Lade Inhalt...

Soziale Sicherheit und Vorsorge von Einzelunternehmern

Bachelorarbeit 2010 45 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen und Grundlagen
2.1 Einzelunternehmer
2.1.1 Begriff
2.1.2 Abgrenzung der Einzelunternehmer
2.1.3 Sonderfall Scheinselbstständigkeit
2.2 Soziale Sicherheit
2.2.1 Begriff
2.2.2 Das deutsche Sozialversicherungssystem
2.2.3 Soziale Sicherheitfür Selbstständige
2.3 Vorsorge
2.3.1 Begriff
2.3.2DasDrei-Säulen-Modell
2.3.3 Das Drei- Schichten- Modell

3. Einzelunternehmer unter der Betrachtung des Sozialversicherungssystems und ihre Notwendigkeit zur privaten Vorsorge
3.1 Sozialversicherungsmöglichkeiten derEinzeluntemehmer
3.1.1 GenerelleVersicherungspflicht
3.1.2 Versicherungspflicht auf Antrag
3.1.3 Freiwillige versicherung undMitgliedschaft
3.2. Leistungen der privaten Vorsorge in Konkurrenz zur Sozialversicherung
3.2.1 Leistungen der Sozialversicherung für Einzelunternehmer
3.2.2 Leistungen aus den privaten Vorsorgemöglichkeiten
3.3 Zwingende Notwendigkeit der Privaten Vorsorge
3.3.1 Existentielle Risikovorsorge und Altersvorsorge

4. Analyse eines Einzelunternehmers in der Handwerksbranche
4.1 Ist Aufnahme
4.1.1 Kurzvorstellung des (fiktiven) Einzeluntemehmers
4.1.2 Definition des zu erreichenden Ziels
4.1.3 Identifizierung der Veränderungen
4.2 Beispielberechnung der gesetzlichen und privaten Vorsorgeinstrumente
4.2.1 Beispielrechnung der Leistungen durch die gesetzlichen Träger
4.2.2 Ergänzung der gesetzlichen Träger durch private Vorsorge
4.3 Finanzierbarkeit der entstehenden Kosten in der Existenzgründung
4.4 Abschließende Betrachtung

5. Zusammenfassung der Arbeit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unternehmensformen

Abbildung 2: Drei-Säulen-Modell

Abbildung 3: Drei-Schichten-Modell

Abbildung 4: Übersicht der Versicherungspflicht

Abbildung 5: Übersicht der Versicherungspflicht auf Antrag

Abbildung 6: Übersicht der freiwilligen Versicherung und Mitgliedschaft

Abbildung 7: Zusammenfassende Übersicht der Versorgung

1. Einleitung

In den letzten Jahren konnten Statistiken des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn eine verstärkte Zunahme der selbstständigen erwerbsfähigen Personen in Deutschland entnommen werden: ,,Die Zahl der Selbstständigen ist von 1991 bis 2008 fast kontinuierlich angestiegen.“1 Die Anzahl ist von 3.036 Millionen im Jahr 1991, auf 4.143 Millionen in 2008 angestiegen. Die aktuellen Daten für 2009 sind online noch nicht verfügbar, werden aber im Oktober 2010 aktualisiert.2

Durch diese Feststellung wird die Aktualität des Themas dieser Arbeit deutlich. Anlässlich der anhaltenden Zunahme der Zahl der Selbstständigen stellt sich die Frage, welche Versorgungsmöglichkeiten dem Einzelnen individuell zur Verfügung stehen und welche gesetzlichen Voraussetzungen dafür zu erfüllen sind.

In dieser Arbeit werden außerdem auch diejenigen Möglichkeiten, die vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben wurden, beleuchtet. Die daraus entstehende Versorgung oder auch Versorgungslücke wird anhand der einzelnen Sparten in der Sozialversicherung aufgezeigt.

Anknüpfend an diesen Teil spielt die Vorsorge des Einzelunternehmers eine grundlegende Rolle. Beruhend auf der Tatsache, dass der deutsche Staat in den letzten Jahren immer mehr darauf drängt, die Risiken auf die privaten Haushalte zu übertragen, muss der Einzelunternehmer in Deutschland besonders auf die Abdeckung seiner Risiken achten. Da er noch zusätzlich das Risiko seines eigenen Unternehmens mit im Portfolio hat, ist er gezwungen, sich verstärkt mit dem Thema der Risikominimierung auseinander zu setzen. Es gilt für ihn, die Bestimmungsgrößen und die Veränderungen seines Risikos zu kennen und zu verstehen, um anhand dieser sein Risiko zu diversifizieren.

