Lade Inhalt...

Über Paul Virilio - "Ästhetik des Verschwindens" (1980)

Zusammenfassung

Rezension / Literaturbericht 2012 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Paul Virilio - Ästhetik des Verschwindens (1980)

Zusammenfassung

Paul Virilio sieht den Zuwachs von Geschwindigkeit und Hektik in einer schnell wachsenden Welt als ein Zeitkritisches Problem, welches sich sowohl auf die Filmentwicklung, die Sexualität als auch das Reisen und auch das Kriegsspiel der Nationen auswirkt. Ästhetik des Verschwindes ist ein Zeitkritisches Werk im Kontext von Wahrnehmung, Kommunikation und Ästhetik.

Im ersten Kaptiel vergleicht Virilio unsere Wahrnehmbarkeit mit Kinderspielen. Wenn das Kind etwas verschüttet oder den Augenkontakt zu Erwachsenen meidet, kommt das sowohl der Tolpatschig gleich, als auch der Scham vor etwas. Die Ungewissheit des Spiels hat etwas fremdes, etwas verwerfliches und zugleich etwas überraschendes.

Um in späteren Jahren jugendliche Haltung zu bewahren, vermag es den Trieb nach dem Spiel, aufrecht zu erhalten.

Natürlich stellen physikalische Eigenschaften und die Suche nach technischen Hilfsmittel eine Grenze dar, jedoch sollte der Drang nach dem eigentlichen Spiel, welches durch Regeln und Vorstellungen beim Kind Vergnügen und Leidenschaft auslöst, auch im höheren Alter nicht erloschen werden.

Es geht um das „Gesehene“ und „Nicht Gesehene“, welches das Spiel eines Kindes erst interessant macht und es durch die Einmütigkeit (Einklang, Übereinstimmung) Regeln akzeptieren lässt. Dies geht soweit, dass es vergleichbar mit der Forschung der Epilepsie einhergeht. Dabei meint Virilio dass jeder von uns durch die ungeachtete Umgebung als auch von uns nicht bemerkten Objekten selbst schon einmal zum Pyknoleptiker geworden ist.

Mit schnellen aufeinanderfolgenden Bildern, welche verschiedene Bilder und Positionen wiedergeben und darstellen und mit schneller Geschwindigkeit im Raum mit anderen Lebewesen bewegen kann man das Spiel der Kinder vergleichen.

Weiters verändert sich das Spiel und die Wahrnehmungen eines Kindes mit dem Eintritt in die Pubertät. Das Verhältnis zu den Dimensionen, zu Raum und Zeit etc. ändert sich und von technischen Hilfsmitteln wird gebrauch gemacht. (Radio, Motorrad, Fotoapparat etc.). Das Ungewisse kommt ebenfalls beim Übertritt vom Kind zum Manne in den Vorschein.

Gewisse Rhythmen kommen und gehen immer wieder, in Verbindung mit starken oder schwachen Zeiten in Bezug auf erlebte Dinge. Das vergleicht Virilio wiederum mit pyknoleptischen Aussetzer, welche meistens überraschend und unbestimmt oft kommen.

Dabei handelt es sich nicht mehr um Spannung oder Aufmerksamkeit, sondern um einfache Unterbrechungen - um Verschwinden und Wiederauftauchen des Wirklichen, um Löslösung von der Dauer.

Man träumt von Ruhm und Ehre und überraschend kommen dadurch aber ganz andere Facetten und Eigenschaften im Menschen auf, welche genau das Gegenteil bewirken (Vgl. Hughes Schicksal). Hughes war ein reicher begehrter Mann, jedoch am Höhepunkt seiner Karriere vereinsamter er absichtlich und koppelte sich von der Gesellschaft ab.

Vielleicht war aber Hughes nur ein Opfer der schneller werdenden Welt und seinen eigenen Vorstellungen von Ruhm, Macht und Ehre. Diese waren vielleicht anders als die Vorstellungen, welche die Gesellschaft an ihn hatte.

Hughes wollte der Gegenwart entfliehen. Somit befand er sich zwischen Wahnsinn und Torheit.

Sowohl in der Politik als auch auf den Gebieten von Elektronik und Informatik wird die Geschwindigkeit ein immer wichtigerer Faktor. Hier zählt außerdem nicht mehr die Speicherung sondern die Anzeige der Informationen, welche entscheidend ist.

