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Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Hausarbeit 2008 27 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Inventur
2.1 Inventurarten
2.2 Grundsätze ordnungsmäßiger Inventur
2.2.1 Materielle Grundsätze
2.2.2 Formelle Grundsätze

3. Bilanz

4. Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
4.1 Allgemeine Vorschriften der GoB
4.1.1 Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit
4.1.2 Aufstellungsfristen
4.1.3 Grundsatz der Bilanzwahrheit
4.2 Ansatzvorschriften der GoB
4.2.1 Grundsatz der Vollständigkeit
4.2.2 Grundsatz des Verrechnungsverbots
4.2.3 Grundsatz der Darstellungsstetigkeit
4.2.4 Grundsatz der Periodenabgrenzung
4.3 Bewertungsvorschriften der GoB
4.3.1 Going Concern Grundsatz
4.3.2 Grundsatz der Bilanzidentität
4.3.3 Grundsatz der Einzelbewertung
4.3.4 Grundsatz der Stichtagsbezogenheit
4.3.5 Grundsatz der Vorsicht
4.3.6 Grundsatz der Bewertungsstetigkeit
4.4 BilMoG

5. Vergleich mit IAS/IFRS

6. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Nach deutschem Handelsrecht müssen Kaufleute jährlich die, den tatsächlichen Umständen entsprechende Lage ihres Unternehmens darstellen. Der Jahresabschluss erfüllt insbesondere eine Informationsfunktion gegenüber externen Adressaten, wie beispielsweise Investoren und Gläubigern.

Um eine Vergleichbarkeit zwischen den jährlichen Abschlüssen eines Unternehmens sowie mehrerer Betriebe untereinander zu schaffen, gibt es in Deutschland verschiedene Regeln über Form und Inhalt des Jahresabschlusses. Diese Normen werden als „Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung“ (GoB) zusammengefasst. Die GoB umfassen nicht nur die Buchführung im engeren Sinne, sondern auch die Inventur und Bilanzierung.

Im Folgenden werden diese unterschiedlichen Grundsätze inhaltlich erläutert. Dabei wird zuerst auf die Inventurvorschriften eingegangen, welche die Grundlage für die Buchführung darstellen. Darauffolgend werden die Grundsätze der Buchführung sowie Bilanzierung zusammenhängend erläutert, dabei orientieren sich diese Ausführungen an der Reihenfolge des Handelsgesetzbuchs.

Abschließend wird untersucht, inwiefern sich diese grundlegenden Normen in der internationalen Rechnungslegung wiederfinden.

2. Inventur

Jeder Kaufmann ist laut § 240 HGB verpflichtet zu Beginn seines Handelsgewerbes, sowie am Ende eines jeden Geschäftsjahres ein Inventar zu erstellen. Dieses Inventar ergibt sich aus der Inventur. Die Inventur beschreibt alle Inventurhandlungen, bestehend aus der Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände im kaufmännischen Bereich, durch messen, zählen, wiegen oder ähnlicher Techniken, die der Bestandsaufnahme dienen.1

In diesem Inventar hat der Kaufmann laut § 240 Abs. 1 HGB „seine Grundstücke, seine Forderungen und Schulden, den Betrag seines baren Geldes sowie seine sonstigen Vermögensgegenstände genau zu verzeichnen.“2 Des Weiteren ist der Wert der jeweiligen Vermögenswerte und Schulden einzeln anzuführen. Das Inventar gibt zur Überprüfbarkeit für jeden Vermögenswert und alle Schulden die Menge, die Bezeichnung und den Wert pro Einheit aber auch deren Gesamtwert an.3

Damit ist das Inventar „ein vollständiges und detailliertes, mengen- wie wertmäßiges Verzeichnis aller Vermögensgegenstände und aller Schulden der Unternehmung“4, welches üblicherweise in Staffelform darzustellen ist.5

2.1 Inventurarten

Bezüglich des Zeitpunktes der Durchführung kann die Inventur in vier verschiedene Arten unterschieden werden. Die erste Inventurart wird als Stichtagsinventur bezeichnet. Bei diesem Verfahren wird das Inventar zum Bilanzstichtag, das heißt am letzten Tag des Geschäftsjahres aufgenommen. Da diese Methode sehr umfangreich ist und bei großen Unternehmen eine Unterbrechung des Geschäftsablaufes zur Folge hat, erlaubt die folgenden Inventurvereinfachungsverfahren.6

Bei der ausgeweiteten Inventur muss der Kaufmann das Inventar nicht genau zum Bilanzstichtag aufnehmen sondern kann diese Bestandsaufnahme zehn Tage vorverlegen beziehungsweise zehn Tage nachverlegen. Hierbei ist lediglich zu beachten, dass Veränderungen in diesem Zeitraum durch geeignete Aufzeichnungen zu erfassen sind.

