Lade Inhalt...

Kafkas Rezeptionsgeschichte. Ein besonderer Blick auf "Der Prozess"

Referat / Aufsatz (Schule) 2012 9 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Bearbeitung verschiedener Rezensionen

3. Kafkas Einfluss auf die Literatur

4. Kafkas Einfluss auf andere Autoren

5. Künstlerische Rezeption ( Verfilmungen, Inszenierungen)

6. Fazit

7. Quellen

1. Einführung

Laut Franz Kafka sollte ein Buch "die Axt sein, für das gefrorene Meer in uns". Wohl kein anderes seiner Werke hat dieses Meer auf so eindrucksvolle Weise durchbrochen wie "Der Prozess". Seit der Erstveröffentlichung 1925 entstanden unterschiedlichste Interpretationsansätze. Zu den fünf bekanntesten Ansätzen gehören der biographische, der psychoanalytische, der theologische, der existentialistische und der politische.

Um die Rezeptionsgeschichte des Romans empirisch untersuchen zu können, ist es notwendig neben diesen Ansätzen, auch exemplarisch mit einigen Rezensionen bekannter Schriftsteller, sowie Zeitungsbesprechungen zu arbeiten.

Weiterhin sollen in dieser Arbeit drei Künstler vorgestellt werden, welche sich auf einen sehr großen Einfluss durch Kafka beriefen und schließlich soll der Einfluss Kafkas auf die Literaturgeschichte an sich untersucht werden.

2. Bearbeitung verschiedener Rezensionen

Schon in den 20er und 30er Jahren haben zum Beispiel Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke, Berthold Brecht, sowie Thomas und Klaus Mann zur Popularität und der zunehmenden Rezeption von "Der Prozess" und Kafka als Person beigetragen.

Kurt Tucholsky veröffentlichte unter seinem Synonym Peter Panther in der deutschen Wochenzeitschrift "Die Weltbühne" am 9. März 1926 seine Rezension über Kafkas Werk. Er bezeichnete "Der Prozess" gleich zu Anfang als "(...) das unheimlichste und stärkste Buch der letzten Jahre". Nichtsdestotrotz komplimentierte Tucholsky Kafka und zeigte durchgehend Begeisterung für sein Werk. Er beschrieb die Besonderheit, die Kafka seiner Meinung nach von anderen Autoren unterschied wie folgt:

"Wir alle, die wir ein Buch zu lesen beginnen, wissen doch nach zwanzig oder dreißig Seiten, wohin wir den Dichter zu tun haben; was das ist; wie es läuft; ob es ernst gemeint ist oder nicht; wohin man im groben so ein Buch zu rangieren hat. Hier weißt du gar nichts. Du tappst im Dunkeln. Was ist das? Wer spricht?"

Tucholsky reproduziert in seiner Rezension fasziniert den Inhalt. Er zitiert Stellen aus der Prügler-Szene und erzählt, er gäbe diese Beispiele, um diese "grausame Mischung von schärfster Realität und Unirdischem" zu zeigen. Er kritisiert allerdings die Reihenfolge, in der Max Brod die Fragmente des Romans letztendlich zusammensetzte. Für ihn stünde das grandiose Schlusskapitel "etwas unvermittelt an dem vorletzten Abschnitt (...)", obwohl dieses eine Meisterleistung für sich sei.

Weiterhin bezeichnet Tucholsky den Roman als "zügellos" und vergleicht ihn mit Kindheitsphantasien - er sei nicht wegen seiner Surrealität so unheimlich und außergewöhnlich, sondern gerade wegen der Genauigkeit und der "vollkommen(e) vernünftige(n) Idee", welche hinter dem Roman stecken.

Insbesondere hebt er das optische Bild hervor, mit dem das Buch schließt. So eine "eindringliche Kraft der Phantasie" sei seit Oskar Panizza nicht wieder gesehen worden. Er lobt außerdem die Perfektion der Sprache Kafkas: "Das Deutsch ist schwer, rein, bis auf wenige Stellen durch gearbeitet."

Abschließend erklärt er schließlich, dass im Laufe der Zeit "ohne das man jemanden zu ihm überreden braucht" Kafka ein äußerst berühmter und gleichsam bedeutender Autor werden würde.

Hermann Hesse meldete sich schon ein Jahr nach der Erstveröffentlichung mit seiner Rezension "Franz Kafkas Nachlaß" zu Wort, erschienen am 9. September 1925 im Berliner Tageblatt.

Hesse beschreibt Kafka als einen "merkwürdigen Dichter, welcher mit seiner Arbeit nie zufrieden war". Diese Aussage ist wohl darauf zurückzuführen, dass Kafka bekanntermaßen den Wunsch äußerte, alle seine unveröffentlichten Werke und Aufschriebe mägen nach seinem Tot verbrannt werden.

Der Roman würde laut Hesse viele von Kafkas Freunden "erstaunen, entzücken und mitten ins Herz treffen", da er den Roman als ein "seltsames, aufregendes, wunderliches und ein beglückendes Buch" beschreibt.

