Lade Inhalt...

Produktionsschulen als Übergangslösung und Sprungbrett für die berufliche und soziale Integration von Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 23 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Prolegomenon

2. Theoretische Grundlagen
2.1.1 Zur Begrifflichkeit, Entstehung und Zielgruppe der Produktionsschule
2.1.2 Grundsätze und Ziele von Produktionsschulen
2.2.1 Charakteristika der Zielgruppe im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung hinsichtlich der Berufsausbildung

3. Zusammenführung der Erkenntnisse

4. Konklusion

Literaturverzeichnis

1. Prolegomenon

Das auf Selektion ausgerichtete deutsche Schulsystems erweist sich für einige Schüler und Schülerinnen als hochgradig problematisch, denn – so belegen es zumindest die ersten beiden PISA-Studien – Schüler und Schülerinnen aus „bildungsfernen und kulturell benachteiligten Schichten“ (Arbeitsverbund Produktionsschule Nord, 2006, S. 1) sind häufig chancenlos oder zumindest benachteiligt im gesamten deutschen Bildungswesen. Empirische Befunde zeigen, dass „die Bildungsbeteiligung und der Schulerfolg der Heranwachsenden [. . .] eng mit ihrer sozialen Herkunft zusammen[hängen]“ (Schümer, 2006, S. 78). Die unterschiedlichen bestehenden sozialen und familiären Bedingungen führen zu einer Ungleichheit der Ausgangslage und der Bildungsperspektiven, die durch das in den meisten Bundesländern praktizierte frühe äußere Differenzieren in leistungshomogene Lerngruppen, weiterhin verstärkt werden (vgl. Merten, 2006, S. 40 f.). Benötigt werden Angebote, die helfen, die bestehenden Ungleichheiten auch zu späteren Zeitpunkten und insbesondere im Bereich des Übergangs von der Schule in die Erwerbstätigkeit, auszugleichen bzw. zu vermindern. Bekannt ist, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt in Deutschland verändert. Berichtet wird von „gestiegenen Anforderungen in fast allen klassischen und neuen Ausbildungsberufen. So müssen Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss erreichen und damit die Minderheit darstellen, heutzutage häufig mit den Absolventen von Realschulen und Gymnasien konkurrieren“ (Schaub, 2006, S. 1). Für die „ ,unversorgtenÎ Jugendlichen ohne Schulabschluss, mit abgebrochener Schul-und Berufsausbildung und mit schlechten Schulabschlüssen stellt die Produktionsschule eine Alternative zur klassischen Ausbildung im dualen System dar (ebd.).“ „[. . .] Produktionsschulen wollen mit ihrem Lernkonzept einen Beitrag zur Überwindung von Bildungsarmt leisten. Sie verstehen sich in erster Linie als ein Angebot an Systemverlierer, die nicht über die Basiskompetenzen verfügen, die nötig sind, um auf dem Erwerbsarbeits- und Ausbildungsmarkt zu bestehen“ (Arbeitsverbund Produktionsschule Nord, 2006, S. 1).

Die seit Beginn der neunziger Jahre steigende Anzahl von Produktionsschulen in Deutschland ruft dazu auf, sich mit diesem „Sonderfall von Schule“ (Kipp, 2003, S.1), als einer Möglichkeit der beruflichen Bildung für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, auseinanderzusetzten.

Im ersten Abschnitt dieser Semesterarbeit werden die für das Verständnis der Thematik wichtigen Grundlagen beleuchtet. Insbesondere werden neben der Begriffsdefinition „Produktionsschule“, Angaben zur Entstehung und zur generellen Zielgruppe gemacht. In diesem Abschnitt folgen Informationen zu den Grundsätzen und Zielen von Produktionsschulen. Dabei werden insbesondere die Produktionsschulprinzipien für Mecklenburg-Vorpommern betrachtet. Schülerinnen und Schüler mit sozial-emotionalem Förderbedarf werden als ein Teil der Zielgruppe verstanden und aus diesem Grund im zweiten großen Abschnitt mit Besonderheiten, die u.a. die berufliche Laufbahn betreffen, vorgestellt. Ausgehend von der Zielgruppe ergibt sich die Frage nach der Eignung der methodischen und organisatorischen Besonderheiten der Produktionsschulen in Mecklenburg-Vorpommern für Schülerinnen und Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf. Es gilt abschließend zu klären, ob Produktionsschulen in Mecklenburg und Vorpommern für diese Zielgruppe, die gesetzlich in der Berufsausbildung den Status „Benachteiligte“ (Seminar: Berufliche Eingliederung für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, SS 2011. Dozent: HD. Dr. habil. B. Heilmann. 12.04.2011.) trägt, als Sprungbrett zu einer erfolgreichen beruflichen und sozialen Integration verstanden werden können. Gewählt wird ein hermeneutischer Zugang, der durch Untersuchung gegebener Texte klären will, welchen Einfluss Produktionsschulen auf die soziale und berufliche Weiterentwicklung auf die Zielgruppe ausüben können.