Mit dem Auftauchen des Motors änderte sich damals sowohl die Eigenschaft von Geschwindigkeit in Hinblick auf die wissenschaftlichen Forschung als auch in Hinblick auf kinematographische Bilder (Bewegte Bilder) welche nun, dank doppelter Projektoren, zugleich verarbeitet werden konnten.

Schon Alexander der Große fürchtete schon damals nur, durch seinen Eroberungsdrang und der Geschwindigkeit mit der er seinen Kampf anführte, eines Tages an eine Grenze zu stoßen. Ähnlich ist hier der Blick auf die Tachonadel eines Rennfahrers, welcher mehr oder weniger lebenswichtig für ihn ist. Hier ist ein schwindelerregender Ablauf der Zeit zu erkennen, welcher durch die Geschwindigkeit des Angriffs entstand.

In den 30er Jahren erkannten Filmproduzenten in Amerika, dass die Technik des Films sie aus der damaligen Flaute retten konnte. Menschen stürmten damals die Kinosäle um den tristen und trostlosen Alltag zu entfliehen.

Zum Zusammenspiel von Auge und Motor kam nun die Eigenschaft hinzu, die visuelle Prothese mit den Transportprothesen von Körpern verschmelzen zu lassen. Um nun die Gedanken der Schauspieler einzufangen, wurden Großaufnahmen dessen Gesichter gezeigt in Kombination mit Schlachtfeldern, Meer und Himmel, Straßen usw.

Diese Optik ähnelte nun dem Reisen, dem Hinausschauen aus dem Zugfenster und die vorbeiziehende Landschaft. Diese Technik wirkt sich auch auf die Kameraeinstellungen aus. So soll die Landschaft und deren Hintergrund mehr und mehr in die Handlung bzw. in das vorhandene Bild miteinbezogen werden.

Vergleichbar auch mit den Eigenschaften eines leidenschaftlichen Autofahrers: Die Geschwindigkeit macht das Sehen zum Rohstoff, mit zunehmender Beschleunigung wird das Reisen zum Filmen“oder auch umgekehrt.

In seinem Wagen nimmt der reisende Voyeur das Verhalten eines notorischen Kinogängers an.

Weiters verändert sich auch die Ästhetik und Eigenschaften von Städten in Filmen. Diese verschwinden in den special effects der Kommunikations- und Verkehrsmaschinen, welche in diesen „Supercities“ herrschen. Die Kunst verschwindet mehr und mehr im grellen Licht der Anzeigentafeln und Scheinwerfer (Vgl. „Batman“ - Gotham City oder „M-Die Stadt sucht einen Mörder).

Mit diesen Eigenheiten kann man nun das Kino vergleichen: Dunkle Vorführräume werden nur durch Projektorstrahlen behellt, welche die Sonne ersetzen und nicht mehr das Theater ist Stadtkern, sondern das Lichtspiel der Stadtbeleuchtung.

Jedoch müssen sich neue Errungenschaften nicht immer positiv auswirken. So tut sich die Fernsehwelt noch etwas schwer die immer häufigeren Bild- und Toneffekte zu verarbeiten weil es technisch noch nicht ganz möglich ist. Durch die aufkommende Autoindustrie, neue Diskotheken mit deren Lichtspielen und Walt Diseny Wordl’s sank das Interesse am Kino.

Das heißt zwar dass die Zuseher die Kinosäle verlassen hatten, sich aber dennoch der restlichen Künstlichen Welt aussetzten.

(Vgl. Menschen beklagen sich über ihre Einsamkeit, scheuen aber den Kontakt zu anderen)

Immer wieder vergleicht Virilio das Autofahren mit dem Kino bzw. mit Licht-Ton Spiele. So erwerben Führerscheinneulinge ähnliche Gewohnheiten wie im Kino, das heißt mit konditionierten Reflexen auf entsprechende Stimuli zu reagieren. Die Aufmerksamkeit wird durch Licht- und Tonsignale geweckt bzw. stimuliert. Überhaupt sind wir mehr oder weniger in vielen Stationen unseres Lebens von Licht und Tonsignalen abhängig. Man vergleiche die Ungeborgenheit, Angst und Verunsicherung bei einem Stromausfall.

Details

Seiten
4
Jahr
2012
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187865
Note
Schlagworte
Dramaturige Paul Paul Virilio Bildtechnik Film Kameratechnik Schnittechnik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Über Paul Virilio - "Ästhetik des Verschwindens" (1980)