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Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

Vor- und Nachteile in den Empfängerländern

Seminararbeit 2012 24 Seiten

VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Direktinvestitionen in Entwicklungsländern
2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen
2.2 Entwicklung und Struktur von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern
2.3 Motive für Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

3 Auswirkungen von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern
3.1 Zahlungsbilanz
3.1.1 Allgemein
3.1.2 Positive und negative Auswirkungen
3.2 Wirtschaftswachstum durch Spillover-Effekte
3.2.1 Allgemein
3.2.2 Positive und negative Auswirkungen
3.3 Heimische Investitionen
3.3.1 Allgemein
3.3.2 Positive und negative Auswirkungen
3.4 Löhne und Beschäftigung
3.4.1 Allgemein
3.4.2 Positive und negative Auswirkungen

4 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite ADI-Zuflüsse in Prozent zwischen 1990 und 2010

Abbildung 2: Entwicklung der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern

Abbildung 3: Entwicklung der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern nach Regionen

Abbildung 4: Volatilität privater Kapitalflüsse in Entwicklungsländern

Abbildung 5: Einfließende ADI in Relation zur Brutto-Kapitalbildung

Abbildung 6: Einfluss von Kapitalimporten auf die heimischen Investitionen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: ADI-Zuflüsse in Entwicklungs- und Industrieländer

Tabelle 2: Zehn größten Empfängerländer von ADI

Tabelle 3: Kapitalzuflüsse in Entwicklungsländer in Mrd. US-Dollar

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der Vergangenheit wurden ausländische Direktinvestitionen (ADI) überwiegend zwischen den Industrienationen getätigt. Seit dem Jahr 2000 ist jedoch ein Trendwechsel zu erkennen, da der Anteil von ADI-Zuflüssen in Entwicklungsländer innerhalb weniger Jahre deutlich zugenommen hat. Hierzu leisteten schon in den 1990er Jahren ein merklich höheres Wirtschaftswachstum sowie eine veränderte Wirtschaftspolitik vieler Entwicklungsländer mit einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs und einer zunehmenden Öffnung für ausländische Investoren einen großen Beitrag. Während der ADI-Zufluss in Entwicklungsländer im Jahr 2000 noch 257,6 Mrd. US-Dollar betrug, konnten diese im Jahr 2010 bereits 573,6 Mrd. US-Dollar verbuchen und empfingen somit zusammen mit den Transformationsländern[1] erstmals mehr als die Hälfte (52 %)[2] aller weltweiten ADI-Ströme (vgl. Abbildung 1).[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Weltweite ADI-Zuflüsse in Prozent zwischen 1990 und 2010[4]

Ziel dieser Arbeit ist es, mögliche Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern aufzuzeigen. Im folgenden Kapitel werden zunächst die Grundlagen der Direktinvestitionen in Entwicklungsländern skizziert. Daran anschließend werden in Kapitel 3 die Auswirkungen ausländischer Direktinvestitionen auf die Zahlungsbilanz, das Wirtschaftswachstum, die heimischen Investitionen sowie auf Löhne und Beschäftigung im Gastland beschrieben. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

2 Grundlagen der Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben den Begriff der ausländischen Direktinvestitionen (ADI) maßgeblich geprägt. IWF und OECD definieren eine ausländische Direktinvestition als eine grenzüberschreitende Investition, bei der ein Investor, eine langfristige Beteiligung (lasting interest) an einem Unternehmen im Ausland, anstrebt. Eine langfristige Beteiligung bedeutet, dass eine dauerhafte Beziehung zwischen dem Investor (direct investor) und dem ausländischen Unternehmen (direct investment enterprise) sowie ein signifikanter Einfluss des Investors auf das Management dieses Beteiligungsunternehmens besteht. Ein wesentlicher Einfluss seitens des Direktinvestors ist dann gegeben, wenn dieser sich mit einem Eigenkapitalanteil von mindestens 10 % an dem Unternehmen im Gastland beteiligt.[5]

2.2 Entwicklung und Struktur von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

Die ausländischen Direktinvestitionen in den Entwicklungsländern sind in den letzten beiden Jahrzehnten stark angestiegen. Der Bestand der Direktinvestitionen in Entwicklungsländern erreichte im Jahr 2010 einen Wert von 5951,2 Mrd. US-Dollar. Gegenüber dem Wert von 517,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 1990 haben sich die ADI in Entwicklungsländern somit fast verzwölffacht.[6]

Auf der folgenden Seite wird in Abbildung 2 die Entwicklung der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern im Zeitraum von 1990 bis 2010 nochmals verdeutlicht.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern[8]

Regional sind die Entwicklungsländer in Asien und im Pazifikraum die größten Empfänger von ADI (vgl. Abbildung 3). Im Jahr 2010 entfielen 61,8 % der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern auf diese Region, 28,9 % konzentrierten sich in Lateinamerika und im Karibikraum sowie 9,3 % in Afrika. Im Vergleich entfielen 1990 auf Lateinamerika und die Karibik 21,5 %, auf Asien und den Pazifik 66,8 % und auf Afrika 11,7 % der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern nach Regionen[10]

In der Vergangenheit hatten die ADI vor allem in den Industrieländern eine größere Bedeutung. Es ist jedoch ein Trendwechsel zu erkennen. Im Jahr 2010 entfielen von den weltweiten ADI-Zuflüssen 46,1 % auf Entwicklungsländer und lediglich 48,4 % auf Industrieländer. Wie aus der folgenden Tabelle 1 ersichtlich ist, nahmen die ADI in Entwicklungsländern im Zeitraum 2006 bis 2010 gegenüber dem Zeitraum 1990 bis 1994 um knapp 800 % zu, während die ADI in Industrieländern in der gleichen Periode nur um knapp 550 % anstiegen.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: ADI-Zuflüsse in Entwicklungs- und Industrieländer[12]

Im Jahr 2010 konzentrierten sich über 60 % der Direktinvestitionsbestände in Entwicklungsländern auf nur 10 Empfängerländer (vgl. Tabelle 2). An der Spitze stand Hongkong (China) mit einem Direktinvestitionsbestand von 1097,6 Mrd. US-Dollar, gefolgt von China, Brasilien und Singapur.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Zehn größten Empfängerländer von ADI[15]

2.3 Motive für Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

Marktorientierte Motive: Hierzu zählen die Sicherung und der Ausbau bestehender Märkte sowie die Erschließung neuer Märkte. Die Marktgröße und das Marktwachstum sind hierbei die wichtigsten Kriterien für Standortentscheidungen von Unternehmen.[16] In diesem Zusammenhang bieten Industrieländer, wie beispielsweise die USA als größte Wirtschaftsmacht, aber natürlich auch Schwellenländer wie China, eher profitable Möglichkeiten für Direktinvestitionen als kleinere Entwicklungsländer.[17] Durch die Gründung von Tochtergesellschaften in Entwicklungsländern können multinationale Unternehmen (MNU)[18] Handelshemmnisse umgehen und diese zugleich als Exportplattform nutzen.[19] Zudem gilt die Marktorientierung als eine der wichtigsten Motivkategorien bei Direktinvestitionsentscheidungen.[20]

Effizienzorientierte Motive: Hierbei steht die Realisierung von Kostenvorteilen im Vordergrund. Investitionsentscheidungen multinationaler Unternehmen werden auch von den relativen Kosten verschiedener Standorte beeinflusst. Dabei stellen die wichtigsten standortgebundenen Kosten die Arbeitskosten dar. Der Direktinvestor nutzt somit die unterschiedlichen Ausstattungsmerkmale von Standorten und die damit verbundenen Faktorpreisdifferenzen aus, zum Beispiel indem die arbeitsintensiven Teile der Produktionskette an Standorte verlagert werden, die niedrigere Lohnstückkosten aufweisen.[21]

Rohstofforientierte Motive: Hierbei besteht die Gefahr, dass Direktinvestitionen, die auf die Ausbeutung von Rohstoffvorkommen (z.B. in der Ölindustrie) abzielen, möglicherweise zu einer Enklavenwirtschaft in den Gastländern (wie z.B. in Angola) führen.[22]

3 Auswirkungen von Direktinvestitionen in Entwicklungsländern

3.1 Zahlungsbilanz

3.1.1 Allgemein

Ausländische Direktinvestitionen gelten als wichtige Kapitalquelle für Entwicklungsländer.[23] Entwicklungsländer mit fixen Wechselkurssystemen sind auf das ausländische Kapital besonders angewiesen, um ihre häufig defizitäre Leistungsbilanz auszugleichen.[24] Wie die folgende Tabelle 3 zeigt, stellen Direktinvestitionen nach wie vor den Großteil der Kapitalströme in Entwicklungsländer dar. In den Jahren 2005 bis 2010 entfielen von den gesamten Kapitalzuflüssen in Entwicklungsländer 57 % auf ADI sowie 27 % der Kapitalimporte bestanden aus Krediten und lediglich 16 % entfielen auf Portfolio-Investitionen.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[26]

Tabelle 3: Kapitalzuflüsse in Entwicklungsländer in Mrd. US-Dollar[27]

Sofern ADI-Zuflüsse für Investitionen verwendet werden, haben sie gegenüber anderen Kapitalzuflüssen nach Ansicht vieler Ökonomen folgende Vorteile:[28] (1) ADI sind stabiler als andere Finanzströme. (2) ADI stellen eine langfristige Verpflichtung gegenüber dem Gastland dar. (3) ADI sind leichter zu bedienen als kommerzielle Kredite.

In Abbildung 4 auf der nachfolgenden Seite wird die größere Stabilität der ADI-Zuflüsse gegenüber anderen Kapitalströmen nochmals verdeutlicht.

[...]


[1] 2) Südosteuropa und die GUS (South-East Europe and the CIS).

[2] 1) + 2) 52 % im Jahr 2010; Vgl. UNCTAD, WIR (2011), S. 3.

[3] Vgl. UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 01; Gareiß, J. (2008), S. 29f.

[4] Eigene Abbildung basierend auf UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 01.

[5] Vgl. IWF (1993), S. 86; OECD (1999), S. 8; UNCTAD (2000), S. 267.

[6] Vgl. UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[7] Bei der Länderdefinition wird in dieser Arbeit die Abgrenzung der UNCTAD übernommen. Die Gruppe der Entwicklungsländer beinhaltet daher auch die Schwellenländer, nicht jedoch die Transformationsländer in Südosteuropa und in Zentralasien.

[8] Eigene Abbildung basierend auf UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[9] Vgl. UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[10] Eigene Abbildung basierend auf UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[11] Vgl. UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 01.

[12] Eigene Tabelle basierend auf UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 01.

[13] Vgl. UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[14] Ohne Offshore-Zentren.

[15] Eigene Tabelle basierend auf UNCTAD, WIR (2011), Annex Tab. 03.

[16] Vgl. Plum, M. (1995), S. 16.

[17] Vgl. Benz, S./Karl, J./Yalcin, E. (2011), S. 23.

[18] Der Begriff der multinationalen Unternehmen (MNU) ist eng mit den ADI verbunden. Wesentliches Kennzeichen eines MNU sind eigene Niederlassungen jenseits der Grenzen seines Heimatlandes; Vgl. UNCTAD (2000), S. 267.

[19] Vgl. Benz, S./Karl, J./Yalcin, E. (2011), S. 22.

[20] Vgl. Jost, T./Nunnenkamp, P. (2002), S. 8.

[21] Vgl. Nunnenkamp, P. (2006), S. 22.

[22] Vgl. Nunnenkamp, P. (2004), S. 101f.

[23] Vgl. Tesfachew, T./Sauvant, K.P. (2005).

[24] Vgl. Hemmer, H.R./Krüger, R. (2002), S. 325.

[25] Vgl. Benz, S./Karl, J./Yalcin, E. (2011), S. 24.

[26] Kredite: Bankkredite, offizielle Kredite und Handelskredite.

[27] Eigene Tabelle basierend auf UNCTAD, WIR (2011), S. 21.

[28] Vgl. Moosa, I.A. (2002), S. 72; Benz, S./Karl, J./Yalcin, E. (2011), S. 24.

Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656119555
ISBN (Buch)
9783656119937
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188255
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Note
1,3
Schlagworte
Direktinvestitionen Entwicklungsländer Zahlungsbilanz Spillover-Effekte heimische Investitionen Löhne und Beschäftigung Vor- und Nachteile

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Titel: Direktinvestitionen in Entwicklungsländern