Die vor- beziehungsweise nachverlegte Stichtagsinventur, gemäß § 241 Abs. 3 Nr. 1 und 2 HGB beschreibt die Erfassung aller Bestände bis zu drei Monaten vor oder zwei Monaten nach dem eigentlichen Bilanzstichtag. Durch adäquate Fortschreibungen oder Rückrechnungen kann der Bestand zum Ende des zukünftigen oder vergangenen Bilanzstichtages ordnungsmäßig bestimmt werden.7

Die permanente Inventur, gemäß § 241 Abs. 2 HGB beschreibt die buchmäßige Bestandsaufnahme zum Bilanzstichtag. Die körperliche Bestandsaufnahme der Vermögenswerte und Schulden kann der Kaufmann nach Ermessen über das Geschäftsjahr verteilen. Hierbei verlangt das Gesetz lediglich in § 241 Abs. 2 HGB, dass der Bestand auch ohne körperliche Bestandsaufnahme zum Bilanzstichtag ermittelt werden kann.8

2.2 Grunds ä tze ordnungsm äß iger Inventur

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Inventur beschreiben grundlegende Regeln für die Durchführung einer Inventur. Hierbei wird in materielle sowie formelle Grundsätze unterschieden, welche wie in der folgenden Abbildung gezeigt, weitere Untergrundsätze beinhalten.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Buchner, R., (2005): „Buchführung und Jahresabschluss“, 7. Auflage, Verlag Vahlen, München, S. 55

Abbildung 1: Buchführung und Jahresabschluss

2.2.1 Materielle Grunds ä tze

1) Grundsatz der Vollständigkeit

Gemäß § 240 Abs. 1 HGB hat jeder Kaufmann seine Vermögensgegenstände sowie seine Schulden einzeln und genau zu verzeichnen. Die Vollständigkeit beschreibt die körperliche Erfassung eines jeden Vermögensgegenstandes nach Art, Menge und Wert. Laut § 241 HGB gibt es jedoch Vereinfachungsverfahren in Bezug auf die Vollständigkeit.

Gemäß § 241 Abs. 1 Satz 1 HGB darf ein Kaufmann sein Inventar auch mit Hilfe anerkannter mathematisch-statistischer Verfahren auf Basis von Stichproben ermitteln. Dieses Verfahren muss gemäß § 241 Abs. 1 Satz 2 HGB den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechen. Es muss außerdem gemäß § 241 Abs. 1 Satz 3 HGB beachtet werden, dass der Aussagewert eines auf Stichproben basierenden Inventars dem einer körperlichen Bestandsaufnahme gleichkommt.

Die Stichprobenerhebung ist eine Modifikation des Vollständigkeitsbegriffs. Hierbei müssen sämtliche aufnahmepflichtigen Elemente in der Grundgesamtheit erfasst sein. Diese Grundgesamtheit wird nun mit Hilfe von zum Beispiel Lagerkarteien registriert. Eine solche Lagerkartei muss regelmäßig auf ihre Vollständigkeit überprüft werden, dies kann jedoch unabhängig von der Inventur stattfinden.

Aus dieser Grundgesamtheit werden nun die ausgewählten Stichproben körperlich aufgenommen und bewertet. Das daraus folgende Stichprobenergebnis wird auf den gesamten Bestand hochgerechnet und entspricht nun annähernd oder gänzlich der Vollaufnahme aller Bestände.10

2) Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit

Der Grundsatz der Richtigkeit verlangt, dass sämtliche für die Inventur relevanten Daten objektiv und den Tatsachen entsprechend sein müssen. Da jedoch menschliche oder maschinelle Fehler nicht vermeidbar sind, ist es fast unmöglich ein fehlerfreies Inventar zu erstellen, selbst wenn sämtliche Bestände körperlich erfasst würden. Dementsprechend verlangt der Grundsatz der Richtigkeit eine möglichst fehlerlose Angabe der Bestände im Inventar.11

