Lade Inhalt...

Der Politische Islam

Die Wurzeln des Politischen Islam und seine aktuelle Ideologie

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des „politischen Islam“: Die Vordenker der heutigen Islamisten und deren geistiger Einfluss auf islamistische Bewegungen
2.1. Ältere Einflüsse
2.2. Ibn Taimîya
2.3. Abû l-A'lâ Maudûdi
2.4. Die Entstehung Moslem-Bruderschaft

3. Das theoretische Grundgerüst des „politischen Islam“
3.1. Der theoretische Beitrag des Moslem-Bruders Saiyid Qutb zur Ideologie des „politischen Islam“
3.2. Die ideologische Struktur des „politischen Islam“
3.3. „Politischer Islam“ und der Kampf gegen den „Westen“

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Mit dem Schlagwort Politischer Islam verbindet man in westlichen Gesellschaften oftmals an erster Stelle die Anschläge vom elften September 2001 auf das World Trade Center in New York, Entführungen von Touristen durch die Moslem-Brüder in Ägypten und vergleichbare terroristische Gewaltakte auf der gesamten Welt durch extremistische Angehörige der Weltreligion Islam. Das verbindende Glied innerhalb eben dieser Betrachtung ist der Fokus auf den fundamentalistischen Terrorismus als dem Hauptkern des Politischen Islam. Unterstellt wird den Terroristen z.B., dass sie mit Waffengewalt eine den westlichen Vorstellungen grundsätzlich entgegenstehende Ordnung herstellen wollen:

„Von den den 1940er Jahren bis in die 1970er Jahre hat sich mit dem gewaltbereiten Islamismus (Dschihadismus) eine Ideologie herausgebildet, die ein rückwärtsgewandtes gesellschaftliches und politisches System im muslimischen Bereich mit Gewalt durchsetzen will.“ (Spiegel-Wissen: Terrorismus)

Der politische Islam, im Volksmund auch als Islamismus bekannt, wird auch in der deutschen Gesellschaft längst als reale Gefahr und als ein zu lösendes Problem wahrgenommen und Berichte darüber dass es „in den vergangenen Jahren eine Radikalisierung [gemeint sind Islamisten; Anm. d. Autors] in Deutschland gegeben“ (Tagesschau-Interview mit Dr. Kai Hirschmann vom 22.04.2009: http://www.tagesschau.de/inland/sauerlandprozess108.html) hat häufen sich und zeichnen das Bild des politischen Islam hierzulande.

In dieser Arbeit möchte ich mich mit dem politischen Islam, als eines der bedeutendsten und komplexesten Herausforderungen (auch der Politikwissenschaft) des 21. Jahrhunderts befassen. Das Hauptziel dieser Arbeit wird es sein, eine Einführung in die Entstehung und in das theoretische Grundgerüst des politischen Islam zu bieten, die weit über die in den Massenmedien herrschenden Sichtweisen hinausgehen soll. In diese beiden Hauptaspekte (Entstehung und Theorie) wird auch die Arbeit unterteilt sein und sich dementsprechend im ersten inhaltlichen Kapitel mit der „Entstehung des politischen Islam“ (Kapitel 2) auseinandersetzen und einen Überblick über die Vordenker der heutigen Islamisten bis zur Gründung der ägyptischen Moslem-Bruderschaft geben. Das darauf folgende Kapitel „Das theoretische Grundgerüst des politischen Islam “ (Kapitel 3) wird sich mit der Verdichtung der islamistischen Theorie im Zuge des Einflusses von Saiyid Qutb beschäftigen und den Charakter des politischen Islam skizzierend Bezug auf den internationalen Terrorismus in Form eines islamischen Kampfes gegen den Westen nehmen. Abschließend werde ich mich in einem Fazit (Kapitel 4) mit den Erkenntnissen dieser Arbeit kritisch auseinandersetzen und den Versuch eines Ausblicks wagen.

An dieser Stelle möchte ich jedoch zunächst noch einmal betonen, dass die vorliegende Arbeit in einem Einführungsmodul der Vergleichenden Politikwissenschaft entstanden ist und von vornherein nicht das Ziel einer umfassenden Analyse der Entstehung und der Theorie des politischen Islam hat, sondern lediglich einen Einführungscharakter besitzt. Ich möchte darauf hinweisen, dass in einem größeren Rahmen z.B. noch die durchaus interessante Analyse der Faktoren (wie z.B. sozio-ökonomische Probleme), die eine Islamisierung von Gesellschaften fördern ihren Platz gefunden hätte und es auch möglich gewesen wäre sich stärker mit der Entwicklung und dem Wandel islamistischer Gruppierungen der letzten Jahre zu beschäftigen.

2. Die Entstehung des „politischen Islam“: Die Vordenker der heutigen Islamisten und deren geistiger Einfluss auf islamistische Bewegungen

2.1. Ältere Einflüsse

„[I]slamische Bewegungen […] fordern eine Gesellschaft, in der Gottes Wort die einzige Quelle der Ethik und Gesetzgebung darstellt, und sie verlangen einen spezifisch islamischen – keinen patriotischen oder nationalistischen – Gemeinschaftsbegriff sowie eine Wiederbelebung des Begriffs des jihâd als Grundlage für eine neue Struktur der Weltordnung.“ (Ayubi: 178)

Diese und ähnliche Forderungen sind innerhalb islamistischer Bewegungen gängig und tragen die Ideologie des politischen Islam. Weitere islamistische Schlagwörter könnten an dieser Stelle folgen, jedoch soll in diesem Kapitel nicht auf die aktuellen Ausprägungen des Islamismus eingegangen werden, sondern ein historischer Abriss über die Vordenker des modernen politischen Islam und deren Schaffen geboten werden. Die Idee dessen, dass „Gottes Wort die Quelle der Ethik und Gesetzgebung darstellt“ (Ayubi: 182) oder in anderen Worten, dass einem Gott eine absolute Souveränität und Herrschaft zugeschrieben wird (al-hâkimîya), taucht laut dem ägyptischen Politikwissenschaftler Nazih Ayubi das erste Mal in den streng religiösen Vorstellungen der Khawaridschiten auf (Ayubi: 182). Die Khawaridschiten bildeten mit ihrer äußerst strengen Auslegung des Koran eine eigenständige Gruppe innerhalb des Islam und sind seit ihrer beinahe Ausrottung heute unter dem Namen Ibaditen vor allem im Oman ansässig (Geschichte der Schia: http://www.kerber-net.de/religion/islam/pdf/schia_sekii_text.pdf).

