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Die Verwendung von Ideologie und Propaganda der Nationalsozialisten im Konsumgut Film

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ideologie des Nationalsozialismus

3. Propaganda im Konzept des Nationalsozialismus

4. Entwicklung des Films zum Konsumgut

5. Nationalsozialistische Propaganda im Film

6. Inhaltliche und Technische Umsetzung der Propaganda

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Ideologie und Propaganda der Nationalsozialisten im Konsumgut Film“. Die Nationalsozialisten versuchten bereits vor 1933 die öffentliche Meinung durch Propaganda zu beeinflussen. Ziel dieser Beeinflussung war die Identifikation der deutschen Bevölkerung mit der nationalsozialistischen Ideologie. Nach der Machtergreifung wurde die Propaganda, besonders für Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels, ein zentrales Anliegen im nationalsozialistischen Staat. Beide hielten das relativ junge Medium Film für besonders geeignet zur Umsetzung ihrer propagandistischen Ziele.

Die Arbeit soll die Verbindung zwischen Ideologie und Propaganda der NSDAP sowie dem Konsumgut Film aufzeigen. Die nationalsozialistischen Planungen zur Filmpropaganda werden ebenso dargestellt, wie ihre tatsächliche Umsetzung in organisatorischer und technischer Hinsicht.

Beginnen wird die Ausarbeitung mit einer Beschreibung der nationalsozialistischen Ideologie. Darauf folgt die nationalsozialistische Definition von Propaganda nach Adolf Hitler und Joseph Goebbels. Als nächstes wird kurz die Entwicklung des Films bis Ende der 1920er Jahre skizziert. Dann folgt eine Schilderung der Umsetzung der Propaganda im Film. Anschließend wird die inhaltliche und technische Umsetzung, also Genre, Kameraeinstellungen etc., der propagandistischen Maßnahmen erläutert. Zum Abschluss werden die Ergebnisse zusammengefasst sowie ein Ausblick auf den Stand der Forschung gegeben.

2. Ideologie des Nationalsozialismus

Ideologie ist seiner ursprünglichen griechischen Bedeutung nach die Lehre von Ideen. Sie bezeichnete ursprünglich die philosophische Lehre von Antoine Destutt de Tracy, dessen Anhänger einheitliche Richtlinien für Ethik, Erziehung und Politik im Frankreich des 18. Jahrhunderts schaffen wollten.

Im modernen Verständnis bezeichnet Ideologie eine Denkweise, die einseitige und durch eigene Interessen verzerrte Weltkonzepte darstellt. Die Ideologie versteht sich als Lösungsansatz für gesellschaftliche Probleme, wobei der Blick der Menschen meistens auf ein einzelnes Problem fokussiert wird, dass es durch die Annahme und Verwendung der Ideologie zu lösen gilt[1].

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden immer stärker Auseinandersetzungen in der Politik auf ideologische Gegensätze zurückgeführt. Die Ideologie diente zu dieser Zeit als Grundgerüst und Mittel der Überhöhung der eigenen Ziele[2].

Der ideologische Unterbau war auch im Nationalsozialismus eine der Säulen mit der sie ihre Legitimität begründete.

Die beiden Hauptwerke der NS-Ideologie waren „Mein Kampf“ von Adolf Hitler und „der Mythos des 20. Jahrhunderts“ von Alfred Rosenberg, die im Folgenden gegenübergestellt werden. Beide Bücher waren Bestseller und obwohl sie vermutlich relativ wenig gelesen wurden, bilden sie das ideologische Fundament des NS-Staates[3].

Ein weiterer Punkt der NS-Ideologie war die Verbreitung derselben durch Propaganda. Aus diesem Grund wird ebenfalls ein kurzer Überblick zu den ideologischen Vorstellungen des „Chefpropagandisten“ Joseph Goebbels gegeben.

