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E-Learning macht (PTA-)Schule

Zu den Vorteilen des multimedialen Lernens in der Berufsausbildung Pharmazeutisch-technischer Assistenten

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 PTA-Ausbildung im Wandel der Zeit
2.2 Entwicklung der Forschungsfrage
2.3 Generierung der Hypothesen

3 Eingesetzte Methoden
3.1 Qualitative Sozialforschung
3.2 Problemzentriertes Interview
3.3 Grounded Theory
3.4 Begründung der Methodenwahl

4 Praktische Durchführung
4.1 Feldzugang und Sampling
4.2 Durchführung des Interviews
4.3 Transkription

5 Auswertung und Interpretation
5.1 Offenes, axiales und selektives Codieren
5.2 Kritische Reflexion

6 Fazit und Ausblick

I Literaturverzeichnis

Hinweis:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personen- und Berufsbezeich­nungen in der Regel die maskuline Schreibweise verwendet. Gemeint sind in diesen Fällen jedoch grundsätzlich beide Geschlechter.

Abbildungsverzeichnis

1 Schematische Darstellung der zirkulären Forschungsstrategie

2 Kodierparadigma der Kernkategorie „Blended Learning“

3 Vergleichsmatrix

1 Einleitung

Durch die explosionsartige Verbreitung neuer Technologien wie E-Books, Smartphones und Social Media sowie die damit verbundene Technisierung der Arbeits- und Lebenswelt setzte schon vor Jahren eine Mobilitäts- und Kommunikationsrevolution ein, die auch am Bildungswesen Spuren hinterlas­sen hat: Informationen sind in der heutigen Wissensgesellschaft immer und überall verfügbar. Vor allem für die Lehrkräfte ist dieser Wandel mit neuen Herausforderungen verbunden. Sie sind dabei „weniger als Informationsver­mittler, sondern primär als Katalysator und Moderator von Lernprozessen“ (Euler, Seufert & Wilbers, 2006, S. 9) zu verstehen. In zahlreichen Unterneh­men und Hochschulen hat sich mediengestütztes Lernen bzw. E-Learning in der Aus- und Weiterbildung mittlerweile etabliert. An vielen deutschen Schulen herrscht dagegen immer noch „Kreidezeit“ (vgl. Michel, 2011). So belegen etwa die Daten der PISA-Studie 2006, dass lediglich 31 % der teilnehmenden deutschen Schüler den regelmäßigen Einsatz elektronischer Medien an ihrer Schule bestätigen. Verglichen mit 25 anderen OECD-Ländern belegt die BRD damit in diesem Bereich den letzten Platz (vgl. Prenzel et al., 2007). Auch ei­nige nationale Studien kommen in puncto Mediennutzung an Schulen zu ei­nem ernüchternden Ergebnis. Laut der vom Bundesverband Informationswirt­schaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) initiierten Um­frage „Schule 2.0“ werden PC und Internet bei 43 % der befragten Schüler im Unterricht nicht oder seltener als einmal pro Woche eingesetzt (vgl. Michel, 2011). Obwohl Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen von dieser Kritik in ge­ringerem Maße betroffen sind als ihre Kollegen im allgemeinbildenden Bereich (vgl. Bofinger, 2007, S. 18), zeigt sich auch hier, dass digitale Medien eher selten zur Unterstützung des Unterrichts herangezogen werden. Die vorlie­gende Hausarbeit greift diesen Sachverhalt auf und geht mit Hilfe qualitativer Forschungsmethoden der Frage nach, durch welche Strategien der Lehr­Lernprozess an berufsbildenden Schulen positiv beeinflusst werden kann. Der Fokus liegt dabei auf der Ausbildung Pharmazeutisch-technischer Assistenten (PTA). Kapitel 2 beschäftigt sich zunächst mit den theoretischen Grundlagen zum Thema sowie der Entwicklung der Forschungsfrage und der Hypothesen. In Kapitel 3 werden die eingesetzten Methoden vorgestellt: Qualitative Sozial­forschung, Problemzentriertes Interview und Grounded Theory. Der anschlie­ßende praktische Teil, bestehend aus den Kapiteln 4 und 5, beschreibt die einzelnen Schritte der Datenerhebung und -auswertung. Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung und ein eigenes Fazit.

2 Theoretische Grundlagen

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Darlegung des Themas, der For­schungsfrage und der Hypothesen unter Berücksichtigung der einschlägigen Fachliteratur.

2.1 PTA-Ausbildung im Wandel der Zeit

Das Berufsbild der PTA ist durch einen hohen Praxisbezug sowie permanente fachliche und gesundheitspolitische Veränderungen geprägt. Die Ausbildung beinhaltet eine zweijährige Fachschulausbildung an einer staatlich anerkann­ten Lehranstalt und ein anschließendes halbjähriges Praktikum in einer Apo­theke. Im theoretischen Unterricht werden u. a. Kenntnisse in den Fächern Chemie, Pharmakologie und Medizinproduktekunde vermittelt. In begleitenden Praktika erlernen die angehenden PTA z. B. die Herstellung von Salben sowie die chemische und physikalische Prüfung von Ausgangsstoffen. Haben Tech­nologien wie E-Learning und Social Media mittlerweile Einzug in die Klassen­zimmer erhalten? Und: Welche Lernstrategien sind geeignet, um das beste­hende Methodenrepertoire der Lehrkräfte zu erweitern und dadurch die Be­rufsausbildung zielgerichtet neu zu gestalten? Das berufliche Lernen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Laut der aktuellen Expertenbe­fragung „Learning Delphi“, die vom Essener MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung im Frühjahr 2011 durchgeführt wurde, hat Blended Lear­ning, d. h. „die Verbindung von sozial und telekommunikativ getragenen Pha­sen des Lehrens und Lernens“ (Euler et al, 2006, S. 7) künftig die größte Be­deutung für das Lernen in deutschen Unternehmen. Auch E-Learning- Einheiten werden als hoch relevant eingeschätzt (vgl. Michel, 2011, S. 4). Zahlreiche Forschungsbefunde beziehen sich auf die Implementierung neuer Medien in Unternehmen und Hochschulen. Studien zum Einsatz in den Lern­orten der PTA-Ausbildung gibt es aktuell nicht. Hier liegt eine Forschungslü­cke, die in dieser Hausarbeit mit Hilfe qualitativer Methoden untersucht wer­den soll. Dabei werden in Anlehnung an Euler et al. (2006, S. 7 f.) zunächst exemplarisch einige Vorteile neuer Medien für die Ausbildung aufgezeigt:

- Neue Formen der interaktiven Auseinandersetzung mit den Lerninhalten (z. B. Simulationen) ermöglichen eine hohe kognitive Verarbeitungsintensität beim Lernen. Dadurch kann bei den Lernenden die Bildung trägen Wissens ver­mieden und der Transfer gefördert werden.
- Der Einsatz neuer Medien ermöglicht, z. B. durch Integration von Audio- und Videosequenzen, eine anschauliche Präsentation der Lerninhalte.
- E-Learning bietet neue Möglichkeiten, den Präsenzunterricht für anspruchs­volle Lernziele zu nutzen.
- Die orts- und zeitunabhängige Bereitstellung der Lerninhalte („Learning-on- Demand“) erlaubt eine Individualisierung des Lernprozesses, etwa in Bezug auf die Auswahl der Inhalte oder die individuelle Lerngeschwindigkeit.
- Für die Lernenden entstehen neue Möglichkeiten der Kontaktgestaltung mit den Mitlernenden oder auch dem Lehrenden.

Doch die Potenziale neuer Medien sollten nicht überschätzt werden. So wer­den sie nach Kerres „oft als [...] Treatment betrachtet, mit dem bestimmte [...] Wirkungen im Bildungssektor erwartet werden“ (Kerres, 2003, S. 1). Sie sollen nach dieser Auffassung Probleme des Bildungswesens kurieren und dazu beitragen, grundlegende Veränderungen des Lehrens und Lernens, der Bil­dungsarbeit und der Bildungsorganisation herbeizuführen (vgl. ebd.). Die im­mensen Investitionen, die für die Entwicklung und Einführung mediengestütz­ter Lernverfahren aufgewendet werden, werden mit der Forderung begründet, dass die Modernisierung des Bildungswesens moderne Medien benötige. Eine derartige Herangehensweise kann dazu führen, die Entfaltung möglicher Po­tenziale neuer Medien zu behindern, anstatt diese zu unterstützen (ebd.). Da­her muss die Implementierung neuer Lerntechnologien sorgfältig geplant und sinnvoll in das bestehende didaktische Konzept integriert werden. „Bildung lässt sich nicht downloaden“, sagte Günther Jauch 2009 in einem Interview mit „SPIEGEL ONLINE“. Doch sinnvoll eingesetzt, können moderne IT- Technologien dazu beitragen, die Lerninhalte einfacher zu vermitteln und den Unterricht effektiver, flexibler und interessanter zu gestalten.

2.2 Entwicklung der Forschungsfrage

Aus den in Kapitel 2 angestellten Überlegungen leitet sich folgende For­schungsfrage ab:

Wie gestaltet sich aktuell der Unterricht im Fach „Medizinproduktekun­de“ an der PTA-Lehranstalt in B. (der Ort wurde aus Datenschutzgründen anonymisiert) und welche Strategien können den Lehr-Lernprozess aus Sicht der Lehrkraft positiv beeinflussen?

In Anlehnung an Flick et al. wurde die Fragestellung dabei so formuliert, dass sie im Rahmen der geplanten Studie und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln beantwortet werden kann (vgl. 2008, S. 259). Sie darf weder zu weit noch zu eng gefasst sein, muss den Untersuchungsgegenstand angemessen betrachten und zusätzlich Raum für Exploration bieten (vgl. ebd.). Sie hat elementare Auswirkungen auf den gesamten weiteren Forschungsprozess, da sie neben dem Forschungsgegenstand auch das -design bestimmt.

2.3 Generierung der Hypothesen

In der qualitativen Sozialforschung werden die Hypothesen nicht vorab defi­niert und anschließend empirisch überprüft, sondern erst im Laufe der Analyse aus dem Datenmaterial entwickelt. Die Formulierung von Ex-ante-Hypothesen wird hier häufig abgelehnt (vgl. Flick et al., 2008, S. 266). Um eine größtmögli­che Offenheit zu erzielen, soll der Wissenschaftler sein Vorwissen soweit wie möglich ausklammern. Dennoch betritt er das Untersuchungsfeld „niemals mit ganz leeren Händen“ (Brüsemeister, 2008, S. 24). Stattdessen lässt er sich von seinen Hypothesen in eine bestimmte Richtung lenken, um von neuen Entdeckungen und Unvorhergesehenem überrascht zu werden (vgl. ebd., 2009, S. 31f.). So setzt er „induktiv die aus einzelnen Daten gewonnenen Hy­pothesen schrittweise zu einer größeren Theorie“ zusammen (ebd., S. 32). Die vorliegende Forschungsarbeit wird von folgenden Hypothesen geleitet:

H1: Durch die Implementierung neuer Medien (z. B. Animationen und Vi­deosequenzen) können die Lerninhalte im Präsenzunterricht anschaulicher präsentiert und dadurch einfacher vermittelt werden.

H2: Durch die Bereitstellung vorbereitender Web-Based-Trainings (WBTs) können die Schüler ihr Vorwissen zu den Lerninhalten aktivieren und eventu­elle Wissenslücken bereits im Vorfeld schließen.

H3: Durch die Bereitstellung nachbereitender WBTs können die Schüler die im Präsenzunterricht erworbenen Lerninhalte vertiefen, sie auf neue Situatio­nen anwenden und entsprechende Lernstrategien entwickeln.

H4: Der Einsatz interaktiver Elemente wie Blogs, Chats oder Wikis fördert die Bildung formaler und informeller Lerngruppen und eröffnet dadurch neue Mög­lichkeiten der Kontaktgestaltung mit den Mitlernenden (z. B. Austausch von Wissen, gegenseitige Überprüfung des Gelernten und Motivation).

3 Eingesetzte Methoden

Die in Kapitel 2.1 formulierte Fragestellung wird in der vorliegenden Arbeit mit Hilfe qualitativer Forschungsmethoden untersucht. Als Erhebungsinstrument kommt das Problemzentrierte Interview nach Witzel zum Einsatz. Die Auswer­tung erfolgt mit Hilfe der von Glaser & Strauss entwickelten Grounded Theory.

3.1 Qualitative Sozialforschung

Während der quantitative Forschungsansatz auf die kausale Erklärung sozia­ler Phänomene abzielt, geht es in der qualitativen Sozialforschung primär um das Verstehen des Sinns von Ereignissen und Handlungen. Sie hat somit „den Anspruch, Lebenswelten ,von innen heraus‘ aus der Sicht der handelnden Menschen zu beschreiben. Damit will sie zu einem besseren Verständnis so­zialer Wirklichkeit(en) beitragen und auf Abläufe, Deutungsmuster und Struk­turmerkmale aufmerksam machen“ (Flick et al., 2008, S. 14). Die Theoriebil­dung erfolgt in der qualitativen Sozialforschung induktiv: Durch Analyse von Einzelfällen gelangt der Forscher zu Verallgemeinerungen und schließlich zu einer Theorie. Dabei hat er zu Beginn nur ein ungefähres Vorverständnis über den Untersuchungsgegenstand, das er offenlegen und im Forschungsprozess weiterentwickeln muss. Auf dieser Basis kann er zunächst nur wenige Schritte planen, etwa ein geeignetes Erhe­bungsverfahren auswählen, einen Inter­viewpartner bestimmen, die Befragung durchführen und anschließend auswer­ten (vgl. Witt, 2001, S. 6). Die einzelnen Forschungsschritte werden dabei mehr­fach durchlaufen, wobei der jeweils nächste Schritt von den Ergebnissen des vorherigen abhängt (zirkulärer Pro­zess, vgl. Abb. 1). Jeder einzelne Teil­schritt kann sich sowohl auf das weitere Vorgehen als auch auf die Modifikation der Fragestellung auswirken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schematische Darstellung der zirkulären For¬schungsstrategie (modifiziert nach Witt, 2001, S. 6)

Lamnek nennt insgesamt sechs Prinzipien der qualitativen Sozialforschung (vgl. 2005, S. 20-27):

Offenheit: Während in der quantitativen Forschung mit Hilfe von standardi­sierten Verfahren vorab formulierte Kategorien und Hypothesen untersucht werden, ist qualitative Forschung weitgehend offen in Bezug auf Untersu­chungsgegenstand, -situation und -methode.

Forschung als Kommunikation: Die Kommunikation zwischen Forscher und Proband gilt in der quantitativen Analyse als Störfaktor, der kontrolliert werden muss. In der qualitativen Sozialforschung ist sie grundlegender Bestandteil des Untersuchungsprozesses.

Prozesscharakter von Forschung und Gegenstand: Während quantitative Forschung von einem beständigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang aus­geht, betont qualitative Sozialforschung die Prozesshaftigkeit und Veränder- barkeit sozialer Phänomene.

Reflexivität von Gegenstand und Analyse: Dieses Prinzip umfasst einer­seits die Forderung nach Reflexivität in der Analyse, andererseits wird eine „prinzipielle Reflexivität“ menschlichen Handelns bzw. menschlicher Produkte angenommen.

Explikation: Die einzelnen Forschungsschritte sollen soweit wie möglich of­fengelegt werden, um das methodische Vorgehen und die Interpretation nach­vollziehbar und überprüfbar zu machen.

Flexibilität: Während in der quantitativen Forschung keine Veränderung im laufenden Forschungsprozess möglich ist (Ausnahme: Pretest), wird in der qualitativen Sozialforschung die Untersuchung flexibel an die Bedingungen der Situation angepasst.

3.2 Problemzentriertes Interview

Das problemzentrierte Interview nach Witzel (PZI) ist eine Erhebungsmethode der qualitativen Sozialforschung, die weitgehend an das theoriegenerierende Verfahren der Grounded Theory (vgl. Glaser & Strauss, 2005) angelehnt ist. Seine Konstruktionsprinzipien „zielen auf eine möglichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbeitungsweisen gesellschaftlicher Realität“ (Witzel, 2000, S. 1).

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656123477
ISBN (Buch)
9783656124405
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188415
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Lehrgebiet Bildungstechnologie
Note
1,0
Schlagworte
Bildungswissenschaft empirische Bildungsforschung/Methoden E-Learning qualitative Forschung problemzentriertes Interview grounded theory Modul 2A FernUni

Autor

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