2.2. Ibn Taimîya

Die erste bedeutende Persönlichkeit in der islamistischen Tradition bildet jedoch der syrische Rechtsgelehrte Ibn Taimîya (1263-1328). Dessen Forderungen waren Z.B. der Aufruf zum Zusammenhalt unter den Muslimen und die Bekämpfung derer, die eine „Vollständige Hingabe an Gott“ (Ayubi: 182) behindern und derer, die von der islamischen Scharia abweichen oder gar abfallen. Selbst jene, die das islamische Gebet nicht verrichten, sollten nach Taimîya hingerichtet werden (vgl. Ayubi: 182). In seinem Werk Fatâwâ stellte er Anweisungen für das konkrete Handeln von Muslime auf. Insbesondere insistierte Taimîya auf der strengen Einhaltung des islamischen Rechts und erließ seinerzeit für das Volk des muslimischen Fürsten von Mardin, der nach mongolischem Gewohnheitsrecht regierte eine Fatwâ, in der er äußerte, dass ein Herrscher, der sich formal Muslim nennt, aber nicht nach islamischem Gesetz (Schari'a) regiert kein wahrer Muslim sei und aufgrund dessen von seiner Bevölkerung bekämpft werden müsse (vgl. Ayubi: 183). Taimîyas heutige, meist ägyptische oder indische Anhänger beziehen dessen Fatwâ auf die säkularen Regime ihrer Länder und behaupten Analog dazu, dass diese wie ehemals der formal gläubige, aber in Wahrheit ungläubige Fürst von Mardin bekämpft werden müssen. Darüber hinaus inspirierte das Gedankengut Taimîyas bereits im achtzehnten Jahrhundert die Wahhâbiten in Arabien (vgl. Ayubi: 184).

2.3. Abû l-A'lâ Maudûdi

Unter allen wichtigen ideologischen Figuren des politischen Islam ist der einzige Nicht-Araber der Pakistani Abû l-A'lâ Maudûdi (Tibi: 22). Der Journalist und Schriftsteller wuchs im kolonial besetzten Indien auf „als jeder streng orthodoxe Muslim sich von allen Seiten her belagert fühlen musste: Herrschaft und Souveränität hatten zu diesem Zeitpunkt die ,ungläubigen' Engländer inne, und die zukünftige Herrschaft schien für die ,heidnischen' Hindus bestimmt zu sein“ (Ayubi: 185). Die Belagerungsmentalität, die Maudûdi unter diesen Umständen entwickelte führte bei ihm zu einer extremen Radikalisierung seiner Standpunkte bezüglich vieler Themen: „Wissenschaft und Technologie, Stellung der Frauen, Status der Nicht-Muslime, Beziehungen zu anderen Kulturen und natürlich Politik und Staat“ (Ayubi: 185). In Folge der pakistanischen Staatsbildung richtete Maudûdi viele seiner Schriften gegen Nationalismus und Demokratie und trat unbändig für einen ideologisch-islamischen Staat anstelle eines nur von Muslimen bewohnten Staates ein (vgl. Ayubi: 185). Maudûdi vertrat, wie die bereits erwähnten Khawaridschiten, das Prinzip der al-hâkimîya, also die Auffassung dessen, „dass Gott völlige und absolute Souveränität zukomme […] und Menschen lediglich den Auftrag zur Erfüllung des heiligen Gesetzes hätten, das weit höher stehe und weit gerechter sei als jegliches von Menschen erdachte politische oder ökonomische System“ (Ayubi: 187). Damit verlangt Maudûdi eine autoritäre Durchsetzung von allen Lebens- und Politikbereichen durch den Islam um der „jahilîya[, der...] völlige[n] heidnische[n] Ignoranz“ (Ayubi: 187) zu entkommen. Der geistige Einfluss Maudûdis auf heutige Islamisten liegt zum einen in der Forderung danach, aus der in der islamischen Welt allgegenwärtigen jahilîya auszubrechen. Zum anderen führte Maudûdi die jahilîya einerseits auf die politischen Herrscher der Moslems zurück, andererseits betonte er, dass an der jahilîya vor allem der westliche Kolonialismus und Imperialismus Schuld seien. Die Zeiten der islamischen Selbstkritik fanden also mit Maudûdi ihre Weiterentwicklung in der aufkeimenden islamistischen Feindschaft gegen den Westen, der von nun an zu einer Zielscheibe islamistischer Kritik werden sollte (vgl. Ayubi: 187).

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656123651
ISBN (Buch)
9783656207603
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188632
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Politikwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Saiyid Qutb Politischer Islam Der Politische Islam Islam Islamismus Islamisten Moslem-Bruderschaft Muslim-Bruderschaft Moslem-Brüder Muslim-Brüder Ibn Taimîya Abû l-A'lâ Maudûdi Ibn Taimmiya Entstehung des Politischen Islam Entstehung des Islamismus Al Qaida Osama Bin Ladin Osama Bin Laden

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Politische Islam