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Sprachförderung im Elementarbereich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 25 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
A) Grundlagen zur Sprachentwicklung und Zweisprachigkeit
bei Kindern
1. Sprachentwicklung und Spracherwerb bei Kindern
1.1 Unterschiedliche Theorien zum Spracherwerb
2. Bedeutung der Muttersprache
2.1 Stellenwert der Muttersprache
2.2 Bedeutung der Muttersprache für den
Zweitspracherwerb
2.3 Auswirkungen bei Nichtbeachtung der Muttersprache
3. Wie lernt ein Kind eine Zweitsprache
3.1 Möglichkeiten des Zweitspracherwerbs
3.2 Psychosoziale Einflussfaktoren beim Spracherwerb
3.3 Doppelte Halbsprachlichkeit als „Gefahr“
B) Konzepte zur Sprachförderung in Kindertagesstätten
1. Das „Denkendorfer-Modell“
2. Aspekte einer systematischem am Kind orientierten
Sprachförderung
2.1 Grundgedanken des Konzeptes
2.1.1 Eine Gesamtkonzeption in der Tradition der situationsorientierten Ansätze
2.1.2 Entwicklungspsychologische Erkenntnisse
2.1.3 Orientierung an der Lebenssituation der Kinder
2.1.4 Planung für eine handlungsorientierte Sprachförderung
2.2 Vier Schritte zu einer bewussten, situations-
orientierten Sprachförderung
2.3 Den Alltag für eine bewusste Sprachförderung
nutzen
2.4 Zusammenarbeit mit den Eltern
2.5 Verhalten der (muttersprachlichen) Erzieher/innen

III. Schlussgedanken

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Einleitung

Sprachförderung im Elementarbereich – Ein Thema der praktischen pädagogischen Arbeit, aktueller den je, welches sich lohnt näher beleuchtet und dargestellt zu werden. Gerade in Zeiten der Diskussion um schlechte PISA Ergebnisse, Bildungsnotstand in Deutschland und der Setzung neuer Bildungsstandards fristet das Thema Sprachförderung unter dem Gesichtspunkt der interkulturellen Erziehung und auch hinsichtlich des Erwerbs von allgemeiner Sprach- und Lesekompetenz meiner Meinung nach wohl doch eher ein Nischendasein, und muss erst noch stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Denn oft findet sich das Thema Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund (und auch deutschen Kindern) selbst in Fachartikeln nur in Nebensätzen, oder der Anspruch Sprachförderung als bewussten Teil einer Gesamtkonzeption im Elementarbereich zu sehen wird nicht anerkannt. Doch der Schluß, dass Sprachförderung schon dort stattfindet wo gesprochen wird ist falsch und zu kurz gedacht.

Wenigstens die Tatsache, dass eine erfolgreiche und fruchtbare Sprachförderung im Elementarbereich und nicht erst mit Beginn der Schule stattfinden muss, trifft wohl nur auf wenige kritische Stimmen. Längst ist erwiesen, dass die vorschulische Förderung immense Auswirkungen auf den späteren Schulweg und die Bildungschancen deutscher und ausländischer Kinder hat.

Wenn auch klar ist, dass Deutschland hier noch einiges gegenüber anderen europäischen Ländern aufzuholen hat, hat es die Hauptprobleme doch (hoffentlich) erkannt. Nun dürfen die Erkenntnisse jedoch nicht nur in Theorien verpacktes Wissen bleiben, sondern müssen Einzug in die alltägliche Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern halten. Mittlerweile existieren auch schon eine Reihe von Schriften für die praktische Arbeit und Konzeption rund um das Thema Sprachförderung im Elementarbereich.

Diese Arbeit möchte nun im wesentlichen zwei Dinge. Im ersten Teil erfolgt eine kurze prägnante Einführung in die allgemeinen Grundlagen zur Sprachentwicklung bei Kindern. Außerdem soll die Bedeutung der Muttersprache gerade für Kinder mit Migrationshintergrund verdeutlicht werden, und gleichzeitig dargestellt werden, wie das Erlernen einer Zweitsprache bei Kindern erfolgen kann. Der zweite Teil der Arbeit möchte dann Konzepte zur Sprachförderung in Kindertagesstätten vorstellen und detailliert betrachten. Als Schwerpunkt soll hier vor allem verdeutlicht werden, dass eine bewusste Sprachförderung, erstens solides Grundwissen (was zum Teil im ersten Abschnitt vorgestellt wird) und zweitens eine bewusste und umfassende Konzeption erfordert.

II. Hauptteil

A) Grundlagen zur Sprachentwicklung und Zweisprachigkeit bei Kindern

1. Sprachentwicklung und Spracherwerb bei Kindern

Wie angekündigt soll dieser Teil A) eine kurze Einführung in die theoretischen Grundlagen der Sprachentwicklung bei Kindern geben. Selbstverständlich kann diese Einführung jedoch nur in aller Kürze erfolgen, da ein gründlicherer und längerer Einstieg in das Gebiet „Sprachentwicklung bei Kindern“ nicht eigentliches Thema dieser Arbeit ist und deren Rahmen sprengen würde.

Als grundlegende Informationen muss genügen, dass die sich die Entwicklung der Sprache beim Baby und Kleinkind in mehrere sog. Phasen unterteilen lässt. Beginn ist die Lallperiode, eine Vorphase des Sprechens. Nach 10-12 Monaten entstehen beim Kind dann die ersten sprachlichen Einheiten, welche als Phase der Einwortsätze gekannt ist. Der Eintritt in die Zweiwortphase erfolgt nach etwa 18 Monaten. Erkennbar ist diese Phase daran, dass nun Substantive an Verben gereiht werden. Mit ca. 2,5 Jahren bekommt die kindliche Sprache eine differenzierte grammatische Struktur. Man spricht nun von Mehrwortsätzen. Die richtige Erfassung der Bedeutung, sowie ein richtiges Verständnis von Pronomen und Konjunktionen ist dann bis etwa zum 6. Lebensjahr gewährleistet. (Böhm D.; Handbuch Interkulturelles Lernen; 1999, S.152-154) (vgl. auch Grimm H.; in Oerter/Montada; Entwicklungspsychologie; 1998, S.713-734)

1.1 Unterschiedliche Theorien zum Spracherwerb

Die oben genannten Phasen entsprechen übrigens analog auch den Phasen des Zweitspracherwerbs, allerdings in kürzerer Zeit. Wie aber ein Kind die Sprache lernt erklären die einzelnen Phasen noch nicht. Hierzu gibt es im wesentlichen drei Theorien zum Spracherwerb, die hier nun kurz vorgestellt werden.

These der Imitationstheorie ist es, dass das Kind das nachahmt, was es bei den Erwachsenen an Sprache hört. Nach dieser Auffassung ist die Sprache des Kindes eine fehlerhafte Erwachsenensprache. Dabei wird Sprache durch Assoziationen (z.B. zeigen und benennen), durch Imitation (imitieren des Erwachsenenverhaltens) und durch Verstärkung (Belohnung, Lächeln, Kopfnicken, usw.) gelernt. Schwachpunkte dieser Theorie sind aber, dass das Kind dann nur Gehörtes wiederholen könnte. Dem steht aber gegenüber, dass Kinder schon früh etwas sagen, was sie noch nie gehört haben. Außerdem sind im Alter von drei Jahren nur 3% der kindlichen Sprache eine direkte Nachahmung der Erwachsenen. (Böhm 1999, S.155f.)

Laut der Induktionstheorie lernt ein Kind Sprache über drei Schritte. Als erstes entnimmt das Kind dem Gehörten nicht nur Wörter und deren Bedeutung, sondern auch grammatische Regelhaftigkeiten. Im Anschluss erfolgt eine Generalisierung (Ausdehnung der Wörter auf alle gleichartigen Fälle). Dann erprobt das Kind die aufgenommenen Regeln und bildet Sätze nach diesen Regeln (Hypothesenerprobung findet statt). Auch diese Theorie kann die Entwicklung aber nicht schlüssig und ohne Lücken erklären. Denn ein Kind bekommt niemals alle grammatischen Möglichkeiten einer Sprache geboten. Trotzdem können Kinder mehr sprechen als sie gehört haben – sonst würde die Entwicklung wesentlich länger dauern. Die Kindern müssen also schon eine Art Vorwissen mitbringen. (Böhm 1999, S.156)

Dieses „Vorwissen“ findet seine Beachtung in der Reifungstheorie. Danach tragen Kinder „Sprachkeime“ in sich (vgl. Zimmer 1994, S.65, in Böhm 1999, S.157). Das Kind lernt die Sprache also nicht im klassischen Sinne, sondern die Sprache wächst in einem Kind heran. Dieser Auffassung liegt die Annahme zugrunde, dass allen Sprachen eine universelle Grammatik zugrunde liegt. Ab trotz der sog. Sprachkeime kann Spracherwerb nicht ohne die Aufnahme von außen vonstatten gehen. Aber das genetische Wissen weist dem Kind den richtigen Weg, wie es scheinbar mühelos die komplizierte Grammatik einer Sprache erlernen kann. (Böhm 1999,S.157)

Wie ersichtlich fußt jede der drei Theorien auf anderen Grundannahmen und Thesen. Es sollte aber beachtet werden, dass keine der Theorien für sich allein eine schlüssige Erklärung liefern kann, wie Spracherwerb zustande kommt. Ein gegenseitige Ergänzung der drei Theorien spiegelt die Wirklichkeit besser wieder. (vgl. auch Grimm H., in Oerter/Montada 1998, S.734-738)

2. Bedeutung der Muttersprache

Oftmals wird das Wort Muttersprache synonym mit dem Wort Nationalsprachen gesetzt, wenn wir eine bestimmte Sprache einem Menschen zuordnen wollen. Die Muttersprache eines Menschen ist aber nicht immer gleich der Nationalsprache seines Heimatlandes. Welche Sprache für einen Menschen die Muttersprache ist hängt dabei nämlich von mehreren Faktoren ab:

Herkunft ( die zuerst gelernte Sprache), Sprachkompetenz (die am besten gesprochene Sprache), innere Einstellung (die Sprache, mit der sich der Sprecher identifiziert), äußere Zuschreibung (die Sprache von der andere denken, dass sie die eigentliche Sprache des Sprechers sei) und letztlich der Funktion (die Sprache, die der Sprecher am meisten verwendet). (Böhm 1999, S.159)

2.1 Stellenwert der Muttersprache

Sprachförderung darf nicht nur heißen, dass die Zweitsprache, also z.B. das Deutsche, gefördert wird. Eine bewusste Sprachförderung muss auch immer die Muttersprache der Kinder beachten und mit fördern. Warum? Die Muttersprache eines Kindes hat einen immens hohen Stellenwert bezüglich der positiven und gesunden kindlichen Entwicklung, und zwar sowohl in emotionaler, sozialer als auch in geistiger Hinsicht (Böhm 1999, S.160). Die Muttersprache ist die erste Sprache die ein Kind in seinem Leben hört. Seine Eltern geben ihm Zuwendung über die Sprache, was nichts anderes heißt als, dass über die Muttersprache Beziehungen zu den primären Bezugspersonen herstellt. Über seine Bezugspersonen erfährt das Kind alles Wesentliche, wie Werte, Normen und Regeln der jeweiligen Kultur in der es aufwächst. Es entdeckt seine Welt und sich selbst über seine Muttersprache (vgl. Heuchert 1994, S.91, in Böhm 1999, S.161). Durch diese herausragende Rolle der Sprache wird auch der Zusammenhang zwischen Muttersprache und Identitätsentwicklung offensichtlich, denn die Sprache bestimmt das Selbstbild des Kindes. Und gerade die Nichtbeachtung oder gar Erniedrigung der Muttersprache eines Kindes kann dessen Selbstbild sehr negativ beeinflussen. Außerdem verfügt jeder Mensch mit seiner Muttersprache über ein Stück Sicherheit und Heimat, die ihm nicht genommen werden darf. Nicht nur aus diesem Grund wurde das Recht eines jeden Kindes auf seine Muttersprache in Art. 30 der UN-Kinderrechtskonventionen festgeschrieben. (Böhm 1999, S.160f)

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Details

Seiten
25
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638231053
ISBN (Buch)
9783656450092
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v18846
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,9
Schlagworte
Sprachförderung Elementarbereich Hauptseminar Interkulturelle Erziehung

Autor

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