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Suchtprävention in der offenen Jugendarbeit

Hausarbeit 2002 27 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0.Einleitung

1. Suchtprävention im gesellschaftlichen Kontext
1.1. Familie und Sucht
1.2 Der Einfluss der Peergruppe
1.3.Konzepte der Suchtprävention

2. Theorie der pädagogischen Suchtprävention
2.1 Suchtprävention als Kompetenzförderung
2.2. Die pädagogische Kompetenzförderung

3.Pädagogische Suchtprävention in der offenen Jugendarbeit
3.1. Grundlagen
3.1.1 Mädchenspezifische Suchtprävention
3.2 Projektarbeit als Methode der Suchtprävention
3.3 Suchtprävention im Sport
3.4 Erlebnispädagogische Ansätze in der Suchtprävention

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

0.Einleitung

Sucht, besonders Drogensucht im Sinne der Abhängigkeit von harten Drogen, Alkohol oder Cannabis, neuerdings auch die sogenannte Internetsucht, ist ein häufig diskutiertes Thema, gerade auch in der einschlägigen Presse. So zeigen Hochglanzfotos kiffende oder betrunkene Menschen, meist Jugendliche, die häufig in irgendeiner Weise heruntergekommen oder aber gefährlich und aggressiv aussehen.

Zur weiteren Meinungsbildung dienen dann reißerisch gestaltete Reportagen, die uns über das Medium Fernsehen, mittels hautnaher Berichterstattung und Interviews mit den Betroffenen, das ganze Elend dieser Menschen vorführen, während der Betrachter, vielleicht auch mit einer Flasche Bier oder zwei, seinen Unmut über die Verwahrlosung und verkommene Moral kundtun kann, bevor er als letzte Tat des Tages seinen Aschenbecher ausleert und für den ruhigen Schlaf nach so aufwühlenden Informationen mit ein, zwei Schlaftabletten im Bett verschwindet.

So wie Sucht sich in vielerlei Weise äußern kann, so ist dies nur eine Seite der medialen Darstellung von Drogen. Werden auf der einen Seite die sogenannten illegalen Drogen wie Heroin, Kokain, Cannabis und die Designerdrogen LSD und Ecstasy verteufelt, so werden auf der anderen Seite die legalen Drogen wie Alkohol oder Zigaretten immer wieder in allen möglichen und unmöglichen Präsentationen in Szene gesetzt. „ Ich rauche gern“ oder „ Geschmack der die Sinne berührt“ sind dabei nur zwei Slogans, die dem Konsumenten den Genuss näher bringen sollen.

Obwohl auch oder gerade die legalen Drogen einen großen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Schaden verursachen, wird ihr Genuss, teilweise bis hin zum Exzess, toleriert und gefördert.

Betrachtet man die Dimensionen, welche die Abhängigkeit in Deutschland, ganz gleich von welcher Substanz oder Tätigkeit, annimmt, so wird der Handlungsbedarf deutlich:

In der Gruppe der 18 bis 59 Jährigen sind allein 4,4 Millionen Menschen alkoholabhängig[1], 1,4 Millionen medikamentenabhängig, acht bis neun Millionen Männer rauchen regelmäßig, ebenso wie fünf bis sechs Millionen Frauen. Von der letzten Gruppe sterben etwa 100.000 Menschen pro Jahr an den Folgen ihrer Sucht. Harte Drogen werden etwa von 250.000 bis 300.000 Menschen konsumiert, diese Zahlen sind jedoch wie bei den anderen Abhängigkeiten nur relative, gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, ist auf diesem Gebiet sehr schwer. Weiterhin konsumieren etwa 2,1 Millionen Menschen Cannabis, welches besonders in der Grenznähe zu den Niederlanden oft als Alternative zum Alkohol angesehen wird, bzw. dessen Wirkung unterstützen soll. Etwa 100.000 Menschen sind spielsüchtig, dies ist eine Zahl, die mit der zunehmenden Verbreitung von Computerspielen immer weiter ansteigt.