Des Weiteren verlangt der Grundsatz der Richtigkeit, gemäß § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB, eine einzelne Erfassung und Bewertung der Vermögensgegenstände sowie der Schulden. Da dies jedoch zum Teil dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit (siehe c) widerspräche, finden auch hier Vereinfachungsverfahren Anwendung. Zu diesen Verfahren gehören zum Beispiel die Gruppenbewertung, die Festbewertung oder die Stichprobeninventur. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass besonders wertvolle Gegenstände gesondert und vollständig zu erfassen sind.12

Der Grundsatz der Willkürfreiheit bezieht sich auf die subjektive Erfassung von Beständen, wie zum Beispiel dem Mengenschätzen von Kleinmaterialien oder der Schätzung von Raumgrößen. Die Willkürfreiheit schränkt den Ermessensspielraum des Kaufmanns ein. Es dürfen lediglich Angaben gemacht werden, die der Kaufmann selbst für realistisch sowie korrekt hält. Es ist ihm verboten diesen Spielraum für seine Zwecke auszunutzen.

3) Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Wesentlichkeit

Da die Inventur und das daraus entstehende Inventar lediglich ein Mittel zum Nachweis der einzelnen Positionen in der Bilanz und zu deren Kontrolle darstellt, muss die Inventur gemäß den ökonomischen Grundsätzen durchgeführt werden.13 Dies bedeutet, dass der Aufwand möglichst gering sein sollte und außerdem verhältnismäßig zur Informationsgenauigkeit sein muss. Demzufolge entstanden aus diesem Wirtschaftlichkeitsgedanken die diversen Vereinfachungsverfahren der Inventur.

Grundlegend für das Ausmaß der Erleichterungen bezogen auf Richtigkeit und Vollständigkeit ist der Grundsatz der Wesentlichkeit. Das Ausmaß der Vereinfachungsverfahren orientiert sich an der Wesentlichkeit der einzelnen Vermögensgegenstände. So dürfen, wie bereits erwähnt, besonders wertvolle Gegenstände nicht mit Hilfe von Vereinfachungen erfasst werden. Des Weiteren orientiert sich der Umfang dieser Erleichterungen am Abweichungsrisiko gegenüber einer vollständigen oder genaueren Bestandsaufnahme.14

2.2.2 Formelle Grundsätze

1) Grundsatz der Klarheit

Um den Zweck der Kontrollierbarkeit der Informationen zu gewährleisten, müssen die einzelnen Posten voneinander abgrenzbar sein und inhaltlich deutlich bezeichnet werden. Sie sind außerdem in einer verständlichen und übersichtlichen Anordnung darzustellen. Es sollten keine weiteren Aufwendungen nötig sein um die Bilanzkontrolle zu gewährleisten. Demnach ist die Klarheit grundlegendes Element für die Überprüfbarkeit.15

2) Grundsatz der Nachprüfbarkeit und Dokumentation

Der Grundsatz der Nachprüfbarkeit beschreibt die Ansprüche an die Dokumentation der Inventurergebnisse. Die Inventurverfahren sowie die Ergebnisse müssen so dokumentiert sein, „dass sie ein sachverständiger Dritter innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über Art, Menge und Wert der Bestände verschaffen kann“16

Die Dokumentation umfasst sämtliche Erfassungsbelege, sowie alle Organisationsunterlagen, gegebenenfalls die Angabe der verwendeten Vereinfachungsverfahren sowie das Inventar selbst.17

[...]


1 vgl.: www.zingel.de

2 aus: § 240 Abs. 1 HGB

3 vgl.: Großfeld, Bernhard (2005): Bilanzrecht, S. 19

4 vgl.: Bieg, Hartmut (2007): Buchführung, S. 15

5 vgl.: ebd., S. 16

6 vgl.: Schüler, Mirja (2006): Einführung in das betriebliche Rechnungswesen, S. 7 3

7 vgl.: Buchner, Robert (2005): Buchführung und Jahresabschluss, S. 20

8 vgl.: ebd., S. 21

9 vgl.: ebd., S. 55

10 vgl.: Bieg, Hartmut, a.a.O, S. 18

11 vgl.: Buchner, Robert, a.a.O, S. 57

12 aus: Buchner, Robert, a.a.O., S. 59

13 vgl.: www.lds.brandenburg.de

14 vgl.: www.lds.brandenburg.de

15 vgl.: Buchner, Robert, a.a.O., S. 59

16 aus: www.lds.brandenburg.de

17 vgl.: www.lds.brandenburg.de

Details

Seiten
27
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656105527
ISBN (Buch)
9783656105565
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187368
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Buchführung GOB Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanz IAS IFRS

Autor

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Titel: Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung