Lade Inhalt...

Der Sieg der freien Welt

Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA im Ausland

Wissenschaftliche Studie 2011 197 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort

„Die ganze Hemisphäre gehört uns“ (1794 – 1945)

Spiel ohne Regeln (1945 – 2001)

Schurkenstaaten und Terrorismus (2001 – heute)

Eine neue Wachstumsindustrie

Anhang

Literatur

VORWORT

Es gibt zahlreiche Methoden, mit denen Regierungen Einfluss auf die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in fremden Staaten, ja ganzen Kontinenten nehmen können und dies auch tun. Staaten können diplomatischen Druck ausüben, Regierungen isolieren, mit protektionistischen Maßnahmen wie hohen Einfuhrzöllen, Gesetzen zum Arbeits- oder Umweltschutz die Exportchancen eines Landes reduzieren, wirtschaftliche Sanktionen verhängen, Konten einfrieren, Oppositionsparteien finanzieren, Widerstandsgruppen unterstützen. Dazu existieren zahlreiche internationale Organisationen, die zumeist von der sogenannten westlichen Welt, allen voran den Vereinigten Staaten von Amerika, kontrolliert und gesteuert werden. Afrikanische, asiatische oder lateinamerikanische Staaten, Entwicklungs- und Schwellenländer, haben nur begrenzte Möglichkeiten, in diesen Foren ihre Interessen durchzusetzen.

Auf jedem Gipfel der Welthandelsorganisation (WTO) und bei jedem Verfahren vor diesem Forum müssen die Entwicklungs- und sogar die sogenannten Schwellenländer regelmäßig die Erfahrung machen, dass die WTO „kein Freund der Armen“ ist, wie der britische Guardian einmal titelte. Beinahe gnadenlos setzen die USA- und auch die Europäische Union – ihre Interessen gegenüber den Hungerleidern dieser Welt durch.

Das WTO-Agreement on Agriculture (AoA) und die von Weltbank und Weltwährungsfonds (IMF) angeordneten strukturellen Anpassungsprogramme (SAPs) zwangen die Entwicklungsländer zu gewaltigen Änderungen ihrer Nahrungsmittel- und Landwirtschaftspolitik. Sie mussten ihre Länder für billige Einfuhren aus den USA und Europa öffnen und gleichzeitig die Hilfsprogramme für ihre eigenen Bauern reduzieren. Oxfam bezeichnete das Landwirtschaftsabkommen schlicht als „Betrug“, der die Verelendung der ländlichen Bevölkerung vorantreibe und die Kleinbauern vernichte. Gegen die amerikanischen und europäischen hoch subventionierten und unter Produktionskosten verkauften Produkte können die einheimischen Produzenten nicht ankommen. Oftmals sind sie gezwungen, teuer importierte Düngemittel, Pestizide und sogar Samen einzukaufen – und bekommen am Ende für ihr Produkt weniger als die Herstellung kostete. In Indien haben sich die Bewohner ganzer Dörfer, deren landwirtschaftliche Produktion unter dem Diktat der WTO zusammengebrochen war, das Leben genommen.

So führte z.B. Indien unter den Zwängen von Weltbank, Internationalem Währungsfonds und WTO in seiner Landwirtschaft die „grüne Gentechnik“ ein, den Einsatz gentechnisch manipulierten Saatguts. (Amerikanische Hilfsorganisationen liefern heute ausschließlich gentechnisch modifiziertes Saatgut.) Doch das Gegenteil von den versprochenen höheren Erträgen, weniger benötigten Pestiziden und weniger Hunger trat ein. Eine einzige Firma, Monsanto mit Hauptsitz in St. Louis, kontrolliert heute 95 Prozent des Saatguts im indischen Baumwollanbau. Diese Monopolstellung nutzte die Firma: In den vergangenen zehn Jahren stieg der Preis für Saatgut um 8000 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der Einsatz von Pestiziden gegen Pflanzenschädlinge um das 30fache. Da traf es sich gut, dass Monsanto auch gleich die Herbizide liefern konnte. In der Folge konnte Monsanto seinen Umsatz zwar gewaltig steigern ((2010: 10.5 Milliarden Dollar). Viele Kleinbauern in Indien jedoch mussten Kredite aufnehmen, die sie anschließend nicht bedienen konnten, weil die versprochenen Erträge des so gepriesenen gentechnisch veränderten Saatguts nicht erreicht wurden. In dieser ausweglosen Situation hätten sich in den vergangenen zwölf Jahren nach offiziellen Statistiken 250 000 indische Bauern das Leben genommen, berichtete Vandana Shiva, Physikerin und Trägerin des Right Livelihood Award, auch alternativer Nobelpreis genannt.[1]

Angesichts der Politik und der Praktiken des Westens klingt es zynisch, dass sich die Vereinten Nationen das sogenannte Millenniumziel setzten, bis 2015 den Hunger in der Welt besiegt zu haben. Dazu gaben die Vereinten Nationen das Ziel vor, dass jede Industrienation 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in Entwicklungshilfe investieren sollte. Doch nur vier Staaten haben dieses Ziel tatsächlich erreicht. Es sind die üblichen Verdächtigen: Dänemark (1.01 %), die Niederlande (0,79 %), Norwegen (0,91 %), Schweden (0,7 %). Die USA, die sich regelmäßig als die großzügigste Nation der Welt portraitieren, gaben im Fiskaljahr 2004-2005 nach OECD-Angaben 15,6 Milliarden US$ für Auslandshilfe aus, 0.14 Prozent des für den gleichen Zeitraum ausgewiesenen Nationaleinkommens (Dabei ging allein ein Drittel dieser Auslandshilfe an Ägypten und Israel). „Wir sind die geizigste Nation von allen“[2], übte US-Präsident Jimmy Carter einmal Selbstkritik.

Dabei sind die USA die reichste Nation der Welt. Die Amerikaner konsumieren über die Hälfte aller in der Welt angebotenen Waren und Dienstleistungen; 2007 gaben sie 16 Milliarden Dollar nur für Haustierfutter aus[3] – halb soviel würde nach Schätzungen des UNDP Human Development Reports ausreichen, um jeden Bedürftigen in der Welt mit den notwendigsten Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen; elf Milliarden Dollar investierten US-Verbraucher 2010 in Schönheitsoperationen, die Hälfte dieses Betrags würde ausreichen, weltweit schulische Grundausbildung zu garantieren. Die Vermögen der drei reichsten US-Bürger übersteigen die zusammengefassten Nationaleinkommen der 48 ärmsten Staaten.

Zwar proklamiert Washington als größte Handelsmacht der Welt stets am lautesten den Abbau von Handelsbarrieren, von Grenzen und Zolltarifen, die den „freien Handel" störten – doch nur solange den eigenen Produzenten keine Nachteile daraus erwachsen. Regelmäßig wettert Washington vor den Institutionen der Welthandelsorganisation gegen den gleichen Protektionismus, den es zuhause durchaus pflegt. Die „Handelsabkommen sind oft asymmetrisch“, kritisierte darum der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, „der Norden beharrt darauf, dass der Süden seine Märkte öffnet und Subventionen einstellt, während er seine Handelsschranken aufrecht erhält und seine Bauern subventioniert.“[4]

„Das ungeschriebene Gesetz der amerikanischen Wirtschaftspolitik funktioniert im Grunde so: 'Tu, wie ich dir sage, nicht wie ich handle'", schrieb die „New York Times" einmal.

Im Mai 2000 ratifizierte der US-Kongress den African Growth and Opportunity Act, kurz AGOA. Mit viel Wortgetöse wurde dieses Gesetz angekündigt. Es sollte die Ökonomien der Subsahara Staaten unterstützen und die wirtschaftlichen Beziehungen dieser Länder zu den USA verbessern. Doch die Afrikaner wurden reingelegt. Die USA beziehen Öl aus Afrika und nennen es „Programm für Wachstum und Möglichkeiten in Afrika“: 2008 stammten nur drei Prozent der US-Importe aus den 39 AGOA-berechtigten Staaten. 95 Prozent dieser drei Prozent entfielen auf Erdöl aus Nigeria und Angola und zu einem geringen Teil aus anderen Ländern. Zwar lassen die USA auch andere Produkte auf ihren Markt, jedoch nur solche, die keine negativen Auswirkungen auf die heimische Produktion haben. Zucker, Kaffee, Kakao und andere landwirtschaftliche Produkte fallen nicht in diese Kategorie, die steuerliche Begünstigungen erwarten kann.

Immerhin bietet AGOA der afrikanischen Bekleidungsindustrie unbegrenzten Zugang zu den amerikanischen Märkten – jedoch nur, wenn diese Kleider, Hemden, Röcke oder Hosen aus Stoffen und Geweben hergestellt wurden, die „made in the USA“ sind. Textilprodukte, hergestellt aus lokalen Materialien sind rigorosen Einschränkungen ausgesetzt. Die Exporte solcher Produkte dürfen keinesfalls mehr als 3,5 Prozent aller Textilimporte der USA in acht Jahren ausmachen. Zudem können die USA diese Konzession jederzeit wieder zurückziehen. So dürfen die Afrikaner nicht nur ihre eigenen Rohstoffe nicht verarbeiten, sondern müssen die Rohstoffe zur Herstellung der Exportware auch noch zu hohen Kosten aus den USA importieren. Damit haben afrikanische Textilprodukte keine Chancen im Wettbewerb mit der billigen US-Konkurrenz.

Und was bekommen die USA im Gegenzug dafür? Unter anderen Dingen verlangt AGOA, dass die afrikanischen Staaten Schranken, die amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen behinderten, beseitigen; dass amerikanische Firmen gleich wie afrikanische Firmen behandelt werden und amerikanischer geistiger Besitz gemäß internationaler Standards geschützt wird; dass die Privatisierung vorangetrieben und existierende Subventionen und Preiskontrollen abgeschafft werden; dass kein AGOA-Mitglied in irgendeiner Weise sich an einer Politik beteiligt, die amerikanische Sicherheits- und außenpolitische Interessen gefährdet.

Die USA erheben hohe Zolltarife auf Schlüsselprodukte aus den Agrarwirtschaften Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas (Reis, Zucker, Kaffee), auf Erdnüsse etwa beträgt die Importsteuer über 100 Prozent. Diese Handelsrestriktionen kosten die ärmsten Länder der Welt jährlich nicht weniger als 2,5 Milliarden Dollar. In Haiti etwa hat die Liberalisierung des Reismarktes und die darauf folgende Einfuhr subventionierten amerikanischen Reis‘ die gesamte einheimische Reisproduktion zum Erliegen gebracht. Mit Preisdumping zerstörten die USA zahlreiche Kleinunternehmen in den Entwicklungsländern und förderten auf diese Weise die zunehmende Verelendung ganzer Regionen.[5]

Als sei das nicht genug, verhängen die USA regelmäßig unilateral Sanktionen, gegen Staaten, die ihren Forderungen nicht willig und rasch genug nachkommen. Seit dem Zweiten Weltkrieg verhängten die USA 104 Sanktionen gegen eine lange Reihe von Staaten. Tausende Personen und Unternehmen stehen auf den Listen des US-Finanzministeriums, deren Vermögen in den USA eingefroren sind. Wer der Politik der USA Widerstand entgegensetzt, wird mit Sanktionen bestraft: Staaten, Organisationen oder Individuen.

Zwar behaupten die USA – so etwa in ihrem CIA World Factbook – US-Firmen müssten höhere Hürden überwinden, wollten sie sich auf den Märkten ihrer Konkurrenten etablieren, als ausländische Firmen, die auf den amerikanischen Markt wollen. Und die US Agency for International Development (USAID) klopft sich auf ihrer Webseite selbst auf die Schulter: „Die Vereinigten Staaten haben eine lange Geschichte der ausgestreckten, helfenden Hand zu jenen Menschen in Übersee, die um ein besseres Leben ringen.“

Doch immer wieder klagen Vertreter der Schwellen- und Entwicklungsländer, genau das Gegenteil sei der Fall. Globalisierung und Freihandel seien „keine Einwegstraßen“, erinnerte etwa der brasilianische Botschafter Rubens Antonio Barbosa einmal die Mitglieder eines US-Kongresskomitees: „Wechselseitigkeit ist der Name des Spiels.“ Trotz Washingtons leierhaft vorgetragenem Bekenntnis zum freien Handel als Grundlage für Wohlstand und Frieden, blockiere „ein Arsenal von Handelsbarrieren die Einfuhr von 80 bedeutenden brasilianischen Produkten in die USA, darunter Zucker, Schuhe, Stahl und gefrorener Orangensaft.“ Sofort nachdem das North American Free Trade Agreement zwischen Kanada, Mexiko und den USA in Kraft getreten war (1. Jan. 1994), begann Washington, den Import mexikanischer Tomaten, Avocados, Erdbeeren und Maiskolben zu limitieren. Auch nach dem Freihandelsabkommen mit Chile, (1. Jan. 2004), blockierten die USA mit protektionistischen Maßnahmen die Einfuhr chilenischer Produkte wie etwa Wein oder Lachs.

So gibt die USAID an anderer Stelle auf ihren Webseiten denn auch offen zu: „Der hauptsächliche Nutznießer der amerikanischen Hilfsprogramme im Ausland waren immer die USA.“ Beinahe 80 Prozent aller USAID-Verträge und Zuschüsse gingen „direkt an amerikanische Firmen“. USAID habe geholfen, neue Märkte für amerikanische Waren und „Hunderttausende von Jobs“ in den USA zu schaffen.

Zwar echauffieren sich Amerikaner wie Europäer regelmäßig über Copyright-Verletzungen und den Raub intellektuellen Eigentums, die in den Entwicklungsländern weit verbreitet seien, und drohen ebenso regelmäßig mit dem WTO Agreement on Trade-Related Intellectual Property (TRIPs). Selbst jedoch nehmen sie sich, ohne zu fragen, das Recht heraus, auch noch die letzten noch nicht ausgebeuteten Ressourcen der Entwicklungsländer, die Pflanzen- und Tierwelt und die biologische Vielfalt mit all ihren profitablen DNA-Strukturen für sich in Anspruch zu nehmen und patentieren zu lassen.

1985 eignete sich eine US-Firma den indischen Neem-Baum an, der über 100 verschiedene Stoffe enthält, die sich im Stamm, der Rinde, den Blättern und den Früchten unterschiedlich zusammensetzen. Aus dem Neembaum hergestellte Produkte werden als Insektizide gegen Heuschrecken, Moskitolarven oder Käfer, als Fungizid, Spermizid, Dünger und als Futtermittel eingesetzt. Neem-Medikamente werden in Indien seit 2000 Jahren gegen Anämie, Bluthochdruck, Hepatitis, Diabetes, Hauterkrankungen, Lepra, Nesselsucht, Schilddrüsenerkrankungen und Verdauungsstörungen benutzt. Zudem hilft Neem bei Krebs, senkt den Cholesterinspiegel und wird seit Jahrhunderten zur Abtreibung eingesetzt. Indische Forscher haben diese Wirkung bestätigt.

In jenem Jahr ließ sich ein amerikanischer Holzhändler einen Neem-Extrakt unter dem Namen Margosan-O patentieren, den er anschließend an den Chemieriesen W.R. Grace and Co. verkaufte. Damit waren die Schleusen geöffnet. Zwischen 1985 und 1995 wurden in den USA und Europa 37 Patente genehmigt, Neem-Pflanzen zu benutzen und zu entwickeln. Sogar eine Neem-Zahnpasta wurde entwickelt. Damit wurde etwas (In Indien gibt es geschätzte 14 Millionen Neem-Bäume), was in Indien seit Menschengedenken frei verfügbar war, von Indern im Laufe von Jahrtausenden entwickelt und variiert worden war, plötzlich Eigentum amerikanischer und europäischer multinationaler Konzerne.

1994 erhielten zwei Forscher der Universität von Colorado das US-Patent Nr. 5.304.718, das ihnen das exklusive Monopol über die bolivianische Apelawa quinoa einräumte. Quinoa ist ein proteinhaltiges Getreide, das schon lange vor den Inkas zu einem der Grundnahrungsmittel der Andenvölker geworden war. Plötzlich dürfen diese Andenbewohner eine Pflanze nicht mehr nutzen, die seit Entstehung der Pflanzenwelt zu ihrem Ökosystem gehörte. Im September 1997 löste das US-Patent Nr. 5.663.484 an „Basmati Reis Produktlinien und Getreide“, das die texanische Firma RiceTec des Prinzen Hans-Adam von Liechtenstein erworben hatte, internationale Empörung und eine kurze diplomatische Krise zwischen den USA und Indien aus. Daraufhin gab RiceTec seine Ansprüche weitgehend auf. Die Fälle sogenannter Biopiraterie häuften sich in den folgenden Jahren.

Wie den Andenbewohnern erging es den Igorot auf den Philippinen, die seit Jahrtausenden mit einer heimischen Hefe, bubod genannt, mit basi (Zuckerrohrwein) sowie gamu (ein Samenkorn, das im Wald zu finden ist) ihren eigenen besonderen Tapey (Reiswein) herstellen. Daneben entwickelten die Igorot diverse Maniokarten, zahlreiche Reissorten, die unter besonderen Umweltbedingungen gut gedeihen, Reis für kühles Wetter, Reis für heißes Wetter, Reis für überflutete Gebiete, Reis für trockene Regionen. Ein einzelnes Dorf hat nicht selten Saatgut für zehn Reissorten für verschiedene Wetterbedingungen und Böden. Inzwischen erforschen, analysieren patentieren und rauben amerikanische Chemiekonzerne, landwirtschaftliche- und biotechnologische Unternehmen die Reisarten der Igorot, und niemand fragt nach deren geistigem Eigentum.

Da ist es kaum verwunderlich, dass sich US-Firmen auch menschliche DNA-Daten aneignen. 1993 wurde beim US Department of Commerce and Trade ein Patentantrag für die T-Zelle einer Guaymi-Frau aus Panama eingereicht, die mit besonderen menschlichen Viren (HTLV) infiziert war, die bei der Krebsbekämpfung hilfreich sein können. Der Antrag löste internationale Proteste aus und wurde zurückgezogen. Dies hielt das US National Institute of Health jedoch nicht davon ab, die DNA eines Mannes des Hagahai-Volkes in Papua Neu Guinea zu patentieren. Zwar scheiterte auch dieser Versuch, menschliche Gene zu beanspruchen, zu besitzen und kommerziell zu verwerten, an internationalen Protesten. Doch seither haben sich die Versuche, die Gene ursprünglicher Völker patentieren zu lassen, vervielfacht. Und im Internet kann heute jeder offen Blutzellen von Amazonas-Indianern kaufen.

Immer wieder versuchten Regierungen der betroffenen Entwicklungsländer, Verhandlungen über internationale Abkommen zur Bio-Sicherheit und zum Schutz der biologischen Vielfalt anzuregen. Bislang blockierten die Vereinigten Staaten routinemäßig jeden dieser Versuche und beschuldigten die Initiatoren solcher Bemühungen, den internationalen freien Handel zu behindern und drohten mit entsprechenden Sanktionen.

Als im Juli 1944 die Vertreter von 44 Staaten und Regierungen in Bretton Woods den Grundstein für die heutige Weltordnung legten, war es kein Geringerer als John Maynard Keynes, der die Gründung solcher Institutionen wie der Weltbank oder des Weltwährungsfonds bitter beklagte. Er prophezeite, dass eine derart organisierte Weltwirtschaft den Reichtum und die Macht der Gläubigernationen erheblich erhöhte, während die Schuldner immer tiefer in Verschuldung und Abhängigkeit versänken. Stattdessen plädierte er für eine "international clearing union", die Handelsungleichgewichte automatisch ausgleichen und Schulden eliminieren würde. In diesem System wären die Gläubiger gezwungen, für ihren Devisenüberschuss ebenso Zinsen zu zahlen, wie die Schuldner auf ihre Kredite.[6]

Keynes war damals nicht alleine. Den meisten der Architekten von Bretton Woods war klar, dass die Freiheit des Welthandels von Fairness im Handel begleitet sein musste. Sie schlugen eine "Internationale Handelsorganisation" vor, die sowohl die Zölle abbauen, als auch den Technologietransfer in arme Länder, die Rechte der Arbeiter fördern und die großen Firmen daran hindern sollte, die Weltwirtschaft zu kontrollieren.

Doch die USA lehnten derart großzügige Ideen ab. Sie drohten, Großbritanniens Anteil am Marshall-Plan zurückzuhalten, sollte die von Keynes geführte britische Delegation auf ihren Vorschlägen beharren. Keynes gab nach. In einem Brief an die Londoner „The Times" räumte er später ein, dass sich die Handelspolitik des Währungsfonds und der Weltbank als "sehr töricht" erweisen und "derart zerstörerisch auf den internationalen Handel" auswirken könnte, "dass Bretton Woods - sollte ihre Einrichtung gebilligt werden - reine Zeitverschwendung gewesen sein wird."

Seither sind Weltbank und IMF zu kaum mehr als Instrumenten zur Durchsetzung amerikanischer Handelspolitik degeneriert. Um die Wahrung ihrer Interessen im Ausland zu sichern, werden Oppositionsgruppen und Parteien in zahlreichen Ländern von einer ganzen Reihe nationaler Einrichtungen der US-Administration, des Kongresses und der Demokratischen wie der Republikanischen Partei finanziert und trainiert. 1983 richtete der Kongress die National Endowment for Democracy (NED) ein, die nach den Enthüllungen diverser Senatsausschüsse einen Teil der bisherigen CIA-Aktivitäten übernehmen sollte und dafür jährlich mit 100 Millionen Dollar ausgestattet wurde. Daneben existieren Institutionen wie die Development Alternatives, Inc DAI, die Panamerican Development Foundation, das International Republican Institute (IRI), das National Democratic Institute (NDI) oder Freedom House.

Die US-Bemühungen „spielten eine größere Rolle als zuvor bekannt war“, berichtete die New York Times über die Rebellionen in den arabischen Staaten. Wahlkampfstrategien, Wahlbeobachtung und der Einsatz neuer Medien wie Facebook oder Twitter bei der Organisierung der Opposition sei „wichtigen Führern dieser Bewegungen von Amerikanern beigebracht“[7] worden. So wurden etwa die ägyptische Jugendbewegung 6. April, das Menschenrechtszentrum in Bahrain oder die Basisaktivistin und Jugendführerin Entsar Qadhi im Jemen von Gruppierungen wie IRI, NDI oder Freedom House ausgebildet und finanziert, wie aus diplomatischen Kabeln, die Wikileaks an die Presse geleitet hat, hervorgeht.

Solche Unterstützung führte gelegentlich zu der bizarren Situation, dass die USA beide Seiten in der Auseinandersetzung unterstützten. „Wir schätzten das Training zwar, das wir durch die US-finanzierten NGOs erhielten, und es half uns auch in unserem Kampf“, warf Bashem Fathy, einer der Gründer der ägyptischen Jugendbewegung Washington vor. „Wir wissen aber auch, dass die gleiche Regierung auch unseren Staatssicherheitsdienst ausbildete, der für die Verfolgung und Verhaftung von vielen von uns verantwortlich war.“[8]

Wenn diese Formen der Einflussnahme in die Angelegenheiten ausländischer Staaten nicht zum gewünschten Erfolg führten, griffen die Vereinigten Staaten oftmals in noch massiverer Weise ein. In zahlreichen Geheimdienstoperationen destabilisierten sie Staaten und Regierungen, um einen Wandel herbeizuführen. Regierungen, die Washingtons Interessen nicht ausreichend berücksichtigten, wurden gestürzt; gelegentlich wurden widerspenstige Politiker kurzerhand ermordet. Und oft genug setzten die Vereinigten Staaten ihre ganze militärische Macht ein, wenn das Ziel anders nicht durchzusetzen war. Schließlich bekannte sich schon Theodore Roosevelt, der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, zu dem Motto: „Kein Triumph des Friedens kann sich mit dem Triumph des Krieges messen.“[9]

Auf der Sitzung des Senatsausschusses für Außenbeziehungen und die Streitkräfte am 17. September 1962 legte US-Außenminister Dean Rusk erstmals eine äußerst lückenhafte Liste militärischer oder geheimdienstlicher Interventionen der USA im Ausland vor. 1969 erstellte der Kongress eine weitere, leicht erweiterte Liste aller Einsätze von US-Truppen und –Agenten im Ausland zwischen 1798 und 1945, die 1975 noch einmal verbessert wurde. Vor wenigen Jahren erarbeitete das Foreign Affairs Department des Forschungsdienstes des amerikanischen Kongresses eine Neufassung dieser Chronik – „Instances of Use of United States Armed Forces Abroad, 1798 – 2004” by Richard F. Grimmett, Specialist in National Defense, Foreign Affairs, Defense, and Trade Division, Washington DC: Congressional Research Service, Library of Congress, October 5, 2004 – im folgenden Congressional Research Service report RL30172 genannt –, die allerdings immer noch lückenhaft blieb. Die Erläuterungen lieferten kaum Erklärungen über die politischen Hintergründe der Interventionen, sie dienten weit eher der Verschleierung der tatsächlichen Ereignisse.

Während meiner Arbeit als Journalist in diversen Weltregionen stieß ich auf weitere Hinweise und Berichte über massive amerikanische Einflussnahmen und Einmischungen in die inneren Angelegenheiten zahlreicher Staaten. Im Laufe der Jahre fand ich nicht nur zusätzliches Material in Büchern, Zeitschriften, Zeitungsartikeln, in Museen und im Internet, das über die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, die zu diesen Interventionen geführt hatten, aufklärte. Ich fand Darstellungen, Hinweise und Belege für zahlreiche US-Interventionen, die der Kongressbericht überhaupt nicht erwähnte.

Gelegentlich ist es schwierig, zu entscheiden, wann eine Intervention gerechtfertigt oder sogar wünschenswert ist, und wann sie ausschließlich der Durchsetzung eigennütziger, nationaler Interessen dient. So können etwa die Entscheidungen der Präsidenten Woodrow Wilson und Franklin D. Roosevelt, in die Weltkriege einzugreifen, zweifellos als gerechtfertigt angesehen werden. (Wobei die USA in beiden Weltkriegen erst nach massiven Provokationen militärisch intervenierten. Im Ersten Weltkrieg führten Deutschlands Erklärung des uneingeschränkten U-Bootkriegs sowie das sogenannte Zimmermann-Telegram zum amerikanischen Kriegseintritt , im Zweiten Weltkrieg führte Japans Angriff in Pearl Harbour zum US-Kriegseintritt.) Sollte in Fällen wie Somalia, wo eine Hungersnot zwei Millionen Menschen bedrohte, die radikalislamischen al-Shabaab-Milizen jedoch die angelaufenen Hilfsmaßnahmen und somit das Leben Hunderttausender gefährdeten, massiver eingegriffen werden? In anderen Fällen wie etwa 1953 in Iran, 1957 bei der Unterstützung der aufständischen Offiziere in Indonesien oder in ihrem Krieg in Vietnam sind Zweifel angebracht. Besonders in Lateinamerika haben die häufigen, zumeist von engstirnigen, nationalen und wirtschaftlichen Interessen geprägten amerikanischen Einmischungen in die inneren Angelegenheiten dieser Staaten zu großer Ablehnung und sogar Hass gegenüber dem übermächtigen Nachbarn im Norden geführt. Bis heute viel zitiert ist Porfirio Diaz, der langjährige Diktator Mexikos, der den USA mehr Rechte in seinem Land einräumte als jede andere mexikanische Regierung und dies dennoch beklagte: „Armes Mexiko, so fern von Gott und so nah bei den USA.“

Die Idee zu dieser Chronik der amerikanischen Interventionen im Ausland entstand vor 30 Jahren in Managua. Dort fand ich in einer Buchhandlung einen schmalen Band[10], in dem die militärischen Interventionen der Vereinigten Staaten in Lateinamerika und Ländern anderer Kontinente aufgelistet waren. Die Broschüre berief sich auf die 1962 von Außenminister Dean Rusk vorgelegte Liste sowie die 1975 vom amerikanischen Kongress erstellte Chronik aller Einsätze von US-Truppen und Agenten im Ausland zwischen 1798 und 1945.

Die folgenden vier Kapitel konzentrieren sich auf die politischen Einflussnahmen der Vereinigten Staaten von Amerika im Ausland – entweder durch geheimdienstliche Bemühungen, eine ungeliebte Regierung zu destabilisieren, oder durch direkte militärische Operationen zur Unterstützung oder zur Beseitigung einer solchen Regierung.

Armin Wertz, Jakarta, Februar 2012

"Ich zittere um mein Land, wenn ich daran denke, dass Gott gerecht ist." Thomas Jefferson

„DIE GANZE HEMISPHÄRE GEHÖRT UNS“

Es ist schon seltsam, wie lange sich die Legende von der amerikanischen Isolationspolitik in der offiziellen Geschichtsschreibung halten konnte. Selbst ein oberflächlicher Blick in die Geschichte der US-Außenpolitik zeigt, dass diese Mär in völligem Widerspruch zu den historischen Fakten steht. Die imperiale Politik der Vereinigten Staaten setzte eben nicht erst mit der Machtergreifung der Bush-Dynastie ein sondern bereits weit früher, keine zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit.

Schon die Gründung der Vereinigten Staaten und die spätere Ausdehnung über den nordamerikanischen Kontinent wurde nur mit der Zerschlagung zahlreicher indianischer Nationen erreicht, deren Herrschaftsgebiete oftmals durchaus der Definition eines Staates entsprachen. Die Einheimischen wurden die ersten Opfer amerikanischer Machtansprüche. Um sich ihr Land anzueignen, schlossen die Vereinigten Staaten 800 Verträge mit den verschiedenen indianischen Nationen. Rund 430 davon wurden vom Kongress nicht ratifiziert. Dennoch wurde von den Indianern erwartet, dass sie sich an die Bestimmungen dieser Verträge hielten. „Noch tragischer jedoch war, dass die USA von den 370 Verträgen, die ratifiziert wurden, nicht einen einzigen einhielten“, schrieb Daniel K. Inouye, der Vorsitzende des Senate Select Committee on Indian Affairs im Vorwort zu Oren Lyons‘ „Exiled in the Land of the Free“[11]. Als die ersten Europäer an der Ostküste eintrafen, lebten zwischen 20 und 50 Millionen Indianer in dem Land, das später die Vereinigten Staaten wurde. Ende des 19. Jahrhunderts waren gerade noch 250 000 übrig. Es hatte ihnen nicht geholfen, dass die sogenannten Gründerväter die Indianer durchaus nicht als die Wilden sahen, die sie in den Augen der Pelztierjäger, Abenteurer, Goldgräber, Viehzüchter und Farmer waren, die sich das Land aneigneten. Sonst hätten sie wohl kaum die föderale Regierungsform der Sechs Nationen der Irokesen-Konföderation so genau studiert und sogar empfohlen, sich an diesem Modell zu orientieren. „Die Liga der Irokesen inspirierte Benjamin Franklin, sie zu kopieren, als er die Staatenföderation plante“, notierte John F. Kennedy im Vorwort zu William Brandon’s „American Heritage Book of Indians“[12].

Spätere Generationen folgten wieder den Vorstellungen der bigotten Pilgrim Fathers, die schon kurz nach ihrer Ankunft (1640) in einer Resolution ihre Ansprüche sehr klar formuliert hatten: „1. Die Erde und alles darin ist Gottes. 2. Gott mag die Erde oder irgendeinen Teil davon seinem auserwählten Volk geben. 3. Wir sind sein auserwähltes Volk.“[13] Schon die Vorstellungen der bescheidensten Unabhängigkeitskämpfer um George Washington beschränkten sich nicht nur auf die 13 Ostküstenstaaten, sondern sahen die Westgrenze ihres neuen Staates viel weiter im Westen, am Mississippi. 30 Jahre später träumte Thomas Jefferson schon von weiteren Eroberungen und sah die Rocky Mountains als die Westgrenze der USA. Weitere 40 Jahre später, 1845, schrieb der Essayist John L. O’Sullivan in seinem Hausblättchen, den New York Morning News: „Mehr, mehr, mehr!...Bis unsere nationale Bestimmung erfüllt ist...und der ganze grenzenlose Kontinent unser ist.“[14] Amerika müsse „bald die ganze Hemisphäre von der eisigen Wildnis des Nordens bis zu den fruchtbaren Regionen des lächelnden Südens“[15] umfassen, eiferte ein anderer Kolumnist zur gleichen Zeit im New York Herald. Und im Kongress wurde von einer zukünftigen Ausdehnung „vom Isthmus von Darien (Panama) bis zur Behringstraße“[16] schwadroniert. 1912 stellte Präsident William Howard Taft klar: „Der Tag ist nicht fern, wenn drei Stars and Stripes an drei gleichweit entfernten Punkten unser Territorium markieren werden: am Nordpol, am Panamakanal und am Südpol. Die ganze Hemisphäre wird uns gehören, tatsächlich gehört sie uns aufgrund unserer rassischen Überlegenheit moralisch schon heute.“[17]

Expansionismus und Manifest Destiny beherrschten das Denken und Handeln der Siedler wie der Präsidenten. Staaten wurden annektiert, die seit Jahrtausenden dort ansässigen Indianer mit Feuer, Hunger und Pocken-infizierten Decken ermordet, ausgerottet oder in Reservate gesperrt. Noch vor dreißig Jahren lebten über 20 Stämme in den USA, ohne die amerikanische Staatsbürgerschaft zu besitzen. In einer Art Salamitaktik eigneten sich die USA über die Jahrzehnte große Gebiete an, die zum spanischen Kolonialreich gehörten. Beinahe prophetisch lesen sich O’Sullivans weitere Ausführungen: „Wir sind die Nation des menschlichen Fortschritts, und wer wird, was kann uns auf unserem Marsch vorwärts Grenzen setzen? Die Vorsehung ist mit uns, und keine irdische Macht kann… Für diesen gesegneten Auftrag an die Nationen der Welt, die ausgeschlossen sind vom lebenspendenden Licht der Wahrheit, ist Amerika auserwählt… Wer kann daran zweifeln, dass unser Land dazu bestimmt ist, die große Nation der Zukunft zu sein?“[18]

Zwar beschrieben die Kolonialherren schon im 19. Jahrhundert ihre militärischen Interventionen in den Kolonialreichen manchmal als „Terrorismus-Bekämpfung“. Häufiger jedoch bezeichneten sie Völker, die keine Lust hatten, kolonisiert zu werden oder unter einer Kolonialherrschaft zu leben, schlicht als „Wilde“. Regierungen, die auf ihrer staatlichen Souveränität beharrten, waren „Banditen“, „islamische Fanatiker“ oder (vor allem im asiatisch-pazifischen Raum) „Piraten“.

Präsident Theodore Roosevelt etwa sprach und schrieb häufig über diese „verachtenswerten, kleinen Krea-turen in Bogotá“, diese „Banditen in Bogotá“, „diese Bande von Hasen (jack rabbits) in Bogotá“, denen Wa-shington wohl „eine Lektion erteilen muss.“[19] Die „Banditen“, „Hasen“ oder „kleinen Kreaturen“ waren die kolumbianische Regierung und der kolumbianische Senat, die zwar den Franzosen eine Lizenz zum Bau ei-nes Kanals durch Panama erteilt hatten, sich aber weigerten, diese Lizenz nach dem Scheitern Ferdinand de Lesseps auf die USA zu übertragen. (Panama war bis 1903 eine kolumbianische Provinz). In Lateinamerika geschieht nichts ohne das Einverständnis Washingtons. Schon 1829 schrieb Lateinamerikas Unab-hängigkeitskämpfer Simón Bolívar aus Guayaquil in einem Brief an den britischen Chargé d’Affaires in Kolumbien, Oberst Patrick Campbell: „Die Vereinigten Staaten scheinen von der Vorsehung dazu ausersehen zu sein, im Namen der Freiheit Elend über Amerika zu bringen.“[20] 65 Jahre später erklärte US-Außenminister Richard Olney offen: „Tatsächlich sind die USA praktisch der Souverän auf diesem Kontinent, und ihre Anweisungen sind Gesetz in allen Angelegenheiten, wo sie intervenieren.“[21]

„Unsere Botschafter bei den fünf kleinen Republiken zwischen der mexikanischen Grenze und Panama... waren Berater, deren Rat in den Hauptstädten, wo sie residierten, praktisch als Gesetz akzeptiert wurde,“ notierte Robert Olds, Staatssekretär im State Department, 1927 in einem Memorandum: „Wir kontrollieren die Geschicke Mittelamerikas, und wir tun das aus dem einfachen Grund, dass das nationale Interesse einen solchen Kurs diktiert... Bis heute hat Mittelamerika immer verstanden, dass Regierungen, die wir anerkennen und unterstützen, an der Macht bleiben, während jene, die wir nicht anerkennen und unterstützen, scheitern.“[22]

Gleichzeitig operierten amerikanische Verbände zunehmend auch in entfernteren Regionen, im Mittelmeer, in Afrika, in Asien, im Pazifik und besonders im Nahen und Mittleren Osten. Eine Reihe von Übereinkünften, die die Vereinigten Staaten in den zwanziger Jahren schlossen, um die Ölförderung zu begrenzen und sicherzustellen, dass die bedeutendsten (zumeist amerikanischen) Firmen den Ölpreis auf den Weltmärkten kontrollieren konnten, kulminierte 1928 im sogenannten Red Line Agreement, das bis in die vierziger Jahre die Ölförderung und -politik im Mittleren Osten bestimmte. Standard Oil und Mobil erhielten Teile an der bislang rein britischen Iraq Petroleum Company. 1944 schlossen Washington und London das Anglo-American Petroleum Agreement, in dem die beiden Regierungen das Öl des Mittleren Ostens unter sich aufteilten. „Das persische Öl… gehört euch“, überließ US-Präsident Franklin D. Roosevelt gegenüber Londons Botschafter in Washington, Lord Halifax, den Iran großzügig Großbritannien. „Wir teilen uns das Öl Iraks und Kuweits. Was Saudi Arabiens Öl angeht, das gehört uns.“[23] Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs betrachteten die USA den Mittleren Osten als “die strategisch wichtigste Weltregion” und „einen der größten materiellen Preise in der Weltgeschichte“[24]. (Wie einträglich diese Abkommen werden sollten, erwies sich später: Zwischen 1948 und 1960 erzielte amerikanisches und britisches Kapital bei Gesamtinvestitionen von 1,3 Milliarden Dollar nicht weniger als 12,8 Milliarden Dollar Gewinn aus der Förderung, der Raffination und dem Verkauf von Öl aus dem Nahen und Mittleren Osten.) Auf dass es niemand vergesse, verkündete Präsident Jimmy Carter 1980 in seiner State of the Union-Rede die sogenannte Carter-Doktrin und wiederholte noch einmal, wem das Öl gehört: Die strategische Bedeutung des Persischen Golfs liegt in „der überwältigenden Abhängigkeit der westlichen Demokratien von den Öllieferungen aus dem Mittleren Osten… Jeder Versuch einer anderen Macht, die Kontrolle über den Persischen Golf zu gewinnen, wird als Überfall auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika angesehen… und mit allen notwendigen Mitteln einschließlich militärischer Gewalt zurückgeschlagen werden.“[25]

Zwar haben die USA in ihrer langen Geschichte nur in elf verschiedenen Fällen (in fünf Kriegen) formal einer anderen Nation den Krieg erklärt. Doch militärische Interventionen, grobe, aber auch subtilere Einmischungen in die Angelegenheiten anderer Staaten haben eine lange Tradition in der amerikanischen Außenpolitik und begannen schon kurz nach der Unabhängigkeit der USA. Verglichen mit Paris, London oder Berlin war Washington jedoch sehr oft verblüffend ehrlich und sprach nicht von einer action civilisatrice oder von edlen Zielen, den Eingeborenen den rechten Glauben, Fortschritt oder eine höhere Kultur bringen zu müssen, sondern nannte oft frank und frei den Schutz amerikanischer Interessen, amerikanischen Besitzes und amerikanischer Staatsbürger als Grund für sein militärisches Eingreifen.

1794 - 1795 Ohio (unabhängiges Indianergebiet): George Washingtons „Northwest Ordinance“ öffnete die sogenannten Nordwestterritorien weißen Siedlern, die daraufhin in die bislang nur von Indianern bewohnten Gegenden strömten. Die Indianer widersetzten sich diesem Vordringen, woraufhin Washington die Armee schickte, den Widerstand zu ersticken. Doch eine Konföderation diverser Stämme, geführt von dem Shawnee Blue Jacket, dem Miami Kleine Schildkröte, dem Lenape-Häuptling Buckongahelas sowie dem Ottawa Egushawa schlug die Invasionsarmeen unter Führung der Generale Josiah Hamar und Arthur St. Clair vernichtend. Nach dieser Niederlage strebten die USA eine Verhandlungslösung an. Die Allianz unter Blue Jacket bestand jedoch auf einer Grenzlinie, der die Amerikaner keinesfalls zustimmen wollten. Also schickte Washington eine neue Armee unter General Anthony Wayne, die Blue Jacket und seine Alliierten in der „Battle of Fallen Timbers“ schlug. Die Indianer hatten auf britische Unterstützung gehofft. Als diese nicht eintraf, sahen sie sich gezwungen, 1795 den Vertrag von Greenville zu unterzeichnen, in dem sie das heutige Ohio und Teile des heutigen Indianas an die Vereinigten Staaten abtreten mussten.

1795 Florida (spanisches Territorium): Amerikanische Truppen annektierten Teile Westfloridas.

1798 - 1800 Unerklärter Seekrieg mit Frankreich: US-Truppen landeten in Porto Plata im damaligen Santo Domingo, wo Marines unter den Kanonen des Forts ein französisches Schiff kaperten. Der Hintergrund: Der Sklave Toussaint Louverture führte in der einträglichsten französischen Kolonie, dem heutigen Haiti, den einzigen erfolgreichen Sklavenaufstand der Geschichte, der 1804 schließlich zur Unabhängigkeit Haitis führen sollte. Seine Truppen hatten den Hafen eingenommen. Der US-Vizepräsident, Tabakpflanzer und Sklavenhalter Thomas Jefferson fürchtete jedoch den Einfluss, den eine erfolgreiche Sklavenrevolution unter den eigenen Sklaven haben könnte, und verhandelte darum mit Frankreich und Großbritannien über Möglichkeiten, die Insel in eine Art Protektorat der USA, Frankreichs und Großbritanniens zu verwandeln, „um diese Krankheit (die Abschaffung der Sklaverei) auf diese Insel zu beschränken. Solange wir den Schwarzen verbieten, über eigene Schiffe zu verfügen, können wir ihnen erlauben, als Freie zu leben und sogar lukrative Handelskontakte mit ihnen pflegen.“[26]

1801 Texas (spanisches Territorium): Der ehemalige Buchhalter und Pferdehändler Philip Nolan führte eine Expedition in die nördlichen Provinzen des spanischen Vizekönigreichs Mexiko, um dort ein eigenes Königreich zu gründen. Am 21. März unterlagen er und seine Männer einer 120 Mann starken spanischen Einheit am heute nach ihm benannten Nolan River.

1801 – 1805 Erster Berberkrieg: Weil die USA nicht bereit waren, den Berberstaaten in Algier, Tunis, oder Tripoli für das Recht, in deren Herrschaftsbereich Handel zu treiben, Tribut zu zahlen, was Washington als Piraterie bezeichnete, beschlagnahmte der Pascha von Tripoli zwei US-Fregatten, die USS George Washington sowie die USS Philadelphia. Die USA antworteten mit der Entsendung von Marines, die in Tripoli landeten, die Besatzung der Philadelphia befreiten und die Fregatte verbrannten. US-Schiffe segelten in den Hafen von Tanger und befreiten einige andere amerikanische Gefangene.

1803 Louisiana (Französisches Gebiet): Mit der Behauptung, eine vertragliche Annäherung mit

Großbritannien stünde bevor, erschreckte die US-Regierung Napoleon. Um dies zu verhindern zeigte sich der französische Kaiser bereit, die bislang unter französischer Hoheit stehenden Gebiete westlich des Mississippi zu einem Preis von weniger als drei Cent pro Morgen an die USA zu verkaufen. Die Gesamtsumme, die Washington für die 2 144 520 qkm zu bezahlen hatte, belief sich auf 27 267 622 US$. Der sogenannte Louisiana Purchase war der größte aller Landkäufe in der amerikanischen Geschichte und verdoppelte die Größe der USA.

1806 Mexiko (spanisches Territorium): Auf Befehl seines Vorgesetzten, General James Wilkinson, drang Capt. Zebulon Montgomery Pike mit einem Platoon im Quellgebiet des Río Grande auf mexikanisches Gebiet vor. Spanische Truppen schlugen zurück, nahmen das Fort ein, das Pike im heutigen Colorado gebaut hatte, und die eingedrungenen US-Soldaten gefangen.

1806 – 1810 Golf von Mexiko: Amerikanische Kanonenboote operierten von New Orleans aus (das mit Napoleons Verkauf von Louisiana 1804 an die USA gegangen war) gegen spanische und französische Piraten, die im Mississippi-Delta operierten.

1808 Texas und Kalifornien (spanische Territorien): Die USA entsandten zwei Expeditionen, um die Gebiete zu „erforschen“.

1809 Kuba (spanisches Territorium): US-Präsident Thomas Jefferson scheiterte mit seiner Absicht, unter Ausnutzung spanisch-französischer Spannungen Kuba zu annektieren.

1810 Westflorida (spanisches Territorium): Auf Befehl Präsident Madisons besetzten US-Truppen unter dem Kommando von Louisianas Gouverneur Claiborne das Gebiet östlich des Mississippi bis zum Pearl River, der heute die Ostgrenze Louisianas bildet.

1812 Amelia Island und andere Teile von Ostflorida (spanisches Territorium): US-Truppen besetzten die Gebiete auf Befehl Präsident Madisons und mit der Zustimmung des Kongresses, angeblich um einer Besetzung durch andere Mächte zuvorzukommen.

1812 – 1813 Texas (spanisches Territorium): Unter Führung von US-Leutnant Augustus Magee drangen 130 Mann in Texas ein. Nachdem sie eine spanische Armee von 3000 Mann am 29. März 1813 bei Rosillo geschlagen hatten, zogen die Rebellen im Triumphzug in San Antonio ein und gründeten die erste Republik von Texas. Doch am 18. August desselben Jahres schlug eine spanische Streitmacht von 1800 Mann in der Schlacht von San Medina die Sezessionisten.

1812 – 1814 Northwest Territories: Der auch nach dem Vertrag von Greenville fortgesetzte und von Präsident Thomas Jefferson forcierte amerikanische Erwerb zusätzlicher Indianergebiete, alarmierte die Stämme. Die beiden Shawnee-Brüder Tecumseh und Tenskwatawa organiserten eine neue Koalition. Während Tecumseh im Süden weitere Verbündete unter den Creek, Cherokees und Choctaws rekrutierte, schlug William Henry Harrison, der Gouverneur des Indiana-Territoriums Tenskwatawa und seine Verbündeten in der Schlacht von Tippecanoe. Die Amerikaner hofften, dieser Sieg beendete den militärischen Widerstand der Eingeborenen. Stattdessen entschied sich Tecumseh für eine Allianz mit den Briten. Nachdem die Creek und Shawnee sowohl in der „Battle of the Horse-shoe“ gegen General Andrew Jackson als auch in der Schlacht an der Thames, in der Tecumseh fiel, von Harrison geschlagen wurden, war der indianische Widerstand in den alten Nordwestgebieten endgültig gebrochen.

1812 – 1815 Krieg mit Großbritannien: Während der napoleonischen Kriege verletzten sowohl britische wie französische Verbände häufig die Neutralität anderer Staaten. Napoleon vereinbarte mit Wa-shington, den Handel zwischen Großbritannien und den USA nicht zu behelligen. Großbritannien, das eine Seeblockade gegen Frankreich durchzusetzen suchte, verlangte jedoch, dass neutrale Schiffe, die einen französischen Hafen anliefen, zuerst in einem britischen Hafen Steuern zahlten. Britische Kriegsschiffe pflegten außerdem häufig US-Schiffe auf hoher See aufzubringen, um nach geflohenen englischen Deserteuren zu suchen. Zudem zeigte sich Washington zunehmend verärgert über Londons militärische Unterstützung für den Shawnee-Häuptling Tecumseh, der sich dem Vordringen weißer Siedler nach Westen widersetzte.

Um die Briten aus Kanada und die Spanier aus Florida zu vertreiben, erklärte Präsident Madison Großbritannien am 18. Juni 1812 den Krieg. Zwar wurden zahlreiche Gefechte um die Kontrolle der Großen Seen geführt, (US-Truppen brannten York [Toronto] ab, britische Truppen zündeten das Weiße Haus in Washington an), doch keiner Seite gelang ein entscheidender Durchbruch. Kriegsmüde unterzeichneten beide Parteien am 24. Dezember 1814 den Vertrag von Gent. Napoleons Niederlage in Waterloo, Tecumseh’s Tod im Kampf sowie Andrew Jacksons Zerschlagung der Creek-Konföderation brachten schließlich ein Ende der Kampfhandlungen.

1813 Westflorida (spanisches Territorium): Mit Genehmigung des Kongresses besetzte General Wilkinson mit 600 Mann Mobile Bay und vertrieb die spanische Garnison. Damit begann das Vordringen der USA in das umstrittene Gebiet am Río Perdido.

1813 – 1814 Marquesas (Französisch Polynesien): US-Verbände bauten auf der Insel Nuka Hiva ein Fort, um drei beschlagnahmte britische Prisen zu schützen.

1814 Florida (spanisches Territorium): General Andrew Jackson nahm Pensacola ein und vertrieb die anwesenden britischen Einheiten, zog sich danach aber wieder zurück.

1814 – 1825 Karibik: Zahlreiche Seegefechte amerikanischer Verbände gegen Korsaren vor den Küsten Kubas, Puerto Ricos, Santo Domingos und Yucatáns (zwischen 1815 und 1823 wurden nicht weniger als 3000 Piratenangriffe auf Handelsschiffe gezählt.)

1815 Algier - Zweiter Berberkrieg: Eine große Flotte unter Commander Decatur griff Algier an und verlangte Entschädigung für beschlagnahmte US-Schiffe. Danach segelte Decatur nach Tunis und Tripoli, wo er Entschädigungen für Verluste aus dem ersten Berberkrieg eintrieb.

1816 Florida (spanisches Territorium): US-Streitkräfte zerstörten Negro Fort unter dem Vorwand, dass von dort aus Überfälle auf US-Territorium geführt worden seien. Negro Fort hatte entflohene Sklaven aufgenommen.

1816 – 1818 Florida (spanisches Terrotorium) – Erster Seminolen-Krieg: General Andrew Jackson mar-schierte in Florida ein, verbrannte die Seminolen-Dörfer, wo von amerikanischen Pflanzungen entflohene Sklaven Unterkunft und Schutz gefunden hatten, vertrieb die Seminolen, exekutierte britische Staatsbürger, nahm die spanischen Festungen Pensacola und St. Marks ein und vertrieb ebenfalls die spanischen Bewohner von Fernandina, die 1817 ihre Unabhängigkeit von Spanien erklärt hatten. 1819 annektierten die USA Florida.

1817 Amelia Island (spanisches Territorium): Auf Befehl Präsident James Monroe’s besetzten US-Streitkräfte die Insel und vertrieben eine Gruppe von Schmugglern, Abenteurern und Freibeutern.

1818 – 1819 Oregon: Die USS Ontario landete am Columbia River, dem heutigen Grenzfluss zwischen Washington und Idaho, und nahm das Nordwestterritorien genannte Gebiet ein. Sowohl England als auch Russland und Spanien, die alle längst vor Ort vertreten waren, erhoben Anspruch auf die Kolonie. 1819 beugte sich Spanien, dessen Kolonien in ganz Lateinamerika von Unabhängigkeitsbewegungen bedroht waren, schließlich dem Druck Washingtons und überließ im sogenannten Transkontinental-Vertrag Florida und Oregon den USA. Im Gegenzug erkannten die USA Spaniens Souveränität in Texas an. Gleichzeitig bot die amerikanische Regierung Siedlern kostenlos Land an, um mit der Schaffung sogenannter facts on the ground den englischen und russischen Ansprüchen vor allem in Oregon zu begegnen.

1820 – 1823 Afrika: Flottenverbände der USA griffen den Sklavenhandel vor der afrikanischen Küste an.

1821 Mexiko: Nordamerikanische Filibuster drangen in Texas ein, besetzten die Ortschaft Goliat und wurden schließlich von mexikanischen Verbänden vertrieben.

1822 Puerto Rico (spanisches Territorium): Während England mit Spanien über einen möglichen

Tausch Gibraltars für Kuba verhandelte, landete ein amerikanisches Expeditionskorps auf Puerto Rico in dem vergeblichen Versuch, die Insel zu annektieren.

1822 Kuba (spanisches Territorium): Marineeinheiten landeten an der Nordwestküste Kubas und brannten dort ein Piratenlager ab.

1823 Missouri (unabhängiges Gebiet): Im sogenannten Arikara-Krieg besiegten 230 Soldaten, unterstützut von 750 Sioux sowie 50 Trappern den Widerstand der Arikara gegen das Vordringen der Weißen. Den Arikara wurde danach bei Fort Berthold im heutigen Norddakota eine Reservation zugewiesen.

1823 Afghanistan: Der US-Söldner Alexander Haughton Campbell Gardner ließ sich von Habib Khan anheuern, der seinen Onkel Dost Mohammed Khan vom Thron in Kabul vertreiben wollte. Als der Aufstand scheiterte, floh Gardner in den Punjab, wo er es unter dem Herrscher des Sikh-Reichs, Maharaja Ranjit Singh, bis zum Obersten brachte. Nach dem Ersten Anglo-Sikh-Krieg (1845-46) bot er seine Dienste Gulab Singh an, den die Britische Ostindien-Gesellschaft als Maharaja von Kaschmir und Jammu eingesetzt hatte.

1823 Kuba: Zwischen April und Oktober landeten US-Verbände bei der Verfolgung von Piraten fünfmal an verschiedenen Orten.

1824 Puerto Rico (spanisches Territorium): Commodore David Porter griff Fajardo an, das Piraten Unterschlupf geboten und amerikanische Offiziere beleidigt hatte.

1824 Kuba: Im Oktober landete die USS Porpoise bei der Jagd nach Piraten bei Matanzas Bluejackets an.

1825 Kuba: In einer koordinierten Aktion landeten amerikanische und britische Einheiten in Sagua La Grande, um Piraten gefangen zu nehmen.

1825 Mexiko: Durch seinen Botschafter in Mexiko-Stadt, Joel R. Poinsett, übte Präsident James Monroe Druck auf die dortige Regierung aus, das Gebiet zwischen den Flüssen Mississippi, Río Bravo und Colorado für 1.5 Millionen Dollar zu verkaufen.

1826 - 1827 Mexiko: Nachdem Mexikos Regierung 1825 mit den Mexikanischen Siedlungsgesetzen amerikanischen Unternehmern erlaubt hatte, in Texas zu siedeln, erklärte Haden Edwards mit Gleichgesinnten am 21. Dezember 1826 die unabhängige Fredonian Republic, die das Gebiet zwischen dem Río Sabine und dem Río Grande umfasste, das heute den mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas ausmacht. Als sich mexikanische Truppen näherten, floh Edwards nach Louisiana.

1827 Griechenland: Im Oktober und November landeten US-Verbände auf den Inseln Argenteire, Mykonos und Andros, um Piraten zu verfolgen.

1827 Nordwestterritorium (unabhängiges Gebiet): Der Widerstand der Winnebago wurde gebrochen, nachdem ihr Kriegshäuptling Roter Vogel in Haft gestorben und andere führende Krieger exekutiert worden waren. Nach zähen Verhandlungen traten die Winnebago unter Druck ihre Siedlungsgebiete im heutigen Illinois gegen die Bezahlung von 540 000 Dollar ab, die über 30 Jahre lang in jährlichen Raten von 18 000 Dollar ausgezahlt wurden.

1829 Indien: Unter den rund 100, überwiegend französischen und italienischen Söldnern, die die Hindu Dogras, Gurkhas und Sikhs in der Armee Rajit Singhs, des Gründers des Sikh-Reiches, ausbildeten und führten, dienten auch einige Amerikaner, darunter der amerikanische Quäker Josiah Harlan. Er brachte es zwar nicht bis zum König, zu dem ihn Rudyard Kipling in seiner Kurzgeschichte „The Man Who Would Be King“ machte. Er wurde aber immerhin Gouverneur von Gujrat (im nördlichen Teil des Punjab, an Kaschmir grenzend) und nach einer „Strafexpedition“ gegen einen uzbekischen Warlord in Afghanistan vom König in Kabul, Dost Mohammed, zum Prinzen von Ghor ernannt. (Ghor liegt im westlichen Teil Afghanistans.), ehe er – von den britischen Kolonialbehörden zur persona non grata erklärt – in die USA zurückkehrte.

1831 – 1832 Falkland Inseln: US-Kriegsschiffe blockierten die Küsten der Provincias Unidas del Río de la Plata (Argentinien) und zerstörten eine argentinische Siedlung auf den Falklands, um amerikanische Interessen zu schützen. Die Falkländer hatten drei Robbenjäger festgenommen.

1832 Sumatra (holländisches Territorium): Einheiten der Fregatte USS Potomac unter Kommodore John Downes landeten in Quallah Battoo und stürmten das Fort, um die Bewohner zu bestrafen, die zuvor den amerikanischen Frachter Friendship geplündert hatten. (Die Plünderung gestrandeter Schiffe galt in Südostasien nicht als Verbrechen oder ehrenrührig. Ähnliche Vorkommnisse gaben Ende des 19. Jahrhunderts den holländischen Kolonialbehörden den Vorwand, Bali zu erobern.)

1832 Illinois, USA: Wie üblich verleibten sich die USA auch diesen Staat ein und vertrieben anschließend die dort ansässigen Indianer. Nach den sogenannten Fox-Kriegen hatten die verbliebenen Fox und Sauk Zuflucht in Gebieten zwischen dem Wisconsin River im Norden und dem Illinois River im Süden sowie nördlich des Missouri gesucht. 1804 hatte Henry Harrison, der Gouverneur des Indiana-Territoriums, mit einer Gruppe von Fox- und Sauk-Häuptlingen einen Vertrag ausgehandelt, demzufolge die Indianer das Land „für immer“ an die Vereinigten Staaten abtraten, jedoch auch weiterhin solange dort leben durften, bis es vermessen und an weiße Siedler verkauft wurde. Black Hawk und andere Häuptlinge jedoch wollten den Vertrag nicht anerkennen, weil die Verkäufer gar nicht die Autorität gehabt hatten, Land zu verkaufen. 1828 schließlich sollten die Indianer ihre Siedlungen am Mississippi aufgeben. Als Black Hawk gegen die Abmachungen anderer Häuptlinge mit der US-Regierung 1830 und 1831 dennoch zur Jagd in sein altes Siedlungsgebiet zurückkehrte, erklärte der Gouverneur von Illinois dies als „eine Invasion des Staates“ und schickte ein Bataillon Milizionäre (in dem auch der spätere Präsident Abraham Lincoln diente) gegen ihn. Black Hawk zog sich nach Iowa zurück, das noch nicht Bundesstaat der USA war. Black Hawks Kämpfe gegen amerikanische Milizen und reguläre Truppen zogen sich vier Monate hin. Nach der Niederlage in der „Schlacht des schlechten Beils“, die schon von zeitgenössischen Historikern als Massaker beschrieben wurde, floh Black Hawk. Die weiße Besiedlung von Illinois, Iowa und Wisconsin war nicht mehr gefährdet. Black Hawk und andere Häuptlinge wurden gefangen genommen und auf Tourneen durch die amerikanischen Städte ausgestellt.

1832 Jamaica: Amerikanische Pflanzer und Sklavenhalter machten gemeinsame Sache mit ihren Kollegen auf der Karibikinsel, um die Sklavenwirtschaft aufrechtzuerhalten. Eine von Pflanzern aus Jamaica vorgeschlagene Annexion der Insel kam nicht zustande.

1833 Argentinien: US-Verbände landeten in Buenos Aires, um während revolutionärer Unruhen die Interessen der USA zu schützen.

1835 – 1836 Peru: US-Marines landeten in Callao und Lima während eines Putschversuchs, um ameri-kanische Interessen zu schützen und der Regierung bei der Niederschlagung des Coups zu helfen.

1835 – 1836 Mexiko: Die amerikanischen Siedler im mexikanischen Texas waren unzufrieden, weil sie nach mexikanischem Gesetz keine Sklaven halten durften. Im Dezember, zu Beginn des texanischen Unabhängigkeitskrieges, besetzten Freiwillige unter dem Kommando von Oberst William Travis die ehemalige Franziskaner-Mission Los Alamos (spanisch: Baumwollholz). Am 23. Februar begann der mexikanische General Antonio López de Santa Ana die Belagerung. Nach 13 Tagen nahmen die mexikanischen Truppen das Fort ein. Am 21. April jedoch besiegten die texanischen Verbände unter ihrem Oberbefehlshaber Sam Houston die mexikanische Armee in der Schlacht von San Jacinto beim heutigen Deer Park in Harris County. Santa Ana wurde gefangen genommen und gezwungen, ein Abkommen zu unterzeichnen, in dem er Texas‘ Unabhängigkeit akzeptierte.

1835 – 1842 Zweiter Seminolen-Krieg: Die Seminolen weigerten sich, den Weisungen aus Washington zu folgen, die 1818 eigens für sie geschaffene Reservation nördlich des Okeechobee-Sees zu verlassen und westlich des Mississippi neu zu siedeln. Weiße Siedler versuchten die Seminolen unter Berufung auf den Indian Removal Act (den Präsident Andrew Jackson als Gesetz unterzeichnet hatte, um die Indianer, wenn nötig mit Gewalt, aus Florida in die neuen, mit dem Louisiana-Kauf erworbenen Gebiete umzusiedeln) von dem fruchtbaren Land zu vertreiben. Doch unter der Führung ihres Häuptlings Osceola verschanzten sich die Indianer in den Everglades und leisteten erbitterten Widerstand. Es war der längste und kostspieligste Krieg, den die USA gegen die Eingeborenen führten. Osceola akzeptierte ein Waffenstillstandsangebot, um Verhandlungen zu führen. Es war eine Falle, Osceola wurde gefangen genommen. Danach flaute der Widerstand der Seminolen ab, die meisten emigrierten nach Westen.

1836 Mexiko: General Gaines besetzte während des texanischen Unabhängigkeitskrieges von Juli bis Dezember den texanischen Ort Nacogdoches unter dem Vorwand, einem drohenden Indianeraufstand zuvorkommen zu wollen.

1838 Kanada: Nach dem Scheitern ihres Aufstandes (1837), mit dem sie Kanadas Unabhängigkeit erreichen wollten, flohen die Rebellen um William Lyon Mackenzie nach Navy Island im St. Lorence Strom, wo sie die Republik von Kanada ausriefen. Amerikanische Sympathisanten schickten mit der SS Caroline Nachschub. Doch britische Verbände brachten die Caroline auf und verbrannten sie, wobei ein US-Bürger umkam. In Vergeltung verbrannten US-Verbände einen britischen Dampfer, der sich gerade in amerikanischen Gewässern aufhielt. Die Auseinandersetzungen gingen als „die Caroline-Affäre“ in die Geschichte ein.