Diesen rationalen Zahlen, die nicht einmal erahnen lassen, welche Schicksale dahinterstehen, die nichts von Co – Abhängigkeit oder den Folgen für die Betroffenen verraten, wird, und das immer stärker, eine Anzahl von Kampagnen gegen Drogen entgegengesetzt. Neben der Aufklärung über mögliche Risiken, die im Biologieunterricht mittels dem obligatorischen Foto eines Raucherbeines oder einer Raucherlunge vonstatten geht und selten den gewünschten Effekt hat, und dem einmaligen Besuch einer Drogenberatungsstelle in der Oberstufe, sowie zahlreichen „Keine macht den Drogen“ – Kampagnen, die das öffentliche Bild über die Bekämpfung der Sucht prägen, gibt es zahlreiche andere, oft weniger populäre Wege der Prävention.

Im folgenden werde ich mich mit der pädagogischen Suchtprävention in der Jugendarbeit befassen. Diese hat gegen die oben beschriebenen, durch Medien vermittelten Bilder von Sucht und gegen die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse zu kämpfen. Diese werde ich kurz beschreiben, denn auf ihnen baut jede Prävention auf. Dann werde ich mich mit der Theorie der pädagogischen Suchtprävention im Allgemeinen und anschließend mit der Prävention in der offenen Jugendarbeit im Besonderen beschäftigen.

1. Suchtprävention im gesellschaftlichen Kontext

1.1. Familie und Sucht

Der These, dass der Grundstein für Sucht schon früh gelegt wird, wird wohl heute kaum mehr widersprochen werden. Auch nicht der Aussage, dass der Familie und dem familiären Erziehungsstil eine große Bedeutung bei der Entstehung einer Abhängigkeit zukommt.

Ohne auf die zahlreichen Untersuchungen, besonders von Seiten der Psychoanalyse, näher einzugehen, kann man wohl festhalten, dass es bei der familiären Erziehung darum geht, die schwierige Gratwanderung zwischen Festhalten und Loslassen zu meistern. Das Kind soll sich geliebt und beschützt fühlen und gleichzeitig selbstständig werden. Übervorsichtige Eltern erschweren die Selbstständigkeitsentwicklung, die in der heutigen Zeit einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Emotionale und soziale Selbstständigkeit sind wichtig, damit die Kinder nicht ihre eventuellen Minderwertigkeitsgefühle durch den Griff zur Droge zu kompensieren versuchen.

Zudem ist es von großer Bedeutung, durch eine klare Linie in der Erziehung, klare Grenzsetzung und gegebenenfalls der Sanktionierung von Grenzüberschreitungen, ein verlässlicher Partner für das Kind zu sein, der als Orientierung dienen kann.

Das Stichwort Orientierung führt zu einem weiteren wichtigen Faktor, nämlich der Vorbildfunktion, welche die Eltern gegenüber ihren Kindern einnehmen.

Am positivsten wäre es, wenn die Kinder vorgelebt bekämen, wie man gänzlich ohne Suchtmittel lebt und wie man konsequent der Versuchung widersteht, aber dies ist nur in wenigen Familien der Fall.

Dies führt schnell zu der Feststellung, dass sich die Soll - Situation in ganz entscheidendem Maße von der Ist - Situation unterscheidet. Die meisten Eltern konsumieren die eine oder andere Droge, oft auch vor den Augen der Kinder.

Da sich zudem die wirtschaftliche Situation der Familien mehr und mehr verschlechtert, ist es vielen Eltern unmöglich, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern, so dass schnell ein Gefühl der Einsamkeit aufkommt. Hohe Leistungserwartungen und die ständig wachsenden Anforderungen der Gesellschaft an die Kinder verstärken den Druck, der auf ihnen lastet.

So ist es kaum verwunderlich, dass die konsumierenden Kinder und Jugendlichen immer jünger werden.

Soll Prävention erfolgreich sein, so müssen auch die Rahmenbedingungen in der Familie, z.B. durch bessere staatliche Unterstützung, verbessert werden.

Sonst bleibt die Präventionsarbeit eine Arbeit, die das Gewissen der in ihr Tätigen beruhigt, aber wohl kaum sichtbare Erfolge erzielt.

