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Impfungen. Vertretbar oder nicht?

Ideen, die die Welt verändern

Seminararbeit 2011 26 Seiten

Leseprobe

1. Einleitung

In früheren Jahrhunderten starben regelmäßig tausende von Menschen anepidemieartig auftretenden Krankheiten. Auf Grund der hohen Infektionsgefahr einigerKrankheiten erkrankten ganze Dörfer und Städte an tödlichen Krankheiten und wurdenteilweise vollständig ausgerottet. Durch einen großartigen Zufall wurde im 18.Jahrhundert entdeckt, dass bei einigen Krankheiten die Menschen, die die Krankheitüberlebten, ein Leben lang immun gegen die Krankheit waren. Erst auf Grund dieserEntdeckung konnten die ersten Impfstoffe entwickelt werden. Dadurch ist der Menschheutzutage in der Lage sich gegen einige Krankheiten, die schwere Folgeschädenhinterlassen oder sogar zum Tod führen, zu schützen. Trotzdem hat es der Mensch bisheute nicht geschafft gegen alle gefährlichen, teilweise zum Tode führendenKrankheiten wirksame Impfstoffe zu entwickeln, zum Beispiel gegen den HI-Virus.Impfungen sind jedoch nach wie vor auch umstritten. Es gibt Menschen, die es aufGrund ihrer persönlichen oder religiösen Einstellungen ablehnen sich und ihre Kinderimpfen zu lassen. Dadurch können diese Krankheiten weiterhin übertragen werden.Andererseits sind aber auch manche Krankheiten durch die Erfindung der Impfungausgerottet worden. Impfungen waren auch, gerade in den Anfängen, nicht ganzungefährlich. Durch den Versuch der Immunisierung durch Impfstoffe erkranktenmanche Menschen und trugen bleibende Schäden davon. Durch die Verbesserung derImpfstoffe konnte man auch hier deutliche Erfolge erzielen. Heutzutage kann manauch eine gewisse „Impfhysterie“ beobachten, was uns das Beispiel derSchweinegrippe gezeigt hat. Darüber hinaus diskutieren einige Wissenschaftlerernsthaft darüber, ob und wie Impfungen möglicherweise daran beteiligt sindAutoimmunerkrankungen beim Menschen auszulösen, wie zum Beispiel MultipleSklerose. Doch im Großen und Ganzen überwiegen die positiven Auswirkungen vonImpfungen und erscheinen uns als ein Segen für die Menschheit: „Impfungen gehörenzu den wichtigsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen, die in der Medizin zurVerfügung stehen. [...] Unmittelbares Ziel der Impfung ist es, den Geimpften vor eineransteckenden Krankheit zu schützen.“1 Anhand dieser beiden Sätze sieht man dieBedeutung, die in der Erfindung der Impfung steckt. Doch nicht immer und nicht jederist dermaßen überzeugt von heutigen Impfstoffen. Die Erfindung, Weiterentwicklung,positive und negative Aspekte von Impfungen, sowie deren Auswirkungen auf denMenschen und die Gesellschaft werde ich hier in meiner Seminararbeit genauererläutern.

2. Definition und kurzer geschichtlicher Hintergrund

Die Impfung, auch Schutzimpfung genannt, ist eine Maßnahme, die der Vorbeugungvon Infektionskrankheiten dient. Man unterscheidet zwischen der aktiven und passivenImpfung. Bei der aktiven Impfung wird der Impfstoff aus abgeschwächten, abgetötetenoder modifizierten Krankheitserregern hergestellt mit dem Ziel, dass der Körperdaraufhin Antikörper gegen die Krankheit bildet und somit bei einer Infizierung mit dementsprechenden Erreger sofort aktiv werden kann und dadurch das Ausbrechen derKrankheit verhindert wird. Bei der passiven Immunisierung werden die Antikörper inhoher Konzentration direkt gespritzt, um die im Körper bereits vorhandenen Erregerabzutöten. Die Impfung ist heutzutage ein sehr wichtiger Bestandteil derGesundheitsvorsorge der Menschheit. Wegen des einschlägigen Erfolges bei derBekämpfung von Infektionskrankheiten ist es verständlich, dass Impfungen im Laufeder Jahrhunderte immer populärer und gesellschaftlich anerkannt wurden. Sieverbreiteten sich nach und nach über die ganze Welt. Somit wurde nicht zuletzt auchdie Verbesserung und die Erforschung neuer Impfstoffe immer weiter vorangetrieben,mit dem Resultat, dass die Menschheit heute die Möglichkeit hat, sich gegen einigegefährliche Krankheiten durch Impfungen wirksam zu schützen.

