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Der mitteldeutsche Bauernkrieg und Thomas Müntzer

Bachelorarbeit 2011 38 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung.

2. Von Stolberg bis hin zum sozialrevolutionären Wirken Müntzers in Thüringen

3. Die Theologie Müntzers
3.1. Gotteslehre
3.2. Anthropologie
3.3. Obrigkeitslehre
3.4. Mystik
3.5. Eschatologie

4. Schlussfolgerung

Literatur

Internetquellen

1. Einleitung

Bei der Thematik Thomas Müntzer und seiner Rolle im Bauernkrieg Thüringens handelt es sich um einen Stoff, der in der Geschichtswissenschaft und Kirchengeschichte äußerst kontrovers diskutiert wurde. Bei der Müntzerbeschäftigung steht man vor diversen Problemen: Zum einen sind die Schriften, die uns aus der Feder Müntzers überliefert sind, nicht gerade als ergiebig zu bezeichnen. Des Weiteren liegen die zu bearbeitenden Geschehnisse an die 500 Jahre zurück, so dass eine authentische Nachzeichnung der Ereignisse des frühen 16. Jahrhunderts noch verkompliziert wird. Wir können die Art der müntzerschen Predigt und ihre Wirkung auf den gemeinen Mann nicht im Einzelnen eruieren oder nachskizzieren, jedoch ist davon auszugehen, dass der Habitus Müntzers von besonderer Ausdruckskraft und Eindringlichkeit gewesen sein wird. Denn anders ist die Breitenwirkung seines Auftretens schwerlich zu explizieren. Sein genaues Geburtsdatum ist bis heute unbekannt, man taxiert es auf etwa 1589 und selbst sein Aussehen ist uns nebulös, so dass Helmar Junghans zu dem Schluss kommt: „Es gibt kein echtes Müntzerbild.“[1]

Diese Faktoren bilden einen günstigen Nährboden für eine ideologische Instrumentalisierung der Person Müntzer. Und tatsächlich ist es im Laufe der wissenschaftlichen Müntzerbeschäftigung zu den verschiedensten Bildern des Stolbergers gekommen. Die Darstellungen reichen von einem diabolischen Mordpropheten[2], dem das Schicksal der Bauern völlig egal war, bis hin zum „klassenbewussten, revolutionären, chiliastischen Kommunist“ mit Vorbildfunktion.[3] Besonders die marxistische Geschichtsschreibung fand in dem „Knecht Gottes“, wie er sich in vielen Briefen bezeichnete, eine Figur, die sie als Vorreiter sozialistischen Gedankengutes zeichnete – ein Revolutionär, der sich gegen die tyrannische und unterdrückende Klasse (Klerus und später auch die Fürsten) zur Wehr setzte und bestehende soziale Missstände zu beseitigen versuchte. Genannt werden soll an dieser Stelle das Werk des marxistischen Philosophen Ernst Bloch „Thomas Müntzer als Theologe der Revolution“. Es ist ein Paradigma für die erwähnte Ideologisierung. Hier ist Müntzer ein „Volkstribun“[4], der in der „bäuerlich-proletarisch-chiliastische Revolution“[5] schließlich die „christliche Feldversammlung der revolutionären Messiasarmee“[6] nach Frankenhausen führte. Partiell widmet sich Helmar Junghans mit seinem interessanten Aufsatz Der Wandel des Müntzerbildes in der DDR von 1951/52 bis 1989 der Problematik.

In der akademischen Forschung der DDR genoss Müntzer und der Bauernkrieg eine herausragende Stellung und der Theologe wurde als gesellschaftliches Vorbild probagiert. So erhielten die beiden Städte Stolberg und Mühlhausen in der Demokratischen Republik einen offiziellen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“[7], begann 1976 Werner Tübke seine Arbeiten an dem gewaltigen Bauernkriegspanorama[8] in Bad Frankenhausen und lieferte Müntzer gar das Motiv für die 5-Mark-Banknote der DDR.

Thomas Müntzer war Sozialrevolutionär, der von der mittelalterlichen Mystik um Johannes Tauler beeinflusst wurde und essentielle apokalyptische Elemente in seiner Theologie vertrat. In der Wissenschaft wurden die Gewichtungen der beeinflussenden Strömungen unterschiedlich stark bewertet. Hans-Jürgen Goertz etwa sieht besonders in der Mystik einen prägenden Parameter, wo andere das Gewischt eher auf die Apokalyptik legen.[9]

Eine besondere Frage bei Müntzer war seit Beginn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung das Zusammendenken seiner Theologie mit seinem sozialrevolutionären Engagement. Hierbei wurde oft vergessen, dass es sich bei Müntzer in erster Linie um einen Theologen (der predigte, Traktate verfasste und wohl auch seelsorgerisch aktiv war) handelte. Somit ergibt sich die Konsequenz, will man sich ernsthaft mit den historischen Ereignissen um Thomas Müntzer auseinander setzen, intensivst seine Theologie zu analysieren. Hierzu können uns die erhaltenen Texte und Schriften von Müntzer dienen. Es handelt sich um liturgische Texte, viel Briefgut und wohl am aussagefähigsten seine (sieben) großen Schriften: „Das Prager Manifest“ (1521), „Von dem gedichteten Glaube, auf jüngst erschienene Protestation ausgegangen von Thomas Müntzer, dem Seelwärter zu Allstedt. 1524“, „Protestation oder Entbietung Thomas Müntzers von Stolberg am Harz, des Seelwärters zu Allstedt, seine Lehre betreffend und zum Anfang von dem rechten Christenglauben und der Taufe. 1524“, „Ordnung und Berechnung des Deutschen Amts zu Allstedt, durch Thomas Müntzer, den Seelwärter, im vergangenen Osterfest aufgerichtet. 1523“, „Auslegung des anderen Unterschieds Danielis, des Propheten, gepredigt auf dem Schloß zu Allstedt vor den tätigen, teuren Herzögen und Vorstehern zu Sachsen durch Thomas Müntzer, Diener des Wortes Gottes. Allstedt 1524“ („Die Fürstenpredigt“), „Ausgedrückte Entblößung des falschen Glaubens der ungetreuen Welt, durch Gezeugnis des Lukas-Evangeliums vorgetragen, der elenden, erbärmlichen Christenheit zur Innerung ihres Irrsals“ (1524) und schließlich die „Hochverursachte Schutzrede und Antwort wider das geistlose, sanftlebende Fleisch zu Wittenberg, welches mit verklärter Weise durch den Diebstahl der Heiligen Schrift die erbärmliche Christenheit also ganz jämmerlich besudelt hat. Thomas Müntzer. Allstedter“ (1524).[10]

Die folgende Untersuchung stützt sich maßgeblich auf die genannten Traktate. Sie intendiert die so wichtige Korrelation zwischen Theologie und aktivem Handeln bei Müntzer offen zu legen. Wie kann man den gewaltsamen Widerstand gegen die Obrigkeit (Klerus und Fürsten) aus seiner Theologie erklären? Wie kann ein geistlicher Prediger das Schwert in die Hand nehmen und zum Sozialrevolutionär werden? Musste eine konsequente Umsetzung Müntzers Vorstellungen zwangsläufig in einem Aufruhr enden? Welche Ziele verfolgte der junge Stolberger? Diesen Fragen will die vorliegende Arbeit im Weiteren nachgehen. Die marxistische Historie könnte hier wohl mit einem Satz antworten: Müntzer wollte die soziale Not der Bauern beseitigen. Das die Lösung so einfach jedoch nicht ist, werden wir noch erkennen.

Einen Gesamtkonnex von Theologie und Revolution bei Thomas Müntzer hat zuerst Thomas Nipperdey überzeugend darstellen können.[11] Nipperdey interpretiert Müntzer vom Wittenberger Martin Luther aus und kombiniert seine politische Wirksamkeit mit seiner Theologie als Ganzer. Eike Wolgast versteht Nipperdeys Arbeiten gar als „bahnbrechend“.

Ich gehe in meiner Ausführung zuerst kurz auf das zu begründende Wirken Müntzers (in Thüringen)[12] ein und werde dann zentrale Themen müntzerscher Theologie, die zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen von Bedeutung sind, vorstellen. Diese sind da unter 3.1. die Gotteslehre, unter 3.2. die Anthropologie, unter 3.3. die Obrigkeitslehre, unter 3.4. die Mystik und unter 3.5. die Eschatologie.

Schließlich versuche ich eine Verknüpfung von Müntzers Theologie hin zur Führungsrolle in einem deutschen Revolutionsversuchs mit insgesamt mehr als 70.000 Todesopfern zu erstellen[13] und somit unsere Problemstellungen zu beantworten. Helmar Junghans hält genau diese Relation für eine der „schwierigsten Fragen jeder Müntzerdarstellung“.[14]

2. Von Stolberg bis hin zum sozialrevolutionären Wirken Müntzers in Thüringen

Über die frühen Jahre Thomas Müntzers ist uns bisher recht wenig bekannt. Geboren wurde er um 1489 in Stolberg im Harz und besuchte dann die Lateinschule in Quedlinburg ehe er eine akademische Ausbildung einschlug.[15] Seine Priesterweihe erfuhr er in der Diözese Halberstadt und kam dann zu einer Pfründe an der Michaeliskirche von Braunschweig. Im Jahre 1517 begab sich Müntzer dann in die Stadt Luthers, Wittenberg, wo er eine wissenschaftlich-theologische Beschäftigung wieder aufnahm. Eventuell war Müntzer bei der Leipziger Disputation von 1519 zwischen Andreas Karlstadt und Luther einerseits und dem talentierten katholischen Theologen Johannes Eck andererseits anwesend. Dezidierte Belege hierfür existieren allerdings nicht.

In dieser Zeit könnte man den bis dato nicht sonderlich in Erscheinung getretenen Müntzer getrost einen lutherischen Prediger bezeichnen. Doch haben wir es bei Müntzer mit einer theologischen Genese seiner Vorstellungen hin zum Radikalismus zu tun. Müntzers Weg führt ihn dann in das nahe Böhmens gelegene und aus Tradition als Ketzernest verschrienes Zwickau. Ab Mai 1520 vertritt er Johannes Egranus als Prediger an der hiesigen Marienkirche. Die kursächsische Metropole galt in jener Zeit als soziales Spannungsfeld, welches durchaus aufrührerisches Potential beherbergte.

Es dauerte nicht lange, da geriet der neue Prediger in Auseinandersetzungen mit den ortsansässigen Franziskanern.[16] Überhaupt polemisierte Müntzer hier recht stark gegen die Altgläubigen. Schließlich stellten die Mönche Beschwerde beim Bischof der Diözese Zeitz-Naumburg, diese blieb jedoch durch den Schutz, den der Rat Müntzer erbrachte, folgenlos. Als dann Egranus aus seinem Urlaub an die Marienkirche zurückkehrte, behielt man den neuen Mann in Zwickau – Müntzer sollte fortan an der zweiten großen Kirche predigen, der Katharinenkirche. Die Lage in der Tuchmacherstadt sollte sich vorerst jedoch nicht beruhigen. Denn bald schon sorgten Müntzers klar spiritualistisch und apokalyptisch geprägten Anschauungen für neue Divergenzen.[17] Johannes Egranus predigte an der Marienkirche im Kontrast dazu reformfreundlich-humanistisch mit einer gewichtigen Orientierung an der Schrift.[18] Die neuen Gegenspieler hießen nun Thomas Müntzer (Katharinenkirche) und Johannes Egranus (Marienkirche), die das Mittel der Predigt nutzten, um einander als falschgläubig und irrend zu entlarven. Zwei gegensätzliche Pole spalteten jetzt gewissermaßen die protestantische Christenheit der Stadt in zwei Lager. Im Frühjahr 1521 kulminierten die Streitigkeiten. Eine Bemühung, Müntzer zu mehr Zurückhaltung und Passivität zu bewegen, scheiterte und so wurde der Katharinenprediger vom Rat der Stadt im April 1521 entlassen. Hier bereits hatte sich Volk bewaffnet und versammelt um für die „Sache Müntzers“ einzutreten. Der nun schon 30-jährige hatte homiletisch überregional auf sich aufmerksam machen können.