Ziel dieser Arbeit ist es, die derzeitig gültigen Regularien für soziale Sicherheit eines Einzeluntemehmers in Deutschland aufzuzeigen und anhand eines praxisnahen Beispiels Möglichkeiten zur Schließung von entstehenden Versorgungslücken zu erörtern. Mittels der identifizierten Versorgungslücken werden Lösungsansätze in den verschiedenen Sozialversicherungssparten für den Einzelunternehmer erarbeitet, um so die dadurch entstandenen Risiken zu minimieren.

Im Ganzen soll die große Bedeutung der privaten Vorsorge für den Einzelunternehmer verdeutlicht und die Problematik deren Finanzierbarkeit hervorgehoben werden.

2. Definitionen und Grundlagen

2.1 Einzelunternehmer

2.1.1 Begriff

Um den Begriff des Einzelunternehmers zu klären, wird zuerst die Legaldefinition des Wortteils „Unternehmer“ durch das BGB herangezogen. Ein Unternehmer ist „eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeithandelt.“3

Ein Einzelunternehmer ist somit als eine einzelne natürliche Person definiert und dadurch charakterisiert, dass er sein Unternehmen eigenständig betreibt. Er übernimmt alle operativen und strategischen Aufgaben und vereint die Geschäftsführung in seiner Person. Folglich handelt es sich nicht um eine Personengesellschaft, da er die alleinige Entscheidungskraft im Unternehmen besitzt. Das Einzelunternehmen muss daher von den Personengesellschaftsformen abgegrenzt werden.

Auch im Bereich der Haftung ist hier zu differenzieren. Der Einzeluntemehmer ist stets Vollhafter seiner Unternehmung. Das heißt, dass er gegenüber Gläubigern sowohl mit seinem Privatvermögen als auch mit dem Geschäftsvermögen haftet. Demnach trägt der Einzeluntemehmer das alleinige Geschäftsrisiko.4 Hierbei ist zu beachten, dass ein Einzelunternehmer auch Angestellte beschäftigen darf und nicht die alleinige arbeitende Person in der Unternehmung darstellen muss.5

„Die Einzelunternehmung ist Einzelunternehmung, weil sie nur eine einzige natürliche Person als Eigentümer hat; sie kann also durchaus viele Angestellte haben.“6 Beschäftigt ein Einzelunternehmer keine Mitarbeiter, wird er in der Literatur als Solo­Selbstständiger bezeichnet.7 Das Einzeluntemehmen wird mit der Eintragung in das Handelsregister, mit der Gewerbeanmeldung oder mit einer extra beantragten Steuemummer beim Finanzamt gegründet.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten9

2.1.2 Abgrenzung der Einzelunternehmer

Um die soziale Sicherheit und Vorsorge von Einzelunternehmern betrachten zu können, ist es wichtig, die verschiedenen Arten der Selbstständigen voneinander abzugrenzen. Diese Abgrenzung ist Grundvoraussetzung für die Einordnung der Einzelunternehmer in die verschiedenen Zweige der Sozialversicherung. Durch die Abgrenzung ist es möglich, die vier Versicherungsgruppen der Sozialversicherung für den Einzelnen zu prüfen und Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen haben dann direkte Auswirkungen auf die privaten Vorsorgemaßnahmen. Nachfolgend lesen Sie die Unterscheidung der Einzelunternehmer:10