1838 – 1839 Sumatra (holländisches Territorium): Vom 24. Dezember 1838 bis zum 4. Januar 1839 besetzten US-Truppen erneut Quallah Battoo und Mukki, um die Einwohner für Schäden zu be-strafen, die sie an amerikanischen Schiffen angerichtet hatten.

1840 Fidschi-Inseln: US-Truppen landeten, um die Eingeborenen zu bestrafen, die amerikanische Forscher und Landvermesser angegriffen hatten.

1840 McKean Island (Drummond Island/Taputenea), Gilbert Islands (Kingsmill Gruppe): US-Truppen landeten, um die Ermordung eines amerikanischen Seemannes durch Eingeborene zu rächen.

1841 Samoa: US-Truppen landeten und brannten ein paar Ortschaften ab, um die Ermordung eines amerikanischen Seemanns auf der Insel Upolu zu rächen.

1842 Mexiko: Commodore Thomas ap Catesby Jones besetzte mit einer Schwadron Monterey (Kalifornien), weil er glaubte, Krieg sei ausgebrochen. Als er alles friedlich fand, zog er sich wieder zurück. Eine Woche später wiederholte sich das Spektakel in San Diego.

1843 China: Seeleute und Marines der USS St. Louis landeten nach Zusammenstößen zwischen Amerikanern und Chinesen in Kanton. Im 19. Jahrhundert erzwangen Großbritannien, Frankreich, die Vereinigten Staaten, Russland, Japan und Deutschland eine ganze Reihe von sogenannten „ungleichen Verträgen“ mit China, die den ausländischen Mächten in der Geschichte einmalige Souveränitätsrechte auf fremdem Territorium einräumten und ihnen in Lenins Worten die Möglichkeit gab, China „zu plündern, wie Leichenfledderer, die Tote ausrauben“.[27] Der Vertrag von Wanghia (1844) etwa garantierte den USA (andere Staaten schlossen ähnliche Verträge mit den schwachen Regierungen der Qing-Dynastie) ein eigenes unabhängiges Rechtssystem, eine eigene Polizei und ein eigenes Steuersystem in den Häfen. Der Vertrag von Tientsin (1858) erweiterte die älteren Verträge. Nun durften sich Ausländer ungehindert in China bewegen, die Wasserwege wie den Yangtse benutzen, christliche Missionare entsenden. Die Verträge legalisierten den Handel mit Opium und Kulis. Jeden chinesischen Verstoß gegen die Verträge beantworteten die Großmächte regelmäßig mit Militäraktionen.

1843 Afrika: Vier US-Kriegsschiffe landeten diverse Einheiten an der Elfenbeinküste, um den Sklavenhandel zu stören und Eingeborene zu bestrafen, die amerikanische Seeleute angegriffen hatten.

1844 Mexiko: Präsident John Tyler schickte Truppen, um Texas gegen Mexiko zu schützen.

1844 Dominikanische Republik: Auf Drängen Präsident Tylers beantragte die Regierungsjunta in Santo Domingo den Anschluss an die USA. Das Projekt scheiterte am Widerstand der Bevölkerung.

1844 Mexiko: Angeführt von Francis Sentmanat fielen Filibuster aus New Orleans in Tabasco ein. Mexikanische Verbände nahmen sie gefangen und richteten sie hin.

1845 Mexiko: Am 29. Dezember erklärte US-Präsident James K. Polk offiziell und öffentlich die Annexion von Texas.

1846 – 1848 Der mexikanisch-amerikanische Krieg: Kurz nach der US-Annexion von Texas brach Mexiko die Beziehungen zu den USA ab. Daraufhin sandte Präsident Polk John Slidell als Sonderbeauftragten in geheimer Mission nach Mexiko-Stadt, um die umstrittene Grenze zu Texas zu verhandeln und amerikanische Ansprüche in Mexiko durchzusetzen. Zudem hatten die USA längst begehrliche Blicke auf das mineralreiche Nevada geworfen und wollten die Häfen von San Francisco sowie San Diego. Im Auftrag seiner Regierung sollte Slidell das Gebiet von Neu-Mexiko für fünf Millionen Dollar kaufen, für Kalifornien offerierte er 25 Millionen. Als die Mexikaner ablehnten, Slidell überhaupt zu empfangen, befahl Polk seinem General Zachary Taylor, das umstrittene Gebiet zwischen Nueces und dem Río Grande zu besetzen. Daraufhin griffen mexikanische Truppen an. Mit der Begründung, Mexiko sei „in unser Territorium einmarschiert und hat amerikanisches Blut auf amerikanischem Boden vergossen“[28], erklärte Polk mit der überwältigenden Zustimmung des Kongresses Mexiko den Krieg. Während Taylor den Río Grande überschritt, Oberst Stephen Kearny Kalifornien und Neu-Mexiko besetzte, nahm General Winfield Scott Veracruz und besetzte am 14. September 1847 Mexiko-Stadt. Unter dem Druck der amerikanischen Übermacht, unterzeichnete Mexiko am 2. Februar 1848 den von Washington diktierten Vertrag von Guadelupe Hidalgo, in dem Mexiko alles Gebiet nördlich des Gila River, 1,3 Millionen qkm, die Hälfte seines Staatsgebietes (Neu-Mexiko, Utah, Nevada, Arizona, Kalifornien, Texas sowie das westliche Colorado und den südwestlichen Teil Wyomings) gegen eine Entschädigung von 18,25 Millionen Dollar abgeben musste. Zudem verpflichtete sich Mexiko, alle Schadensersatzansprüche amerikanischer Bürger zu akzeptieren und zu begleichen.

1849 Smyrna (Türkei): Ein US-Flottenverband erzwang die Freilassung eines Amerikaners, den österreichische Beamte festgenommen hatten.

1850 Kuba: Nachdem Spanien Präsident Polks Angebot, die Insel für 100 Millionen Pesos zu kaufen, abgelehnt hatte, versammelte der Söldner Narciso López mit Unterstützung aus den Südstaaten 600 Mann, mit denen er im Mai in Cárdenas einmarschierte. Wider Erwarten schloss sich die einheimische Bevölkerung nicht ihm sondern den spanischen Kolonialtruppen an, woraufhin die Invasoren nach Key West flohen. Im August 1851 unternahm López gemeinsam mit Oberst William Crittenden einen erneuten Versuch, die Insel zu erobern. Die spanischen Verteidiger nahmen die Invasionsstreitmacht fest und exekutierten viele, darunter López und Crittenden. Andere wurden zu Zwangsarbeit in die Minen geschickt.

Mai 1850 Kolumbien: Auf Bitten der kolumbianischen Regierung intervenierten US-Truppen in Panama, als in Panama-Stadt und Colón Unruhen ausbrachen. In den folgenden Jahren rief Bogotá beinahe jedes Jahr US-Truppen, um Rebellionen oder Unruhen in der Provinz zu unterdrücken. Washington war nur zu gerne bereit, diesen Bitten zu folgen, vor allem um die Panama Railroad zu schützen, die US-Firmen Mitte der fünfziger Jahre gebaut hatten. Bedeutendere Zwischenfälle ereigneten sich 1851, 1853, 1854, 1858, 1860 und 1861. Die Begründung für die Landung amerikanischer Soldaten in Panama war jedesmal die gleiche: um amerikanische Interessen während einer Revolution oder während gewaltsamer Unruhen zu schützen.

1851 Türkei: Nach einem Massaker in Jaffa, in dem etliche Ausländer, darunter auch einige Ame-rikaner, umgekommen waren, entsandten die USA eine Schwadron, in einer Machtdemonstration die Küsten der Levante zu patrouillieren.

1851 Johanns Island (Ostafrika): US-Kriegsschiffe erzwangen Schadensersatz für die Festnahme eines Kapitäns eines amerikanischen Walfängers.

1851 Mexiko: Eine nordamerikanische Truppeneinheit überfiel Sonora und zerstörte dort mehrere Ortschaften.

1852 – 1853 Argentinien: Marines landeten in Buenos Aires während einer Revolution, um die ameri-kanischen Interessen zu schützen.

1853 Mexiko: Um eine südliche Überlandroute nach Kalifornien zu schaffen, wies US-Präsident Franklin Pierce seinen Botschafter in Mexiko-Stadt, James Gadsen, an, mit der mexikanischen Regierung Santa Ana‘s über den Kauf mexikanischen Landes zu verhandeln. Die Mexikaner, die nach der nur fünf Jahre zurückliegenden Niederlage nicht wagten, es erneut auf einen Machtkampf mit dem mächtigen Nachbarn ankommen zu lassen, verkauften schließlich im sogenannten Gadsen Purchase für zehn Millionen Dollar weitere 30 000 Quadratmeilen ihres Territoriums an die USA.

1853 Nicaragua: US-Einheiten landeten in dem mittelamerikanischen Staat, um während politi-scher Unruhen US-Interessen und amerikanische Bürger zu schützen.

1853 – 1854 Mexiko: Mit einer kleinen Streitmacht segelte der Zahnarzt, Abenteurer und Filibuster Wil-liam Walker nach La Paz und erklärte die beiden mexikanischen Bundesstaaten Baja California und Sonora zu einer unabhängigen Republik. Mangel an Ausrüstung und mexikanischer Widerstand zwangen ihn ein halbes Jahr später, sein Projekt aufzugeben.

1853 – 1854 Japan: Im Juli 1883 landeten vier Schiffe unter dem Kommando von Commodore Matthew C. Perry in der japanischen Bucht von Edo, dem heutigen Tokio. Ende März kehrte Perry mit sieben Schiffen zur Konvention von Kanagawa zurück und zwang dem Shogun den sogenannten „Vertrag über Frieden und Freundschaft“ auf, der nach zwei Jahrhunderten der Isolation Japan für westliche Diplomatie und westlichen Handel öffnete und formelle diplomatische Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten begründete. Dieser Erfolg, mit dem sich die Vereinigten Staaten in Asien als gleichwertige Macht neben Russland, Frankreich und Großbritannien etablierten, lieferte den USA den Vorwand für zahlreiche Interventionen in Japan in den folgenden Jahren.

1853 – 1854 Ryukyu und Bonin Islands: Während der Verhandlungen mit Japan unternahm Commodore Perry mit seiner Flotte einige Abstecher zu diesen Inseln, landete Truppen und erzwang vom Herrscher in Naha auf Okinawa ein Handelsabkommen und das Recht für den Bau einer Kohlestation für US-Schiffe im Pazifik.

1854 Kuba: Ín den wiederholten Bemühungen, die Karibikbesitzung den Spaniern abzukaufen, wies US-Präsident Franklin Pierce seinen Botschafter in Madrid, Pierre Soulé, an, den Einfluss bedeutender europäischer Bankiers für die USA zu sichern. Das Resultat, das sogenannte Ostend Manifesto, wurde von der amerikanischen Öffentlichkeit als Aufruf interpretiert, Kuba den Spaniern zu entreißen, wenn nötig mit Gewalt.

1854 China: US-Marines schützten amerikanische Interessen während bürgerkriegsähnlicher Unruhen in Shanghai.

1854 Nicaragua: Nach der Bombardierung San Juans durch einen US-Verband als Vergeltung für eine Beleidigung des amerikanischen Botschafters in Nicaragua landeten Marines und zündeten die Stadt an, die völlig zerstört wurde.

1855 China: US-Verbände rückten in Shanghai ein, um amerikanische Interessen zu schützen.

1855 – 1857 Nicaragua: In ihrem andauernden Streit mit den Konservativen in Granada erbaten die Liberalen in León die Hilfe William Walkers, der – wie sein Präsident Franklin Pierce – zutiefst von Amerikas Manifest Destiny überzeugt war. Innerhalb eines halben Jahres kontrollierte er mit seiner Söldnerarmee Nicaragua. In einem Coup, die Kontrolle über Cornelius Vanderbilts einträgliche Accessory Transit Company (Eine Schifffahrtsgesellschaft, die zahlreiche Auswanderer von New York über San Juan del Norte, den Río San Juan aufwärts und den Nicaragua-See an die Pazifikküste und nach Kalifornien brachte) zu gewinnen, unterstützten zwei Angestellte Vanderbilts das Unternehmen Walkers, der sich am 12. Juli 1856 zum Präsidenten Nicaraguas erklärte und Vanderbilts Firmenbesitz in Nicaragua den beiden übertrug. Vanderbilt indes organisierte in Costa Rica eine mittelamerikanische Streitmacht, Walker zu stürzen. Um der Festnahme zu entkommen, ergab sich Walker am 1. Mai 1857 US-Navy Commander Charles H. Davis. Sieben Monate später verhinderten die USS Saratoga, USS Wabash und die Fulton einen erneuten Versuch Walkers, in Nicaragua einzumarschieren. Commodore Hiram Paulding’s Landung von Marines, um die Überstellung Walkers in die Vereinigten Staaten zu erzwingen, wurde von US Außenminister Lewis Cass nicht anerkannt. Paulding wurde zur Aufgabe seines Postens und in Pension gezwungen.

1855 Fidschi-Inseln: US-Kriegsschiffe landeten, um Reparationszahlungen für verwüstete ameri-kanische Einrichtungen einzufordern.

1855 – 1858 Dritter Seminolen-Krieg: Als Washington versuchte, nun die letzten Seminolen, die auch nach dem Zweiten Seminolenkrieg in Florida geblieben waren, umzusiedeln, widersetzten sich diese drei Jahre lang. Schließlich emigrierten sie gegen Bezahlung nach Westen.

1855 Uruguay: Amerikanische und europäische Flottenverbände landeten während einer Revolu-tion in Montevideo, um amerikanische Interessen zu schützen.

1855 Paraguay: Ein US-Kriegsschiff drohte Encarnación zu bombardieren, sollte das Land nicht bereit sein, seine Flüsse der „freien Navigation“ zu öffnen.

1856 Kolumbien: US-Verbände schützten amerikanische Interessen, während einer Rebellion, die sich gegen den amerikanischen Bau der Panama Railroad richtete.

1856 Haiti: Nachdem der US-Kongress ein Gesetz verabschiedet hatte, demzufolge jede Insel mit Guanofundstätten annektiert würde, die von US-Bürgern reklamiert werde, ging die zwischen Jamaica und Haiti gelegene Insel Navassa in amerikanischen Besitz über.

1856 Hawai: Ein US-Flottenverband besetzte die kleinen Hawaiinseln Jarvis, Baker und Howland.

1856 China: Als in Kanton zwischen Briten und Chinesen Feindseligkeiten ausbrachen, traf eine amerikanische Flotte ein, um die US-Interessen zu schützen und einen Angriff auf ein unbewaffnetes amerikanisches Schiff zu rächen.

1857 Mexiko: Am 24. März drang eine Gruppe von 104 Filibustern unter dem Kommando Henry A. Crabbs in Sonora ein, um es für die USA zu annektieren. Am 6. April ergaben sich 59 der Invasoren herbeigeeilten mexikanischen Truppen und wurden hingerichtet. Der Rest floh in die USA. Einen Tag später unternahm eine weitere Gruppe Amerikaner einen Invasionsversuch, der ebenso schnell besiegt wurde.

1857-58 Utah War: Nach der amerikanischen Annexion der ehemaligen mexikanischen Gebiete von

Utah kam es zwischen der US-Regierung und Mormonen-Milizen zu Auseinandersetzungen um die Kontrolle der Region, in denen Washington die Oberhand gewann.

1858 Mexiko: US-Präsident James Buchanan versuchte, die mexikanische Regierung zur Abtretung Baja California’s und zur Öffnung des Isthmus‘ von Tehuantepec für den „freien Verkehr“ zu zwingen.

1858 Nicaragua: Präsident Buchanan schickte Marines, um seiner Forderung an die nicaraguanische Regierung, den Cass-Issari-Vertrag zu unterzeichnen, der den USA freie Durchfahrt und Zollfreiheit sicherte, Nachdruck zu verleihen.

1858 Uruguay: Zwei US-Kriegsschiffe machten in Montevideo fest, um während einer Revolution amerikanischen Besitz zu schützen.

1858 Fidschi-Inseln: Die USS Vandalia landete amerikanische Truppen, um die Eingeborenen zu bestrafen, die zwei Amerikaner in Waya ermordet hatten.

1858 – 1859 Türkei: Nach einem weiteren Massaker an Ausländern in Jaffa befahl Washingtons Außen-minister erneut starke Flottenverbände vor die Küsten der Levante, um die türkischen „Behörden an die Macht der Vereinigten Staaten zu erinnern“.

1859 Paraguay: Ein US-Marineverband forderte Entschädigung für einen Angriff auf ein amerika-nisches Schiff auf dem Paraná (Fluss).

1859 Mexiko: 200 US-Soldaten verfolgten den mexikanischen Nationalisten Juan Cortina über den Río Grande nach Mexiko.

1859 China: US-Kriegsschiffe trafen in Shanghai ein, um amerikanische Interessen zu schützen.

1860 Portugiesisch Westafrika (Angola): Weil die Einheimischen „lästig“ geworden waren, riefen in Kissembo ansässige Amerikaner und Engländer amerikanische und britische Schiffe zu Hilfe, die sofort Truppen nach Kissembo entsandten.

1860 Honduras: Bei seinem dritten Versuch, Mittelamerika zu erobern, wurde William Walker von der britischen Navy gefangen genommen und den honduranischen Behörden überstellt, die ihn am 12. September in Trujillo exekutierten.

1861 – 1864 Arizona (wurde 1912 als 48. Bundesstaat in die Union aufgenommen): Zwar wehrten sich die Navajos längst nicht mit der Hartnäckigkeit etwa der Apachen gegen das Vordringen weißer Siedler, dennoch schickte die US-Regierung 1863 Oberst Kid Carson, die aufsässigen Navajos endgültig zu unterwerfen. Das Resultat dieses Befehls waren die Zerstörung der Felder und Obstbaumplantagen sowie der Herden der Indianer und die Inhaftierung von rund 8000 Navajos zusammen mit 400 Mescalero-Apachen in Bosque Reddondo, etwa 290 km südlich von Santa Fé. Diese vierjährige Haft (1864-1868) hinterließ ein bis heute anhaltendes Gefühl der Verbitterung und des Misstrauens unter den Navajos. Es waren schließlich mehr als 64 000 qkm Land in Neu-Mexiko, Arizona und Utah, die ihnen als Reservation zugewiesen wurden. Doch das trockene Land erlaubt keine Plantagenwirtschaft und kaum Viehzucht, um die Bevölkerung zu ernähren. Die heute dort lebenden Navajos sind weitgehend verelendet und dem Alkohol-Missbrauch verfallen.

1862 Dakota (USA): Nachdem Minnesota 1858 der Union beigetreten war und Siedler in den neuen Bundesstaat strömten, kam es zum ersten Aufstand der Sioux. Nach sechswöchigen Kämpfen waren die Sioux unter Führung ihres Häuptlings Taoyateduta (Kleine Krähe) geschlagen. 303 von ihnen wurden in Militärgerichtsverfahren wegen Mordes und Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Zwar begnadigte Präsident Abraham Lincoln die meisten, doch am 26. Dezember 1862 wurden 38 Dakota-Sioux in Mankato gehängt. Es war die bis heute größte Massenhinrichtung in den Vereinigten Staaten.

1863 Japan: USA schickten Truppen, um ihrer Forderung auf Wiedergutmachung für eine Beleidigung der amerikanischen Fahne Nachdruck zu verleihen.

16. Juli 1863 Japan: In der sogenannten Seeschlacht von Shimoneseki, beschossen sich amerikanische und japanische Kriegsschiffe nachdem japanische Kriegsschiffe angeblich das amerikanische Schiff Pembroke beschossen hatten.

1864 Japan: Ein Flottenverband traf ein, um den US-Botschafter bei einem Besuch in Yedo zu beschützen und seine Verhandlungen über amerikanische Ansprüche in Japan mit einer Machtdemonstration zu erleichtern.

1864 Japan: Zehn Tage lang, vom 4. bis 14., September belagerten amerikanische, britische, französische und holländische Flottenverbände Japan und Prinz Nagato, um durchzusetzen, dass ein bereits unterzeichneter Vertrag zur Nutzung der Straße von Shimonoseki im internationalen Seeverkehr nun auch ratifiziert wurde.

1864 Colorado: Zwar war den Indianern am Sand Creek von der US-Regierung versichert worden, in ihrem Siedlungsgebiet keiner Gefahr von Weißen ausgesetzt zu sein. Eine lokale Miliz weißer Siedler griff dennoch ein Dorf von Cheyenne und Arapaho-Indianern im Südwesten Colorados an, das erst 1876 ein US-Bundesstaat werden sollte, und metzelte 150 Männer, Frauen und Kinder nieder.

1865 Panama (Kolumbien): US-Truppen landeten, um während einer Revolution amerikanische Bürger und amerikanischen Besitz zu schützen.

1866 Mexiko: Um amerikanische Bürger zu beschützen, besetzte General Sedgwick im November mit 100 Mann die Grenzstadt Matamoros in Tamaulipas. Nach drei Tagen befahl die US-Regierung seinen Rückzug.

1866 China: US-Truppen straften die Einwohner von Newchwang, weil der amerikanische Konsul überfallen worden war.

1866 - 1877 Nicaragua: US-Marines besetzten León und Managua.

1866 – 1868 Süddakota: Der Kriegshäuptling der Lakota-Sioux, Makhpyia Luta (Rote Wolke), setzte dem Vordringen der weißen Siedler massiven Widerstand entgegen und führte die erfolgreichsten An-griffe gegen die US-Armee während aller sogenannten Indianerkriege. Im Vertrag von Fort Laramie von 1868 sprachen die USA den Lakota schließlich ihr angestammtes Siedlungsgebiet (zu dem auch die gesamten Black Hills gehörten) „auf alle Zeiten“ zu – ohne amerikanische Militärpräsenz oder Aufsicht, ohne weiße Siedlungen und ohne Einschränkungen etwa durch Straßenbaurechte. Im Gegenzug dazu garantierten die Lakota und zahlreiche weitere Stämme der Great Plains den auf dem sogenannten Oregon-Trail nach Kalifornien ziehenden weißen Siedlern freie Passage.

1867 Formosa: US-Truppen landeten auf der Insel und brannten eine Reihe von Hütten ab, um „eine Horde Wilder“ zu bestrafen, die angeblich ein Mitglied der Mannschaft eines in Seenot geratenen Schiffes ermordet hatte.

1867 Hawai: Ein US-Flottenverband besetzte Midway, um auf der Insel einen Marinestützpunkt zu errichten.

1867-1870 Kanada: Den Bemühungen von Expansionisten in Minnesota, die eine Annexion von Rupert’s Land in Westkanada forderten, begegnete Großbritannien mit dem British North America Act, mit dem das Dominion von Kanada geschaffen wurde. Die Anstrengungen der Expansionisten endeten endgültig, als Kanada die Provinz Manitoba gründete und Truppen nach Winnipeg schickte.

1868 Japan: US-Truppen rückten während des Bürgerkriegs um die Abschaffung des Shogunats in Osaka, Hiogo, Nagasaki, Yokohama und Negata ein, um amerikanische Interessen zu schützen.

1868 Uruguay: US-Truppen landeten in Montevideo, um während eines Aufstandes ausländische Bewohner der Stadt sowie das Zollhaus im Hafen zu schützen.

1868 Kolumbien: In Abwesenheit der lokalen Polizei übernahmen US-Truppen den Schutz von Passagieren und Gütern der Panama Railroad.

1868 Oklahoma (Beitritt zur Union 1907 als 46. Staat): In der Schlacht am Washita River griff die 7. US-Kavallerie unter Oberst George Armstrong Custer nahe dem heutigen Cheyenne ein Cheyenne-Dorf an und metzelte 250 Männer, Frauen und Kinder nieder.

1869 Dominikanische Republik: Der unter amerikanischem Druck von Präsident Buenaventura Báez am 29. November unterzeichnete Annexionsvertrag scheiterte am Widerstand der Bevölkerung.

1870 Hawai: Nach dem Tod von Königin Kalama landeten US-Truppen, um die amerikanische Flagge auf halbmast zu setzen. Der US-Konsul in Honolulu hatte sich geweigert, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

1870 Mexiko: US-Kriegsschiffe zerstörten am 17. Und 18. Juni das Piratenschiff ‚Forward‘, das im Río Tecapán 40 Meilen flussaufwärts auf Grund gelaufen war.

1871 Korea: Ein US-Flottenverband besetzte fünf Forts in Shinmiyangyo, um ins Stocken geratene Verhandlungen über ein Handelsabkommen wieder in Gang zu bringen und die Einheimischen zu bestrafen, weil sie den Schoner General Sherman verbrannt und die Mannschaft exekutiert (Die Besatzung der General Sherman hatte zuvor Nahrungsmittel gestohlen und einen koreanischen Beamten entführt.) sowie einige kleinere Schiffe beschossen hatten, die den Salee-Fluss ausgeloteten.

1873 Kolumbien (Bucht von Panama): Um die amerikanischen Interessen während bürgerkriegsähnlicher Unruhen lokaler Gruppen „um die Kontrolle der Regierung des Staates Panama“ zu schützen, landeten US-Verbände, beschreibt die Liste des Kongresses diese Intervention, die zu einem Zeitpunkt stattfand, als Panama eine Provinz Kolumbiens war, der Staat Panama also noch gar nicht existierte. Tatsächlich handelte es sich um einen ersten amerikanischen Versuch, die Provinz von Kolumbien abzuspalten.

1873 Mexiko: Amerikanische Truppen überquerten bei der Verfolgung von Viehdieben mehrfach die Grenze. Die Mexikaner antworteten mit ähnlichen Operationen. In den siebziger und achtziger Jahren war es eine weitverbreitete Praxis unter amerikanischen Cowboys, Viehherden in Mexiko zu überfallen, die Vaqueros zu ermorden und das Vieh nach Texas zu treiben, um es dort US-Ranchern zu verkaufen. Einer unter diesen Ranchern, Ike Clanton, und seine Cowboys gingen durch die Schießerei in Tombstone‘s OK-Corral 1881 in die Geschichte des „Wilden Westens“ ein.

1874 – 1875 Hawai: US-Truppen landeten, um amerikanische Bürger und die Krönungsfeierlichkeiten des neuen Königs zu schützen. Anschließend erzwang Washington den sogenannten Reciprocity Treaty, in dem der König von Hawai Ford Island und Pearl Harbour mit einem vier bis fünf Meilen breiten Uferstreifen kostenfrei den USA überlassen musste.

1875 - 1877 Dakota (ab 1889 US-Bundesstaat): „Alle Zeiten“, in denen die Sioux laut Fort-Laramie-Vertrag von 1868 in den Black Hills leben und jagen durften, dauerten nur wenige Jahre. 1874 wurde dort Gold gefunden. Nachdem die Sioux 1875 das Angebot der US-Regierung, das Gebiet zu kaufen, abgelehnt hatten, befahl sie die Lakota in andere Reservate umzusiedeln. In einem groß angelegten Feldzug griffen US-Truppen unter Oberst John Gibbon, General Alfred Terry und General George Crook die Lakota von verschiedenen Richtungen an. Zunächst verzeichneten die Sioux Erfolge in der Schlacht der Rosenknospe gegen General Crook und eine Woche später in der Schlacht am Little Bighorn, wo sie, angeführt von ihrem Häuptling Crazy Horse, die 7. US-Kavalerie unter Oberst George A. Custer vernichtend schlugen. Als der US-Kongress jedoch die Mittel bereitstellte, um weitere 2500 Mann gegen die Lakota zu schicken, wurden sie in einer Reihe von Gefechten von der US-Armee geschlagen und kapitulierten schließlich, als ihr Volk durch eine Hungersnot erheblich dezimiert worden war. Am 5. September 1877 wurde Häuptling Crazy Horse in Camp Robinson ermordet, womit der Widerstand der Lakota gegen die Weißen erlosch. Sie mussten die Black Hills und die Büffeljagd aufgeben und sich in Reservate begeben, wo sie auf Nahrungsmittelzuteilungen der Regierung angewiesen waren.

1876 Mexiko: Weil Matamoros vorübergehend ohne Lokalregierung war, rückten US-Truppen ein, um die Ordnung aufrechtzuerhalten.

1877 Mexiko: US-Präsident Rutheford B. Hayes unterschrieb einen Befehl, der amerikanischen Truppen das Recht einräumte, bei der „Verfolgung flüchtiger Indianer“ auf mexikanisches Gebiet vorzudringen.

1882 Ägypten: Während kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Briten und Ägyptern, in deren Verlauf es in Alexandria zu Plünderungen kam, landeten US-Truppen, um die amerikanischen Interessen zu schützen.

1885 Guatemala: Nach einer Invasion guatemaltekischer Streitkräfte in El Salvador drohte Guatemala, die Kabel der New Yorker Central and South American Telegraph Company zu durchtrennen. Auf Bitten des Firmenpräsidenten, James A. Scrymser, schickte die US-Regierung die USS Wachusetts, amerikanischen Besitz in Nicaragua, El Salvador und Guatemala zu schützen.

1885 Panama: US-Truppen besetzten Colón und Panama-Stadt während einer Revolution, um die Safes und den Besitz der (amerikanischen) Panama Railroad zu schützen.

1887 Hawai: Die US-Marine erzwang das Recht, einen Stützpunkt in Pearl Harbour zu bauen.

1888 Korea: In Erwartung von Unruhen unter der Bevölkerung rückten US-Verbände in Seoul ein, um amerikanische Einwohner zu schützen.

1888 Hawai: US-Truppen landeten, um die Freigabe eines amerikanischen Dampfers zu erzwingen, den die Regierung unter dem Vorwurf beschlagnahmt hatte, ein Einlaufverbot verletzt zu haben.

1888 – 1889 Samoa: US-Truppen landeten, um während eines Bürgerkriegs unter den Eingeborenen amerikanische Interessen und das Konsulat zu schützen.

1889 Hawai: US-Truppen landeten in Honolulu, um während einer Revolution die amerikanischen Interessen zu schützen. Die „Revolution“ war von Amerikanern geführt.

1890 Argentinien: US-Seestreitkräfte liefen in Buenos Aires ein, um das Konsulat und die Legation zu schützen.

1890 -1891 USA, Süddakota: Auch nach der Kapitulation von 1877 war es immer wieder zu Scharmützeln zwischen kleinen Lakota-Banden und weißen Siedlern gekommen. Ein Jahr nach dem Beitritt Süddakotas zur Union versuchte die Armee, einen rituellen Geistertanz in der Lakota-Reservation am Wounded Knee zu nutzen, um die Sioux ein für alle Mal zu unterwerfen. Am 15. Dezember 1890 wurde der Sioux-Häuptling Sitting Bull im Standing-Rock-Reservat ermordet. In einem Angriff der US-Armee am 29. Dezember 1890 in der Pine Ridge starben 300 Indianer, zumeist alte Männer, Frauen und Kinder. Die 25 Soldaten, die ebenfalls fielen, waren – so vermuten Historiker heute – hauptsächlich Opfer von friendly fire. Zwei Monate zogen sich die Auseinandersetzungen hin, ehe eine amerikanische Übermacht, die beinahe die halbe Infanterie und Kavallerie der US-Streitkräfte einschloss, die Überlebenden Lakota zwang, die Waffen niederzulegen und in ihre Reservationen zurückzukehren.

1891 Haiti: US-Truppen schlugen eine Rebellion der einheimischen schwarzen Bevölkerung gegen die andauernde Anwesenheit amerikanischer Truppen auf Navassa nieder. Gleichzeitig blockierten US-Seestreitkräfte die Küsten Haitis, um die Regierung zu zwingen, den USA die Mole von Saint Nicholas als Marinestützpunkt zu überlassen.

1891 Beringsee: US-Marineverbände versuchten der illegalen (russischen) Robbenjagd Einhalt zu gebieten.

1891 Chile: Während einer Revolution lieferten sich US-Marines Gefechte mit nationalistischen Rebellen in Valparaiso, wo sie das amerikanische Konsulat schützen sollten.

1893 Hawai: Als Königin Liliuokalani auf Wunsch der überwiegenden Mehrheit ihrer Untergebenen eine neue Verfassung erarbeiten ließ, welche die verlorene Autorität der Monarchie wiederherstellen und die Einschränkungen im Wahlrecht (Gemäß der Verfassung von 1887 durften sich nur Vermögende Bürger an Wahlen beteiligen.) beseitigen sollte, gründete eine Gruppe von Europäern und Amerikanern ein Committee of Safety, das den Sturz der Königin und den Anschluss an die Vereinigten Staaten verfolgte. Als das Komitee von einer „Gefahr für amerikanische Leben und Vermögen“ berichtete, bezogen auf Anordnung des US-Botschafters John L. Stevens am 16. Januar drei Kompanien von der USS Boston Positionen vor der US-Legation, dem Konsulat und vor Adrion Hall. Als sich auch noch die Honolulu Rifles, eine einheimische Miliz, an die Seite der neu ausgerufenen „Provisorischen Regierung von Hawai“ stellten, dankte die Königin unter Protest ab: „… Um jeden Zusammenstoß der Streitkräfte und den möglichen Verlust von Leben zu vermeiden, trete ich unter Protest zurück… bis die Regierung der Vereinigten Staaten, wenn ihr die Fakten vorgelegt werden, die Handlungen ihrer Repräsentanten rückgängig machen und mich wieder als verfassungsgemäße Herrscherin der Inseln von Hawai einsetzen werden.“

Doch die Königin erhielt ihren Thron nie mehr zurück. Zwar schloss Präsident Grover Cleveland aus den Ergebnissen, zu denen eine Untersuchungskommission gekommen war, dass die USA „den Status wiederherstellen sollten, der vor unserer gewaltsamen Intervention bestand.“[29] Der provisorische Präsident Sanford Dole lehnte es jedoch ab, die Königin wiedereinzusetzen. Er rief am amerikanischen Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli 1894, die Republik Haiwai aus. Daraufhin untersuchte das Senate Foreign Relations Committee die Angelegenheit erneut und kam zu dem Schluss: „Liliuokalani’s Beschwerde, die sie dem Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Datum vom 18. Januar 1893 schickte, ist unserer Meinung nach weder faktisch noch juristisch gut begründet.“[30] Dieser Bericht beerdigte Königin Liliuokalani’s Hoffungen. Fortan unterhielt Cleveland diplomatische Beziehungen mit der Dole-Regierung.

1895 versuchte eine Konterrevolution unter Oberst Robert Nowlein, Pfarrer Joseph Nawahi und Mitgliedern der Königlichen Garden, die Republik wieder abzuschaffen. Die Anführer einschließlich Liliuokalani wurden gefangen, verurteilt und inhaftiert.

Im März 1897 trat William McKinley die Nachfolge von Grover Cleveland an. Er stimmte einer Annexion Hawais zu, der Senat jedoch ratifizierte den Vertrag nicht, weil Zweifel an seiner Rechtmäßigkeit bestanden. Daraufhin schrieb der Kongressabgeordnete Francis G. Newlands eine Resolution zur Annexion Hawais, die vom Repräsentantenhaus wie vom Senat angenommen wurde. Am 7. Juli 1898 wurde Hawai das Territorium von Hawai, und am 22. Februar 1900 richtete der Hawaiian Organic Act eine territoriale Regierung, der US-Präsident ernannte Sanford Dole zum ersten Gouverneur des neuen Gebiets.

1894 Nicaragua: US-Truppen landeten nach einer Revolution in Bluefields, um amerikanische Interessen (vor allem die Holzindustrie) zu schützen.

1894 Brasilien: US-Marines landeten in Rio de Janeiro, „um den Handel und den freien Verkehr amerikanischer Bürger zu schützen.“ (Congressional Research Service report RL30172)

1894 – 1895 China: Während des japanisch-chinesischen Kriegs stationierten die USA Militäreinheiten in Tientsin und rückten bis Peking vor. Gleichzeitig strandete die US-Marine ein Kriegsschiff an der Küste von Newchwang, um es zum Schutz amerikanischer Bürger als Fort zu nutzen.

1894 – 1896 Korea: Während des japanisch-chinesischen Kriegs entsandte Washington Marines nach Seoul mit dem Auftrag amerikanische Bürger und Interessen zu schützen.

1895 Kolumbien: Während des Angriffs eines Banditen auf die Stadt Boca del Toro in der Provinz Panama trafen US-Truppen zum Schutz amerikanischer Interessen ein.

1896 Nicaragua: Während politischer Unruhen schützten US-Marines die amerikanischen Interessen in Corinto.

1898 Nicaragua: US-Marines landeten zum Schutz amerikanischer Bürger und amerikanischen Besitzes in San Juan del Sur.

1898 Guam (spanisches Territorium): US-Verbände besetzten die Insel und bauten in Apra Harbour einen permanenten US-Stützpunkt.

1898 – 1901 Kuba, Philippinen (Spanisch-Amerikanischer Krieg): Etwa gleichzeitig begann in beiden Inselstaaten der Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft. Als die kubanischen Revolutionäre kurz vor dem Sieg standen, nutzten die USA die (bis heute ungeklärte) Versenkung der USS Maine im Hafen von Havanna als Vorwand, Spanien den Krieg zu erklären. Der Vertrag von Paris (10. Dez. 1898) gab den USA Puerto Rico und Kuba eine seltsame Unabhängigkeit unter amerikanischer Besatzung. Zwar erlaubte Washington freie Wahlen, aus denen Tomás Estrada Palma als erster gewählter Präsident des Landes hervorging. Doch das Platt Amendment (1901) stellte sicher, dass die USA Kubas internationale Beziehungen, Kubas Wirtschaft und innere Angelegenheiten kontrollieren und in der Guantánamo-Bucht „auf alle Ewigkeit“ eine Marinebasis einrichten konnten.

1896 hatte der philippinische Bauernsohn und Unabhängigkeitskämpfer Emilio Aguinaldo die spanische Kolonialmacht zu einem Friedensabkommen gezwungen, in dem ihm Spanien die Erfüllung seiner Forderungen zusicherte: Die Heimkehr der spanischen Mönche und Rückgabe des von ihnen konfiszierten Landes, gleiche Bezahlung und gleiche Behandlung vor den Gerichten für alle ungeachtet der ethnischen Zugehörigkeit, Freiheit der Presse und parlamentarische Repräsentation der Einheimischen in der Cortes in Madrid. Im Gegenzug dafür war er dem Verlangen der spanischen Behörden gefolgt und hatte sich freiwillig in die Verbannung begeben. Doch Spanien hatte sich nicht an das Abkommen gehalten, keine der Forderungen Aguinaldos war erfüllt worden, woraufhin die Kämpfe erneut ausgebrochen waren.

Kurz nach Ausbruch des spanisch-amerikanischen Krieges in Kuba griffen die USA auch in der anderen Spanien verbliebenen Kolonie, den Philippinen, an. Commodore George Dewey versenkte die spanische Flotte im Hafen von Manila. Während Dewey die spanischen Verbände von See her angriff, legten die aufständischen Filipinos unter Führung ihres Generals Aguinaldo, der zurückgekehrt war, einen Belagerungsring um die Stadt. Nach drei Monaten kapitulierten die spanischen Verbände. Mit dem Friedensvertrag von Paris, der den „großartigen, kleinen Krieg“ beendete, verlor Spanien Kuba, Puerto Rico, die Philippinen und Guam. Doch anstatt den Philippinen die erwartete Unabhängigkeit zu geben, bezahlten die Vereinigten Staaten der spanischen Krone 20 Millionen Dollar und sicherten sich diesen Grundstein eines Imperiums, das sie nun gegen die gleichen Aufständischen, nun Terroristen genannt, verteidigten, die zuvor an der Seite Deweys gekämpft hatten.

Zwar beschrieben Zeitgenossen Aguinaldo in lobenden Superlativen. „Wir hielten Manila und (die Provinz) Cavite“, schrieb General Anderson, Commander-in-Chief der US-Verbände auf den Philippinen, „den Rest der Insel (Luzon) hielten nicht die Spanier sondern die Filipinos. Auf den anderen Inseln waren die Spanier in zwei oder drei befestigte Städte zurückgedrängt.“ Zwei amerikanische Soldaten kehrten von ihren sechsmonatigen Streifzügen durch Luzon „nur mit den besten Erinnerungen an das ruhige und wohl geordnete Leben, das die Eingeborenen unter der Regierung (Aguinaldos) führen“, nach Manila zurück. „Wir fühlten uns auf unserer ganzen Reise absolut sicher.“ In einer ätzenden Kritik an Washingtons Kolonisierung der vormaligen spanischen Kolonie verglich Mark Twain den Freiheitskämpfer mit George Washington und Jeanne d’Arc: „Keine andere Person der Geschichte, antik oder mordern, christlich oder heidnisch, begann so bescheiden und stieg in solche Höhen.“[31]

Dennoch sahen die Vertreter der US-Staatsmacht in den Filipinos eine unzivilisierte Rasse, außer-stande sich selbst zu regieren. „Ich behandelte ihn nie als Alliierten, sondern benutzte ihn und die anderen Eingeborenen bei meinen Operationen gegen die Spanier“, beschrieb Commodore Dewey sein Verhältnis zu dem Verbündeten, der nun zum Feind geworden war. Die Kämpfe, bei denen die USA erstmals weitverbreitet Folter anwandten (Besonders populär war das Untertauchen der Opfer in Wassertrögen, was 100 Jahre später im sogenannten Krieg gegen den Terrorismus in den USA wieder erlaubt war.), kosteten „4000 unserer Boys das Leben“, zog ein Historiker 1901 eine erste Bilanz. „Es ist unmöglich, die philippinischen Verluste zu schätzen, aber ein Offizier hat sie auf ein Sechstel der Bevölkerung geschätzt, was über eine Million Gefallene wären.“[32]

Am 23. März 1901 wurde Aguinaldo in seinem Hauptquartier in Paanan von einer Streitmacht unter General Frederick Funston gefangen genommen. Am 19. April schwor er den Vereinigten Staaten von Amerika Treue. Zwar war der Krieg ein Jahr später offiziell beendet, als Aguinaldos General Miguel Malvar kapitulierte, und Präsident Theodore Roosevelt eine einseitige Amnestie verkündete. Doch vereinzelte Kämpfe in entlegeneren Regionen des philippinischen Archipels hielten bis 1913 an.

Am 4. Juli 1946 entließen die USA ihre südostasiatische Kolonie in eine ähnlich abhängige Unabhängigkeit wie knapp 50 Jahre zuvor Kuba. 94jährig starb Aguinaldo am 6. Februar 1964 in Quezon.

August 1898 Hawai: Annexion des Inselreiches.

1898 – 1900 China: Während eines Konflikts zwischen der Kaiserin und ihrem Sohn rückten Marines erneut in Peking und Tientsin ein, um die dortigen diplomatischen Vertretungen zu schützen.

1898 Guatemala: Die United Fruit Company verhalf General Manuel Estrada Cabrera zur Macht und erhielt unter dem langjährigen Diktator (1898-1920) weitgehende Vollmachten. Fortan dominierte die Bostoner Obstfirma wie eine Schattenregierung die Entwicklungen in dem mittelamerikanischen Land.

1899 Nicaragua: Während eines Putschversuchs General Juan P. Reyes´, übernahmen Marines den Schutz amerikanischer Interessen in San Juan del Norte und in Bluefields.

1899 Samoa: Geradezu absurd klingt die Begründung des State Departments für den Einsatz von Truppen auf der Pazifikinsel. „Um amerikanische Interessen zu schützen und Einfluss in einem blutigen Konflikt um die Thronfolge zu nehmen.“ Später änderten die Forscher des Kongresses die Version der Ereignisse und schrieben vom „Zweiten Bürgerkrieg Samoas, der aufflammte, weil sich „Deutschland, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten in dem Disput, wer die Kontrolle über die Inseln haben sollte, nicht einigen konnten.“[33] Am Ende teilten sich Berlin und Washington die Inseln, ohne die Einwohner Samoas auch nur zu fragen. Die USA annektierten den östlichen Teil Samoas, während Deutschland die westliche Hälfte besetzte.

1900 China: Amerikaner rückten zusammen mit britischen, französischen, russischen, japani-schen und deutschen Truppen in Peking ein, um ausländische Bewohner während des Boxeraufstandes zu schützen und die verbotene Stadt zu plündern. Fortan stationierten die USA für viele Jahre eine permanente Wache in Peking, die verstärkt wurde, wenn dies für erforderlich gehalten wurde.

1901 Kolumbien: Um amerikanischen Besitz während revolutionärer Unruhen auf dem Isthmus zu schützen und die Bahn- und Kommunikationsverbindungen offen zu halten, landeten US-Truppen erneut in Panama.

1902 Kolumbien: Um amerikanische Bürger und amerikanischen Besitz zu schützen trafen US-Truppen während eines Bürgerkriegs in Bocas del Toro in der Provinz Panama ein. Gleichzeitig begleiteten Wachsoldaten die Züge der Panama Railroad. Zudem stationierten die USA Flottenverbände an beiden Küsten Panamas, um eine mögliche Landung kolumbianischer Truppen zu verhindern.

1903 Honduras: Während einer Revolution intervenierten US-Marines in Puerto Cortéz und sicherten das dortige US-Konsulat und die Hafenanlagen, die besonders für die amerikanischen Bananenpflanzer von Bedeutung waren.

1903 Dominikanische Republik: Beim Ausbruch einer Revolution landeten US-Truppen zum Schutz amerikanischer Interessen in der Hauptstadt Santo Domingo.

1903 Syrien: In Befürchtung eines bevorstehenden Moslemaufstandes, der sich allerdings nie realisierte, entsandte Washington zum Schutz seines dortigen Konsulats Marines nach Beirut.

1903 – 1904 Abessinien: Als der US-Generalkonsul in Addis Abeba einen Vertrag aushandelte, wurde er von 25 Marines begleitet, um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

1903 Kolumbien: US-Truppen besetzten die Provinz „während und nach den Kämpfen um die Unabhängigkeit von Kolumbien, um amerikanische Interessen und amerikanische Bürger zu beschützen“[34]. Tatsächlich hatten die USA die Abspaltung der Provinz Panama von Kolumbien betrieben, weil sich Kolumbien beharrlich weigerte, der amerikanischen Kanalbaugesellschaft die Erlaubnis zum Bau eines Kanals durch Panama zu erteilen. Die Notwendigkeit eines Kanals hatte sich 1898 während des amerikanisch-spanischen Krieges besonders deutlich gezeigt, als US-Kriegsschiffe 13 000 Seemeilen rund um Südamerika segeln mussten, um Kuba zu erreichen. Ein Kanal hätte die Strecke auf 4600 Meilen verkürzt. Also bestach Washington einen kolumbianischen General, zu putschen und eine neue Republik auszurufen. Um eine mögliche Landung von kolumbianischen Streitkräften in Panama zu verhindern, patrouillierten zehn US-Kriegsschiffe vor den Küsten der Provinz. Der Putsch dauerte exakt vier Tage, drei Tage davon beanspruchten die Verhandlungen über die Höhe der Bezahlung des Generals. Ein Direktor der amerikanischen Panama-Kanal-Gesellschaft sowie ein französischer Ingenieur riefen am 3. November 1903 die unabhängige Republik Panama aus. 15 Tage später unterzeichneten US-Außenminister John Hay und der französische Ingenieur (als Botschafter der neuen Regierung Panamas in Washington) den Hay-Bunau-Varilla-Vertrag, der den USA auf alle Zeiten die exklusive Nutzung, Besetzung und Kontrolle der Kanalzone (ein 16 km breiter Streifen entlang des Kanals) einräumte. In der Kanalzone richteten die USA die berüchtigte Escuela de las Americas ein, an der im Laufe der folgenden 80 Jahre Tausende lateinamerikanischer Offiziere ausgebildet wurden, weshalb sie im Volksmund „Escuela de los golpes“ (Staatsstreichschule) genannt wurde.

Politische und wirtschaftliche Unruhen führten 1908, 1912, 1918 und 1925 zu weiteren amerikanischen Militärinterventionen in Panama. 1977 nahm die Regierung Jimmy Carters Verhandlungen auf, die zur Übergabe des Kanals an Panama führten. Am 31. Dezember 1999 ging der Kanal endgültig in den Besitz Panamas über, wobei sich die USA allerdings vertraglich das Recht vorbehielten, weiterhin für die Sicherheit des Kanals zuständig zu sein.

1904 Dominikanische Republik: US-Truppen schützten während revolutionärer Unruhen amerika-nische Interessen in Puerto Plata, Sosua und Santo Domingo. Die USA entsandten Zollbeamte, um die Finanzen der Dominikanischen Republik zu übernehmen und damit sicherzustellen, dass die Auslandsschulden bezahlt werden.

1904 Tanger, Marokko: Mit der Forderung „Wir wollen entweder Perdicaris lebend oder Raisuli tot“ kreuzte die amerikanische Mittelmeerflotte in einer Machtdemonstration vor dem Hafen, um die Freilassung eines amerikanischen Marinesoldaten zu erzwingen.

1904 Panama: Angesichts eines drohenden Aufstandes verstärkten die USA ihre Militärpräsenz.

1904 – 1905 Korea: Während des japanisch-russischen Krieges entsandte Washington Marines, um seine diplomatische Vertretung in Seoul zu schützen.

1905 Dominkanische Republik: Um während politischer Unruhen amerikanischen Besitz zu sichern, intervenierten die USA.

1905 Mexiko: US-Marines halfen dem Diktator Porfirio Dáiz, einen Streik von Arbeitern in einer Mine in Sonora niederzuschlagen, die von einer amerikanischen Bergbaugesellschaft ausgebeutet wurde.

1906 – 1909 Kuba: Amerikanische Militärintervention, um nach revolutionären Unruhen die Ordnung wiederherzustellen, Ausländer zu beschützen und eine stabile Regierung einzusetzen.

1907 Honduras: Um während eines Krieges zwischen Honduras und Nicaragua die amerikanischen Interessen (hauptsächlich Bananenplantagen) zu schützen, stationierten die USA Truppen in Trujillo, La Ceiba, Puerto Cortéz, San Pedro Sula, Laguna sowie Cholima und besetzten die wichtigsten Städte in Nicaragua.

1907 Mexiko: Washington entsandte Truppen, um einen Streik in den in amerikanischem Besitz befindlichen Kupferminen von Cananea blutig niederzuschlagen.

1908 Panama: US-Marines intervenierten als während eines Wahlkampfes Unruhen ausbrachen, berichtet die Liste des US-Kongresses. Tatsächlich hatten Kriegsminister William Howard Taft und der Gouverneur der Kanalzone den Präsidenten Panamas gezwungen, einer US-Kommission zu erlauben, die bevorstehenden Wahlen zu überwachen. Diese Kommission zwang den aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten, Ricardo Arias, den Washington keinesfalls wollte, zur Aufgabe seiner Kandidatur. Es kam zu Unruhen. Die Arias-Anhänger blieben schließlich den Wahlen fern, was den Sieg des von den USA favorisierten Kandidaten erleichterte. Taft hatte angedeutet, Präsident Teddy Roosevelt habe ihn zu der Warnung ermächtigt, die USA sähen jeden Versuch, einen Nachfolger durch gefälschte Wahlen ins Amt zu bringen… als Störung der öffentlichen Ordnung an, die laut Verfassung (Panamas) eine Intervention notwendig mache. Washington werde es nicht zulassen, dass Panama unter die Kontrolle irgendjemandes komme, der auf diese Weise gewählt worden sei. „Mit anderen Worten, wenn ein Kandidat gewählt wurde, den die USA ablehnten, waren die Wahlen gefälscht und erforderten Intervention. Die Wahlen wären nur fair und demokratisch, wenn Washingtons Favorit gewann.“[35]

1910 Panama: Nach dem Tod von Präsident Obaldia fürchteten die USA erneut die Erfolgsaussichten eines ungeliebten Kandidaten. Ein Präsident Carlos Mendoza wäre weder im Interesse der Vereinigten Staaten noch der Kanalzone oder Panamas, ließ Washington wissen. Auf Druck der USA zog Mendoza seine Kandidatur zurück. Angeblich hatte die US-Botschaft in Panama-Stadt mit der militärischen Besetzung und Annexion des Landes gedroht, sollte nicht der Kandidat Washingtons gewählt werden.

1910 Nicaragua: US-Marines sollten „während eines Bürgerkrieges die Vorgänge in Corinto in Erfahrung bringen und in Bluefields amerikanische Interessen schützen“[36], die La Luz and Los Angeles Mining Company, deren Anwalt Philander Knox gewesen war, ehe er US-Außenminister wurde. Der Vorschlag des liberalen Präsidenten José Santos Zelaya, dass amerikanische Bergwerksunternehmen und Obstfirmen Steuern zahlen sollten, seine Verstaatlichung kirchlicher Ländereien sowie seine Geschäftsbeziehungen mit europäischen Firmen missfielen den USA. Als er nicht nur Wa-shingtons Wunsch, einen inter-ozeanischen Kanal durch das Land zu bauen, ablehnte sondern Japan auch noch anbot, einen solchen Kanal zu bauen, orchestrierten die USA seinen Sturz. Als in den folgenden Unruhen zwei US-Söldner, die Flüsse und Häfen vermint hatten, hingerichtet wurden, landeten US-Marines in Bluefields und erzwangen Zelayas Rücktritt. Die USA machten den Hauptbuchhalter der Bergbaufirma, Adolfo Díaz, zum Präsidenten, für den sie 1912 erneut intervenierten. Fortan blieben 100 US-Marines im Land, um die Wahlen konservativer Präsidenten zu sichern.

1910 Honduras: Als Präsident Miguel Dávila die Pacht von einem Dollar pro Monat und Acre, die Sam Zemurray’s Cuyamel Obstgesellschaft bezahlte, erhöhen wollte, rekrutierte „Sam, the Banana Man“, wie er genannt wurde, eine Bande von Söldnern unter dem Kommando General Lee Christmas‘. Nachdem die honduranische Armee von vor der Küste liegenden US-Kriegsschiffen den Befehl erhalten hatte, keinen Widerstand zu leisten, nahm die Bande kampflos den Hafen von Trujillo ein. Der unkooperative Präsident Dávila wurde durch seinen ausländischen Investoren gegenüber freundlicheren Vorgänger Manuel Bonilla ersetzt, der Zemurray zuvor geschrieben hatte: „Ich werde Sie reich machen, Ihnen Land und Macht geben, haben wir erst einmal die Hauptstadt.“[37] Während Lee Christmas mit seiner Perlen verzierten Pistole und den zahlreichen Uhren am Arm zum Oberkommandierenden der honduranischen Streitkräfte avancierte, wurde Zemurray reich. Cuyamel Fruit übernahm alles Land, das es bebauen konnte, ohne 25 Jahre lang auch nur einen Cent Pachtzins zu bezahlen. „In Honduras ist ein Senator billiger als ein Maultier“, behauptete Zemurray fortan. 1910 lag die Hälfte der Bananenproduktion in Honduras noch in Händen einheimischer Kleinbauern. Doch mit einem unterwürfigen Präsidenten Bonilla und einem Armeechef Christmas war es kein Problem, diese Bauern zu enteignen. Christmas‘ rechte Hand, Maschinengewehr-Maloney, trieb die Bauern mit vorgehaltener Waffe wie Vieh zusammen und brachte sie auf die Cuyamel-Pflanzungen, wo sie fortan für einen Hungerlohn arbeiten mussten. Auf diese Weise eignete sich die Tela Railroad Company, so der neue Name der Cuyamel, unter dem sie später von der United Fruit (im Ausland bekannt als United Brands) übernommen wurde, bis 1946 nicht weniger als 410 000 acres an, von denen allerdings nur 82 000 tatsächlich landwirtschaftlich genutzt wurden.

1911 China: Während der chinesischen Revolution, die zum Sturz der Qing-Dynastie führte, mehrere Militäreinsätze in Wuchang zur Rettung von Missionaren, in Hankow zum Schutz ameri-kanischer Einrichtungen und Interessen, in Shanghai zum Schutz der Telegraphenstationen sowie in Nanking, Chinkiang, Taku und anderen Orten. Die USA stationierten 5000 Soldaten in den Städten, während 44 US-Schiffe vor den Küsten patrouillierten.

1912 Honduras: Auf Wunsch der Tela Railroad landete eine kleine US-Streitmacht in Puerto Cortes, um die geplante Verstaatlichung der in amerikanischem Besitz befindlichen Eisenbahn zu verhindern. Die Truppen wurden abgezogen, weil die US-Regierung die Aktion verurteilt hatte.

1912 Kuba: US-Verbände schützten amerikanische Interessen in der Provincia del Oriente, indem sie dort einen Streik auf den amerikanischen Zuckerrohrplantagen niederschlugen, und lieferten sich in Havanna Gefechte mit Unabhängigkeitskämpfern.

1912 China: US-Truppen landeten während der anhaltenden revolutionären Kämpfe auf Kentucky Island sowie in Camp Nicholson, um amerikanische Bürger und Interessen zu schützen.

1912 Türkei: US-Truppen übernahmen während des Ersten Balkankrieges den Schutz der amerikanischen Legation in Konstantinopel.

1912 Panama: Um weitere Unruhen zu vermeiden, die während eines Wahlkampfes ausgebrochen waren, überwachten US-Marines auf Wunsch beider Seiten den Wahlprozess.

1912 – 1925 Nicaragua: Angesichts revolutionärer Unruhen besetzten US-Marines das Land, um die amerikanischen Interessen zu wahren und die Krise zu lösen. Dazu veranstalteten sie Wahlen, in denen die 4000 Wahlberechtigten des Landes den einzigen Kandidaten, Adolfo Díaz, wählen durften. 1914 setzten die USA den berüchtigten Bryan-Chamorro-Vertrag durch, der den USA exklusive Kanalrechte in Nicaragua einräumte, um zu verhindern, dass ein anderes Land dort einen mit Panama konkurrierenden Kanal bauen könnte. Um stabile konservative Regierungen zu unterstützen, blieben Truppen und Berater. Wie schon in den Anmerkungen zur Intervention im Jahre 1910 schrieb der Congressional Resaerch Service auch diesmal: „Eine kleine Streitmacht blieb bis zum 5. August 1925 als Wache der amerikanischen Legation und versuchte, Frieden und Stabilität zu fördern.“

1912 – 1941 China: Während der Guomindang-Revolution, dem Erstarken der kommunistischen Revolu-tionäre unter Mao Zedong und des japanischen Vordringens in China stationierten die USA Truppen an zahlreichen Orten, die amerikanische Interessen schützten und Tschiang Kai cheks Guomindang-Verbände mit Militärberatern, Material und Finanzhilfen unterstützten. 1927 hatten die USA 5670 Soldaten und 44 Schiffe in China und Chinas Gewässern stationiert. 1933 waren es immer noch 3027. Im allgemeinen berief sich Washington dabei auf jene „ungleichen Verträge“, die China und die Vereinigten Staaten zwischen 1858 und 1901 abgeschlossen hatten.

1912 Mexiko: US-Marines landeten in Ciarris Estero, um einige Amerikaner aus dem Yaqui-Gebiet zu evakuieren, wo Unruhen ausgebrochen waren.

1912 Mexiko: Vor den Wahlen 1910 ließ Porfirio Díaz, der das Land seit 1871 diktatorisch regierte, seinen Hauptwidersacher Francisco Ignacio Madero González zusammen mit 5000 seiner Anhänger verhaften. Während Madero inhaftiert war, ließ sich Porfirio Díaz wählen. Gegen den Wahlbetrug rebellierten Emiliano Zapata im Bundesstaat Morelos, Francisco „Pancho“ Villa mit seiner División del Norte in Chihuahua sowie nach seiner Befreiung Madero und zwangen Díaz aus dem Amt ins europäische Exil. Im November 1911 wurde Madero Präsident.

Zwar war Madero, Absolvent der École des Haute Études Commerciales in Frankreich sowie eines agrarwissenschaftlichen Studiums an der Universität in Berkeley, Zeitungsherausgeber, Autor einer Reihe von Büchern über den Zustand Mexikos und Sohn einer der reichsten Familien des Landes, weit moderater als seine Mitstreiter Zapata und Villa. Doch seine Reformen in der Arbeitsgesetzgebung, in der Behandlung der Yaqui, die unter Díaz brutalen Repressionen ausgesetzt gewesen waren, weil sie amerikanischen Bergwerksinteressen im Wege gestanden hatten, seine Infrastrukturmaßnahmen (der Ausbau des Schulwesens, der Überlandstraßen sowie des Schienennetzes) und vor allem seine neuen Steuergesetze für ausländische Ölgesellschaften brachten ihn bald auf Kollisionskurs mit den USA.

Angespornt und geführt vom amerikanischen Botschafter Henry Lane Wilson bereiteten der Oberkommandierende der Streitkräfte, General Victoriano Huerta, Félix Díaz (Porfirio Díaz‘ Neffe) sowie Bernardo Reyes (der seiner Brutalität wegen berüchtigte Gouverneur des Bundesstaates Nuevo León) seinen Sturz vor. In der US-Botschaft unterzeichneten sie den Pacto de la Embajada (Der Botschaftsvertrag), in dem die Entsendung Maderos ins Exil und Huertas Machtübernahme beschlossen wurden.

Zehn Tage lang, die „Tragischen zehn Tage“, als die sie in die Geschichte Mexikos eingegangen sind, belagerten die rebellischen Truppen La Ciudadela (eine ehemalige Tabakfabrik, die später als Kaserne und Gefängnis diente und heute die Biblioteca de México beherbergt), wo sich der bedrängte Präsident verschanzt hatte. Dann akzeptierte Madero Huertas Schutz vor den Verbänden Félix Diáz‘ sowie Bernardo Reyes‘. Huerta verriet und verhaftete ihn, ließ Maderos Bruder und Berater Gustavo auf offener Straße entführen, foltern und ermorden. Am 18. Februar 1913 zwang Huerta Madero zum Rücktritt und übernahm die Präsidentschaft. Vier Tage später wurde Madero im Alter von 39 Jahren hingerichtet. Huertas Machtergreifung stieß auf den erbitterten Widerstand Emiliano Zapatas, „Pancho“ Villas, Alvaro Obregóns sowie Venustiano Carranzas und führte zu zwölf weiteren Jahren Revolution und Konterrevolution.

1914 Haiti: US-Marines landeten auf Haiti, um amerikanische Interessen in unruhigen Zeiten zu schützen.

1914 Dominikanische Republik: Um Wahlen durchzusetzen nahmen Marine-Verbände der USA von See aus eine revolutionäre Bewegung unter Feuer, die im Begriff war, Puerto Plata einzunehmen. Die Flotte erzwang unter Androhung von Gewalt, dass Santo Domingo eine neutrale Zone blieb.

