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Offener Unterricht, Werkstattunterricht und eine selbst erstellte Werkstatt als Reflexionsgegenstand

Seminararbeit 2011 19 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitende Worte
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Vorausblick

2 Werkstattunterricht als Grundform Offenen Unterrichts
2.1 Offener Unterricht
2.1.1 Ein kurzer Ausflug in die Geschichte
2.1.2 Qualitätskriterien und Ziele
2.2 Werkstattunterricht
2.2.1 Die Anfänge des Werkstattunterrichts
2.2.2 Vergleichsmöglichkeit, Voraussetzungen und Zielsetzungen
2.2.3 Ein Definitionsversuch
2.3 Offener Unterricht und Werkstattunterricht

3 Reflexion
3.1 Beschreibung der Situation und grundlegende Informationen
3.2 Analyse der Situation
3.2.1 Was mir gut gelang
3.2.2 Was mir nicht so gut gelang
3.2.3 Was ich in der Klasse anders machen würde
3.3 Eigene Erwartungen, Anregungen und Kritik

4 Schlussgedanke: Werkstattunterricht im Pro und Contra
4.1 Die Vorteile
4.2 Die Nachteile

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitende Worte

Seit geraumer Zeit spielt Offener Unterricht und der eng damit verbundene Werkstatt-Unterricht eine entscheidende Rolle im Unterricht. Wurde damals noch auf den eher lehrerzentrierten Frontalunterricht geschworen, sind sich Kritiker und Schulämter einig, dass Offener Unterricht immer mehr in den Vordergrund rücken sollte um Schülerkompetenzen aufzubauen. Durch das Angebot, selbstständig als leitende Lehrkraft in einem Werkstatt-Unterricht tätig zu sein, dieses vorher zu planen und letztendlich zu rekapitulieren wurde eine gute Grundlage geschaffen um die im nächsten Abschnitt formulierte Leitfrage zu beantworten.

1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit

In dieser Arbeit wird es darum gehen, den Werkstattunterricht in den Offenen Unterricht einzuordnen und beide Begriffe zu erläutern. Eine Auflistung von Zielen wird ebenso Gegenstand sein wie einige Bemerkungen über Anfänge dieser Unterrichtsformen und Definitionsversuche führender Experten. Als Fachliteratur wird Werner Wiaters Buch: „Werkstattunterricht: Theorie – Praxis – Evaluation“ verwendet, da dieses das zentrale Thema mit kurzen und wohl formulierten Textpassagen eindrucksvoll darstellt. Ziel der Arbeit wird es sein, durch eigene erste Erfahrungen zu entscheiden, ob Werkstattunterricht ein wesentlicher Teil meines Berufes wird. Dies wird unter Berücksichtigung der in der Fachliteratur genannten Vor- und Nachteile, Hauptaugenmerk der Ausführungen sein.

1.2 Vorausblick

Werkstattunterricht ist eine Grundform Offenen Unterrichts, was Offener Unterricht ist, was er in den Anfängen war und welche Qualitätskriterien und Ziele er verfolgt, wird Bestandteil der ersten Kapitel dieser Arbeit sein. Überleitend wird darüber berichtet, woraus sich Werkstattunterricht entwickelte, welche Voraussetzungen, Vergleichsmöglichkeiten und Ziele in diese Unterrichtsform eingeschlossen sind und wie Experten wie Werner Wiater versuchen diesen zu definieren. Abschließend werden meine eigenen Erfahrungen als leitende Lehrkraft reflektiert, einige wesentliche Vor- und Nachteile aufgeführt und die Entscheidung darüber getroffen, ob Werkstattunterricht die Voraussetzungen bietet um zu einem wesentlichen Bestandteil meines Berufes zu werden.

2 Werkstattunterricht als Grundform Offenen Unterrichts

In den letzten eineinhalb Jahren ist der „offene Unterricht“ immer mehr zum zentralen Thema der Schulpädagogik geworden. Immer häufiger wird in diesem Zusammenhang auch von „Werkstattunterricht“ gesprochen, von Lernwerkstätten und von Werkstattlernen. Geht man dem Zusammenhang beider Begriffe nach, so ergibt sich nicht nur deren gemeinsamer zeitlicher Ursprung, sondern auch deren inhaltliche Relation.

2.1 Offener Unterricht

Laut Wiater ist Offener Unterricht ein „Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze pädagogischer, methodischer, inhaltlicher und organisatorischer Öffnung von Unterricht“ (Wiater 2002:7). Laut ihm liegt dieser gegenüber dem lehrerdominierten Unterricht ein verändertes Bild vom Schüler, von der Aufgabe der Schule und vom Lernen zugrunde. Ein wesentlicher Punkt, welcher in diese Definition impliziert ist meint, dass Offener Unterricht einerseits das Klassenzimmer und das Schulgebäude verlässt, um Kontakt zu außerschulischen Lernorten, kulturellen, pädagogischen und sozialen Institutionen vor Ort herzustellen, und andererseits den Schulmorgen neu gestaltet, um der Rhythmisierung mehr Rechnung zu tragen, und drittens das Klassenzimmer durch Lernecken, Experimentierecken und Ecken für praktisch-handwerkliches Tun umgestaltet (vgl. Wiater 2008:7). Außerdem spricht Wiater davon, dass gegenwarts- und zukunftsbezogene Probleme und Themen sowie Fragen und Interessen ebenfalls hier Platz finden; dass offener Unterricht viel mit dem Verhältnis und Umgang von Lehrern und Schülern zu tun hat und dass offener Unterricht die Lehrerrolle neu akzentuiert, weg vom dominanten Wissensvermittler und Einzelkämpfer, hin zum Lernbegleiter und Experten, der die Lernprozesse der Schüler initiiert, begleitet, wenn nötig steuert, unterstützt und (durch Bereitstellen von Materialien) arrangiert.

Dies sind nur einige zu nennende, wesentliche Merkmale von offenem Unterricht. Eine Aufzählung aller von Wiater aufgeführter Merkmale würde sicherlich den Rahmen dieser Arbeit sprengen, daher wird sich im Folgenden darauf beschränkt, die wichtige Frage zu beantworten, warum Offener Unterricht ein Teil des Unterrichts wurde, einige Qualitätskriterien Offenen Unterrichts zu nennen und daraus schlussfolgernd dessen Ziele aufzuführen.

2.1.1 Ein kurzer Ausflug in die Geschichte

In den Anfängen war Offener Unterricht ein Gegenbegriff zu „geschlossenem“ Unterricht im Sinne der „geschlossenen Curricula“ der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts und des damaligen Frontalunterrichts. Von Anfang an stellte diese Unterrichtsform den Zusammenhang zu den schülerorientierten Bestrebungen der Reformpädagogischen Bewegung (1880/90-1933; Montessori, Freinet, Parkhurst, Petersen) her und orientierte sich an der amerikanischen Bewegung „open education“ und dem englischen Konzept „informal education“ (vgl. Wiater 2002:8). Das Aufkommen solcher Ideen erklärt sich größtenteils aus einer tief sitzenden Unzufriedenheit mit dem schulischen Lernen.

Sie gipfelt in den Vorwürfen, die Schule ersticke alle Lernfreude der Schüler durch Stofffülle und Abfragewissen ohne Lebensnähe und lebenspraktischen Bezug, sie kenne nur Lernen auf Vorrat[…]Ferner sei der Unterricht in dieser Schule verkopft und missachte sowohl die Emotionalität der Schüler als auch das praktische Tun beim Lernen (Wiater 2002:8).

Aus solcher Kritik entwickelte sich letztendlich das neue Konzept des Offenen Unterrichts, in dem Unterricht, Erziehung und Lernen untrennbar verbunden sind, für den Handlungsfähigkeit und Mündigkeit die entscheidenden Ziele sind und der die Selbst- und Mitwirkung des Schülers beim Lernen von nun an in den Mittelpunkt stellt (vgl. Wiater 2002:9).