2. Theoretische Grundlagen

2.1.1 Zur Begrifflichkeit, Entstehung und Zielgruppe der Produktionsschule

Nach Johanssen und Gentner (2008) lassen sich Produktionsschulen als „ein pädagogisches Konzept, das benachteiligte junge Menschen durch die Kombination von Arbeiten und Lernen zur beruflichen und sozialen Integration führt“ (S. 1), beschreiben. Daraus ergibt sich, dass „Produktionsschulen [als] [. . .] Einrichtungen der arbeitsorientierten und beruflichen Bildung, in denen Arbeiten und Lernen kombiniert werden“ (Koch, 2002, S. 32), gekennzeichnet sind. Da die Entwicklung der Produktionsschulen nicht unmittelbarer Gegenstand dieser Semesterarbeit ist, soll nur erwähnt werden, dass neben Herzog Francois-Alexander-Frederic de la Rouchefoucauld-Linacour (1747-1827), Napoleon Bonapart, Victor Karlowitsch Della Vos (1829-1890) und Don Bosco (1815-1888) mehrere Reformpädagogen um 1920 zur Entstehungsgeschichte beigetragen haben (vgl., ebd.). Zum historischen Ursprung der Produktionsschulen äußert Greinert (1992): „Im deutschen Sprachraum ist der Begriff „Produktionsschule“ allerdings erst heimisch geworden durch Paul Oestreich (1878-1959), dessen Bund Entschiedener Schulreformer das Schulmodell einer Einheits-, Lebens- und Produktionsschule propagierte“ (S. 9). Ab 1990 entstanden in der Bundesrepublik Deutschland Produktionsschulen, die sich am Erfolgsmodell des dänischen Nachbarn orientierten (vgl., Schaub, 2006, S. 6. f.). Die deutschen Produktionsschulen unterscheiden sich grundsätzlich von dänischen Produktionsschulen, da die gesetzliche Grundlage und Finanzierung sowie „einheitliche Rahmenbedingungen“ (ebd., S. 8) deutscher Produktionsschulen nicht langfristig sichergestellt sind. Zur Finanzierung sind Produktionsschulen häufig vom Wohlwollen der Kommunen, Landkreise und Trägerschaften abhängig (vgl., Arbeitsverbund Produktionsschule Nord, S. 6).

Grundsätzlich werden bei Koch (2002) drei Typen von Produktionsschulen unterschieden:

„(A) Produktionsschulen, die eine technologisch-ökonomische Qualifikationsfunktion in den Vordergrund stellen [. . .]
(B) Produktionsschulen, die eine Verbindung von allgemeiner und beruflicher Bildung anstreben [. . .]
(C) Produktionsschulen, denen es in erster Linie um die soziale Integration gesellschaftlicher Randgruppen (z. B. benachteiligte Jugendliche oder Straßenkinder) und um Förderung der persönlichen Entwicklung geht.“ (S. 32)

An dieser Stelle wird deutlich, dass der Begriff Produktionsschule keine einheitlich gültige Definition in der gegenwärtigen fachwissenschaftlichen Diskussion aufweist, sondern vielmehr von einem Spektrum ausgegangen werden muss, dass jedoch bestimmte Grundsätze besitzt. Dieser Hausarbeit wird das Verständnis des Typ C nach Koch zugrunde gelegt. Die bei Koch erwähnte „gesellschaftliche Randgruppe [. . .]“ (ebd.) gilt demnach als Zielgruppe der Produktionsschulen und zeichnet sich im Allgemeinen durch einen Bruch in ihrer Lebens- und Lernbiographie aus. Ein solcher Bruch der Lernbiographie kann in z.B. in Form eins Schulabbruchs oder eines Ausbildungsabbruchs vorhanden sein. Die Zielgruppe der Produktionsschulen erstreckt sich auf den Altersbereich von 15-25 Jahren und ist äußerst heterogen: neben Jugendlichen mit Migrationshintergrund, schulmüden jungen Männern und Frauen, Schülerinnen und Schülern mit einer Lernbeeinträchtigung oder einer Lernbehinderung, interessieren für diese Hausarbeit besonders Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. All diesen jungen Menschen, die sich nach dem Schulabschluss (oder Schulabbruch) Orientierung bzw. eine berufspraktische Vorbereitung zur Aufnahme einer Berufsausbildung wünschen (vgl., Wergin & Achtenhagen, 2005, S. 1), sollen „Hilfeangebote zur Integration in die Berufsbildung bzw. in den ersten Arbeitsmarkt“ (ebd.) unterbreitet werden. Eine Unterstützung der Rückführung in den Regelschulbereich kann ebenfalls durch das Angebot der Produktionsschule geleistet werden (vgl., ebd.). Im folgenden Abschnitt werden die Grundsätze von Produktionsschulen mit den sich daraus ergebenden Zielsetzungen vorgestellt, um ein Verständnis für die Arbeits- und Funktionsweise dieser Bildungseinrichtungen anzubahnen und darüberhinaus zu erklären, wie die Unterstützung durch die Produktionsschule sichergestellt werden kann.

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656099147
ISBN (Buch)
9783656099239
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186836
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation
Note
1
Schlagworte
zwischen schule berufsausbilung produktionsschulen übergangslösung sprungbrett integration jugendlichen förderbedarf

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Produktionsschulen als Übergangslösung und Sprungbrett für die berufliche und soziale Integration von Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf