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Keine Lust auf Politik?

Eine kritische Betrachtung des Phänomens "Politikverdrossenheit"

Hausarbeit 2012 9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
a. Begriffsklärung und Vorbemerkung
b. Symptome
c. Ursachen

3. Bewertung

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Politikverdrossenheit hat Konjunktur. Insbesondere seit den 1990er Jahren ist in den Sozialwissenschaften eine breite Diskussion über die Frage entbrannt, was unter Politikverdrossenheit zu verstehen sei, woher sie komme und ob es sie überhaupt gibt, um nur einige der Diskussionspunkte herauszugreifen.

Ziel dieser Arbeit ist es, das „Phänomen Politikverdrossenheit“ zu untersuchen. Zunächst wird eine kritische Auseinandersetzung mit der Begrifflichkeit „Politikverdrossenheit“ gehen. Das ist hilfreich, weil der Begriff Politikverdrossenheit ein weit verbreiteter Überbegriff für eine Diskussion ist, in der viele unterschiedliche Erklärungsansätze in der Diskussion sind und Politikverdrossenheit nur einer für ähnliche Phänomene ist.

Den Hauptteil dieser Arbeit wird die kritische Diskussion von Symptomen und Ursachen sowie eine Bewertung einnehmen. Dazu werden unterschiedliche Studien und Aufsätze herangezogen.

In den meisten dieser Studien und Veröffentlichungen geht es bei der Untersuchung explizit um Einstellungen von Jugendlichen. Allein das unterstellt bereits, dass es sich um eine Politikverdrossenheit vor allem unter Jugendlichen handle. Daher soll in dieser Hausarbeit der Frage nachgegangen werden, ob diese Annahme richtig ist.

2 Hauptteil

a. Begriffsklärung und Vorbemerkung

Politikverdrossenheit bezieht sich auf ein Verhältnis zwischen Mensch und dem Politischen. Allgemein lässt sich unter Politikverdrossenheit eine „Distanz zum Politischen, die sich in einer geringen[…]Beschäftigung mit Politik äußert;[…]in Unzufriedenheit mit politischen Vorgängen, mit Ergebnissen politischer Entscheidungen oder mit Politikern[…]insgesamt. Und schließlich[…]fehlendes Vertrauen in den Politikprozess oder gegenüber Institutionen“[1] verstehen. In dieser Definition findet sich bereits viel mehr wieder, als man hinter dem Wort Politikverdrossenheit erwarten könnte. Genau genommen, ist „Verdrossenheit“ eher ein Phänomen von mehreren, das unter die obige Definition subsumiert werden könnte. Außerdem müssten, wenn man von der eigentlichen Wortbedeutung ausgeht, die „Verdrossenen“ in der Vergangenheit an Politik beteiligt gewesen sein, um „verdrossen“ werden zu können. Das zu untersuchen, wäre bereits ein eigenes Thema für sich. Im Folgenden wird daher „Politikverdrossenheit“ als Synonym für die obige Definition verstanden.

b. Symptome

Politikverdrossenheit wird vor allem an vier Indikatoren gemessen: politisches Interesse, Wahlbeteiligung, Vertrauen in Institutionen, Bereitschaft zu Engagement[2]. Es gibt darüber hinaus noch weitere, die genannten sind aber die Wesentlichen. Im Folgenden soll kurz ein Überblick über empirische Studien für die jeweiligen Bereiche gegeben werden.

Bei 20 % der Befragten 16-29-jährigen liegt das politische Interesse nach DJI-Jugendsurvey 1997[3] wie auch 2003[4] bei etwa 20%. Auffällig sind ein starkes Ost-West-Gefälle und die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Vergleicht man diese Werte mit dem politischen Interesse der über 30järigen, dann kann man im Wesentlichen keine großen Unterschiede finden, was gegen eine generelle „Jugend-Politikverdrossenheit“ spricht. Erst Anfang der neunziger Jahre tendieren die Kurven der 18-19jährigen und der über 30jährigen immer stärker auseinander und erreichen z.B. 1998 eine Differenz von 10%, die vor 1990 nur einmal (1977) seit Messungszeitraum erreicht wurde.[5] Ob sich daraus die Annahme bestätigen lässt, dass die heutige Jugend politikverdrossen ist, wird später diskutiert.

Die Wahlbeteiligung kann ebenfalls als wichtiger Indikator angesehen werden. Hier lässt sich seit Ende der siebziger Jahre eine anhaltende abnehmende Tendenz beobachten. 2009 wurde mit nur 70,8% die geringste Beteiligung seit dem Bestehen der Bundesrepublik gemessen.[6]

[...]


[1] Wolfgang Gaiser/Martina Gille/Winfried Krüger/Johann de Rijke: Politikverdrossenheit in Ost und West?. Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Aus Politik und Zeitgeschichte B 19-20 (2000), 12-23, S.12.

[2] Nach Ursula Hoffmann-Lange: Politikverdrossenheit oder Politikdistanz?. Zum Wandel der politischen Orientierungen junger Menschen, DISKURS 11 (2001), 11-19, S.12.

[3] Gaiser/Gille/Krüger/de Rijke: Politikverdrossenheit?, S. 12 und 23.

[4] Gille, Martina/ Sardei-Biermann, Sabine/ Gaiser, Wolfgang/ de Rijke, Johann: Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland. Lebensverhältnisse, Werte und gesellschaftliche Beteiligung 12- bis 29-Jähriger, Wiesbaden, 2006, S.235.

[5] Hoffmann-Lange: Politikverdrossenheit oder Politikdistanz?, S. 13.

[6] Statistisches Bundesamt W/31411100-OS0201.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656122067
ISBN (Buch)
9783656122531
DOI
10.3239/9783656122067
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Erscheinungsdatum
2012 (Februar)
Note
1,0
Schlagworte
Politikwissenschaften Politikverdrossenheit Parteien Jugendliche

Autor

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