- Angehörige der freien Berufe: selbstständige Lehrer, selbstständige Erzieher, selbstständige Artisten und selbstständige Hebammen
- Angehörige der kammerfähigen freien Berufe: Berufe die in einer Berufsgruppen­Kammer Pflichtmitglieder sind, wie z.B. Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Steuerbevollmächtigte. In den Kammern, z.B. Ärztekammer, sind Versorgungseinrichtungen eingegliedert, die den Zugehörigen eine Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente gewähren.11 Die Kammer sorgt für die ordnungsgemäße Ausübung des Berufs.
- Sonstigen freie Berufe: z.B. Untemehmensberater
- Künstler und Publizisten
- Arbeitnehmerähnliche Selbstständige (Behandlung in Kapitel 2.1.3 Sonderfall Scheinselbstständigkeit)
- Selbstständige Landwirte
- Selbstständige Handwerker (Behandlung in der Praxisfallbetrachtung in Kapitel 4) Diese verschiedenen Arten der Einzelunternehmer sind nun den einzelnen Sozialversicherungszweigen zuzuordnen. Die Zuordnung kann über drei Versicherungsmöglichkeiten, die durch unterschiedliche Voraussetzungen gekennzeichnet sind, in der Sozialversicherung erfolgen. Ein Einzelunternehmer kann verpflichtet sein, sich zu versichern, er kann von der Versicherungspflicht befreit sein und sich dann gegebenenfalls freiwillig weiterversichern. Die Anwendung der Vorschriften ist im Einzelfall zu prüfen:
- Pflichtversicherung
- Versicherungsfreiheit
- freiwillige Weiterversicherung

Anhand der drei Versicherungsmöglichkeiten werden die Einzelunternehmer in den einzelnen Sparten der Sozialversicherung in Kapitel 3 bestimmt und zugeordnet, die bestehende Versorgung wird aufgezeigt und die privaten Vorsorgemöglichkeiten genannt.

2.1.3 Sonderfall Scheinselbstständigkeit

Die Scheinselbstständigkeit stellt unter den Selbstständigen einen erwerbstätigen Selbstständigen dar, der i.d.R. dieselben Tätigkeiten übernimmt, wie ein nicht Selbstständiger im Unternehmen.12 Im Sozialversicherungsrecht wird der Scheinselbstständige entweder als Angestellter (unselbstständig) oder Nichtarbeitnehmer (selbstständig tätig) beschrieben. Der Begriff der Scheinselbstständigkeit wird im Sozialgesetzbuch nicht genannt. Liegt eine Beschäftigung vor, ist der Erwerbstätige in allen Sozialversicherungszweigen versicherungspflichtig.13 „Beschäftigung ist die nichtselbstständige Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis. Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers.“14 Mit § 7 Abs. 1, Satzl und 2 SGB IV definiert der Gesetzgeber zunächst die Beschäftigung. Im zweiten Satz nennt er die Anhaltspunkte „Weisungen“ als erstes und „Eingliederung in die Arbeitsorganisation“ als zweites Kriterium, welches ein typisches Merkmal für das Vorliegen einer Beschäftigung darstellt. Nur durch eine Unterscheidung zwischen „angestellt“ oder „selbstständig“ kann eine Scheinselbstständigkeit bestimmt werden.15

Die Weisungsabhängigkeit des Auftragnehmers wird durch die Sozialversicherungs­träger regelmäßig untersucht und durch die örtliche, zeitliche und inhaltliche Weisungsabhängigkeit festgelegt. Werden diese Arten von Weisungen vom Auftraggeber vorgegeben, z.B. mittels Arbeitszeiten, ist dies ein eindeutiger Anhaltspunkt für eine Abhängigkeit des (Schein-)Selbstständigen und einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Um der Versicherungspflicht entgehen zu können, sollte der Selbstständige selbst...

- ...über die „Freiheit, die Übernahme von einzelnen Aufträgen abzulehnen“16 verfügen.
- .. .über die ,, Art und Weise der Auftragsdurchführung“17 selbst bestimmen können.
- ...keinen ,,Zeitvorgaben“18 unterliegen - außer jenen, die die Fertigstellung der Aufträge vertraglich mit sich bringt.

Im zweiten Anhaltspunkt, der „Eingliederung in die Arbeitsorganisation“, kommt der Grad der Eingliederung des Selbstständigen in einer Unternehmung zum Tragen.

Kann der Selbstständige befreit von der Organisation des Auftraggebers seine Aufträge und Leistungen erbringen, etwa in seinen eigenen Geschäftsräumen, ist dies ein Anhaltspunkt, der gegen eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation spricht. Im Rahmen der Eingliederung in die Betriebsorganisation prüfen die Sozialversicherungs­träger ebenfalls, ob ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis besteht. Der Gesetzestext verlangt, dass beide Anhaltspunkte gleichzeitig erfüllt sein müssen, damit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung festgestellt werden kann. Der Gesetzgeber „kann nicht immer zwingend von einer Versicherungspflicht ausgehen“19, selbst wenn beide Komponenten erfüllt sind. Die Anhaltspunkte sind aus diesem Grund keine abschließenden Kriterien zur Bewertung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei Feststellung einer sozial versicherungspflichtigen Beschäftigung durch den Gesetzgeber dem Selbstständigen der politische Begriff der Scheinselbstständigkeit zugewiesen wird. Der Scheinselbstständige ist somit sozialversicherungspflichtig und muss seinen Lohn verbeitragen. Auch der Arbeitgeber muss demnach Beiträge leisten.

