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Reisebegleitung für Jugendliche mit Behinderung

Außerschulisches Praktikum zum Thema Inklusion in der Schule

Praktikumsbericht / -arbeit 2011 11 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Informationen über die Praktikumsinstitution

3. Reflexion von Erfahrungen anhand der Leitfragen

4. Reflexion des Praktikums

5. Literatur

1.Einleitung

Vor meiner Wahl des außerschulischen Praktikums habe ich darüber nachgedacht, welche persönlichen Kompetenzen ich fördern möchte und auf welche Art und Weise ich den größten Nutzen aus diesem Praktikum ziehen kann. Bei meinen Recherchen bin ich auf das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderung in allgemein bildende Schulen gestoßen. Dies hat mich besonders angesprochen, da ich keinerlei Erfahrungen mit behinderten Menschen habe, es jedoch möglich wäre, dass ich in der Zukunft auch diese unterrichten werde. Somit habe ich mich dazu entschlossen, mein Praktikum im Bereich der Behindertenbetreuung zu absolvieren. Im Anschluss daran habe ich Informationen zu verschiedenen Institutionen eingeholt und mich dazu entschlossen, als Betreuerin eine Reise für Menschen mit Behinderung bei dem Unternehmen YAT zu begleiten. Die Leitfragen, die diesem Bericht zugrunde liegen sind dementsprechend zum einen die Förderung meiner eigenen und die Vermittlung der allgemeinen personalen und sozialen Kompetenzen. Als soziale Kompetenz wird „die Bereitschaft und Befähigung, soziale Beziehungen zu leben und zu gestalten, Zuwendungen und Spannungen zu erfassen und zu verstehen sowie sich mit Anderen rational und verantwortungsbewusst auseinander zu setzen und zu verständigen [,bezeichnet]. Hierzu gehört insbesondere auch die Entwicklung sozialer Verantwortung und Solidarität.“[1] Unter personaler Kompetenz bzw. Humankompetenz wird „die Bereitschaft und Befähigung, als individuelle Persönlichkeit die Entwicklungschancen, Anforderungen und Einschränkungen in Familie, Beruf und öffentlichem Leben zu klären, zu durchdenken und zu beurteilen, eigene Begabungen zu entfalten sowie Lebenspläne zu fassen und fortzuentwickeln [,verstanden]. Sie umfasst Eigenschaften wie Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein. Zu ihr gehören insbesondere auch die Entwicklung durchdachter Wertvorstellungen und die selbstbestimmte Bindung an Werte.“[2] Diese Definitionen stammen aus dem Rahmenlehrplan für das Berufskolleg. Sie stellen die Kompetenzen dar, die den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden sollen. Meiner Meinung nach muss die Lehrperson selbst zunächst diese Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen, bevor sie sie lehren kann.

Zum anderen möchte ich das Thema der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Regelschule, zu dem auch das Berufskolleg zählt, beleuchten. Interessant ist hierbei, dass das Thema nicht im Rahmen meines Studiums behandelt wird, sondern eigentlich einen Teil der Sozialpädagogik darstellt. Bei einer möglichen Integration von Schülerinnen und Schülern mit Handicaps, sollte meiner Ansicht nach jeder einen Eindruck davon erhalten, wie sich Menschen mit Behinderung von der üblichen Schulklientel unterscheiden.

