Lade Inhalt...

Selektion am Beispiel von Hochbegabten

Seminararbeit 2005 24 Seiten

Pädagogik - Begabtenpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Geschichte der Hochbegabtenforschung

2. Definitionen

3. Modelle

4. Merkmale und Persönlichkeitsentwicklung Hochbegabter
4.1 Hochbegabtenmerkmale
4.2 Das familiäre Umfeld hochbegabter Kinder
4.3 Geschlechtsgruppenzugehörigkeit

5. Diagnostik der Hochbegabung
5.1 Formelle Verfahren
5.1.1 Zensuren
5.1.2 Intelligenztests
5.1.3 Wettbewerbe
5.2 Informelle Verfahren
5.2.1 Lehrervorschlag
5.2.2 Elternvorschlag
5.2.3 Selbstnominierung
5.2.4 Ratingskalen
5.3 Identifizierung hochbegabter Unterachiever

6. Förderung
6.1 Akzelerationsansatz
6.1.1 Frühere Einschulung
6.1.2 Überspringen von Klassen
6.1.3 Profilklassen
6.2 Enrichmentansatz
6.2.1 Arbeitsgemeinschaften
6.2.2 Mentoren/Tutoren
6.2.3 Selbstständige Studien
6.3 Mischformen zwischen Akzelerations- und Enrichmentansatz
6.3.1 Binnendifferenzierung
6.3.2 Freistellung von Schulpflicht
6.3.3 Spezialschulen und Schulen mit Hochbegabtenklassen
6.4 Aktuelle Beispiele von Förderung aus der Region Düren

7. Persönliche, familiäre und schulische Probleme

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „Das Renzulli Modell“ Ontrup, Christiane: Hoppsala for family: Modelle von Hochbegabung, http://www.hoppsala.de/index.php?menueID=19&contentID=98, (Abruf: 27.4.2005)

Abbildung 2: „Das Renzulli Modell nach Wieczerkowski“ Feger, Barbara: Hochbegabung: Chancen und Probleme, Bern: Huber 1988, S.78

Abbildung 3: „ Das Münchner Hochbegabungsmodell“ Heller, Kurt A.: Begabtenförderung im Gymnasium –Ergebnisse einer zehnjährigen Längstschnittstudie, Opladen: Leske und Budrich 2002,S. 54

1. Die Geschichte der Hochbegabtenforschung

Die inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema Hochbegabung existiert schon lange, doch bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts nur eine vage Vorstellung von dem, was Hochbegabung im Kern bedeutet. Die systematische Auseinandersetzung der Hoch-begabtenforschung begann erst mit den Untersuchungen von Galton 1869. (Hoyningen-Süess, S. 1) Für ihn war hauptsächlich die genetische Veranlagung für die intellek-tuellen Fähigkeiten verantwortlich. Später stellte sich die Frage, ob besondere Begabungen allein auf genetische Faktoren eines Menschen zurückzuführen sind oder ob auch Umweltbedingungen in der Begabungsentfaltung eine Rolle spielen.

Bis heute werden Begabungen an Intelligenz gemessen. Aus diesem Grund war die Festlegung des Intelligenzquotienten (IQ) als Standardmaß für intellektuelle Leistungen durch den Deutschen William Stern 1912 (Feger 1988, S. 33) ein entscheidender Schritt in der Hochbegabtenforschung. Der erste Intelligenztest war der „Stanford-Binet Individual Test of Intelligence“ 1916, mit der Terman 1925 die ersten großen Untersuchungen zur Hochbegabung durchführte. Die 1500 untersuchten Kinder zeichneten sich durch breit angelegte Interessen, Hobbys, gutes Sozialverhalten und überragende Intelligenz aus. (Heitzinger, S. 3) Aufgrund der Notwendigkeit der Förderung von begabten Menschen wurde 1925 die Studienstiftung des deutschen Volkes gegründet (Feger 1988, S. 34), die auch heute noch viele Stipendien für besonders begabte und engagierte Personen vergibt.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Forschungstätigkeit unterbrochen und erst zu Beginn der 70iger Jahre wieder aufgenommen. Mit dem ersten Weltkongress zur Hochbegabung in London 1975 ergaben sich neue Diskussionspunkte. (http://www.bmbf.de/pub/hochbegabung_im_spiegel_der_printmedien_seit_1950.pdf, S.17) Die besondere Förderung Hochbegabter steht im Gegensatz zum demokratischen Gleichheitsideal, welches nach dem zweiten Weltkrieg einen wichtigen Grundsatz darstellte. Des Weiteren soll der Erkennung sozioökonomisch benachteiligter hochbegabter Kinder besondere Beachtung geschenkt und Kreativität als ein zentraler Teilaspekt neben der Intelligenz mit berücksichtigt werden. In Deutschland begann die Beschäftigung mit dem Thema Hochbegabung erst 1978, als im Februar diesen Jahres die „Gesellschaft zur Förderung hochbegabter Kinder“ gegründet wurde.