2.2 Soziale Sicherheit

2.2.1 Begriff

In der Literatur kann man keine allgemeingültige Definition für den Begriff der Sozialen Sicherheit finden. „Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale Sicherheit; er hat Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Organisation und der Hilfsmittel jedes Staates in den Genus der für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen."20 Generell kann man soziale Sicherheit als Sozialschutzsystem für den Einzelnen im Kollektiv beschreiben, welches nur dann funktionsfähig ist, wenn sich alle Personen im System an generelle Vereinbarungen oder Gesetze halten. Es geht dabei um das Absichem von Risiken der Folgen des Einkommensausfalles.21 Ohne ein solches System ist der Einzelne bei Eintreten dieses Ereignisses sehr schnell auf ein Einkommensniveau abgerutscht, welches weit unter dem Durchschnitts­einkommen liegen kann. Das Durchschnittseinkommen der Deutschen lag im Jahr 2009 bei 40.642 €.22 Der Bürger ist Risiken ausgesetzt, die in diesem Fall einen Verlust des gewohnten Lebensstandards mit sich bringen können. Anhand der „Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit“ werden dem Begriff soziale Sicherheit unter anderem auch die Sozialversicherungssysteme eines Landes zugeordnet.23 Im Sozialversicherungssystem der Bundesrepublik Deutschland wird nach dem Prinzip der Solidarität gehandelt, was in der Anwendung des sog. „Solidaritätsprinzips“ sichtbar wird. Die Risiken, denen jeder Einzelne ausgesetzt ist, werden im Kollektiv, also von allen in der Gemeinschaft, mitgetragen. Durch dieses Handeln werden in der Solidargemeinschaft keine Personengruppen wie z.B. ältere oder kranke Menschen benachteiligt. Dabei ist es nicht von Bedeutung, wie viel Geld der Einzelne in die Sozialversicherung eingezahlt hat oder wer ein relativ höheres Einkommen hat.24 Der Begriff der „Sozialen Sicherung“ wird in der Literatur oftmals als Synonym benutzt, um die soziale Sicherheit zu definieren. In dieser Arbeit stellt die soziale Sicherheit einen Zustand dar, der durch soziale Sicherung erreicht werden kann.

,,Soziale Sicherung bedeutet, dem Einzelnen in Notlagen, die aus eigener Kraft nicht mehr bewältigt werden können, zur Seite zu stehen und darüber hinaus durch langfristig angelegte Maßnahmen vorzubeugen ob bei Krankheit, Unfall, Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit oder Alter. “25 Diese Handlungen sind in der deutschen Sozialversicherung, welche im nächsten Abschnitt behandelt wird, verankert.

2.2.2 Das deutsche Sozialversicherungssystem

Das deutsche Sozialversicherungssystem ist ein im Sozialgesetzbuch verankertes Versicherungssystem. Sie bietet eine Mindestsicherung für die pflichtversicherten Arbeitnehmer. Dieses Versicherungssystem ist Teil der sozialen Sicherung und wird durch die Solidargemeinschaft im System getragen. Der Versicherte kann zusätzlich privat die Versicherungsleistungen ergänzen.26

Die Personen, die in der Sozialversicherung versichert sind, werden im § 2 SGB IV definiert: „Personen, die gegen Arbeitsentgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind.“21 In der Solidargemeinschaft ist es möglich, den Einzelnen bei Eintreten eines der biometrischen Lebensrisiken wie Langlebigkeit, Invalidität, Todesfall zu schützen. Aber auch gegen Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfälle ist er abgesichert. Aus den Risiken Krankheit, Arbeitslosigkeit, Langlebigkeit, Betriebsunfälle und Pflegebedürftigkeit ergeben sich demzufolge die fünf Versicherungsarten der deutschen Sozialversicherung:

- Rentenversicherung (SGB VI)
- Krankenversicherung (SGB V)
- Pflegeversicherung (SGB XI)
- Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) und Arbeitsförderung (SGB III)
- Unfallversicherung (SGB VIII)

Dies garantiert dem Einzelnen die Erhaltung eines Mindestlebensstandards durch einen finanziellen Ausgleich.28 Um die verschiedenen Versicherungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wird in Kapitel 3 anhand von Einzelunternehmern die Abgrenzung dieser vier Versicherungsarten vorgenommen.

