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Analyse und Bewertung des "Land Grabbing"

Bachelorarbeit 2010 61 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Gegenwärtige Situation von ausländischen Direktinvestitionen und Landnahme
2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen und Landnahme
2.2 Entwicklung von ADI und Landnahme weltweit
2.3 Ausgewählte Länderbeispiele
2.3.1 China
2.3.2 Saudi-Arabien
2.3.3 Äthiopien
2.4 Zwischenfazit

3 Beweg- und Bestimmungsgründe für Landnahme und ADI
3.1 Theoretische Grundlagen
3.2 Motivation der Investoren
3.2.1 Bevölkerungswachstum und Landknappheit
3.2.2 Ressourcenbedarf
3.2.3 Investitionspotential
3.3 Motivation der Gastländer
3.3.1 Wirtschaftliche Vorteile
3.3.2 Technologietransfer

4 Auswirkungen von Landnahme und ADI auf die beteiligten Länder
4.1 Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung
4.1.1 Auswirkungen auf Export
4.1.2 Auswirkungen auf Import
4.1.3 Technologietransfer
4.1.4 Einfluss auf die Arbeitsmärkte
4.2 Soziale und ökologische Auswirkungen in den betroffenen Regionen
4.2.1 Humankapital
4.2.2 Soziales Konfliktpotential
4.2.3 Effekte auf die Umwelt
4.3 Folgen für die Nahrungsmittelsicherheit
4.4 Mangelnde Partizipation der lokalen Bevölkerung

5 Fazit, Ausblick und abschließende Beurteilung

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Im Laufe der letzten Jahre nahm das Ausmaß des sogenannten „Land Grabbing“ immer mehr zu. Durch die Vorteile der Investoren, besonders im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten, ist der Handel mit Landflächen zunehmend attraktiv geworden. Auch die Gastländer, die ihre landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung stellen, profitieren von diesem Handel.

Für Investoren bietet sich die Möglichkeit neue Märkte zu erschließen, bestehende zu sichern, günstiger Produkte zu fertigen und sich Zugang zu Ressourcen zu sicherstellen. Gastländer profitieren von dem eingebrachten Kapital, Verbesserungen in der Infrastruktur, teilweise selbstinduzierten Verbesserungen im Humankapital und vor allem vom Technologietransfer.

Diese Vorteile haben das weltweite Volumen von ausländischen Direktinvestitionen, wovon „Land Grabbing“ eine Sonderform ist, stetig seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts steigen lassen. „Land Grabbing“, der großflächige Landhandel, finden in jüngerer Zeit vermehr statt. Landflächen sind lohnende Investitionen, da sie durch den stetigen Ressourcenbedarf und bei guter Pflege auf lange Sicht nicht an Wert verlieren dürfte.

Positive Effekte auf das Gastland, das Land, das die Landfläche zur Verfügung stellt, sind dabei an Vorgaben gebunden, die, bei nicht einhalten, negative Folgen haben können. Technologische Lücken und Einkommensverteilungen im Gastland sollten in einem gewissen Rahmen liegen, damit die Vorteile maximal ausgeschöpft werden können.

Um diesen Rahmen einhalten zu können fehlt es an allgemeinen Regeln für Investoren und Gastländer. Viele Handelsabkommen beziehen die lokale Bevölkerung nicht mit ein, die direkt betroffen ist und bei großen Flächen auch enorme Probleme bekommt. Von schlechten Aussichten auf einen Arbeitsplatz, über die u.a. daraus resultierenden sozialen Konfliktpotentiale bis hin zu Umweltproblemen. Bei erhöhter Transparenz und internationalen Regeln würde der gesamtgesellschaftliche Gewinn vermutlich höher ausfallen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: ADI Zuflüsse 1980 - 2010 (in Mrd. US-$)

Abbildung 2: Gast- und Investitionsländer von ausländischen Direktinvestitionen zur Agrarproduktion, 2006-2009

Abbildung 3: Häufigkeitsverteilung von Projekten und Gesamtflächen nach Zielregion und Warengruppe

Abbildung 4: Veranschaulichung der Bevölkerungsdichte Chinas

Abbildung 5: Verteilung der Feuchtigkeitszonen in China

Abbildung 6: Veranschaulichung der Bevölkerungsdichte in Saudi-Arabien

Abbildung 7: Bevölkerungsdichte in Saudi-Arabien nach Regionen

Abbildung 8: Karte von Äthiopien

Abbildung 9: Jährliches BIP Wachstum von China, Saudi-Arabien und Äthiopien in Prozent (normalisiert auf den Wert des US-$ im Jahr 2000)