1915 – 1917 Mexiko (Tampico Affäre): Unter fadenscheinigen Begründungen und ohne Kriegserklärung ließ Präsident Woodrow Wilson Veracruz besetzen. Deutsche Agenten hatten versucht, Mexiko zu einem Kriegseintritt an der Seite des Deutschen Reichs zu bewegen und Kriegsmaterial (200 Maschinengewehre, 16,8 Millionen Patronen sowie 8327 Rollen Stacheldraht) nach Veracruz geschickt.[38] Nach einem Angriff Pancho Villa‘s 1915 auf das Grenzstädtchen Columbus in New-Mexico („Ich bin sicher, dass Villa’s Angriffe made in Germany sind“, kabelte US-Botschafter James Gerard aus Berlin.) setzte Wilson ein 6600 Mann starkes Expeditionskorps unter General John „Black Jack“ Pershing mit dem Befehl in Marsch, den „Banditen“ zu fangen und vor ein amerikanisches Gericht zu bringen. Drei Monate lang jagte Pershing den „Banditen“ in Chihuahua. Doch Villas Popularität und Kenntnis des Terrains sowie Pershings Unbeliebtheit in Mexiko zwangen die Verfolger nach erfolgloser Suche zur Rückkehr.

1915 – 1934 Haiti: 1825 hatte Frankreich Haiti gezwungen, jährliche Zahlungen zu leisten als Kompensation für Profite, die den einstigen Plantagenbesitzern und Sklavenhaltern entgingen, weil sich die Sklaven befreit hatten. Im Gegenzug hoben Frankreich, Britannien und die USA das Embargo auf, das sie seit 1804 über die Republik verhängt hatten, und erklärte sich Paris bereit, Haiti als unabhängigen Staat anzuerkennen. (Die USA erkannten Haitis Unabhängigkeit erst 1862 an, nachdem sich die Südstaaten von der Union getrennt hatten.) Auf 150 Millionen Goldfrancs bezifferten die französischen Buchhalter den Verlust, die alle Wertgegenstände auflisteten, die den einstigen Kolonialisten und dem französischen Staat durch die Revolution verloren gegangen waren. (Gezählt wurden neben immobilen Werten auch die Bevölkerung einschließlich der Regierungsmitglieder, die 21 Jahre zuvor als Sklaven ja ebenfalls einen monetären Wert dargestellt hatten.) Während des gesamten 19. Jahrhunderts musste die haitianische Regierung darum immer wieder Kredite zu weit überhöhten Zinssätzen in Frankreich aufnehmen, diese Zahlungen fraßen regelmäßig 70 Prozent aller Deviseneinnahmen des Inselstaates auf. Wenn schlechtes Wetter die Kaffee- oder die Zuckerernte verhagelte, musste Haiti in Frankreich Kredite zum doppelten des üblichen Zinssatzes aufnehmen, um seine Zahlungen auch weiterhin leisten zu können.

Zwischen 1911 und 1915 hatte Haiti nicht weniger als sechs Präsidenten, die alle entweder ermordet oder ins Exil vertrieben wurden. Um den unverhältnismäßig starken Einfluss der 200 deutschstämmigen Ansässigen auf Haitis Wirtschaft (sie kontrollierten 80 Prozent des internationalen Handels des Landes) zu begrenzen, unterstützte das US State Department ein Konsortium amerikanischer Investoren bei der Übernahme der Banque Nationale d’Haiti, die einzige Handelsbank des Landes und gleichzeitig Haitis Finanzbehörde.

Im März 1915 reagierte Washington auf Klagen amerikanischer Banken, bei denen Haiti tief verschuldet war, besetzte das Land, machte es zu einem de jure Protektorat der USA und schrieb ihm 1917 eine neue Verfassung. (Franklin D. Roosevelt, damals Undersecretary for the Navy in Präsident Woodrow Wilsons Regierung, betonte später gerne, er persönlich habe diese neue Verfassung geschrieben.) Diese Konstitution schaffte das Verbot fremden Landbesitzes ab – eine der Schlüsselkomponenten des haitianischen Rechts, das sofort nach dem Ende der Unabhängigkeitskämpfe 1804 eingeführt worden war. Als die neu und unter US-Aufsicht gewählte Nationalversammlung dieses Dokument ablehnte und eine eigene schrieb, die dieses Verbot wieder enthielt, wurde sie vom amerikanischen Kommandeur der haitianischen Gendarmerie, General Smedley Butler, aufgelöst. Die von den USA geschriebene Verfassung wurde 1919 durch ein Plebiszit angenommen, in dem weniger als fünf Prozent der Bevölkerung abstimmten. Dennoch bestätigte das State Department die Rechtmäßigkeit des Plebiszits mit dem Hinweis, dass „die Leute, die abstimmten, ohnehin zu 97 Prozent Analphabeten waren und in den meisten Fällen nicht verstanden, worüber sie abstimmten.“[39]

Nun kontrollierte eine US-Verwaltung die Finanzen und die Politik im Staat und baute einen Marinestützpunkt, um die Seewege zum Panamakanal besser schützen zu können. Haiti’s Präsident wurde der Zutritt zum amerikanischen Offiziersclub in Port-au-Prince untersagt, weil er ein „französisch sprechender Nigger“ war, wie US-Außenminister William Jennings Bryan die Haitianer zu nennen pflegte. Unter der Besatzung war der schwarzen Bevölkerung (90 Prozent) der Zugang zu öffentlichen Ämtern verwehrt. Gleichzeitig wurden sie von den Marines in Zwangsarbeit beim Straßenbau eingesetzt. Einen Aufstand sogenannter Cacos (Bauernguerillas), die Posten der Besatzungstruppen angriffen, schlugen die Marines mit grausamer Härte nieder. Hunderte Haitianer wurden gefoltert, an Kirchentore genagelt und erschossen. „US-Streitkräfte hielten die Ordnung aufrecht während einer Periode chronischer Instabilität“, nannten die Autoren des „Congressional Research Service reports“ solche Politik.

1934 zogen die USA im Rahmen von Roosevelts Good Neighbor policy ihre Besatzungstruppen wieder ab, behielten aber auch weiterhin die Kontrolle über Haitis Außenhandel, um sicherzustellen, dass das verarmte Land tatsächlich all seine Schulden bezahlte. Erst 1947, nachdem Port-au-Prince die letzte Rate der 150 Millionen Goldfrancs an Paris überwiesen hatte, gab Washington das Finanzwesen an Haiti zurück.

1916 China: US Marines eröffneten das Feuer auf gewalttätige Demonstranten auf ihrem Besitz in Nanking.

1916 – 1924 Dominikanische Republik: Unter einer Reihe von Caudillos, die zumeist nur kurze Zeit regierten, versank das Land im Chaos. Alarmiert von dem drohenden Bankrott der Republik übernahmen die USA die Verwaltung der Zoll- und Steuerbehörden. 1916 übernahmen die USA die vollständige Kontrolle der Regierungsgeschäfte und stationierten Tausende Soldaten in dem Land, bauten Straßen und Schulen und führten Rechtsreformen durch, die es den US-eigenen Zuckermühlen und –Plantagen erlaubten, ihre Geschäfte erheblich auszudehnen. Als die Marines das Land verließen, schufen sie ein modernes Militär, das fortan die Militärdiktatoren des Landes lieferte.

1917 China: Amerikanische Truppen landeten in Chungking, um amerikanische Bürger zu schützen.

1917 – 1918 Europa: Erster Weltkrieg. Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg, am 7. Dezember 1917 folgte die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn.

1917 – 1922 Kuba: US-Truppen landeten auf Kuba, um die Regierung Mario García Menocal gegen Aufständische (La Chambelona) zu stützen und Kuba in ein amerikanisches Wirtschaftsprotektorat zu verwandeln, womit die Zuckerlieferungen während des Ersten Weltkrieges sichergestellt wurden. Einige Einheiten blieben bis 1933.

1918 – 1919 Mexiko: Nach dem Abbruch der Pershing-Expedition überschritten US-Verbände auf der Jagd nach Banditen die mexikanische Grenze 1918 mindestens dreimal und 1919 sechsmal. Nachdem deutsche Agenten mit mexikanischen Soldaten einen Angriff auf die Grenzstadt Nogales in Arizona ausgeheckt hatten, in dessen Verlauf ein amerikanischer Soldat von einem mexikanischen Offizier erschossen wurde, begann die „Schlacht von Ambros Nogales“, die mit der mexikanischen Kapitulation endete.

1918 – 1920 Panama: US-Truppen übernahmen – wie vertraglich vereinbart – Polizeiaufgaben in Chiriqui, als bei Wahlen Unruhen ausbrachen, behauptet der Autor der Kongress-Liste. Tatsächlich hatten US-Truppen während der Wahlen Panama-Stadt und Colón besetzt, weil Washington die beabsichtigte Verschiebung der Wahlen als verfassungswidrig ansah. Die Regierung Panamas protestierte gegen die Einmischung der Regierung Woodrow Wilsons, die die „Souveränität Panamas ohne jede Rechtfertigung verletzt“.[40] Später entsandten die USA Truppen in die Provinz Chiriqui, um US-Besitz zu schützen. Trotz der Proteste Panamas und Garantien zum Schutz von Ausländern zogen die US-Truppen erst 13 Monate später wieder ab.

1918 – 1920 Costa Rica: General Federico Tinoco schloss mit der britischen Ölfirma Amory einen Vertrag über Bohrrechte ab, der Washington aufbrachte. „Das State Department hält es für äußerst wichtig, dass in der Nachbarschaft Panamas nur Amerikaner über Öl-Konzessionen verfügen“, warnte das US-Außenministerium den Diktator. Als sich Tinoco dem amerikanischen Druck mit dem Hinweis, der Vertrag sei bereits rechtsgültig, widersetzte, telegraphierte Washingtons Botschafter in San José seinem Chef, es könne nichts gegen den Amory-Plan unternommen werden, bis „Tinoco aus dem Verkehr gezogen ist.“ Wenig später war Tinoco ermordet, die USA sorgten dafür, dass sich an den kommenden Wahlen nur Kandidaten beteiligen konnten, die mehr Aufgeschlossenheit gegen-über amerikanischen Investoren zeigten. Sofort nach Amtsantritt löste die neue Regierung die Tinoco-Amory-Verträge wieder auf und ließ nur amerikanische Bewerber um die Bohrrechte zu.

1918 – 1922 Sowjetunion: "Befanden sie (die Alliierten) sich im Krieg mit Russland? Keinesfalls; aber sie schossen sofort, wenn sie einen Sowjetrussen sahen. Sie befanden sich als Invasoren auf russischem Boden. Sie bewaffneten die Feinde der sowjetischen Regierung. Sie blockierten ihre Häfen und versenkten ihre Kriegsschiffe. Sie wünschten und verfolgten allen Ernstes ihre Niederlage. Aber Krieg – entsetzlich! Einmischung - Schande! Es ging sie nichts an, sagten sie wiederholt, wie Russland seine inneren Angelegenheiten regelt! Sie waren neutral - Bäng"[41], schrieb Winston Churchill zehn Jahre nach den Ereignissen.

Nach den Bedingungen des Vertrags von Brest-Litovsk musste die sowjetische Armee die Tschechoslowakische Legion des Zaren entwaffnen. Als bolschewistische Verbände Einheiten der Legion, die von der Westfront nach Sibirien marschiert waren, entwaffnen wollten, setzten sich die Tschechen zur Wehr. Daraufhin landeten US-Marines in Wladiwostok, angeblich um das amerikanische Konsulat und andere amerikanische Einrichtungen in der Stadt zu schützen. Im Juli 1918 jedoch riefen amerikanische, britische, japanische, französische und tschechische Kommandeure eine Notstandsregierung aus und erklärten deren Neutralität. Die weißrussische anti-bolschewistische Armee und ihre Alliierten kontrollierten praktisch ganz Sibirien, alle russischen Gebiete östlich des Ural.

Schon im September 1918 hatten 5000 US-Soldaten an einer alliierten Landung in Archangelsk teilgenommen, wobei sie 500 Mann Verluste zu verzeichnen hatten. Sie blieben bis Juni 1919. Im August 1919 landeten die USA 7000 zusätzliche Soldaten in Wladiwostok an, die bis Januar 1920 als Teil einer internationalen Besatzungsarmee blieben. Einige Einheiten der Marines beteiligten sich auch an britischen Landeoperationen im Raum Murmansk. All diese Operationen dienten der Unterstützung der Weißrussen und der Kerenski-Anhänger in ihrem Kampf gegen Lenins und Trotzkis Sowjetregierung. Als die Niederlage der Alliierten und der weißrussischen Armee gegen Ende des Jahres 1919 nicht mehr aufzuhalten war, versetzte die New York Times ihre Leser in Angst und Schrecken mit Schlagzeilen wie „Rote wollen Krieg mit Amerika“ (30. Dezember 1919), „Britannien vor Krieg mit Roten, Ruft zu Konferenz in Paris“ (16. Januar 1920), „Rote heben Truppen aus, um Indien anzugreifen“ (7. Februar 1920) oder „Befürchtungen, dass Bolschewiken nun japanisches Gebiet angreifen“ (11. Februar 1920). Die USA erkannten die UdSSR erst 1933 diplomatisch an.

1919 Dalmatien: Auf Bitte der italienischen Regierung landeten US-Verbände in Trau, um Italien in anhaltenden Auseinandersetzungen mit Serbien zu unterstützen.

1919 Türkei: Marinesoldaten der USS Arizona landeten, um das US-Konsulat während der griechischen Besetzung Konstantinopels zu schützen.

1919 Honduras: Einige Truppen-Einheiten wurden an der Karibikküste angelandet, um während eines Umsturzversuchs in einer neutralen Zone die Ordnung aufrechtzuerhalten.

1920 China: Truppen wurden bei Unruhen in Kiukiang an Land geschickt, um US-Staatsbürger zu schützen.

1920 Guatemala: In einem Bürgerkrieg schickten die USA Truppen zur Unterstützung des Diktators Estrada Cabrera in seinem Kampf gegen die oppositionellen Unionisten..

1920 – 1922 Sowjetunion: Um eine US-Radiostation und anderen US-Besitz zu schützen, wurde auf der Insel Russkiy in der Bucht von Wladiwostok ein Wachkommando der Marines stationiert.

1921 Panama, Costa Rica: Amerikanische Flottenverbände zeigten beiderseits des Kanals Flagge, um den Ausbruch eines Krieges zwischen den beiden Ländern wegen eines Grenzdisputs zu verhindern. Gleichzeitig landeten US-Truppen in Panama, um den Präsidenten zu schützen, der von verärgerten Bürgern angegriffen worden war.

1922 Türkei: Als türkische Nationalisten unter Kemal Atatürk die griechischen Besatzungstruppen nach Westen trieben und in Smyrna (Izmir) einmarschierten, gingen US-Truppen mit Einwilligung sowohl der griechischen als auch der türkischen Seite an Land, um amerikanische Bürger und amerikanischen Besitz zu schützen.

1922 – 1923 China: Zwischen April 1922 und November 1923 landeten US-Truppen fünfmal, um Amerikaner zu schützen.

1923 China: Marineeinheiten Großbritanniens, Frankreichs, Japans, Portugals und der USA liefen in Kanton ein, um die militärische Übernahme der internationalen Zolleinrichtungen durch die chinesische Regierung zu verhindern. Nachdem Peking eingelenkt hatte, zogen die Schiffe wieder ab.

1924 Honduras: Eine der wohl skurrilsten Episoden in der langen Reihe amerikanischer Interventionen begründete die Liste des State Department wie üblich mit dem Schutz amerikanischer Bürger und Interessen angesichts von Unruhen, die bei Präsidentschaftswahlen ausgebrochen waren. 1923 verlor der Kandidat der Konservativen Partei sowie der United Fruit Company, Tiburcio Carías Andino, die Präsidentschaftswahlen nach einem grandiosen Wahlbetrug, der den Kandidaten der Liberalen Partei sowie der amerikanischen Cuyamel Fruit Company ins Amt brachte. Mit Unterstützung der United Fruit revoltierte Carías und putschte sich ins Präsidentenamt. Washington jedoch stellte sich hinter die Cuyamel Obstfirma und ihren Kandidaten und entsandte Truppen, um Carías wieder zu vertreiben. Drei Jahre nachdem die United Fruit die Cuyamel Fruit übernommen hatte (1929), kam Carías doch noch ins Amt und regierte das Land für 17 Jahre.

1924 China: Während bürgerkriegsähnlicher Unruhen landeten US-Marines in Shanghai, um Amerikaner und andere Ausländer zu schützen.

1925 China: Erneut landeten US-Marines, um Leben und Besitz in Shanghai‘s Internationalem Viertel zu schützen.

1925 Honduras: Während politischer Unruhen an der Atlantikküste landeten US-Verbände in La Ceiba, um Ausländer zu beschützen.

1925 Panama: In Panama rebellierten die Kuna, ein Indianervolk in der entlegenen Provinz Darién, weil die Regierung ihre Frauen zwingen wollte, ihre traditionelle gegen westliche Kleidung einzutauschen und den goldenen Nasenring aufzugeben. Der amerikanische Ingenieur, Diplomat und Abenteurer Richard Oglesby Marsh, der schon an den Vertragsverhandlungen um den Panamakanal beteiligt gewesen war, forderte US-Truppen aus der Kanalzone zum Schutz der aufständischen Indios und schrieb eine „Erklärung der Unabhängigkeit und der Menschenrechte des Volkes von Tule und Darién“. Am 12. Februar proklamierten die Häuptlinge von 45 Clans nach 26-tägiger Debatte die Republica de Tule. Am 4. März unterzeichneten Vertreter der Regierung sowie der Kuna im Beisein des amerikanischen Botschafters ein Friedensabkommen. Die Indios durften auch weiterhin goldene Nasenringe tragen und gaben dafür ihre Unabhängigkeitsbestrebungen auf.

Monate später landeten 600 US-Soldaten, um einen Streik um niederere Mieten in Panama-Stadt und Colón zu unterdrücken.

1926 China: Als Guomindang-Einheiten Hankow angriffen, landeten US-Marineverbände, angeblich um amerikanische Bürger zu schützen, tatsächlich um Tschiang Kai cheks Verbände zu unterstützen. Wenig später attackierten die Nationalisten Kiukiang, und wieder schickten die USA Flottenverbände. Und auf dem Yangtsekiang patrouillierten nicht weniger als 15 britische, neun amerikanische, zehn japanische und sechs französische Kanonenboote.

1926 – 1933 Nicaragua: Als angesichts des Ergebnisses von Wahlen, die von den Vereinigten Staaten überwacht worden waren, ein Bürgerkrieg ausbrach, besetzten Marines in Unterstützung des Wahlsiegers das Land. Außenminister Kellog sprach von einer „nicaraguanisch-mexikanisch-sowjetischen“ Verschwörung mit dem Ziel einer „mexikanisch-bolschewistischen Hegemonie“ in nächster Nähe zum (Panama-)Kanal. Augusto César Sandino jedoch, ein Nationalist, der sich gegen ausländische Interventionen wehrte und die Konzentration des Landbesitzes in den Händen einer winzigen Oligarchie bekämpfte, lehnte die von den USA vorgesehene Lösung des Konfliktes ab und verwickelte die Vereinigten Staaten in ihren ersten Anti-Guerilla-Krieg in Lateinamerika. Die USA brachten 4000 Marines ins Land und flogen Bombenangriffe auf Stellungen Sandinos. Die Marines bauten eine lokale nicaraguanische Streitmacht auf, die Nationalgarde, die sie ihrem Protegé Anastasio Somoza unterstellten, ehe sie am 3. Januar 1933 wieder abzogen. 1934 lud Somoza Sandino zu Verhandlungen ein und ließ ihn ermorden. Drei Jahre später erlangte Somoza in einer Wahlfarce die Macht, die sein Clan erst 42 Jahre später unfreiwillig wieder abgab.

1927 China: Amerikanische und britische Zerstörer beschossen Nanking, um Ausländer zu schützen. „Nach diesem Zwischenfall entsandte Washington zusätzliche Streitkräfte und Marineverbände, die bei Shanghai und Tientsin stationiert wurden.“[42]

1930 Dominikanische Republik: Die USA verhalfen Rafael Trujillo an die Macht, der das Land über 30 Jahre bis zu seiner Ermordung 1961 despotisch kontrollieren sollte.

1932 China: Amerikanische Truppen landeten in Shanghai, um amerikanische Interessen während der japanischen Besetzung der Stadt zu schützen.

1932 El Salvador: Um amerikanische Bergbauinteressen während der blutigen Niederschlagung eines indianischen Bauernaufstandes durch den langjährigen Diktator Maximiliano Hernández Martínez zu schützen, schickte Präsident Herbert C. Hoover einen Kreuzer und zwei Zerstörer in den Hafen von Acajutla, die schließlich halfen, die Revolte niederzuschlagen, wobei innerhalb einer Woche 30 000 zumeist indianische Bauern niedergemetzelt wurden.

1932 Paraguay, Bolivien: Der Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay war ein Krieg zweier Ölgiganten. Die Standard Oil Company von New Jersey finanzierte Boliviens Streitkräfte, schickte ihnen Curtiss-Wright-Flugzeuge und provozierte sie, Paraguay anzugreifen. Standard Oil hoffte, Bolivien werde einen großen Teil des Gran Chaco, in dem erhebliche Ölvorkommen vermutet wurden, in seinem Interesse annektieren. Zudem brauchte die Firma den Chaco für eine Pipeline von Bolivien zum Paraguay (Fluss). Shell hingegen, drängte die Paraguayer, ihre Ölvorkommen für die holländisch-britische Firma zu verteidigen. Am Ende gewann Paraguay den Krieg, nicht aber den Frieden. Als Vorsitzender der Verhandlungskommission nach Beendigung des Krieges sorgte Spruille Braden von der Standard Oil dafür, dass Tausende Quadratkilometer, die Paraguay beanspruchte, Bolivien und somit Rockefeller zugeschlagen wurden.

