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Zwischen Nazipropaganda und Realtität - Die Einstufung der Bevölkerung von Belarus während des 2. Weltkrieges als "Hilfsvolk" oder als "Untermenschen"

Diplomarbeit 2003 110 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung
Exkurs nationalsozialistischer Definitionen

II. Realität
1. Belarus
a) Die Geschichte der Region bis 1941
- BSSR bis 1939
- Die Östlichen Gebiete bis 1939
- 1939-1941
b) Bevölkerungsentwicklung bis 1941
2. Deutsche Besatzungspolitik 1941 - 1944
a) Deutsche Entscheidungsträger und Verwaltung
b) Belarusen und ihre Stellung in der deutschen Verwaltung
- Weißruthenische Lokalverwaltung
- Polizei, Schutzmannschaften und Heimatwehr
- Weißruthenisches Selbsthilfewerk
c) Deutsche Interessen, Pläne und deren Durchführung
- Hungerplan
- Agrarordnung
- Arbeitskräftepolitik
- Kulturpolitik
3. Reale Behandlung der Belarusischen Bevölkerung

III. Propaganda
1. ‘Volksaufklärung’ und Propaganda im III. Reich
a) Presse
b) Propaganda, Sprache und Untersuchungsmethoden
2. Minsker Zeitung
a) Untersuchte Teilfragen
- Freund und Feind
- Deutsche, Vertrauen und Dank
- Weissruthenen, Sprache und Bauernvölker
- Agrarordnung
b) Untersuchungsergebnis der Minsker Zeitung
3. Propagandistische Einstufung der Belarusischen Bevölkerung

III. Ergebnis

Anhang
I Anzahl und Nationalitäten der Bevölkerung der BSSR 1941 und 1897
II Protokoll einer Staatssekretärssitzung vom 21.5.1941
III Wirtschaftspolitische Richtlinien vom 23.5.1941
IV Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten
V Schreiben des Generalkommissars in Minsk zur Propaganda vom 12.2.1944
VI Definitionen des Brockhaus 1937/1938
VII Karten
Dokumente des Nationalarchivs der Republik Belarus
Ausgewählte Artikel der Minsker Zeitung
Bibliographie

Könnt ihr euch vorstellen, daß dieser böse und friedlose Narr eines Tages als verklärter Friedensfürst und Milleniums-Heiland über einer durch sein siegreiches Schwert beruhigten, nach seinen

Miß-Ideen geformten Welt thronen wird?

Es ist ja Unsinn, Deutsche.*

I. Einleitung

Die British Broadcasting Corporation trat im Herbst 1940 an Thomas Mann mit der Bitte heran, über ihren Sender in regelmäßigen Abständen kurze Ansprachen an das Deutsche Volk zu richten, in denen er Kriegsereignisse kommentieren und eine Einflussnahme auf die Zuhörer versuchen sollte. Im September 1942 schrieb er, als Vorwort für die entstehende Sammlung dieser Reden, folgenden Gedankengang, der notwendigerweise in seiner Gänze wiedergegeben werden muss: „Der Führer hat seiner Verachtung des deutschen Volkes, seiner Überzeugtheit von der Feigheit, Unterwürfigkeit, Dummheit dieser Menschenart, ihrer grenzenlosen Fähigkeit, sich belügen zu lassen, oft Ausdruck gegeben und nur jedes Mal vergessen, eine Erklärung dafür hinzuzufügen, wie es ihm gelingt, gleichzeitig in den Deutschen eine zur Weltherrschaft bestimmte Herrenrasse zu sehen. Wie kann ein Volk, von dem psychologisch feststeht, dass es sogar gegen ihn niemals revoltieren wird, eine Herrenrasse sein? Ich bitte den Geschichtshelden, diese Frage einmal zwischen zwei Schlachtenplänen einer logischen Prüfung zu unterziehen.“[1] Genau diese Frage ist es auch, die sich der Autorin in Betrachtung der belarusischen Situation zur Zeit deutscher Besatzung aufdrängte, da sich hier eine ähnlich ungeklärte Frage auftut. Wie sollte es gelingen, die sich widersprechende Politik der ‚Volksaufklärung’ und Propaganda mit der kriegerischen Realität zu verbinden? Ist dies überhaupt möglich, d.h. können Gründe für diese Widersprüche angegeben werden; Fakten und Geschehnisse, die diese Politik zwar nicht rechtfertigen, sie jedoch ‚sinnvoller’ erscheinen lassen? Der Versuch der Beantwortung dieser Frage wird Aufgabe dieser Arbeit sein.

Die Arbeitshypothese, zu deren Bestätigung oder Widerlegung die vorliegende Arbeit im Schlussteil der Arbeit kommen wird, sagt aus, dass die deutsche Besatzungspolitik den Typus eines Hilfsvolkes für die Belarusen aus rein ökonomischen und kriegspolitischen Gründen konstruierte. Weiterhin, um dies zu präzisieren, geschah dies nur als eine Reaktion auf die sich (für die Deutschen) verschlechternden Kriegsumstände. Wie mit einem möglichen Widerspruch zwischen dem Hilfsvolk-Konstrukt und der Realität umgegangen wurde, ist zwar eine mindestens ebenso interessante Fragestellung, müsste aber in einem anderen Untersuchungskonzept beantwortet werden und kann daher hier nur am Rande behandelt werden. Ein weiterer Punkt, der im Rahmen unserer Arbeit nicht behandelt wird, ist der Partisanenkampf auf belarusischem Gebiet, da sich dieser unseres Erachtens nach lediglich verstärkend auf die zu untersuchenden Faktoren ausgewirkt hat. Ein eigener, andersgearteter Impuls für unsere Fragestellung war demnach nicht in dem Maße erkennbar, als dass es den zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand (zu Kosten anderer Punkte) gelohnt hätte.

Einleitend erscheinen uns einige wichtige Bemerkungen im Allgemeinen zu Belarus und der Forschungslage darüber sowie Erklärungen verwendeter Begrifflichkeiten notwendig. Belarus wurde in der Geschichte der westlichen Wissenschaftslandschaft verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Erste Ausnahmen bildeten dabei Arbeiten von Jäger oder Engelhardt, die während des I. und II. Weltkrieges entstanden waren[2] und an die sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges die ‚Standardwerke’ von Vakar und Dallin[3] anschlossen. Erst in den letzten zehn Jahren (die Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit dem Reaktorunglück in Tschernobyl nicht inbegriffen) scheint ein beständiges Interesse an Belarus erwacht zu sein. Eine steigende Anzahl von Arbeiten legt diese Vermutung zumindest nahe[4]. Ein solches Interesse, insbesondere wenn es dauerhaft sein sollte, ist wünschenswert. Es könnte den Mangel eines Überblicks über die Gesamtzusammenhänge sowie die noch immer bestehenden Lücken im Forschungsstand beheben.[5] Diese Lücken zeigen sich insbesondere in der von uns untersuchten Thematik: von uns wurde keine Arbeit gefunden, die sich mit eben dieser doch sehr deutlichen Diskrepanz zwischen realer Politik und der Propaganda auseinandersetzte.[6] Kann man zwar auf einigen, schon erwähnten, geschichtswissenschaftlichen Arbeiten zur deutschen Besatzungszeit aufbauen, so mangelt es auf der anderen Seite an Arbeiten über das Pressewesen, speziell im benannten Untersuchungszeitraum und -ort. Es bleibt zu hoffen, dass hier auch in größerem Rahmen (das gesamte ‚Ostland’ betreffend) ein Forschungsinteresse einsetzt; könnte man dies doch insbesondere noch mit den Auswirkungen bis in die heutigen Tage verbinden. Dies könnte den Transformationsforschern vielleicht einen neuen Erklärungsansatz liefern. Man darf daher auf kommende Arbeiten (wie auch auf hilfreiche Übersetzungen belarusischer oder russischer Forschungen für sprachunkundige Forscher) gespannt sein. Hierbei muss erwähnt werden, dass von der Autorin aus gleichem Grund keine russisch- oder belarusischsprachigen Texte verwendet wurden. Dies stellt sicherlich ein Manko dar, konnte jedoch im Rahmen einer Diplomarbeit nicht behoben werden.

Ein auffallender Punkt in Arbeiten über Belarus ist die sehr variierende Benennung des Landes und deren Erklärung. In den meisten wissenschaftlichen Arbeiten heißt es dazu bis heute, dass die Herkunft des Landesnamen weitgehend ungeklärt sei.[7] So wurde u.a. schon von der Belaja Rus, Belorussija, Belaja Rossija, Belorussland, Weißrußland oder gar von Weißruthenien[8] gesprochen. Die Deutung dieser ‚Weißen Rus’ reichen von weiß wie frei (in altslawischen Sprachen) bis zum weiß als Gegensatz zur Kiever und der Schwarzen Rus. Diese Herkunftsdiskussion hat gerade nach der Unabhängigkeit 1991 wieder ein neues Gewicht erhalten; wir wollen darauf jedoch nicht näher eingehen.[9] Wir verwenden, wie inzwischen auch in dem Großteil der veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten neueren Datums, den heutigen offiziellen Landesnamen Belarus. In den originalen Dokumenten verbleibt natürlich die dort gebräuchliche Bezeichnung.

Ein weiterer zu klärender Sachverhalt bezieht sich auf die Frage nach dem einzugrenzenden Untersuchungsgebiet. Gerade wenn man seinen Untersuchungszeitpunkt vor 1945 wählt, stellt dies einen wichtigen und oft auch problematischen Punkt dar. Für unsere Untersuchung wird als territoriale Basis Belarus in seinen heutigen Grenzen[10] gewählt. Gerlach führt zu dieser

Problematik aus, dass es „eines der größten Forschungsprobleme [sei], dass sich die Historiker außerhalb Weißrußlands und der Sowjetunion meist nach den deutschen Verwaltungseinteilungen richteten und deshalb allenfalls das GK Weißruthenien betrachteten Dies führte zu Unkenntnis, Verengung der Fragestellungen und verzerrten Schlußfolgerungen“, da der Großteil des heutigen Belarus schließlich außerhalb der Grenzen des Generalkommissariats lag.[11] In dem weitestgehend einheitlichen belarusischen Sprachraum machte die Propaganda schließlich auch nicht an der Kommissariatsgrenze halt.

Die Arbeit untergliedert sich in zwei Hauptteile, welche die Realität und andererseits die Propaganda behandeln. Dabei wird im ersten Teil, da er sich zur besseren Erklärbarkeit der von den Deutschen bei ihrem Einmarsch vorgefundenen Verhältnisse zuerst mit der Geschichte Belarus befasst, ein historisches Übergewicht nur schwer zu vermeiden sein. Zu viele Faktoren müssen erwähnt werden, um die deutschen Anleihen an die Vergangenheit verstehen zu können. Eine Bewertung hinsichtlich der realen Behandlung der einheimischen Bevölkerung durch die Besatzer wird den ersten Teil abschließen. Dass dieser geschichtliche Teil von immenser Bedeutung ist, betont auch Gorr: „Der Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz öffentlicher Diskurse als mögliche Verführung oder Funktionalisierung vorhandener Bedürfnisse kann nicht nachgegangen werden ohne Hereinnahme der Kenntnisse ihrer Umstände, das haben die Theoreme zum Diskurs wie die wissenssoziologisch kategorisierten gesellschaftlichen Vorgänge deutlich gemacht. Deshalb müssen dazu die gesellschaftlichen Voraussetzungen, auf die sich eine willkürliche, zweckgerichtete, diktatorische Meinungsmanipulation bezieht, skizziert werden, - es geht dabei vor allem um jene Voraussetzungen, von denen die propagandistische Politik des NS-Staates direkt oder indirekt profitierte und auf die sie sich bezog.“[12]

Der zweite Teil widmet sich der Propaganda. Hierzu werden zuerst einige Propagandamodelle behandelt, bevor eine kurze Darstellung der Presse des III. Reiches und einer Verortung der Minsker Zeitung in diesen Strukturen gegeben wird. War Propaganda lange Zeit nur in Verbindung gebracht worden mit diktatorischen oder totalitären Systemen, erkannte man schließlich deren Bedeutung auch für die demokratisch organisierten Staaten. Doch bleibt die Propaganda noch immer besonders für die Untersuchung von totalitären Staaten von entscheidender Bedeutung. Denn sprachliche Äußerungen sind im öffentlichen Raum als solche auch immer politisch, „weil sie die Wirklichkeit gestalten und prägen“[13]. Nationalsozialistischer Propaganda kann man sich diskurstheoretisch nähern, um hierbei eine mögliche Dialektik von textuellen und gesellschaftlichen Strukturen aufzudecken, oder aber diskursanalystisch, um durch die Erkenntnis der zum Ausdruck kommenden Forderungen eine Freilegung der gesellschaftlichen Strukturen zu erreichen.[14] Wir werden den ersten der erwähnten Weg gehen. Wurden die gesellschaftlichen Strukturen im vorhergehenden Kapitel ausführlich geschildert, so dass ein Bild der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen geliefert werden konnte, werden im dritten Kapitel unserer Arbeit die textuellen Strukturen der ausgewählten Artikel der Minsker Zeitung detailliert untersucht. Wir wollen somit zu einem Ergebnis im Hinblick auf die propagandistische Behandlung der Belarusen, oder im deutschen Sprachverständnis: der Weissruthenen, gelangen. Diese diskurstheoretischen Zugänge lassen sich gerade hier gut integrieren, da man „vom Text zum Diskurs [nur] über die Frage nach der Aufgabe und Entstehung eines Textes“[15] gelangt, und dieser Hintergrund genauso wie die Propaganda selbst Gegenstand unserer Untersuchung ist,.

Abschließend werden wir die Teilergebnisse gegenüberstellen, um unsere Arbeitshypothese zu überprüfen. Da die Entscheidung zwischen ‚Hilfsvolk’ oder ‚Untermenschen’ letztlich auch eine Frage der Macht über dieses Volk ist, soll dieser Punkt abschließend auch noch kurz gestreift werden. Hierzu werden die realen Machtverhältnisse zwischen Diskursgestalten (Deutsche) und Diskurszielen (Belarusen) anhand der gewonnenen Ergebnisse untersucht werden Exkurs nationalsozialistischer Definitionen Wollen wir in unserer Arbeit ‚Untermenschen’ oder ‚Hilfsvölker’ untersuchen, so muss an dieser Stelle kurz auf die nationalsozialistischen Rassentheorien[16] eingegangen werden.

- Rassen

Das Gesetz des Lebens ist der Kampf ums Dasein. Diese darwinistische Grundformel machten sich die Nationalsozialisten zu eigen. Es geht nicht mehr um „Schlacht im kriegerischen Sinn, sondern um Kampf im biologischen Sinn“, um eine Selektion des Stärksten und die Bewahrung der am besten angepassten Rasse[17]. Die staatliche und biologische Idee der Reinheit der Rasse löste schließlich den Kampf der Rassen ab.[18] Im Nationalsozialismus sollte schließlich der Staatsrassismus den biologischen Rassenschutz garantieren.

Die einzelnen Rassen wurden in der NS-Ideologie u.a. durch die Art ihres Kampfes unterschieden. Fischer, ein Anthropologe nationalsozialistischer Couleur, definierte Rassen als Gruppen von Menschen mit bestimmten, bei ihnen reinerbig vorhandenen Erbanlagen, die anderen Rassen fehlen würden.[19] Drei Typen wurden nun unterschieden in Kuli- oder Fellachenrassen[20], Parasiten[21] sowie die Herren- und Kriegerrassen, deren bedeutendste Form die nordische Rasse sei[22] und die „ein Recht darauf [hat], die Welt zu beherrschen“.[23]

Die Nürnberger Rassengesetze, insbesondere das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15.9.1935, stellte eine wichtige Grundlage der Rassenpolitik dar.[24] In der ‚Rassenpolitik’, 1943 vom Reichsführer SS/SS-Hauptamt herausgegeben, wird rassisch niederen Völkern so die Fähigkeit abgesprochen, eine hochwertige Kultur zu entwickeln; außerdem hätten solche Völker keine Geschichte. Dies sei nur natürlich, denn dazu hätten diese auch nicht die notwendige Courage.[25]

Nach der NS-Lehre konnte ‚Gemeinschaft’ nur aus der Gemeinschaft der Rassegleichen bestehen; rassen-ungleiche Personen hatten an ihr keinen Anteil: dies ist das Prinzip der rassischen oder ‚völkischen’ Ungleichheit der Menschen.[26] Das Wesentliche der NSRassenlehre liegt nun aber nicht in der Behauptung von der Verschiedenheit der Rassen, sondern in der Folgerung des Rechtes der stärkeren Rasse zur Herrschaft kraft Schicksal oder Naturgesetz.[27]

- Weissruthenen

Von allgemeinen Vorgaben der nationalsozialistischen Rassenkunde her ist die eher positive politische Einschätzung der Belarusen kaum zu begründen. So wurden sie als Mischform ‚ostbaltischer’ und ‚osteuropider’ Rassen definiert, was nicht unbedingt als vorteilhaft gewertet wurde. Am 12.9.1940 war von Himmler, in seiner Funktion als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, bestimmt worden, Weißruthenen könnten wie Russen, Tschechen u.a. nach individueller Überprüfung ‚eingedeutscht’ werden. Dies wurde durch einen Erlass des Ostministeriums vom 13.7.1942 noch einmal bekräftigt. Dass jedoch der sogenannte Rassestandpunkt nach den jeweiligen politischen Notwendigkeiten ausgerichtet wurde, bekräftigt Gerlach und fügt einen Vorschlag des Militärverwaltungschefs bei der Heeresgruppe Mitte als Beispiel an. So solle die NS-Rassenlehre abgewandelt werden, um den Nationalsozialismus nach Russland exportieren zu können.[28]

Den relativ positiven Wertungen widersprachen allerdings Bildern von Zurückgebliebenheit und Primitivität, welche schon vor der deutschen Besetzung verbreitet wurden.[29] Dieses Bild, den deutschen Soldaten weitgehend eingeimpft und auf schon vorhandene Vorurteile aufbauend, sollte sich als ‚richtig’ herausstellen: der Anblick von Ausgebombten, Flüchtlingen, der Plünderung ausgesetzten Bauern und der vorhandenen Armut erzeugten u.a. folgende, typische Äußerung: „Wenn du dieses dreckige Volk hier siehst und diese erbärmlichen Verhältnisse, dann kriegst Du das gruseln.“[30] Im Erlass über die „Behandlung der europäischen Völker“ vom 15.2.1943 hingegen heißt es, da „jede Kraft des europäischen Kontinents, also auch vor allem der Ostvölker...in den Kampf gegen den jüdischen Bolschewismus eingesetzt“ werden müsse, verbiete es sich, „diese Völker, insbesondere die Angehörigen der Ostvölker...herabzusetzen und in ihrem inneren Wertbewusstsein zu kränken“ oder die künftige Neuordnung Europas in einer Weise darzustellen, „aus der die Angehörigen fremder Völker den Eindruck gewinnen könnten, als ob die deutsche Führung sie in einem dauernden Unterwerfungsverhältnis zu halten beabsichtige.“[31]

- Herrenvolk

Die Deutschen waren die Herrenrasse, das Herrschervolk, und die Unterworfenen endeten meist in der absoluten Rechtlosigkeit. „Nie werde ich daher anderen Völkern das gleiche Recht wie den

„In der Ostpolitik müssen wir - das ist auch schon mit dem Führer abgestimmt - eine Umstellung unserer Propaganda und Politik vornehmen. Die bisherige Propaganda und Politik war darauf abgestellt, dass wir den Ostraum denkbar schnell in unseren Besitz nehmen würden. Diese Hoffnung ist ja nicht in Erfüllung gegangen. Wir müssen uns also hier auf eine längere Aktion einstellen und sind deshalb gezwungen, unsere Parole und auch unsere Politik in grundlegenden Dingen zu ändern.“ 24.2.1942, in: Lochner, Louis P. (Hrsg.), Goebbels Tagebücher. Aus den Jahren 1942-43, zitiert nach: Longerich, Peter, Propagandisten im Krieg - Die

Presseabteilung des Auswärtigen Amtes unter Ribbentrop, R.Oldenbourg Verlag, München 1987, S.93.

Deutschen zuerkennen. Unsere Aufgabe ist es, die anderen Völker zu unterwerfen. Das deutsche Volk sei berufen, die neue Herrenschicht abzugeben.“[32]

- Hilfsvolk

Für den Terminus der Hilfsvölker findet sich bei den Nationalsozialisten keine genaue Definition. Trotzdem soll er von uns verwendet werden, um einen Gegensatz zu den ‚Untermenschen’ zu schaffen, die sich allein aus dem Begriffsverständnis heraus noch unter das Herrenvolk der Deutschen stellen lassen. Steht hilfreich für fördernd oder nützlich, Hilfe gar für Beistand oder aktive Anteilnahme, helfen für unterstützen, förderlich sein, so wollen wir ‚Hilfsvolk’ nicht als ein Volk verstanden wissen, welches Beistand leistet, sondern welches ‚nützlich’, ‚förderlich’ und ‚unterstützend’ für die eigene (deutsche) Politik sei.

- Untermenschen[33]

Eine wissenschaftliche Definition des Begriffes ‚Untermensch’ kann es nicht geben, da ein solches Etwas im eigentlichen Sinn seines Wortes gar nicht existiert. Deshalb können zu einer Erklärung, was in nationalsozialistischer Ideologie darunter verstanden wurde, auch nur Worte aus dieser Zeit beitragen. In diesem Zusammenhang ist ein SS-Propagandaheft zu erwähnen, welches mehr als vier Millionen[34] mal in Deutschland verteilt worden war. Die Rede ist von der Broschüre „Der Untermensch“. Darin werden alle Völker des Ostens als „filthy, mongoloid, animalistic trash“[35] bezeichnet. Es ist bezeichnend, dass sich Goebbels für eine Unterbindung der weiteren Verbreitung dieser Schrift einsetzte, sah er doch die fatalen Auswirkungen, die diese Propaganda insbesondere im Hinblick auf die Ostarbeiter bewirkte. Der Inhalt des ‚Untermenschen’ ließ sich nicht auf das Reich beschränken und war bald auch in den besetzten Ostgebieten bekannt und stand hier diametral zur angepriesenen Chance der angeworbenen Arbeiter im Reich. Im Frühjahr 1943 war die Propagandaschrift im Reich schließlich rar geworden. Die 1934er (und 1942 wiederholte) Ausstellung „Das SowjetParadies“, in der die Besucher über die „dreadful conditions“ in der Sowjetunion unterrichtet werden sollten[36], kann sich ideologisch durchaus mit dem „Untermenschen“ messen. erzählt über “the gray misery of daily life” und “primitive conditions”. Ebenso wie die zwei folgenden Zitate in: Das Sowjet-Paradies. Ausstellung der Reichspropagandaleitung der NSDAP. Ein Bericht in Wort und Bild,

„Wherever one looks“, heißt es hier, „there is poverty, misery, decay and hunger.“ Die Broschüre gibt zum Abschluss noch folgendes mit auf den Weg: „Our battle is to free the East...and to save Europe from the nightmare that has threatened it for millenia.“

Lassen wir abschließend zu diesem Punkt noch das SS-Hauptamt zu Wort kommen: „Jene biologisch scheinbar völlig gleichgeartete Naturschöpfung mit Händen, Füßen und einer Art von Gehirn, mit Augen und Mund, ist doch eine ganz andere, eine furchtbare Kreatur, ist nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen - geistig, seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier. Im Inneren dieses Menschen ein grausames Chaos wilder, hemmungsloser Leidenschaften: namenloser Zerstörungswille, primitivste Begierde, unverhüllteste Gemeinheit. Untermensch - sonst nichts! Denn es ist nicht alles gleich, was Menschenantlitz trägt.“[37]

II. Realität

1. Belarus

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen Teil der belarusischen Geschichte: der Zeit der deutschen Besatzung im II. Weltkrieg von Mitte/Ende Juni 1941 bis Anfang Juli 1944[38].