Abbildung 10: Motive der Direktinvestitionen

Abbildung 11: Ökologischer Fußabdruck pro Person in verschiedenen Regionen

Abbildung 12: Ökologischer Fußabdruck pro Person in verschiedenen Regionen

Abbildung 13: Weltbevölkerung von 1950 bis 2050 nach verschiedenen Prognosen und Varianten und Regionen

Abbildung 14: Bevölkerungsdichte auf der Welt in Einwohner/km²

Abbildung 15: Fleischkonsum pro Kopf und Jahr in verschiedenen Ländern

Abbildung 16: FAO Nahrungsmittelpreisindex von 1990 bis 2011

Abbildung 17: Zusammenfassung der Prinzipien zur Einhaltung von Menschenrechten im Zusammenhang mit großflächigem Landerwerb

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Inländische landwirtschaftliche Fläche pro Person in verschiedenen Weltregionen (ha/Person)

Tabelle 2: Flächenbedarf von Lebensmitteln in verschiedenen Ländern (2006, m²/kg bzw. ha/10 t Ertrag)

1 Einleitung

In der Einleitung wird auf die Beweggründe für diese Arbeit eingegangen. Dabei wird die Zielsetzung beleuchtet und die Vorgehensweise erläutert.

1.1 Problemstellung

Im Laufe der letzten Jahre nahm das sogenannte „Land Grabbing“ immer mehr zu. Durch die Vorteile der Investoren, besonders im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten, ist der Handel mit Landflächen zunehmend attraktiv geworden. Auch die Gastländer, die ihre landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung stellen, profitieren von diesem Handel.

Ein Handel mit Landflächen und demzufolge auch mit den dort erwirtschafteten Rohstoffen birgt dabei das Risiko, dass Ressourcen ungleichmäßig verteilt werden. Zudem ist „Land Grabbing“ nur eine spezielle Form von ausländischen Direktinvestitionen (ADI), die schwerer zu erfassen ist.

1.2 Zielsetzung

Im Laufe dieser Arbeit wird auf die Motive der Investoren und Gastländer ADI und speziell „Land Grabbing“ zu tätigen eingegangen. Durch die Analyse der Auswirkungen soll eine Bewertung von „Land Grabbing“ erfolgen.

1.3 Vorgehensweise

Im zweiten Kapitel werden ADI und „Land Grabbing“, welches im weiteren Verlauf der Arbeit als Landnahme bezeichnet wird, definiert, um die verschiedenen Ansätze in der Literatur zu erfassen und daraus einen vereinheitlichen für diese Arbeit zu schaffen. Darauf folgend wird die aktuelle Situation von ADI und Landnahme erklärt. Anschließend werden drei Länder näher vorgestellt, die beim weltweiten großflächigen Landhandel eine wichtige Rolle spielen. Viele der Beispiele in der Arbeit werden sich auf diese drei Länder beziehen. Um die Beweggründe, die im dritten Kapitel ausführlich behandelt werden, an konkreten Fällen nachvollziehen zu können, ist Hintergrundwissen über die beteiligten Länder hilfreich. Im Zwischenfazit erfolgt dann ein kurzes Resümee über die aktuelle Situation im Zusammenhang mit den durch die unterschiedlichen Definitionen auftretenden Problemen.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich, wie schon erwähnt, ausführlich mit den Beweggründen der Investoren und der Gastländer. Da die Investoren häufig von den Regierungen der Heimatländer beeinflusst sind, werden die Begriffe Geberland, Heimatland und Investoren synonym verwendet (vgl. Cotula et al., 2009).

Im vierten Kapitel werden die Auswirkungen für die Gastländer näher beleuchtet. Auf Vor- und Nachteile der Investoren wird stellenweise hingewiesen. Bei großflächigem Landhandel sind die Auswirkungen auf die Landgeber langfristig schwerwiegender als bei den Investoren, weshalb diese verstärkt betrachtet werden. Dabei wird ausführlich auf die wirtschaftlichen Effekte, speziell im Export und Import, aber auch durch den Technologietransfer eingegangen, da dies die Hauptmotive sind, wie sie im dritten Kapitel erläutert werden. Danach werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt behandelt. Speziell die Nahrungsmittelsicherheit, die mit beidem zusammenhängt, wird in einem eigenen Unterpunkt ausführlicher behandelt. Bevor das Fazit gezogen wird, wird auf die mangelnde Partizipation der Bevölkerung - der Hauptgrund für viele negative soziale Effekte - eingegangen.