2.2.3 Soziale Sicherheit für Selbstständige

Soziale Sicherheit für Selbstständige wird bestehen, sobald die Beteiligten vor einer Abwärtsentwicklung ihres Lebensstandards geschützt werden. Damit der Zustand der Sozialen Sicherheit auch in diesem Bereich hergestellt ist, wird eine darauf ausgerichtete Sozialpolitik benötigt, die soziale Sicherungsmaßnahmen auch für Selbstständige zugänglich macht. Durch solch einen Sozialtransfer29 kann auch dem wirtschaftlich Selbstständigen soziale Sicherheit garantiert werden.30 Da das Sozialversicherungssystem in Deutschland grundlegend nur auf Arbeitnehmer ausgelegt ist, gilt es zu klären, inwieweit soziale Sicherheit für Selbstständige zu erreichen ist und welche Vorsorgemöglichkeiten im privaten Bereich zur Verfügung stehen. Dies wird in Kapitel 3 anhand der Versicherungsmöglichkeiten dargestellt.

2.3 Vorsorge

2.3.1 Begriff

Unter dem Begriff Vorsorge versteht man allgemein Maßnahmen, die möglichen späteren Entwicklungen oder unerwarteten Situationen Vorbeugen. Durch Vorsorge sollen Entwicklungen, die negative Folgen in der Zukunft haben könnten, identifiziert werden. Entsprechende Maßnahmen können diese verringern oder teilweise ganz ausschließen.31 In dieser Abhandlung soll der Begriff Vorsorge, die Schaffung von Ansprüchen für die Zukunft, ,гfür die ein Bedarf aus der Sicht der Gegenwart erkennbar isť32, gelten. Als Gegenwart wird die jeweilige Lebensphase des Einzelunternehmers angenommen,33 wie eine Eheschließung, Zuwachs in der Familie, aber auch die Existenzgründung aus einer Beschäftigung heraus.

Wird der Begriff der Vorsorge auf die „finanzielle Sphäre“34 bezogen, gilt es für die Einzeluntemehmer in der jeweiligen Lebensphase, den auftretenden Finanzbedarf für die Zukunft zu decken. Hierbei muss der Einzeluntemehmer seiner jeweiligen Lebensphase gerecht werden und seinen Vorsorgebedarf gegebenenfalls anpassen.

Die Vorsorge von Einzelunternehmern bezieht sich im ersten Schritt auf die Erkennung der Veränderungen und die Wahl der richtigen Maßnahmen. Beispielsweise die Deckung eines ungewissen zukünftigen Finanzbedarfs oder die Absicherung für das Rentenalter spielen hier eine große Rolle. Die Voraussetzungen der jeweiligen Art der Selbstständigkeit zum Zeitpunkt der jeweiligen Lebensphase sind hierbei zu berücksichtigen.

In der weiteren Betrachtung gilt es, zwischen Vorsorge und Versorgung zu unterscheiden. Die Unterscheidung der beiden Begriffe liegt in der persönlichen Handlung der einzelnen Personen.

Im Falle der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) wird dem Sozial­versicherungspflichtigen eine Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenen-Versorgung zugänglich gemacht. Der Sozialversicherungspflichtige wird daher ohne eigene Handlung, also passiv, versorgt. Kümmert sich die Person selbst um eine Zusatzversicherung z.B. für das Rentenalter, nennt man dies eine aktive Vorsorge, die selbst finanziert werden muss.35

2.3.2 Das Drei-Säulen-Modell

Das „Drei-Säulen-Modell“ ist eine Betrachtungsweise, welche die Altersvorsorge­möglichkeiten nach ihrer jeweiligen Art in drei Säulen unterteilt. Anhand der einzelnen Säulen wird ersichtlich, wer der Eigner der Altersvorsorge ist. Diese Anschauung lässt eine genaue Betrachtung zu, welche Möglichkeiten zur Altersvorsorge zur Verfügung stehen.36

Die erste Säule bildet die Gesetzliche Rentenversicherung, die ein Teil der Sozialversicherung darstellt, mit ihren 3 Versicherungsmöglichkeiten (Pflichtversicherung, freiwillige Weiterversicherung und die Versicherungsfreiheit). Des Weiteren gibt es für bestimmte Einzelunternehmer der freien Berufe (z.B. Rechtsanwälte) die Berufsständischen Versorgungswerke. Die zweite Säule beinhaltet die betriebliche Altersvorsorge (BAV), welche für Einzelunternehmer nur begrenzt von Bedeutung ist. „ Wenn Sie Ihr Unternehmen in der Rechtsform einer Personengesellschaft (oder als Einzelunternehmer) führen, können die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge nicht genutzt werden.“37 Die letzte Säule beinhaltet die private Vorsorge, sie ist fürjede Privatperson zugänglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Drei-Säulen-Modell38

[...]


1 O.V.: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn; 25.08.2010, Online im Internet, URL: http://www.ifm- bonn.org/index.php?id=107, abgerufen am 12.10.2010.

2 Vgl. Ebenda.

3 bürgerliches Gesetzbuch: Unternehmer, § 14 Abs. 1, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.gesetze-im- internet.de/bgb/ 14.html, abgerufen am 01.09.2010.

4 O.V.: Einzelunternehmer, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.wirtscha ftslexikon24.net/d/einzelunternehmung/einzelunternehmung.htm, abgerufen am 01.09.2010.

5 O.V.: Einzelunternehmung, Geschäftsführung, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.rechtsform- info.de/einzelunternehmen/geschaeftsfuehrung.html, abgerufen am 03.09.2010.

6 O.V.: Einzelunternehmung, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.teialehrbuch.de/Kostenlose- Kurse/Basiswissen-fuer-Selbststaendige/17614-Einzelunternehmung.html, abgerufen am 11.08.2010.

7 Vgl. Kelleter, Kai: Selbstständige in Deutschland, Ergebnisse des Mikrozensus, Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik, Dezember 2009.

8 Vgl. Fleschütz, Katja: Das Einzelunternehmen, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.foerderland.de/401.0.html, abgerufen am 01.09.2010.

9 Abb.l: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Töpfer, A.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin 2007, S. 227, Abb. C-II-1 und Bestmann, U. (Hrsg.)/et al.: Kompendium der Betriebswirtschaftslehre. 10. Auflage, R. Oldenburg Verlag, München 2001, Seite 22.

10 Vgl. Lampert, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz; Althammer, Prof. Dr. Jörg: Lehrbuch der Sozialpolitik, 8. Auflage, Springer Verlag, Nürnberg/ Bochum 2007, Seite 417.

11 Vgl. Ärzteversorgung Niedersachsen: Versorgung, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.aevn.de, abgerufen am 10.09.2010.

12 O.V.: Scheinselbstständigkeit, ohne Datum, Online im Internet, URL http://www.frankfurt- main.ihk.de/recht/themen/arbeitsrecht/scheinselbstaendigkeit/index.html, abgerufen am 11.08.2010.

13 Sozialgesetzbuch: Buch IV, §2 Abs. 2 Satz 1, Versicherter Personenkreis, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/___________________________________ 2.html, abgerufen am 01.09.2010.

14 Sozialgesetzbuch IV, §7 Abs. 1 Satz 1 und 2, Beschäftigung, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/___________________________________ 7.html , abgerufen am 11.08.2010.

15 Vgl. Bauer, Dr. Jobst-Hubertus; Baeck, Dr. Ulrich; Schuster, Dr. Doris Maria: Scheinselbstständigkeit, Kriterien und Auswege, 1. Auflage, Richard Boorberg Verlag, Stuttgart/Frankfurt, Juni 2000, Seitel9.

16 Ebenda Seite 46-47.

17 Ebenda Seite 46-47.

18 Ebenda Seite 46-47.

19 Bauer, Dr. Jobst-Hubertus; Baeck, Dr. Ulrich; Schuster, Dr. Doris Maria: Scheinselbstständigkeit, Kriterien und Auswege, 1. Auflage, Richard Boorberg Verlag, Stuttgart/Frankfurt, Juni 2000, Seite 49.

20 Deutsche Sozialversicherung: Soziale Sicherheit, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.deutsche- sozialversicherung.de/de/wegweiser/einfuehrung.html, abgerufen am 23.08.2010.