(http://www.bmbf.de/pub/hochbegabung_im_spiegel_der_printmedien_seit_1950.pdf, S.17)

2. Definitionen von Hochbegabung

Es gibt viele verschiedene Definitionen von Hochbegabung, die die Begabung des Einzelnen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Die nachfolgenden exemplarisch aufgeführten Definitionen zeigen, wie unterschiedlich Hochbegabung gesehen wird. (Lasar, S.10f)

Die Ex-post-facto-Definition besagt, dass diejenigen hochbegabt sind, die etwas Hervorragendes geleistet haben. Sie erfasst somit nur Kinder, deren Begabungen entfaltet sind. Außerdem muss ihnen jemand die Möglichkeit geben ihre Begabungen zeigen zu können.

Bei der IQ- Definition wird ein bestimmter Grenzwert, der meist bei einem IQ von 130 liegt, festgelegt. Alle Personen, die in diesem Test einen IQ über 130 besitzen, gelten folglich als hochbegabt.

Talentdefinitionen beziehen Sonderbegabungen in vielen Bereichen mit ein. Hochbegabt sind in diesem Fall Personen, die in künstlerischen, akademischen oder musikalischen Bereichen besondere Leistungen erbringen.

Bei Prozentsatzdefinitionen gilt ein bestimmter Prozentsatz der Bevölkerung als hochbegabt, zum Beispiel zehn Prozent aller Schüler der Sekundarstufe zwei. Bei 200 Schülern sind nach dieser Definition die 20 Schüler mit den besten Noten oder Schulleistungstests hochbegabt.

Die Kreativitätsdefinition lehnt reine Festlegung der Hochbegabten nach dem IQ ab und widmet sich originellen Leistungen, zum Beispiel besonderen Ideen im künstlerischen, literarischen oder handwerklichen Bereich.

Bei einigen Hochbegabten gibt es eine starke Diskrepanz zwischen dem, was sie leisten können und der tatsächlichen Leistung. Diese Kinder bezeichnet man als Under-achiever, wobei die Ursache meist bei zu langer Unterforderung und Lernunlust liegt. (Fels 1999, S. 147)

3. Modelle

Heutzutage sind die meisten Psychologen der Meinung, dass die Intelligenz ein Zusammenwirken von Anlage- und Umweltfaktoren ist. Die am häufigsten in der Literatur verwendeten Modelle sind erstens das Drei- Ringe-Modell von Renzulli (siehe Abbildung 1) aus dem Jahre 1979. Dieses Modell ist entwicklungs-orientiert. Begabung wird als Schnittmenge dreier Personenmerkmale gesehen. Diese sind überdurch-schnittliche kognitive und spezielle Fähigkeiten, Kreativität in Form von produktivem, selbstständigem Vorgehen beim Lösen von Aufgaben und Aufgabenverpflichtung. Letztes beinhaltet die Fähigkeit, sich intensiv und motiviert über längere Zeit einer Aufgabe zuzuwenden. Renzulli-Modell (Ontrup) Das Problem dieses Modells besteht darin, dass Begabung und Leistung gleichgesetzt werden. Daraus folgt, dass Underachiever übersehen werden.

Abbildung 1: Das

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Renzullis Modell wurde 1985 von Wagner und Wieczerkowski weiterent-wickelt (siehe Abbildung 2), indem sie die drei Haupt-merkmale bei der Hoch-begabtendiagnostik aus-differenzierten und den Begriff Begabung durch Talent ersetzten. (Feger 1988, S. 78)

Abbildung 2: Das Renzulli Modell nach Wagner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

und Wieczerkowski ( Feger, 1988, S. 78)

Das „Triadische Interdependenzmodell“ von Mönks zeigt, dass hohe Begabung nicht nur von bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen des Einzelnen, sondern auch von der Familie, den Freunden (peer-group) und dem schulischen Umfeld abhängig ist. Somit ist gute Leistung meist das Ergebnis einer Interaktion zwischen sozialem Umfeld und Persönlichkeitsmerkmalen wie Kreativität, hohen intellektuellen Fähigkeiten und Motivation, insofern diese leistungsfördernd wirken. (Ontrup)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das Münchner Hochbegabungsmodell (Heller 2002, S.54)

1994 entwickelten Heller, Perleth und Hany das Münchner (Hoch-)Begabungsmodell (siehe Abbildung 3), wobei es sich um ein mehrdimensionales Modell handelt, da für die Umsetzung der Begabung des Einzelnen in entsprechende Leistungen nicht nur Intelligenz, sondern auch Persönlichkeits- und Umweltmerkmale eine wichtige Rolle spielen. Sie können sich auf den Hochbegabten hemmend oder unterstützend auswirken. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Stressbewältigung oder Leistungsmotivation beeinflussen dabei die Leistungen des Schülers ebenso wie die Umweltmerkmale Klassenklima, Familienklima, kritische Lebensereignisse, Instruktionsqualität oder die familiäre Lernumwelt. (Amt für Volksschule des Kantons St. Gallen, Fachstelle Begabungsförderung, S. 6f) Begabungen müssen somit nicht automatisch zu guten Leistungen führen, was am Beispiel der Underachiever gut erkennbar ist.

4. Merkmale und Persönlichkeitsentwicklung

4.1 Hochbegabtenmerkmale

Hochbegabte sind wissbegieriger und besitzen eine größere Ausdauer beim Lösen von Problemen. Des Weiteren zeigen sie bezüglich Lehrereinschätzungen mehr Mitgefühl und weniger Arroganz als andere Kinder in ihrem Alter. Zu diesem Ergebnis kamen Terman und Mitarbeiter in den 20iger Jahren in einer Studie mit 1500 hochbegabten Kindern. (Rost 2000, S. 167)

Rost erkannte in seiner Studie zur Hochbegabtenforschung nur wenige Unterschiede von Hochbegabten zu anderen Kindern. So hatten Hochbegabten öfter ein Überlegenheitsgefühl, stellten sich als weniger ängstlich in Prüfungssituationen dar und als stärker intrinsisch motiviert gute Leistungen zu erreichen. Dies bedeutet, dass sie selbst lernen wollen und dies nicht aufgrund eines äußeren Druckes tun. Außerdem bezeichneten sie sich als weniger von ihren Eltern abhängig. (Rost 2000, S.169) Hochbegabte sind auch trotz vieler Vorurteile meist nicht unbeliebt oder in der Rolle des Außenseiters zu finden. Sie haben allerdings durchschnittlich ein geringeres Interesse Freundschaften einzugehen.

Sie werden von ihren Eltern als lebhaft bezeichnet, wobei sie sehr konzentriert lernen und spielen, über hohes Wissen in bestimmten Details verfügen, sehr selbstkritisch sind und sich selbst hohe Lernziele setzen. Kognitive Merkmale dieser Kinder sind ein vielfältiges Interesse, auch bei der Auswahl der Bücher, die sie lesen. Sie stellen viele Fragen, haben eine schnelle Auffassungsgabe, sind sehr neugierig und lösen Schulaufgaben eigenständig und auf ihre Weise. Außerdem üben Hochbegabte gerne Kritik am Verhalten der Lehrer, Eltern und Materialien, die sie erhalten, verbergen ihre Langeweile nicht und sehen nicht ein Aufgaben zu wiederholen. Konfliktsituationen lösen sie verbal mit Gesprächen und verzichten auf Gewalt.

Ihre Persönlichkeitsentwicklung ist vergleichbar mit der nicht hochbegabter Kinder, mit dem Unterschied, dass Hochbegabte die verschiedenen Entwicklungsstufen schneller passieren.

4.2 Das familiäre Umfeld hochbegabter Kinder

Identifizierte Hochbegabte stammen häufiger aus Familien, die einem hohen sozioökonomischen Status in der Gesellschaft haben und einen höheren Schulabschluss vorweisen können.

Des Weiteren haben Familien mit einem hohen Bildungsniveau und/oder einem entsprechenden Einkommen bessere Möglichkeiten ihren Kindern eine gute Förderung zukommen zu lassen. Sie beobachten außerdem die intellektuelle Entwicklung ihrer Kinder viel spezieller und suchen eher Hilfe bei entsprechenden Institutionen.

Einen ähnlichen Effekt kann man bei der Familiengröße beobachten, da sich in kleineren Familien häufiger ein hochbegabtes Kind findet als in Großfamilien. Das liegt daran, dass Eltern von wenigen Kindern mehr Zeit für die einzelnen Kinder haben. (Heitzinger, S. 3)

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656096214
ISBN (Buch)
9783656096481
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184719
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Hochbegabtenförderung Diagnostik und Förderung von Hochbegabten Persönlichkeitsentwicklung Hochbegabter Hochbagabungsmodelle

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Selektion am Beispiel von Hochbegabten