Das Gebiet von Belarus war auf Grund seiner geographischen Lage und Merkmale das Durchmarschgebiet in Richtung Moskau. Daraus ergab sich folgendes: Ein amerikanischer Beobachter nannte Belarus im Jahr 1946: „the most devasted territory in the world“ und schreibt weiter: „the ruins extend over the length and breadth of thousands of square miles ... Minsk itself is 80 per cent destroyed … Vitebsk is 95 per cent destroyed”[39]. Den Auswirkungen dieses Krieges versucht die Gedenkstätte in Chatyn, dem Dorf, welches 1943 von den deutschen Besatzern verbrannt wurde, symbolisch zu begegnen: drei Birken stehen hier für die überlebenden Einwohner und eine Flamme brennt für ein weiteres Viertel der belarusischen Bevölkerung, die während dieses Krieges ums Leben kamen.[40]

Zentralverlag der NSDAP, Berlin 1942, in: http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/paradise.htm, Dezember 2002 (Ausschnitte in englischer Übersetzung)

Die Geschichte Belarus kann uns helfen, die Politik der Deutschen Besatzer und damit das schreckliche Ergebnis dieses Krieges besser zu verstehen.[41] Denn die deutsche Besatzungspolitik und Propaganda setzte nicht im luftleeren Raum, sondern an präzisen Punkten des belarusischen Lebens an. Hier zeigt sich jedoch eine Problematik bezüglich einer Polarisierung und „Neuschreibung“ der belarusischen Geschichte, die sich auch (und vor allem) nach 1991 fortgesetzt hat.[42] Auf diese Diskussion kann hier jedoch nur hingewiesen werden.

a) Die Geschichte der Region bis 1941

Im 9. Jahrhundert entstand die Kiever Rus,[43] der erste Slawische Staat, der aufgeteilt war in kleinere Fürstentümer. Eines davon, Polack, kann als Kern des späteren Belarus angesehen werden. Im Laufe des 13. Jahrhundert gingen große Teile der Kiever Rus an Litauen. Der so entstandene Staat war das Großfürstentum Litauen, dessen offizielle Sprache als ein Vorläufer des heutigen Belarusisch und Ukrainisch angesehen wird. Durch die Union von Krevo 1385, basierend auf der Heirat des Litauer Großfürsten mit der polnischen Königin, kam es zu einer Konföderation zwischen Polen und dem Großfürstentum Litauen, welche 1569 durch die Union von Lublin in die ‚Rech Paspalitaya’ - was soviel wie gemeinsamer Staat bedeutete umgewandelt wurde. Kurze Zeit später, 1596 durch die Union von Brest, entstand die Unierte Kirche, eine Vereinigung der Römisch-Katholischen mit der Orthodoxen Kirche, der im Laufe der Zeit die Mehrheit der belarusischen Bevölkerung angehören sollte. Diese Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts wird oft auch als das Goldene Zeitalter der Belarusischen Kultur bezeichnet.[44]

Im Zuge der drei Teilungen der ‚Rech Paspalitaya’ in den Jahren 1772, 1793 und 1795 kam das Gebiet der heutigen Belarus fast vollständig an das Russische Reich. Dies markiert einen

„Die Besonderheit der Geschichtsschreibung Weißrußlands besteht darin, dass in ihr lange Zeit zwei antiweißrussische Konzeptionen - eine großrussische und eine großpolnische - dominierten Daher besteht die vorrangige Aufgabe unserer Historiker heute darin,...die nationale Konzeption der Geschichte Weißrußlands wiederherzustellen.“ Michas’ Bič in: Lindner, Rainer, Historiker und Herrschaft - Nationsbildung und Geschichtspolitik in Weißrußland im 19. und 20. Jahrhundert, R.Oldenburg Verlag, München 1999, S.11.

(Eigentlich war dies eher eine Vorform des heutigen Belarusisch und Ukrainisch). Die Nationalsozialisten bezogen sich gerne auf dieses Ereignis.

Wendepunkt und wird, je nach Geschichtsinterpretation, als Positivum[45] oder als Beginn der

Fremdherrschaft gewertet. Letzteres kann bekräftigt werden durch eine an diesem Zeitpunkt einsetzende „Russifizierung“: Die Universitäten von Polack und Vilnius wurden 1820 und 1832 geschlossen; 1839 löste Zar Nicholaus I. die Unierte Kirche auf (ihr gehörten Ende des 18. Jahrhunderts 70% der Bevölkerung an[46]) und zwang die Gläubigen, zur Orthodoxen Kirche zu konvertieren. Des weiteren wurde die Verwendung des Namens „Belorussia“ untersagt und durch die Bezeichnung Nord-West Region ersetzt.[47]

Ende des 19. Jahrhunderts verstärkten sich trotz industrieller Entwicklung und der Abschaffung der Leibeigenschaft (1861) die Armut und Arbeitslosigkeit weiterhin. Es kam schließlich in den verbleibenden Jahren bis zur Oktoberrevolution zu einer Auswanderung von bis zu 1,5 Millionen Menschen.

Im Zusammenhang mit den außen- wie innenpolitischen Problemen des Russischen Reiches am Anfang des 20. Jahrhunderts (u.a. die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg von 1904-1905 und die Revolution vom Januar 1905) kam es im Oktobermanifest 1905[48] zu einer Ausweitung bürgerlicher Freiheiten, wie z.B. der Aufhebung des Verbotes der belarusischen (und anderer nicht-russischer) Sprache(n). In Belarus entwickelte sich in dieser Zeit auch die Zeitschrift Naša Niva[49]. Sie versuchte, der damaligen belarusischen Identitätssuche und Nationenbildung ein Forum zu sein. Ein erster Ansatzpunkt war dabei die belarusische Sprache, da sich eine Identifikation als Belaruse entweder auf die Sprache bezog oder aber an dem lokalen Bezugspunkt festmachte. So war unter der Landbevölkerung eine Selbsttitulierung als „Hiesige“[50] sehr verbreitet. Aber, so Winderl, „when the Tsarist empire was on the verge of collapse at the turn of the century, however, societal structures were not in favor of a strong national Belarusian integration. The functional elites did not share a Belarusian identity, they were dominated by urban Russian administrators, urban Jewish merchants, and Polish landowners.” Er nennt diese Zeit kurz „a short period of national agitation by a small nationalist elite”[51].

Im I. Weltkrieg besetzten ab 1915 deutsche Truppen den westlichen Teil der Belarus, und die Frontlinie sollte sich bis zur Oktoberrevolution kaum ändern. Die Deutschen Besatzer versuchten u.a. durch die Eröffnung belarusischer Grundschulen und die Einführung eines „belarusischen Alphabets“ die Bevölkerung für sich zu gewinnen.[52] Direkte Unterstützung suchten sie bei den Nationalisten, u.a. beim Belarusischen National-Komitee, welches im Dezember 1915 an einer Konferenz über die Wiederherstellung des Großfürstentums Litauen als Konföderation beteiligt war.[53]

Im östlichen Teil Belarus’ kam es im Zuge der Februarrevolution zu Kämpfen, in deren Anschluss am 8. März 1917 in Minsk der Stadtsowjet unter Beteiligung der Bolschewisten gebildet wurde. Parallel dazu hielt die demokratische Nationalbewegung vom 25.-27.3.1917 in Minsk einen Kongress belarusischer Organisationen ab, der für die Belarus einen autonomen Status innerhalb des sich formierenden sowjetischen Staates forderte. Gleichzeitig wurde ein Belarusisches Nationalkomitee (BNK) gebildet. Vom 8.-12.7.1917 kam es schließlich zur Gründung der ‚Zentralrada’ (Zentralrat) belarusischer Organisationen.

In der Belarus fanden die Bolschewisten[54] aktive Unterstützung weitestgehend nur bei Arbeitern und Soldaten. Trotzdem konnten sie bei den Wahlen 1917[55] ein Ergebnis von ca. 49% der Stimmen erreichen und bauten dadurch ihre Macht aus. Innerhalb der Partei kam es jedoch bald zu Streitigkeiten zwischen nationalkommunistischen und zentralkommunistischen Strömungen. So akzeptierte erstere den von der Rada initiierten 1. Allbelarussischen Kongress und nahm daran teil, während letztere am 18.12.1917 für dessen Auflösung sorgte. Der Kongress hatte zuvor das Recht der Belarusen auf Selbstbestimmung verkündet.[56] Parallel dazu fand in Minsk der 2. Außerordentliche Kongress der Bauernsoldaten der Westfront statt.[57] Man muss in dieser Zeit also von einer parallelen Entwicklung prosowjetischer und belarusisch-nationaler Bewegungen sprechen.

Nach dem Scheitern von Friedensverhandlungen zwischen der russisch-kommunistischen Regierung und Deutschland nahmen deutsche Truppen die Kriegshandlungen erneut auf. Die nationalkommunistischen Bolschewisten in Minsk und andere belarusischnationaldemokratische Gruppen begegneten den Deutschen offiziell mit Loyalitätsbekundungen.[58] Die Deutschen bemühten sich im Gegenzug, eine - wirtschaftlich abhängige „unabhängige“ Regierung zu installieren[59]. Als jedoch die Rada am 25.3.1918 die Belarusische Nationalrepublik[60] ausrief, „bremste die deutsche Militärverwaltung“. Da gleichzeitig das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Besatzern nicht sehr gut war[61], verwundert es nicht, dass die belarusische Nationalbewegung in dieser Situation in mehrere Lager zerbrach[62]. Als es schließlich nach der Novemberrevolution in Deutschland zum Abzug der deutschen Truppen kam, war die BNR nicht in der Lage, die Rote Armee aufzuhalten. Diese besetzte somit bis Februar 1919 nahezu das gesamte Gebiet - mit Ausnahme der westlichen Gebiete um Hrodna und Br÷st - der heutigen Belarus. Gleichzeitig wurde schon am 1. Januar 1919 die Belorusische Sozialistische Sowjetrepublik[63] gegründet.

Die polnische Armee drang schließlich in die westlichsten Gebiete Belarus’ ein und besetzte diese für ca. ein Jahr. Die antipolnische Einstellung und der Widerstand der Bevölkerung gegen diese Besetzung konnten von den Kommunisten im Ostteil Belarus jedoch aufgrund ihrer eigenen Diskreditierung bei der dortigen Bevölkerung nicht für eine schnellere Rückeroberung des Gebietes genutzt werden.

Nach der Rückeroberung Belarus’ wurde am 31.7.1920 in Minsk die „unabhängige SSRB“[64] ausgerufen, welche jedoch nur aus den Gebieten um Minsk und Sluck bestand. Der Rigaer Vertrag vom 18. März 1921 brachte schließlich folgende Einigung: das westliche Drittel des belarusischen Gebietes ging an Polen, der östliche Teil an Russland und das verbleibende Mittelstück formte die zukünftige BSSR, welche im Dezember 1922 ein Gründungsmitglied der UdSSR[65] wurde.

Nach wechselvollen Kriegsjahren und einer kurzen Phase nationaler „Eigenständigkeit“ fand sich Belarus nun aufgeteilt zwischen zwei Großmächten wieder.[66] Zu diesem Zeitpunkt unterschieden sich die beiden Teile schon sehr. So hatte die östliche Belarus die Februar- und Oktoberrevolution miterlebt; Brest z.B. wurde hingegen von den Deutschen direkt an die Polen übergeben und die Landbevölkerung im westlichen Teil hatte wiederum die Revolutionen nur durch die Rote Armee im Sommer 1920 „kennengelernt“. Die Zeit bis 1939[67] wird im folgenden für beide Teile - auf Grund der beschriebenen Entwicklung getrennt untersucht.

- BSSR bis 1939

In der BSSR stellte die Neue Ökonomische Politik (NöP)[68], 1921 auf dem X. Parteitag beschlossen, eine - zeitlich begrenzte - Annäherung an kapitalistische Strukturen her und konnte somit zu einer Belebung der Wirtschaft beitragen. Begleitet wurde dies von einer national-kulturellen Liberalisierung, wobei Minsk in diesen Fragen eine gewisse Handlungsfreiheit erhielt. Der Aufbau des Bildungswesens wurde in Angriff genommen; ein Zeichen dessen war die Eröffnung der Universität in Minsk noch im Juli desselben Jahres.

In den Jahren 1924 und 1926 erhielt die BSSR die Gebiete „zurück“, die im Zuge des Rigaer Vertrages 1921 an Russland gegangen waren.[69]

Die Liberalisierung endete jedoch schon 1927 mit dem XV. Parteitag[70], auf dem die Einleitung der Kollektivierung[71] der Landwirtschaft sowie eine verstärkte Industrialisierung beschlossen wurden. Damit einhergehend setzte 1929 die erste Repressionswelle gegen die Bevölkerung ein.[72] Durch die „Vernichtung der Kulaken als Klasse“[73] und die Kollektivierung

ein solches Gebiet sein eigen nennen zu können, auf welchem die Aussicht bestand, die jeweilige Herrschaft ohne größere Schwierigkeiten installieren zu können.“ In: Siebert (1998), S.50.

Ein Ergebnis dieser Politik sind z.B. die Massengräber von Kurapaty. In der Zeit von 1936 bis 1940 wurden hier die von den Staatsorganen Ermordeten vergraben. In: ebenda, S.78; Vgl. auch den folgenden Artikel , ursprünglich 1988 veröffentlicht in der belarusischen Zeitung „Litaratura i Mastactva“: Pazniak,

sollte die Landwirtschaft „gesäubert“ werden. Gleichzeitig kam es zu einer verstärkten

Russifizierung, die sich u.a. in der Anpassung der belarusischen Sprache an russische Normen wiederspiegelte. Auch durften Tageszeitungen nur noch in Russisch erscheinen.[74] Die Lebensgrundlage der belarusischen Bauern, die noch immer die Mehrheit der Bevölkerung stellten[75], wurde durch die Kollektivierungen vollkommen verändert - meist zum Negativen. Das politische und kulturelle Leben lag danieder. Die Geschichte der dreißiger Jahre als eine „permanente Repression“[76] zu bezeichnen, liegt daher nahe. Die Keime der national-kulturellen Entwicklung der 20er Jahre und gleichzeitig die Idee einer nationalen Selbständigkeit Belarus, auch innerhalb der UdSSR, wurden zerstört oder zumindest verschüttet. Arendt formuliert diesen Zustand treffend: „Anfang der dreißiger Jahre waren die Bauern- und Mittelklassen »abgestorben«, diejenigen, die nicht zu den Millionen Toten und Deportierten gehörten, hatten gelernt, dass es gegen die Staatsmacht keine Gruppensolidarität und keine Hilfe gibt, ... sondern dass jeder von ihnen in absoluter Hilflosigkeit und Verlassenheit von höheren Mächten abhing, die jederzeit über ihn befinden konnten.“[77] Dieser Prozess setzte sich bis 1939 weiter fort.

- Die Östlichen Gebiete bis 1939

Der Polnische Staat hatte sich nach 1921, neben der Politik in den Östlichen Gebieten (so der offizielle polnische Titel des ehemals belarusischen Raumes), mit vielen Problemen auseinander zusetzen. Ein Hauptaugenmerk wurde dabei auf die Minderheitenfrage gelegt, denn immerhin ein Drittel der Gesamtbevölkerung wurde u.a. von Deutschen, Ukrainern und Belarusen gestellt[78]. Dass diese Politik nicht sehr restriktiv war, findet seinen Ausdruck darin, dass 1922 allein die Belarusen durch drei Senatoren und 11 Abgeordnete im Sejm vertreten waren und 1923 die Kommunistische Partei Westbelarus’[79] gegründet werden konnte.

Ab 1924 änderte sich diese Politiklinie[80]: durch „Denationalisierung“ und allmähliche Polonisierung der Bevölkerung sollte die „Belarusische Frage“ gelöst werden. So wurden Belarusische Schulen geschlossen, die russisch-orthodoxe Kirche bekämpft, Publikationen in belarusischer Sprache verboten und schließlich gar Polen aufgefordert, sich verstärkt in dem Zianon, Shmyhalou, Yauhen, Kurapaty - the road of death, http://www.belarusguide.com/as/disas.html, Oktober 2002. [74] Lindner (1999), S. 162. „Auch die Russifizierung des Reiches, die Unterdrückung der Nationalitäten,

unterschied sich nur insofern von der Zarenherrschaft, als die neue despotische Herrschaft das Analphabetentum abschaffte, da sich dieses noch immer als ein sehr natürlicher und höchst wirksamer Schutz gegen Propaganda und ideologische Indoktrination erwiesen hat.“, in: Arendt, Hannah, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

- Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, Piper, München 2001, S.689.

Östlichen Gebiet anzusiedeln. Durch Investitions-Vernachlässigung wurde dieser Raum gleichzeitig zu einem „agrarischen Anhängsel“ Polens.[81]

Nach dem Militärputsch 1926 unter Marschall Piłsudski entwickelte sich ein autoritäres polnisches Regime, welches 1935 sogar aus dem Völkerbund-Vertrag über die Ethnischen Minderheiten austrat. Während die Repressionen im Zuge dessen besonders gegen die teils bürgerliche, teils prosowjetische belarusische Nationalbewegung zunahmen[82], akzeptierte die polnische Öffentlichkeit die Belarusen “kaum als Nation..., sondern [betrachtete sie] vielmehr als rückständige, kulturlose, exotische, zur Beherrschung bestimmte, teils separatistische Bevölkerung bestimmter Gebiete“[83]. Die beiderseitigen Ressentiments wurden in den Jahren der polnischen Herrschaft einmal mehr verstärkt und durch die offizielle polnische Politik noch unterstützt.

- 1939-1941

Im Anschluss an den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23.8.1939[84] und den Kriegsbeginn durch den Einmarsch deutscher Truppen in Polen (1.9.1939) kam es am 17.9.1939 schließlich zum Einmarsch der sowjetischen Truppen in „Ost-Polen“. Der nicht unfreundliche, aber gemischte, Empfang durch die ansässige Bevölkerung[85] ist vor dem Hintergrund der polnischen Repressionen nachvollziehbar. Nach den Wahlen im Oktober 1937[86] beantragte das Parlament die Aufnahme der besetzten Gebiete in die BSSR; dem wurde am 3. November zugestimmt. Die „wiedervereinigte“ BSSR umfasste nun ca. 10,6 Millionen[87] Einwohner.

In den verbleibenden zwei Jahren bis zum Beginn der deutschen Besatzung im Jahr 1941 konnte die Divergenz der zwei Teile der BSSR, u.a. in Landwirtschaft und Industrie[88], nicht aufgehoben werden. War die Bevölkerung der alten BSSR durch die Stalinsche Politik schon in den oben beschriebenen quasi Ausnahmezustand versetzt, erwartete oder erhoffte der ehemals polnische Teil eine Besserung seiner Lage: „Some Belorussians initially welcomed the arrival of the Red Army. … they hoped for an improvement in their social and cultural position compared with Polish rule. … Thus a combination of hope and fear encouraged Belorussians to demonstrate support for the new order.”[89]. Dies sollte sich jedoch genauso wie die Hoffnungen auf eine national-eigenständige Zukunft zerschlagen: “The joy felt on the part of the whole nation as a result of liberation was followed as early as the second day by the declaration that all revolutionaries, members of the KPZB…, Komsomol members… were enemies….Our struggle, our sufferings, our dreams for a happy future were mocked and spat upon. … Our enemies laughed at these idiotic events.”[90] Weiterhin kam es in den neuen Gebieten zu Veränderungen, die in die Gesellschaftsstruktur eingriffen. So war es Juden nun unter sowjetischer Herrschaft[91] erlaubt, in Berufen zu arbeiten, die ihnen vorher verwehrt waren, z.B. als Polizisten. Für Teile der Bevölkerung, die gerade ihre Existenz verloren hatten oder sich ihrer Ideale beraubt sahen, war diese „Kollaboration“ sicherlich eine Provokation und konnte zu einer Verstärkung antisemitischer Tendenzen führen.

Durch Enteignung von Gutsbesitzern, Schaffung von Kolchosen und mehreren Deportationswellen sowie der Schaffung einer Sicherheitszone an der deutsch-sowjetischen Grenze wurde die Situation in Westbelarus weiter verschärft.[92] Schätzungen sprechen von bis zu 10% (1,3 Mio!) der Bevölkerung, die in dieser Zeit deportiert wurden. Da das zu erreichende Ziel die Befriedung des Landes darstellte, waren die Deportierten meist „those committed in some way to the Polish cause, those with relatives abroad, those viewed as `capitalists´ (including merchants and landowners), foreign nationals (mainly refugees) and those who already had relatives in prison and labour camps.”[93]. Die Deportationen hielten also, auch im östlichen Teil Belarus, weiter an.

Eine sehr schwarze Form von Humor soll die damalige Lage der Bevölkerung abschließend

verdeutlichen: „At Biala Podlaska, the first station on the German side of the border, the train carrying refugees from the east encountered the train moving west. »When Jews coming from Brisk [Brest] saw Jews going there, they shouted: ‘You are insane, where are you going?’ Those coming from Warsaw answered with equal astonishment: ‘You are insane, where are you going?’«”[94].

Im Jahr 1941 finden wir auf dem Gebiet Belarus eine Bevölkerung vor, die, gelinde gesagt, eine wechselvolle Geschichte schon hinter sich hatte. Von einer kurzen Phase nationalen Auflebens während des I. Weltkrieges einmal abgesehen, hatte Belarus bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Unabhängigkeit erfahren, sondern sah sich über die Jahrhunderte hinweg einer ständigen Aufteilung zwischen den angrenzenden Großmächten gegenüber. Diese Fremdbestimmung gipfelte schließlich in der totalitären stalinistischen Politik, welche nicht nur Belarus an den Rande des Chaos brachte. „Die Ergebnisse der Liquidierung des Kulakentums, der Kollektivierung und der Großen Säuberung[...]sind weder Fortschritt noch rapide Industrialisierung, sondern Hungersnot, chaotische Zustände in der Nahrungsmittelerzeugung und Entvölkerung.“[95]

b) Bevölkerungsentwicklung bis 1941

Wenn wir im weiteren Verlauf der Arbeit untersuchen möchten, auf welche Art und Weise deutsche Besatzer die Bevölkerung im GK Weißruthenien propagandistisch und real behandelten, muss deren Situation im Jahr 1941 geklärt werden. Da es von deutscher Seite um die Konstruktion eines Hilfsvolkes (oder von Untermenschen) geht, klären wir zuerst den Begriff des Volkes.[96] Dieser Punkt ist von entscheidender Bedeutung, da sich daraus ableitet, ob sich die deutsche Politik mit einem realen Volkskörper hatte auseinandersetzen können oder sich diesen für ihre Zwecke erst noch hatte „erschaffen“ müssen.

Wir können hier nur kurz auf einige wichtige Punkte der Nationenforschung eingehen und beschränken uns daher auf Renan, Deutsch, Dann und Nohlen.[97] Renan spricht 1882 zwar von mehreren konstituierenden Elementen wie Rasse, Sprache, Religion, Interessengemeinschaft und auch der Geographie, letztendlich jedoch sei die Nation „un principe spirituel. Deux choses...constituent cette âme[…:]la possession en commun d’un riche legs de souvenirs ; l’autre est…le désir de vivre ensemble”[98]. Seinen Kernpunkt bildet das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches jedoch nicht einfach entsteht, sondern erarbeitet werden muss - ganz im Sinne eines vielbemühten „plébiscite de tous les jours“. Für Deutsch wiederum ist die Nation ein Volk mit Kontrolle über „einige Institutionen gesellschaftlichen Zwanges“, wobei sich das Volk aus Menschen mit „komplementären Kommunikationsgewohnheiten“[99] zusammensetze. Auch ihm geht es um die

Funktion des Gemeinsamen; auch in der Entscheidung über den gemeinsamen Feind.[100] Bei Nohlen (sich auf Deutsch beziehend) findet sich schließlich eine Unterscheidung zwischen Nationen mit ethnischer und ohne ethnische Begründung. Anders ausgedrückt: Nation basierend auf wirklichen Unterschieden zwischen Individuen im Gegensatz zu einer Konzeption der Nation als fiktive und aus purem Willen heraus konstruierten Großgruppe.[101] Dann hingegen sieht diesen Antagonismus zwischen (ebenfalls) ethnischer Begründung und einer politischen Interessengemeinschaft, die sich u.a. auf die gemeinsame geschichtliche Herkunft und auf den Grundkonsens über die politische Kultur stützt.

Der Rote Faden aller Ansätze ist also die Bedeutung des Gemeinsamen für die Nation oder das Volk. Faktoren, die eine Bildung der Nation beeinflussen sollen, können weiter folgende sein: die Sprache, Interessen, die Geschichte sowie Traditionen. Deutsch benennt auch wichtige Entwicklungspunkte, wie z.B. die Entwicklung von Städten sowie von grundlegenden Kommunikationsnetzen wie auch die unbewusste Annahme nationaler Symbole.[102]

Kann man also von einer belarusischen Nation/Volk am Vorabend des deutschen Überfalls 1941 sprechen? Lindner stuft sie am Ende des 19. Jahrhundert als wenig mehr als eine „durch Muttersprache und Volkskultur verbundene, überwiegend bäuerliche Großgruppe“[103] ein. Von Bedeutung ist, „dass im kollektiven Gedächtnis der Belarussen das Bild eines starken Staates, eines selbständigen geopolitischen Zentrums, das die verschiedenen Gebiete in einem Staat gesammelt und die verstreuten ethnischen Gruppen zu einer Nation zusammengefügt hätte, fehlt.“[104]. Bugrova führt weiter eine Reihe von Faktoren auf, die insbesondere die belarusische Nationenbildung beeinflusst oder auch behindert haben. Wir möchten ihre Arbeit nicht im Ganzen wiedergeben, sondern nur auf einige uns besonders wichtig erscheinende sowie zusätzliche Punkte verweisen.

Insbesondere in der sogenannten Naša Niva Periode vom Anfang des 20. Jahrhunderts bildete sich verstärkt ein Mythenkanon in der und durch die Geschichtswissenschaft heraus. „Wie das

Beispiel Weißrußland bestätigt, neigen Völkerschaften, die auf eine gebrochene und unvollständige nationale Genese in ihrer modernen Geschichte zurückblicken, ganz besonders zur Ausbildung eines Mythenkanons.“[105] Hierbei wurden insbesondere das Fürstentum Polack als Gründungsmythos, das Großfürstentum Litauen als das Goldene Zeitalter oder das Trauma vom Untergang des belarusischen Volkes instrumentalisiert. Die demographischen, sozialen und soziokulturellen Bedingungen wirkten sich insgesamt jedoch ungünstig auf die Herausbildung einer nationalen Idee aus[106]. Hierzu zählten die agrarische Rückständigkeit, Armut und Analphabetismus der Dorfbevölkerung ebenso wie der geringe belarusische Anteil an der Stadtbevölkerung und der Mittelklasse. Die Bedeutung der belarusischen Sprache[107], welche als die Sprache ungebildeter Bauern galt, spielt in diese Punkte hinein. Belegen lässt sich dies durch die Volkszählung von 1897[108]. Ihrer Muttersprache nach bezeichneten sich rund 5,5 Millionen Menschen als Belarusen, von denen wiederum rund 97% auf dem Lande lebten. Setzt man dies in Verbindung mit der Tatsache, dass im Gouvernement Minsk nur 17,75% der lesekundigen Bevölkerung[109] auf dem Land wohnte, bestätigt sich das Bild des „ungebildeten Bauern“. Der Anteil der belarusischen Muttersprachler unter „freien Berufen“, wie Ärzten, Lehrern, Rechtsanwälten und Künstlern und Wissenschaftlern, war mit 0,47% (aller belarusischsprachigen Berufstätigen) ebenfalls gering.[110] Der Amtsverkehr, Öffentlichkeit und auch Literatur waren hingegen durch Russisch und Polnisch geprägt.[111]

Die Selbstidentifikation der Belarusen war vor allem lokal geprägt („Hiesige“) oder beruhte

zusätzlich auf der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe (Religion). Dies erklärt sich vor allem aus der wechselnden Zugehörigkeit zu verschiedenen Staaten, so dass an dem festgehalten wurde, was sich (normalerweise) nicht oder nur wenig änderte - den lokalen Strukturen[112]. Dies erklärt auch, warum sich die Bauern, den lokalen Strukturen besonders

verhaftet, „in der Regel indifferent gegenüber den verschiedenen Wertorientierungen und gegenüber der Möglichkeit der Wahl zwischen ihnen [verhielten], da sich ihre Lage mit dem Wechsel der Kulturtypen kaum änderte. Ihre konfliktablehnende bzw. konfliktvermeidende Haltung stellte die Bauern allerdings in die Nähe der patriarchalischen Untertanenkultur“[113].

Die stalinistische Kollektivierungspolitik griff, wie schon erwähnt, in diese lokalen Strukturen ein und löste somit die dörfliche Solidarität, nach altem Brauch Recht und Pflicht zugleich, auf.[114] Das Gemeinsame, sofern es am Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden war, wurde im Hinblick auf das Zusammengehörigkeitsgefühl, den principe spirituel, weitestgehend zerstört. Die belarusische Sprache und der geographische Bezugspunkt Belarus waren fast als einziges Merkmal eines belarusischen Volkes bestehen geblieben. Rufen wir uns die Merkmale einer Nation von Deutsch in Erinnerung, so besteht Belarus vor keinem einzigen. Punkte, an denen eine Deutsche Politik ansetzen konnten, waren demnach die Sprache und das Territorium.

2. Deutsche Besatzungspolitik 1941 - 1944[115]

„Wir werden also wieder betonen, dass wir gezwungen waren, ein Gebiet zu besetzen, zu ordnen und zu sichern; im Interesse der Landeseinwohner müssten wir für Ruhe, Ernährung, Verkehr usw. usw. sorgen; deshalb unsere Regelung. Es soll also nicht erkennbar sein, das sich damit eine endgültige Regelung anbahnt! Alle notwendigen Maßnahmen - Erschießen, Aussiedeln etc. - tun wir trotzdem und können wir tun.

Wir wollen uns aber nicht irgendwelche Leute vorzeitig und unnötig zu Feinden machen. Wir tun lediglich so, als ob wir ein Mandat ausüben wollten. Uns muss dabei klar sein, dass wir aus diesem Gebiete nie wieder herauskommen. Demgemäss handelt es sich darum:

1.) Nichts für die endgültige Regelung zu verbauen, sondern diese unter der Hand vorzubereiten;
2.) wir betonen, dass wir die Bringer der Freiheit wären. [...]

Grundsätzlich kommt es also darauf an, den riesenhaften Kuchen handgerecht zu zerlegen, damit wir ihn erstens beherrschen, zweitens verwalten und drittens ausbeuten können. [...] Der Riesenraum müsse natürlich so rasch wie möglich befriedet werden; dies geschehe am besten dadurch, dass man Jeden, der nur schief schaue, totschiesse.“[116] Hitler im Juli 1941 Bevölkerung zuviel Fürsorge angedeihen zu lassen.“[117] Hitler im Juli 1942 In diesem zweiten Teil werden wir die Besatzungspolitik während des gesamten Okkupationszeitraumes dahingehend untersuchen, welche reale Behandlung die belarusische Bevölkerung durch die Deutschen erfuhr. Wurden die Belarusen um ihrer „Rasse“ willen bessergestellt oder bevorzugt im Hinblick auf andere Rassen im nationalsozialistischen Sinn? Lässt sich also anhand der Dokumente und Forschungsergebnisse zur deutschen Besatzungspolitik klar feststellen, welcher Status den Belarusen real eingeräumt wurde?

Eine vorläufige Antwort geben schon Auszüge aus Hitlers Rede vom 3. Februar 1933, als er das Ziel der Außenpolitik des Dritten Reiches in der Eroberung des „neuen Lebensraum[es] im Osten“ mit der Prämisse, diesen „rücksichtslos“ zu „germanisieren“, sah.[118] Von diesem allgemeinen Ziel jedoch ganz abgesehen, konnte die Deutsche Besatzungspolitik auf kein belarusisches Fernziel hinarbeiten, denn es gab kein solches. „[Es sei wünschenswert,] dass allgemeine Neuordnungsanweisungen und insbesondere eine grundsätzliche Klärung der politisch-nationalkulturellen Zukunft Minsks und ganz Weißrutheniens von befugter Stelle aus ausgegeben würden.“[119] Die Aussagen über eine Zukunft Weißrutheniens nach Ende des Krieges blieben über die gesamte Zeit beständig unkonkret und verschwommen; so sprach man nur von der Aufgabe, einen „immer engeren Anschluss an Deutschland vorzubereiten“[120]. Des weiteren verfügten die Deutschen auch über kein tragfähiges politisches Konzept, um die Bevölkerung zur Mithilfe, also zur

Weißrußland 1941-1944: Eine Konfrontation von Propaganda und Wirklichkeit. Ausstellung in Berlin und

Minsk, Freie Universität Berlin - Fachbereich Politische Wissenschaft, Berlin 1996, S.15; Die Quellenangabe

findet sich jedoch in: Benz, Wolfgang, Kwiet, Konrad, Matthäus, Jürgen (Hrsg.), Einsatz im Reichskommissariat Ostland“ - Dokumente zum Völkermord im Baltikum und in Weißrußland 1941-1944, Metropol, Berlin 1998, S.13. Hervorhebungen Th.V.

[117] Äußerung Hitlers vom 22.7.1942, in: Picker, Henry, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier, Propyläen Taschenbuch bei Ullstein, Berlin 1997, S.651f. Hervorhebungen Th.V. [118] Hildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, R.Oldenbourg Verlag, München 1995, S.15; „Das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und den Völkern der Sowjetunion[...]muss einer endgültigen Lösung entgegengeführt werden.“, Anweisung von Rosenberg an den Reichskommissar des Reichskommissariats Ostland, ohne Datumsangabe, jedoch vermutlich 1941/1942, in: NARB 370/1/49, S.27 [FU 125l]. [119] Bericht des Sonderstabes Bibliotheken vom 2.2.1943 aus Minsk, in: Chiari (1998), S.56. Vgl. auch: Dean (2000), S.109.

[120] „Ziel eines Reichskommissars für ...Weissruthenien muss es sein,...durch die Gewinnung rassisch

wertvoller Elemente und siedlungspolitischer Massnahmen dieses Gebiet zu einem Teil des Grossdeutschen

Reiches umzuwandeln.“ Anweisung von Rosenberg an den Reichskommissar des Reichskommissariats Ostland, ohne Datumsangabe, jedoch vermutlich 1941/1942, in: NARB 370/1/49, S.29 [FU 125n]. „Es hat auf deutscher Seite keine einheitliche, durchdachte und mit Konsequenz verfolgte Besatzungspolitik gegeben, die diesen Namen verdient hätte. Die Führung des Dritten Reiches... hielt es erst recht für entbehrlich, ein politisches Konzept zu entwickeln, das für einen größeren Teil der unterworfenen Bevölkerungen irgendwie hätte akzeptabel sein können.“ Zitiert nach: Umbreit, Hans, Die Rolle der Kollaboration, in: In: Röhr, Werner (Hrsg.), Okkupation und Kollaboration (1938-1945), Europa unterm Hakenkreuz, Hüthig Verlagsgemeinschaft, Berlin, Heidelberg 1994, S.34.

Kollaboration, bewegen zu können.[121] Eine Folge dessen stellte am Ende der Besatzung ein

Fehlen an persönlichem Verantwortungsbewusstsein dar: Militärverwaltung wie auch das Ostministerium wiesen sich letztlich gegenseitig die volle Verantwortung für die

Besatzungspolitik zu: „Das RMO hatte in diesem Raum nichts zu sagen und hat vor allem nichts gesagt! Die Militärverwaltung war uns in vielem um Längen voraus!“[122].

Im Folgenden sollen zu Beginn die deutschen Entscheidungsträger sowie kurz der Aufbau der Verwaltung skizziert werden, um einen allgemeinen Überblick zu verschaffen. Ein zweiter Punkt wird sich mit der Stellung der belarusischen Bevölkerung in der Besatzungsverwaltung sowie anderen Organisationsformen innerhalb der deutschen Strukturen beschäftigen. Aus einer möglichen Partizipation der einheimischen Bevölkerung in verantwortungsvollen Positionen soll auf die Intentionen der deutschen Besatzer geschlossen werden. Abschließend werden die deutschen Pläne (jeglicher Art) sowie deren reale Umsetzungen beleuchtet und im Hinblick auf unsere Fragestellung nach der Qualität der Behandlung der Belarusen durch die Deutschen bewertet.

a) Deutsche Entscheidungsträger und Verwaltung[123]

Im Hinblick auf die Besatzungsverwaltung finden sich in der Forschung einige strittige Fragen, welche entscheidend sind für Fragen im Hinblick auf Zuständigkeiten sowie auf eine bewusst durchgeführte Politik. Zum einen existiert der Vorwurf der chaotischen Verwaltungsstrukturen. Diese seien, so die eine Meinung, durch mannigfache und sich gegenseitig befehlende Institutionen entstanden und hätten dadurch ein Kompetenzenchaos ausgelöst. Dieses herbeigeführte Chaos wiederum stelle eine Grundlage des Führerprinzips dar, da die alleinigen Führerentscheidungen - als Politik der ordnenden Hand - somit erst ermöglicht würden.[124] Eine Gegenmeinung erklärt das Chaos als ein zwangsläufiges Resultat der Vernachlässigung des Generalkommissariats durch deutsche Zentralstellen und der Entsendung minderqualifizierten Verwaltungspersonals[125], somit also als Ergebnis eines improvisierten Regierungsstils[126]. Denkt man diese Ansätze auf die Ebene von Belarus herunter, so stehen sich -überspitzt ausgedrückt- eine agierende und eine reagierende Politik gegenüber. Sollte es sich in Belarus um eine rein reagierende Besatzungspolitik gehandelt

[...]


* Mann, Thomas, Deutsche Hörer! Fünfundzwanzig Radiosendungen nach Deutschland, Insel-Verlag, Leipzig 1970, S.30. Diese Radiosendung fand im Juli 1941 statt.

[1] Ebenda, S.6.

[2] Vgl.: Curschmann, Fritz, Die Weißruthenen; Jäger, Walther (Hrsg.), Weißruthenien, 1919; Engelhardt, Eugen Freiherr von, Weißruthenien, Berlin 1943; Rhode, G, Die Weißruthenen; Scheibert, P, Der weißruthenische politische Gedanke; Vaatz, A, Baltikum und Weißruthenien, alle zitiert nach: Siebert, Dana, Bäuerliche Alltagsstrategien in der Belarussischen SSR (1921-1941). Die Zerstörung patriarchalischer Familienwirtschaft, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1998, S.24.

[3] Vakar, Nicholas P., Belorussia - The Making of a Nation, Harvard University Press, Cambridge 1956; Dallin, Alexander, Deutsche Herrschaft in Rußland, Düsseldorf 1958.

[4] Vgl. u.a. die Arbeiten von: Bernhard Chiari, Rainer Lindner, Heinz Timmermann, Christian Gerlach, Martin Dean, Dirk Holtbrügge, Dietrich Beyrau, Jan Zaprudnik. Ein intensiv beforschtes Feld, welches hier auf Grund der Thematik überhaupt nicht berücksichtigt wurde, ist die Transformationsforschung. Dazu vgl. u.a. die diversen Aktuellen Analysen oder Berichte des Bundesinstituts für Osteuropäische Studien BIOST, http://www.biost.de.

[5] Selbst Gerlach, der eine der jüngsten, und sehr ausführlichen, Arbeiten geschrieben hat, bestätigt diesen Wunsch. Gerlach, Christian, Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburger Edition, Hamburg 2000.

[6] Mit der Einschränkung des deutschen, englischen und französischen Sprachraumes.

[7] Vgl. u.a.: Harder, Hans-Bernd, Humanismus in Weißrußland. Ein Aufriß des Problems, in: Scholz, Friedrich (Hrsg.), Weißrußland und der Westen - Beiträge zu einem internationalen Symposium in Münster vom 3.-6.Mai 1990, Dresden University Press, Dresden 1998, S.189.

[8] Dana Siebert meint dazu: „Die eigentlich beste Bezeichnung „Weißruthenien“ ist zu belastet, um noch Verwendung zu finden und wirkt heutzutage zudem etwas verstiegen.“, in: Siebert (1998), S. 24.

[9] Gerade die seit 1991 verstärkt geführten Untersuchungen zur belarusischen Nation und Geschichte beziehen sich immer wieder auf die Herkunft des Namens, welcher heute oft als Abgrenzung zu oder Annäherung an Russland verwendet wird. „Whatever the source of this name, it is clear that it is very old and originally corresponded to the territory where the ancestors of Belarusians lived and where the modern Republic of Belarus is situated.“ in: Reshatau, Jauhen, Notes from the History of Belarus from ancient times to the present moment, Minsk 1994, http://www.belarusguide.com/historyI/history.html, Oktober 2002.

[10] Diese Grenzen unterscheiden sich von denen vor dem deutschen Angriff nur insofern, als „dass damals auch das Gebiet um Białystok und Łom a dazugehörte, das die Sowjetunion 1944 an Polen zurückgab...und das heute üblicherweise mit der deutschen Besatzungspolitik in Polen abgehandelt wird.“, in: Gerlach (2000), S. 23.

[11] Ebenda, S.13.

[12] Gorr (2000), S.60.

[13] Ebenda, S.57.

[14] Ebenda.

[15] Ebenda, S.38. Hervorhebungen Theresa Voigt (im Folgenden Th.V.); „Es geht nicht darum, den Sinn der Geschichte zu entdecken, sondern tatsächliche historische Verläufe (Diskurse) und ihre Regularitäten, Formen, Strukturen aufzudecken oder allenfalls darum, ‚die Sinne’, die die Menschen ihrem Tun und Sein unterstellen und das jeweilige Bewusstsein und Wollen der Menschen zu entdecken. Doch nicht zuletzt geht es darum, sich damit kritisch und in der Absicht, menschliche Verhältnisse zu verbessern, auseinanderzusetzen.“, in: Jäger, Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung, 1993, S.222, zitiert nach: ebenda, S.40.

[16] „Die Rassenlehre war die entscheidende geistige Grundlage des Nationalsozialismus. Sie war nicht der Grund zu seiner Machtergreifung[...]. Aber seine Rassenlehre war das Ziel dieser Macht, und durch sie in erster Linie glaubten die Nationalsozialisten ihre Macht für alle Zeiten [...] erhalten zu können.“, in: Saller, Karl, Die Rassenlehre des Nationalsozialismus in Wissenschaft und Propaganda, Progress-Verlag, Darmstadt 1961, S.9. Vgl. hierzu auch die Definitionen des Brockhaus von 1937/1938 im Anhang VI dieser Arbeit.

[17] Foucault, Michel, Vom Licht des Krieges zur Geburt der Geschichte, Merve Verlag, Berlin 1986, S.49f.

[18] Sobald sich die Reinheit der Rasse an die Stelle des Kampfes der Rassen setzt, wird der Rassismus geboren, in dem sich die Wendung der Gegenhistorie in einen Staatsrassismus vollzieht.[...]Der Rassismus ist buchstäblich der revolutionäre Diskurs - aber umgedreht. In: ebenda, S.50f.

[19] Vgl. Saller auch allgemein zur Entwicklung der ns-Rassenideologie. Saller (1961), S.37. 5

[20] Unter der Fellachenrasse ist die Mehrheit der Erdbevölkerung, das Gros der Farbigen aus Asien und Afrika sowie das ‚ostbaltisch-ostisch-innerasiatische Volkstum Russlands’ zu verstehen.

[21] Dazu zählte das Judentum.

[22] Das deutsche Volk sollte deren ‚Vorvolk’ darstellen. In: Zimmermann, K., Die geistigen Grundlagen des Nationalsozialismus. Das Dritte Reich. Bausteine zum neuen Staat und Volk, Leipzig 1933, S.73ff., zitiert nach: Hellfaier, Detlev, Versen, Johannes (Hrsg.), Antisemitismus Judenverfolgung Endlösung, Selbstverlag der Lippischen Landesbibliothek, Detmold 1989, S.17.

[23] Äußerung Hitlers zu Otto Strasse am 21.5.1930, zitiert nach: Wilenchik, Witalij, Die Partisanenbewegung in Weissrussland 1941-1944, in: Historische Veröffentlichungen / Osteuropa-Institut an der Freien Universität Berlin (Hrsg.), Forschungen zur osteuropäischen Geschichte, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1984, Band 34, S.179.

[24] Hier spricht man davon, dass „die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des Deutschen Volkes ist...“ und bezieht diese Reinheit quasi als ‚Einleitung’ auf die Abgrenzung zu den Juden. Das Zitat in: Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (15.09.1935), Reichsgesetzblatt 1935 I, S. 1146-1147, zitiert nach: documentArchiv.de (Hrsg.), http://www.documentArchiv.de/ns/nbgesetze01.html, Dezember 2002.

[25] „Races that do not have the courage to make history have no history.”, Der Reichsführer SS/SS-Hauptamt, Rassenpolitik, Berlin 1943, in: http://www.calvin.edu/academic/cas/gpa/rassenpo.htm, Dezember 2002 (Ausschnitte in englischer Übersetzung), S.6.

[26] Majer, Diemut, „Fremdvölkische“ im Dritten Reich, Schriften des Bundesarchivs, Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1981, S.83.

[27] Ebenda, S.84.

[28] Russland hätte diese ‚Unterstützung’ durch deutsches Gedankengut jedoch mit wirtschaftlichen Zugeständnissen zu bezahlen. Äußerung von Tesmer in: Erfahrungsbericht Militärverwaltung Mitte, zitiert nach: Gerlach (2000), S.100.

[29] „Rassisch wesentlich einheitlicher [als Russen und Ukrainer], allgemein viel weniger begabt, kulturell viel stärker zurückgeblieben und ökonomisch geradezu ein ideales Ausbeutungsgebiet[...]seien die Weißrussen in ihren vorwiegend waldigen und sumpfigen Siedlungsgebieten“, Peter-Heinz Seraphim, Das Judentum im osteuropäischen Raum,1938; „Die Weißruthenen sind das rückständigste, ärmste Bauernvolk diesseits des Urals“, so die Dienststelle Rosenberg. Beide zitiert nach: Gerlach (2000), S.101.

[30] Feldpostbrief vom 6.7.1942, Raum Polozk, zitiert nach: Gerlach (2000), S.102.

[31] Zitiert nach: Longerich (1987), S.99.

[32] Rauschning, Hermann, Gespräche mit Hitler, zitiert nach: Gruchmann, Lothar, Nationalsozialistische Großraumordnung - Die Konstruktion einer „deutschen Monroe-Doktrin“, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 4/1962, S.74.

[33] „Die Drohung des ‚Untermenschen’ gehört zu jenen kategorischen und apokalyptischen Visionen der NSRassepropaganda, die zur Legitimation von Gewalt und Abschreckung für Verbrechen bereitgehalten wird.“, in: Gorr (2000), S.111.

[34] Gerlach (2000), S.100. Vgl. hier auch weitere Literaturangaben zu dieser Thematik.

[35] Zitiert nach: Herzstein, Robert Edwin, The war that Hitler won - The most infamous propaganda campaign in history, Hamish Hamilton, London 1978, S.365f.

[36] „The present Soviet state is nothing other than the realization of that Jewish invention.” Die Ausstellung

[37] Saller (1961), S.134.

[38] Die Besetzung von Minsk durch deutsche Truppen erfolgte am 27. Juni 1941, dessen Räumung am 2./3. Juli 1944; Abschlußbericht des Stadtkommissars von Minsk, Becker, vom 27. Juli 1944 an den Generalkommissar von Weißruthenien, Kurt von Gottberg, über die Räumung der Stadt Minsk am 2./3. Juli 1944, in: Kohl, Paul, Der Krieg der deutschen Wehrmacht und der Polizei 1941-1944. Sowjetische Überlebende berichten, Geschichte Fischer, Frankfurt am Main 1995, S.242.

[39] Zitiert nach Vakar (1956), S.209. Leider scheint es hier, zumindest in dieser Ausgabe, einen Fehler in seiner Fußnotenbelegung zu geben, so daß die eigentliche Quelle dieser Angabe nicht erkenntlich ist.

[40] Ausgehend von einer Bevölkerungszahl von 10,6 Millionen (1939) wurden ca. 2,2 Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet. Gerlach (2000), S.11. Er bezieht sich auf die zusammengefassten Angaben der staatlichen sowjetischen Untersuchungskommission.

[41] „Fast alle Arbeiten zur deutschen Besatzungspolitik im Osten kranken daran, dass sie der Vorgeschichte zu wenig Gewicht beimessen.“ In: Wilhelm, Hans-Heinrich, Die Rolle der Kollaboration für die deutsche Besatzungspolitik in Litauen und „Weißruthenien“ - Konzepte, Praxis, Probleme, Wirkungen und Forschungsdesiderata, in: Röhr, Werner ( Hrsg.), Okkupation und Kollaboration (1938-1945), Europa unterm Hakenkreuz, Hüthig Verlagsgemeinschaft, Berlin, Heidelberg 1994.

[42] „Die Polarisierung der belarussischen Geschichtsschreibung in zwei Lager - früher: das sowjetische und das nationale im Exil - hat auch in... der R spublika Belarus’ seine Fortsetzung erfahren. Beide Seiten bemühten sich weiterhin um eine „positive“ Geschichtsschreibung.“, in: Siebert (1998), S.26f;

[43] Vgl. Fedor, Helen, Belarus. Country studies, Federal Research Division - Library of Congress, 1995, http://lcweb2.loc.gov/frd/cs/bytoc.html#by0077, Oktober 2002.

[44] Gemeint ist damit meist Francysk Skaryna , der 1517 eine Bibel in belarusischer Sprache druckte.

[45] In der sowjetischen Geschichtsschreibung heißt es hierzu: „1772-1795 Wiedervereinigung Belorußlands mit Rußland.“, in: Baranowa, M.P., Pawlowa, N.G., Kurze Geschichte der Belorussischen sozialistischen Sowjetrepublik, Friedrich-Schiller-Universität, Jena 1985, S.147.

[46] Unter der Landbevölkerung betrug der Anteil 80%. In: Bugrova, Irina, Politische Kultur in Belarus: eine Rekonstruktion der Entwicklung vom Großfürstentum Litauen zum Lukaschenko-Regime, Untersuchungen des Forschungsschwerpunktes Konflikt- und Kooperationsstrukturen in Osteuropa, Universität Mannheim, Nr.18/1998, Online-Ausgabe, http://www.uni-mannheim.de/fkks, Oktober 2002, S.15.

[47] Zur Transformation der belarusischen Gesellschaft innerhalb des Russischen Reiches vgl. ebenda, S.19ff.

[48] Dies war eine Reaktion von zaristischer Seite auf Emanzipationsbestrebungen. Im April des gleichen Jahres war es schon zum sogenannten Toleranzedikt gekommen, die Religionsausübung und -wahl betreffend. Lindner (1999), S.54; Volks-Ploetz, Verlag Ploetz Freiburg, Würzburg 1995, S. 417.

[49] Naša Niva bedeutet „Unser Feld“. Die Zeitung beschäftigte sich z.B. mit Fragen der kulturellen Bedeutung kleiner Nationen und vermittelte Geschichtsbilder, die zwischen Mythos und Realität angesiedelt waren. Besonders die Landbevölkerung war von ihr jedoch schwer zu erreichen, obwohl Naša Niva auf Belarusisch erschien. Einer der Gründe mag der geringe Alphabetisierungsgrad gewesen sein. In: Lindner (1999), S.105; Die Zeitung erschien von 1906-1915. Einige Autoren verweisen auf ein Erscheinen bis 1918. In: Fedor (1995), S.10.

[50] „Tutejšyja” - belarusisch: Hiesiger. In: Bugrova (1998), S.7; Vgl. Dazu auch: Dean, Martin,Collaboration in the Holocaust - Crimes of the Local Police in Belorussia and Ukraine, 1941-44, St. Martin’s Press, New York 2000, S.10.

[51] Winderl, Thomas, Nationalism, Nation and State, WUV Universitätsverlag, Wien 1999, S.79. Hervorhebungen Th.V.

[52] Vgl. Siebert (1998), S.35.

[53] Ebenda. Diese Konföderation kam jedoch nicht zustande. Vgl. dazu Lindner (1999), S.115.

[54] Sie organisierten sich seit Anfang September 1917 unter dem Namen „Nordwestliches Gebietskomitee der RSDRP(b). In: Siebert (1998), S.38.

[55] Die Wahlen zur Konstituierenden Versammlung fanden vom 12.-19.11.1917 statt. Genaue Ergebnisse sowie deren Bewertung in: ebenda, S.39.

[56] Nach der Auflösung blieb der „Rat des 1. Allbelarusischen Kongresses“ in Illegalität bestehen. In: Lindner (1999), S.40.

[57] Vom 11. bis 15.12.1917.

[58] Siebert (1998), S.41.

[59] Gerlach (2000), S.36f.

[60] Belaruskaja Narodnaja R÷spublika (BNR), in: Siebert (1998), S.42. Die Rada hatte außerdem den am 3. März 1918 unterschriebenen Vertrag von Brest-Litovsk abgelehnt.

[61] „Die Bildung von gemäßigten deutschen Soldatenräten erfolgte zu spät, um das Verhältnis von Besatzern und Besetzten auf eine neue Grundlage zu stellen.“, ebenda.

[62] Vgl. ebenda, S.50ff.

[63] Vakar (1956), S. 108; Belaruskaja Saveckaja Sacyjalistyčnaja R÷spublika, im weiteren BSSR.

[64] Saveckaja Sacyjalistyčnaja R÷spublika Belarus. Siebert (1998), S.47.

[65] СССР oder SSSR: Savecki Sajuz Sacyjalistyčnych R÷spublik. Wegen der Allgemeingebräuchlichkeit verbleibt jedoch UdSSR anstelle von SSSR.

[66] „Die Grenze trennte die Belarus mittenzwei; hier verliefen weder „historische“ noch ethnische Grenzen das Nationalstaatsprinzip, das auf der Versailler Konferenz von Finnland bis Rumänien durchgesetzt worden war, blieb hier vollkommen unberücksichtigt der Sowjetseite verlangte es aber genauso wie der polnischen,

[67] Siebert führt zu dieser Zeit an: „Über die politische Entwicklung in den zwanziger und dreißiger Jahren gab es eine solch scharfe Auseinandersetzung in der Historikerzunft schon allein deshalb nicht, weil sowohl die Nichtkommunisten als auch die Kommunisten unter den Repressionen des Stalinregimes zu leiden hatten. Was jedoch wirklich geschah und worüber in der Sowjetzeit verfälschend und unvollständig geschrieben wurde, bleibt aber bis heute sehr unscharf Letztlich bleiben auch die Gesamtdarstellungen dieser Epoche der BSSR Flickwerk.“ in: ebenda, S. 26.

[68] Novaja ökanamičnaja Polityka. Inhalte der NöP in: Wilenchik (1984), S.135f; Vgl. zur Politik der Kommunistischen Partei in der BSSR 1921-29: Siebert (1998), S.58ff.

[69] Vgl. Karte im Anhang VII dieser Arbeit. Vgl. ebenso Lindner (1999), S.177. Siebert führt mögliche Gründe für die Erweiterung an: Siebert (1998), S.63. Um eine Größenvorstellung der Erweiterung zu vermitteln: die Bevölkerung wuchs von 1,5 auf nahezu 5 Millionen Einwohner an. (Lindner nennt 4,2 Mio)

[70] Er fand vom 2.-19. Dezember 1927 in Moskau statt und wurde auch „Parteitag der Kollektivierung“ genannt. In: Wilenchik (1984), S.136f.

[71] Ausführliche Schilderung der Kollektivierungspolitik sowie der unterschiedlichen Situation in West- und Ostbelarus in: Siebert (1998), S.92.

[72] Die zweite Repressionswelle setzte 1933 ein, eine weitere schließlich 1937/38. Gründe dieser Repressionen u.a. in: ebenda, S.74ff.

[73] Als Folge des XVI. Parteitages der KPdSU (26.6.-13.7.1930), dem Parteitag „des breiten Vormarsches des Sozialismus“. In: Wilenchik (1984), S.136; Vgl. auch Siebert (1998), S.68. „Wer zum Kulaken gestempelt wurde, blieb Willkür.“, in: ebenda, S.129.

[75] Volkszählung 1939: Gesamtbevölkerung ca. 5,5 Mio, Stadtbevölkerung ca. 1,35 Mio, in: Siebert (1998), S.92.

[76] Brzezinski, zitiert nach: ebenda, S.79.

[77] Arendt (2001), S.690.

[78] Genauer Zahlenbeleg in: Wilenchik (1984), S.138.

[79] Die Kamunistyčnaja Partyja Zachodnaj Belarusi (KPZB) war ein Bestandteil der KP Polens. in: ebenda, S.137f.

[80] Ursachen in: Wilenchik (1984), S.139.

[81] Zwischen 1929-1939 wurden ca. 300 000 Polen in Westbelarus angesiedelt. In: Gerlach (2000), S.40;

Gleichzeitig wanderten (1925-38) ca. 78 000 Einwohner dieses Östlichen Gebietes aus. In: Fedor (1995), S.17. [82]„The Polish authorities had restricted Belorussian education and also persecuted some nationalists.”, in: Dean (2000), S.2.

[83] Gerlach (2000), S.40f.

[84] „Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt.“, in: Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 23. August 1939 und Geheimes Zusatzprotokoll vom 23. August 1939 zum Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, zitiert nach: Kohl (1995), S.219ff.

[85] Gerlach spricht davon, dass die weißrussische und jüdische Bevölkerung positiv, die polnische hingegen zurückhaltend bis feindlich reagiert hätte. In: Gerlach (2000), S.41; Beispiele direkter Unterstützung der Roten Armee durch die Bevölkerung in: Wilenchik (1984), S.144f.

[86] Die Wahlen fanden am 23.10.1939 statt. Wilenchik spricht vom 22.10.1939. Er nennt auch Wahlergebnisse, in : ebenda, S.145. Die Qualität dieser Wahlen soll hier nicht besprochen werden.

[87] Statistische Berichte für das Ostland 3 (1943), zitiert nach: Gerlach (2000), S.41.

[88] Ebenda.

[89] Dean (2000), S.2.

[90] Aus einem Brief von W.P. Laskowicz an den Ersten Sekretär der Belorussischen Kommunistischen Partei, in: ebenda.

[91] “Judaism was formally tolerated in line with `Stalin’s Constitution´ and the Soviet authorities did not

interfere directly with Jewish religious practices. Nevertheless organized religion was constantly under pressure to limit its activities: for instance, rabbis were heavily taxed and religious education driven underground.” Im Gegensatz dazu konnten Polen in den 30er Jahren keine Anstellung als „a civil servant, a municipal employee, a policeman, an officer or a professional NCO´” ausüben. In: ebenda, S.4ff.

[92] Vgl. ebenda, S.4 sowie Chiari, Bernhard, Alltag hinter der Front: Besatzung, Kollaboration und

Widerstand in Weißrußland 1941-1944, Droste Verlag-Schriften des Bundesarchivs, Düsseldorf 1998, S.46ff.

[93] Dean (2000), S.6f; Die genannten 10% basieren auf polnischen Angaben. Er führt weiter an, dass diese Zahlen noch diskussionswürdig seien; Siebert nennt zwar eine Zahl von 600 000 Menschen, welche von sowjetischen Organen zwischen 1917 und 1953 verfolgt worden seien, jedoch könne eigentlich nur als faktenmäßig sicher gelten kann, „dass es in der BSSR Repressionen gab, die zum Tode der Betroffenen oder zu ihrer Abwanderung führten.“ Diverse Faktoren seien für die problematische Quellenlage verantwortlich. In: Siebert (1998), S.93.

[94] In: Pinchuk, B., Shtetl Jews under Soviet Rule: Eastern Poland on the Eve of the Holocaust, zitiert nach: Dean (2000), S.16.

[95] Arendt (2001), S.646.

[96] „Die Begriffe Nation und Volk werden in unserer politischen Sprache meist gleichbedeutend, synonym gebraucht.“, in: Dann (1996), S.12. Hervorhebungen im Original. Auch die Nationalsozialisten verwischen die Grenzen zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten, weswegen auch wir, sofern nicht anders erwähnt, im weiteren Text keine Trennung vornehmen werden.

[97] Renan, Ernest, Qu’est-ce qu’une nation?, Éditions Mille et une nuits, 1997; Deutsch, Karl W., Ashkenasi, A., Schulze, P. (Hrsg.), Nationenbildung - Nationalstaat - Integration, Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf 1972; Nohlen, Dieter (Hrsg.), Wörterbuch Staat und Politik, Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 1996; Dann, Otto, Nation und Nationalismus in Deutschland 1770-1990, Verlag C.H.Beck, München 1996.

[98] Also zwei Dinge: gemeinsame Erinnerungen und der Wunsch zusammenzuleben. Renan (1997), S.31. 18

[99] Beide Zitate in: Deutsch (1972), S.27.

[100] „Die Entscheidung für eine nationale Orientierung und für nationale Identität steht in einem Zusammenhang mit der Entscheidung darüber, wer der gemeinsame Feind ist. Das ist in der Tat eine Entscheidung, auch wenn sie unbewusst getroffen wurde.“, in: ebenda, S.23.

[101] Er merkt hier an, dass diese Debatte nicht entscheidbar sei, u.a. auf Grund der „kaum entwirrbar objektive[n] und subjektive[n] Faktoren, Mythen und Manipulationen.“, in: Nohlen (1996), S.454.

[102] Er nennt diese Faktoren Gleichförmigkeiten im Nationen-Entwicklungsprozeß. 1. Übergang von Substistenz- zur Tauschwirtschaft; 2. Soziale Mobilisation ländlicher Bevölkerung in Kerngebieten; 3. Entwicklung von Städten; 4. Entwicklung grundlegender Kommunikationsnetze; 5. Konzentration von Kapital; 6. Entstehung des Begriffs „Interesse“ für Individuen und Gruppen sowie Erweiterung des individuellen Selbstbewusstseins; 7. Erwachen ethnischen Bewusstseins und Annahme nationaler Symbole; 8.Vereinigung von ethnischem Bewusstseins mit Tendenz zur Ausübung politischen Zwanges. Deutsch liefert auch an anderer Stelle einen Kriterienapparat für Nationen: Sie sei unabhängig, kohäsiv, politisch organisiert, autonom und legitimiert. In: Deutsch (1972), S.29f. und S.24.

[103] Lindner (1999), S.480.

[104] Bugrova (1998), S.7. Lindner fragt, inwieweit sich in einer „dem russischen Herrschaftszentrum ethnisch und kulturell nahestehenden Peripherienation ein historisch oder nationales Sonderbewusstsein ausbilden konnte“. Linder (1999), S.16. Hervorhebung Th.V. Vgl. auch: Lindner, Rainer, Nationenbildung durch Nationalgeschichte. Probleme der aktuellen Geschichtsdiskussion in Weißrussland, in: Osteuropa: Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 44 (1994) 6, S.578-590.

[105] Dazu werden Abstammungs-, Gründungs- und Heimatmythen ebenso gezählt wie Vernichtungsmythen und sogenannte Goldene Zeitalter. In: Lindner (1999), S. 479. Hervorhebung Th.V. [106] Vgl. ebenda, S.28ff. Als ein Beispiel führt Bugrova an: „Ein großer Teil der Belarussen, vertreten vorrangig im Bauernstand, war orthodox, die belarussische Elite hingegen orientierte sich am Katholizismus. Das Leben in verschiedenen kulturellen Kontexten hatte häufig ein wechselseitiges Unverständnis zur Folge und verhinderte die Entstehung stabiler Kommunikationsbeziehungen zwischen den Gruppierungen.“ Zusammen mit der hohen Analphabetismusrate unter der Landbevölkerung und damit, dass Nationalbewegungen sich verstärkt aus dem Bildungsstand rekrutieren verdeutlicht sich ein Teilproblem bei der Vermittlung nationaler Ideen. In: Bugrova (1998), S.20. Hervorhebungen Th.V.

[107] Das Gesetz über die Sprachen in der BSSR von 1990 soll die Bedeutung der belarusischen Sprache, die sie auch heute noch hat, verdeutlichen: „Language is not only a means of communication, but also the soul of a nation, the foundation and the most important part of its culture.“, in: Fedor (1995), S.23. [108] Vgl. Anhang I dieser Arbeit. Lindner nennt die Zahlen nach neueren Untersuchungen für „weitgehend zuverlässig“. Vgl. dort alle folgenden Bevölkerungsdaten (sofern nicht anders belegt) als auch seine Angaben zur Quellenkritik: Lindner (1999), S.28.

[109] Dagegen waren 45,15% Lesekundige in den Städten anzutreffen. Der höchste Anteil lesekundiger Landbevölkerung fand sich im Gouvernement Hrodna mit 29,16% (Stadt: 48,35%). In: ebenda.

[110] Ebenda, S.31.

[111] Gerlach (2000), S.36.

[112] „Vor diesem Hintergrund entstand eine spezifische Kultur der selbstgenügsamen Kommunikation, des Rückgriffs auf die eigene Erfahrung und die lokalen Traditionen.“ In: Bugrova (1998), S.12.

[113] Ebenda, S.10. Hervorhebungen Th.V.

[114] Siebert (1998), S.368ff.

[115] An diesem Kapitel haben die Ausführungen von Gerlach maßgebenden Anteil. Dies gründet sich auf die Aktualität seiner Arbeit sowie auf der Qualität und Vollständigkeit seiner kritischen Untersuchung dieses Zeitraumes.

[116] Aktenvermerk von Bormann vom 16.7.1941 über eine Besprechung Hitlers mit Rosenberg, Lammers, Keitel und Göring zu Zielen der Ostpolitik, zitiert nach: Schlootz, Johannes (Hrsg.), Deutsche Propaganda in „Von außerordentlicher Bedeutung sei ferner, dass man nicht durch irgendwelche Maßnahmen ein Herrenbewusstsein bei der nichtdeutschen Bevölkerung erzeuge. In dieser Hinsicht müsse man besonders vorsichtig sein, denn gerade das Gegenteil von einem solchen Herrenbewusstsein sei eine der notwendigen Voraussetzungen für unsere Arbeit. […] Der größte Fehler, den wir machen könnten, sei der, der einheimischen

[121] „Many bureaucrats were unsure exactly what they were supposed to do with an ethnically divided and impenetrable swampland such as Belorussia.”, in: Dean (2000), S.109.

[122] Randnotiz des Abteilungsleiters Verwaltung des RMO, Labs, zu einer Passage im Erfahrungsbericht Militärverwaltung Mitte, zitiert nach: Gerlach (2000), S.137.

[123] Vgl. insbesondere Gerlach (2000), Kapitel 3: Aufbau und Funktion der Besatzungsverwaltung, S.128-231.

[124] So u.a. Hildebrand (1995), S.6. Zum Gedanken der Strukturlosigkeit des III. Reiches als einer bewussten Herrschaftstechnik des Machthabers vgl. Arendt (2001).

[125] Chiari (1998), S.59.

[126] Vgl. Mommsen und Broszat, nach: Longerich (1987), S.15ff. 23

Details

Seiten
110
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638229562
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18662
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto Suhr Institut
Note
1,3
Schlagworte
Zwischen Nazipropaganda Realtität Einstufung Bevölkerung Belarus Weltkrieges Hilfsvolk Untermenschen

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Titel: Zwischen Nazipropaganda und Realtität - Die Einstufung der Bevölkerung von Belarus während des 2. Weltkrieges als "Hilfsvolk" oder als "Untermenschen"