1933 Kuba: Zwischen 1925 und 1933 hatte sich Präsident Gerardo Machado, genannt „der Schlächter“, um die amerikanischen Interessen gekümmert. Zu Beginn der dreißiger Jahre jedoch brachten zunehmende soziale Unruhen und die Furcht vor einer linken Revolution Washington zu dem Schluss, dass Machado zu einer Belastung geworden war. Washington schickte Sonderbotschafter Sumner Wells nach Kuba, um eine linke Regierung zu verhindern. 30 Kriegsschiffe vor den Küsten Kubas verliehen der Botschaft Nachdruck. Machado ging, und die USA fanden in Fulgencia Batista Zaldívar einen willigen und folgsamen Nachfolger, der den zu linken Übergangspräsidenten Carlos Manuel de Céspedes mit seiner „Unteroffiziersrevolte“ aus dem Amt putschte, ehe dieser Neuwahlen hatte organisieren können.

1934 China: Marines landeten in Foochow, um das US-Konsulat zu schützen.

1936 Argentinien: Am 1. Dezember ließ sich Präsident Franklin D. Roosevelt von dem Kreuzer USS Indianapolis, begleitet von der USS Chester, zu einer interamerikanischen Tagung nach Buenos Aires bringen. Trotz dieser amerikanischen Machtdemonstration stimmten die Delegierten der argentinischen Position zu, die jedes Interventionsrecht dritter Staaten in Lateinamerika ablehnte.

1940 Neufundland, Bermuda, St. Lucia, Bahamas, Jamaica, Antigua, Trinidad, Britisch Guyana: US-See- und Luftverbände übernahmen die Sicherung der Karibikstaaten, die Großbritannien im Rahmen des Lend-lease-Programms als Sicherheit für die amerikanischen Kriegskredite den USA überlassen hatte.

1941 Panama: Nachdem er die Zustimmung des amerikanischen Botschafters erhalten hatte, putschte Ricardo Adolfo de Guardia Präsident Arias aus dem Amt, den Kriegsminister Henry Stimson für „sehr lästig und pro-Nazi“ hielt.

1941 Grönland: Nach der deutschen Besetzung Dänemarks übernahmen US-Truppen den Schutz dieses dänischen Gebiets.

1941 Holländisch Guyana: Nach der deutschen Besetzung Hollands und in Übereinstimmung mit der holländischen Exilregierung übernahmen amerikanische und brasilianische Truppen den Schutz der dortigen Aluminium- und Bauxitvorkommen.

1941 Island: Mit Zustimmung der Regierung in Reykjavík übernahmen die USA den Schutz des Inselstaates.

1941 Deutschland: Ab September griffen US-Kriegsschiffe deutsche U-Boote auf Befehl des Präsidenten, aber ohne Genehmigung des Kongresses oder Kriegserklärung an. Im November wurde das Neutralitätsgesetz teilweise aufgehoben, um die amerikanische Militärhilfe für Großbritannien zu schützen.

1943 Honduras: Der Chefredakteur der Zeitung El Cronista wurde zur US-Botschaft zitiert, wo ihm klargemacht wurde, dass Kritik an dem Diktator Tiburcio Carías Andino die Kriegsanstrengungen schädige. Kurz darauf schloss die Regierung das Blatt.

1943 – 1946 Bolivien: 1943 putschten nationalistische Militärs unter der Führung von Major Gualberto Villarroel Lopéz gegen die Militärregierung des Generals Enrique Peñaranda del Castillo, der den Achsenmächten den Krieg erklärt hatte. Zunächst wurde Villarroel Präsident einer Regierungsjunta, später übernahm er offiziell das Amt des Präsidenten Boliviens.

Während seiner Amtszeit kam es zu weitreichenden Reformen, wie zum Beispiel der amtlichen Anerkennung der Gewerkschaften. Um die Situation der Bauern zu verbessern, richtete Villarroel zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen "Congreso Indígena" ein, einen Kongress für die indianische Bevölkerung, die zwar 95 Prozent der Bevölkerung ausmachte, bis dahin jedoch keinen Einfluss auf die politischen Entwicklungen im Land hatte. Zudem hatte er einige der schlimmsten Lebensbedingungen der indianische Bevölkerung wie das feudalistische System der Lehnsherrschaft, das zwischen den Oligarchen und den einheimischen Bauern herrschte und sich gelegentlich bis zur Leibeigenschaft auswuchs, abgeschafft . Eine notwendige Landreform jedoch gelang ihm nicht. Seine Reformen erhöhten zwar seine Popularität unter der indigenen Bevölkerung, forderten jedoch den Widerstand der Oligarchie sowie des Mittelstandes heraus.

Den USA war der Nationalist mit seinen Sympathien für die deutschen Nazis ohnehin schon lange ein Dorn im Auge. So nutzten die Opposition und der US-Geheimdienst OSS die Unzufriedenheit im Land. Aufgestachelt von US-Agenten und finanziell unterstützt von „la gente bien“ (den besseren Leuten aus Handel und Oligarchie) plünderte ein Mob von Studenten, Professoren und Lehrern ein Waffenlager und belagerte den Palacio Quemado an der Plaza Murillo, den Regierungssitz. Villarroel verkündete zwar seine Abdankung. Doch am 21. Juli stürmte der Pöbel das Gebäude und ermordete Villarroel. Seine Leiche wurde von einem Balkon geworfen und an einem Laternenpfahl gegenüber dem Palast aufgehängt. Das Office for Strategic Services (OSS) soll den Demonstranten zuvor die Bilder von der Ermordung Mussolinis gezeigt haben.

Dez. 1941 – 1945 Deutschland, Italien, Japan: Kriegserklärung, II. Weltkrieg.

SPIEL OHNE REGELN

Der Weltkrieg fand nach 1945 ohne Pause seine Fortsetzung, nahezu überall musste die Freiheit nun gegen den aggressiv expandierenden Kommunismus verteidigt werden. Dazu wurde der Feind enthumanisiert. Mord, Terroranschläge, alles, was zur Schwächung des Feindes beitragen konnte, war erlaubt, wie eine Kommission des Weißen Hauses nach der Untersuchung der geheimen CIA-Aktivitäten schon wenige Jahre nach der Gründung des Nachrichtendienstes, 1954, in ihrem sogenannten „Doolittle Report“ feststellte: „Es ist nun klar, dass wir uns einem erbarmungslosen Feind gegenübersehen, dessen erklärtes Ziel die Welt-herrschaft ist. In einem solchen Spiel gibt es keine Regeln. Daher gelten die akzeptierten Normen menschlichen Verhaltens nicht. Wollen die Vereinigten Staaten überleben, müssen lange gültige ameri-kanische Vorstellungen von ‚fair play‘ neu überdacht werden. Wir müssen effektive Spionage- und Gegenspionagedienste einrichten und lernen, unsere Feinde mit intelligenteren, subtileren und effektiveren Methoden zu unterminieren, zu sabotieren und zu zerstören, als sie gegen uns anwenden. Es kann notwendig werden, dass das amerikanische Volk damit vertraut gemacht werden muss, diese fundamental abstoßende Philosophie zu verstehen und zu unterstützen.“[43]

Die Direktive des Nationalen Sicherheitsrats NSC-5412/2 vom 28. Dezember 1955 räumte den Geheimdiensten nahezu unbegrenzte Befugnisse ein. Auftrag der Agenten war demnach, „a. den internationalen Kommunismus mit Problemen zu belästigen, die Beziehungen zwischen der UdSSR und China sowie ihren Satelliten zu beeinträchtigen und die Steigerung des militärischen und wirtschaftlichen Potentials des Sowjetblocks zu bremsen. b. Diskreditiere das Ansehen und die Ideologie des Internationalen Kommunismus und reduziere die Stärke seiner Parteien und anderer Elemente. c. Begegne jeder Bedrohung durch eine Partei oder ein Individuum, das direkt oder indirekt unter kommunistischer Kontrolle steht. d. Reduziere die Kontrolle des Internationalen Kommunismus in jeder Weltregion. e. Stärke die Annäherung der Völker und Staaten der freien Welt an die Vereinigten Staaten, betone wann immer möglich, die identischen Interessen solcher Völker und Staaten und der Vereinigten Staaten und fördere, wo angebracht, diese Gruppen, die sich wirklich für die Förderung solcher gemeinsamer Interessen einsetzen und stärke die Fähigkeit und den Willen solcher Völker und Staaten, dem Internationalen Kommunismus zu widerstehen. f.Organisiere in Übereinstimmung mit unserer Politik und in dem Maße, wie es praktikabel ist, in Gebieten, die vom Internationalen Kommunismus dominiert oder bedroht sind, geheime Widerstandszellen und erleichtere verdeckte Operationen und stelle sicher, dass uns diese Kräfte im Falle eines Krieges zur Verfügung stehen…“[44]

In diesem Kampf degenerierten die so gerne hervorgehobenen westlichen Werte Demokratie, Freiheit, freie Wahlen oder Rechtstaatlichkeit zu wenig mehr als propagandistischen Aushängeschildern, wie ein amerikanischer Politiker einmal einem uneinsichtigen Botschafter in Washington klarmachte. Während einer der regelmäßigen Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei um Zypern bestellte Präsident Lyndon B. Johnson den griechischen Botschafter ein, um ihm Washingtons Lösung des Konflikts zu erläutern. Als der Botschafter protestierte, dieser Vorschlag widerspreche der griechischen Verfassung und sei inakzeptabel für das Parlament, donnerte Johnson: „Hören Sie zu, Mr. Botschafter, auf ihr Parlament und ihre Verfassung ist geschissen (fuck your Parliament and your Constitution). Amerika ist ein Elefant. Zypern ist ein Floh. Wenn diese zwei Flöhe weiterhin den Elefanten jucken, können sie leicht eine Abreibung mit dem Rüssel des Elefanten bekommen... Wenn Ihr Ministerpräsident mich über Demokratie, Parlament und Verfassung zuquatscht, dann werden er, sein Parlament und seine Verfassung nicht sehr lange existieren.“[45] Zwei Jahre später putschten Griechenlands Obristen.

Beinahe zum geflügelten Wort wurde Henry Kissingers Satz, mit dem er den Wahlsieg des Sozialisten Salvador Allende in Chile 1970 kommentierte: „Ich sehe nicht ein, dass wir zusehen sollten, wie ein Land als Folge der Unverantwortlichkeit seiner eigenen Bevölkerung kommunistisch wird. Die Angelegenheit ist viel zu wichtig, als dass man die Entscheidung darüber den chilenischen Wählern überlassen kann.“

Dabei wurden nicht nur kommunistische sondern auch neutrale Regierungen, die in der Bewegung der Blockfreien einen dritten Weg gehen und sich keinem der beiden Machtblöcke anschließen wollten, als Feind angesehen. Die USA nannten alles „kommunistisch, jeden Ausdruck von Nationalismus oder wirtschaftlicher Unabhängigkeit, jeden Wunsch nach sozialem Fortschritt, jede intellektuelle Neugier und jedes Interesse für fortschrittliche liberale Reformen“[46], klagte Guatemalas Außenminister 1954. Wie Rom vor 2000 Jahren so wurden die Vereinigten Staaten nun zum „Führer einer weltweiten antirevolutionären Bewegung zur Verteidigung eigener Interessen“[47], warf der britische Historiker und Autor einer zwölfbändigen „Study of History“, Arnold Toynbee, Washington 1960 in einer Reihe von Vorlesungen vor.

Die USA bekämpften jede Revolution und alle revolutionären Bewegungen in aller Welt. Heute sind zu diesem Zweck nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums über 369 000 seiner 1 479 000 Soldaten in mehr als 150 Ländern stationiert. Sie werden unterstützt von Diplomaten, Agenten und zahlreichen Stiftungen, wie die National Endowment for Democracy (NED), das International Republican Institute (IRI), Ifes, das National Democratic Institute for International Affairs (NDIIA), das Center for International Private Enterprise (CIPE), die Eurasia Foundation, Internews und viele mehr, die alle für sich den Status non governmental organisations (NGOs) in Anspruch nehmen, jedoch weit eher government organized non governmental organisations (GONGOs) ähneln. Im NDIIA etwa, dem demokratischen Flügel der NED im Gegensatz zum republikanischen Flügel IRI, ist die ehemalige Außenministerin und Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Madelaine Albright, Vorstandsvorsitzende, im Senior Advisory Committee des Instituts sitzen u.a. der ehemalige New Yorker Bürgermeister Mario Cuomo, der ehemalige demokratische Majority Leader im Repräsentantenhaus und Präsidentschaftsbewerber (1988) Richard A. Gephardt, der einstige Gouverneur von Massachusetts und demokratische Präsidentschaftbewerber (1988) Michael S. Dukakis oder der demokratische Senator Christopher J. Dodd.

Schon im frühen 19. Jahrhundert verhielten sich die Gründerväter gegenüber den Unabhängigkeitsbewegungen Lateinamerikas äußerst ablehnend. Lateinamerikaner seien nicht in der Lage, sich selbst zu regieren. 1818 etwa sandte der Freiheitskämpfer Simón Bolívar dem diplomatischen Repräsentanten der USA in Venezuela eine Protestnote, weil Washington zwar Waffen jeder Art an die Spanier nicht aber an die Unabhängigkeitskämpfer verkaufte. Ein Jahr später unterschrieb Präsident James Monroe sogar einen Vertrag mit Madrid, in dem die USA versprachen, die Unabhängigkeit der neuen Republiken Lateinamerikas nicht anzuerkennen.

[...]


[1] Welt online 7. Dezember 2011

[2] Jimmy Carter im Christian Science Monitor, 29. Dezember 1999

[3] Insgesamt gaben US-Bürger im selben Jahr 41 Milliarden Dollar für ihre Haustiere aus.

[4] Joseph Stiglitz, „The tricks of trade treaties: Check the basic premises“, Project Syndicate, published in The Jakarta Post, 5. Februar 2003

[5] Diese Methode, die eigenen Überschussprodukte in den Ländern der sogenannten Dritten Welt zu Dumpingpreisen zu verschleudern, mit denen die einheimischen Produzenten nicht konkurrieren können, haben sich auch die Staaten der Europäischen Union zu eigen gemacht.

[6] Skidelsky, Robert, „John Maynard Keynes. Fighting for Britain 1937 – 1946”, Papermac, London, 2001, S. 300-336

[7] Ron Nixon, “U.S. Groups Helped Nurture Arab Uprisings”, New York Times, 14. April 2011

[8] Ibid.

[9] Zitiert in Gore Vidal, „The Decline and Fall of the American Empire“, Odonian Press, Chicago, 2000, S. 16

[10] Guerra, Sergio und Prieto, Alberto, „Estados Unidos contra América Latina: dos siglos de agresiones”, Colleccion Nuestros Paises, Serie Resumen, Casa de las Americas, 1978, Ciudad de la Habana, Cuba

[11] Lyons, Oren, et al, “Exiled in the Land of the Free”, Clear Light Publisher, Santa Fé, 1992, S. IX

[12] Vorwort zu Brandon, William, “The American Heritage Book of Indians”, Dell, New York, 1961. 1744 hatte Benjamin Franklin Texte indianischer Verträge gedruckt, darunter die Worte Canassetago’s, des Häuptlings und Sprechers der Irokesen-Konföderation, in dem er das föderale System der Irekosen hervorhob und den englischen Kolonisten als Modell empfahl. Wenige Jahre später wohnte Franklin dem Großen Rat der Irokesen in Onondaga bei. Seinen Darstellungen zufolge funktionierte das System als föderale Republik, die von lokalen und nationalen Räten mit gewählten Führern regiert wurde.1754 präsentierte Franklin seinen Albany-Plan für eine Union, wobei er für ein föderales System plädierte. Die Häuptlinge der Irokesen waren 1775 zu den Debatten um die Unabhängigkeitserklärung nach Philadelphia eingeladen.

[13] Mattingley, Garrett, “Renaissance Diplomacy”, North Carolina University Press, Chapel Hill, 1955, S. 290 und Hanke, Lewis, “Aristotle and the American Indians”, Indiana University Press, Bloomington, 1975, S. 112

[14] Merk, Frederick, „Manifest Destiny and Mission in American History“, S. 46

[15] Ibid.

[16] Ibid., S. 29

[17] Pearce, Jenny, „Under the Eagle. US Intervention in Central America and the Caribbean“, London, 1982, S. 17

[18] John L. O’Sullivan, “The Great Nation of Futurity” in United States Magazine and Democratic Review, November 1839, Vol. 6, Issue 23, Seiten 426-430

[19] McCullough, David, „The Path Between the Seas“, New York, 1977, S. 338, 340

[20] Bushnell, David (Hrsg.), „El Libertador. Writings of Simón Bolívar”, Oxford University Press, New York, 2003, S. 172

[21] 1962 von Dean Rusk vorgelegte Liste

[22] Pearce, S. 19

[23] Yergin, D., “The Prize: The Epic quest for Oil, Money and Power”, Simon and Schuster, New York, 1991, S. 401

[24] Chomsky, Noam, “Imperial Presidency” in Canadian Dimension, January/February 2005, Vol. 39, No. 1, S. 8

[25] Yergin, Daniel, “The Prize”, S. 702; Juhasz, Antonia, “The Bush Agenda”, HarperCollins, New York, 2007

[26] Dubois, Laurent, „Avengers of the New World – The Story of the Haitian Revolution“, Harvard University Press, 2004, S. 225

[27] Vladimir I. Lenin, „Gesammelte Werke IV, Moskau, 1960, S. 374

[28] Encyclopaedia Britannica 2004, „Mexican War“

[29] Grover Cleveland, State of the Union Address, 1893

[30] Reports of Committee on Foreign Relations 1789-1901 Volume 6 [The Morgan Report], S. 385

[31] Twain, Mark, “Thirty Thousand Killed A Million”, The Atlantic Vol. 269 No. 4, Boston, April 1992

[32] Ibid.

[33] Congressional Research Service report RL30172, http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/crs/rl30172.htm

[34] Ibid.; McCullough, David, „The Path Between the Seas“, New York, 1977

[35] „U.S. Intervention in Panama“, NACLA’s Latin America & Empire Report, Vol. VIII, No. 7, September 1974

[36] Congressional Research Service report RL30172

[37] Pearce, S. 15; McCann, Thomas P. and Scammell, Henry, „An American Company. The Tragedy of United Fruit“, Crown Publishers, New York, 1976, pp. 14-20; Über Sam Zemurray schrieb der guatemaltekische Literaturnobelpreisträger Miguel Angel Asturías seinen Roman “Der grüne Papst”.

[38] Nur drei Monate nach der sogenannten Tampico-Affäre floh Mexikos Präsident Victoriano Huerta er vor seinen Revolutionsgegnern auf dem deutschen Kreuzer „Dresden“ nach Jamaica, von wo er über Großbritannien und Spanien Nach New York fuhr. Dort verhandelte er mit deutschen Agenten über Waffenlieferungen, um in einem Staatsstreich die Macht in Mexiko zurückerobern zu können. Huertas Umtriebe wurden jedoch aufgedeckt. Auf der Fahrt im Zug nach Süden wurde er am 27. Juni 1915 in Newman in Neu Mexiko festgenommen und wegen Verletzung der US-Neutralitätsgesetze in Fort Bliss inhaftiert. Er starb in Haft am 14. Januar 1916 an Leberzirrhose.

[39] Schmidt, Hans, „The US Occupation of Haiti: 1915-1934“, Rutgers University Press, Chapel Hill, NC, p. 99

[40] Zitiert nach “U.S. Intervention in Panama”, NACLA’S Latin America & Empire Report, Vol. VIII, No. 7, Sept. 1974

[41] Churchill, Winston, "The World Crisis: The Aftermath", London, 1929, S. 235

[42] Congressional Research Service report RL30172

[43] http://cryptomc.org/cia-doolittle.pdf, abgerufen am 21. November 2008. Die Kommission war nach ihrem Vorsitzenden, Luftwaffen-Generalleutnant James H. Doolittle, benannt, der einst die Geschwader kommandiert hatte, die 1942 Japan bombardierten. Eisenhower wünschte von Doolittle vor allem Vorschläge, wie „die Durchführung derartiger Operationen zu verbessern“ wäre. (Brief Eisenhowers an Doolittle vom 26. Juli 1954, Dwight Eisenhower Library, Eisenhower Papers, Ann Whitman File, Administration Series, box 14, folder: „Dulles, Allen [4].”)

[44] Prados, John, “Presidents’ Secret Wars”, S. 112-113

[45] Deane, Philip, „I Should Have Died“, Atheneum, New York, 1977, S. 113-114

[46] Schlesinger, Stephen and Kinzer, Stephen, „Bitter Fruit“, New York, 1982, S. 143-144

[47] Toynbee, A., „America and the World Revolution“, S. 17, ziziert nach Brendon, Piers, „The Decline and Fall of the British Empire“, London, 2008, S. 608

Details

Seiten
197
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656116080
ISBN (Buch)
9783656115953
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v187976
Note
Schlagworte
sieg welt militärische operationen ausland

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Sieg der freien Welt