Wie aber nun sollte es für den „Kämpfer mit dem Schwerte Gideons“ weitergehen?[19] Sein Interessenblick richtete sich jetzt auf das östliche Nachbarland Böhmen. Der erste Anlaufpunkt für ihn wird dort wohl das nordböhmische Städtchen Saaz (Žatec) gewesen sein.[20] Er erhielt von Lutheranern eine Einladung nach Prag, wo er auch als treuer Anhänger des Wittenbergers begrüßt wurde. Für Müntzer hatte wohl das böhmische Kernland, wegen dem bis in den Tod hinein gegen die Papstkirche agierenden Jan Hus, besondere Bedeutung und sollte es auch zukünftig haben („...denn in eurem Lande [Böhmen] wird die neue apostolische Kirche angehen, danach überall.“)[21]. Müntzer predigte zu den Pragern in deutscher und lateinischer Sprache und versuchte sie für seine Ideen zu gewinnen. Konservative Utraquisten nahmen bald jedoch an seiner Predigt Anstoß und erwirkten ein Predigtverbot. Seine Wirksamkeit neigte sich auch hier dem Ende entgegen.

Von den so hoffnungsvollen Böhmen enttäuscht, schlug Müntzer die Richtung nach Thüringen ein. Seine weiteren Stationen waren Erfurt, Nordhausen und Glaucha bei Halle, wo er kurze Zeit als Kaplan wirkte.[22] Noch vor Ostern des Jahres 1523 wurde er zum Pfarrer an die Johanneskirche von Allstedt berufen. In der 800-Einwohner-Stadt heiratete er die entlaufene Nonne Ottilie von Gersen, von der er später einen Sohn geboren bekam[23] (über dieses Kind ist uns nichts weiter bekannt). Das 1500 zur Stadt erhobene Allstedt sollte für Müntzer zu einer längeren Wirkungsstätte werden.

Die Exklave wurde zu jener Zeit von dem Schösser Hans Zeiß im Auftrag von Herzog Johann verwaltet. Der liturgische Bereich war hier Müntzers erstes Reformfeld: Er machte sich an fundamentale Neuerungen im Gottesdienst, wobei die Einführung der deutschen Sprache im selbigen an erster Stelle zu nennen ist.[24] – Auch der gemeine Mann soll der Messe nun verständlich folgen können. Der Schösser Zeiß war anfänglich von dem Reformer angetan, was ihn später jedoch in Verlegenheit brachte.[25] In der Allstedter Zeit entstanden bedeutende Schriften: „Der Sendebrief an die Brüder zu Stolberg“ (1523), „Von dem gedichteten Glauben, auf jüngst erschienene Protestation ausgegangen von Thomas Müntzer, dem Seelwärter zu Allstedt. 1524“, „Protestation oder Entbietung Thomas Müntzers von Stolberg am Harz, des Seelwärters zu Allstedt, seine Lehre betreffend und zum Anfang von dem rechten Christenglauben und der Taufe. 1524“ und „Ordnung und Berechnung des Deutschen Amts zu Allstedt, durch Thomas Müntzer, den Seelwärter, im vergangenen Osterfest aufgerichtet. 1523“. Müntzers Allstedter Bemühungen richteten sich vor allem gegen den katholischen Grafen Ernst von Mansfeld (etwa „Von dem gedichteten Glauben“) und allgemein gegen die Feudalobrigkeit.

Auch in dem kursächsischen Ackerbürgerstädtchen begann sich dann die Situation allmählich zuzuspitzen, so dass der herzogliche und kursächsische Hof mit eingeschaltet wurden. Luther warnte Hans Zeiß mehrfach vor der Theologie des „Satans von Allstedt“, wie ihn der deutsche Reformationsführer bezeichnete.[26] Es war der 24. März 1524, als die sozial angespannte Atmosphäre in aktive Zerstörungswut umschlug: Allstedter plünderten die Mallerbacher Kapelle, die zum Kloster Naundorf gehörte und brannten sie schließlich nieder. Einer Bestrafung der Schuldigen kam man nur zögerlich nach. Diese Geschehnisse veranlassten Luther einen „Brief an die Fürsten von Sachsen von dem aufrührerischen Geist“ zu verfassen, indem er die Regenten eindringlich vor Müntzer zu warnen versuchte.[27]

Als der Druck auf Zeiß stieg, bemühte er sich um ein offizielles Verhör seines umstrittenen Predigers, welches später in Weimar stattfinden sollte. Folgend legte Müntzer jedoch erst seine Überzeugung vor Herzog Johann und dessen Sohn Johann Friedrich in der als „Fürstenpredigt“ in die Geschichte eingegangenen oratio sacra aus. In Druck ist die „Fürstenpredigt“ unter dem Titel „Auslegung des anderen Unterschieds Danielis, des Propheten, gepredigt auf dem Schloß zu Allstedt vor den tätigen, teuren Herzögen und Vorstehern zu Sachsen durch Thomas Müntzer, Diener des Wortes Gottes. Allstedt 1524“ gegangen. Den beiden Souveränen und deren Gefolge dürfte hier bewusst geworden sein, dass der Fall „Müntzer“ äußerst ernst zu nehmen ist („...das ich mit Christo sage...und mit Paulo...und mit der unterrichtung des gantzen gottlichen gesetzes, das man die gotlosen regenten, sunderlich pfaffen und monche todten sol, die uns das heylge evangelion ketzerey schelten und wollen gleichwol die besten christen sein.“).[28] Auf das Wesen der „Fürstenpredigt“ wird später noch im Rahmen des systematischen Teils unter dem Punkt 3.2. Obrigkeitslehre näher einzugehen sein. Als sich die Schlinge um Müntzers Hals zu schließen begann (Verhör in Weimar, Forderung nach der Auflösung seines Allstedter Bundes, Verbot aufrührerischen Treibens), kam er repressiveren Sanktionen zuvor indem er in der Nacht zum 8. August 1524 der Stadt entfloh. Nach Zwickau und Prag wurde er jetzt also, in Folge progressiven Wirkens, aus einer dritten Stadt gedrängt, was auf ein lineares Denken und eine starke Kompromisslosigkeit schließen lässt. Die Fürsten, die der Theologie Müntzers, nämlich den Kampf gegen die Gottlosen, eine Absage erteilten, haben das weitere Obrigkeitsverständnis des „neuen Daniel“ entscheidend geprägt.

Ein neuer Wirkungspunkt Müntzers war dann die Textilstadt Mühlhausen an der Unstrut, die heute wohl noch am stärksten mit dem Namen Thomas Müntzer assoziiert wird. Ähnlich wie in Allstedt begann er in der freien Reichsstadt mit einer Gottesdienstreform und beabsichtigte eine Umgestaltung der städtischen Verwaltung.[29] Und auch hier ging für den Rat der Stadt das Treiben zu weit: Am 26. September 1524 musste Müntzer neben dem gleichfalls von der Reformation stark inspirierten Heinrich Pfeiffer die Stadt verlassen.[30]

Thomas Müntzer zog es in den Süden, nach Bibra und Nürnberg, die „Ausgedrückte Entblößung des falschen Glaubens“ kam in den Druck und wenig später auch das Pamphlet der „Hochverursachte Schutzrede“, in dem er sich gnadenlos Luther widmete, der sich den Fürsten wider den wahren Christenglauben zum Freund gemacht hätte („bruder sanfftleben“[31], „gotloße[s] Wittenbergische[s] fleisch“, „vatter leisendritt“[32], „Wittenbergisch[er] pabst“[33], „doctor lügner“[34], „junckfraw Martin“[35], „ertige schlange“[36], „ertzteüffel“[37], „gifftiges würmlein“[38] ). Der Bruch zwischen beiden Theologen war nun besiegelt. In der „Schutzrede“ sympathisiert der Nebenreformator aber auch relativ stark mit dem „gemeyn man“, nämlich dem Bauern, der für ihn jetzt, nach Absage der Obrigkeit, wohl stärker zum potentiellen Träger seiner Theologie wurde („Es ist der allergröste greüel auff erden, das nyemant der dürfftigen not sich wil annemen.“).[39] Weiter ging es für Müntzer in den Südwesten des Reiches, etwa in den Klettgau und den Hegau, wo uns Predigten von ihm bezeugt sind.[40] Der sich hier entwickelnde Bauernaufstand muss auf den Kursachsen prägenden Eindruck gemacht haben und ihn in der Überzeugung gestärkt haben, dass die große weltweite Erhebung des gemeinen Mannes im Anbruch ist.

Vor dem Hintergrund einer Veränderung der Verhältnisse in Mühlhausen, kehrten die beiden Vertriebenen Heinrich Pfeiffer (im Dezember 1524) und Thomas Müntzer (im Februar 1525) an ihre einstige Wirkungsstätte zurück. Immer noch herrschten angespannte Zustände in der 7.500-Einwohner-Metropole Mitteldeutschlands.[41]

Ab Mitte April formierten sich dann auch die ersten Bauernhaufen in Thüringen, die Aufstände hatten von Franken aus ins Thüringische übergegriffen.[42] Müntzer wollte sich mit dem Mühlhäuser Haufen, der an die 10.000 Mann stark wurde, seinem Erzfeind Ernst von Mansfeld zuwenden. Der Haufen zog dann aber ins Eichsfeld, da sich die Bauern, unter Intervention Heinrich Pfeiffers, dort in den wohlhabenden Schlössern und Klöstern mehr Beutegut versprachen. Dieser materielle Ausrichtung der Bauern musste auch Müntzer gewahr werden. Doch zog er offenbar aus dieser Orientierung der Bauern keine größeren Konsequenzen oder ignorierte sie bewusst. Nachdem die Bauern ihre massiven Zerstörungen im Eichsfeld beendet hatten, eilte Müntzer mit 300 Mann dem Frankenhäuser Haufen zu Hilfe. In Frankenhausen angekommen riss der eloquente Agitator die Führung sofort an sich, predigte den Aufständigen und versuchte durch Briefe Unterstützung heranzuordern, welche jedoch ausblieb. Fest entschlossen, die widerchristliche tyrannische Obrigkeit zu vernichten, sollte hier Müntzers finaler Passus einsetzen.

Derweilen sammelten sich die Heere der Regenten Landgrafs Philipp von Hessen, Georg „des Bärtigen“ von Sachsen und Heinrichs II. von Braunschweig um den Schlachtberg (Frankenhausen).

Es war der 15. Mai 1525 als die fürstlichen Truppen während einer letzten apokalyptischen Predigt Müntzers auf die völlig unvorbereiteten Bauern stürmten. Fast ohne Widerstand wurden die desperaten Ackersmänner niedergemacht. An jenem Tage wurde das Blut von 5.000 Bauern vergossen und 600 gefangen genommen.[43] Der Verlust der fürstlichen Heere war verschwindend gering. Man kann also von einem entsetzlichen Gemetzel sprechen. – Der Bauernkrieg hatte in Thüringen aus Sicht der Bauern ein abruptes und katastrophales Ende genommen.

Müntzer selbst wurde während der Schlacht in Frankenhausen, wo er sich zu verstecken versuchte, aufgestöbert[44] und in einer letzten großen Demütigung seinem persönlichsten Antagonisten Ernst von Mansfeld als Beutepfennig übergeben. Nach Verhör und Folter auf der Festung Heldrungen richtete man ihn am 27. Mai 1525 zusammen mit Heinrich Pfeiffer im Feldlager der Fürsten bei Mühlhausen hin, steckte ihre Köpfe auf Spieße und pfählte ihre Leiber.[45] Das Müntzer jemals an seiner Sache irre geworden wäre oder widerrufen hätte, kann man nicht behaupten.[46] Er ist resolut und geradlinig mit und für seine Überzeugungen in den Tod gegangen. Der Grund für das doch beachtliche historische Interesse an dem Bauernführer dürfte auch in seinem spektakulären Ende liegen.

3. Die Theologie Müntzers

Nachdem ich einen kurzen Überblick über die Wirksamkeit Müntzers im Rahmen des mitteldeutschen Bauernkrieges skizziert habe, möchte ich nun im folgenden Abschnitt auf die theologischen Vorstellungen des Bauernführers eingehen. Vorweg aber ein paar allgemeine Aussagen zu dem Wesen des Theologen Müntzer.

Es handelt sich um einen sehr bibelfesten Christen, der oft versuchte, seine Äußerungen mit Hilfe der Heiligen Schrift zu verifizieren (siehe Traktate und Briefe). Eigen ist ihm eine besondere Vorliebe für das Buch Daniel und der Offenbarung des Johannes - beide Bücher sind apokalyptische Schriften - welche im Zusammenhang mit seinen eschatologischen Erwartungen zu betrachten sind.[47] In seinen theologischen Überlegungen erkennen wir Elemente, die besonders stark ausgeprägt sind: Mystik, Spiritualismus, Apokalyptik und Sozialrevolution. Müntzer denkt „einschichtig-linear“, undialektisch und vorbehaltlos.[48]

Der Hoffnungsträger des gemeinen Bauern befindet sich nicht in einem psychischen Spannungszustand oder einer inneren Anfechtung, wie das hingegen bei Luther der Fall ist. – In Müntzers Schriften können wir von keinem Selbstzweifel oder einer Orientierungslosigkeit lesen. Vielmehr scheint er uns als selbstbewusst-zielstrebiger „Knecht Gottes“ mit der festen Überzeugung eines göttlichen Missions- und Sendeauftrags. Bei der Beschäftigung über Müntzer kann man m. E. den Eindruck gewinnen, der Stolberger hat in seinem Denken einen determinierten fiktiven Punkt (Ziele, Ideale, Visionen) gesetzt, den er unaufhörlich und auf direktem Wege zu erreichen versuchte. Er lässt sich ungern auf Kompromisse ein, sondern setzt dann lieber auf Ablehnung. Müntzer will mit seiner „Geduld niemandes Schanddecker sein“[49]. Ferner sollten wir nach meiner Einschätzung von einer Intelligenz ausgehen, die auf jeden Fall über der des Durchschnittes liegt/lag. Zeugnis hierfür kann uns neben den Politischen Schriften auch sein gesellschaftliches Auftreten (z. B. überzeugende, schlüssige Predigt vor Fürsten in Allstedt, wozu keinesfalls jeder im Stande wäre) sein wie es uns tradiert ist. Das Talent zu einer begnadeten Beredsamkeit liegt nahe, da andernfalls, wie bereits angedeutet, eine derartige Wirkung auf das einfache Volk kaum zu begründen ist.[50]

Elemente, von denen Müntzer beeinflusst wurde bzw. denen er sich gewidmet hatte waren die Vulgata, Pseudohegesipp, Eusebius von Caesarea, die Dokumente zu dem Konzil von Konstanz (1414-1418), bei dem er näher mit Jan Hus, der 1415 eben dort verbrannt wurde, Kontakt bekam, Aufzeichnungen zum Konzil von Basel (1431–1449), die Kirchenväter Adamantios Origenes, Sophronius Eusebius Hieronymus, Augustinus von Hippo (z. B. „De civitate dei“), Tertullianus, die antiken Philosophen Platon (z. B. „Nomoi“ und „Politeia“) und Apuleus (z. B. „Der goldene Esel“)[51], mystische Werke um Johannes Tauler, Heinrich Seuse, die deutsche dominikanische Frauenmystik und die Arbeiten der Wittenberger (z. B. Melanchthons und Luthers).[52] [53]

An den Wittenbergern kritisiert er, dass sie die Bedeutung des Heiligen Geistes (Spiritus Sanctus) verkennen, entsprechend stark hebt er diesen dann in seiner eigenen theologischen Reflektion hervor. Weiter vertritt er einen strengen Antibiblizismus („Wie wollte sich’s finden, wenn man nur schlicht der Schrift glauben soll, wie die Schriftstehler sagen, ohne alle Erfahrung des allersichersten Gezeugnisses des Geistes...“)[54] und spricht sich für ein verstehen der Bibel vom Ganzen her aus („vom anfang zum ende“).[55]

Dieter Fauth verweißt auf die Hochachtung Müntzers für die (religiöse) Erfahrung.[56] Sie wird bei Müntzer als hermeneutisches Werkzeug verwendet, das Verständnis für die Bibel, für Gott, für den Glauben und den Parakleten zu öffnen. Im Vorfeld sei noch gesagt, dass sich die Tiefe meiner Erörterung zu den einzelnen Traktaten in einem Überblickbereich bewegt, der Betrachtung von Subtilitäten in den Theologiebereichen kann hier nicht weiter nachgegangen werden. – Das Wesentliche soll zum Vorschein gebracht werden. Es sei auch zu bedenken, dass – wie in der Dogmatik üblich – die einzelnen Traktate nicht dezidiert distinktiv betrachtet werden können. Die systematischen Teilbereiche greifen ineinander über und beeinflussen so einander.

3.1. Gotteslehre

Der erste dogmatische Traktat, dem ich mich nähern will, ist die Lehre von Gott (De deo). Was denkt Müntzer über das Wesen und die Eigenschaften von Gott?

Der nuntius Christi postuliert zu aller erst einen lebendigen Gott, der mit den Menschen der Zeit spricht. Das „Prager Manifest“ von 1521 beendet er mit den Worten „Thomas Müntzer will keinen stummen, sondern einen redenden Gott anbeten.“[57] und in einem Brief an Philipp Melanchthon vom 27. März 1522 bemerkt er: „Ich missbillige aber dies: Indem ihr den Mund des Herrn als stumm anbetet...“[58]. Er wehrt sich mehrfach gegen die Vorstellung eines stummen Gottes, der nur in der alttestamentlichen Zeit zu den Menschen sprach.[59] Auf der Grundlage eines redenden Gottes wirft Müntzer die Frage nach der Gotteserkenntnis auf, die ihn seit seiner Jugend beschäftigt.[60] Eine Antwort auf diese Kalamität, die er von den Geistlichen seiner Zeit erwartete, blieb aus. So erkennt Müntzer in dieser Aporie eine grobe Schieflage der Kirche seiner Zeit. Der falsche Pfaffe kann den wahren Christenglauben (Übung des Glaubens) nicht vermitteln.

Für Müntzer ist die Gotteserkenntnis an sich nicht lehrbar, sie kann nur an den Menschen vermittelt werden, der bereits „den Geist und die Gotteserkenntnis hat“.[61] Vor einer echten Gotteserkenntnis muss im Menschen der Glaube („geistgewirktes, den Menschen radikal veränderndes Widerfahrnis“) vorhanden sein.[62] Müntzer selbst, als einer der ein solches Erlebnis erfuhr, sieht sich prädestiniert, die Gotteserkenntnis zu vermitteln.[63] Den innigen Leidensweg als Vorraussetzung für die Entstehung von Glauben, hält Luther nicht für notwendig. Dieser existentielle Schmerz und das Drangsal (Leidenstheologie) im Zusammenhang mit wahrem Glauben ist m. E. ein erstes Signum einer radikalen Theologie.

Im Rahmen seines Gottesverständnisses befasste sich Müntzer auch mit der „ordo rerum“, der Ordnung Gottes, einer Ordnung „in Gott und Kreaturen gesetzt“, die für Schöpfer und Geschöpf gilt.[64] Hier steht der Vater an der Spitze, nach ihm der Sohn und dann absteigend die anderen Kreaturen. Über die Kreaturen ist entsprechend 1. Mose 1,26 der Mensch gesetzt, über die er herrschen soll. Durch den Sündenfall Adams (1. Mose 3,1-24) ist der Mensch jedoch aus dieser gesetzten Ordnung „ausgebrochen“ und es kam zu einer Pervertierung der ganzen Herrschaftsrelationen. Der Mensch dient nun nicht mehr Gott, sondern den Kreaturen. Folglich ist er verdorben durch Fresserei, Gier, Habsucht, sexuelle Ausschweifungen und Ehrsucht (concupiscentia).

Auch das Verhältnis unter den Menschen ist nun gestört. – Da sich der Mensch den Kreaturen hingegeben hat, soll er auch von Kreaturen beherrscht werden. Er hat dann keine Gottesfurcht mehr, sondern eine Furcht vor den Kreaturen (Kreaturenfurcht). Müntzer schreibt in der „Ausgedrückten Entblößung“ „Darumb das der mensch von gott zun creaturn gefallen, ist über die massen billich gewesen, das er die creatur (zu seynem schaden) meher dann gott muß förchten.“ [65] Will der Mensch die Schöpfungsordnung wieder herstellen, muss er im Leiden Christus gleich werden, so löst er die verderblichen Bindungen an die Kreaturen und an die Welt.[66]

Für Müntzer ist Gott unwandelbar und sein Handeln ist bezüglich des Glaubens zielstrebig.[67]

Ein sehr wichtiges Element müntzerschen Denkens ist die Prädestination, auch wenn er keine ausführliche Prädestinationslehre, wie etwa Johannes Calvin, entfaltet hat. Er unterteilt die Menschen in Gottlose (z. B. Pfaffen und dann auch die Fürsten) und Erwählte (electi), zu denen er sich freilich selbst zählt. Die Gottlosen, mit denen Gott nichts zutun haben will sind dem Untergang geweiht und dem Verderben überantwortet. Der Name des Erwählten ist hingegen nach Lk 10,20 im Himmel geschrieben. Er muss merken, dass er Gottes Tempel ist und Gott von Ewigkeit gehörig ist, denn er ist vor der Gründung der Welt erwählt.