21 Vgl. Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit: Über soziale Sicherheit, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.issa.int/ger/Themen/Ueber-soziale-Sicherheit, abgerufen am 23.08.2010.

22 O.V. www.stern.de: Durchschnittseinkommen, 24.03.2010, Online im Internet, URL: http://www.stern.de /wirtschaft/geld/durchschnittseinkommen-zwischen-72369-und-12155-euro-565700.html, abgerufen am 10.10.2010.

23 Vgl. Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit: Über soziale Sicherheit, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.issa.int/ger/Themen/Ueber-soziale-Sicherheit, abgerufen am 23.08.2010.

24 Vgl. Deutsche Sozialversicherung: Das Prinzip der Solidarität, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.deutsche sozialversicherung.de/de/wegweiser/grundprinzipien .html, abgerufen am 12.09.2010.

25 Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Was ist Soziale Sicherung, 01.09.2009, Online im Internet, URL:

http://www.bmas.de/portal/36942/erklaerung___ soziale__ sicherung.html, abgerufen am 23.08.2010.

26 Vgl. Kiehl (Hrsg.): Arbeitsrecht und Sozialversicherung, Brunhilde, Steckler; Rainer, Strauß; Patrie, Bachert, Bielefeld/ Osnabrück, 2010, Seite 264.

27 Sozialgesetzbuch: Buch IV, §2 Abs. 2 Satz 1, Versicherter Personenkreis, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/___________________________________ 2.html, abgerufen am 01.09.2010.

28 Vgl. Deutsche Sozialversicherung: Soziale Sicherheit, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.deutsche- sozialversicherung.de/de/wegweiser/einfuehrung.html, abgerufen am 23.08.2010.

29 Definition Sozialtransfer: Geld oder Sachleistung für Personen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

30 Vgl. Lampert, Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz; Althammer, Prof. Dr. Jörg: Lehrbuch der Sozialpolitik, 8. Auflage, Springer Verlag, Nürnberg/Bochum, 2007, Seite 417.

31 Vgl. Duden: Online im Internet, URL: http://www.duden.de/suche/index.php?suchwort=vorsorge &suchbereich=mixed& btnSearch.x=0&btnSearch.y=0#inhalte, abgerufen am 24.08.2010.

32 Farny, Dieter; Helten, Elmar; Koch, Peter; Schmidt, Reimer: Handwörterbuch der Versicherung (HdV), 1. Auflage, Karlsruhe, 1988, Seite 1291.

33 Vgl. Weinmann, Prof. Dr. Hermann: Vorsorge der Führungskräfte, in Vermögensbildung und Altersversorgung richtig planen, Verlag Versicherungswirtschaft, Ludwigshafen a. Rh., 2002, Seite 8.

34 Weinmann, Prof. Dr. Hermann: Vorsorge der Führungskräfte, in Vermögensbildung und Altersversorgung richtig planen, Verlag Versicherungswirtschaft, Ludwigshafen a. Rh., 2002, Seite 8.

35 Vgl. Weinmann, Prof. Dr., Hermann: Vorsorge der Führungskräfte, in Vermögensbildung und Altersversorgung richtig planen, Verlag Versicherungswirtschaft, Ludwigshafen a. Rh., 2002, Seite 8.

36 Vgl. Gabler Verlag (Herausgeber): Gabler Wirtschaftslexikon, Drei-Säulen-Modell, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/130214/drei-saeulen-modell-v5.html, abgerufen am 05.09.2010.

37 Küsell, Felix: Praxishandbuch der Unternehmensgründung, Unternehmen erfolgreich gründen und managen, Gabler Verlag, Wiesbaden, Mai 2006, Seite 421.

38 Abb. 2: Eigene Darstellung in Anlehnung an: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Persönliche Absicherung für Selbständige, ohne Datum, Online im Internet, URL: http://www.existen- zgruender.de/imperia/md/content/pdf/vortraege/pers_absich-start-nrw2010.pdf, abgerufen am 01.10.2010, Seite 12.

Details

Seiten
45
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656118961
ISBN (Buch)
9783656118770
Dateigröße
779 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188146
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
2,0
Schlagworte
Berufsunfähigkeit Selbständige Risikomanagement Absicherung Geldanlage Sozialgesetz Sicherheit Basisrente

Autor

Zurück

Titel: Soziale Sicherheit und Vorsorge von  Einzelunternehmern