Im letzten Kapitel erfolgt dann ein Fazit, indem die Fakten dargelegt und bewertet werden. Basierend auf bisherigen Trends erfolgt ein Ausblick und Bewertung der Landnahme an sich.

2 Gegenwärtige Situation von ausländischen Direktinvestitionen und Landnahme

Im folgenden Kapitel wird auf die aktuelle Situation im Bereich ausländischer Direktinvestitionen und Landnahme eingegangen. Um ein einheitliches Verständnis für ADI und Landnahme zu bekommen, werden diese Begriffe erst einmal definiert. Anschließend wird die aktuelle wirtschaftliche Lage der ADI erläutert um danach Länderbeispiele zu nennen, auf die sich die meisten empirischen Beispiele in dieser Arbeit beziehen.

2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen und Landnahme

Obwohl ADIs in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg an Bedeutung gewannen, ist es keine Erfindung der Neuzeit. In der Geschichte finden sich, nach heutigem Verständnis, viele Beispiele für ADI. Die Hanse bspw. wäre mit ihren Handelsvereinbarungen in verschiedenen Ländern an der Nord- und Ostsee ein multinationales Unternehmen, welches ausländische Direktinvestitionen tätigt (Färber, 2007).

Wenn eine Firma durch Investitionen Einfluss auf eine andere Firma im Ausland ausübt, versteht man darunter ausländische Direktinvestitionen (IMF, 2009). Dabei beabsichtigt die investierende Firma möglichst viel Einfluss auf eine möglichst lange Zeit zu erlangen. Ein Motiv ist dabei die Kontrolle über die Firma, speziell ihr Management. Die Investitionen enthalten beides, die direkten Transaktionen zwischen den beiden Firmen und die Transaktionen zu ausländischen Beteiligungsgesellschaften, sowohl integriert als auch nicht integriert in die Empfängerfirma (UNCTAD, 2004).

Nach der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (engl. Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) müssen ADI per Definition mindestens 10% am Aktienanteil bzw. Stimmrecht in der Firma erlangen, um die Investition nicht als Portfolioinvestition werten zu lassen. Bei Portfolioinvestitionen wird eine Beteiligung an den erwirtschafteten Gewinnen erlangt. Ein Motiv von ADI liegt hingegen darin, die Erzielung dieser Gewinne zu beeinflussen. Dieser Abgrenzungsvorschlag wird von den USA, Frankreich und Japan genutzt. Deutschland und Großbritannien verwenden als Grenze 20%, andere Länder wie die Beneluxstaaten entscheiden von Fall zu Fall (OECD, 1999; Plum, 1995). Dabei ist zu beachten, dass dieser Vorschlag der Abgrenzung von ADI und Portfolioinvestitionen dient. Beide Investitionsmöglichkeiten haben das Primärziel an den Gewinnen beteiligt zu werden. ADI wollen mit dem Ausmaß der Investition bei der Art und Weise der Erzielung der Gewinne mitbestimmen. Da aber ein Mindestmaß an Investitionen nötig ist um Kontrolle auf das Management ausüben zu können, ist eine Abgrenzung nötig. Um dieses Mindestmaß zu erreichen sind Unternehmensneugründungen („green field investments“) und Aufkauf bzw. Aufstockung von Firmenanteilen bevorzugte Mittel (Färber, 2007; OECD, 2002). Firmenneugründungen dienen meist dazu, den Zugang zu Ressourcen zu sichern und sind die vorherrschende Form von ADI in Entwicklungsländern (OECD, 2002; UNCTAD, 2011). In entwickelten Ländern sind Fusionen und Übernahmen („brownfield investments“) die häufigste Form von ADI (OECD, 1999).

