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Anpassung der Lernorientierung von Deutschen Offizieren im Auslandsstudium – Eine Falluntersuchung der USMA Westpoint

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die dokumentarische Methode
2.2 Formulierende Interpretation
2.3 Reflektierende Interpretation
2.4 Komparative Analyse und die Typenbildung
2.5 Das narrative Interview

3 Praxisteil und Anwendung
3.1 Zur Institution Westpoint - Alltag und Struktur
3.2 Vergleich Westpoint und HSU
3.3 Lerntechniken und Skimming
3.3.1 Strukturierung und Zusammenarbeit
3.4 Klausurvorbereitung
3.4.1 Prüfungsvorbereitung
3.5 Übernahme von gelerntem

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Auf welche Art und Weise lernen wir und erwerben somit Können und Wissen? Diese Frage soll mit dem Terminus der Lernorientierung erklärt werden. Dazu hat Nohl einen nicht veröffentlichten Aufsatz verfasst, der nun als einleitende Grundlage dient. Unter dem Begriff der Lernorientierung werden verschiedene Aspekte gefasst. Darunter zählen der situative und kollektive Charakter des Lernens, wobei in dieser Hausarbeit der situative Charakter fokussiert wird. Weiterhin sind Strukturierung des Lernens und die Berücksichtigung des biografischen Hintergrunds Bestandteile der Lernorientierung. Die Begriffe Lernstil und Lernstrategie sind allerdings klar vom Terminus der Lernorientierung zu unterscheiden. Ferner können Lernkulturen und Lernorientierungen nur zusammen betrachtet werden, da das Lernen an sich historisch bzw. sozial gewachsen ist. Eine nähere Auseinandersetzung mit dem Begriff der Lernorientierung ist auf Grundlage der momentan (nicht) vorhandenen Literatur schwierig. Trotz alle dem kann festgehalten werden, was auch essentiell für die Fragestellung ist, dass die Lernorientierung die Arte und Weise darstellt, in der Wissen und Können erworben wird (vgl. Nohl 2010, S. 1 ff.).

Nach der theoretischen Fundierung soll im Anwendungs- bzw. Praxisteil in Kapitel 3 der Fragestellung nachgegangen werden: „ Wie hat sich die Lernorientierung der Befragten der dortigen Situation angepasst? “. Dazu werden beide Interviews gemäß der dokumentarischen Methode ausgewertet. Im Theorieteil wird dazu erst einmal die dokumentarische Methode (2.1) vorgestellt. Darauf folgen die Darstellung der formulierenden (2.2) und der reflektierenden Interpretation (2.3) in den nächsten beiden Unterkapiteln. Die Typenbildung und die komparative Analyse werden in den Unterkapitel 2.4 und 2.5 vorgestellt. Abgeschlossen wird der theoretische Teil durch das narrative Interview in Unterkapitel 2.6. Im dritten Kapitel wird die dokumentarische Methode anhand von Interviewabschnitten von zwei befragten Personen angewendet. Dazu wechseln sich formulierende und reflektierende Interpretation ab und zentrale Aussagen und Feststellungen hinsichtlich der formulierten Fragestellung werden im Fazit der Arbeit festgehalten.

2 Theoretische Grundlagen

Um den Praxisteil theoretisch zu untermauern, werden in Kapitel 2 die Kernelemente der Dokumentarischen Methode, sowie die Methode zur Erhebung der Interviews dargestellt.

2.1 Die dokumentarische Methode

Zu Anfang entwickelt und genutzt für die Interpretation von Gruppendiskussionen, erfreut sich die Anwendung der dokumentarischen Methode einem immer weiterem Spektrum zur Auswertung und Analyse von qualitativen Daten. Darüber hinaus wird sie in zahlreichen sozialwissenschaftlichen Feldern praktiziert (vgl. Nohl 2009, S. 14).