Müntzer geht davon aus, dass in seiner Zeit „Gott der Allmächtige“ die Erwählten von den Gottlosen trennen will (vgl. 3.5. Eschatologie). Hierin finden wir ein weiteres Merkmal einer radikalen Glaubensinterpretation; Müntzer hat kein Verständnis für Luthers Langmut und Nachsicht gegenüber den Ungläubigen („...die lutherischen Breifresser mit ihrer beschmierten Barmherzigkeit...“[68] ), er lehnt eine christliche Liebesgesinnung in diesem Punkte entschieden ab und will keinen Kompromiss oder eine Gemeinschaft mit denen, die von Gott verworfen sind, wie er uns in seinem Brief an Philipp Melanchthon vom 27. März 1522 zu erkennen gibt: „Lasst euch nicht mit den Verworfenen ein; eben sie verhindern, dass das Wort mit großer Kraft wirksam wird.“[69] Dieser Gedanke sollte uns bei der Begründung eines sozialrevolutionären Vorgehens in Erinnerung bleiben.

Müntzer redet sehr oft von dem grimmigen, erziehenden und zornigen Gott, wohingegen er die Liebe und Gnade Gottes äußerst selten aufnimmt. Sicher wird die Ursache hierfür in erster Linie die für ihn so verdorbene Christenheit seiner Jahrzehnte sein („Dan es ist kein volck under der sunnen, das sein eigen gesetze also jemerlich vorketzert, l verflucht und vorunehret wie die itzigen cristen.“[70] ). Eine allen geweihte Liebe Gottes kennt Müntzer nicht.

Eher liest man da schon bei Müntzer von Gottes Barmherzigkeit (etwa im Schluss der „Ausgedrückten Entblößung“).[71] Sie kann dem Menschen dann widerfahren, wenn er wirklich radikal gottesfürchtig wird.[72] Die Barmherzigkeit Gottes (misericordia dei) darf jedoch nicht der iustitia dei übergeordnet werden.

Ähnliche Bedeutung wie die der Barmherzigkeit gewinnt bei Müntzer die Güte Gottes (bonitas dei), welche aber gleichfalls nicht missbräuchlich verstanden werden darf. Den Begriff der Gnade Gottes (gratia dei) findet man im Gegensatz zu Luther bei Müntzer äußerst selten; des Wittenbergers „sola gratia“[73] lehnt Müntzer ab.

Der Stolberger will also einen gnädigen und lieben Gott vermeiden und die Notwendigkeit eines schmerzlichen Leidens zentralisieren. Keiner solle sich die Illusion einer unverdienten Gnade machen. Auch dieser zornige Gott passt in das Profil eines Theologen, der bereit ist, einen Konflikt gewaltsam zu lösen.

Für Müntzer ist die Trinität, das Zusammendenken aller drei Hypostasen, im Zusammenhang mit dem Glauben relativ bedeutsam („durchs ewige, krefftig wort des vatters im su(o)n mit erleu(e)therung des heyligen geysts“[74] ).

Dieser Grundüberblick des Gottesverständnisses Müntzers soll uns genügen und wir gehen zur Anthropologie über.

3.2. Anthropologie

Im zweiten Teil der Systematik soll die Lehre vom Menschen, die Anthropologie, im Fokus stehen. Können wir aus den Quellen Rückschlüsse auf Müntzers Urteile zu dem theologischen Objekt des Menschen ziehen? Die Anthropologie wird von Michael Roth wie folgt eingegrenzt: „Sie [die Anthropologie] fragt nach dem Wesen des Menschen, der Bestimmung des Menschen und der Verfehlung der menschlichen Bestimmung. Innerhalb der Anthropologie hat somit auch die Sündenlehre [Harmatologie] ihren Ort.“[75] Ursprung, Wesen und Ziel beim Menschen als die die Anthropologie entscheidenden Loci werden in der biblisch-dogmatischen Sicht vom Menschen in den Lehren vom (a.) Urstand, (b.) Fall und (c.) Erlösung reflektiert.[76]

Die Quellenlage können wir bezüglich Müntzers Äußerungen zu diesem Traktat als fruchtbar bezeichnen. Er trifft hierzu direkte, wie auch indirekte Aussagen. Auf Grund der Tatsache, dass aus historischer Relevanz heraus die Anthropologie bei Müntzer nicht von essentieller Impulskraft war, hat man sich in der Forschung diesem Themenbereich bisher nur peripher gewidmet.

Bei der Betrachtung des müntzerschen Menschenbildes ist es für das Verständnis hilfreich, sich der Genesis der Bibel immer wieder zu vergegenwärtigen. Die Schöpfung des Menschen finden wir in zweifacher Gestalt: (1.) 1. Mose 1,26-29; (2.) 2,7 (Mann); 2,18-22 (Frau). Die Menschen wurden in den Garten Eden gesetzt (vgl. 1. Mose 2,8), wo es dann zum verhängnisvollen Sündenfall kommt (vgl. 1. Mose 3,1-7) „Und sie nahm von der Frucht [nämlich dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen] und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.“ (1.Mose 3,6). Diese Ursünde (peccatum originale originans) von Adam und Eva ist mit Anlaufpunkt vieler anthropologischer Konzeptionen der Geschichte.

[...]


[1] Vgl. Thomas Müntzer – Ein streitbarer Theologe zwischen Mystik und Revolution, S. 92.

[2] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 427 (03.04.2011).

[3] Vgl. Thomas Müntzer als Theologe der Revolution, S. 21.

[4] Ebd., S. 23.

[5] Ebd., S. 31.

[6] Ebd., S. 65.

[7] Vgl. http://www.suite101.de/content/thomas-muentzer-theologe-reformator-revolutionaer-a112339, Harald Rossa (14.06.2011).

[8] Vgl. http://www.panorama-museum.de/html/der_auftrag.html, Gerd Lindner (01.06.2011).

[9] Vgl. Innere und äußere Ordnung in der Theologie Thomas Müntzers, S. 148.

[10] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 5-7.

[11] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 196.

[12] Müntzers revolutionäre Wirksamkeit fand hauptsächlich in Thüringen statt und mündete in der Schlacht bei Frankenhausen. Dennoch wird sein Weg von der Geburt bis hin zu dieser Schlacht skizziert, da dies für das gesamte Müntzerverständnis von Bedeutung ist.

[13] Vgl. Der deutsche Bauernkrieg, S. 328f.

[14] Vgl. Thomas Müntzer – Ein streitbarer Theologe zwischen Mystik und Revolution, S.68.

[15] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 415 (03.04.2011).

[16] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 282.

[17] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 416 (03.04.2011).

[18] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 283; Im Rahmen der Reformatorischen Theologie nennt man das Prinzip der Schrift entscheidende Autorität einzuräumen sola scriptura. Allein die Bibel ist Fundament des christlichen Glaubens, nicht die (nur mit dem Prärogativ der Bischöfe oder des Nachfolgers auf dem Stuhle Petri entstandene) Tradition. Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig306921101720&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fluthermartin.pdf, S. 533f (01.06.2011).

[19] Vgl. Ri 6,11-8,35.

[20] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 283.

[21] Ebd., S. 22.

[22] Vgl. Thomas Müntzer Ein Verstörer der Ungläubigen, S. 30-34.

[23] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 285.

[24] Der erste deutschsprachige Gottesdienst in der Johanneskirche fand am 5. April 1523 statt. Müntzer nimmt daher bei der Entwicklung des evangelischen Gottesdienstes eine bedeutende Rolle ein.

[25] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 285.

[26] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 417 (03.04.2011).

[27] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 286f.

[28] Vgl. Thomas Müntzer – Politische Schriften, Manifeste, Briefe 1524/25, S. 71.

[29] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 290.

[30] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 418 (03.04.2011); das Datum der Ausweißung differiert in der Müntzerliteratur.

[31] Vgl. Thomas Müntzer – Politische Schriften, Manifeste, Briefe 1524/25, S. 146.

[32] Ebd., S. 148.

[33] Ebd., S. 152.

[34] Ebd., S. 153.

[35] Ebd., S. 154.

[36] Ebd., S. 157.

[37] Ebd., S. 158.

[38] Ebd., S. 158.

[39] Ebd., S. 148.

[40] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 419 (03.04.2011).

[41] Vgl. Thomas Müntzer Ein Verstörer der Ungläubigen, S. 83.

[42] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 419 (03.04.2011).

[43] Vgl. Der deutsche Bauernkrieg, S. 174.

[44] Müntzer wurde durch Schriften, die er mit sich führte und in der Eile vergaß wegzuwerfen, von einem „Edelmann“ enttarnt. Vgl. Thomas Müntzer – Leben und Werk, S. 787.

[45] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 419 (03.04.2011).

[46] Vgl. Der deutsche Bauernkrieg 1524-1526, S. 163.

[47] Bei beiden biblischen Büchern handelt es sich um Apokalypsen mit Zahlenmystik und tiefen Metaphern.

[48] Vgl. Thomas Müntzer Ein Verstörer der Ungläubigen, S. 60-63.

[49] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 88.

[50] Ich gehe nicht davon aus, dass nur das inhaltliche Profil Müntzers Reden und Predigten, den Bauern für sich gewinnen konnte. Er wird authentisch und überzeugend aufgetreten sein.

[51] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 101.

[52] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 416 (03.04.2011).

[53] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 45, 48, 50, 51.

[54] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 109.

[55] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 16.

[56] Ebd., S. 40.

[57] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 23.

[58] Ebd., S. 169.

[59] Den Vorwurf eines stummen Gottes macht er sowohl den Altgläubigen als auch Luther. Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 17.

[60] Ebd., S. 12.

[61] Ebd., S. 12f.

[62] Der Glaube wird durch Gott in der Tiefe der Seele bewirkt. Erstlich wird Gott in der Seele die Gottesfurcht wirken, ein Zustand äußerster Verlassenheit und tiefste Seelennot („langweyl“ und „gelassenheit“). Irdische Gelüste und die Furcht vor den Kreaturen werden beseitigt. – Das Innere des Menschen wird „leer“ und der Heilige Geist kann Einzug in die Seele erhalten. – Der wahre Glaube entsteht (Pneumatologie). Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 90, 98f, 102-107.

[63] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 13.

[64] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 422f. (03.04.2011).

[65] Vgl. Thomas Müntzer – Politische Schriften, Manifeste, Briefe 1524/25, S. 97.

[66] Vgl. http://refworks.reference-global.com/Xaver/media.xav?SID=ubleipzig303295241904&bk=deGruyter_TRE&name=pdf%2Fmuntzerthomas.pdf, S. 423 (03.04.2011).

[67] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 18f.

[68] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 223.

[69] Ebd., S. 171.

[70] Vgl. Thomas Müntzer – Politische Schriften, Manifeste, Briefe 1524/25, S. 130.

[71] Vgl. Thomas Müntzer – Schriften, Liturgische Texte, Briefe, S. 119.

[72] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 21-25.

[73] Luther postuliert in dem Prinzip „sola gratia“ dass der Mensch nicht durch Werke Gottes Gnade erreichen kann. Allein durch die Gnade Gottes (sola gratia deo) wird der glaubende Mensch errettet wie wir in Röm 3,21-31 lesen können. „Sola gratia“ soll uns die Allmacht Gottes bewusst machen auf die der einfache Gläubige angewiesen ist, will er denn das Heil erreichen.

[74] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 25.

[75] Vgl. Leitfaden Theologiestudium, S. 114.

[76] Vgl. Der Theologe Thomas Müntzer, S. 39.

Details

Seiten
38
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656095712
ISBN (Buch)
9783656095392
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184641
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
3,0
Schlagworte
bauernkrieg thomas müntzer

Autor

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Titel: Der mitteldeutsche Bauernkrieg und Thomas Müntzer