2.1.2 Qualitätskriterien und Ziele

Insgesamt formulierte W. Wallrabenstein 10 Qualitätskriterien Offenen Unterrichts. Da diese Qualitätskriterien auch in meiner Tätigkeit als Lehrkraft einer Werkstatt eine wichtige Rolle spielten, werde ich nur einige dieser 10 Kriterien im Folgenden aufführen und näher erläutern.

Das erste wichtige Qualitätskriterium ist es, dem Schüler Freiräume zum vertiefenden, spielerischen, selbstständigen entdeckenden Lernen zu geben. Der Schüler soll also, im Vergleich zum Frontalunterricht, sein „eigener Herr“ sein, selbstständig entscheiden wie er Lernen will und Spaß am Lernen entwickeln. „Umgangsformen mit klaren Regeln und emotionaler Akzeptanz“. Dies ist das zweite wichtige Qualitätskriterium, welches Wallrabenstein aufführt. Dabei geht es darum, den Schülern zu vermitteln, dass auch in dieser Art des Unterrichts gewisse Regeln herrschen, sie beispielsweise ihren Arbeitsplatz sauber verlassen sollen, in angemessener Lautstärke zu reden haben und mit Materialien sorgfältig umgehen sollen. Zwei weitere entscheidende Kriterien sind „Förderorientierte Lernberatung durch den Lehrer“ und „Erfahrungslernen durch direkte Begegnung mit der Umwelt“. Laut diesen, soll also der Lehrer als beratendes und unterstützendes Organ bereitstehen, Differenzen im Können einzelner Schüler ausmachen und gekonnt darauf reagieren. Außerdem sollen die Schüler direkt mit ihrer Umwelt konfrontiert werden, also anhand alltäglicher Probleme, Vorkommnisse und Erfahrungen eigene Denkweisen entwickeln und daraus lernen. Entsprechend dieser Kriterien ergeben sich als Ziele Offenen Unterrichts:

1. Die Schüler sollen Lernaufgaben nach Interesse, Neigung und Lern-/Leistungsstand selbst auswählen, sich selbst Ziele setzen, ihre Zeit einteilen, passende Arbeitsmittel auswählen, geeignete Arbeitsplätze finden, Arbeitsanweisungen verstehen und ausführen, sich selbst Informationen beschaffen, Informationen auswerten usw.
2. Die Schüler sollen sich mit anderen Schülern absprechen, gemeinsam Regeln aufstellen und einhalten, tolerant sein, Rücksicht nehmen, eigene Grenzen erkennen, Partner suchen, für andere offen werden usw.
3. Die Schüler sollen den eigenen Lernfortschritt selbst feststellen, Erfolge sehen, etwas ausprobieren und Fehler machen können usw.
4. Die Schüler sollen Gehör, Geruch, Sehen, Schmecken, Fühlen, Riechen, Greifen, Anfassen, Umgehen mit Dingen als Möglichkeiten des Lernens erfahren.

Längst sind dies nicht alle Ziele Offenen Unterrichts, doch weitere Ziele aufzuführen würde sicherlich den Rahmen der Arbeit sprengen und nicht dazu beitragen das eigentliche Thema im Blick zu behalten.

Natürlich ist die Realisierung des Offenen Unterrichts an bestimmte Bedingungen und Voraussetzungen gebunden. Stundenplan, Größe der Klassenzimmer, Arbeitstechniken, Lernstrategien, Entscheidungsfähigkeiten und Arbeitsverhaltensweisen der Schüler spielen ebenso eine Rolle wie die Bereitschaft und Fähigkeit des Lehrers, sich auf die neue Rolle und die Anforderungen der geänderten Lehrer-Schüler-Interaktionen einzulassen, wie auch deren Engagement bei der zeitaufwändigen und teilweise kostenintensiven Vorplanung und Herstellung von Lernmaterialien, wie sie im Offenen Unterricht zum Einsatz kommen (vgl. Wiater 2008:10).

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656103332
ISBN (Buch)
9783656103028
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187144
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
offener unterricht werkstattunterricht werkstatt reflexionsgegenstand

Autor

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Titel: Offener Unterricht, Werkstattunterricht und eine selbst erstellte Werkstatt als Reflexionsgegenstand