Hesse bezeichnet das Werk außerdem als "ein Gespinst aus Traumfäden (welche), die Konstruktion einer Traumwelt (herstellen), mit reinlichster Technik", wodurch laut Hesse eine "holspiegelhafte Scheinwirklichkeit" entstehe. Diese Scheinwirklichkeit wirke wiederum wie ein Albtraum - beängstigend, bedrückend und einsam.

Hesse sieht den Sinn der Dichtung Kafkas vor allem aber im Religiösen - für ihn drücke das Werk "Frömmigkeit" aus. Damit war und ist er nicht der einzige, schließlich baut einer der bekanntesten Interpretationsansätze auf den religiösen Werten, im speziellen Ehrfurcht und Unterwürfigkeit, im Roman auf.

Jakob Elias Poritzy hingegen sieht in Kafkas Werk eine "Nerventortur stärksten Grades." Er fühlt sich als Leser mit dem Werk persönlich verbunden. Laut ihm brennt man während man das Buch liest in einer Art Fegefeuer, umringt von einer undurchsichtigen Macht, welcher man hilflos ausgeliefert ist. Dies liegt darin begründet, dass der Leser genau so wenige Informationen erhält, wie Josef K. selbst. So wird der Leser gezwungen, eine Empathie Haltung einzunehmen und versucht dadurch selber Lösungswege zu finden.

Die meistverbreiteten Meinungen zur Zeit der Erstveröffentlichung waren dieser Haltung sehr ähnlich. Bereits damals war die Rede von Kafkas größtem Werk und von seiner enormen Tragweite in der Literaturgeschichte, da der Roman vor allem wegen seiner Allgemeingültigkeit so viele Leser anspräche.

Erst mit dem Ende des zweiten Weltkriegs setzte eine umfangreichere Rezeption Kafkas und seines Werks "Der Prozess" richtig ein. Dies lag vor allem an der Unterdrückung durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft, welche Kafka zum "verbotenen Autor" erklärte und ein Teil seiner Werke und Aufschriebe als "entartete Kunst" den Flammen der Bücherverbrennung zum Opfer fielen.

Nach dem zweiten Weltkrieg fing eine breitere Masse an, sich mit Kafka auseinander zu setzen. Ein Großteil der Leser, darunter Max Brod, konnten den Roman mit ihren Erfahrungen von Unterdrückung und Machtlosigkeit im dritten Reich verknüpfen.

Viele sind von einer Art "prophetische(n) Vorwegnahme" des Terrors und der Machenschaften der Nationalsozialisten ausgegangen. Dazu gehörten Hannah Arendt, welche dies in ihrem Kafka-Essay 1948 veröffentlichte, sowie Adorno, der dies 1976 kundtat.

Sie machten auf die Ähnlichkeit zwischen der Gewalt und den totalitären Zuständen, sowohl in "Der Prozess", aber auch in den Romanen "Strafkolonie" und " das Schloss" aufmerksam. Max Brod erklärte sogar, er könne den sogenannten "SS-Mann" in Kafkas Roman feststellen.

Kafka hat es durch all diese prophetischen, bedrohlichen und unfassbaren Elemente sogar in den Duden geschafft und ein eigenes Adjektiv geprägt: kafkaesk. Heutzutage gehören seine Werke zur Pflichtlektüre an Schulen und Universitäten. Die Kafka Forschung ist immer noch äußerst produktiv - nach wie vor setzen sich Literaten mit "Der Prozess" und anderen Texten Kafkas auseinander. Vor allem zum Jubiläumsjahr 2005 erschienen gleich bei mehreren Verlagen kommentierte und unkommentierte Erzähl- und Romanausgaben.

Nun soll ein Interpretationsansatz vorgestellt werden, welcher sich seit der Erstveröffentlichung als sehr populär erwies, sich jedoch, anders als die anderen Ansätze, schwerer zeitlich eingrenzen lässt.

Es handelt sich dabei um den biographischen Interpretationsansatz. Dieser führt zwei Ereignisse aus Kafkas Leben an, die für sein Werk ausschlaggebend sein sollen: die Verlobung mit Felice Bauer am 1. Juni 1914, sowie deren Auflösung nach sechs Wochen im Hotel "Askanischer Hof" in Berlin. Die Literaten stützen sich dabei auf entsprechende Formulierungen in Kafkas Tagebüchern. Kafka beschreibt die Verlobung als eine "Verhaftung", bei der er sich "gebunden wie ein Verbrecher" fühlte, und nennt das Trennungsgespräch ein "Gericht" - dies zeigt offensichtlich deutliche Parallelen zum Roman, denn auch in "Der Prozess" fühlt sich der Protagonist K. gefangen, obwohl er nicht physisch eingesperrt ist und sich frei bewegen kann.

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656098683
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v185091
Institution / Hochschule
Montessori Zentrum ANGELL Freiburg e.V.
Note
15
Schlagworte
Kafka Rezeptionsgeschichte Rezeption Rezension Der Prozess

Autor

Zurück

Titel: Kafkas Rezeptionsgeschichte. Ein besonderer Blick auf "Der Prozess"