In „Mein Kampf“ schildert Hitler seine mythisierte Lebensgeschichte, die er mit seiner Ideologie verknüpft. Zuerst spricht er von den Deutschen als Volk ohne Raum, die nach dem „Schandvertrag von Versailles“ sich wieder neuen Lebensraum erkämpfen müssen. Er erstrebte Lebensraum im Osten zu gewinnen und somit eine Art „Kontinental-Imperialismus“[4]. Der Kampf ums Dasein ist das zweite große Thema in „Mein Kampf“. Im Idealfall sollten alle Menschen in Kampfbünden zusammengefasst werden um den Kampf zu lernen. Der Vorrang der Tat vor dem Wort wird ebenso propagiert wie Härte und Zähigkeit von Kindesbeinen an. Dieses kulminiert in einen Sozialdarwinismus, der Selektion der Besten und Stärksten[5].

Die Rassenlehre ist der dritte und zugleich zentrale Punkt der Ideologie in Hitlers Buch. Drei Rassegruppen, von den hochwertigen Herrenrassen über die minderwertigen Sklavenrassen bis zu den Schädlingsrassen, werden aufgeführt. Diese Gruppen werden von Hitler willkürlich definiert. Das zentrale Element der Rassenlehre ist der Kampf zwischen „Ariern“ und Juden. Hitler predigt die Vermeidung von Vermischung zwischen den Rassen als schlecht, da Artmischungen biologisch minderwertig seien.

Hitlers vierter wichtiger ideologischer Anknüpfungspunkt ist die Gemeinschaft. Die Volksgemeinschaft und einer für alle waren die prägendsten Schlagwörter dieses Teils von der Ideologie in „Mein Kampf“.

Während „Mein Kampf“ so etwas wie die Bibel der Nationalsozialisten war, war Alfred Rosenbergs „Mythos“ sogar unter Parteigenossen umstritten[6]. Rosenbergs Buch lehnt sich ideologisch eng an die Vorstellungen von Houston Steward Chamberlain und dessen Werk „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“. Grundstruktur ist die Polarität, z.B. die zwischen den nordischen und den orientalischen Völkern. Die Nordrassen, die der Ursprung und das Urvolk der Weltgeschichte bilden[7], werden als durchweg positiv beschrieben, während die Südrassen den Gegenpol bilden. Auch die nordische Rasse ist wiederum aufzuspalten, in das männliche und das weibliche Prinzip. Der Mann vereint die aktiv-zeugenden Elemente in sich, während die Frau, für Liebe und Mitleid zuständig, ihm dienend zur Seite steht. Ein weiteres Grundmotiv Rosenbergs ist das Leben als das Allbestimmende[8]. Er tritt für eine Dezentralisierung ein, die mit einer Rücksiedlung der Menschen aufs Land beginnen soll. Insgesamt greift der „Mythos“ viele Elemente aus „Mein Kampf“, wie den Vorrang der Tat, auf und führt sie auf höherem intellektuellem Niveau als Hitler aus.

Joseph Goebbels wiederum war kein Anhänger der Rassengedanken des Nationalsozialismus. Er machte nur leise Lippenbekenntnisse und behielt den Rassentheorien gegenüber eine innere Distanz[9].

Dafür war Goebbels ein überzeugter Anhänger der Verbindung von „Denken“ und Handeln. Nationalsozialistisches Gedankengut habe als Ziel die Verwirklichung im praktischen Alltagsleben.

Das Geschichtsbild von Joseph Goebbels war sehr fatalistisch geprägt und führte zur Theorie einer durch den Nationalsozialismus herbeizuführende „fundamentale Epochenwende“[10]. Er entwickelte die politische Utopie einer neuen Weltordnung, die in Modernisierung und Erneuerung kulminiert. Besonderes Gewicht in Goebbels Denken besaß die Neuformung der Welt unter deutscher Führung, die Europa territorialen Größenzuwachs bringen sollte. Insgesamt spielte Goebbels allerdings keine besonders große Rolle als Ideologe in der Partei, sondern diente nur als Lenker und Sprachrohr.