Nachdem vermutlich schon 200 v. Chr. die Chinesen oder Inder versucht hatten,Menschen durch absichtliche Infektion zu immunisieren und von den Türken berichtetwurde, dass sie pulverisierte Pockenkrusten von Erkrankten auf dieNasenschleimhäute zur Immunisierung gegen Pocken aufbrachten, gelang EdwardJenner im Jahr 1796 der fundamentale Durchbruch, der die Menschheit in derBekämpfung von tödlichen Infektionskrankheiten einen entscheidenden Schrittweiterbrachte. Jenner hatte beobachtet, dass Menschen, die an der leichten Form derKuhpocken erkankt waren, nicht mehr an Pocken erkrankten. Er infizierte daraufhineinen Jungen mit den Kuhpocken und tatsächlich, der Junge erkrankte nicht anPocken.2

Zwischenzeitlich gibt es eine Vielzahl von Impfstoffen für Mensch und Tier. Denn auchdie Nutztierhaltung, die eine wichtige Nahrungsquelle des Menschen darstellt, profitiertmittlerweile in hohem Maße von der Gesunderhaltung der Tiere mittels Impfungen.Früher sind auch hier ganze Tierbestände verschiedenen Infektionskrankheiten wie Benjamin Geiger z.B. der Blauzungenkrankheit zum Opfer gefallen. Dadurch waren Tierhaltungsbetriebe ruiniert und die Fleischversorgung war gefährdet.

Zuletzt muss auch die Impfung von Haustieren erwähnt werden, denn obwohl viele Tierkrankheiten nicht auf den Menschen übertragen werden, kann die Tollwut oder der Wundstarrkrampf, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können und gegen die man impfen kann, für den Menschen tödlich enden.

3. Ausrottung von Krankheiten alsFolgen der Erfindung der Impfung

Impfungen tragen zu einem erheblichen Anteil dazu bei, dass inzwischen einzelnegefährliche Krankheiten sogar als ausgerottet gelten wie beispielsweise die Pocken,eine gefährliche Krankheit, die oft tödlich endete. Gegen diese Krankheit wirdinzwischen in Deutschland gar nicht mehr geimpft. Auch die Masern sollten eigentlichbis 2010 eliminiert sein, was aber bisher nicht gelungen ist, wie wir später anhandaktueller Zeitungsberichte noch erfahren. Hier hat selbst Deutschland, welches zu denLändern mit einem guten Gesundheitssystem zählt, zusammen mit einigen andereneuropäischen Staaten, das Ziel verpasst. Es erkranken trotz einer funktionierendenImpfstruktur in Deutschland jährlich mehrere hundert Kinder an Masern. Darüberhinaus stieg die Zahl der Erkrankten im Jahr 2010 noch über die des Vorjahres. DasRobert-Koch-Institut registrierte 2009 571 Erkrankungen, doch im Jahr 2010 sind esbereits 777. Das entspricht einem Anstieg von 36 Prozent, wobei die Zahl derErkrankten im allgemeinen stark schwankt und dies nicht die Verbreitung der Masernbedeutet.3 Nun wurde die Zielmarke für Deutschland auf 2015 erhöht.4 Grund derschlechten Impfquote in Deutschland sind wohl impfskeptische Eltern, die anhandkursierender negativer Gerüchte über den Masernimpfstoff, die Impfung ihrer Kinderablehnen. Um die Ausrottung einer Krankheit zu erreichen ist eine Impfquote vonmindestens 95 Prozent erforderlich. Wie im folgenden Schaubild zu erkennen ist, istdies insbesondere bei der zweiten Masern Impfung nicht der Fall. Mit einer Impfquotevon 88,4 Prozent im Jahr 2007 ist eine Ausrottung der Masern nicht möglich, denn einbefriedigender Schutz vor der Erkrankung ist erst mit der zweiten Impfung erreicht.Auch im Jahre 2008 erreichte die Quote der zweiten Masern Impfung mit nur 89Prozent nicht die angestrebten 95 Prozent.

Die Impfquoten werden in Deutschland nur bei der Einschulung erfasst. Diese Art der Erfassung ist durch das Infektionsschutzgesetz gesetzlich geregelt.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten6

Tabelle 1: An das RKI übermittelte Impfquoten in % der Kinder mit vorgelegtem Impfausweisbei den Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland 2007 (n = 705.390). Für Sachsen wurdenbei der MMR-Impfung die Daten aus den 2. Klassen verwendet. Für Sachsen-Anhalt wurden

Daten von 4- bis 5-jährigen Kindern verwendet, die 2007 untersucht, jedoch erst 2008eingeschult wurden. Stand: April 2009; Quelle: Epidemiologisches Bulletin 16/2009

Trotz allem haben sich die Impfquoten im Kindesalter in den letzten Jahren erheblichverbessert und somit auch dazu beigetragen impfbare Krankheiten erfolgreich zurückzu drängen.7

Die Pocken wurden von der Weltgesundheitsorganisation bereits am 8. Mai 1980 alsausgerottet erklärt.8 Der letzte Erkrankungsfall trat 1977 in Somalia auf.Gelungen ist dies unter anderem dadurch, dass die Weltgesundheitsorganisation 1967eine Impflicht gegen Pocken erlassen hat. In Deutschland konnte die Impfpflicht 1983wieder aufgehoben werden. Das Virus gibt es seither, offiziell nur noch in Russland undden USA, jedoch nur in Laboratorien.9 Auch für die Masernimpfung wurde dieBundesregierung vom 109. Ärztetag 2006 aufgefordert, sie als Pflichtimpfung vorzusehen, doch um in Deutschland eine Impfpflicht durchzusetzen müssen einige rechtliche Hürden überwunden werden, was letztendlich die Ursache dafür war, dass die Impfpflich nicht durchgesetzt werden konnte.10

Obwohl die Ausrottung gefährlicher Krankheiten erwünscht scheint, ist dies der Menschheit nur in Einzelfällen gelungen. Die Gründe hierfür möchte ich in den nächsten Kapiteln näher erläutern. Gleichzeitig sind aber auch neue Erkrankungen epidemieartig aufgetreten wie z. B. Aids, gegen die man bisher nicht impfen kann, an deren Entwicklung von Impfstoffen jedoch intensiv geforscht wird.

[...]


1 Robert Koch-Institut in Berlin; http://www.rki.de/nn_199596/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen.html, Stand: 17.08.2010

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Impfung

3 http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,742820,00.html

4 Thiesmann-Reith, Heike; Pädiatrix - Das Magazin für Kinderheilkunde, Nr. 3, April 2011, S. 10-14

5 http://www.impfserviceplus.de/main/News/index.html?msg-id=01784

6 Tabelle 1: Reiter S: Berichtsband der 1. Nationalen Impfkonferenz - Impfschutz im Dialog. Ein gemeinsames Projekt, Stiftung Präventive Pädiatrie, S. 23

7 Reiter S: Berichtsband der 1. Nationalen Impfkonferenz - Impfschutz im Dialog. Ein gemeinsames Projekt, Stiftung Präventive Pädiatrie, S. 23

8 http://de.wikipedia.org/wiki/Pocken

9 http://www.kiggs.de/kids/welt_der_medizin/pocken/index.html

10 Martin R. M: Berichtsband der 1. Nationalen Impfkonferenz - Impfschutz im Dialog. Ein gemeinsames Projekt, Stiftung Präventive Pädiatrie, S. 74-78

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656930747
ISBN (Buch)
9783656930754
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (März)
Note
12
Schlagworte
impfungen vertretbar ideen welt

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Titel: Impfungen. Vertretbar oder nicht?