Diese Investitionen können im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens (engl. Joint- venture) erfolgen. Durch eine Beteiligung an einer Unternehmensneugründung werden Ertrag, Risiko und Kontrolle geteilt, was den beteiligten Unternehmen dann Vor- und Nachteile verschafft. Zwar wird durch die Teilung von Kontrolle und Erträgen weniger Macht von einem einzelnen Unternehmen ausgeübt, jedoch wird dafür das Risiko zwischen den mindestens zwei Beteiligten aufgeteilt. Die Abgabe von Kontrolle widerspricht aber der Definition von ADI, wie sie im Folgenden noch erläutert wird. Aus diesem Grund werden Gemeinschaftsunternehmen nicht als ADI behandelt. Um alleinige Kontrolle zu erreichen gibt es diverse andere Mittel. Neben der Gründung von Tochterunternehmen, Zweigniederlassungen oder Betriebsstätten, welche direkt eine Mehrheit im Management verschaffen, zielt auch der Neuerwerb von Beteiligungen an bestehenden Unternehmen bzw. zusätzlicher Erwerb von Beteiligungen darauf ab. Die bisher genannten Investitionsmöglichkeiten sind direkte Formen der Einflussnahme auf andere Unternehmen. Indirektere Formen wären Übertragungen von Finanzierungsmitteln in Form von Sachanlagen, z.B. Patente und Lizenzen, Darlehen, Eigenkapital oder reinvestierten Gewinnen. Durch diese länderübergreifenden Investitionen entstehen multinationale Unternehmen, mit Vertriebs-, Service- und Produktionsstätten in mindestens zwei Ländern. Die so stattfindende Internalisierung ist eine weitere Eigenschaft der ADI (Plum, 1995; Pfaffermayr, 1996).

Bei Investitionen gibt es finanz- und leistungsorientierte Aspekte. Das Ziel der Erwirtschaftung von Kapital ist eine finanzorientierte Entscheidung. Für diese Arbeit ist die Einteilung von leistungsorientierten Komponenten bezogen auf die Produktion von materiellen und immateriellen Gütern. Unter immaterielle Güter fallen in diesem Sinne auch Produkte, die nicht direkt für den Markt produziert werden bzw. nicht absetzbar sind. Dies wären u.a. Vertriebsorganisationen, welche eine lohnenswerte Investition im Bereich der Landnahme sind (Plum, 1995). Viele der Produkte werden exportiert und dafür sind Vertrieb-, Lagerungs- und Logistikunternehmen notwendig.

Eine besondere Form von ADI ist die zuvor erwähnte Landnahme. Diese findet sich, ähnlich wie ADIs, seit mehreren Jahrhunderten in der Geschichte wieder. Bereits während der verschiedenen Kolonialisierungen wurden Ländereien erworben. Sofern die eigentlichen Besitzer in den fremden Ländern nicht gewaltsam vertrieben wurden, erhielten sie nur eine geringe Entlohnung für ihr Land. Aktuell kommt Landnahme als „Neokolonialismus“ in Verruf (Mabe, 2005). Hierbei erfolgt eine direkte Beherrschung der Länder über „Spielregeln des kapitalistischen Weltmarktes“. Um diese Herrschaft durchzusetzten wird auf militärische, politische, kulturelle, technologische, finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeiten zurückgegriffen (Klein, 2011).

Bei der Landnahme eignen sich ausländischen Investoren großflächig Land an. Dies erfolgt durch den Kauf oder das Pachten der Landfläche. Das Ziel ist eine landwirtschaftliche Nutzung der erworbenen Fläche (FIAN, 2010). Die erzeugten landwirtschaftlichen Produkte dienen zur Sicherung von Ressourcen für den Investor (Ingram et al., 2010).

2.2 Entwicklung von ADI und Landnahme weltweit

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden ADI zunehmend weltwirtschaftlich interessant. Durch die neuen Technologien und fortschrittlicheren Kommunikationsmöglichkeiten seit den 70ern des letzten Jahrhunderts, erfolgte eine stetige Zunahme des weltweiten ADI- Zuflussvolumens (Färber, 2007). Zwischen 1993 und 2010 vervielfachte sich das Volumen von 200 Mrd. US-$ auf 1.240 Mrd. US-$ (OECD, 2002; UNCTAD, 2011). Das bisherige Maximum war im Jahr 2007 mit 1.900 Mrd. US-$, dass voraussichtlich 2013 wieder erreicht wird. Dabei ist zu beachten, dass die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (engl. United Nations Conference on Trade and Development, UNCTAD) mit der 10% Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen arbeitet. Daten zu ADI aus bspw. Deutschland enthalten, wie schon angesprochen, vermutlich nur Investitionen über 20%. Auf diese mögliche Fehlerquelle wird im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen, sie sei nur erwähnt, da weitere Nachforschungen nötig wären, die im Verlauf dieser Arbeit nicht durchgeführt werden. Vom ADI-Volumen flossen 2010 erstmals knapp die Hälfte (574 Mrd. US-$) in Entwicklungs- und Transaktionsländer (vgl. Abbildung 1). Zusätzlich stieg der Anteil von weltweiten ADI-Abflüssen aus diesen Ländern mit 388 Mrd. US-$ auf 29% (UNCTAD, 2011). 2002 befanden sich noch 90% der Muttergesellschaften in OECD-Ländern (OECD, 2002). In Entwicklungsländern sind nach wie vor Neugründungen vorherrschend, auch wenn diese im Jahr 2010 abnahmen, und liegen bei ca. zwei Dritteln. Fusionen und Übernahmen verzeichneten einen Anstieg, nehmen dennoch im Vergleich zu Neugründungen nur ein Viertel aller Investitionen ein. China fällt bei dieser Betrachtung mit in den Bereich der Entwicklungs- und Transaktionsländer und erhielt 106 Milliarden US-$ von den weltweiten ADI-Zuflüssen. Dies entspricht rund 8,5%. Zudem erhielt es ungefähr ein Drittel aller in den asiatischen Raum geflossenen ADIs. Im Vergleich zu ganz Afrika erhält China fast das Doppelte an ADI-Zuflüssen (UNCTAD, 2011).

Abbildung 1: ADI Zuflüsse 1980 - 2010 (in Mrd. US-$)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNCTAD, 2011

Bei großflächigem Landerwerb zeigt sich, dass das häufigste Ziel Afrika ist, speziell die Region südlich der Sahara (Cotula et al, 2009). Mehr als die Hälfte der weltweit zur Bewirtschaftung zur Verfügung stehenden Fläche befindet sich in nur zehn Ländern. Sechs davon liegen auf dem afrikanischen Kontinent: der Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Mozambik, Madagaskar, Tschad und Sambia. Mehr als die Hälfte des Landes befindet sich mehr als sechs Stunden vom nächstgelegenen, größeren Marktplatz entfernt (Deininger und Byerlee, 2011). Daraus resultiert eine erhöhte Nachfrage nach einer guten Infrastruktur, da sonst eine effiziente Bewirtschaftung und ein optimaler Handel nicht möglich sind. Bisher sind in Entwicklungsländern über 80 Millionen ha Land über großflächigen Landerwerb in die Nutzung von entwickelten Ländern übergegangen (Borras et al., 2011).

Abbildung 2: Gast- und Investitionsländer von ausländischen Direktinvestitionen zur Agrarproduktion, 2006- 2009

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNCTAD, 2009

Nach einer Auswertung von Presseberichten durch DEININGER und BYERLEE (2011), wurden innerhalb eines Jahres (2008 - 2009) für 56 Millionen ha Land Interesse bekundet. Davon lagen zwei Drittel in Afrika, südlich der Sahara. Häufig sind Landflächen mit reichlich freien, nicht bewirtschaftetem Land und großem landwirtschaftlichem Potential begehrt. Dabei liegt der Median der Größe der Landflächen, die gehandelt werden, bei 40.000 ha. Dennoch sind nur auf 20% dieser Fläche bisher landwirtschaftliche Aktivitäten verzeichnet worden (Deininger und Byerlee, 2011). Somit liegt ein Großteil des Landes ungenutzt brach.

Wie in Abbildung 2 gezeigt, wird Landnahme weltweit betrieben. Verschiedene Länder wie z.B. China, erwerben Ländereien überall auf der Welt, u.a. Ländereien in Afrika oder Süd-Ost Asien. In Abbildung 3 wird anhand von Medienberichten gezeigt, wo und zu welchem Zweck Investitionen in welchem Umfang getätigt wurden.

Abbildung 3: Häufigkeitsverteilung von Projekten und Gesamtflächen nach Zielregion und Warengruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deininger und Byerlee, 2011

Klar zu erkennen ist, das Afrika ein begehrtes Ziel der Investoren ist, wenn vorausgesetzt wird, das die Medien keine Region bevorzugt beobachten. Neben den Landflächen, die für die Produktion von Nahrung genutzt werden, wurden auch die für Biokraftstoffe erfasst. In Abbildung 3 erkennt man den hohen Anteil von Biokraftstoffen an den Projekten in Afrika und Südamerika. Dies ist auf die Nahrungsmittelkrise von 2007/2008 zurückzuführen. Die Produktion von Biokraftstoffen ist ein direkter Landflächenkonkurrent zur Lebensmittelproduktion. Um mehr Landfläche zu erhalten, finden mehr Transaktionen über immer mehr Flächen statt. In den Jahren 2007-2008 wurden so 15-20 Millionen ha Land gehandelt (von Braun und Mainzen-Dick, 2009). Zum Beispiel erwarb China mittels einer staatseigenen Firma zwei Millionen ha in Sambia zur Jatrophaproduktion (Ingram et al., 2010).

Die Transaktionen erfolgen dabei nicht zwingend durch ausländische Investoren. Häufiger sind es Inländische, wie bspw. in Äthiopien. Dort wurden die meisten Landprojekte von inländischen Investoren initiiert. Nur 5,7% der 406 erfassten Projekte in den Jahren 2008- 2009 entfielen auf ausländische Investoren. Weniger als die Hälfte davon besaß eine Größe über 1000 ha. Dennoch machten die fünf größten Projekte die Hälfte der verpachteten Landfläche aus. Im Sudan ist die Situation ähnlich: von den 132 Projekten sind 32% von ausländischen Investoren finanziert. 92% davon stammen aus dem mittleren Osten. In beiden Fällen kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass bei inländischen Investoren Gelder aus dem Ausland mit involviert sind. Saudi-Arabien ist im Sudan der größte Investor mit 19 Projekten und einer Gesamtfläche von 376.000 ha. Dies entspricht knapp der Hälfte der Fläche, die allen ausländischen Investoren zur Verfügung gestellt wurde. Alles in allem sind die von den Medien berichteten Flächengrößen nicht die Regel beim großflächigem Landhandel (Deininger und Byerlee, 2011).

2.3 Ausgewählte Länderbeispiele

2.3.1 China

Einer der Hauptteilnehmer am Landnahmemarkt ist China. Mit einer Fläche von 9.596.961 km², davon 27.060 km² Wasser und 5.243.210 km² landwirtschaftlicher Nutzfläche (LN) (FAO, 2011). Chinas LN nimmt so zwar 55% der Gesamtfläche ein, doch durch das Himalaya-Gebirge ist die Landschaft Chinas sehr uneben. Ungefähr 65% von Chinas Fläche ist geprägt von Hügeln, Bergen und Hochplateaus (Chao, 1994). Somit ist ein Teil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche von Bodendegradation bedroht. Dies liegt nicht nur an der Hanglage in den Gebirgsregionen, sondern auch an Bodenerosion, Desertifikation, Versalzung und von Menschen herbeigeführte Prozesse, die den Boden in seinen Funktionen beeinträchtigen (Chao, 1994).

Abbildung 4: Veranschaulichung der Bevölkerungsdichte Chinas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Transasien, 2011

Die Größe des Landes bringt auch Zonen verschiedener Feuchtigkeitsstufen mit sich. Eine Einteilung dieser Zonen wurde von der chinesischen Wissenschaftsakademie in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Als Grundlage fungierte der Ariditätsindex. Dieser ist das Verhältnis von potentieller Evaporation und Niederschlag. Dabei reicht das Spektrum von ariden bis humiden Zonen. Die Zonen werden nach dem Wert des errechneten Indexes unterteilt. Bei einem Wert unter 1 handelt es sich um eine humide Zone mit Wald als vorherrschenden Vegetation. Der semi-humide Bereich befindet sich im Indexbereich 1 - 1,5. Dort sind Waldsteppen anzutreffen. Im Bereich 1,5 - 2 befindet sich die semi-aride Zone in der Steppen den Großteil der Fläche ausmachen. Die aride Zone unterteilt sich in die Bereiche 2 - 4, in der man trockene Steppen findet und Indexwerte über 4, welche als Wüsten gelten. Dabei ist die humide Zone mit einem Anteil von 32,2% am stärksten vertreten. Die nächst größere Fläche mit 30,8% ist arid und damit nur schwer landwirtschaftlich zu nutzen. Semi-aride Feuchtigkeit findet sich zu 21,7% in China und die restlichen 14,5% sind semi-humid (Chao, 1994). Anhand der Bevölkerungsdichte können Siedlungszentren ausgemacht werden. In diesen Regionen sind auch die landwirtschaftlichen Voraussetzungen am günstigsten. In Abbildung 4 erscheinen Gebiete mit einer hohen Bevölkerungsdichte aufgeblähter. Bei den Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte wurde die Fläche verringert. Die rosa Fläche ist die ursprüngliche Form Chinas und dient zur Orientierung (Transasien, 2011). Deutlich zu erkennen ist, dass die Regionen in der Nähe des Himalayas dünner besiedelt sind als die Landschaften in Küstennähe. Dort ist auch semi-arider bis arider Flüssigkeitshaushalt in der Landschaft vorherrschend. Die Gebiete mit höherer Bevölkerungsdichte haben einen semi-humiden bis humiden Wasserhaushalt und eine günstigere Landschaftsbeschaffenheit für Landwirtschaft (vgl. Abbildung 5).