1.2 Der Einfluss der Peergruppe

Die Gleichaltrigengruppe übt auf den Jugendlichen einen großen Einfluss aus. Im Laufe seiner Entwicklung werden die Eltern in einigen Bereichen von ihrer Vorbildfunktion verdrängt, sie nehmen nicht mehr in allen Lebensbereichen die Beraterfunktion ein. Je schlechter dabei das Verhältnis zu den Eltern ist, umso früher verlieren sie ihren Einfluss auf den Jugendlichen und umso größer ist die Einbuße.

In Folge dessen sind Jugendliche aus unsicheren familiären Verhältnissen, eher von Drogenkonsum und Delinquenz bedroht.

Der Einstieg in den Konsum führt zumeist über die Peergruppe. Der Konsum von Alkohol oder Cannabis soll den Zusammenhalt in der Gruppe stärken, Unabhängigkeit und Stärke demonstrieren.

Obwohl die Jugendlichen von den Gefahren wissen, wiegen die für sie so offensichtlichen Vorteile, wie ein gesteigertes Selbstwertgefühl, Anerkennung und Gemeinschaft oder einfach nur das zeitweise Vergessen der Probleme, die Risiken auf. Je stärker der Einfluss der Gruppe und je weniger gefestigt der Jugendliche, desto größer ist die Gefahr einer Abhängigkeit.

Dabei soll das nicht bedeuten, dass die Peergruppe an sich einen schlechten Einfluss auf den Jugendlichen ausübt. Auch der gelegentliche Konsum von legalen Drogen wie Alkohol kann ein wichtiger Schritt auf dem Weg sein, eigene Handlungsmuster im Bezug auf diese Genussmittel zu entwickeln. Vorgefertigte, übernommene Muster versagen in den meisten Fällen. Konsum, der gerade im Jugendalter auch mal ein exzessiver Konsum sein kann, ist häufig nur ein Schritt, eine eigene Einstellung und eigene Handlungskompetenzen zu entwickeln.

Nicht jeder, der einmal exzessiv Alkohol getrunken hat, wird anschließend abhängig.

Prävention muss also mehr sein als nur die Verbreitung des Grundsatzes „ Finger weg von Drogen“.

In unserer Permissivkultur, in der einige Drogen toleriert werden, muss Prävention helfen, eigene, individuelle Umgangsformen mit den allzeit präsenten Suchtmitteln zu entwickeln. Wie dies gerade in der Jugendarbeit, in der der Jugendliche in der Einbindung in seine Peergruppe erlebt wird, passieren kann, wird im weiteren Verlauf zu zeigen sein.

1.3.Konzepte der Suchtprävention

Neben den oben angesprochenen Faktoren, spielt auch die Schule bei der Entstehung von Sucht eine große Rolle, da ich mich aber mit der Prävention im Bereich der Jugendarbeit beschäftige, und sich eigene, zahlreiche Präventionsprogramme nur mit dem Thema Schule befassen, vernachlässige ich diesen Bereich. Es sein nur soviel dazu gesagt, dass ständig steigende Ansprüche, Leistungszwang und sozialer Druck in der Schule eine große Belastung für den Heranwachsenden darstellen können.

Auf der Basis des zuvor Beschriebenen kann festgehalten werden, dass präventive Maßnahmen immer auch die Ursachen des Drogenkonsums einbeziehen müssen.

Dabei kann man zwei Arten der Prävention unterscheiden, die, um erfolgreich zu sein, immer miteinander verknüpft werden müssen.

Zum einen gibt es die kontextbezogenen Ansätze, die versuchen, die suchtauslösenden Bedingungen zu verändern.

Zum anderen gibt es die personenbezogenen Ansätze, die sich der Arbeit am Individuum widmen, und vor allem eine Stärkung der Persönlichkeit und eine Entwicklung von Handlungskompetenzen bewirken wollen.

Dies bedeutet, dass für eine sinnvolle Prävention, das Verhalten und die Verhältnisse geändert werden müssen.

[...]


[1] Quelle: DHS, Landesprogramm Sucht NRW

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638229388
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18638
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Fachbereich 3
Note
keine Mängel
Schlagworte
Suchtprävention Jugendarbeit Suchtkranken Drogenhilfe

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Titel: Suchtprävention in der offenen Jugendarbeit