Diagnosenwie „depressive Episode“ oder „psychovegetatives Erschöpfungssyndrom“ konfrontiert u.a.damit die Krankenkasse die Behandlung ohne Probleme übernimmt. Dies konnte ich selbst bei einem Klinikaufenthalt im Jahr 2008 beobachten. Andererseits können Depressionen durchaus im Verlauf der Burnout-Erkrankung auftreten(a.a.O:32 u. Petersen2009:119).

Auch die Abgrenzung der Diagnose Burnout zu Stress ist nicht einfach. Es besteht ein enger Bezug zum Thema denn das Stressempfinden von Beschäftigten spielt laut Petersen bei der Entwicklung eines Burnout-Syndroms eine große Rolle. Er definiert Stress folgendermaßen:

Stress ist

„ein Zustandeines Organismus, in dem sein allgemeinesWohlbefinden bedroht ist undin dem keine fertig verfügbare Reaktionexistiert, um diese Bedrohung zu mindern. Ob eine Situation als stressbesetzterlebt wird, hängt von der […] Bewertung […] und von Bewältigungsmechanismen ab“ (ebd.).

Trotz der inflationären Verwendung des Begriffs in den Medien und im Alltag ist man sich anscheinend einig darüber dass Stressein bedeutendes Phänomen für das Verständnis von Burnout sei(Burisch 2006:76ff).Ähnlich ist es auch mit den Begriffen Belastung und Beanspruchung.

Für die Arbeitswissenschaft werden diese Begriffenach Norm EN ISO 10075 [1] definiert:

Psychische Belastung ist

„die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken“ (Nawrath in BUK 2005:12).

Belastung wird hier nicht negativ, sondern neutral gesehen. Dies ist im Alltag und auch in der Burnout-Literatur nicht unbedingt so, hier ist der Begriff Belastung negativ besetzt nach dem Motto Last „erdrückt“, „be“-lastet im alltagssprachlichen Sinn. Belastung wird deshalb meist sofort mit Stress in Verbindung gebracht. Dabei gibt es sowohl Distress, also belastenden Stress als auch Eustress, der positiv empfunden wird.

Beim Bundesverband der Unfallkassen (BUK) findet sich auch die folgende Definition:

Psychische Beanspruchung ist

„die zeitlich unmittelbare, individuelle Reaktion auf vorliegende psychische Belastungen im Menschen“ (a.a.O.:13).

Erst die individuelle Reaktion der jeweiligen Person entscheide darüber wie beanspruchend eine psychische Belastung (Tätigkeit oder Situation) erlebt wird (ebd.).

Ich sehehier die eigentliche Verbindung von Burnout zu Stress: negativ erlebte und bewertete Belastung führt zur Fehlbeanspruchung und damit zu negativem Stresserleben.Der Stressor ist die negativ erlebte Belastung- die Fehlbelastung. Dies führt zu einer Beeinträchtigung von Gesundheit und Wohlbefinden und kannlangfristig Auswirkungen auf die Entstehung von Burnout haben (ebd.) so dass dieses innerhalb des Belastungs-Beanspruchungs-Konzeptes als langfristige negative Beanspruchungsfolge definiert werden kann (a.a.O.:89).

Die oben zitierten Definitionen beziehen sich auf psychische Belastungen/Beanspruchungen. Ich bin der Ansicht, dass sich die Definition für allgemeine Belastungen und Beanspruchungen davon ableiten lässt. Dabei muss die individuelle Bewertung des Menschen nicht unbedingt eine gleich bedeutende Rolle spielen, ist aber sicher auch nicht unerheblich.

[...]


[1] Wo immer dies möglich war, wurden von mir geschlechtsneutrale Formulierungen gewählt,in den anderen Fällen zur Verbesserung des Leseflusses nur die jeweils kürzere Formulierung.Selbstverständlich sind immer Personen beiderlei Geschlechts gleichermaßen gemeint.

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656093152
ISBN (Buch)
9783656093398
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184462
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1,3
Schlagworte
Burn-Out Arbeitsbedingungen Gefährdungsbeurteilung Stress psychische Belastungen Arbeitsschutz soziale Arbeit

Autor

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