3. Propaganda im Konzept des Nationalsozialismus

Der Begriff Propaganda leitet sich vom lateinischen propagare ab, der im Deutschen verbreiten oder ausbreiten bedeutet. Propaganda meint vor allem eine gezielte, organisierte und überlegte Verbreitung von Informationen zur Beeinflussung Dritter. Derjenige, der Propaganda verwendet bzw. einsetzt hat das Ziel möglichst viele Menschen von seiner Meinung oder Ideologie zu überzeugen. Im 17. Jahrhundert wurde der Begriff zum ersten Male in Verbindung mit der Gegenreformationsbewegung der katholischen Kirche verwendet[11].

Bei der Beschäftigung mit dem Dritten Reich bzw. generell mit der nationalsozialistischen Bewegung wird deutlich, dass Ideologie und Propaganda in diesem Fall nicht zu trennen sind. Die Ideologie der Nationalsozialisten sollte komplett durch Propaganda an das Volk weiter gegeben werden.

In Mein Kampf ist ideologisch klar definiert, wie Hitlers Propagandaverständnis aussah. Deren Aufgabe sah er vor allem in der Einweisung der Masse[12] über wichtige Dinge, sodass „eine allgemeine Überzeugung von der Wirklicht der Tatsache, der Notwendigkeit eines Vorgangs, der Richtigkeit von etwas Notwendigem usw. entsteht“[13]. Propaganda solle immer mehr auf die Gefühle als auf den Verstand abzielen und sowohl subjektiv als auch einseitig sein. Somit bestehe durch Propaganda die Möglichkeit zur Minderung der Willensfreiheit der Menschen.

Die Effektivität der Propaganda lasse sich an dem Maß der Verständlichkeit für die Masse ablesen. Für eine besonders effektive Propaganda sei eine „tausendfache Wiederholung einfachster Begriffe“[14] nötig.

Propaganda habe insbesondere den Zweck, „die Aufmerksamkeit […] auf einen einzelnen Gegner zu konzentrieren“[15] und den „bestehenden Zustand[…] und die Durchsetzung dieses Zustandes mit der neuen Lehre“[16] zu zersetzen. Ein weiteres Ziel der nationalsozialistischen Propaganda lag außerdem in der Nationalisierung der Massen und in der damit einhergehenden Emotionalisierung[17].

Anders als bei der Ideologie war Joseph Goebbels der Experte und größte Verfechter der Propaganda in den Reihen der NSDAP.

Für ihn war die Propaganda sogar „nötig wie das tägliche Brot, denn sie erhält den Staat“[18]. Ihr kam somit laut Goebbels staatstragende Funktion zu.

Wichtig bei der Propaganda sei vor allem der Variantenreichtum. Die Wiederholung von propagandistischen Zielen sei wichtig, doch müssten sich diese Wiederholungen unterscheiden, um die Masse zu täuschen.

Auch für Goebbels ging der Appell der Propaganda nicht an den intellektuellen Teil der Bevölkerung sondern an die Masse, sodass die Inhalte nach seiner Definition ebenfalls einfach gehalten werden mussten.

Er hielt die Propaganda in seiner besten Ausprägung sogar für eine Art der Kunst[19]. Man müsse die Propaganda wie jede andere Kunst beherrschen um den Konsumenten der Kunst zu erreichen, ihn zu fesseln. Insgesamt sah sich Goebbels als Künstler, da er auch die Politik als Kunst (der Völkerformung) sah[20].

Bei den Propagandavorstellungen von Hitler und Goebbels zeigt sich deren Wichtigkeit in der nationalsozialistischen Konzeption. Propaganda wurde von beiden als einer der wichtigsten Stützpfeiler der Macht angesehen. Die Überzeugung der Bevölkerung von der nationalsozialistischen Ideologie durch Propaganda war laut Führerdoktrin der entscheidende Punkt für Machtergreifung und –erhalt.

4. Entwicklung des Films zum Konsumgut

Das Medium Film war nach langer Entwicklung ab 1895 in das Blickfeld der Menschen geraten. Auguste Marie Louis Nicolas Lumière und Louis Jean Lumière erfanden den Cinématographen, den sie am 28. Dezember 1895 in Paris erstmals öffentlich präsentierten. Die Brüder waren Fabrikanten und Großbürger und konnten somit ihr Gerät produzieren, das gleichzeitig Aufnahme- als auch Wiedergabegerät war. Die ersten Filme waren meist nur sehr kurz und zeigten in der Regel Szenen aus dem alltäglichen Leben[21].

