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Georges Seurats "Cirque" im Vergleich mit Ernst Ludwig Kirchners "Die Zirkusreiterin"

von Manuela C. Müller (Autor) Elena Gabler (Autor) Ariane Leo (Autor)

Wissenschaftlicher Aufsatz 2012 31 Seiten

Kunst - Bildende Kunst allgemein, Stilkunde

Leseprobe

Gliederung

A) Georges Seurat - Cirque
1. Erster Eindruck
2. Beschreibung des Werkes
3. Bildanalyse
3. 1 Skizzen
3. 1. 1 Blankoskizze
3. 1. 2 Komposition
3. 1. 3 Bildaufteilung
3. 1. 4 Blickverlauf
3. 1. 5 Farbaufteilung
3. 2 Schriftliche Analyse
3. 2. 1 Komposition
3. 2. 2 Farbgebung
3. 2. 3 Körperhaftigkeit
3. 2. 4 Räumlichkeit
3. 2. 5 Materialverwendung
4. Interpretation

B) Ernst Ludwig Kirchner - Die Zirkusreiterin
1. Erster Eindruck
2. Beschreibung des Werkes
3. Bildanalyse
3. 1 Skizzen
3. 1. 1 Blankoskizze
3. 1. 2 Komposition
3. 1. 3 Bildaufteilung
3. 1. 4 Blickverlauf
3. 1. 5 Farbaufteilung
3. 2 Schriftliche Analyse
3. 2. 1 Komposition
3. 2. 2 Farbgebung
3. 2. 3 Körperhaftigkeit
3. 2. 4 Räumlichkeit
3. 2. 5 Materialverwendung
4. Interpretation

C) Vergleich beider Werke

A) Georges Seurat - Cirque

Um den Überblick zu wahren und die Gedankengänge innerhalb der Gliederungspunkte möglichst kohärent zu halten, wird im Folgenden zunächst nur Georges Seurats "Cirque" untersucht und analysiert, bevor in einem weiteren Punkt auf Ernst Ludwig Kirchners "Die Zirkusreiterin" und letztlich auf den Vergleich beider Werke eingegangen wird.

1. Erster Eindruck

Georges Seurats Ölgemälde „Cirque“ zeigt, wie schon der Titel verdeutlicht, eine Szene aus einer Zirkusvorstellung. Dargestellt wird der Ausschnitt einer runden Manege, in der eine Artistin auf dem Rücken eines galoppierenden weißen Pferdes balanciert. Dabei hat man als Betrachter vielmehr den Eindruck, sie würde fliegen, als mit dem linken Fuß Bodenhaltung auf dem laufenden Tier zu finden; dieser Eindruck wird zusätzlich verstärkt, indem ihr Körper entgegengesetzt der Laufrichtung nach rechts zu kippen scheint. Auch der turnende Artist rechts im Hintergrund wirkt in irrealer Pose über dem Boden zu schweben.

Die Szene, auch die sich im Hintergrund befindlichen übereinander angeordneten Publikumsreihen, ist in warmen und vorherrschend gelblichen Farbtönen gehalten. Im Vordergrund ist mittig die Rückenansicht des Schulter- und Kopfbereiches eines Clowns zu sehen, dessen Gesicht beinahe fratzenartig wirkt. Insgesamt erzeugt das Bild somit einen wundersamen und fast grotesken Anschein.

2. Beschreibung des Werkes

Die realistisch dargestellte Szene erzielt vor allem durch die markante Farbigkeit und den Eindruck des augenblicklichen Geschehens - die Artistinnen scheinen im nächsten Moment gen Boden zu fallen -ihre eigentümliche Wirkung. Mit Blick auf das Entstehungsjahr 1890/1891 lässt sich das Gemälde „Cirque“ von Seurat, der als ein Hauptvertreter des Pointillismus gilt, jener Epoche des Nach-Impressionismus zuordnen. Deutlich auszumachen ist die entsprechend charakteristische Malweise mittels „Punktraster“: Die Ölfarbe ist in Tupfen auf die mit den Maßen 152 x 185cm hochformatige Leinwand angebracht. Nicht zuletzt ist der thematische Aspekt der Freizeitgestaltung ein für diese kunstgeschichtliche Epoche typisches Motiv.

Dabei wird der Blick des Betrachters wie die Manege kreisförmig gegen den Uhrzeigersinn und somit analog der Laufrichtung des Pferdes durch das Bild geführt. Der Mann im Vordergrund, der mit seinem wilden roten Haar, dem roten kragenbesetzten Hemd und dem blassen Gesicht als Clown erkennbar ist, hat seinen Kopf deutlich nach rechts gewandt. Lediglich die Hinteransicht seiner Kopf- und Schulterpartie ist ersichtlich. In der rechten Hand hält er das Ende eines ausschnitthaft angedeuteten Vorhangs, der den linken Fuß des am äußersten rechten Bildrand stehenden Mannes verdeckt, welcher im Hintergrund dargestellt ist. Während der Clown diesem seinen Kopf zuwendet und etwas in seine Richtung zu rufen scheint, blickt der Mann mit der Peitsche zu dem galoppierenden Schimmel im linken Bildbereich. Die darauf balancierende Artistin zeigt sich in einer ballettartigen Körperstellung; die Arme und den Kopf hebt sie anmutig empor, was den Anschein des Schwebens verstärkt. Das satte Gelb ihres Kleides wird in dem Anzug des turnenden Mannes rechts von ihr aufgegriffen. Er befindet sich etwas weiter im Hintergrund, in verrenkter Position kopfüber. Auffällig ist, dass er mit seinem roten Haar und dem blassen Gesicht dem Clown im Vordergrund stark ähnelt. Dieselbe an der Stirnseite spitz zulaufende Frisur zeigt auch der rothaarige Bursche, der links von den Artisten hinter dem Mann mit der Peitsche steht. Im Gegensatz dazu sind die Zuschauer in den Publikumsreihen relativ dezent gestaltet. Dennoch hat der Künstler offenbar viel Sorgfalt darauf verwandt, sie detailreich und individuell zu verkörpern. Während eine Reihe von Männern in uniformen Anzügen, die der Kleidung des Dompteurs in der Manege ähnlich sind, rechts vor dem ausschnitthaft dargestellten rechteckigen Eingang sitzen, ist das Publikum im restlichen Hintergrundbereich stärker heterogen: darunter auch Frauen und Kinder; beide werden in vornehmlich gelben und orangen Kleidern dargestellt. Die Männer tragen braune, jedoch nicht einheitliche Anzüge und teilweise Hüte. Die Gesichtsausdrücke und Blickrichtungen der Menschen im Publikum sind verschieden; während sich zwei Herren in der obersten Sitzreihe miteinander zu unterhalten scheinen, sehen andere Besucher der Zirkusvorstellung gebannt oder erfreut zu. Ganz oben im eher linken Bildbereich sind über den Publikumsreihen weitere Menschen dargestellt, die, sich auf der Brüstung abstützend, das Treiben in der Manege verfolgen. Rechts dagegen, von den Publikumsreihen durch eine Treppe abgetrennt, befinden sich zwei Musiker über dem Eingang, die in ihr Spiel vertieft sind. Schemenhaft erkennbar ist auch eine Figur im obersten Bereich auf der Treppe.

Nicht nur durch die realitätsferne, leuchtende Farbgebung, sondern auch durch die Gestaltungsweise erweckt das Bild einen grotesken Eindruck. Die Figuren sind nicht naturalistisch dargestellt und wirken, wie der Clown im Vordergrund, flächig und beinahe karikativ. Auch die Gebärden der Zirkusleute in der Manege wirken übertrieben dargestellt. Der Anblick des Artisten im gelben Anzug weckt die Assoziation an eine biegbare Gummipuppe. Ebenso wie die Reiterin scheint er außerhalb der Schwerkraft im Raum zu schweben. Der bewegungsreich und dynamisch dargestellte Bildinhalt wirkt nicht nur durch seinen Detailreichtum recht komplex.

3. Bildanalyse

Die Bildanalyse versteht sich als eine Kombination theoretischer Analyseabschnitte, deren Erkenntnisse auf zuvor angefertigte und in zusätzlichen Arbeitsblättern beigefügten Skizzen beruhen. Dementsprechend finden sich folgend zunächst eine Übersicht der eingereichten Praxisstudien bevor im Anschluss die schriftliche Analyse erfolgt.

3. 1 Skizzen

Für dieses Bild fiel die Entscheidung auf eine Anfertigung von fünf Skizzen. Diese umfassen eine Übersetzung des Gemäldes in eine vereinfachte, auf Umrisslinien reduzierte Zeichnung, eine Kompositionsskizze mit Darstellung des Bildzentrums, der Skizzen zur Bildaufteilung sowie dem Blickverlauf folgen und letztlich eine Verdeutlichung der Farbaufteilung von Gelb- und Rottönen im Bild. Ausgehend von diesen fünf Hauptaugenmerken kann nun die ausführliche schriftliche Analyse des Bildes erfolgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung A) 3.1.1 Blankoskizze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung A) 3.1.2 Kompositionsskizze mit eingezeichnetem Zentrum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung A) 3.1.3 Bildaufteilungsskizze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung A) 3.1.4 Blickverlaufsskizze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung A) 3.1.5 Farbaufteilungsskizze Gelb

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Details

Seiten
31
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656103868
ISBN (Buch)
9783656104131
Dateigröße
12.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187099
Note
Schlagworte
Georges Seurat Seurat Kirchner Cirque Zirkus Zirkusreiterin Ernst Ludwig Kirchner Bildvergleich Werkanalyse Bildanalyse Examen Staatsexamen Prüfungsvorbereitung

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Titel: Georges Seurats "Cirque" im Vergleich mit Ernst Ludwig Kirchners "Die Zirkusreiterin"