2. Informationen über die Praktikumsinstitution

Das Unternehmen YAT-Reisen zeichnet sich dadurch aus, dass es Menschen mit Behinderung die Chance auf einen Urlaub ohne ihre Eltern bzw. ihre regulären Betreuer gibt. Die Idee entstand durch das Projekt „Wheels meet feet – Räder treffen Füße“[3], dass im Jahre 2001 durchgeführt wurde. Das Ziel war ein integratives Reiseangebot für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung. Die Nachfrage für die Reisen mit Behinderten stieg, allerdings nicht die von Kindern- und Jugendlichen ohne Behinderung. Im Jahre 2005 wurde die Entscheidung getroffen, die Reisen ausschließlich für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung anzubieten. Da diese besondere Art der Reisen sehr kostspielig ist, gibt es nur fünf fest angestellte Personen im Unternehmen, wobei zwei hiervon die Gründer sind. Begleitet werden die Ausflüge von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zuvor durch hauseigene Schulungen darauf vorbereitet werden. Hierfür muss zunächst ein Basislehrgang erfolgreich abgeschlossen werden, in dem das Basiswissen für den Umgang mit geistig und körperlich Behinderten vermittelt werden. Weiterhin gibt es seit 2010 weitere Seminarangebote beispielsweise für Diabetes, Autismus oder ein Fahrtraining für den besonderen Transport von Menschen mit Handicaps.

Bei dem Angebot von YAT handelt es sich um Reisen im In- und Ausland. Außerdem gibt es sowohl Wochenendereisen, als auch lange Fahrten bis zu zehn Tagen. Seit 2010 gibt es zusätzlich eine weitere Veränderung im Unternehmen. Zuvor wurden Reisen sowohl mit geistig als auch körperlich Behinderten durchgeführt. Problematisch waren hierbei die unterschiedlichen Interessenfelder und Unternehmungsmöglichkeiten, da Ausflugsziele auf Aspekte der Barrierefreiheit ausgewählt werden müssen. Deshalb werden ab letztem Jahr separate Reisen angeboten. Auch wird weiterhin nach den Altersstufen klassifiziert, so gibt es die Kinderfreizeiten für Teilnehmer von 6 bis 13 Jahre, die Jugendreisen für die Altersstufe von 13 bis 20 Jahre und das aktive Reisen für Erwachsene ab 18 Jahre.

3. Reflexion von Erfahrungen anhand der Leitfragen

Mein Praktikum habe ich auf einer zehntägigen Reise nach Spanien an die Costa Brava durchgeführt. Vor Reiseantritt habe ich als Voraussetzung die dreitägige Basisschulung absolviert.

An dem Urlaub nach Spanien nahmen sowohl körperlich, als auch geistig Behinderte teil. Der Grund dafür war, dass nicht genügend Teilnehmer für die zuvor aufgeteilten Reisen angemeldet waren, wodurch diese dann zusammengelegt wurden, weil ansonsten die gesamte Reise hätte aus Kostengründen abgesagt werden müssen. An dieser Reise nahmen insgesamt acht Personen mit Handicap teil. Drei davon waren Rollstuhlfahrer, die anderen hatten verschiedene geistige Behinderungen. Die Fahrt wurde begleitet durch drei Teamerinnen und mich, wobei eine davon unsere Teamleiterin war. Sie war die Ansprechpartnerin für uns und organisierte alles während unseres Aufenthalts an der spanischen Küste.

Da ich keinerlei Vorerfahrungen mit behinderten Menschen besitze, wurde mir nur eine Teilnehmerin zugewiesen. Das Mädchen war 18 Jahre alt und litt an einer Bewegungsstörung genannt spastische Diplegie. Sie war an ihren Rollstuhl gebunden, konnte allerdings mit Unterstützung einige Schritte laufen, und war ansonsten auch sehr selbstständig. Dies hatte zur Folge, dass sie nur vergleichsweise wenig Hilfe benötigte.

Die Reise begann damit, dass wir vor Abflug losfuhren, um die Teilnehmer in ganz Deutschland abzuholen. Am Flugplatz wurden wir direkt mit einigen Komplikationen konfrontiert, da wir viel Spezialausrüstung für die verschiedenen Personen brauchten. In Spanien angekommen, erinnerte der Trip zunächst an einen ganz „normalen“ Ausflug, jedoch war es keiner. Es war eine sehr heterogene Gruppe, zusammengesetzt aus Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen im Alter von 16 bis 55 Jahre, die alle Wünsche hatten, die wir nach Möglichkeit während deren Urlaub erfüllen sollten. Um eine gute Planung und Durchführung zu garantieren, hieß dies für uns Teamer, jeden Abend, nachdem wir die Teilnehmer den ganzen Tag betreut hatten, eine Teamsitzung durchzuführen, in der wir die kommenden Tage gestalteten. Die Planung gestaltete sich sehr schwierig, denn abgesehen von den verschiedenen Interessen auch teilweise begründet durch den Alterunterschied, musste beachtet werden, was für die Teilnehmer aufgrund der verschiedenen Behinderungen möglich ist. Dies bezog sich sowohl auf ihre eigenen Fähigkeiten, als auch auf die behindertengerechte Ausstattung der Ausflugsziele. An manchen Tagen wurde daraufhin im Laufe der Tage die Gruppe geteilt. Manche konnten beispielsweise nicht ins Meer gehen, da dies direkt am Strand sehr stark abfiel und einen Sog erzeugte, der eine Person, die lediglich bedingt auf ihren Beinen stehen kann, direkt mitgerissen hätte. Meine Position war hierbei die Interessen meiner Teilnehmerin so gut wie möglich zu vertreten und zu versuchen mit den anderen zusammen Lösungen für die Umsetzung ihrer Wünsche zu finden. Das junge Mädchen, das ich betreute, war bereits zuvor auf einer Reise gewesen und erzählte mir, dass sie unheimlich gerne im Meer schwimmen gehen wolle. Sie liebe das Schwimmen so sehr, weil sie es alleine könne, da sie im Wasser so leicht sei, dass ihre Beine ihr hierbei nicht im Wege stehen würden. Die Schwierigkeiten mit dem Strand ließen dies aber fast unmöglich wirken. Wir hatten jedoch eine Idee, bei der wir allerdings die möglichen Gefahren abwägen mussten. Ich hatte am Strand einen Tretbootverleih gesehen, den wir ohne größere Schwierigkeiten hätten mit den Rollstühlen erreichen können. Das Meer war am Strand für die Rollstuhlfahrer nicht zu betreten, dass hieß jedoch nicht, dass sie nicht im Wasser schwimmen gehen könnten, wenn sie weiter draußen seien. Die Idee bestand darin, die Teilnehmer mit den Tretbooten auf Wasser zu fahren und sie dort dann schwimmen gehen zu lassen. Schwierig wäre allerdings, sie wieder auf das Boot zu bekommen und ihnen soweit zu Vertrauen, dass sie ihre Fähigkeiten gut selbst einschätzen könnten. Wir beschlossen dies mit ihnen zu besprechen. Sie waren sichtlich begeistert. Die von mir betreute Jungendliche war überglücklich, dass wir ihr die Gelegenheit gaben, im Meer zu schwimmen zu gehen. Wir mussten zwar beide ein paar Blessuren hinnehmen beim zurück aufsteigen auf das Boot, aber ich habe ihr ihren Wunsch erfüllt. Dies war eins meiner Schlüsselerlebnisse auf der Reise, da es mit sehr großer Verantwortung verbunden war. Hätte ich falsch reagiert oder die Lage zuvor falsch eingeschätzt, hätte etwas Schlimmes passieren können. Dies hat mir aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, den Jungendlichen zu vertrauen und ihnen die Möglichkeit zu geben, eigene Erfahrungen zu machen.

[...]


[1] Rahmenlehrplan, Beschluss der KMK. 18.01.2007, S.4.

[2] Ebd., S.4.

[3] YAT-Reisen. http://www.yat-reisen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=81&Itemid=112 [7.3.2011]

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656934769
ISBN (Buch)
9783656934776
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v184738
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – PLAZ
Note
2,0
Schlagworte
reisebegleitung jugendliche behinderung außerschulisches praktikum thema inklusion schule

Autor

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Titel: Reisebegleitung für Jugendliche mit Behinderung