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Nachhaltig wirtschaften - Innovationen fördern - Arbeitsplätze sichern

Ein Leitfaden für den Gebrauch in kleinen und mittleren Unternehmen

Fachbuch 2000 24 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Was ist das hier?

Anleitung: Was mache ich hiermit?

(1) Woran merke ich, daß Produktinnovationen nötig sind?
I. Anlässe und Gelegenheiten zur Produktinnovation

(2) Wie finde ich heraus, ob neue Produkte voraussichtlich Arbeitsplätze schaffen oder kosten?
II. Arbeitsplätze sichern und schaffen

(3) Welche Produkte sind denn eigentlich umweltverträglicher?
III. Nachhaltig wirtschaften durch produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutz

(4) Neue Produkte brauchen manchmal ein neues Umfeld
IV. Reorganisation

(5) Neue Produkte brauchen neue Qualifikationen
V. Qualifikation

(6) Wie organisiert man systematisch Produktinnovationen?
VI. Innovationsmanagement

(7) Wie funktioniert eine Innovationswerkstatt?
VII. Beteiligungsorientierung auch über Betriebsgrenzen hinaus

(8) Wen kann ich fragen? Und gibt es Fördermöglichkeiten?
VIII. Beratung und Förderung

Anhang

Einleitung

Was ist das hier?

In der öffentlichen Diskussion herrschte vor einigen Jahren die Behauptung vor, Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum seien unüberwindbare Gegensätze. Forderungen nach mehr Umweltschutz wurden als arbeitsplatzschädlich hingestellt. Die Wirklichkeit war anders. Gerade in der Umweltschutzindustrie entstanden ü- berdurchschnittlich viele neue Arbeitsplätze, so daß die gegenteilige Behauptung in der öffentlichen Diskussion nicht lange auf sich warten ließ: Umweltschutz schafft Arbeitsplätze.

Aber wie das so ist, so pauschal ist natürlich beides falsch. Daß in der Umweltschutzindustrie Arbeitsplätze entstanden, liegt im wesentlichen am nachsorgenden Umweltschutz, also am Bau und Einbau von Filtern, dem Bau von Kläranlagen und Investitionen in den Gewässerschutz und nicht zuletzt an der Einführung des dualen Systems, also der Mülltrennung in Deutschland.

Das entpuppt sich aber, sieht man einmal genauer hin, als ein doppelt zwiespälti- ger Vorteil: Da man die Mark nur einmal ausgeben kann, wie es so schön heißt, kann man zum einen für das Geld, das man für die teurer gewordene Müllabfuhr aufwenden muß, nichts anderes kaufen: Es entfallen also mit hoher Wahrschein- lichkeit anderswo Arbeitsplätze. Zum andern ist nachsorgender Umweltschutz auf Dauer natürlich volkswirtschaftlicher Unsinn: Erst verdienen wir unser Geld damit, einmal etwas überspitzt gesagt, daß wir etwas kaputtmachen, und dann und im- mer parallel dazu damit, daß wir es wieder reparieren - einmal ganz abgesehen von der Frage, ob wir auf Dauer wirklich alles reparieren können.

Sinnvoll wäre und ist ein Wirtschaften, das Umwelt und Gesundheit gar nicht erst schädigt, ein nachhaltiges Wirtschaften, wie man sagt, mit vorsorgendem, produkt- und produktionsintegriertem statt nachsorgendem Umweltschutz also. Und da- durch dürften nicht Arbeitsplätze verlorengehen, sondern Arbeitsplätze müßten erhalten bleiben oder gar zusätzlich geschaffen werden. Geht das überhaupt?

Diese Überlegungen und diese Fragestellung standen am Anfang eines For- schungsprojekts, das das TaT in Rheine der TBS als Projektpartner und der Hans Böckler Stiftung als Forschungsförderungswerk des DGB vorgeschlagen hat.

Das TaT hatte sich nämlich vorher seit längerem - neben anderen umweltverträgli- chen Technologien - mit dem Einsatz sogenannter nachwachsender Rohstoffe be- schäftigt. Die Rede ist von einer Vielzahl von innovativen Produkten zum Beispiel auf der Basis von Pflanzenfasern (technische Textilien, Vliese, Bau- und Dämm- stoffe u.s.w.) oder von Stärke (Ersatz von auf Mineralöl basierenden Kunststoffen wie Folien, Styropor u.s.w.) oder. oder, oder. Und dabei hatten immer wieder vor allem ökologische und ökonomische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle gespielt: Vorteile für die Landwirtschaft, Schonung endlicher Rohstoffe, Müllvermeidung, Vermeidung von schädlichen Emissionen, um nur die wichtigsten zu nennen. Aber fast gar nicht diskutiert wurde bis dahin die Frage nach dem Erhalt oder der Schaffung von Arbeitsplätzen durch den erweiterten Einsatz nachwachsender Rohstoffe, und zwar nicht nur in der Landwirtschaft, so wichtig das ist, sondern vor allem auch in der weiterverarbeitenden Produktion als Roh- und Hilfsstoffe.

In anderen Projekten hatte sich das TaT damit beschäftigt, kleine und mittlere Un- ternehmen (v.a. der Textilindustrie) zu unterstützen durch arbeitsorientierte Organi- sationsberatung und Qualifizierung, also Unterstützung zum Erhalt von Arbeitsplät- zen und zur Verbesserung der Qualität von Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt.

Wäre es denn wirklich so schwer, diese beiden Gesichtspunkte zusammenzubrin- gen: vorsorgenden Umweltschutz und die Sicherung und Schaffung von Arbeits- plätzen? Könnte man nicht Produktionsprozesse so umstellen, daß sie anschlie- ßend umweltverträglicher wären - zum Beispiel durch den Einsatz nachwachsen- der Rohstoffe. Und würden durch diese Umstellung nicht Arbeitsplätze gesichert oder gar geschaffen, da doch das in die Umstellung investierte Kapital nicht in Ra- tionalisierung gesteckt würde, die ihrem Zweck nach immer Arbeitsplätze einspart / kostet, sondern in bessere Produkte, die auf Dauer ohnehin gebraucht werden, da nicht nachwachsende Rohstoffe, wie der Name schon sagt, nicht nachwachsen und damit endlich sind?

Die Idee war geboren, dieser Frage gründlicher nachzugehen. In der Literatur gab es eine Menge von Veröffentlichungen zum Thema Umweltschutz und Arbeitsplät- ze, meist sehr allgemein, mit großen volkswirtschaftlichen Rechenwerken. Aber für die betriebliche Ebene - eher nichts. Doch Innovationsentscheidungen fallen nun mal im wesentlichen in den Betrieben, die größte Zahl übrigens, auch das ist be- kannt, in kleinen und mittleren Unternehmen. Dort würde man suchen müssen nach den erforderlichen Daten und Mechanismen. Und dort müßte man Vorschläge machen zur Umsetzung eines neuen - nachhaltigen Innovationsverhaltens, für Um- welt u n d Arbeitsplätze.

Mit Unterstützung der Hans Böckler Stiftung haben das TaT und die TBS Münster dann ein halbes Jahr lang intensiv das Innovationsverhalten kleiner und mittlerer Unternehmen vor allem der Textil-, Bekleidungs- und Verpackungsindustrie unter die Lupe genommen und zum Teil recht überraschende Ergebnisse zu Tage ge- fördert.

Es ist möglich, durch Umstellung Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Doch die Umstellung allein und von sich aus sichert und schafft keine Arbeitsplätze. Die neuen Produkte müssen, außer daß sie aus nachwachsenden Rohstoffen sind, auch besonders positive Produkteigenschaften haben, in technischer, in preislicher und erst drittens oder viertens in ökologischer Hinsicht.

Am wichtigsten ist, daß Produktinnovationen (vor allem auch Produktverbesserungen und die dann auch unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte) in den Betrieben ein förderndes Klima, ausreichende Qualifikationen und eine geeignete Organisationsform finden.

Da ist noch sehr viel zu tun. Und dabei will dieser Leitfaden mithelfen, der sich auf die Ergebnisse der genannten Studie stützt.

Er wendet die Ergebnisse positiv in Handlungsempfehlungen. Er kann und darf und sollte durchaus von Managern in vergleichbaren Betrieben genutzt werden. Vornehmlich gedacht und geschrieben ist er für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Betrieben, die sich einmischen sollen in Innovationsprozesse in ihren Betrieben, sie anstoßen, ihnen eine Richtung geben und sie begleiten. Das nützt dem Betrieb und den Arbeitsplätzen und der Umwelt. Das jedenfalls ist das Ziel.

Anleitung

Was mache ich hiermit?

Dieser Leitfaden sagt nicht, welche Produkte man machen muß, damit Arbeitsplätze geschaffen werden oder erhalten bleiben. Überhaupt gibt er keine Patentrezepte. Er macht Vorschläge, was man tun kann und sollte. Er gibt Beispiele für wichtige und sinnvolle Fragen und Vorgehensweisen. Mehr nicht.

Nach allem, was wir in unseren Betriebserkundungen gesehen haben, ist das eine Menge. Und häufig dringend erforderlich.

Es gibt acht wichtige Themenfragen. Rechts steht, worum es geht, und warum das wichtig ist. Links daneben sind Empfehlungen, was man wie tun kann und vielleicht sollte. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können manche Dinge auch nur ihren Be- triebsleitungen empfehlen. Ein Klima zu erreichen, in dem das problemlos möglich ist, gehört sowieso zu den wichtigsten Dingen. „Geht nich“, gilt also nicht.

Der Leitfaden ist so aufgebaut, daß man ihn sinnvollerweise von vorn nach hinten durcharbeitet. Dabei muß man nicht alle „Pakete“ gleich intensiv bearbeiten. Man kann aber auch nur das eine oder andere herausgreifen. Jedes versteht sich auch von sel]bst.

(1) Woran merke ich, daß Produktinnovationen nötig sind?

Produktinnovationen - gemeint sind auch Verbesserungen - sind immer dann nötig, wenn das „eigene“ Produkt keinen hinreichenden Absatz mehr findet oder wenn absehbar ist, daß dies über kurz oder lang so sein wird oder könnte. (Am klarsten sieht man natürlich, wenn man bis zum Endprodukt schauen kann.)

Folgende „Indizien“ sollten aufmerksam machen. Bitte kreuzen Sie an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt sicherlich besondere Fälle, in denen das nichts zu bedeuten hat. Aber wenn Sie öfter als dreimal „ja“ angekreuzt haben, sollten Sie mit dem Betriebsrat bzw. dem Management über Produktinnovationen sprechen. - Wenn Sie mehr als dreimal „?“ angekreuzt haben, sollten Sie vielleicht über Mitarbeiterbeteiligung sprechen.

*) Beispiel : Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens erkannten frühzeitig, daß durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz neue Aufgaben auf de n Betrieb zukamen. Aus der folgenden Entwicklung eines neuen Produkts ist aus dieser Erkenntnis inzwischen ein zweites starkes Standbein des Betriebes geworden. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnte erhöht werden.

Wo Produkt- innovationen fehlen, sind Arbeitsplätze bedroht

Produktinnovationen dienen aus betrieblicher Sicht dem Erhalt der Konkurrenzfähigkeit. Unternehmen, die nicht oft genug neue oder bessere Produkte vorzuweisen haben, verlieren auf Dauer Marktanteile. Arbeitsplätze sind be- droht. Der dann häufig unternommene Versuch, die alten Produkte billiger zu machen und dadurch am Markt zu hal- ten, führt in einen ruinösen Wettbewerb, Rationalisierungs- investitionen oder Verlagerung der Produktion oder von Teilen davon in Billiglohnländer. All das funktioniert nur eine gewisse Zeit lang und auch immer nur auf Kosten von Ar- beitsplätzen am Ort.

Spezifische Unterschiede

Eine wichtige Frage ist daher, wann, wie oft und in welchem Umfang Produktinnovationen erfolgen sollten. Das ist natür- lich sehr unterschiedlich. Es gibt Branchen, die sehr schnel- lebigen Moden unterworfen sind (z.B. die Bekleidungsin- dustrie) oder sehr schnellen technischen Entwicklungen (E- lektronikindustrie), eine gewissen Regelmäßigkeit gefun- den haben (Automobilindustrie) oder bei denen Produktin- novationen eher selten anliegen (Hersteller von Büroklam- mern).

Es geht auch um ständige Verbesserungen

Aber es gibt eine Anzahl von Fragen, mit denen man ermit- teln kann, ob die Produktpalette eines Betriebes verbessert oder erneuert werden muß. Siehe Kasten links. Bei der Beantwortung muß beachtet werden, daß nicht nur völlig neue Produkte gemeint sind, sondern auch mehr oder we- niger deutliche Verbesserungen vorhandener Produkte.

In Grenzen läßt sich Nachfrage auch erzeugen

Erfolgreiche Unternehmen starren nicht nur auf bestehende Märkte und versuchen, einem wirklichen oder auch nur vor- gestellten Kundenkreis und dessen Nachfrage „hinterherzu- laufen“, sondern setzen Trends für eine künftige Nachfrage. Deshalb ist das Argument „Dafür gibt es aber keine Nach- frage“ immer daraufhin zu überprüfen, ob und natürlich wie denn vielleicht eine neue, zusätzliche Nachfrage hergestellt werden kann. Zum Beispiel für besonders umweltverträgli- che Produkte. Aber Achtung! Neue Produkte schaffen nicht automatisch neue Arbeitsplätze, auch nicht neue und be- sonders umweltfreundliche Produkte! Dazu mehr im nächs- ten Schritt.

2). Wie finde ich heraus, ob neue Produkte voraussichtlich Arbeitsplätze schaffen oder kosten?

Ich muß die bestehende Situation mit einer zukünftigen vergleichen. Ein erster Fragenkomplex lautet:

- Soll das geplante zukünftige Produkt ein vorhandenes ersetzen (es ist besser oder ganz anders), oder soll es zusätzlich in die Produktpalette aufgenommen werden?
- Wenn es zusätzlich aufgenommen werden soll: Werden die Produktionskapazitäten erweitert, oder werden an anderer Stelle Kapazitäten reduziert?
- Wenn es ein vorhandenes ersetzen soll: Bleibt der Arbeitsumfang im Betrieb gleich oder wächst oder schrumpft er?
- Werden die gleichen Qualifikationen gebraucht oder andere. Und wenn andere ge- braucht werden: Werden die durch Qualifizierung bisheriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen, oder werden sie von außen zugekauft bzw. wird Personal „ausgetauscht“?

Ich verschaffe mir einen Überblick: (Stark vereinfachendes Beispiel):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wichtig ist natürlich auch, ob das Produkt (wie hier zum Beispiel wegen des höheren Anteils an qualifizierterer Arbeit) in der Herstellung teurer wird, und welche Konsequenzen das ggf. hat. Oder ob z.B., wie hier, die Hereinnahme eines weiteren „Produktions“schrittes günstiger ist als der bisherige Zukauf. Und vieles andere mehr.

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783656120445
ISBN (Buch)
9783656120452
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188348
Note
"keine"
Schlagworte
Innovation Nachhaltiges Wirtschaften Arbeitsplatzsicherung Mitarbeiterbeteiligung Nachwachsende Rohstoffe Betriebliches Vorschlagwesen KVP

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