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Die Teilnehmende Beobachtung als Kernmethode der ethnografischen Feldforschung

Hausarbeit 2010 22 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung Ethnografie

3 Feldforschung
3.1 Historie
3.2 Allgemeines

4 Teilnehmende Beobachtung
4.1 Allgemeines/Merkmale
4.2 Phasen
4.3 Zugang zum Feld
4.4 Probleme und Risiken

5 Merkmale und Fähigkeiten eines Feldforschers

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Monographien

1 Einleitung

Im Sinne der rekonstruktiven Sozialforschung stellt die teilnehmende Beobachtung im Rahmen der Feldforschung eine bedeutende Methode dar. Die Forschungspraxis und das Erfahrungswissen, welche methodisch und durch Alltagswissen erlernt werden, spielen eine zentrale Rolle. Ebenfalls sind diese Aspekte in der teilnehmenden Beobachtung und in der Feldforschung wiederzufinden. Anhand von Beobachtungsprotokollen oder anderen Aufzeichnungen, die während der teilnehmenden Beobachtung erhoben werden, kann die Handlungspraxis rekonstruiert werden.[1] In Kapitel 2 wird der Begriff der Ethnografie dargestellt und geklärt. Aufgrund des Wandels der teilnehmenden Beobachtung, ist dieser Terminus als zentral zu werten und wird daher näher beleuchtet. Im Anschluss wird sich der Historie und den Merkmalen der Feldforschung in Kapitel 3 gewidmet. Darauf folgt Kapitel 4 mit dem Schwerpunktthema dieser Hausarbeit, der teilnehmenden Beobachtung. Zuerst wird mit allgemeinen Punkte und Merkmalen ein Grundverständnis der Methode geschaffen. Anschließend werden mehrere Phasenmodelle kurz dargestellt und miteinander verglichen. Der dritte Teil des Kapitels beschäftigt sich mit der Phase des Feldzugangs, welche am Anfang des Forschungsprozesses steht. Im letzten Teil des Kapitels werden Probleme und Risiken, die die teilnehmende Beobachtung mit sich bringt, aufgezeigt. Den letzten Teil dieser Hausarbeit stellt Kapitel 5 dar. Hier werden diverse Fähigkeiten und Merkmale, die ein Forscher, wenn er sich für die teilnehmende Beobachtung entscheidet, mitbringen sollte um erfolgreich zu sein. Abschließend folgt das Fazit, in dem die wesentlichen Aspekte zusammengefasst werden. Die zentralen Fragstellungen die dieser Hausarbeit zu Grunde liegen, lauten wie folgt: Wie gestaltet sich die teilnehmende Beobachtung und welche Probleme können entstehen? Was sollte ein guter Forscher mit sich bringen?

2 Begriffsklärung Ethnografie

In dieser Hausarbeit werden mehrere zentrale Begriffe der Feldforschung aufgegriffen. Um ein besseres Verständnis von der Feldforschung zu erlangen, ist es notwendig den Terminus der Ethnografie vorzustellen. Zwar könnte man auch Begrifflichkeiten wie Beobachtung oder teilnehmend klären, jedoch sind diese weitestgehend bekannt und leicht zugänglich.

Ethnografie meint ein Forschungsprogramm, das darauf abzielt, andere Lebensweisen, Lebensformen, Lebensstile sozusagen ,von innen` her zu verstehen, d.h. ,fremde Welten` auf ihren Eigen-Sinn hin zu erkunden“. [2] Dieses Zitat fasst in aller Kürze sehr gut zusammen was mit Ethnografie gemeint ist und auf was diese abzielt. Für Lüders hat die Ethnografie zum Ziel die Frage zu beleuchten, wie die jeweiligen Realitäten praktisch geschaffen werden, was sich mit dem eingangs vorgestellten Zitat deckt.[3] Allerdings weist Hünersdorf darauf hin, dass der ethnografischen Forschung kein eindeutiges Klassifikationsschema zugrunde liegt. Eine klare Abgrenzung zur Ethnomethodologie, welche sich mit den Alltag der Menschen und deren Handlungsregeln beschäftigt, der biographischen Forschung oder der Diskursanalyse ist nicht möglich. Selbst die quantitativen Methoden sind mit Ethnografie verbunden, da diese Verwendung in der ethnografischen Forschung finden.[4] Nach Tenorth und Tippelt hat die Ethnografie ihren Ursprung in der Ethnologie.[5] Unter Ethnologie ist eine Wissenschaft zu verstehen, welche menschliches Verhalten untersucht und zwar kulturgeprägte fremde Verhaltensweisen.[6] Es gibt viele Arten von Ethnografien, wobei hier lediglich drei genannt und kurz vorgestellt werden, die abweichende Erkenntnisinteressen verfolgen. Bei der exotischen Ethnografie liegt der Fokus auf dem konkreten Einzelfall und die Besonderheit des untersuchten Feldes soll herausgestellt werden. Im Gegensatz zur exotischen Ethnografie verfolgt die komparative Ethnografie ein anderes Erkenntnisziel. Hierbei geht es um die Pointierung struktureller Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten unter Betrachtung völlig verschiedenartiger Felder. Als drittes ist die semantische Ethnografie zu nennen, welche Kulturfelder erschließt und ihren Fokus auf historische und strukturelle Gesichtspunkte legt.[7] Weiterhin halten Flick und andere markante Merkmale der ethnografischen Forschung fest. Die lange Teilnahme des Forschers, die Ethnographie als formbare Forschungsstrategie und das ethnografische Schreiben.[8] Ebenso macht Bohnsack darauf aufmerksam, dass allen Variationen der Ethnografie die intensive und lang anhaltende Teilnahme des Forschers am Feld teilen. Des Weiteren zeichnet sich die Ethnografie dadurch aus, dass Ethnografen triangulierend agieren, wobei hauptsächlich nicht-standardisierte Verfahren genutzt werden.[9]

3 Feldforschung

Das folgende Kapitel thematisiert die qualitative Feldforschung. Dazu werden eingangs die Geschichte und die Entwicklung der Feldforschung kurz dargestellt. Darauf folgen allgemeine Punkte zur Feldforschung.

3.1 Historie

Die Geschichte der Feldforschung wird im Folgenden kurz dargestellt, um einen thematischen Einstieg zu gewährleisten und um sich über die Entwicklung der Feldforschung klar zu werden.

Ein genaues Datum der Geburtsstunde der Feldforschung lässt sich nicht festsetzen. Allerdings lässt sich generell festhalten, dass sich die Feldforschung im Zuge der Exploration neuer Völker, Stämme und Kulturen entwickelte. Die ersten Berichte ethnographischer Art beruhten auf Expeditionsteilnehmern, Missionaren, Kolonialisten und Reisenden. Diese Personengruppen erstellten erstmals Berichte, gewannen Informationen und gaben diese der europäischen Öffentlichkeit bekannt.[10] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Feldforschung vornehmlich durch Malinowski im Bereich der Ethnologie entwickelt und begründet. Aufgrund dessen wird die Feldforschung oder auch Field Research genannt, des Öfteren als ethnografische Methode betitelt.[11] Bronislaw Malinowski verweilte 19 Monate auf den Trobiandinseln und lebte dort unter den Einheimischen. Er nahm am Leben der Einheimischen teil, eignete sich deren Sprache an und studierte sowohl deren Lebenswelt als auch deren Lebensstil. Zudem dokumentierte er all seine Beobachtungen für spätere Auswertungen und schuf somit das markante Feldforschungs-Paradigma mit der teilnehmenden Beobachtung. Herausragend war seine Vorgehensweise insofern, als das er die kulturellen Einzigartigkeiten niemals separiert ansah, sondern sie in Verbindung mit einander setzte und schließlich in einen großen Kontext einband. Malinowski integrierte damit Feldforschung und Theoriebildung, welche sich bis zu diesem Zeitpunkt größtenteils separat voneinander herangebildet hatten. Für die weitere Entwicklung der ethnographischen Feldforschung waren die amerikanischen Arbeiten essentiell. In Amerika war das Thema der Völkerkunde viel brisanter und aktueller als in Europa, woher sich die verstärkte Auseinandersetzung mit ethnographischen Methoden erklären lässt.[12] Allen voran hatte die Chicagoer Schule großen Einfluss auf die Entwicklung der Feldforschung. Anlässlich der alltagsnahen Forschung der Chicagoer Schule, stellte die Feldforschung eine passende Methode dar.[13] Als nächsten Meilenstein, Anfang der 1930er Jahre, ist die Arbeit von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel herauszustellen, da diese Forscher erfolgreich qualitatives und quantitatives Datenmaterial miteinander kombinierten.[14]

[...]


[1] Vgl. Bohnsack (2007), S. 9 – 12

[2] Zitiert nach Hitzler in Bohnsack 2006, S. 48

[3] Vgl. Flick/Kardorff/Steinke 2007, S. 390

[4] Vgl. Hünersdorf/Meader/Müller 2008, S. 30

[5] Vgl. Tenorth/Tippelt 2007, S. 220

[6] Vgl. Bargatzky 1997, S. 11

[7] Vgl. Bohnsack 2006, S. 49

[8] Vgl. Flick/Kardorff/Steinke 2007, S. 391

[9] Vgl. Bohnsack 2006, S. 49 – 51

[10] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

[11] Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 337

[12] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

[13] Vgl. Bortz/Döring (2006), S. 337

[14] Vgl. Friebertshäuser/Prengel (1997), S. 506

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656126003
ISBN (Buch)
9783656126539
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v188829
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Teilnehmende Beobachtung Ethnografie

Autor

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Titel: Die Teilnehmende Beobachtung als Kernmethode der ethnografischen Feldforschung