Abbildung 5: Verteilung der Feuchtigkeitszonen in China.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Chao, 1994

Um bewaldete Gebiete nutzbar zu machen, werden vielerorts die Bäume gefällt, was teils schwerwiegende Folgen für die Umwelt hat, darunter Bodendegradation und Verminderung der biologischen Vielfalt. Nach Chao (1994) war die Fläche Chinas nach älteren Aufzeichnungen früher bis zu 40% von Wäldern bedeckt. Nachdem in den 90er Jahren die Waldfläche auf 16% zurückgegangen war, erholte sie sich bis 2009 wieder und liegt nun bei 21% (FAO, 2011) Die Vergrößerung von Waldflächen fällt vermutlich auf Investitionen in der Forstwirtschaft zurück. Problematisch könnte es sein, wenn diese Investitionen für Monokulturen genutzt wurden. Um dies beurteilen zu können bedarf es weiterer Studien, die nicht im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt werden.

Durch das rasante Wirtschaftswachstum ist China zur größten Volkswirtschaft der Welt geworden. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 11,2% in den letzten fünf Jahren und einem großen jährlichen Wachstum seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts (vgl. Abbildung 9), sind große ökonomische Veränderungen in China von statten gegangen. Durch die Öffnung der Wirtschaft zum Außenhandel hin ist das Wirtschaftssystem der Volksrepublik China als „sozialistische Marktwirtschaft“ zu bezeichnen (Fischer, 2006).

Das aktuelle Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei 10.084,8 Milliarden $ (Kaufkraftparität, Internationaler $) (Weltbank, 2010). Diese Summe entsteht durch einen hohen Beschäftigungsanteil von 71% (2008) und einer Arbeitslosigkeit von 5,4% in der Bevölkerung (2009) (CIA, 2011).

Durch das hohe Wachstum bedarf es vieler Ressourcen, die entweder aus dem eigenen Land oder durch Handel mit anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden sollten. China hatte schon in der Vergangenheit Problemen dadurch, da Rohstoffe, besonders für das Baugewerbe, nicht in ausreichender Menge vorhanden gewesen sind. Durch die Größe der chinesischen Wirtschaft und deren Ressourcenbedarf wurde der Weltmarktpreis dahingehend verteuert, das China und andere Länder Alternativen gesucht bzw. verstärkt genutzt haben. Eine dieser Alternativen ist die Ressourcensicherung mittels ADI und Landnahme (Fischer, 2006).

Heute ist China mit rund 1,378 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. Jährlich wächst Chinas Bevölkerung um 0,493%. Dies entspricht pro Jahr 6,5 Millionen Menschen, die China zusätzlich versorgen muss. Die aktuell potentiell nutzbare Ackerfläche pro Kopf liegt bei 0,38 ha. Die effektiv genutzte Fläche liegt dagegen bei 0,092 ha (FAO, 2011).

Als kommunistisches Land werden wirtschaftliche Entscheidungen von der regierenden Partei getroffen. Von der Weltbank wird China in Bezug auf die Regierungsführung im unteren Mittelfeld eingeordnet. Nur beim Mitspracherecht der Bevölkerung liegt China sehr weit unten (Weltbank, 2011a).

2.3.2 Saudi-Arabien

Ein weiterer globaler Akteur bei der Landnahme ist Saudi-Arabien, obwohl es über eine große Landfläche von 2.149.690 km² verfügt (CIA, 2011). Da diese überwiegend durch Wüsten gekennzeichnet ist, wird Landnahme durchgeführt. Nur wenige Lebensmittel lassen sich bei hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen mit ausreichend Erträgen anbauen. Zudem besitzt Saudi-Arabien keine Oberflächengewässer. Nur in kurzen Zeiträumen nach Starkregenereignissen bilden sich Seen und Flüsse. Von der Gesamtfläche sind 0,3% Ackerland, dazu noch 0,6% potentielles Ackerland und 0,04% Palmgärten. Die übrige Landfläche unterteilt sich zu jeweils einem Drittel in Sand- bzw. Fels- und Schotterwüste und in Weidegebiete der Nomaden. Im Landesinneren liegen die Temperaturen im sehr hohen Bereich mit Werten bis zu 46 °C. Die Jahresdurchschnittstemperatur von 25 °C unterliegt großen Schwankungen sowohl im Tagesverlauf als auch im Jahresverlauf mit bis zu 20 °C. Die Küstengebiete sind von solchen Schwankungen nicht betroffen, da das Meer und die hohe Luftfeuchtigkeit die Temperaturen konstant halten. Dadurch ist es an der Küste in den Sommermonaten durchgehend sehr heiß (Barth, 1998). Dies hat auch Auswirkungen auf die Siedlungsmentalität der 28.083.000 Saudi-Araber (FAO, 2011). Wie in den Abbildung 6 und Abbildung 7 ersichtlich, siedeln sich die Menschen an wenigen Gebieten, vorwiegend Bahrein und Qatar, sehr konzentriert an.

Abbildung 6: Veranschaulichung der Bevölkerungsdichte in Saudi-Arabien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Transasien, 2011

Abbildung 7: Bevölkerungsdichte in Saudi-Arabien nach Regionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Barth, 1998

Die hohen Temperaturen zwingen die Landwirte zur Bewässerungswirtschaft, die mangels Oberflächengewässer und regelmäßigen Niederschlägen auf Grundwasservorkommen angewiesen ist. Dies zehrt die fossilen Lagerstätten stark aus. Die Grundwasserneubildung ist nur gering. Die Niederschläge treten monsunartig auf, wodurch der Boden überschwemmt wird. Die geringe Vegetationsdichte stellt für das plötzlich auftretende große Wasservolumen keinen Widerstand dar. Die Regierung versucht, den Wasserbedarf der Bevölkerung und der Industrie durch Meerwasserentsalzungsanlagen zu decken. Dafür investiert die saudische Regierung in den nächsten Jahren zunehmend in entsprechende Anlagen.

Die saudi-arabische Wirtschaft ist stark vom Erdöl abhängig. Saudi-Arabien ist der weltweit größte Exporteur von Erdöl. Es macht 90% des Exporteinkommens und 45% des BIP (622 Milliarden US-$) aus. Da das Erdöl aber auf lange Sicht nicht das Alleinbeschäftigungsfeld aller Saudi-Araber sein kann, investiert die Regierung in Bildung, um die heimische Bevölkerung für den Dienstleistungssektor zu schulen. Weiterhin soll die Arbeitslosigkeit von 10,3% speziell unter der heimischen Bevölkerung gesenkt werden. Viele Wanderarbeiter verdrängen die saudi-arabische Bevölkerung vom Arbeitsmarkt und tragen so zur Arbeitslosigkeit der Saudi-Araber bei. Dafür wird auch in die soziale Entwicklung des Staates investiert. In den Jahren 2010 bis 2014 sollen 340 Millionen $ in soziale und infrastrukturelle Entwicklungen investiert werden (CIA, 2011). Da im Zuge dieses Reichtums viele Nahrungsmittel importiert werden konnten, hat sich schon Ende der 70er Jahre das Ernährungsverhalten der Saudi-Araber verändert. Bei einem damaligen Bevölkerungswachstum von 3,5% hat sich der Fleischkonsum um 51% erhöht, der von Gemüse um 15,7% und der von Getreide um 18,4% (Barth, 1998). Der gesteigerte Konsum schlägt sich in den Importkosten nieder und veranlasst die Regierung zur Suche nach Alternativen. Da der eigene Bedarf nicht gedeckt werden kann ist das Land abhängig von Importen. Diese Abhängigkeit ist von keiner Regierung gewünscht und in Anbetracht der sinkenden Erdölförderung auch eine gefährliche Schwäche. Die Sicherung von Ressourcen im Ausland ist deshalb ein Weg dieser Gefahr zu begegnen.

Wie der Bevölkerung in China so wird auch der in Saudi-Arabien nur wenig Mitspracherecht seitens der Regierung eingeräumt. Dies liegt an der absoluten Monarchie, in der der König die alleinige Macht innehat und die Regierung an sich nur aus Beratern besteht. In weiteren Bereichen der Regierungsführung, wie Korruption, Rechtstaatlichkeit usw., rangiert SaudiArabien im Mittelfeld (Weltbank, 2011a).

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Details

Seiten
61
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656103882
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187077
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Agrarpolitik und Marktforschung
Note
2,0
Schlagworte
Land Grabbing China Äthiopien Saudi-Arabien

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Titel: Analyse und Bewertung des "Land Grabbing"