In den nächsten Jahren setzte sich der Cinématograph immer weiter durch. Dies ist besonders auf Georges Méliès zurückzuführen, der als Erster „Spielfilme“ schuf. Er erdachte sich mit außergewöhnlicher Phantasie Szenen, die er dann mit Hilfe von Schauspielern umsetzte[22] und dem Film somit neben dem realen, dokumentarischen auch ein fiktives, gespieltes Gesicht gab. Mit dem Popularitätsanstiegs des Films entstanden auch erste ortsfeste Kinos, die auf laufend neue Filmaufnahmen angewiesen waren, um Besucher anzulocken.

Ab 1905 entwickelte sich besonders in den USA eine rege Filmindustrie, die zuerst besonders auf die neu entwickelten Genres Cowboyfilm und Slapstick-Komödie setzte[23]. Nach 1910 ließen sich verschiedene Filmschaffende in Hollywood einem Stadtteil von Los Angeles, nieder und legten den Grundstein für die spätere „Traumfabrik“. Sehr beliebt beim Publikum waren in dieser Zeit Komödien mit den bekanntesten Vertretern Charlie Chaplin und Buster Keaton. Der Beginn des 1. Weltkriegs beschleunigte die Entwicklung der Filmindustrie in Hollywood zum Zentrum einer Großindustrie.

[...]


[1] Vgl. Christian Hardinghaus, Filmpropaganda für den Holocaust?. Eine Studie anhand der Hetzfilme "Der ewige Jude" und "Jud Süß", Marburg 2008, S. 15

[2] Vgl. Frank-Lothar Kroll, Utopie als Ideologie, Paderborn 1998, S. 11.

[3] Vgl. Winfried Noack, Die NS-Ideologie, Frankfurt a.M. 1996, S. 33f.

[4] Ebenda, S. 35.

[5] Vgl. Kroll, Utopie, S. 57.

[6] Vgl. Noack, NS-Ideologie, S.51.

[7] Vgl. Kroll, Utopie, S. 125.

[8] Vgl. Noack, NS-Ideologie, S. 52.

[9] Vgl. Elke Fröhlich (Hrsg.), Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Sämtliche Fragmente, München/New York/London/Paris 1987, Bd. 2, S. 632.

[10] Kroll, Utopie, S. 290.

[11] Vgl. Hardinghaus, Filmpropaganda, S. 9

[12] Dieser Begriff wird in allen nationalsozialistischen Schriften weder definiert noch einheitlich verwendet, sodass er entweder synonym mit Volk, mit Gemeinschaft oder mit einer Art gestaltloser Menge genutzt wird. Vgl. dazu Kurt Denzer, Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches, Kiel 1970, S. 107 f.

[13] Adolf Hitler, Mein Kampf, München 193350, S. 197.

[14] Ebenda, S. 202.

[15] Ebenda, S.129.

[16] Ebenda, S. 654.

[17] Vgl. Ebenda, S. 371f.

[18] Rede Goebbels anlässlich des 7. Reichsparteitags der NSDAP über „Wesen, Methoden und Ziele der Propaganda“, abgedruckt in: Helmut Heiber (Hrsg.), Goebbels Reden, Bd. 1, München 1971, S. 232.

[19] Vgl. Heiber, Goebbels Reden, S. 224.

[20] Vgl. Constanze Quanz, Der Film als Propagandainstrument Joseph Goebbels', Köln 2000, S. 43.

[21] Vgl. Jerzy Toeplitz, Geschichte des Films. 1895 – 1928, Bd. 1, Berlin 1992, S. 17.

[22] Vgl. ebenda, S. 24.

[23] Vgl. ebenda, S. 80 ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656112105
ISBN (Buch)
9783656111870
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187677
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
NS Nationalsozialismus Konsum Film Goebbels Reichsfilmkammer Ideologie Propaganda Filmpropaganda

Autor

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