Zum Verständnis der Grundzüge der dokumentarischen Methode ist es sinnvoll sich kurz mit der Bedeutung von Erfahrungsaussagen auseinander zu setzen. Hierzu greift Nohl auf Karl Mannheim zurück, der zwischen zwei differierenden Sinnebenen unterscheidet. Er trifft eine Abgrenzung zwischen dem „immanenten Sinngehalt“ und dem „Dokumentsinn“. Sobald Menschen von ihren Erfahrungen berichten, lassen sich derartige Illustrationen auf ihren wörtlichen, expliziten Charakter hin untersuchen, welcher als „immanenter Sinngehalt“ von Mannheim tituliert wird. Innerhalb des immanenten Sinngehalts gibt es eine weitere Unterscheidung zu treffen. Zum einem der „intentionale Ausdruckssinn“, welcher auf die Absichten und Motive des Erzählenden abzielt, und zum anderen auf den „Objektsinn“, bei dem es um die allgemeine Bedeutung einer Handlung oder des Textinhaltes geht. Vom immanenten Sinngehalt, mit seinen zwei Subdifferenzierungen, ist der „Dokumentsinn“ zu unterscheiden. Hierbei entsteht eine Strukturierung der geschilderten Erfahrung auf Grundlage der Rekonstruktion dieser, in Form eines „Dokuments einer Orientierung“. Im Kern geht es darum darzulegen, wie eine Erfahrung geschildert („Was“) und in welchem Rahmen („Wie“) diese erörtert wird. Unter Hinzuziehung anderer Abschnitte des Interviews dient der Text praktisch als Beweis für die vom Forscher getroffenen Interpretationen (vgl. Nohl 2009, S. 8 ff.).

In der Praxis ist die beschriebene Unterscheidung von Mannheim Grundlage für die formulierende und reflektierende Interpretation, welche als wesentliche Bestandteile der dokumentarischen Methode anzusehen sind. Zwischen der formulierenden und reflektierenden Interpretation gibt es eine klare Trennung, die in den folgenden zwei Unterkapiteln beschrieben wird (vgl. Nohl 2009, S. 9).

2.2 Formulierende Interpretation

Noch vor der Transkription beginnt die formulierende Interpretation von Interviews. Nach der Erhebung der Interviews sollten sich die Forschenden die Audiodatei anhören und in tabellarischer Form eine zeitliche Abfolge der Themen erstellen. Dies dient einerseits der Übersicht und andererseits können Sachverhalte, die besonders interessant sind, schnell ausgemacht werden. Zur Auswahl der thematischen Abschnitte sind drei Kriterien ausschlaggebend. Erstens liegt das Augenmerk auf Themen, die bereits vor der Erhebung durch die Forschenden festgelegt wurden. Weiterhin sind alle Sachverhalte von hoher Relevanz insofern die befragte Person sich außerordentlich ausführlich, emotional, etc. zu einem gewissen Sachverhalt äußert. Das dritte Kriterium ist als Hinweis für komparative Analysen zu verstehen. Denn mit Hilfe der thematischen Verläufe können solche Themen identifiziert werden, welche in unterschiedlichen Fällen gleich behandelt werden. Durch die Beachtung der drei Kriterien kann Zeit und Aufwand gespart werden, da eine Volltranskription nicht immer zwingend notwendig und sinnreich ist. Sobald das Transkript angefertigt wurde, erfolgt die formulierende Feininterpretation. Hierbei wird jeder Abschnitt im Hinblick auf mehr oder weniger auffällige Themenwechsel hin sequentiell untersucht. Dies führt dann zur Herausbildung von Ober- und Unterthemen. Jedes Unterthema, egal welche Länge es aufweist, wird thematisch in einigen Sätzen durch den Forschenden in eigenen Worten zusammengefasst. Durch diesen Vorgang wird zudem sichergestellt, dass sich der Forscher dem Text gegenüber befremdet. Das „Fremd machen“ gegenüber dem Text ist essentiell, da der thematische Gehalt nicht selbstverständlich ist und einer Interpretation bedarf (vgl. Nohl 2009, S. 46 - 47).

2.3 Reflektierende Interpretation

Nachdem der Forscher mit Hilfe der formulierenden Interpretation sich auf das „Was“ des Interviewtextes fokussiert hat, beschäftigt sich der Forscher in der reflektierenden Interpretation mit dem „Wie“, das heißt er versucht zu interpretieren in welchem Orientierungsrahmen ein Thema behandelt wird. An dieser Stelle gilt es zu erwähnen, dass die Semantik des Textes und dessen formale Konstruktion untrennbar miteinander verbunden sind und dementsprechend betrachtet werden müssen. Bei der Untersuchung der Art und Weise wie ein Sachverhalt behandelt wird, ist es unabdingbar sowohl formale als auch semantische Aspekte des Interviews zu berücksichtigen. Zur Durchführung der formalen Interpretation des Interviewtextes wird eine Textsortentrennung vorgenommen, die auf der Narrationsstrukturanalyse von Schütze basiert. Hierbei werden Erzählung, Beschreibung und Argumentation unterschieden1. Diese Textsorten auszumachen und dementsprechend zu interpretieren, ist das Herzstück der formalen Interpretation, welche einen Bestandteil der reflektierenden Interpretation ausmacht. Sie setzt sich weiterhin aus der komparativen Sequenzanalyse zusammen, mit der die oben erwähnte Semantik gedeutet und erörtert wird. Mittels der komparativen Sequenzanalyse wird innerhalb des Transkripts nach gewissen Handlungsmustern gesucht, welche hinsichtlich der zentralen Problematik eine bestimmte Ab- oder Reihenfolge vorweisen. Insofern der Rahmen gleichbleibt, ist davon auszugehen, dass es zu einer bestimmten Handlungsabfolge kommt, in der differierende Handlungen eine Regelhaftigkeit aufweisen. Im Zuge der Regelhaftigkeit können schließlich Rückschlüsse auf den individuellen Orientierungsrahmen gezogen werden, womit eine Rekonstruktion der persönlichen Handlungsorientierung des Interviewten erstellt werden kann (vgl. Nohl 2009, S. 47 ff.).

2.4 Komparative Analyse und die Typenbildung

Der Vollständigkeit halber, wird nun eine kurze Darstellung zur komparativen Analyse und zur Typenbildung folgen. Die Komparative Analyse ist dann sinnvoll, wenn sich der dokumentarische Sinngehalt gewisser Orientierungsrahmen von einem Befragten nur in Kontrast mit anderen Befragten und deren Orientierungsrahmen erfassen lässt. Allerdings kann die vergleichende Analyse darüber hinaus auch eingesetzt werden, um einen Fall besser zu verstehen und den Zugang zu erleichtern. Dazu werden andere Fälle herangezogen. Dies kann entweder zur Validierung oder zur Ermöglichung neuer Interpretationsschritte führen. Entscheidend beim Vergleich der Interviewten ist, herauszustellen in welchen Orientierungsrahmen sie ein Thema bearbeiten (vgl. Bohnsack 2001, S. 337 ff.; Nohl 2009, S. 54 ff.).

Die Typenbildung geht über die Zwecke der Komparativen Sequenzanalyse hinaus und dient der Generierung von Typen bzw. mehrdimensionaler Typologien, die dann wiederum zu Generalisierungen führen können. Innerhalb der Typenbildung kann zwischen der Herausbildung von sinngenetischen Typen und der soziogenetischen Typenbildung unterschieden werden (vgl. Nohl 2009, S. 57 ff.).

2.5 Das narrative Interview

Von Schütze entwickelt und propagiert, erfreut sich diese Form des qualitativen Interviews großer Beliebtheit in der qualitativen Sozialforschung. Ziel von narrativen Interviews ist das Aufdecken und Verstehen von Erfahrungen, Sachverhalten, Sichtweisen und Handlungen von Personen, sowie deren Erläuterung. Das narrative Interview zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass in der Regel weder Leitfaden noch Fragebogen verwendet wird. Weiterhin liegt der Fokus darauf, dass eine offene Gesprächsführung stattfindet. Das heißt, dass der Interviewer zwar jederzeit Nachfragen oder Fragen zur Vertiefung stellen kann, jedoch insgesamt eher zurückhaltend agiert. Hauptaufgabe des Interviewers ist es erzählgenerierende offene Fragen zu stellen, die sein Gegenüber zum Reden bringen. Denn nur dadurch wird die Erzählung des Interviewten realitätsgerecht und plausibel. Darüber hinaus erfolgt hierdurch eine Rekonstruktion früheren Handels, wodurch die Orientierungsmuster des Handelns am ehesten erkennbar werden (vgl. Atteslander 2008, S. 133; vgl. Lamnek 2005, S. 357 ff.). Bei den durchgeführten Interviews wurde versucht nach diesen Vorgaben zu agieren. Die Interviewten wurden auf ihrer „Stube“ in ihrem natürlichen Umfeld befragt. Dazu wurde zu Anfang eine Eingangsfrage gestellt, die sowohl offen als auch erzählgenerierend war.

3 Praxisteil und Anwendung

Bevor die praktische Anwendung der dokumentarischen Methode an eigens durchgeführten Interviews erfolgt, sollen an dieser Stelle kurz ein paar Informationen über die beiden Interviewpartner gegeben werden. Diese Informationen befinden sich nicht im Transkript, sondern beruhen auf eigenen Erfahrungen, da die Befragten dem Autor dieser Arbeit schon länger bekannt sind.

[...]


1 Zur Unterscheidung der Textsorten vgl. Nohl 2009, S. 48; vgl. Lamnek 2005, S. 357.

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656126010
ISBN (Buch)
9783656126546
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188828
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
Schlagworte
anpassung lernorientierung deutschen offizieren auslandsstudium eine falluntersuchung usma westpoint

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